Hämeenlinna, Helsinki, Eishockey und der finnische Alltag
09:14, 25.09.2008. Von LisaLangsam glaube ich ich sitze in einem Zeitloch. Da dreht man sich um und schon sind seit dem letzten Eintrag wieder wochen vergangen (naja, fast
) Da muss ich erstmal im Kalender nachschauen, was so passiert ist.
Am vorletzten Wochenende haben wir, nach langer Diskussion, Hämeenlinna besucht. Eigentlich wollten wir nach Helsinki fahren, aber es wollte niemand mit, weil Helsinki ihnen zu langweilig ist um dort 2 Tage zu verbringen. Also fuhren wir erstmal nach Hämeenlinna. Das heißt sowas wie Hämeen Schloss und liegt fast genau in der Mitte zwischen Tampere und Helsinki. Dank der in Finnland echt guten Zugsystems kamen wir auch schnell hin. Zugfahren ist echt klasse, die Züge fahren oft, allein nach Helsinki glaube ich unter der Woche 2 stück in der Stunde. Es gibt auch nicht so ranzige alte Züge wie schonmal in Deutschland verkehren, sondern schöne moderne Züge, die mich ein bisschen an die DoppelstockREs erinnert haben. Das beste kommt allerdings noch: als finnischer Student zahlt man grundsätzlich nicht der vollen Preis sondern nur die Hälfte. Davon könnte sich die DB gerne eine Scheibe abschneiden
. Es ging also los nach Hämeenlinna, einem 50 000 Einwohnerort, in dem es eigentlich gar nicht so viel zu sehen gibt, aber eben dieses Schloss. Schloss ist eigentlich auch der falsche ausdruck, es war mehr eine alte Burg. SIe wurde im 13. Jhd erbaut und hatte noch kleine verschachtelte Gänge, in denen man bei zu großer Leibesfülle bestimmt stecken bleibt
. Ich stell gleich noch ein paar Fotos ein, damit ihr wisst was ich meine. Mit unserer Reisegruppe bestehend aus Sarah, Steffen, David, Yunus, Helen und mir erkundeten wir das Schloss und anschließend die Stadt. Dort gab es noch das Geburtshaus von Jean Sibbelius zu sehen, einem finnischen Komponisten, der die "Finlandia Hymni" komponiert hat. Das ist zwar nicht die Nationalhymne Finnlands, aber die Finnen finden sie total super und Sibbelius wird wie ein Nationalheld gefeiert. Mittags gabs Pizza und danach ein entspannendes Sonnenbad am Fluss, man muss ja die letzten Strahlen einfangen bevor es dunkel wird...
Dieses Wochenende waren wir dann doch tatsächlich in Helsinki. Wir, also Helen und ich, konnten noch Kira, Kiki und Anna sowie deren Freund, der gerade zu Besuch ist, begeistern. Um 9 gings los, diesmal allerdings mit dem Bus. Am Vorabend hatte mal wieder eine Welcomeparty für Internationals stattgefunden, die gibts hier im 2-wöchigen Rythmus... daher hielt sich unser Schlafpensum der Nacht in Grenzen, was aber auf der Fahrt nachgeholt werden konnte. Diese Party war wieder eine totale Ich-schiess-mich-gnadenlos-mit-billigem-Estlandvodka-ab-und-baggere-danach -aus-verzweiflung-alles-an-was-ich kriegen-kann-Party. Allerdings war der Eintritt frei und die Musik zwar trashig aber nciht so schlimm wie die woche zuvor auf der Traffic Light Party. Hab ich davon eigentlich erzählt? Das war echt gnadenlos schlecht. Traffic Light Party hieß sie, weil man am Eingang einen Aufkleber bekam: Rot für vergeben, Geld für unsicher und Grün für ich bin noch zu haben. Eine richtig tolle Singleparty also. Komischerweise trugen die meisten mädels rot und fast alle Kerle grün. Naja, man wurde also schon vorsortiert nach dem Motto mit dem oder der darf ich erst gar nicht sprechen, weil im endeffekt ist es eh sinnlos. Dazu kam die unglaublich schlechte Musik in dem Club, die uns dann gegen halb 2, leider hatten wir den letzten Nachtbus verpasst, mit dem Taxi nach Hause trieb.Aber nun zurück zu dem was ich eigentlich erzählen wollte.
In Helsinki hatten wir im Omena Hotelli ein Zimmer für 4 Leute gebucht, Anna und ihr Freund wollten abends wieder nach Hause fahren. Leider konnten wir erst gegen Nachmittag in das Zimmer, sodass wir unsere Sachen durch Helsinki tragen mussten. Als erstes ging es zum Dom von Helsinki. Das ist eine ziemlich große lutheranische Kirche und mit ihren monumentalen Stufen quasi das Wahrzeichen der Stadt. Es tummelten sich auch schon jede Menge Touristen und Reisegruppen auf den Stufen und dem Plateau vor der Kirche, oder kauften selbstgetrickte Mützen oder selbstgemachte Marmelade bei Frauen, die ihre Stände zu Füßen des Doms aufgebaut hatten. Weiter gings zum Hafen. Da Helsinki auf einer Art Landzunge liegt ist der ziemlich groß, aber besonders interessant ist der Markt, der direkt am Hafen liegt. Dort gibt es glaube ich jeden Tag Markt (jedenfalls war er beide Tage, an denen wir da waren). Es gibt hässliche Souvenirs, zB so russische Pelzmützen, in denen man noch den Fuchskopf erkennt, Krimskrams mit finnischer Flagge, der an Touristen verscherbelt wird, aber auch kleine Marktcafés, in denen man Kuchen oder frischen Fisch essen kann. Helsinki hat auch eine schöne MArkthalle, in der es Döner (siehe Bild) und rentierfleisch zu kaufen gibt. Unser Stadtrundgang ging weiter richtung Süden um südlichsten Zipfel der Stadt. Von dort hatte man eine tolle aussicht über das Meer und Suommenlinna, einer Festung, die sich vor Helsinki über mehrere Inseln erstreckt. Sie stammt, wie so viele Dinge hier, noch aus der Zeit als Finnland ein Teil Schwedens war und gegen Russland verteidigt werden musste. Daher sind auch alle Kanonen auf der Insel gegen Osten gerichtet. Die Festungsinsel war sehr schön, es gibt kleine Cafés und jede menge alter Festungsabschnitte, in denen man rumklettern und die schöne Aussicht über Helsinki und das Meer genießen kann. Zum Glück hatten wir am Wochenende sehr gutes Wetter, sonst wäre es bestimmt weniger schön gewesen.
Danach ging es zu unserem Hotel und dann zum Abendessen in eine kleine Bar. Anschließend wollten Anna, ihr Freund und auch Kira mit dem Bus zurück nach Tampere. Kiki, Helen und ich streunten noch ein bisschen durch Helsinkis Kneipenviertel, aber irgendwie waren wir alle etwas müde und beschlossen dann bald zurück ins Hotel zu gehen. Das Hotel lag übrigens total zentral in Helsinki in einem schönen Viertel und von dort konnte man alles gut zu Fuß erreichen. Mit 90 Euro die Nacht im 4 Bett-Zimmer ist es allerdings nur erschwinglich, wenn man auch zu viert bucht.
Am nächsten Morgen haben wir uns noch eine Kirche angeschaut, die in einen Felsen gebaut ist. Die Akkustik soll toll sein, aber wir fanden sie irgendwie unspektakulär
. Und gegen 14 Uhr fuhren wir mit dem Bus nach Hause, denn um 20.00 gab es diese Woche bei Sarah das allwöchentliche Sonntagsessen. Ihr Hühnchenrisotto kann einiges
.
Ansonsten kehrt auch hier in Finnland langsam aber sicher der Alltag ein. Die Uni ist etwas stressig momentan, weil wir eine Analyse unseres Projektes am Dienstag präsentieren müssen, aber quasi noch nichts haben... Finnisch zu lernen macht viel SPaß, auch wenn mir die Wörter total fremd sind und ich nicht glaube bis Januar ein vernünftiges Gespräch in finnisch halten zu können... aber es macht trotzdem Spaß.
Ach ja, wir haben letzte Woche einen Trip nach Lappland gebucht!! Anfang Dezember geht es für eine Woche nach Lappland. Mit Survivaltraining und Schlittenfahren und Iglubauen
. Ich freue mich schon total!!!!!!
So, jetzt muss ich mich langsam anziehen, in 1 h muss ich los zur Uni. Ich hoffe meine Berichte sind nciht zu ausführlich und lassen sich noch gut lesen, manchmal bin ich da einfach so drin, dass ich jedes Detail beschreibe und es doch ziemlich lang wird
.
PS:Jetzt hätte ich fast das Eishockeyspiel vergessen, dass wir uns letzte Woche angesehen haben. Finnland ist ja bekanntlich eine Eishockeynation, da ließen wir es uns nicht nehmen allesamt zum Eröffnungsspiel der beiden Teams von Tampere, Ilves und Tappara, zu gehen. Von dem Metal-Konzert von vor ein paar wochen hatten wir eigentlich erwartet, dass die Finnen auch hier still in ihren Sitzen bleiben und das Geschehen beobachten. Dem war überhaupt nicht so. Auf einmal konnten die sonst ach so ruhigen Finnen schreien was das zeug hält und sich gegenseitig mit ihren gesängen niederbrüllen. Besonders süß waren dabei 2 Kinder, 5 und 7 Jahre alt glaube ich, die direkt vor uns saßen, eingefleischte Tappara Fans und jedesmal, wenn die Ilvesfankurve wieder zu gesängen ansetzte, versuchten sie mit piepsigem "Tappara, Tapara!!" niederzusingen
. Die beiden waren echt cool. Das Spiel war auch gut und spannend: Ich hatte ich zuvor entschieden zu Ilves zu halten, die hatten einfach die schöneren Trikots (Ja, irgendwodran muss man das ja festmachen
) und anfangs musste man doch echt zittern. NAch dem ersten Drittel stand es glaube ich 4:1 für Tappara, allerdings holte Ilves auf und bis kurz vor Schluss stand es 4:4. Ilves traf dann noch ein fünftes Mal kurz vor Schluss und damit hatte das richtige Team gewonnen.
Eishockey in Finnland scheint generell vrutaler und ärter zu sein als in Deutschland, dort habe ich mal ein SPiel zwischen Köln und Düsseldorf gesehen, aber die schienen mir friedlicher als die Finnen. Zwischendurch musste das SPiel mehrmals unterbrochen werden, da die SPieler in Schlägereien auf dem Eis verfallen waren und ein unvermittelter Bodycheck war sowieso an der Tagesordnung. Aber es war schon lustig anzuschauen. 