Die fabelhafte Welt der armen LY
Das Glücksbuch
Gustav - Adolf - Meyer: Das Glücksbuch
Ein junger Mann machte sich auf den Weg, das Glück zu finden. Und nach wer weiß wie langer Zeit sah er einen großen Stein. Gespannt trat er näher und erschrak: Der Stein – ein Grabstein. Betroffen hielt er inne und las: Abdul Tateg, lebte 8 Jahre, 6 Monate, 2 Wochen und 3 Tage. Ein so junges Menschenkind an diesem Ort begraben? Wie das, warum nur? Prompt stieß er auf einen weiteren Stein: Yamit Kaleb, lebte 5 Jahre, 8 Monate und 3 Wo-chen. Also ein Friedhof. Nach und nach begann er die einzelnen Grabsteine zu entziffern. Nicht zu fassen: der älteste unter ihnen hatte gerade mal 11 Jahre gelebt. Überwältigt von Schmerz und Schauder sank er zu Boden.
Kurz darauf nahte fröhlich pfeifend der Friedhofsgärtner. „Trauerst du um einen Angehöri-gen?“ Der Glücksucher verneinte, doch fragte er völlig aufgelöst: „Warum liegen hier so viele Kinder begraben? Was für ein böser Fluch!“ „Nein, nein, kein böser Fluch. Es handelt sich auch nicht um Kinder! Das liegt an unserem Brauch hier: Jedes Kind bekommt von seinen Eltern ein kleines Heft – so wie dieses hier, das ich um meinen Hals trage. Jeder Moment, in dem wir etwas Schönes erleben, wird in diesem Büchlein festgehalten. Links wird notiert, was uns glücklich gemacht hat, und rechts, wie lange das Glück gedauert hat.“
„Ein --- Glücksbuch sozusagen?“ fragte der junge Mann staunend. „Genau“, sagte der Fried-hofswärter. Er nahm sein Buch, öffnete es und zeigte auf die linke Seite: „Hier. Da steht zum Beispiel: Der erste Kuss – und auf der anderen Seite: Zwei Tage Glück. Oder ein Sonnentag, acht Stunden. Oder da: Die große Liebe, Braut kennen gelernt, geheiratet.“ Der junge Mann staunte. „Und so haltet Ihr jeden freudvollen Augenblick in diesem Büchlein fest – und wenn dann jemand stirbt?“ „Dann rechnen wir alle Glückstage des Lebens zusammen. Und 5 Jah-re oder 10 Jahre Glück – das schreiben wir dann auf das Grab. Und weißt Du was? Auf die-sem Friedhof wird weniger geweint als auf anderen. Denn wir denken nicht nur an den Men-schen, den wir vermissen, sondern auch an das Glück, das ihm im Leben vergönnt war.“
Und der junge Mann, der das Glück suchte? Tja, der ging weiter... – aber nun mit einem Glücksbuch in der Hand. Und jeden Tag fand er zumindest ein kleines, manchmal aber eben auch ein großes Glück. Und er trug es sorgfältig in sein Glücksbuch ein: Stück für Stück und Glück um Glück.
Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe?
Sooooooooooooooooo süß!
Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab“, sagte der kleine Hase zu dem großen Hasen.
„Oh“, sagte der große Hase, „ich glaub nicht, dass ich das wissen kann.“
„Sosehr“, sagte der kleine Hase und breitete seine Ärmchen aus, so weit er konnte.
Der große Hase hatte viel längere Arme.
„Aber ich hab dich soo lieb“, sagte er.
Hm, das ist viel, dachte der kleine Hase. Dann hatte er eine Idee.
„Ich hab dich den ganzen Weg bis zum Fluss runter lieb“, sagte der kleine Hase.
„Ich hab dich bis zum Fluss und über die Berge lieb“, sagte der große Hase.
„Ich hab dich lieb bis zum Mond“, sagte der kleine Hase.
Da kuschelte sich der große Hase an den kleinen Hasen und flüsterte: „ Bis zum Mond und wieder zurück haben wir uns lieb.“
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