Kurzer Nachtrag Kuba: Reise durchs Land

Geschrieben von Margoli am 20.09.2013 um 14:59 . 0 Kommentare. Link.

Endlich ist es soweit. Wir haben zwei Wochen frei um ein bisschen mehr von der tropischen Insel kennenzulernen, als nur das laute, hektische Havanna. Begonnen hat die Reise etwas ungewöhnlich mit der Feier des heiligen Abends in einem All-inklusive Hotel in DER Touristenstadt Kubas: Varadero.

Los ging es am 24.12. morgens früh um 5 Uhr mit einem alten klapprigen Amischlitten. Mit an Bord die anderen Studenten, die mit uns ins Lilys Casa gewohnt haben und in einem anderen Auto Lilys und eine befreundete Familie. Die Kubaner waren ganz freudig erregt und Hauptthema war eigentlich nur das ganze Essen, was uns dort geboten werden würde. Das war auch der Grund weshalb es so früh losging: Das Frühstück musste auch gleich mitgenommen werden. So saßen wir um 8 Uhr schon im Hotelrestaurant und bedienten uns am Buffet, welches ok war. Danach verbrachten wir einen schönen Tag im Meer, in einem Paddelboot, Tischtennis und Fußball spielend, wunderbar kitschiges Wasserballett und einen wunderschönen Sonnenuntergang bestaunend,  Cocktail trinkend und natürlich essend. Am Abend gab es ein großes Weihnachtsbuffet und das machte uns nun wirklich selig. Es gab Rotwein, Blauschimmelkäse, rohen Schinken und Gans mit Rotkohl und Kartoffeln. Rotwein ist in Kuba ziemlich teuer und nicht gut und die Käseauswahl beschränkt sich auf eine Art nichtssagenden Gouda und Schinken besteht aus in Scheiben geschnittenem Formfleisch. Also eher nicht so lecker. Und Kartoffeln sind in der jetzigen Jahreszeit so gut wie nicht auffindbar. Sie werden nur für Touristen importiert. Meine ersten Kartoffeln also seit fast 3 Monaten und ich habe gemerkt, dass ich doch ganz dem Bild entspreche welches die Spanier von uns Deutschen haben, nämlich dass wir Kartoffelmenschen sind.

Nachdem wir am nächsten noch einmal alle Vorzüge des „All-inklusiv“ ausgekostet haben ging es dann mit dem Bus nach Matanzas, der nächstgelegenen Stadt, das echte Kuba kennenlernen. Es ist schon seltsam, dass so viele Leute gibt, vornehmlich reiche Russen, welche einen so weiten Weg zurücklegen, um dann ihren Urlaub in einem Hotel wie dem unseren zu verbringen ohne es ein einziges Mal  zu verlassen. Ich meine, der Strand ist schon ganz schön und das Meer auch. Aber das findet man auch auf den Kanaren. Und Kuba hat wirklich noch mehr zu bieten als das. Andererseits sollte man ganz froh sein, dass das Volk der Dicken, Reichen und Rotgebrannten so unter sich bleibt und einem nicht in jeden Teil des Landes folgt ;)

Mantanzas ist nachts angenehm ruhig aber wenig unterhaltsam und tagsüber sind die kleinen Straßen so voller lauter stinkender Autos, dass man eigentlich ständig nur auf der Flucht ist. Und außer einem kleinen feinen Apothekenmuseum und einem Hügel mit netter Aussicht gibt es auch nicht wirklich was zu sehen. Also so schnell wie möglich weg da. Es hat uns allerdings einen halben Tag gekostet  unsere Weiterreise in den Süden Cubas nach Trinidad zu organisieren. Zum einen, weil die Dame am Busticketverkauf keine Lust hatte uns richtig zu informieren und zum anderen, weil Kuba gerade von Touristen überschwemmt wird. Man hatte uns gewarnt, dass es um die Feiertage herum voll werden würde, aber dass es so schlimm werden würde hatten wir nicht geahnt. Aber schließlich bekamen wir doch noch Busfahrkarten für den nächsten Tag, allerdings erst ab Varadero. Am nächsten Morgen ging es dann also zurück nach Varadero, diesmal auf der Ladefläche eines Lastwagens für 50 Cent. Diese sogenannten „Camiones“ verkehren zwischen nahegelegenen Orten und sind für die Bevölkerung eine günstige Möglichkeit des Transportes. Im Gepäck hatten wir zwei nette Deutsche, die wir im Busbahnhof in Mantanzas aufgegabelt hatten und die ganz dankbar waren, dass es da zwei Spanischsprechende gab, die ihnen durch den Organisationswirrwarr halfen. Für uns war das ja schon eine Herausforderung. Aber ohne ein Wort spanisch: Uiuiui..da wird man ständig über den Tisch gezogen. Nach einem kurzen Stop in Varadero gings dann nach Trinidad, einer sehr schönen Stadt mit vielen herausgeputzten alten Kolonialhäusern und Hauptziel der meisten Kubabesucher, neben Varadero. Um acht Uhr abends kamen wir an und um elf Uhr hatten wir dann endlich eine Bleibe für die Nacht. An jedem dritten Haus gab es ein Schild, dass ein Zimmer angeboten wird und wir malten uns schon ein schönes großes Zimmer mit Terrasse oder zumindest schönen Innenhof  in einem Kolonialhaus aus. Am Ende teilten wir uns mit den Deutschen ein Zimmer ohne Fenster mit zwei Doppelbetten in einem etwas runtergekommeneren Teil der Stadt. Es war unglaublich. Alle diese Casa particulares waren also belegt mit Touristen. Am nächsten Tag konnten wir dann aber wenigstens in getrennte Zimmer ziehen und die Casamama war eigentlich auch ganz nett. Aber was brauchten wir auch ein tolles Zimmer. Die meiste Zeit des Tages waren wir ja eh unterwegs. Trinidad ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Eingebettet zwischen Bergen und Meer, mit schönen Kirchen und Plätzen und vielen kitschigen Kubamotiven. Ihr könnt euch schon auf die Fotos freuen. Am Abend des ersten Tages sind wir dann noch in die „Cuerva“ gegangen. Um dorthin zu kommen musste man einen steilen Feldweg auf einen Berg laufen. Von oben ging es dann über eine Treppe hinab in das Herz des Berges in eine große Höhle und in dieser höhle befand sich eine Disko. Der Veranstaltungsort war wirklich großartig. Leider war es die Musik nicht ganz so und mit der Zeit wurde für uns auch immer offensichtlicher welches Spiel dort gespielt wurde. Jeder „reiche“ alleinstehende westliche Mann.... Am zweiten Tag sind die zwei Deutschen dann weitergefahren und Malte und ich haben bei brennender Sonne und entsprechender Hitze eine Wanderung in die Berge gemacht. Belohnung war jedoch ein wunderschöner Wasserfall mit natürlichem Pool. Einfach traumhaft.

 

Advent in Havanna

Geschrieben von Margoli am 21.12.2012 um 12:06 . 0 Kommentare. Link.

Meine Liebsten, es tut mir unheimlich leid, dass ich euch jetzt schon wieder so lange im Dunkeln gelassen habe, was mein bzw. unser Leben in Kuba anbelangt. Sodass ich euch jetzt ein kleines update liefern werde. In unserem Krankenhausalltag gab es ein paar kleinere Veränderungen. So bin ich z.B. für zwei Wochen in die Kinderchirurgie in einem anderen Krankenhaus rotiert. Dort wurde insgesamt viel mehr operiert als in unserem Krankenhaus, sodass ich in den zwei Wochen ziemlich viele Operationen gesehen haben. Insgesamt habe ich aber eher kleine Maus gespielt. Das heißt, ich hatte keine Aufgaben und wurde von den anderen Ärzten auch kaum wahrgenommen. Aber so bin ich um zwei stressige Guardias herumgekommen und konnte mir anschauen, was mich interessierte und gehen, wenn ich keine Lust mehr hatte. Seit der letzten Woche ist Malte in der Neurochirurgie in unserem Krankenhaus. Die Neurochirurgen sind sehr offen und bemüht, ihm was beizubringen, sodass er zwar immer recht lange im Krankenhaus bleiben muss aber dafür häufig auch nähen oder kleinere Dinge im OP machen kann. Und über ihn konnte ich auch schon die eine oder andere Kopfplatz oder --schnittwunde nähen. Inzwischen gibt es auch endlich Internos, das heißt Studenten wie wir im 6.Jahr, in unserer Gruppe, sodass es nicht mehr so langweilig ist, wenn man auf irgendwas warten muss, was hier ja relativ häufig vorkommt. Aber trotzdem sind wir froh, dass Weihnachten vor der Tür steht. Professor Oramas hat uns nämlich netterweise zwei Wochen freigegeben, die wir wahlweise zum Lernen oder zum Reisen nutzen können. Ihr könnt euch denken, welche Wahl wir getroffen haben. Am Montag den 24. werden wir dann mit Lilys Familie und den anderen ausländischen Studenten aus ihrer Casa particular nach Varadero in ein All-inklusive-Hotel fahren und es uns dort für einen Tag und eine Nacht richtig gut gehen lassen. Ich denke es wird recht feucht-fröhlich zugehen, da auch die alkoholischen Getränke mit im Preis enthalten sind. Ein besinnliches Weihnachtsfest wird es wohl dieses Jahr eher nicht. Für die darauffolgenden 12 Tage die wir zum Reisen haben, gibt es noch keinen ausgetüftelten Plan. Wir werden uns einfach Richtung Osten der Insel aufmachen und mal schauen, wo es uns so gefällt. Wir werden die Zeit nutzen, um ein letztes Mal richtig zu entspannen, bevor uns dann im Januar hier in Kuba noch zwei kleinere und eine große Abschlussprüfung bevor stehen und natürlich, viel wichtiger, der  100 Tage Countdown fürs Hammerexamen beginnt. Dann ist es erst einmal vorbei mit großer Entspannung.

Ach laut Titel wollte ich ja noch etwas zur Adventszeit hier erzählen. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist es recht schwierig, uns Deutsche, die Kälte, Dunkelheit und Schnee zu Advent gewohnt sind, bei 26 Grad und Sonne und Palmen in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Daran kann auch nicht ändern, dass überall Lichterketten blinken, übermäßig geschmückte Plastikweihnachtsbäumchen stehen und einen an jeder Ecke ein aufblasbarer Weihnachtsmann angrinst. Die Stimmung fehlt einfach und,  ich kann mich natürlich täuschen, aber ich habe das Gefühl, dass es auch für die Kubaner nicht wirklich was bedeutet, dass der ganze Krimskrams da steht. Vor 10 Jahren gab es den hier nicht einmal. Das ist vielleicht wie Halloween bei uns zu Lande: Man wird überschwämmt mit Kürbisgesichtern und Gespenstern, aber eine Bedeutung hat es für uns nicht wirklich. So ist der 24.Dezember in vielen Familien nicht anders als jeder andere Tag. Viel mehr Bedeutung hat da eher der 31.Dezember, der in vielen Familien wirklich groß gefeiert wird. Und am 1. Januar, dem Jahrestag der Revolution kann man sich dann von der Feierei erholen.

Ihr hört wieder von mir, wenn wir unsere kleine Rundreise durchs Land beendet haben und dann bleibt mir nur noch, euch ein wunderschönes besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr zu wünschen.

Liebst eure Grete

 

Wir muessen umziehen

Geschrieben von Margoli am 6.12.2012 um 12:52 . 0 Kommentare. Link.

Sonntagmorgen. Wir sitzen gemütlich im Wohnzimmer und essen unser Frühstücksei und schlürfen den allmorgendlichen Guayabasaft (Guavensaft ist hier was bei uns Apfelsaft ist), als es plötzlich über uns laut knallt und ein paar Stücke Putz auf den Boden fallen. Was war das? Im ersten Moment dachten wir, irgendwas Schweres ist über uns auf die Terrasse gefallen, aber dann sehen wir, dass einer der Holzbalken der Decke durchgebrochen ist. Es ist keine unmittelbare Ursache auszumachen. Das Haus ist einfach altersschwach, so wie viele Häuser in Havanna es sind. Alt und dringend einer Renovierung bedürftig. Oje, stürzt jetzt die ganze Decke ein? Ich war besorgt, aber Lily war ganz durch den Wind. Wenn die Decke einstürzen sollte, dann hätten sie und ihre Familie keine Bleibe und keine Existenzgrundlage mehr. Zumindest zeitweise. Der herbeigerufene Architekt beruhigte sie daraufhin jedoch und meinte, es bestünde keine Einsturzgefahr. Die Decke im Wohnzimmer und in den beiden angrenzenden Zimmern müsste lediglich verstärkt werden. Dies bedeutete allerdings, dass sich das Wohnzimmer und die anderen Räume für die nächsten 2 Wochen in eine Baustelle verwandeln würden. Da dann nicht mehr genug Platz für alle vorhanden ist, müssen wir ausziehen. Aber natürlich hätte Lily uns nicht auf die Straße gesetzt. Also hat sie uns ein Zimmer bei einer Freundin auf der anderen Straßenseite besorgt und auch gleich den Preis etwas runtergehandelt. Das Zimmer ist kleiner und leider nicht ganz so schön, aber wir haben auch wieder eine Küche und eine Terrasse, die wir mitbenutzen können und bekommen Frühstück und Abendbrot für den gleichen Preis wie bei Lily. Und zum Glück können wir weiterhin das Internet bei ihr benutzen.  Wir werden allerdings eh nur 3 Wochen hier wohnen. Dann nehmen wir uns die zwei Wochen frei, welche uns Profe Oramas netterweise gibt, ohne, dass sie auf unserem Zertifikat stehen. Wenn wir dann Anfang Januar zurück nach Havanna kommen, werden wir  ein Zimmer in einer wunderschönen Casa particular, mit grossem, hellem Wohnzimmer und Balkon zur Strasse und schoen begruentem Innenhof nehmen. Dort koennen dann auch meine liebste Mama und ihre Freundin Lydia uebernachten, wenn sie Mitte Januar fuer zwei Wochen nach Kuba kommen.

 

Streifzüge durch das nächtliche Havanna

Geschrieben von Margoli am 1.12.2012 um 12:32 . 1 Kommentare. Link.

Es wird Zeit, etwas über die Abende und Nächte in der Hauptstadt Kubas zu berichten. Meine Vorstellung davon, bevor ich hierher kam, sah so aus, dass die Stadt in der Nacht pulsiert. Dass es an jeder Ecke eine Kneipe oder Bar gibt, in der sich die Nachbarschaft zum Schwatz trifft und sich regelmäßig kleine spontane Konzerte entwickeln, zu denen die Leute dann ein bisschen tanzen. Das war zumindest das Bild, das mir in Dokumentationen oder Reiseführern vermittelt wurde. Eine viel zu romantische Vorstellung, leider, denn in Wirklichkeit ist es unheimlich schwierig, nach 10 überhaupt noch eine offene Bar zu finden. Und Livemusik habe ich bis jetzt nur in teuren Bars im alten Stadtzentrum zur Unterhaltung von zahlenden Touristen  gesehen. Die Jugend trifft sich am Wochenende eher am Malecón, der Uferpromenade der Stadt, um zu trinken. Danach geht sie nach Hause oder zieht weiter in die Clubs der Stadt. Jedoch haben uns diese Clubs bis jetzt noch nicht in ihr Inneres locken können. Zum einen liegt das Durchschnittsalter sicher unter 20 und zum anderen würde es mir schwer fallen, zu spanischer Schnulzmusik zu tanzen. Aber natürlich müssen wir es bis zu unserer Abreise wenigstens einmal ausprobiert haben. Ich werde berichten. Aber man kann die Abende natürlich auch mit etwas anderem verbringen, als mit Trinken und Tanzen. Havanna hat ein relativ breites kulturelles Angebot, das von Kino, über Konzerte und Theater bis Ballett reicht. Bis auf das Kino sind die Eintrittspreise für Ausländer jedoch relativ hoch. Das heißt für deutsche Verhältnisse sind sie niedrig bis normal, aber mit einem kubanischen Ausweis bezahlt man nur einen Bruchteil dessen. Verlockend. Das hieß für uns also, auf die Carnet, wie sich der Ausweis nennt und welchen wir während unsere Zeit hier auch bekommen sollen, zu warten. Da man ins Kino allerdings auch so schon für umgerechnet 8 Cent reinkommt, haben wir den Kinosaal bis jetzt quasi zu unserem abendlichen Wohnzimmer umfunktioniert. In 6 Wochen war ich so oft im Kino wie sonst in 3 Jahren. Aber die Zeit für anspruchsvollere Kultur ist jetzt gekommen. Wir halten endlich unsere Carnet in den Händen, sodass wir uns heute Abend vielleicht im Teatro Nacional einen Flamencoabend für ein paar Pfennige anschauen werden.

Ein anderer Aspekt des abendlichen Havannas ist, dass er die perfekte Möglichkeit bietet, meine soziokulturellen Studien zu betreiben. Oder anders ausgedrückt: meinen voyeuristischen Neigungen nachzugehen. Da die Kubaner ihr Wohnzimmer meist gleich hinter der Eingangstür ihrer Wohnung haben, die zur Straße hinausgeht und diese Tür, wenn es warm ist und nicht regnet praktisch immer offen steht, kann man, wenn es draußen dunkel ist, wunderbar in die Wohnzimmer dieser Familien schauen. Meist sitzen sie des Abends gemeinschaftlich vorm Fernseher und schauen sich eine Telenovela an. Aber es wird auch diskutiert, Domino gespielt und spontan zu Reggeaton, der derzeit angesagtesten Musik, getanzt. Die Wohnzimmer sind meist wunderbar kitschig eingerichtet, mit Fotostudiobildern an der Wand und Porzellanfiguren auf der Anrichte. Aber es gibt auch sehr arme Familien, die nicht viel mehr als einen Stuhl und einen Tisch im Zimmer stehen haben. Aber ein Fernseher fehlt praktisch nie. Und das, obwohl es im kubanischen Fernsehen nur 4, für uns totsterbenslangweilige Programme gibt. Bis auf die Telenovela natürlich: Die ist so schlecht, dass sie schon wieder gut ist.

Kurz ein paar Worte zum Domino: Der ist neben Beísbol hier Volkssport und eine dominospielende Gruppe gehört schon fast zum normalen Straßenbild. Meist sitzen 4 Männer auf Hockern im Kreis und haben eine große Platte, die als Tisch dient, auf ihren Knien. Wenn wir das richtig verstanden haben, so sind die Regeln die gleichen wie bei uns, nur dass man hier mit Steinen mit 9 statt 6 Punkten spielt. Ich fand Domino immer langweilig, aber hier spielen es die Männer mit einem solchen Enthusiasmus und Einsatz, dass ich daran zweifle, dass es die gleichen Regeln sind. Vor kurzem gab es wohl auch eine Domino-Weltmeisterschaft, in der Kuba den ersten Platz gemacht hat. Kein Wunder :)


Ein Nachtrag: Ich muss meine etwas abfällige Meinung zum Domino revidieren. Gestern haben wir mit zwei befreundeten südamerikanischen Ärzten einen ganzen Abend lang Domino gespielt. Und ich weiß nicht, wie ich mit den Steinen als Kind gespielt habe, aber das Spiel macht echt Spaß und man muss doch einiges an Taktik und Köpfchen haben, um nicht nur mit Glück zu gewinnen.  Und dabei haben wir nur mit den Steinen bis 6 Punkte gespielt. Mit dem kubanischen „Neuner-Stein“ wird’s dann eine echte Herausforderung.

Und es gibt eine Enttäuschung bezüglich des reichhaltigen Kulturangebots, welches wir hofften für so wenig Geld erkunden zu können. Wir kommen doch nicht als Kubaner rein. L  Außerdem ist es nicht so leicht, das jeweilige Programm in Erfahrung zu bringen. Es gibt keine Zeitungen, welche dieses ankündigen. Die einzige Möglichkeit, neben zu teurem und langsamem Internet ist, am Ort des Geschenens selbst zu schauen. Da die meisten Veranstaltungsorte allerdings in Habana Vieja sind und wir dahin eine gute halbe Stunde laufen müssen, hält sich unsere Lust meist sehr in Grenzen. Ach Mann, ich bin desillusioniert.

 

 

 

Die Guardia und der Sonntagsausflug

Geschrieben von Margoli am 14.11.2012 um 10:04 . 2 Kommentare. Link.

Die Guardia:

Wie schon erwähnt, erwartet uns alle 6 Tage eine 24 + 4 Stunden-Schicht. Und die ist kein Zuckerschlecken. Um die Aufgaben in der Guardia nachvollziehen zu können, erkläre ich kurz das System,  nach dem die Patienten im Krankenhaus behandelt werden. Es gibt in der Chirurgie 6 Ärzteteams, bestehend aus Studenten (Alumnos und Internos), Residentes (Ärzten in der Facharztausbildung) und Fachärzten. Jedes Team hat alle 6 Tage Guardia, in welcher es in der Sprechstunde und Notaufnahme arbeitet. Alle Patienten, die in dieser Zeit aufgenommen werden, werden während ihres Aufenthaltes im Krankenhauses auch weiterhin von diesem Team betreut. An dem Tag der Guardia hat das Team auch den OP zur Verfügung. Sodass an diesem Tag eigentlich die einzige Möglichkeit zu operieren besteht bzw. Operationen zu sehen. Wenn die Entscheidung fällt, dass die Patienten aufgenommen werden, kommen sie für einige Zeit in den Sala de Observación. In diesem werden sie vor der Op, danach, bis sie stabil genug sind oder bis ein Bett auf Station frei ist, überwacht. In der Zeit muss dann auch der ganze Aufnahmekram erledigt werden, der leider nur zu einem kleinen Bruchteil wirklich aus Anamnese und Untersuchung besteht. Hauptsächlich muss man die aktuelle Krankengeschichte mind. 5 mal in verschiedenen Versionen abschreiben und variieren und eine Discusión diagnostica schreiben, in welcher man auf zwei Seiten darlegt, warum man sich für diese Diagnose entschieden hat und nicht für jene. Ich brauche zur Zeit ca. 2-3 Stunden, bis ich den ganzen Kram erledigt habe und da es wirklich einfach nur nervige Fleißarbeit ist, versuchen wir, uns so gut es geht darum zu drücken. Was das Ganze noch nerviger macht ist, dass man einen Großteil der Zeit damit verliert, die schlimmen Handschriften einiger der Ärzte zu entziffern. Lieber verbringen wir die Zeit damit, uns anzuschauen, wie Unfall- (der Klassiker ist vom Auto oder Moped angefahren oder Stromschlag) oder Gewaltopfer (z.B. Messer in den Nacken (mit gutem Ausgang)) erstversorgt werden oder wir schauen uns OPs an.  So kriegt man den Tag ganz gut rum. Sehr lang wird die Zeit aber nachts. Meist gibt es dann nicht so viel zu tun oder sehen, außer dass die Patienten alle paar Stunden evaluiert werden müssen. Gegen 3 oder 4 Uhr ist dann die Zeit gekommen, in irgendwelchen unbequemen Positionen zu versuchen, ein bisschen Schlaf abzubekommen. Was mir leider so gut wie nicht gelingt. Malte hingegen hat es schon geschafft, 2-3 Stunden am Stück zu schlafen. Gegen 6 ist es damit aber auch vorbei  und wir sind dann auch entsprechend gerädert. Aber bevor wir dann ins Bettchen dürfen, wartet noch ein ganz normaler Vormittag auf uns. Am liebsten fragt uns Profe Oramas dann noch über irgendwelche Krankheitsbilder aus, die wir während der Guardia gesehen haben.  

Und wenn wir dann endlich in unseren Federn liegen und unsere Äuglein schließen, dann sind unsere letzten Gedanken: In 5 Tagen ist es wieder soweit-Guardiazeit.

 

Ausflug aufs Land

Letzte Woche bot uns Profe Oramas an, ihn auf einen sonntäglichen Ausflug aufs Land zu begleiten. Unsere Begeisterung hielt sich erst einmal in Grenzen.  Jetzt sollten wir auch noch unseren einzigen freien Tag im „Einflussbereich des Krankenhauses“ mit dem seltsamen Professor verbringen. Worüber sollten wir uns nur die ganze Zeit unterhalten, wenn es bis dahin schon so schwierig gewesen war eine normale Konversation zu führen? Aber natürlich war es ein sehr nettes Angebot und bestimmt auch eine gute Möglichkeit, Kubas ländliche Region ein bisschen besser kennen zu lernen. Wir sagten also zu. Am Sonntag holte uns Oramas dann mit seinem alten klapprigen Lada ab und los gings. Wir hatten schon davon gehört, dass der alte Herr ein ganz großer Floraliebhaber und-kenner ist und sobald wir im Auto saßen, ließ er uns daran teilhaben, indem er uns den Namen jedes Baumes und Strauches nannte, an dem wir vorüber fuhren. Wenn das auf der ganzen Fahrt so weiterginge, dann brauchten wir uns keine Sorgen um die Konversation machen…wir müssten nur seinen Erläuterungen lauschen. Wir holten noch einen Freund des Profe ab, der ab dann fuhr, und dann ging es raus aus der Stadt und aufs Land. Durch mehrmaliges Nachfragen (wie gesagt, eine normale Unterhaltung war schwierig) und durch den Verlauf des Tages erfuhren wir dann, dass Oramas jeden Sonntag aufs Land fährt und dort Patienten von ihm besucht, die so über die Jahre zu seinen Freunden geworden sind. Er fährt an einem Sonntag so bei  8-10 Familien vorbei, erkundigt sich nach ihrem Wohlergehen, erntet etwas für den Eigenbedarf auf ihren Feldern, und speist bei einer der Familien zu Mittag, bei der er sich vorher telefonisch angekündigt hat. Jedes Wochenende variiert er die Route, sodass er zu vielen Familien Kontakt hält. Eben einen solchen Sonntag verbrachten wir mit Oramas. Und auch, wenn der Herr etwas oberlehrerhaft und meist etwas sonderlich ist, so hat uns der Ausflug doch sehr gefallen. Die Familien haben uns alle sehr freundlich empfangen. Nach einem kleinen Schwätzchen sind wir mit Oramas auf die Felder und haben geerntet, was es so gab. So hatten wir am Ende des Tages das Auto vollgeladen mit Yuka, Kochbananen, Kokosnüssen, Limetten, Zitronen, Orangen, Zuckerrohr, Avocados, Papayas , Minze, Oregano und sogar einem unheimlich süßen, lebendigen Albinokaninchen, das leider zum baldigen Verzehr durch den Professor bestimmt ist.  Am Ende des Tages war der Kofferraum voll und es wurde langsam eng bei uns auf der Rückbank. Das Ernten hat ziemlich viel Spaß gemacht und Maltes Höhepunkt war es, in dem Geäst eines Orangenbaumes herum zu krakseln und uns die ergatterten Früchte zuzuwerfen , die so prall und saftig waren, dass sie sogleich zerplatzten, wenn wir es nicht schafften, sie zu fangen. Und auch ein sehr leckeres Mittagessen mit selbst ausgebuddeltem Yuka gab es für uns. Und außer dem Benzin für die Autofahrt mussten wir nirgendwo irgendwas bezahlen. Der Profe, sein Freund und wir beiden waren überall eingeladen. Bevor wir uns dann von den Leuten verabschiedeten, schrieb Oramas dann meist noch ein Rezept oder er beriet die Menschen in sonstigen gesundheitlichen Belangen. Dieses Verhältnis von Profe Oramas zu seinen Patienten wundert einen nicht, wenn man sieht, wie der Arzt-Patienten-Kontakt auch sonst so im Krankenhaus ist. Die Ärzte nehmen sich nicht wirklich viel Zeit für die Patienten und machen auch keine sonderlich ausführlichen Anamnesen, jedoch ist der Kontakt meist sehr herzlich und Arzt und Patient kommen sich menschlich sehr nahe. Da passiert es einem schnell, dass man von irgendeinem Patienten oder seinen Angehörigen zur Begrüßung oder zum Abschied einen Schmatzer auf die Wange bekommt und auch sonst geht es häufig indiskreter zu. Die meisten Patienten im Krankenhaus sind sehr dankbar für die Behandlung die ihnen zu Teil wird, was man daran sieht, wie der Professor und seine Begleitung auf seinen Landausflügen mit kleinen Geschenken überhäuft wird. Unsere Erklärung dafür ist, dass die Patienten wissen, dass die Ärzte hierzulande für einen lächerlich geringen Lohn von umgerechnet 15 Euro arbeiten. Zudem gelten für sie als unverzichtbarer und teuer zu „erwerbender“ Teil des Landes viele einschränkende Gesetze. So ist es für sie z.B. extrem schwer, das Land zu verlassen, wenn sie nicht gerade auf Zeit für Devisen im Ausland arbeiten. Die meisten Ärzte üben also diesen Beruf aus, weil sie ihn wirklich mögen. In fast allen anderen Berufen und vor allem in denen, für die man keine Ausbildung braucht, kann man viel mehr verdienen, z.T. mit einem Tageslohn, der über dem Monatslohn eines Arztes liegt. Dies also wissen die Patienten und dafür sind sie dankbar. In Deutschland hingegen ist es für die Patienten selbstverständlich, ordentlich behandelt zu werden. Schließlich haben sie ja dafür bezahlt. Und häufig sind Patienten misstrauisch, z.T. auch zu Recht, ob eine Behandlung nur der schwarzen Zahlen wegen durchgeführt wird. Da besteht hier in Kuba keine Gefahr. So, zurück von meinem kleinen Exkurs: Von unserer Sonntagsfahrt durften wir einen großen Teil der schmackhaften Autoladung mitnehmen. Und jetzt sind wir dabei auszuprobieren, was man damit alles anstellen kann.

 

Das Krankenhaus

Geschrieben von Margoli am 4.11.2012 um 01:21 . 0 Kommentare. Link.

14.-30.Oktober 2012: Krankenhaus

Ich war in den letzten Wochen ein wenig nachlässig mit dem Schreiben des Blogs. Ich versuche nun die Ereignisse der letzten Zeit so gut wie möglich zusammen zufassen.

Am Montag nach unserer Rückkehr aus Vinales lag Malte mit Fieber im Bett und ich bin nochmal ins Krankenhaus gedackelt, um Präsenz und unseren Willen, nun endlich mit dem Praktikum anzufangen, zu zeigen. Und siehe da: Auf einmal schien es egal zu sein, dass ich kein Studentenvisum hatte. Ich wurde dem Lehrbeauftragten vorgestellt und dieser führte mich daraufhin ein wenig im Krankenhaus herum und ließ uns am nächsten Tag um 8 Uhr auf der Matte stehen. Malte legte dann auch prompt eine Blitzgenesung hin  (Wer weiß was ihn da erwischt hatte. Außer Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit hatte er nix) und am Dienstag gings dann los. Nachdem wir eine halbe Stunde einfach nur rumgesessen und gewartet hatten, gabs dann in einem großen Hörsaal eine Art Dienstübergabe. Danach gings mit den Alumnos (Studenten aus dem 4.Jahr) und den Ärzten auf Station. Es schien sich erstmal niemand für uns zu interessieren. Irgendwann stießen wir auf Professor Orámas, der für die Überwachung unserer Leistungen und  Anwesenheit und später auch die Unterschrift unserer Praktikumsbestätigungen zuständig ist. Er hat uns einen Zettel in die Hand gedrückt, auf welchem steht, was wir in unserem Praktikum alles lernen und machen sollen. Sieht erstmal garnicht so schlecht aus. Es ist darin vorgesehen, dass wir so viel wie möglich bei kleineren Eingriffen, wie Platzwunden nähen, Drainagen legen und ziehen und der Wundversorgung mithelfen und natürlich auch in den OP gehen sollen. Die offiziellen Arbeitszeiten sind von Montag bis Freitag 8:30 Uhr bis 16 Uhr, Samstags nur bis 12 Uhr und alle 6 Tage müssen wir eine 24 Stunden-Schicht machen, auf die dann wieder die normale Tagesroutine folgt. In der Realität kann man aber schon am Mittag gehen und die sog. Guardia (24h-Schicht) ist schrecklich. Aber dazu später mehr.

Kurz mehr zu Professor Orámas: In den Erfahrungsberichten war er als netter alter Mann und Gott der klinischen Untersuchung beschrieben, der eine Antwort auf jede Frage weiß. Kurz: Ich hatte ein ziemlich gutes Bild von ihm im Kopf. Der Mann, den ich dann vor mir hatte, hat mich dann doch eher enttäuscht. Aber vielleicht ist er auch nur langsam etwas wirr im Kopf. Er ist schon über 80. Auf die meisten Fragen, die wir ihm gestellt haben, hat er uns sehr seltsame Antworten gegeben. Ein Beispiel: Auf die Frage, wie der Vormittag auf Station denn jetzt konkret ablaufe und was dabei unsere Aufgaben seien, hielt er uns einen Zettel mit der Skizze von Hernien (Brüchen) im Leistenbereich unter die Nase, erzählte uns was von den anatomischen Verhältnissen und Einzelheiten der einzelnen Hernien und fragte uns am Ende, ob wir davon schon einmal was gehört hätten. Ja aber…wir waren hin und her gerissen zwischen Lachen und Entsetzen. Und auch auf mein erneutes Nachfragen gab es keine wirkliche Antwort. Und das Schlimmste: Die Ärzte und Studenten, die in der Nähe standen, schienen auch nichts Seltsames an dem Verlauf der Unterhaltung gefunden zu haben, kein Augenzwinkern, keine Bemühung, sich unserer anzunehmen und uns ein bisschen durch den Wirrwarr des Treibens auf der Station zu führen. Oh Gott. Was machten wir hier eigentlich? Waren wir so unerwünscht? Wir waren so froh, dass wir das wenigstens nicht alleine durchstehen müssen. Ich hätte wohl recht schnell an meiner eigenen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt.  Wir sind dann einfach bei einer Visite mitgelaufen, die bei der schwülen Hitze in den Räumen wirklich nicht einfach durchzuhalten war.  Um 12 Uhr war die Station dann plötzlich wie leergefegt von Personal. Also, nichts wie weg. Wir nahmen uns vor, am nächsten Tag noch hartnäckiger zu sein und uns solange durchzufragen, bis wir unsere Informationen hatten. Was die Orientierung noch schwieriger machte, war, dass wir zur Zeit die einzigen Internos (d.h. Studenten aus dem 6.Jahr) in der Chirurgie sind. Also stürzten wir uns auf die Alumnos. Aber irgendwie schienen die sich nicht vorstellen zu können, dass man ihr System der Krankenaktenführung und Aufgabenverteilung nicht kennt. D.h., sie guckten uns nur mit großen fragenden Augen an und schienen ernsthaft daran zu zweifeln, dass wir was von Medizin verstehen. Dass Malte die spanische Sprache alles andere als fließend über die Lippen ging, schien ihr Bild von unserer Inkompetenz noch zu bestätigen. Und so wurden wir dann tatsächlich gefragt, ob wir denn wüssten, wie man einen Patienten körperlich untersucht. Es war aussichtslos. Also mussten wir alles selbst irgendwie rausfinden. Jetzt, 2 Wochen später, haben wir einen ungefähren Durchblick. Aber es passiert uns immer noch, dass wir gefragt werden, warum wir dies oder jenes nicht gemacht haben und wir uns nur denken können: Ja hätte man es uns mal gesagt….ggggggggggggghhhhhhhrrrrrr.

Was wir bis jetzt rausgefunden haben: Jeden Morgen um halb neun ist Dienstübergabe. Jeden Dienstag und Donnerstag ist dann eine Vorlesung für die Alumnos, der wir beiwohnen können, wenn wir möchten. Danach geht’s auf Station. Dort ist es dann eigentlich Aufgabe der Alumnos, eine kurze Evaluation über den Zustand mit kleiner körperlichen Untersuchung eines jeden Patienten zu machen. Wir sollen das ganze Überwachen und die Alumnos korrigieren, wenn was nicht stimmt. Die Realität sieht aber so aus, dass die Alumnos so gut wie nie da sind, weil sie lieber vor dem Gebäude bleiben um zu quatschen oder Englischunterricht haben. Dannmüssen wir ihre Arbeit übernehmen. Da wir aber nur zu zweit sind, schaffen wir es nicht, alle Patienten zu sehen. Und in diesem Fall machen es dann die Ärzte. Danach geht’s auf Visite. Im Anschluss  werden Verbandswechsel und was sonst noch so anfällt, gemacht. Manchmal gibt’s danach noch ein Seminar und dann spätestens um 13 Uhr sind wir frei. Da wir bei dieser täglichen Routine nicht so viel lernen, wie es wünschenswert wäre, ist uns das auch ganz recht. Wir haben uns inzwischen angewöhnt, nach einem kleinen Mittagspäuschen ein bisschen Medizin zu lernen...In Zukunft wollen wir dazu auch häufiger mal in die Bibliothek gehen. In unserer Nähe gibt es eine ganz schöne.

Die Möglichkeit, mal etwas mehr zu sehen und machen zu dürfen, gibt es in der Guardia, die uns alle 6 Tage erwartet. Aber dazu beim nächsten Mal mehr. Heute muss ich nämlich etwas vorschlafen. Morgen haben wir wiederdie lange, lange Schicht. Und eh ich den Text hochgeladen und meinen wöchentlichen Mailcheck gemacht habe, ist noch ne Stunde um.

 

 

 

Kuba: Die ersten Tage

Geschrieben von Margoli am 11.10.2012 um 02:02 . 1 Kommentare. Link.

 

5.Oktober 2012: Der Anflug
 
5 Uhr in der Frühe: Der Wecker klingelt. Aber er weckt mich nicht. Ich bin schon wach. Die ganze Nacht schon. Immer am grübeln, ob ich nicht doch irgendwas Wichtiges vergessen haben könnte. Und um gut schlafen zu können habe ich am Abend zuvor auch noch ein paar Gläschen guten Weines getrunken. Entsprechend gerädert bin ich nun auch. Mama ist auch schon wach. Schnell fertig machen und auf geht´s nach Kuba! Erstmal 5 Stunden Zug fahren nach Frankfurt. Dort treffe ich den großen, schönen Mann, mit dem ich die nächsten 4 Monate in Kuba verbringen werde. Noch einen letzten Besuch beim kapitalistischen Maces (Mc Donald) auf der Besucherterrasse des Flughafens und dann geht’s mit ein wenig Verspätung endlich auf nach La Habana. Nach endlosen Stunden mit schlechten Filmen und missglückten Schlafversuchen sind wir dann endlich da. Unser Gepäck ist es auch, wir werden beide ins Land reingelassen und der Taxifahrer, der uns in unsere Unterkunft bringt steht auch bereit. Prima. Nur unheimlich heiß und feucht isses hier. Mal sehen wie wir das die nächsten Monate überstehen werden. Unser erstes Gefährt ist ein Lada, der uns zur „Casa Buena Vista“ bringt. Und der Name ist Programm. Vom Balkon unseres Hauses haben wir einen traumhaften Blick über die Stadt. Ortszeit: Kurz nach 24 Uhr. Und unsere innere Uhr steht auf noch viel später: Erstmal schlafen. 
 
6.Oktober 2012: Der erste Tag
 
Die innere Uhr weckt uns kurz vor 7 wieder. Aber wir sind ihr nicht böse drum. Der Sonnenaufgang über der Stadt, den wir ein paar Minuten später bewundern dürfen ist unglaublich romantisch. Nach einem guten Frühstück mit frisch gepressten Guavensaft und Rührei geht’s auf zum ersten Rundgang durch die Stadt. Vieles ist so, wie man es sich von Kuba vorstellt. Überall alte Amischlitten, an jeder Ecke klingt Musik. Menschen, die in ihren Hauseingängen sitzen und Zigarre rauchen. Weiß und Schwarz gemischt. Obwohl viele Weiße uns garnicht so unähnlich sind, fallen wir doch ziemlich auf. Wir sind einfach zu groß, tragen andere Klamotten, bewegen uns anders und natürlich Gaffen wir viel zu sehr. Die Folge ist, dass wir ständig angesprochen und in ein Gespräch verwickelt werden. Anfänglich scheinbar aus reiner Neugierde. Jedoch entpuppt sich diese leider immer in irgendeine neue Masche uns Geld abzuluchsen. Schade. Man gewöhnt sich relativ schnell an alle Zurufe zu ignorieren.  Aber zum Glück ist das nur in Habana Vieja, dem alten, touristischen Stadtkern so schlimm. In Vedado, wo wir zurzeit wohnen und auch die nächsten Monate wohnen werden, können wir ziemlich unbehelligt durch die Straßen laufen. Was uns erstaunt ist, dass man nicht unbedingt merkt, dass man in einem sozialistischen Land wohnt. Im Zentrum gibt es überall Läden mit Adidasschuhen und anderen Markenklamotten. Und auch in den Lebensmittelläden scheint es an nichts zu fehlen. Jedoch wenn man mal genauer hinschaut, dann sieht man auch den Preis, der dafür verlangt wird. Und dieser liegt häufig noch über europäischem Niveau. Es gibt also fast alles, aber leisten können es sich die meisten Kubaner nicht, da sie nur einen einheitlichen Monatslohn von ca. 15 Euro haben. Glück haben diejenigen, die die Möglichkeit haben sich mit Touristen noch ein paar Cookies (CUC) hinzuzuverdienen. Und dieser Umstand macht das Verhältnis bzw. den Umgang mit Geld für uns so schwierig. Häufig wird versucht uns den Betrag in CUC abzuknöpfen, den Einheimische in Pesos Cubanos bezahlen. Was dann zur Folge hat, dass wir den 25 bis mehrere hundertfachen Preis bezahlen. Manche Dinge dürfen wir aber in Pesos Cubanos bezahlen, die dann unglaublich billig sind. Eine Busfahrt z.B. kostet 1 Cent.  
Bevor wir dann gegen 21 Uhr tot müde aus den Latschen kippen gönnen wir uns noch ein Essen in dem Restaurant „La Roca“. Ich erwähne das nur, weil ich eine solche Atmosphäre in einem Restaurant noch nie erlebt habe. Es hat mich eher an ein Beerdigungsinstitut erinnert. Alle Fenster sind mit schweren Vorhängen zugezogen. Lichtquelle sind ein paar Neonlampen, die aber nur einzelne Menschen erhellten. Ich hab mich gleich auch totkrank gefühlt und hatte garkeinen Hunger mehr. Seltsamerweise war der Ort ziemlich gut besucht und die anderen Gäste schienen sich recht wohl zu fühlen. Cubaner sind seltsam.
 
7.Oktober 2012: Der zweite Tag
 
Als erstes gibt es mal wieder einen wunderschönen Sonnenaufgang zu bewundern. Dann wird gepackt und auf geht’s zu Lily und Chino. Das ist das kubanische Pärchen, bei denen wir die nächsten 4 Monate in einem Zimmer mit eigenem Bad und Küche und Dachterrasse wohnen werden. Lily ist eine richtige Mama des Hauses, wie man sie sich vorstellt. Herzlich und immer bereit Gäste zu empfangen. Neben unserem Zimmer vermieten die beiden noch drei weitere Zimmer. Selbst bewohnen sie zusammen mit ihrem jüngsten Sohn und einem kleinen Rattenhund ;) nur ein Zimmer.
Da unser Zimmer allerdings erst am Abend frei wird machen wir uns auf, um den Tag an des Playas del Este (Strände östlich von Havanna) zu verbringen. Und die sind tatsächlich so, wie man sie sich in der Karibik vorstellt. Türkisblaues Wasser, feinster Sandstrand und Palmen. Und wenn man ein paar Schritte läuft, dann ist man auch die Touristen los, die sich direkt vor ihrem Hotel in den Sand plumpsen lassen. Leider habe ich mir auch gleich erstmal nen Sonnenbrand eingefangen, trotz aller Cremerei. Danach haben wir unser neues Heim bezogen. Alles ganz einfach aber schön und das Beste ist die Terrasse. Und gleich darauf dürfen wir Lilis Kochkunst bewundern. Frühstück und Abendessen uns Wäschewaschen sind nämlich im Preis inklusive. Und ich bin begeistert. Meine größte Befürchtung ohne Salat und Gemüse auszukommen tritt nicht ein. Es ist zwar immer Fleisch dabei, aber es ist lecker.
 
8.Oktober 2012: Ab ins Krankenhaus, oder doch nicht?
 
So, auf geht’s zur Arbeit. Um 11 Uhr sind wir mit einem Professor Guarbey verabredet, der uns ein wichtiges Papier (Carta de presentación) aushändigen will. Bis wir ihn gefunden haben, vergeht allerdings eine Stunde und so einige Schweißperlen versickern in unseren viel zu warmen Krankenhausklamotten. Wir freuen uns schon so auf den „Winter“ hier, wenn es 5 Grad kälter ist. Oder zumindest auf das erste Gewitter, das ein wenig Erfrischung bringt. Mit dem wichtigen Papier in der Hand sollen wir uns dann bei Doctora Esperanza vorstellen. Diese erzählt uns, dass wir heute noch nicht anfangen können zu arbeiten, da in der chirurgischen Abteilung gerade eher Chaos herrscht. Heute ist der Chef der Chirurgie am Dengue-Fieber gestorben. Aber er war wohl schon länger krank. Dann werden wir einer anderen Ärztin vorgestellt, die mir offenbart, dass ich ohne Studentenvisum nicht mit dem Praktikum anfangen kann. Na Prima. Wie soll ich denn jetzt so schnell daran kommen. Ich sehe einen Berg von Bürokratiehürden vor mir aus dem Boden wachsen. Und es wir noch besser. Die Ärztin stellt uns Ana Ibis vor, die einen Haufen von uns bis dahin unbekannten Dokumenten von uns verlangt, bevor wir anfangen können zu arbeiten:   eine Bewerbung für unser Zimmer, eine notariell beglaubigte Zulassung unserer Casa particular usw. Zudem verstehen wir die gute Dame so gut wie nicht. Sobald sie den Mund öffnet, kommt ein Wust an nuscheligen Wörtern heraus, bei dem ich nur jedes dritte verstehe. Malte scheint wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut zu haben, denn nach einer Weile meint sie: „Oh er versteht wohl nicht so viel.“  Oh je was sollte das nun werden?
Schnell nach Hause, einmal duschen und nachdenken und dann weiter, Bürokratie erledigen: Irgendwelche Marken in der Bank kaufen, Passfotos machen lassen, Geld abheben und zum Ministerio de Salud Público, Studentenvisum beantragen. Mist, Núria, die für die Visumangelegenheiten zuständig ist, hat Urlaub. Abgesehen davon, dass wir dem Dresscode im Ministerium eh nicht genügt hätten. Jaja, die Hochachtung vor der Bürokratie ist wichtig.
Lily meint, dass die in der Fakultät wohl was verwechselt haben müssen. Eine befreundete Ärztin von ihr sagte, die Dame sei bis jetzt immer nur für die Lateinamerikanischen Studenten zuständig gewesen. Ein Hoffnungsschimmer: Ist jetzt doch alles nicht so kompliziert? Wir beschließen, am nächsten Tag eine Stunde nach Girón zu fahren, zu Yilena, mit der wir schon vorher e-mail-Kontakt hatten. Vielleicht kann sie etwas Licht ins Dunkel bringen?
 
9.Oktober 2012: Auf nach Girón
 
Wir quetschen uns bei gefühlten 40 Grad in einen übervollen Bus. Bezahlen 2 Cent und nach einer guten halben Stunde können wir dieses Treibhaus endlich wieder verlassen und sind in Girón, wo wir uns auf die Suche nach Yilena machen. Und tatsächlich, sie ist da. Und sie verspricht uns zu helfen! Wir machen ein Treffen vorm Ministerio de Salud Pública für Donnerstag aus, bei dem sie uns dann durch alle Bürokratiehürden helfen will. Ist es alles doch nicht so kompliziert?
Mehr können wir im Moment nicht tun. Also hängen wir den Rest des Tages ein bisschen in unserer Bude ab. Da am nächsten Tag Feiertag ist und wir eh nichts regeln können, machen wir uns am Abend mit zwei unserer Mitbewohner auf, um ein paar Mojitos zu trinken. Nachdem wir in der ersten Bar mit 4 CUC (fast 4 Euro) für den Mojito abgezogen werden, bezahlen wir in der nächsten nur 10 Pesos cubanos (ca 40 Cent). Die Folge ist, dass wir dann ein bisschen mehr und vielleicht auch zu viel trinken. Sollte es für uns doch teurer sein? ;)
 
10. Oktober 2012: Der Ausflug
 
Wie gesagt ist heute Feiertag. Der Jahrestag des Beginns der Unabhängigkeitskämpfe im Jahre 1868. Da in der Stadt eh nix los ist und alle Museen geschlossen sind, beschließen wir kurzerhand einen Ausflug zu machen. Also fahren wir mit dem Zug des Schokoladenmogules Hershey ca. 50km Richtung Osten zu den Hersheygärten, die dieser in der Nähe seiner Zuckermühle errichtet hat. Nun sehen wir zum ersten Mal das Hinterland. Überall Palmen und andere tropische Pflanzen. Die Menschen wohnen in einfachen Hütten, wie ich sie schon aus Peru oder Ghana kenne. Die einfachen Behausungen sehen sich in diesen Ländern wirklich immer sehr ähnlich. Um zu den Gärten zu kommen, müssen wir vom Bahnhof aus einige Kilometer auf der Landstraße laufen. Dort begegnen uns in kurzer Zeit eine Menge Gefährte: Traktoren, Pferdekutschen, LKWs, teilweise als Taxi umfunktioniert, mit ner Menge Menschen auf der Ladefläche, altersschwache Busse, klapprige Fahrradgurken, überladen mit zwei Personen und Transportgut, nen Rennrad, Pickups, Ladas und alte Amischlitten natürlich.
Die Gärten sind leider so verwildert, dass man außer auf einer gepflasterten Straße das Gelände kaum erkunden kann. Der Versuch, es doch zu tun, endet jäh mit einem lauten Schrei, als ich in das Netz einer handtellergroßen Spinne laufe. Pfui deibel. Auf dem Rückweg werden wir ein Stück von einem netten Kubaner mitgenommen, der uns an einer Stelle absetzt, an der man gut ein Auto nach La Habana anhalten kann, welches einen dann für 1 CUC mitnimmt. Das klappt auch und für einen kleinen Aufpreis werden wir auch fast bis nach Hause gefahren.
Am Abend kommt endlich der lange ersehnte Regen. Gleich in Form eines mächtigen Gewitters. Die ganze Nacht hindurch regnet und gewittert es immer wieder. In unserem Zimmer sind endlich nur noch 27 Grad, statt bisher 30 Grad. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, reduziert die Häufigkeit von kalten Duschen gleich um die Hälfte.
 
11.Oktober 2012: Klappt jetzt alles?
 
Wir wachen mit einem mächtigen Gewitter auf. Die Donner sind atemberaubend.
10 Uhr: Verabredung mit Yilena vor dem Ministerio. Es regnet immer noch. Die Minuten vergehen. Aber Yilena ist nicht zu sehen. Nach einer Stunde haben wir keine Lust mehr und gehen alleine ins Ministerio. Vielleicht können wir für Malte schonmal den Studentenausweis beantragen. Nach einigem Rumgesuche und vielen falschen Tipps finden wir dann endlich eine Person, die so halbwegs weiß, was sie mit uns anfangen soll. Da sie aber auch nur die Vertretung für Núria ist, hat sie eigentlich doch keine Ahnung und liest die ganze Zeit nur irgendwas von irgendwelchen Zetteln ab oder telefoniert rum. Na das kann ja was werden. Maltes Pass wird einbehalten und sie will sich dann am Nachmittag nochmal bei uns melden, um uns zu sagen, ob das so richtig war, oder ob er sich den Pass nicht doch wieder abholen kann.
Nun, so richtig weiter gekommen sind wir nicht. Also nochmal auf zur Fakultät. Vielleicht kann uns Professor Garbey helfen. Zumindest ist er der einzige, der uns bis jetzt weiter geholfen hat. Er ist zwar nicht da, aber irgendwie bekomme ich ihn an eine Telefonleitung. Und...yippie! Er fühlt sich verantwortlich, entschuldigt sich, will nochmal mit Yilena reden und sich dann nochmal bei uns melden.
17 Uhr: Yilena ruft an. Sie konnte diesen Morgen leider nicht zum Ministerio kommen. Der Regen hat sie verhindert und außerdem hatte sie das wichtige Papier für mich eh noch nicht fertig.
Wir verabreden uns für morgen 14 Uhr….hoffentlich regnet es nicht.
 

12.Oktober 2012: Und?

Na was denkt ihr? Also erst einmal: Yilena ist gekommen. Zwar 45 Minuten zu spät und wir wollten schon aufgeben. Aber dann stand sie auf einmal vor uns. Nur: Mein Visum bzw. der Studentenausweis waren natürlich noch nicht fertig. Wir wurden auf Montag vertröstet. Also ab ins (hoffentlich) letzte freie Wochenende. Das muss natürlich genutzt werden und so planten wir einen kleinen Ausflug in den Westen Kubas, nach Viñales. Der letzte Freitagsbus war schon weg, sodass es am Samstag früh losgehen sollte.

13.Oktober 2012: Ausflug nach Viñales

Den Viazul-Bus schafften wir gerade noch so und wir hatten ein riesiges Glück, dass gerade noch 2 Plätze für uns frei waren. Viazul ist nämlich die einzige Busgesellschaft mir der Touristen fahren dürfen. Der um einiges günstigere und häufiger verkehrende Astrobus ist nur den Einheimischen vorbehalten. Ich freu mich schon, wenn wir unsere Carnet de Identidat haben. Auf die verblüfften Gesichtern der Fahrkartenverkäufer, wenn wir Ihnen unseren kubanischen Personalausweis auf Zeit unter die Nase halten. Gegen  12 Uhr waren wir dann da. Am Nachmittag haben wir eine kleine Entdeckungstour in die Umgebung gemacht. Da haben wir schon einen kleinen Einblick in das kubanische Landleben bekommen. Aber am nächsten Tag sollte es noch besser werden. Den Abend haben wir ganz dekadent im Pool des besten Hotels der Stadt verbracht und uns zum Sonnenuntergang, mit schönem Blick über Tal, einen Mojito genehmigt. Der erste, der mal nicht nur nach Wasser mit Alkohol und einem Hauch Minze geschmeckt hat.

Am nächsten Tag gabs dann für mich eine Premiere: Ich bin das erste Mal richtig auf einem Pferd geritten. Naja ganz stimmts nicht. Es war irgendeine Mischung zwischen Pferd und Esel. Aber das war wohl auch ganz gut so, denn ein richtiges Pferd wäre mir dann wohl doch schnell zu stürmisch geworden. Malte saß nun auch auf einem Esel-Pferd und dann hatten wir noch einen Füherer, der auf nem Pferd saß und dann haben wir einen Ausflug in die Natur und über die Felder der Campesinos (Bauern) gemacht. Und das war wirklich wie eine Zeitreise ins letzte Jahrhundert in Deutschland. Die Felder werden dort noch so bestellt, wie ich es nur aus Geschichtsbüchern kenne, mit Ochsen vor dem Pflug, es wird per Hand gesäht und mit der Sense geärntet. Überall liefen Pferde, Kühe, Schafe und Hühner rum. Eingerahmt waren die Felder von einer wünderschönen, grünen Berglandschaft. Zu einem der Bergmassive ritten, bzw. trabten wir nun. An einer Stelle gab es eine kleine Öffnung in der Felswand und dort liefen wir nun hinein. Wir knipsten 2 kleine Lichter an, die wir am Eingang bekommen hatten und sahen, dass wir uns in einer richtigen langgestreckten Höhle befanden. Diese gingen wir nun ca. 250 Meter in die Tiefe und am Ende gab es wieder einen größeren Raum und eine relativ große und tiefe Wasserstelle, deren Ende, durch den Schein einer Kerze erhellt, kaum zu erkennen war. Das Wasser hatte sich dort in vielen vielen Jahren durch Filtration durch den Stein gebildet. Hier konnte man sogar baden. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Aber  ein bisschen gruselig war es schon. Wer weiß schon, welche Monster dort in den Tiefen des Gewässers wohnen. Aus dem Grund bin ich immer schön am Einstieg geblieben und auch Malte hat sich nicht in die tieferen und dunkleren Ecken vorgewagt. Als wir dann so erfrischt wieder am Eingang der Höhle waren, war ich doch etwas erleichtert. Auch wenn ich mich nach einigen Minuten in der drückenden Mittagshitze doch wieder nach einer  Erfrischung gesehnt habe. Nach 4 Stunden tollen Eindrücken waren wir dann wieder am Ausgangspunkt angekommen. Und ich muss schon sagen. Reiten ist extrem anstrengend. Ich hatte die kommenden Tage nen ziemlichen Muskelkater auf der Innenseite der Oberschenkel. Aber wahrscheinlich hab ich auch alles falsch gemacht. Gegen Mittag mussten wir dann schon wieder den Rückweg antreten, da um 14 Uhr der letzte Bus nach Havanna abfuhr.

 

 
 
 

Ghana-die ersten Wochen

Geschrieben von Margoli am 29.09.2011 um 21:13 . 3 Kommentare. Link.

Ich glaube, es ist an der Zeit, mal ein wenig ueber meine erste Woche hier in Ghana zu berichten. Ich habe so viele Eindruecke, dass ich garnicht weiss, wo ich anfangen soll. Vielleicht einfach am Anfang ;) Auf der Hinreise hat alles unerwartet gut geklappt. Mein Flug war puenktlich. Mein Gepaeck war da. ( Ich hab schon einige getroffen, bei denen das nicht der Fall war.) Ich wurde von einem ghanaischen Studenten abgeholt. Er hat gleich mal die Nacht durchgefeiert, um dann nachts um 5 am Flughafen zu sein. Und schliesslich hatte ich auch gleich ein Zimmer. Mein erster Eindruck davon war zwar etwas ernuechternd. Aber was hatte ich erwartet? Fuer umsonst ist es super und mit weissem Laken und nem Baldachin-artigen Moskitonetz ueber meinem Bett sah es gleich viel schoener aus. Ich teile mir das Zimmer mit einer sehr sympathischen Finnin. Ansonsten gibt es noch einige andere Austauschstudenten. Leider fuer meinen Geschmack zu viele aus Deutschland. Aber was solls. Als Weisse sind wir hier dennoch etwas sehr Besonderes. Ueberall wird man staendig am Arm angefasst. Die Kinder greifen nach deiner Hand und folgen dir hunderte von Metern. Einige sind so niedlich, dass ich sie am liebsten einpacken und mitnehmen wuerde.

Die ersten zwei Tage sind wir zu einem traumhaften Strand mit Palmen gefahren. Leider ist die Stroemung im Atlantik an manchen Stellen so stark, dass man lieber nicht baden gehen sollte. Am Abend des zweiten Abends gabs ne fette Reggae-Party am Strand. Schoen, mit den Wellen im Hintergrund und Lagerfeuer (mit Autoreifen) und Weed geschwaengerter Luft, von welcher man schon durch blosses Atmen high wurde ;).  Leider waren die Boxen mit der ihnen abverlangten Leistung etwas ueberfordert, sodass man nicht wirklich tanzen konnte.

Am Donnerstag war dann der erste Tag im Krankenhaus. Er bestand zum grossen Teil aus Rumsitzen und Warten auf die Aerzte. So hatte ich jedoch genug Zeit, die andern Studenten in meiner Gruppe kennenzulernen. Leider war dies ihr vorletzter Tag im Krankenhaus, weil sie in der naechsten Woche Woche Pruefungen und danach dann Ferien haben.

Da Taru und ich uns vom Schneider ein Kleid schneidern lassen wollten, sind wir am Nachmittag zum riesigen und trubeligen Kaneshi-Markt (s.Foto) gefahren. Dort gab es eine ganze Etage nur mit den buntesten Stoffen. Es waren so viele, dass ich mich kaum entscheiden konnte. Inzwischen haben wir uns beide ne Tasche und ein Kleid schneidern lassen. Fuehle mich damit gleich ein bisschen besonderer :)

Kaneshi market

Am Freitag war ich dann mit den anderen bei ner Pruefungsvorbereitung beim Chef der Gynaekologie und Geburtshilfe. Was theoretisches Wissen angeht, werden die Studenten hier ganz schoen gedrillt, sodass diese teilweise ganze Absaetze aus dem Buch wiedergeben koennen. Zum Glueck wurde ich nicht gefragt. Ich waer wohl ziemlich verloren gewesen und haette nur irgendwas zusammenstottern koennen. Abgesehen davon, dass ich die Frage wohl auch nur zur Haelfte verstanden haette. Das Englisch hier ist doch schon ziemlich anders als man es kennt. Ich hoffe, dass ich mich schnell dran gewoehne. Sosnt wird es im Krankenhaus doch etwas anstrengend. Gerade wenn es dann mal darum geht, ne Anamnese mit den Patienten zu machen.

Nach der Uni gings dann direkt ins Fussballstadion: WM-Qualifikationsspiel Ghana -Swaziland. Das erste Mal, dass ich wirklich zu nem Spiel in einem Stadion war. Schon ne geile Athmosphaere und wir hatten auch super Plaetze, sodass ich uneingeschraenkte Sicht auf die "Black Stars" hatte :) Neben dem Spiel war es auch sehr amuesant, das Verhalten der Ghanaer zu beobachten. Jeder Spielzug wurde mit wildem Gefuchtele und Kommentaren in einer unglaublichen Lautstaerke kommentiert. Begleitet von unheimlich lustigen Ausrufen, die ich euch mal vormachen muss, wenn ich wieder da bin. Die kommen immer dann zur Anwendung, wenn sie das, was sie da von sich geben, wirklich bewegt. Nach dem Spiel habe ich dann den ersten ganzen Fisch meines Lebens gegessen...und zwar mit Genuss und mit den Fingern. Der war so frisch, dass er ueberhaupt nicht nach Fisch geschmeckt hat. Richtig gut. Was es genau fuer einer war, hab ich mir zweimal sagen lassen, jetzt aber doch wieder vergessen...in Fischnamen bin ich doch noch etwas ungeuebt. Und dann: Karaoke. Oh weh, da hatte ich ja nun ueberhaupt keine Lust drauf. Aber ich war so ausgehwuetig,dass ich dann doch mitgekommen bin. Und im Endeffekt wars dann doch ein ziemlich lustiger Abend.

Ghana-Swaziland

Karaoke...die Jungs gehn voll ab

Am Samstag gings dann das erste Mal raus aus Accra Richtung Nordwesten in die Voltaregion. Die Jungs haben dafuer zwei ziemlich moderne Tro-Tros fuer uns organisiert. Unser erster Stop war ein Monkey Sanctuary. Ein Stueck Regenwald, in dem viele Affen leben und in welchem sie geschuetzt werden. Finanziert wird das durch Touristen, die im Gegenzug dann mal die Affen mit Bananen fuettern koennen. D.h. Banane hinhalten...Affen auf Arm klettern lassen und Foto machen lassen, wenn man schnell genug ist. Ich war es nicht,aber ich kam mir eh ein bisschen bloed dabei vor, auch wenn sie wirklich ganz niedlich sind.

Am Abend haben wir dann in einer relativ neu angelegten kleineren Hotelanlage uebernachtet. Da kam dann die naechste Attraktion, die mich ein bisschen an einen billigen Pauschalurlaub erinnert hat. Eine Gruppe von Maennern und Kindern aus dem Dorf, die uns Weissen mit ihrer regionalen Musik und Taenzen bespassten. Aber wenigstens war es ein ghanaischer Student, der die meisten Fotos gemacht hat :).

Am naechsten Tag sind wir zu den Wli-Wasserfaellen gewandert. Richtig geil. Der Weg war nur ein ziemlich schmaler Pfad und teilweise so steil, dass man ihn nur mit Hilfe von "Wanderstoecken" aus Palmholz bewaeltigen konnte, welche wir vorher gefaellt hatten. Nach ca. 3 Stunden erreichten wir ziemlich nassgeschwitzt den oberen Teil des Wasserfalls. Wunderschoen gelegen, umgeben von Regenwald. Ein unglaubliches Gefuehl, unter dem Wasserfall zu stehen, dessen Wasser im unteren Teil durch einen extremen Wind ziemlich zerstiebt...Ich wollte garnicht mehr rauskommen. Zumal meine Klamotten durch die "Gischt" dann gaenzlich nass waren...getraenkt mit Schweiss, Sonnencreme, Repellent und Wasserfallwasser. Aber war ja zum glueck ziemlich warm. Also alles kein Problem. Ich wuerde den beschwerlichen Weg sofort wieder auf mich nehmen fuer ein Bad dort oben. Nach ner guten weiteren Stunde sind wir dann beim unteren, viel weniger beeindruckenden, Wasserfall angekommen. Da waren sie also, die Touristen...klar, wenn man nur ne Stunde auf nem flachen breiten Weg laufen muss. Aber is ja gut so. Am Nachmittag gings mit den Tro-Tros wieder zurueck nach Accra. Tagsueber sind die Fahrer doch relativ gemaessigt gefahren, aber kaum war es dunkel, haben sie irgendwelche gewagten Ueberholmanoever gestartet. Das hat dann echt keinen Spass mehr gemacht. Aber es ist ja zum Glueck alles gut gegangen.

Wli-Wasserfaelle

Montag-Krankenhaus: 4 Stunden Visite mit dem ganzen Team und ich stand in der zweiten Reihe...nochmal mach ich die nicht mit. Da geh ich lieber in den Kreisssaal.

Dienstag-Geburtshilfe-OP: Das ist schon um einiges spannender. Der OP ist besser ausgeruestet als ich erwartet habe. Nur unheimlich versifft ist es ueberall. Und in jeder Ecke liegen irgendwo Babys. In den schier endlosen Pausen zwischen den Kaiserschnitten beschaefftige ich mich dann halt mit denen. Oh Mann, sind die niedlich.

Babys :)

Krankenhaus allgemein:

Schwieriges Thema. Die Ausruestung ist fuer ein Westafrikanisches Krankenhaus wohl noch relativ gut. So stehen im OP eigentlich ganz brauchbare Ueberwachungsgeraete herum. Aber natuerlich ist das in keiner Weise zu vergleichen mit der Ausstattung eines deutschen Krankenhauses. So gibt es beispielsweise fuer die gesamte Gynaekologie und Geburtshilfe nur ein Ultraschallgeraet, welches im OP steht. D.h. das Hauptinstrument zur Diagnostik in einer deutschen Notaufnahme steht hier einfach nicht zur Verfuegung. Hinzu kommt, dass die Patienten fuer einen grossen Teil der Kosten selbst aufkommen muessen. Selbst wenn sie eine Versicherung haben, welche nur einige Leistungen uebernimmt. So muessen sie vor vaginalen Untersuchungen erst einmal die Geraetschaften dafuer kaufen. Diese Umstaende fuehren dazu, dass die meisten Patienten erst ins Krankenhaus kommen, wenn es schon (fast) zu spaet ist und ihr Zustand wirklich schlecht ist. Wer glaubt, sie haetten mit ihrer Ankunft das rettende Ufer erreicht, hat leider falsch gedacht. Bevor den Patienten geholfen ist, muss naemlich noch eine grosse Leistung erbracht werden: Die unfassbar langsamen und, verzeiht es mir, stinkfaulen Schwestern, welche in grossen Herden auf allen Stuehlen des Krankenhauses ihre fetten Hintern betten, davon zu ueberzeugen, das Quatschen und Essen zu lassen und sich ausnahmsweise mal um einen Patienten zu kuemmern. Ihr seht, ich hege einen gewissen Groll gegen diese Spezies, der vielleicht etwas hart erscheinen mag. Aber ich kann es einfach nicht verstehen, wie man so gleichgueltig gegenueber dem Leid eines kranken Menschen sein kann. Und da gilt fuer mich nicht der Einwand, dass das eben die Mentalitaet hier ist. Insgesamt ist der Umgang mit den Patienten, auch von aerztlicher Seite, leider leidlich schlecht. Die Patienten werden nicht ueber ihre Erkrankung oder Behandlung aufgeklaert und wie man sich denken kann, ist Privatsphaere auch kein Thema hier. Alle Dinge die wir in unserer Ausbildung ueber Patientenumgang lernen, spielen hier keine Rolle. Dieser Umstand und der, dass die Arbeit der meisten Angestellten einfach unglaublich ineffizient ist und viel geschlampt wird ( haeufig messen Schwestern den Blutdruck nicht wirklich...sie uebernehmen ihn einfach vom Vortag oder erfinden ihn) fuehrt aus meiner Sicht dazu, dass die Behandlung der Patienten einfach viel schlechter ist, als es, trotz der zum Teil duerftigen Ausruestung, sein muesste. Und das ist es, was mich am meisten aergert und traurig macht. Ich verstehe einfach nicht, warum es so ist. Ausserhalb des Krankenhauses sind die Ghanaer zwar auch meist ziemlich langsam und uneffektiv, aber sie sind auch unheimlich liebe, froehliche und hilfsbereite Menschen. Wenn man (auch als Ghanaer) allein unterwegs ist, dann bleibt man es nicht lange: Ein Trotro ist nur mit einem Fahrgast besetzt...ein zweiter Ghanaer steigt zu und setzt sich trotzdem neben den Ersten...einfach damit er quatschen kann. Wir wuerden das ja nur tun, wenn sonst kein Platz mehr frei ist, bzw. werden ja haeufig freie Plaetze neben einem mit einem Gepaeckstueck blockiert um unnoetige Naehe zu vermeiden. All dies ist einem Ghanaer fremd.

Hm, vielleicht gibt es zu diesem Punkt spaeter mehr... Muss jetzt erstmal wieder etwas Erquicklicheres schreiben.

Am darauffolgenden Wochenende stand Strand auf dem Programm: Also ging es am Freitag Mittag auf zur Westkueste, wo die perfektesten Straende Ghanas zu finden sind. Leider dauerte es 3 Stunden um aus dem Ballungsgebiet Accra rauszukommen ( Der Verkehr ist hier wirklich schrecklich), sodass wir erst relativ spaet in Takoradi ankamen, wo wir dann noch einmal ein Trotro bis zu unserem Ziel, der Green Turtle Lodge, nehmen mussten. Waere alles glatt gegangen, waeren wir knapp 1 1/2 Stunden spaeter angekommen. Aber Afrika wartet gerne mal mit Abenteuern auf. Das heisst: Unser Trotro war eine rostige Klapperkiste mit kaputter Kupplung und deren Motor staendig abwuergte. Einen unfreiwilligen Stop machten wir dann in Agona. Es war Freitag nacht, d.h. die Jugend tanzte hackedicht auf der Strasse. Als dann unser Auto, besetzt mit 6 weissen Maedels, und nur zwei Typen (weiss und schwarz) zwischen ihnen den Geist aufgab waren sie natuerlich garnicht mehr zu beruhigen...alle jubelten, steckten ihre Arme durch die Fenster und rieben ihre Koerper an der Klapperkiste. Gott sei Dank sprang die Karre dann irgendwann wieder an. Kaum waren wir dem Mob entkommen, loeste sich unsere Anspannung in prustendendes Gelaechter auf. Weiter gings...wir beteten, dass das Auto durchhaelt. Aber, oh nein! Im naechsten Nest endete die Teerstrasse und ging in eine Lehmstrasse mit riesigen Schlagloechern ueber. Das war zu viel...das Auto gab endgueltig seinen Geist auf...10 km vor dem Ziel.  Cornelius, unser ghanaischer "Beschuetzer" machte sich auf die Suche nach einem anderen Gefaehrt...fuer ne gute Stunde. Es dauerte nicht lange und die Dorfjugend wurde auf uns aufmerksam. Anfangs hatten wir noch den Eindruck, in einer Art Unterwasserglaskugel zu sitzen, von der aus wir unbehelligt das Gewusel um uns herum, Jugendliche, Ziegen, Huehner, meckernde alte Frauen... beobachten konnten. Doch irgendwann drehte sich der Spiess um und wir fuehlten uns wie sehr begeehrte Zootiere in einem zu kleinen Kaefig. Jede von uns haette sich locker mit 10 Jungens verheiraten koennen ;). Aber die Situation war so urkomisch, dass wir alle guter Laune blieben...wir sahen es einfach als Abenteuer. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass wir uns in keiner Sekunde wirklich unsicher gefuehlt haben. Ich glaube ihr wirklich letzter Gedanke waere gewesen, uns auszurauben. Naja, schlussendlich gab es in dem Nest kein anderes Auto, welches uns weitertransportieren konnte. Das hiess: Eine Uebernachtung finden. Es gab wohl so etwas Aehnliches wie ein Hostel. Also ab dahin. Auf Schritt und Tritt verfolgt von ner Horde betrunkener Jungs...mir ging das Bild von Zombies einfach nicht aus dem Kopf :). Das "Hostel" war dann leider schon gefuellt mit einer Beerdigungsgesellschaft. Und waere die ganze Situation nicht schon abstrus genug, hoerte man die lauten Klageschreie und andere mysterioese Toene aus der benachbarten Kirche. Schließlich gab es dann doch noch ein Zimmer fuer uns. 10qm, ein Doppelbett und kein Licht. Und wir waren zu acht plus mindestens eine Kakerlake. Aber wir waren trotzdem froh. Endlich hatten wir ein bisschen Ruhe, wenn mal nicht wieder ein neugieriger Gast der Beerdigung seinen Kopf in das Zimmer der Exoten steckte. Zum Glueck hatte Cornelius seinen Laptop mit, sodass wir die Zeit bis zum Morgen mit Filmen verbringen konnten. Und ich schlief erstaunlich gut auf meinem Stueck Bettkante.

Am naechsten Morgen wurden wir dann mit einem wirklich traumhaften Strand belohnt. Kaum eine Menschenseele. Weisser weicher Strand, gesaeumt von Palmen und tolle Wellen zum Planschen. Die Strapazen der Anreise hatten sich also gelohnt. Das Wasser hat mir leider so gut gefallen, dass ich mir erstmal einen Sonnenbrand geholt habe. Am zweiten Tag war dann also leider nur Schatten angesagt, aber es war trotzdem schoen, einfach mal nur auf der faulen Haut zu liegen. Meine einzige Taetigkeit bestand darin, einmal am Strand entlang zum benachbarten Dorf zu laufen. Die Menschen dort sind unheimlich arm aber der Ort an dem sie leben ist so wunderschoen, dass ich sie fast darum beneidet habe. Gut so. Ich hoffe es ist Ihnen bewusst, wie schoen ihre Umgebung ist.

 

Nach zwei unheimlich entspannten Tagen mit gutem Essen ging es dann in entspannten 6 Stunden zurueck nach Accra.

Ich glaube es ist an der Zeit einmal etwas ueber das Essen in Ghana zu schreiben:

Wie wohl die Einwohner fast jedes Landes sind auch die Ghanaer sehr stolz auf ihre Kueche. Und dich muss sagen: Eine gut zubereitete ghanaische Mahlzeit kann schon sehr lecker sein. Die Ghanaer moegen es scharf, pampig und fettig. Es gibt im Grunde drei Gerichtarten: Jollof-Rice with Beef/Chicken/Fish and Stew (Wuerziger Reis mit Fleisch oder Fisch und ner scharfen Sosse), ein pappiger Teigklumpen (sei es Fufu, Banku oder Kenkey) welcher in einer Suppe (am besten ist Erdnusssuppe :)) liegt und mit der rechten Hand gegessen werden sollte, oder Redred with Plantain (dicker Bohneneintopf mit gebratenen Kochbananen). Pampig ist auch das Weissbrot was ich immer mit Omlette oder Schokocreme zum Fruehstueck esse. Macht schoene Verstopfung, aber besser als Durchfall (von dem ich bis jetzt gluecklicherweise verschont geblieben bin) Fuer zwischendurch gibts frittierte Kochbananenchips, geroestete Erdnuesse (welche angeblich die besten der Welt sind), gegrillte Kochbananen, Kokosnussmilch und Fruechte. Die Ananas sind so gut, dass ich fast jeden Tag eine ganze verspeise. Und auch die Bananen sind zuckersuess. Aber ich muss sagen, inzwischen freu ich mich riesig auf nen guten Kaffee mit Milch (Statt Pulverkaffee mit Kondensmilch), Joghurt, Kaese, Wurst, Koernerbrot, nen guten Salat, nen Glas Wein und Schokolade und darauf, mein Essen selbst zuzubereiten. Ich habe mir seit 6 Wochen nicht einmal nen Brot selbstgeschmiert. Obwohl, nein das ist gelogen: Vor zwei Tagen habe ich mit Saar (einer Belgierin, mit der ich jetzt die letzte Woche unterwegs sein werde) bei nem ghanaischen Freund von ihr Erdnusssuppe mit Kenkey gekocht. War richtig lecker und echt nicht schwer. Ich werd versuchen die in Deutschland nachzukochen. Das aufregendste aber war vorher auf dem Markt die Zutaten zu kaufen. Wir mussten schon ein bisschen suchen, bis wir Fleisch und Fisch gefunden hatten, von dem wir uns vorstellen konnten es nochmal in den Mund zu nehmen. Also wenn Einkaufen immer so anstrengend waere...ayayay.

Cape Coast:

An meinem dritten Wochenende sind wir nach Cape Coast gefahren. Am Samstag waren wir im Kakum Nationalpark in welchem man von Haengebruecken, welche in bis zu 30 Meter Hoehe zwischen den Urwaldriesen aufgehaengt sind, ueber die Baumwipfel des Regenwaldes blicken kann. Leider wurde der Wald seinem Namen gerecht, sodass wir ziemlich nass wurden und die Tiere haben sich natuerlich auch versteckt. Aber das bin ich ja schon aus dem Regenwald in Peru gewohnt. Am Sonntag stand dann das Cape Coast Castle an. Eine alte Sklavenburg, errichtet von Niederlaendern und nach einigen Machtkaempfen zwischen verschiedenen Kolonialmaechten schliesslich unter britischer Hand. Das Castle diente als Gefaengniss fuer Einheimische die fuer den Verkauf und den Transport als Sklaven in die europaeischen Kolonien in Nord- und Suedamerika gefangen worden waren und in den Kellerverlieses des Fortsoft monatelang auf  das naechste Sklavenschiff warten mussten. In einem solchen Verlies, welches wirklich nicht gross war steckte man bis zu 200 Sklaven. Es gab kein Licht und die Gefangenen mussten in ihren Exkrementen liegen, welche zentimeterhoch standen. Viele starben an Krankheiten oder Erschoepfung. Mir lief ein kalter Schauer ueber den Ruecken, als ich das Alles gesehen und gehoert habe. Natuerlich habe ich schon viel von der Brutalitaet und Unmenschlichkeit des Sklavenhandels gehoert, aber wenn man aber wenn es einem nochmal so vor Augen gefuehrt wird, wird es noch unglaublicher, was da geschehen ist. Auch wenn der ganze Trip etwas kurz war, schon allein fuer das Castle hat er sich gelohnt.

 In der naechsten Woche fand die sog. "Health Week" statt. In dieser fahren die Medizinstudenten in Gruppen in kleinere Orte in Ghana und machen dort Aufklaerungsarbeit. D.h. sie gehen in Schulen und andere oeffentliche Einrichtungen und versuchen den Menschen verschiedene medizinische Dinge naeherzubringen. Z.B. die Gefahren von ungeschuetztem Geschlechtsverkehr oder die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren.An sich ist das eine wirklich gute Sache. Nur leider war die Organisation ziemlich schlecht. So war ich anfangs eigentlich mit Taru in eine Gruppe in der Voltaregion eingeteilt. Nach einigem Hin und Her und einem vergammelten Tag, haben wir dann am Dienstag erfahren, dass wir doch nicht mitfahren koennen. Unser Gruppenfuehrer hat unsere Plaetze irgendwie an andere Studenten vergeben. Sauer und des Wartens muede hab ich mich dann mit Taru und Karen am Dienstagmittag auf den Weg nach Kumasi in der Ashanti-Region gemacht. Nach einer ziemlich langen und kalten Fahrt (Die Ghanaer haben die dumme Angwohnheit, alles wo VIP draufsteht auf 16 Grad runterzukuehlen) sind wir dann in Kumasi angekommen, wo ich mit Flipflops erstmal in ne fette Pfuetze getreten bin. Igitt...hab die darauffolgenden Tage ganz genau meine Fuesse beobachtet...aber sie sehen gesund aus. Gott sei Dank. Ich will nich wissen was in so einer afrikanischen Strassenpfuetze kreucht und fleucht. Wir wurden von Okko, dem Freund von Taru, abgeholt, welcher in Kumasi sein Praktikum macht. Am naechsten Tag haben wir mit den andern Austauschstudenten in Kumasi einen Ausflug zum Lake Bosumtwi gemacht. Dies ist ein nahezu kreisrunder See ohne Zu- und Abfluesse, welcher warhscheinlich durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist. Viel kann man da nicht machen, ausser sich am Ufer in die Sonne zu legen. Das haben wir dann auch gemacht.

 

Peru 3: Cusco, Machu Picchu

Geschrieben von Margoli am 16.10.2010 um 10:38 . 0 Kommentare. Link.

Nach meinen zwei sehr schönen und erlebnisreichen Wochen in Bolivien begab ich mich nun wieder auf peruanischen Boden. Mein nächstes Ziel war Cusco, ehemalige Hauptstadt des Inkareiches und absolutes Muss für jeden Perureisenden. Dieses erreichte ich nach einer Nachtfahrt mit einem Bus, dessen Motor alle paar Kilometer ausging, der jedoch wie ein Wunder durch ein paar Handgriffe des Fahrers jedesmal wieder ansprang. Ich fands lustig. So etwas erinnert einen dann mal wieder daran, dass man gerade ziemlich weit von zu Hause entfernt unterwegs ist und das macht es abenteuerlicher.  Auf der Fahrt traf ich durch Zufall wieder auf die vier deutschen Jungs, mit denen ich in Bolivien den Huayna Potosi erklommen hatte. Angekommen in Cusco suchten wir uns ein gutes und billiges Hostel mit schönem Blick auf den zentralen Platz und erkundeten ein bisschen die Stadt.

Cusco hat ein sehr koloniales Erscheinungsbild, sodass man leicht den Eindruck bekommt, in einem Städtchen in Südspanien zu sein. Die meisten Häuser im Zentrum sind renoviert und die Fassaden weißgetüncht. Und ganz anders, als man es von den anderen peruanischen Städten gewohnt ist, sind die Straßen immer blitzblank geputzt. Man merkt einfach, dass hier viele Touristen ihr Geld lassen. Dementsprechend ist alles auch ein wenig teurer als anderswo, die Hostels, die Restaurants, das Taxifahren usw.

Am Nachmittag klapperte ich dann auf der Suche nach dem besten Angebot für Touren zum Machu Picchu und in den Manu Nationalparkalle alle möglichen Agenturen ab. Der Machu Picchu ist die Hauptattraktion der Region und da die Ruinenstadt der Inkas inmitten einer wunderschönen Bergwelt liegt, wollte ich, wie so viele Besucher, dorthin wandern. Dies kann man über den sog. Inkatrail tun. Er ist eine der ehemaligen Hauptrouten der Inkas von Cusco zum Machu Picchu, jedoch touristisch total überlaufen, teuer und sowieso nur wanderbar, wenn man die Tour schon Monate im Vorraus bucht. Aus diesem Grund bieten die Tourveranstalter eine Vielzahl von Alternativen an. Ich entschied mich für eine viertägige Tour mit einem Tag Mountainbiking, zwei Tagen wandern und einem Tag auf dem Machu Picchu und kam dabei, wie ich fand, preislich auch ganz gut weg. Die Tour sollte gleich am folgenden Tag beginnen. Ich hatte nur noch 2 1/2 Wochen und somit keine Zeit zu verlieren :)

Die Idee, eine Tour in den Manu Nationalpark zu machen, reifte während meiner Reise. Mein Reiseführer gab so hohe Preise für den Besuch des Regenwaldes an, dass ich ihn eigentlich von vornherein ausschloss. Unterwegs traf ich jedoch eine Frau, die eine einwöchige Tour in den Manu Nationalpark, für einen für mich gerade noch erschwinglichen Preis, gemacht hatte. Und dann bekam ich die Sache einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte dorthin. In Bolivien hätte es auch eine deutlich günstigere Möglichkeit gegeben, in den Regenwald zu kommen. Nachdem ich aber gehört hatte, wie dort die Tourismusindustrie den Regenwald zerstört und Spaßtourismus betrieben wird, entschied ich mich dagegen. Im Manu Nationalpark jedoch sind die Besucherzahlen stark limitiert und die Gruppen dürfen nur von Guides geführt werden, die Biologie o.ä. studiert und einige Monate im Nationalpark gelebt haben, d.h. sich mit der Tier- und Pflanzenwelt und deren Schutzbedürftigkeit auch wirklich auskennen. Um wirklich einmal ein Stück unberührten Regenwald zu sehen und dabei kein gar zu schlechtes Gewissen zu haben, war es mir den Preis dann auch wert. Ich buchte also eine Tour für die Woche nach meiner Rückkehr vom Machu Picchu.

Am Abend war ich dann mit den Jungs zum Meerschweinchenessen verabredet. Ich war nicht unheimlich scharf drauf, aber da es eben eine Spezialität in Peru und Bolivien ist, musste ich es ja wenigstens einmal probieren. Was ich dann vorgesetzt bekam übertraf meine schlimmsten Befürchtungen dann noch mal um einiges. Auf meinem Teller lag ein halbes, der Länge nach halbiertes „Cuy“, wie es genannt wird, an dem, bis auf die Haare und der Darm, noch alles zu sehen war. Die Zähne, die Pfoten mit Krallen, Leber, Niere, Herz. Einfach alles. Nur das Fleisch konnte ich nicht ausmachen. Naja, jedenfalls würgte ich mir dann ein paar Happen hinunter, die mir ehrlich gesagt, auch nicht sonderlich schmeckten und hatte dann ein schlechtes Gewissen. Das war wohl das erste und letzte Meerschweinchen auf  meinem Teller.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann in Richtung Machu Picchu auf. Erst einmal fuhren wir mit einem Kleinbus auf einen Bergpass von wo aus wir dann mit Mountainbikes ins Tal rollten. Die klimatischen und landschaftlichen Veränderungen waren ähnlich wie auf der Todesstraße. Wir begannen im Hochgebirge und kamen nach und nach in immer wärmere Gefilde mit Coca-, Bananen-, und Avocadoplantagen. Im Tal übernachteten wir dann in einem der, am Weg liegenden , Dörfer. Tags darauf ging es dann zu Fuß weiter. Wir liefen entlang eines alten Inkapfades, der als Nebenweg zum Machu Picchu führt. Die Strecke war ziemlich abwechslungsreich und schön. Am Abend kamen wir dann zu heißen Thermalquellen, die so entspannend waren, dass ich mich erst motivieren sie wieder zu verlassen, als meine Finger schon ganz aufgequollen und schrumpelig waren.

Wir schliefen wieder in einem ziemlich kleinen und öden Nest bevor es am nächsten Tag, immer den Fluss im Tal entlang, nach Aguas Calientes ging. Da dieser Ort zu Füßen des Machu Picchu liegt und die meisten Besucher hier eine Nacht verbringen, ist die touristische Infrastruktur ziemlich stark ausgebaut. Man hat den Eindruck, dass der ganze Ort nur aus Hotels, Restaurants und kleinen, teuren Läden besteht. Aber wir hatten eine warme Dusche und ein bequemes Bett und das war auch das Einzige, das uns nach dem langen Fußmarsch interessierte. Jedoch mussten wir das schöne Bett schon in der Früh, um kurz vor vier, wieder verlassen. Warum? Es ist so, dass die Stadt Machu Picchu einen eigenen Hausberg, den Wayna Picchu hat, welchen man auch im Hintergrund auf  den klassischen Machu Picchu Fotos sieht. Dort führt ein schmaler und steiler Weg hinauf und von seiner Spitze hat man einen fantastischen Ausblick auf die umliegende Bergwelt und die Stadt. Nun ist es jedoch nur 300 Personen täglich gestattet dort hinaufzuklettern. Aus Sicherheitsgründen. Um also dort hoch zu dürfen, muss man sich am Eingang einen Stempel geben lassen und das möglichst bevor 300 Menschen vor einem schon da waren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten vom Tal, in dem Aguas Calientes liegt, auf den Berg, auf dem der Machu Picchu liegt, zu kommen. Entweder mit dem Bus oder mit einem langen Aufstieg zu Fuß.

Wenn man schnell zu Fuß ist hat man die Chance vor den ganzen Bussen oben zu sein und sich sicher einen Stempel abzuholen. Der erste Bus fuhr halb sechs und brauchte eine knappe halbe Stunde bis hoch. Der Aufstieg zu Fuß war ab um fünf  möglich. Also warteten in der Morgendämmerung alle Laufwilligen, inklusive unserer Gruppe, an einer Brücke, die bis um fünf geschlossen war und somit den Zugang versperrte, um dann wie die Bekloppten nach oben zu hechten, um ja vor den Bussen oben anzukommen. Der Weg zog sich und die Treppen und Serpentinen wollten und wollten nicht aufhören, doch schließlich waren wir „schon“ nach 35 Minuten oben, obwohl uns vorher erzählt wurde, man bräuchte 60.

Naja, jedenfalls bekamen wir alle unsere Stempel. Und dann durfte ich endlich einen Blick auf die alte Inkastadt werfen. Wir hatten traumhaftes, klares Wetter und es war wie auf den Fotos, nur besser. Was man auf denen nämlich nicht sieht, ist die beeindruckende Berglandschaft, die die Stadt umgibt. Kurz nachdem wir die Stadt betreten hatten ging die Sonne auf und tauchte alles in ein schönes, warmes Licht. Wir bekamen eine Führung und liefen noch so ein bisschen über das Gelände, bevor es an den Aufstieg auf den Wayna Picchu ging. Nach weiteren 50 Minuten mit endlosen Serpentinen und Treppen war ich dann oben. Und die ganze Mühe lohnte sich wirklich. Ich fand die ganze Anlage auch viel beeindruckender von  weitem. Wenn man direkt durch die Ruinen läuft findet man sich nur in einem Labyrinth von Mauern und bis auf die ganz eindrucksvolle Bauweise der Inkas, die Steine sind so passgenau, dass sie ohne Mörtel o.Ä. halten, gibt es nicht viel zu sehen. Nach den Aufstiegen und guten 7 Stunden der Erkundschaftung des Geländes war ich, bzw. meine Beine, dann so fertig, dass ich mich wieder an den Abstieg ins Tal machte. Meine Gruppe hatte ich, nicht ganz unbeabsichtigt, unterwegs verloren. Aber ich hatte schon mein Bahnticket zurück, sodass ich sie spätestens auf dem Bahnhof wieder treffen würde.

Beim Abstieg traf ich einen Spanier, der auch allein unterwegs war und wir vergnügten uns in Aguas Calientes mit Happy Hour Getränken, wie Pisco Sour und Mojito, bis unser Zug zurück nach Cusco ging.

Nach den Anstrengungen diesen und der letzten Tage und dem Alkohol war ich am Abend so kaputt, dass ich die ganze Rückfahrt verschlief und in Cusco angekommen auch nur noch in mein Bett fallen konnte.

 

 

 

Bolivien: La Paz, Altiplano, Salar de Uyuni, Huayna Potosi, El camino de la muerte (Death Road), Coroico, Copacabana

Geschrieben von Margoli am 18.09.2010 um 12:40 . 0 Kommentare. Link.

Bolivien also:

Ich kam in La Paz an und war ueberwaeltigt. Man faehrt ueber El Alto in die Stadt hinein, einem ehemaligen Stadtteil von La Paz, der in den letzten Jahrzehnten jedoch so sehr gewachsen ist, dass er seit 1986 eine eigene Stadt ist. Sogar die zweitgroesste Boliviens, nach Santa Cruz.. Vom Erscheinungsbild wie jede andere suedamerikanische Grossstadt. Dreckig, laut und chaotisch. Doch dann erreicht man den Rand des Kessels, in dem La Paz liegt und es bietet sich ein spektakulaerer Blick ueber die de facto Hauptstadt Boliviens. Am Grunde des Kessels die Wolkenkratzer des Bankenviertels und ringsherum ein Meer von Ziegelhaeusern, die am Rand des Kessels hochwachsen. Ich konnte mich garnicht sattsehen. Das Hostel, welches ich mir ausgesucht hatte, lag im Indigena-Viertel, genau neben dem sogenannten Hexenmarkt. Dort konnte man an zahllosen Staenden alle moeglichen Wunderdinge kaufen, die Glueck bringen sollen oder die man sich an die Einganstuer haengen soll, um das Haus vor dem Einsturz zu schuetzen. Das Abschreckendste jedoch waren kleine getrocknete Lamajunge. Ich habe jedoch versaeumt zu fragen, was es damit auf sich hat. Den darauffolgenden Tag verbrachte ich damit, durch die Strassen zu wandeln und zu versuchen, mich an den zahllosen Marktstaenden, die es in allen Strassen meines Viertels gab, sattzusehen. Man kann da wirklich alles finden. Nur nicht das, wonach man gerade sucht. :)

In der zweiten Nacht ging es dann mit dem Nachtbus nach Uyuni, welches im Suedwesten Boliviens liegt. Leider hinderte mich in dieser Nacht meine Sitznachbarin, eine uebergewichtige, nach einem Mix aus Mais und Urin stinkende bolivianische Omi, der voellig ueberheizte Bus und eine ziemlich ruckelige Lehmpiste daran, auch nur ein Auge zuzutun. Aber was solls, wenigstens war der Bus am naechsten Morgen da. Das ist auch schon etwas. Ich habe schon von Fahrten gehoert, bei denen der Bus mitten in der Nacht ausgewechselt werden musste, weil er den Geist aufgab oder er in der Pampa einfach stehen blieb, weil der Fahrer das Benzin zu knapp kalkuliert hatte.

Ich buchte blind bei einer der zahllosen Agenturen eine dreitaegige Jeep-Tour durch die groesste Salzwueste der Welt und durch die wunderschoene Landschaft des Altiplano mit Geysiren, bunten Lagunen mit Flamingos und Vulkanen.  Die Natur war wirklich sehr schoen, bis auf die Eiseskaelte und den unglaublichen Wind, der uns alle Glieder gefrieren und mich erkaelten liess. Das Dumme war nur, dass unser Guide quasi nicht existent war. Er sah seine Aufgabe wohl nur darin, den Jeep zu fahren und uns ab und zu Namen von Dingen, die wir gerade sahen, oder knappe Anweisungen zuzunuscheln. Aber ich hatte Glueck mit meiner Gruppe (wir waren insgesamt 6 Personen), sodass es auch trotz mies gefuehrter Tour viel Spass gemacht hat. Nach den drei Tagen bin ich dann wieder mit dem Nachtbus zurueck nach La Paz gefahren. Diesmal mit einem schlanken Sitznachbarn und im gut klimatisierten Bus, der mir, trotz Holperpiste, wenigstens 2-3 Stunden Schlaf genehmigte.

Am darauffolgenden Tag war erstmal pure Entspannung angesagt. Ich lag den halben Tag mit nem guten Buch im Bett...welch Luxus.

Am naechsten Tag, Sonntag, ging ich in eine Agentur mit der Absicht, eine Mountainbike-Tour auf der Death Road fuer den darauffolgenden Tag zu buchen. Aber wie es der Zufall wollte, traf ich auf eine Gruppe von Jungs, welche sich in den Kopf gesetzt hatten, den 6000er Huayna Potosi nahe La Paz zu besteigen und die gerade dabei waren, eine Tour zu buchen. Sie fragten mich, ob ich nicht auch Lust dazu haette. Wenn man zu sechst war, bekam man einen Guide mehr...ich brauchte keine fuenf Minuten und meine Entscheidung war gefallen. Ich wuerde diesen Berg bezwingen und am naechsten Tag in der Frueh sollte es losgehen.

Halb neun wurde ich von meinem Hostel abgeholt und wir fuhren mit unseren drei Guides zum Fusse des Berges, den wir uns zu bezwingen vorgenommen hatten. Von dort aus stiegen wir etwa 2 Stunden zum Berglager, wo es eine einfache Huette gibt, auf.  In dieser vertrieben wir uns den Nachmittag, zusammen mit anderen Gruppen, Karten spielend und Kokablaetter kauend. Immerhin befanden wir uns schon auf 5130 m Hoehe und wir versuchten, mit diesen Wunderblaettern einer Hoehenkrankheit vorzubeugen. Das Zeug wirkt wirklich, wenn auch anders als erwartet, denn nach einer Weile hatte ich einen solchen Kicheranfall, als haette ich zuviel geraucht. Nach einem Abendessen um 5 war  dann schon um 6 Uhr Bettruhe. Logisch, dass ich nicht schlafen konnte, zumal ich jedesmal, wenn meine Atmung etwas flacher wurde, von leichten Erstickungsaengsten wieder wach wurde. Kurz nach Mitternacht war für uns die Nacht  schon vorbei. Es war an der Zeit loszustapfen. Eh wir in dem engen Raum und voellig verplant alle unsere Ausruestung (Schneehose, dicke Jacke, dicke Plastikschuhe mit Steigeisen, dicke Handschuhe, Schneebrille, Sicherungsgurt, Eispickel und Stirnlampe) zusammengesucht und angezogen und ne Banane und ein paar Kokablaetter zum Fruehstueck verdrueckt hatten, verging fast ne Stunde. Verstaerkt durch die Muedigkeit  und die Anspannung vor dem Aufstieg waren wir am Ende alle leicht genervt.

Wir liefen in Seilschaften von jeweils 3 Personen, d.h. ein Guide und jeweils 2 von uns Waghalsigen waren mit einem Sicherungsseil untereinander verbunden. Da es finstere Nacht war, sahen wir nur die Lichtkegel der Stirnlampen der Anderen und den ueberwaltigenden Sternenhimmel ueber uns. Nach etwa 300 Hoehenmetern sah man in der Ferne dann auch La Paz: Ein grosses Lichtermeer.

Die knappe Luft zum Atmen machte es noetig, sehr gleichmaessig und kontrolliert zu laufen. 2 Atemzuege oder mehr - 1 Schritt. Das Problem war jedoch, dass es meinem Seilpartner immer schlechter ging. Er hatte zusaetzlich noch mit einer Magen-Darm-Verstimmung zu kaempfen. Wo ich sonst immer Mitleid  mit den Betroffenen habe, wurde ich diesmal mit jeder Zwangspause, die wir wegen ihm einlegen musste und die mich aus meinem Rhythmus brachte, ungeduldiger und am Ende, als ich wegen ihm fast nicht oben angekommen waere, sogar richtig sauer. Warum konnte er sich nicht eingestehen, dass er krank und es eine dumme Idee war, da hochzukrakseln? Kurz vor dem Gipfel konnte er kurzzeitig naemlich ueberhaupt nicht mehr, entschloss sich zum Umkehren und da wir inzwischen die letzte Gruppe waren, das heisst keine andere Seilschaft mehr da war, an die ich mich haette haengen koennen, haette das fuer mich auch die Umkehr bedeutet. So kurz vorm Ziel, mit genug Energie und einem riesen Ergeiz dieses zu erreichen.....grmmpff. Aber zum Glueck rappelte er sich dann doch nochmal auf und wir schafften es...um acht waren wir oben :) !!! Die groesste Schwieriglkeit fuer mich war nicht, wie ich erwartet hatte, die knappe Luft, sondern die vielen Abgruende die sich auf dem Weg auftaten: Riesige Eisspalten, die wir ueberspringen mussten und auf deren anderen Seite wir mit Eispickel und Steigeisen Halt finden mussten. Am Ende liefen wir auf dem Grad des Berges bis zur Spitze. Auf beiden Seiten ging es hunderte Meter in die Tiefe. Da hatte ich dann ganz schoen mit Hoehenangst zu kaempfen. Aber wir waren ja gesichert und am Ende hab ich es geschafft. Was fuer ein geiles Gefuehl. Das Wolkenmeer unter uns, aus dem die herumliegenden Berggipfel ragen und in der Ferne der Titicacasee. Leider hatten wir garnicht soviel Zeit, die Ausssicht zu geniessen. Wir mussten zurueck, da der Schnee durch die Sonne matschig wird und uns an den Steigeisen kleben wuerde, wenn wir zu lange warteten. Also Abstieg. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass wir so viel hochgelaufen waren. Es zog sich ziemlich und wurde mit jeder Minute heisser. Aber wenigstens wurden wir mit einer ueberwaeltigenden Sicht auf die Eislandschaft entschaedigt, die wir im Dunkeln beim Aufstieg ja garnicht so gesehen hatten. Unten im Basecamp angekommen,  fuhr mein Kreislauf dann total herunter. Ich wurde totmuede und fuehlte mich wie nach einer durchsoffenen Nacht mit viel zu wenig Schlaf. Den anderen ging es aehnlich. Sich jetzt nochmal aufzurappeln, um ganz nach unten zu steigen und nach La Paz zurueckzukehren, war echt schwierig.

In La Paz angekommen, fiel ich tot ins Bett und erhob mich abends nur nochmal, um was zu essen. Aber ach, wie war das schoen...ich habe einen 6000er bezwungen :)

Am naechsten Tag wachte ich mit einem ziemlichen Muskelkater in den Beinen auf.  Ein Tag Entspannung in la Paz war angesagt.

Am Donnerstag ging es dann, wie ja eigentlich schon fuer den Montag geplant, mit dem Mountainbike den Camino de la muerte, die "gefaehrlichste Strasse der Welt" herunter. Inzwischen wird die Strasse kaum noch von Autos genutzt, da im Jahr 2006 eine Umgehungsstrasse eingeweiht wurde. Die noerdliche Yungas-Strasse, wie sie eigentlich heisst, führt von la Paz in das 56 km nordöstlich gelegene Coroico in den bolivianischen Yungas, welche gute 3000 Meter tiefer liegen.  Wenn man die schmale, unbefestigte Strasse mit dem Abgrund, der sich an der einen Seite auftut, sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass sich dort bis vor wenigen Jahren noch tonnenschwere Lastwagen hoch- bzw. runtergequaelt haben sollen. Wo die Strasse schon fuer ein Ungetuem zu schmal scheint, da moecht ich nicht wissen, wie bei Gegenverkehr gezirkelt und um jeden Zentimeter gekaempft werden musste. Und man wundert sich nicht, dass auf dieser Strasse jaehrlich 200-300 Menschen den Tod fanden.  Aber als Downhill-Strecke ist sie perfekt. Man durchrollt auf den ca. 64 Kilometern die verschiedensten Klimazonen, vom kargen Hochlandbewuchs bis in die tropisch-feuchten Yungas mit Coca-, Bananen- und Orangenplantagen und Wasserfaellen, die sich auf der Strasse ergiessen. Und der steile Abgrund neben einem macht natuerlich noch seinen besonderen Reiz aus.   Zum Ende der Strecke hin wurde es so feucht-warm, dass uns allen der Schweiß von der Stirn tropfte und uns nach einer Dusche sehnten, die uns am Ziel glücklicherweise auch angeboten wurde.

Bei der Tour traf ich auf zwei Jungs, ein Neuseeländer und ein Franzose, die, wie ich auch, einen tag länger in Coroico bleiben wollten. Wir taten uns also zusammen, suchten und fanden ein superbilliges Hostel (2 Euro pro Nacht) direkt am zentralen Platze von Coroico, gingen richtig gut Essen (ich hatte köstliches Llama-Gulasch mit Polenta) und erkundeten am darauffolgenden Tag bei einer Wanderung ein bisschen die Umgebung. Unsere Wegzehrung waren die Früchte (Orangen, Bananen, Mangos) die wir an den Bäumen und Sträuchern am Wegesrand fanden.  Im Tal floss ein kleiner Fluss und wir entdeckten eine Stelle an der sich das Wasser ein bisschen staute und wo man herrlich baden konnte. Leider hatten wir nicht an die Stechmücken gedacht und kaum kamen wir aus dem Wasser waren unsere Beine übersät mit riesigen schwarzen Viechern, deren Einstiche so groß waren, dass man danach blutete. Da hieß es dann leider: Nichts wie weg und die darauffolgenden Tage hatte ich dann einiges zu kratzen. Eines der Biester hatte mich sogar an der Fußsohle ausgesaugt.

Am Abend bin ich dann mit einem Kombi wieder zurück nach la Paz gefahren, wovon ich mich am nächsten Tag dann zurück zum Titicaca-See aufmachte. Diesmal ging es aber nach Copacabana auf der bolivianischen Seite des Sees.

Dort nahm ich ein Taxi und fuhr zu zu einem Hostel, welches mir eine Freundin empfohlen hatte. Es lag in einiger Entfernung vom Zentrum des Ortes direkt am See. Dort war es so schön und idyllisch, dass ich garnicht traurig war keine Zeit mehr für die Sonnen- und Mondinsel zu haben, die vor Copacabana liegen und ihrer entspannten Atmosphäre und Geschichte wegen Ziel eines jeden Touristen nicht bolivianischer Herkunft sind. Manco Capac, der erste Inka, soll hier nämlich vom Sonnengott auf die Erde geschickt worden sein, um das Reich der Inka zu gründen. Außerdem soll dem Mythos nach die Sonne höchstselbst auf der Isla del Sol das Licht der Welt erblickt haben. "Nicht bolivianischer Herkunft" schreibe ich, da es in Copacabana sehr viele bolivianische Touristen oder vielmehr Pilgerer gibt. Diese kommen aus allen Landesteilen und auch aus Peru herbei um in der Basílica der Virgen/Jungfrau de/von Copacabana Kerzen anzuzünden. Im Jahr 1580 soll die Jungfrau einem Inka-Nachfahren im Schlaf erschienen sein, der sie nach dem Aufwachen sofort in Holz schnitzte. In der folgenden Zeit wurden der Figur allerlei Wunder zugeschrieben, wodurch sie ihre heutige Berühmtheit erlangte. Das kuriose jedoch ist, dass jeden Tag auch dutzende Familien mit ihren Autos nach Copacabana kommen, dieses dort üppig mit Plastikblumen und anderem Dekokitsch aus China schmücken und es dann vom Priester vor der Kathedrale mit Weihwasser segnen lassen. Man nennt dies auch die "bolivianische Autoversicherung" da dieses Prozedere das Gefährt ein Jahr lang vor Pannen und Unfällen bewahren soll. Das Paradoxe jedoch ist, dass danach, zur Feier des Tages sozusagen, am Ufer des Titicacasee groß gegessen und noch ausgiebiger Getrunken wird, sodass bestimmt schon so einige Autos gerade an diesem Tag das zeitliche Gesegnet haben mögen.

 

Gewusel in La Paz

Gewusel in La Paz

Hexenmarkt in La Paz

Hexenmarkt in La Paz

Wuestenfuchs

Wuestenfuchs

blaue Lagune

Unsere Gruppe mit blauer Lagune

Neuseelaender Scott

Unser verrueckter Neuseelaender Scott bei einem seiner Spaesse. Schon bei seinem Anblick erstarrten unsere Glieder vor Kaelte.

Die Vulkanlandschaft, der Wind und ich

Die Vulkanlandschaft, der Wind und ich

rote lagune

Die rote Lagune mit kaum zu unterscheidenden Flamingos

kakteen

Riesenkakteen in der Salzwueste

In der Salzwueste

Huetchenspiel. im Salzhotel

Baum aus Stein mitten im Nichts

Geysire bei Sonnenaufgang

Geysir

Der Huayna Potosi

Mittagessen vor dem Aufstieg zum Berglager

Beim "Gipfelsturm" kurz vor Sonnenaufgang

Unser Guide

Wilde Eislandschaft mit der Spalte, die wir ueberqueren mussten

Der Gipfel

Gluecklich geschafft

Wolkenmeer unter uns

 

Peru 2: Titicacasee, Insel Amantani, Insel Taquile, Cinchera Tienda

Geschrieben von Margoli am 12.09.2010 um 00:44 . 1 Kommentare. Link.

Hallo Ihr! Tut mir leid. Ich bin etwas nachlaessig geworden mit dem Schreiben. Auch meine Reisetagebucheintraege werden immer kuerzer...es passiert einfach zu viel, als dass ich Zeit zum Wiedergeben des Erlebten haette. Aber jetzt versuche ich mal, dieses Versaemunis wieder gut zumachen...bis mir die Augen vor Muedigkeit zufallen.

Von  Arequipa aus bin ich zusammen mit dem Amerikaner Alex nach Puno am Tititacasee gefahren. Viel mehr als das naechtliche Lichtermeer von unserem Schlafsaal aus habe ich von der Stadt aber nicht gesehen. Am naechsten Morgen haben wir uns naemlich gleich auf die Inseln im Titicacasee schippern lassen. Nach auf einem kurzen Abstecher zu den flottierenden Schilfinseln, die bis vor nicht langer Zeit von dem Volk der Uro bewohnt wurden, die jedoch inzwischen zu einer Touristenattraktion, einer Art lebendem Museum, verkommen sind, ging es weiter zur Insel Amantani. Dort wurden wir einer einheimischen Familie zugeteilt, bei der wir uebernachteten und die uns in ihren eigenen vier Waenden bewirtete. So bekamen wir einen interessanten Einblick in das alltaegliche Leben der Familie und die erschreckend aermlichen Verhaeltnisse in denen sie lebt. Die Kueche war max. 2 qm gross, die Mutter hockte die ganze Zeit auf dem kalten Boden und bereitete das Essen ueber einer Feuerstelle zu. Bis auf Weihnachten ernaehrt sich die ganze Familie auch vegetarisch. Die wenigen Huehner, die sie sich halten, brauchen sie naemlcih fuer die Eier und die Schafe fuer die Wolle. Ein Umstand, den ich in Peru, wo man üblicherweise auf den Speisekarten der Restaurants vergeblich nach fleischlosen Gerichten sucht, nicht erwartet haette. Am Abend wurden wir dann in traditionelle Kleidung gehuellt und ab ging es zum Tanze im Gemeindehaus. Hat richtig Laune gemacht, zumal wirklich die ganze Familie mitgetanzt hat. Nur konnte ich nach einer halben Stunde wirklich nicht mehr. Zum einen merkte man die 4000 Hoehenmeter, auf denen wir uns befanden, dann schon und zum anderen machte mir der unheimliche viele Rockstoff, den ich trug, zu schaffen. Als wir dann wieder unter den freien Himmel traten tat sich ueber uns ein unglaublicher Sternenhimmel mit einer wirklich richtig milchigen Milchstrasse auf. Unglaublich, ich kann mich nicht erinnern so etwas je gesehen zu haben. Was diese doofen Stadtlichter dann doch alles Schlucken.

Am naechsten Tag gings dann noch auf die Nachbarinsel Taquile und dann zurueck nach Puno. Dort verabschiedete ich mich von Alex und machte mich das erste Mal auf meiner Reise wirklich alleine auf den Weg. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, in der Herberge bei einer Familie in einem Dorf 20 km vor Puno zu uebernachten, von der mir zwei Franzoesinnen auf dem Boot erzahlt hatten. Ich setzte mich also in einen brechend vollen Collectivo, eine Art Kleinbuss, mein Gepaeck auf dem Dach, und sagte dem Fahrer, dass er mich bitte in Cinchera Tienda rausschmeissen solle. Ich hoffte auf seine Ortskenntnis, da ich ja keinen blassen Schimmer von dem Aussehen meines Zieles hatte. Als es dann wohl soweit war, entbrannte eine wilde Diskussion unter den Insassen des Colectivos. Jeder schien es besser zu wissen und als ich dann irgendwo in der Pampa vor einem verrammelten Laden, einer Tienda also, abgesetzt wurde, fuehlte ich mich irgendwie verloren und voellig am falschen Platze. Nach einigem Herumirren und nachdem ich vergeblich versucht hatte, aus noch hilfloseren Nachbarskleinkindern mehr ueber meinen Standort zu erfahren, oeffnete sich endlich die Pforte des Hauses, von dem ich erhoffte es sei Cinchera Tienda. Und tatsaechlich. Ich war richtig und die Familie empfing mich sehr herzlich, mit der Entschuldigung, sie habe mein Klopfen nicht gehoert, da der Fernseher so laut lief und sie nicht mit Besuch gerechnet haetten. Normalerweise meldeten sich die Gaeste naemlich vorher telefonisch an. Aber nun war ich ja in Sicherheit und nach einem Spaziergang mit ihrem unheimlich lieben 10-jaehrigen Sohn Eri ueber die umliegenden Felder, bei dem er mir auch stolz seine Schafe zeigte, gab es ein leckeres wie immer ziemlich kohlenhydratreiches Abendessen zusammen mit der Familie. Es war augenscheinlich, dass diese Familie mehr Geld besass, als die Familie auf der Insel Amantani, jedoch haette auch diese Kueche meine Oma wohl der Ohnmacht nahe gebracht. Sie hatten zwar einen Gasherd, aber ansonsten war alles auch sehr sehr einfach und wirkte von der Sauberkeit her eher wie unsere Wg Kueche zu ihren schlimmsten Zeiten...hehe. Am gleichen Abend gab es in dem Dorf gleich zwei Hochzeiten. Genoveva, die Mama, meinte, es wuerden sich alle freuen, wenn ich da aufkreuzte. Jeder wuerde mit mir als Exotin tanzen wollen, aber sie hasse Hochzeiten, da die Maenner da immer soviel saufen wuerden und deswegen gingen sie nicht hin. Ihr Mann blieb auch brav zu Hause. Er muesse sich ihrem Willen beugen, erzahlte sie mir grinsend. Aber ich war schon ein wenig traurig, die wohl einmalige Moeglichkeit einer peruanischen Hochzeit beizuwohnen, verpasst zu haben.

Am Tag darauf ging es dann mit einem, wiedermal brechend vollen, Combi nach Desaguadero, wo ich die peruanisch/bolivianische Grenze zu Fuss ueberquerte und auf der bolivianischen Seite in einen weiteren Combi nach la Paz stieg. 

Meine inzwischen schon 12 Tage in Bolivien gibs bald. Ich muss wirklich ins Bett...inzwischen ist es schon seit  4 Stunden dunkel und ich bin totmuede. Ich habe mir hier wirklich angewoehnt, meine Wachphase, der Sonne anzupassen.

 

Unser Familie auf Amantani beim Vorbereiten des Mittagessens

Die Küche der Familie aus einer anderen Perspektive

Unsere Gastmama bei ihrer alltäglichen Beschaeftigung, dem Spinnen von Garn. Im Hintergrund sieht man eine Dorfversammlung.

Traditionelle Kleidung der Frauen auf Amantani

Kurz vorm Aufbruch zum Tanze

Das Klohaeuschen unserer Familie - Pullern mit Seeblick, aber ohner fliessend Wasser

Sonnenuntergang auf der Isla Amantani, vom "Pachamama", der Mutter Erde, aus

Alex und ich bem Aufwaermen mit einem Coca-Tee

Islas des Uros - zwei sueße Kinder auf den flottierenden Inseln im Titicaca-See

Die Fahrt im Combi von Puno zu meiner naechsten Familie

Genoveva, meine Gastmama, beim Bereiten des Abendessens

Eri

Beim Fruestuecken mit "meiner" Familie

Peru 1: Ankunft in Lima, Huacachina, Colca Canon, Cruz del Condor, Arequipa

Geschrieben von Margoli am 28.08.2010 um 00:07 . 0 Kommentare. Link.


Inzwischen bin ich ja schon über eine Woche in Peru und wie es so ist, habe ich eine Menge Sachen erlebt und gesehen.
Dienstag Nacht kam ich nach 20 stündiger Reise also in Lima an. Ich war völlig schlaftrunken und die rasante Taxifahrt zum Hostel durch Lima hat mir dann wirklich das Gefühl gegeben, in einer unrealistischen Traumwelt gelandet zu sein. Überall Autos, qualmende Monster bei denen man sich fragt, wie die noch fahren können, vollgestopft mit Menschen, die sich ohne ersichtliche Regeln fortbewegen. Die einzige Regel scheint zu sein: "Achtung, ich hupe wie bekloppt, das heißt ich möchte durch!"
Beim Versuch der Straßenüberquerung hat mich das inzwischen schon einige Male zum Verzweifeln gebracht.
In dieser Monsterstadt, die nie zu schlafen scheint, bin ich dann bis Freitag geblieben. Einen Tag länger als geplant. Aber der Jetlag und das echt schöne, gemütliche Hostel, dass ich erwischt habe, wollten es so.
Ausserdem gab's nette Beschäftigung. Eine Stadttour, klar, und nen Surfwettbewerb kurz vor Lima mit echt beeindruckenden Wellen (ich hätte mich da nicht ins Wasser getraut) und Typen, die ihr Brett ganz gut beherrschen. Am Donnerstagnacht hat der Hostelbesitzer, ein Franzose, fast alle Gäste dann in einen Club geschleppt, bei dem generell alle seine Gäste auf der Liste stehen und der erstaunlicherweise echt nicht schlecht war. Ging stimmungsmäßig ganz schön ab.
Danach ging's dann die Panamericana in Richtung Sueden in die Oase Huacachina. Da hab ich mich dann einen Tag erholt und ne echt nervenkitzlige Sandbuggy und Sandboardtour gemacht. Aber irgendwie wollte ich in die Berge. Also ging's dann mit dem Nachtbus nach Arequipa und von dort aus gleich weiter in den Colca-Cañon. Dort habe ich auf dem Busbahnhof von Chivay eine Gruppe echt netter Leute getroffen und wir haben uns für eine Wandertour durch den Cañon zusammengetan. Am Abend vor dem Aufbruch gab's noch herrlich warme Thermalquellen unter Vollmond und danach zur Stärkung für die bevorstehende Tour Alpaca-Steak.
Am nächsten Morgen ging's dann um sechs los. Wir sind mit dem Taxi zum Cruz del Condor gefahren. Unterwegs hatten wir echt schöne Ausblicke auf das Cañon-Tal und Terrassierungen, die von den Incas schon vor mehreren hundert Jahren angelegt wurden, und die die Bewirtschaftung der steilen Hänge ermöglichen. Am Cruz del Condor konnten wir dann die ziemlich beeindruckend grossen Condore beobachten, die ohne Scheu über unseren Köpfen kreisten. Danach ging's nach Cabanaconde. Ein Ort im Cañon, von dem aus man gute Trekkingtouren starten kann. Das haben wir dann auch gleich getan. Das bedeutete einen steilen Abstieg von 1000 Metern ins Tal und einen erneuten Aufstieg auf der anderen Seite des Tales in ein auf 2800 Metern gelegenes Bergdorf. Dort wurden wir von einer peruanischen Familie, die eine kleine Herberge betreibt, unheimlich herzlich und mit echt gutem Essen empfangen.
Es ist einfach unglaublich, wie die Menschen dort heute noch leben. Es scheint sich seit hunderten von Jahren in ihrer Lebensweise nichts verändert zu haben. Bis auf die zusätzliche Einnahmequelle des geringen Wandertourismus. Sie leben von dem was sie anbauen, Fleisch bekommen sie im Tauschhandel von höher in den Bergen lebenden Hirten und zweimal die Woche muss ein Familienmitglied den beschwerlichen Weg zum nächsten, über eine Straße erreichbaren Dorf machen, um alles andere Lebensnotwendige zu besorgen. Das heißt: 700 Meter runter, 1100 wieder rauf und das gleiche nochmal zurück! Es ist Wahnsinn, wie zäh die Menschen dort sind.
Am nächsten Tag dann Abstieg in eine im Tal gelegene Oase und ein Bad in einem vom Flusswasser gespeisten Pool. Bei mind. 30 Grad und brennender Sonne das Beste. Nach dieser Erfrischung kam dann der Aufstieg, der uns einige Zeit gekostet hat. Man merkt ab 3000 Metern dann schon, dass die Luft knapper wird. Im Mondschein und bei eisiger Kälte, es kühlt nachts ziemlich schnell auf Temperaturen um den Gefrierpunkt ab, kamen wir dann in Cabanaconde an. Wir schliefen alle wie Babys :).
Am nächsten Tag, Mittwoch, bin ich dann mit zwei Amerikanern unserer Gruppe zurück nach Arequipa gefahren, welches ich mir heute ein bisschen angeschaut habe. Aber nach der Ruhe und guten Luft in dem Cañon, gefällt es mir hier in der Stadt irgendwie nicht mehr. Deshalb geht es morgen nach Puno und dann auf die bolivianische Seite des Titicaca-Sees auf die sog. Sonneninsel. Klingt auf jeden Fall verlockend entspannt. Weitere genaue Pläne hab ich erst mal nicht. Hängt auch einfach davon ab, wen ich auf der Reise noch so kennenlerne, (was übrigens überhaupt kein Problem ist. Hier gibt es ne Menge Leute, die alleine reisen oder auch nicht und mit denen man ins Gespräch kommt) und was deren Pläne oder Tipps so sind.
Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr genießt den restlichen Sommer in Deutschland oder wo auch immer ihr euch gerade rumtreibt.
Wenn ich wieder was erlebt hab, gibt's Neues von mir.
Besos
Grete

 

 

 

 

 



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