”Verbrechen” aus Mitleid im Südpolarmeer

19:38, 23.02.2008. Von ThomasBuiter

Originaltext unter: http://www.seashepherd.org/editorials/editorial_080223_1.html

”Verbrechen” aus Mitleid im Südpolarmeer
Kommentar von Kapitän Paul Watson
An Bord des Sea Shepherd Schiffes Steve Irwin

Der wilde, wilde Westen ist von gestern.


Es ist der wilde, wilde Süden am Ende der Welt der als letztes gesetzloses Grenzgebiet der Erde übrigbleibt.


Die Wilderer führen das Stück auf und der Sheriff ist nirgends zu finden.
Es gibt zwei hauptsächliche Verbrecherbanden die sich hier unten herumtreiben. Die gesetzlosen japanischen Waljäger und die Banditen, die den schwarzen Seehecht jagen. Beide Gangs führen Gewehre mit und plündern Ressourcen.


Das Sea Shepherd Schiff Steve Irwin  ist der ordnungshütende Kopfgeldjäger, der versucht das Gesetz an einem Ort aufrechtzuerhalten, wo das Gesetz als Witz betrachtet wird.
Der Sheriff, im Namen der Regierung von Australien, trat mit einem Schiff mit dem Macho-Namen Oceanic Viking auf um...........Fotos zu machen!


Auf der Suche nach irgendwelchen Beweisen, sagten sie , bevor sie sie weiter verfolgten, nach Norden zu den Saloons von Freemantle um dort weiter zu quatschen über „ wie irgendwas getan werden muss aber wir wissen nicht genau was wir zu tun haben, Mann.“


In der Zwischenzeit sterben die eingeborenen Bewohner dieser Gebiete zu Hunderten indem grausame Harpunen mit stumpfen Spitzen wie wild ihr Fleisch zerfetzen, explosive Granaten tief in ihren Körper rammen, die weichen inneren Organe wehrloser Wale zerreißen, und sie in zappelnd in quälendem Elend zurücklassen während die See dampft von ihrem vergeudeten heißen Blut.
Die entsetzlichen Schreie der Wale hallen über die einsamen abgelegenen Gewässer in denen niemand ihr klägliches Flehen um Hilfe hört.


Es sind diese Schrei die uns hier herunter in diese Gewässer geführt haben, um alles zu tun, was wir können mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, das Schlachten zu beenden.
Es gibt eine australische Gerichtsanordnung, die das Töten der Wale verbietet, aber eine Gerichtsanordnung ohne deren Durchsetzung ist bedeutungslos. Es gibt internationale Gesetze, die die verbrechen verbieten, die in diesen Gewässern begangen werden, aber auch diese gesetze sind bedeutungslos, wenn sie nicht durchgesetzt werden.


Seehecht-Wilderer ziehen gefährdete Fischarten aus dem Wasser mit der einzigen Drohung, straffrei davonzukommen,  wenn sie auf jeden schießen, der ihre Räuberei und Plünderei stört.
In der Zwischenzeit murmeln Politiker in Canberra weiter vor sich hin über  radikale Naturschützer, die das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Akademische juristische Angeber schütten rhetorische Verdammnis über jeden, der versucht Wale als Pirat oder Öko-Terrorist zu retten.


Die steuerlose Regierung, die versprochen hatte, das Schlachten zu stoppen, scheint mehr daran interessiert zu sein, ihre Rolle als Versorgungsschiff  imperialistischer japanischer Handelsinteressen aufrecht zu erhalten.


In Japan schreit die Regierung “Öko-Terrorismus”, jedes Mal wenn irgendjemand ein Protestschild gegen die illegale Waljagd hochhält.
Politiker und Akademiker, Angsthasen- Ökofritzen und Bürokraten verdammen jede Form des Aktivismus der mehr tut als herumposieren und sich selbst darstellen.


Und die Wale sterben weiter, werden harpuniert, erstickt, mit Stromschlägen getötet und verstümmelt.
Sie sterben in unvorstellbarer Qual, erstickt von ihrem eigenen Blut und Meerwasser, mit klaffenden Wunden, aus denen Gallonen von Blut in das kalte Meer spritzen.
Es ist dieses Verbrechen, diese sinnlose, sadistische Schlächterei, dieses widerliche, erbärmliche Massaker, das meinen Crew und mich in diese kalten abgelegenen Gewässer gebracht hat. Wir sind als Freiwillige in die Gefahrenzone gezogen, aus einem einzigen Grund und der ist, das Schlachten zu beenden.


Es ist eine fürchterliche Pflicht mit Fußfesseln des Unmöglichen, die unseren Job so unglaublich schwer machen. Wir stellen uns gewalttätigen Killern entgegen und bewaffneten kriminellen Wilderern auf acht Schiffen, bemannt durch eine Union, die von der japanischen Yakuza kontrolliert wird, unterstützt von mächtigen fremdenängstlichen japanischen Politikern, die im Namen blinden patriotischen Nationalismus selbst die Sonne vom Himmel stehlen würden.


Verwickelt in diese Schweinerei sind in unkontrollierbarer Weise namibische, uruguayanische und verschiedene andere Wilderer, die versuchen, den letzten schwarzen Seehecht zu fangen und bereit sind auf jeden zu schießen, der ihnen in den Weg kommt.
Und der Sheriff ist abgesegelt in unbekannte Regionen um seine Bilder zu entwickeln, von der Mutter und dem Baby-Wal, die Seite an Seite abgeschlachtet wurden, so dass ganz Australien über den Horror lamentieren kann und ........absolut gar nichts tut.


Manchmal frage ich mich, warum ich das tue, Jahr für Jahr, Wilderer aufspüren und jagen, Wale retten im Südpolarmeer, Robben im Nordatlantik, Haie bei den Galapagos, Seeschildkröten in der Karibik?
Ich bin bezichtigt worden besessen zu sein und die Wahrheit ist, dass ich tatsächlich besessen bin.  Ich bin getrieben, das Gemetzel zu stoppen, weil ich die ständige Verminderung und Verarmung des Lebens in den Ozeanen mitangesehen habe seit ich ein Junge war und ich kann nicht den Weg des Ausgeliefertseins und der Untätigkeit wählen.


Vor etlichen Jahren, als ich versuchte, einen riesigen Pottwalbullen vor einem sowjetischen Walfangschiff zu beschützen, wurde der Wal von einer explodierenden Harpune in den Kopf getroffen und ich wurde überschüttet von seinem Blut und geronnenen Blutklumpen als der Wal schreiend vor Qual auf die Wasseroberfläche des Pazifik aufschlug.


Plötzlich sah mich dieser Wal, und er tauchte und ich sah eine Spur von blutigen Blasen auf mich zurasen, wo ich in meinem kleinen Schlauchboot saß.


Der Wal erhob sich aus dem Wasser, den Unterkiefer offen und türmte sich über mir auf, bereit, nach vorne zu fallen und mich zu zerschmettern. Er war so nah, dass ich hätte hinfassen und meine Finger um einen seiner 15 cm langen Zähne hätte legen können. Sein Atem schlug mir heiß ins Gesicht und es geschah da, dass ich in ein einzelnes Auge sah und in diesem Auge, einem Auge von der Größe meiner Faust, sah ich Verstehen, sah ich Mitgefühl und sah ich Erbarmen.


Dieser Wal verstand wozu ich hier war. Statt weiter nach vorn zu schnellen um mich zu zerschmettern, sah ich seine Muskeln spielen und mit seiner sterbenden Kraft sah ich ihn zurückfallen und langsam ins Meer gleiten. Ich sah mein eigenes Spiegelbild in seinem Auge als dieser unendliche weise Koloss in den Wellen verschwand.


Und ich sah Erbarmen. Nicht für sich oder seine Art, sondern für uns. Wir waren Killer ohne Grund oder Leidenschaft, dachten nicht viel nach über das Leben, das wir auslöschten, Killer ohne Einfühlsamkeit, ohne Gefühl.


Und ich dachte, warum töteten die Russen diese Wale? Hauptsächlich für Walratöl, das zum Schmieren von Maschinen unter hohen Temperaturen gebraucht wird. Und eine der einzigartigen menschlichen Erfindungen für die das Walratöl gebraucht wurde, war die Herstellung nuklearer Interkontinentalraketen, und das war der Moment in dem mir schlagartig klar wurde, dass wir geisteskrank sind.


Wir töteten großartige, intelligente, empfindungsfähige, fühlende, sozial komplexe Kreaturen umeine Waffe zu produzieren, die für die Masseneinäscherung menschlicher Wesen gedacht ist und wir wurden als gewalttätige Öko-Terroristen verurteilt wegen unseres Widerstands gegen diesen verkommenen Wahnsinn.


Und das Schlachten geht weiter indem Wale sterben um den Nationalstolz Japans aufzublähen.
Es ist nur das Mitgefühl für meine Spezies, das mich davor bewahrt, die Mörder zu töten und hinzu kommt die Frustration, von der anthropozentrischen Gesellschaft als gewalttätig betrachtet zu werden dafür dass ich Gewalt zu beenden versuche, als kriminell betrachtet zu werden dafür, dass ich Kriminalität zu beenden versuche, für unvernünftig gehalten zu werden dafür, dass ich die Wahnsinnstaten der Menschheit anzugehen versuche.


Aber was das angeht, weshalb ich gerade hier bin, auf der Jagd nach der japanischen Walfangflotte durch ein Gewirr von Eisbergen am Ende der Welt durch die feindseligsten und abgelegensten Gewässer der Erde – die Antwort ist, dass ich in das Auge eines sterbenden Wals gesehen habe und was ich dort sah, beschämte mich und erfüllte mein Herz mit Mitgefühl, alles zu tun was ich kann um diesen Horror zu stoppen in den wilden, wilden abgelegenen Gewässern des ironischerweise so bezeichneten südlichen Walschutzgebietes.


Wo er bläst, ist, wo er stirbt und die Killer rechtfertigen Ihre Kriminalität im Namen nationalen Stolzes. Die Wale sterben für kriminelle Profite und der Sheriff fehlt bei dem Einsatz, lässt uns „mitfühlende Kriminelle“ allein in diesen Gewässern um die sanften Riesen vor der Grausamkeit unserer eigenen art zu beschützen.

Übersetzung nach bestem Wissen und Gewissen

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Frauke hat scheinbar heute die Arbeitswut gepackt. Einfach nur Danke.

Liebe Grüsse

Thomas

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Kommentare

  1. Das Gute alleine da draußen von (Bella)

    Die Erzählung Paul Watsons von seiner Begegnung mit dem sterbenden Wal erschüttert mich jedesmal bis ins Mark. Ich habe diese schon einige Male gelesen und dabei hemmungslos geweint. Da möchte ich am liebsten allen, die für dieses Verbrechen verantwortlich sind, den Hals umdrehen!
    und denen die nicht helfen, dieses Verbrechen zu stoppen, wo sie dies doch durchaus könnten, einen mächtigen Tritt in den ... verpassen.
    Auch tut es mir gleichzeitig so leid, Paul Watson und seine Leute, da ganz alleine zu wissen unter diesen Unmenschen. Das ist einfach ungerecht und zerreißt mir das Herz. Man kann Watson richtig nachempfinden. Es tut nur weh!
    Da frag ich mich einmal wieder: Wie kann die Menschheit bloß so grausam sein.
    Liebe Grüße
    Bella

  2. Und dann war da noch.... von (ThomasBuiter)

    der eiserne Wille Paul Watsons, der es nicht zulässt, daß in seiner Gegenwart ein Wal durch eine Harpune stribt. Ich bin echt froh Euch alle um mich zu haben. Auch wenn sehr viele hier nur lesen (wenn jeder was schreiben würde käme ich niemals zu was anderem :) ). Heute gab es ein paar Rückschläge was den neuen Blog betrifft, aber das wird schon noch. Ich bin aber froh wenn am Ende die beschränkungen die ich durch diesem Blog habe nicht mehr da sind. Wir haben dann bald die Möglichkeit auch Videos selber zu hosten, da ich mal spendabel war und uns ein relativ dickes Webspacepolster besorgt zu haben (2 GB bei 500 GB Traffic/Monat)
    Nu geh ich aber in meine 2 Meter und werde davon träumen, wie die Mannschaft der Steve Irwin den Walfängern richtig einheizt.

    Liebe Grüsse

    Thomas

  3. Tötungswaffe Mensch von (Monique)

    Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Menschen auf dieser Welt gibt, dem dieser Beitrag egal ist, wenn er ihn liesst.
    Es ist ein SCHLAG ins GESICHT!!!!
    Ich schäme mich dafür, zur Spezies Mensch zu gehören!

  4. Bis dato ... von (Sabrina:-))

    kannte ich diese Geschichte bisher nicht.
    Entsetzen und Sprachlosigkeit - Wut und Trauer ist das, was bleibt.
    Und eine enorme Motivation, mehr zu tun !!!

    "Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun." (Voltaire)

    Heizt ihnen richtig ein !!!

  5. Unbenannter Kommentar von (SeaScipio)

    @Thomas: Wie könnte man dir weiter helfen?
    Ich habe zwar kaum Zeit, trotzdem würde ich dich gerne unterstützen.

    lg Peter