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Ich bin eine Prinzessin

13:16, 16.04.2008 [1 Kommentare] [Link]

Ich bin eine Prinzessin

Noch bevor ich sie sehe schätze ich sie an der Stimme ab. Ein Mädchen. Fünf Jahre vielleicht. Ich drehe mich um. Gut geschätzt. Vielleicht etwas jünger. Vielleicht.
„Was denn?“ frage ich zurück.
„Du“, wieder diese lang gezogene Betonung, „du, was machst du da?“
„Ich bringe euch eine Zeitung.“
Ihre großen Augen strahlen Interesse aus. Auf eine seltsame Art und Weise glaubt man in erfahrene und gezeichnete Augen zu blicken. Und dennoch kindlich.
„Damit deine Eltern etwas zu lesen haben.“
Mit offenem Mund schaut sie mich an. Was wohl in diesem kleinen Kopf vorgeht?
„Aber mein Papa braucht doch nichts zum Lesen.“
„Und deine Mama?“
„Ich habe gar keine Mama.“
Sie sagt dies mit einem Lächeln. Ein gleichgültiges Lächeln.
„Wo ist die denn, deine Mama?“
„Ich habe keine Mama.“ Noch einmal. Als würde sie mir erzählen sie esse lieber Gelbwurst als Schinken. Diese Gleichgültigkeit. Ich gehe nicht näher darauf ein.
„Wer kümmert sich denn dann um dich?“
„Niemand, ich bin doch eine Prinzessin.“
„Echt, eine Prinzessin?“ Ich stelle mich überrascht.
„Hm“ sie nickt. Die schwarzbraunen Haare tanzen um ihr breites Gesicht. Diese großen Augen. Gedankenverloren starrt sie auf den Boden. Graue Pflastersteine. Sie blickt auf.
„Und mein Papa ist ein König.“
„Spielt ihr das wohl immer?“
„Hm“ sie nickt. Diesmal kräftiger. Ich möchte sie nicht einfach so stehen lassen. Irgendwie fasziniert mich dieses kleine Wesen. Auf eine eigene Art und Weise. Als hätte sie schon viel mehr erlebt als jeder andere. Als wäre sie steinalt. Mit ihren geschätzten fünf Jahren. Ich lege den Stapel Rewe-Prospekte in den Fahrradkorb.
„Was passiert denn immer so in eurem Spiel?“
„Da hält mich immer wer gefangen. Ein böser Drache. Oder die schlimme Hexe.“ Sie versucht ein Gesicht wie eine böse Hexe zu machen. Wie sieht eine böse Hexe aus? Ich ziehe authentisch die Luft lautstark ein. Gebe meinem Gesicht einen leicht schockierten Anschein. Es scheint ihr zu gefallen wie ich ihr zuhöre. Ihre großen Augen weiten sich. Sie gibt ihrer Stimme einen kräftigeren Grundton.
„Aber dann kommt immer der gute König und rettet mich.“
„Und dann ist alles wieder gut, nicht?“ Gespielt atme ich auf.
„Hm“ sie nickt erneut. „Und dann heiraten wir.“
„Ach so“, antworte ich, „ihr feiert dann ein Hochzeitsfest und die Prinzessin darf den König heiraten?“
„Fest?“ Sie sieht mich erstaunt an. Legt den Kopf schief.
„Ja, wenn zwei Menschen heiraten gibt es doch ein Fest. Mit Gästen. Und Essen.“
Sie blickt nach wie vor erstaunt. Dann lächelt sie plötzlich. Ein glucksendes Lachen aus ihrem Mund.
„Ich glaub du weißt gar nicht was heiraten ist.“
Sie trifft diese Feststellung noch immer lächelnd.
„Nein?“ Ich bin tatsächlich etwas überrascht. Verstehe nicht. „Wie heiratet ihr denn im Spiel?“
„Na, Heiraten eben. Der König rettet mich, dann legt er mich aufs Bett, ich ziehe das Kleid und alles andere aus und dann heiratet er mich.“
Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Mein Mund wird trocken. Ich wanke. „Heiraten“. Mir wird schlecht.


(Die Hobby-Synchronsprecher von den Crash Dub Studios haben den Text als Grundlage für ein Hörspiel genommen)

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Ich bin eine Prinzessin - Eine leere Hülle

18:12, 23.05.2008 Geschrieben von tUrNtOfAcEtHiSwAy [] [ ]
Irgendwie bin ich schockiert und dennoch fühle ich mich komplett leer. Wo fange ich hier am besten an? Am besten ganz am Anfang, ich bin nicht besonders gut im schreiben und da fällt es mir so evtl. leichter:

Ich bin im Forum auf dein Blog aufmerksam geworden und durch den Titel hab ich eher an etwas 'lustiges' gedacht. Aber die Seite sah dann doch nicht so einladend aus wie ich mir gedacht habe - bitte nicht falsch verstehen!
Dann der erste Eintrag den ich mir dann vorgenommen habe. Bei der Überschrift dachte ich gleich an eine Story á la Paris. Aber auch da lag ich falsch.
Dass war aber noch lang nicht das Ende. Die Geschichte fing an interessant zu werden. Es sprach mich schon sehr an. Ich habe auch viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun und einige von ihnen sind dem Mädchen schon irgendwie ähnlich vom Verhalten. Ich las also gespannt weiter und auf einmal überkam mich ein mulmiges Gefühl. Und zum Ende hin muss ich dir einfach nur zustimmen: 'Mir wird schlecht.'

Es hört sich so an wie eine ganz fiktive Geschichte, leider sind solche Szenen in der Welt des Mädchens Realität. Und es gibt viele solcher Mädchen und Jungen denen so etwas, aber wie kommt der normale Menschenverstand dazu? Ich kann es nicht verstehen und eigentlich würde ich am liebsten vor so etwas die Augen verschließen und so tun als gäbe es sowas gar nicht.
Wenn ich sowas in der Zeitung lese fühle ich mich nur leer, aber wie leer muss sich die Prinzessin fühlen?

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