21:20, 6.02.2011
Seit dem dritten Februar leben wir im Jahr des Hasen. Ein neues Jahr hat hier in China begonnen. Natürlich lebt dieses Land hier inzwischen auch nach dem westlichen Kalender, jedoch hängt auch in vielen Wohnungen (von Stuben rede ich hier nicht ...) hier ein Mondkalender, nach dem sich noch (vor allem ältere Menschen) in ihren Berechnungen und in ihrer Jahreseinteilung richten.
Trotzdem der Jahreswechsel nun schon einige Tage her ist, böllert es auf den Straßen immer noch. Sowas wie eine zeitlich enge Begrenzung fuer das Loslassen von Feuerwerkskörpern gibt es hier nicht. Insgesamt darf bis zum 15. des ersten Monats des Mondkalenders geknallt werden. Und dann am 15. ist schon wieder ein Fest, naemlich das Laternenfest.
Das mit dem Jahreswechsel ist hier ungefähr so wichtig wie das deutsche Weihnachtsfest: Jeder möchte daheim sein bei der Famile. Dann wird gegessen, ferngesehen und geschlafen. Bei der Masse an Wanderarbeitern und Menschen, die nicht mit ihrer Familie zusammen wohnen koennen, bedeutet dieses Fest eine Möglichkeit, wenigstens einmal im Jahr bei der Familie zu sein. Die Zahlen schwanken, aber man spricht von 300.000 bis 700.000 Menschen, die hier in einer Zeitspanne von 4-5 Wochen nach Hause reisen und dann wieder an ihren Arbeitsort zurueck.
13:31, 2.07.2010
Nach fast einer Woche milchigweißen Smogs oder Fogs (wer will das schon wissen?) ist nun nach dem gestrigen Regen der Himmel endlich wieder einmal blau.
20:56, 19.06.2010
Gestern war hier Betriebsausflug. Wir hatten eine Menge Spaß beim Drachenbootrennen. Unser Boot hatte die schnellste Zeit und lag Längen voraus.
Allerdings war das Public Viewing des Fußballspiels Deutschland gegen Serbien nicht ganz so Spaß.

19:35, 11.06.2010
vor einiger zeit hatte ich mich gefragt, wie die jungen leute hier bei diesen wohnungspreisen eine davon kaufen koennen. eine geschichte, die mir eine bekannte erzaehlte, bringt licht ins dunkel:
es war einer ihrer kollegen, in den 50ern, immer recht weit vorausenkend und in geldsachen immer recht vorsichtig. legen wir mal sein monatliches einkommen auf 500 euro fest. durch allerhand beziehungen und nebeneinkuenfte hatte er monalich natuerlich mehr als sein gehalt zur verfuegung. dazu kommt noch, dass er und seine frau ende der 80er jahre die guenstigen preise nutzten und sich zwei wohnungen kauften. in einer davon wohnten sie. die andere warf monatlich miete ab.
nun hat unser herr eine tochter, die im heiratsfaehigen alter ist. vorher, nach der von den eltern finanzierten ausbildung, wurde sie natuerlich von papa aufgrund seiner beziehungen (guanxi) auf einen posten als dolmetscherin gehievt. mit ihrer fachlichen kompetenz war es nicht weit her: sie ueberstzte zimmermann mit "holzarbeiter".
töchterhen war also in dem alter, in dem sie einen mann braucht, bzw. in dem sie der familie einen sprössling bescheren sollte. dazu bedarf es natuerlich eines maennlichen teils, welches erst einmal gefunden werden will. freier gab es genug, denn das mädchen sah gar nicht schlecht aus. also berichtete sie ihren eltern von den avancen der jünger. aber alle wurden sie abschlägig beschieden, denn den eltern passten sie nicht:
der eine war zu reich. das war nicht gut, denn ein reicher mann hat ja die geldmittel, um sich nebenher noch eine freundin zu halten und vielleicht sogar seine frau, wenn sie ueber die 40 ist, in die wüste zu schicken.
der zweite war ein inder. dies heißt, er war auslaender und als solcher lebte er im ausland oder wollte zumindest dorthin zurueckkehren, eine gute chinesische tochter aber bleibt im mutterland, um sich um vater und mutter zu kümmern. also war es auch mit dem inder aus.
nun wurde es zeit, und vater bemühte sich selbst um einen schwiegersohn, den fand er im gebiet von xinjiang. es war kein eingeborener, sondern ein hanchinese, was wichtig ist. dieser junge mann wurde nun nach peking bestellt und die tochter befand ihn ok. dann suchte papa ihm eine stelle, auf der er rund 300 euro monatseinkommen hat. diese geld durfte er fuer sich behalten, denn papa hatte sich vorgenommen, fuer das glueck seiner tochter und ihrer zukünftigen familie zu sorgen.
außerdem ist es immer gut, den schwiegersohn finanziell abhängig und zu dankbarkeit verpflichtet zu halten.
jeden abend kommen die jungen leute zu den eltern zum essen.
da aber letztendlich die finanzen stimmen muessen, sprich aufwand und entschädigung sich die waage halten sollten, telefonierte unser älterer herr mit seinem herrn schwiegervater in der provinz und forderte ihn auf, doch einhunderttausend euro auf ein konto fuer die zukünftige schulausbildung des enkels einzuzahlen.
so ist das. money talks!
19:20, 3.06.2010

19:21, 1.06.2010
Carsten Weidling besuchte mich hier in Peking. Die Sendung wird am 22. Juni 2010 im MDR gesendet. Viel Spaß beim Fernsehen. Und hier ist noch ein Bild von Carsten in Peking.

Der Link zur MDR Programmvorschau der Sendung:
http://www.mdr.de/tv/programm/prog_detail+43209000292090.html
19:31, 25.05.2010

19:18, 19.05.2010
Ein fuer mich erstaunliches Ergebnis ergab eine spontane Umfrage zum Theme Wertehierarchie, die ich heute in meiner Klasse (bestehend aus 20 Deutschlernern im Alter von 18 bis 25) durchführte.
Jeder Teilnehmer konnte fuer seinen Top-wert 10 Punkte vergeben, dann abgestuft je 9, 8 und 7. Also durfte jeder in die Liste nur seine Top-4-werte eintragen. Und hier ist das Ergebnis:
Zielsrebigkeit 61
Optimismus 51
Liebe 48
Lebensfreude 47
Unabhängigkeit 45
00:46, 13.05.2010
Heute stand wieder mal Tianjin auf dem Programm. Auf dem Nachhauseweg fiel mir dieses Detail auf. Wo würde man sowas erwarten? Kirche, Kunstmuseum, Gemäldegallerie? Ratet mal! Die Antwort steht weiter unten.

Dieses Detail findet ihr an der Decke vom Tianjiner Bahnhof in der Eingangshalle.
21:23, 11.05.2010
Scätzungsweise gibt es hier ca. 20 Abstufungen des Wortes "scharf", so wie es der Gaumen spürt.
Und ganz richtig scharf wird bei unsrem Freund Tao Cheng gegessen. Sein Restaurant heißt Gulou Mala Xiang Guo. Wenn ihr in der Nähe seid, muesst ihrs undbedingt mal probieren. Fuer die ganz Harten gibts auch den Schärfetest. Dann bekommt man eine Urkunde an der Wand. Uns so sieht eine scharfe Schuessel aus:

20:13, 25.04.2010
Ich habe oft gehört, dass es hier in China zum Standard gehört, dass der heiratsfähige und heiratswillige Mann sollte, wenn seine Werbung erhört werden soll, mindestens zwei Dinge bereitstellen:
Wohnung und Auto.
Ich frag mich ernsthaft, wie das funktionieren kann, bei Quadratmeterpreisen von 1000 bis 3000 Euro.Das Durchschnittseinkommen der breiten Masse in Großstädten wie Peking und Shanghai bewegt sich zwischen 500 und 11200 Euro.
Die einzige Antwort auf diese Frage, wie sie das anstellen, bei dem Gehalt eine Wohnung zu solchen Preisen zu kaufen, ist VERWANDTSCHAFT.
Eltern oder andere Verwandte, legen zusammen. Damit erkaufen sie sich zugleich einen Platz in der zukünftigen neuen Familie. Sie haben damit einen Platz zum Übernachten in der Stadt... Und natürlich haben sie dann auch ein Wörtchen mitzureden bei zukünftigen Entscheidungen in der neuen Familie.
15:49, 25.04.2010

Farben über Farben gestern in den Westbergen von Peking.
12:45, 23.04.2010

Sie kommen vom Land mit ihren kleinen Transportern und verkaufen frisches Obst direkt vom Laster.
21:35, 21.04.2010
Es begann heute morgen schon auf dem Weg zum Institut: In der U-bahn wurde die Nationalhymne gespielt. Auf Videoseiten wie www.youku.com kamen nach Eingabe der Suchanfrage folgendes Bild und kein Suchergebnis.

Fahnen stehen auf Halbmast. Es ist Staatstrauer fuer die Opfer des Erdbebens in Qinghai am Montag. Im Fernsehen sind etwas 95 Prozent aller Sender gleichgeschaltet und bringen ein und dasselbe Erdbebenopferprogramm.
Auffallend bei den Fernsehbildern ist, dass neben den Geröllhaufen der eingefallenen Wohngebäude und Schulen immer noch einige Häuser stehen, bei denen offenbar andere Baumaterialien oder sicherere Bautechniken genutzt wurden. Erdbebensicher zu bauen ist wohl eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.
02:03, 20.04.2010
Und das kam so: Um den Geburtstagskuchen, den ich den Kollegen im Institut spendiert habe, auch ordentlich schneiden zu können, nahm ich heute morgen ein Schneidemesser von zu Hause mit. Am Morgen nahm ich ein Taxi zur Arbeit. Aber als ich heute Nachmittag in die U-bahn wollte, entdeckte die Frau am Durchleuchtungsfließband das Messer. Ich wurde darauf hingewießen, dass Messer ab einer bestimmten Länge (am Schreibtisch gab es eingeritzte Bestimmungskerben) nicht in der U-bahn erlaubt sind. Ich finds gut so. Auch wenn ich selbst davon betroffen war. Aber Sicherheit geht vor!
01:01, 19.04.2010

Sie hats scheinbar eilig. Wenn wir in China sagen "Ich komme gleich", dann heißt das 马上 (auf dem Pferd). Aber manchmal sind die Pferde hier auch recht langsam :)
16:58, 16.04.2010

Straßenszene: Ein Altwarensammler vor einem Webeposter. Barbiewelt und Realität. Für einige ist Barbiewelt auch inzwischen Realität geworden, aber nur für eine kleine Minderheit eben.
16:26, 15.04.2010

Ein Abschiedsessen. David und Liu Ting gehen nach Deutschland. Das war letzte Woche. Sie sind ehemalige Schüler von mir, die nun in Deutschland studieren wollen. Die beiden sitzen in der Mitte. Links und rechts sitzen zwei ehemalige Kursteilnemerinnen aus demselben Kurs.
Das Kuriose an diesem Restaurantbesuch zum Lunch war, dass wir sehr lange auf das Essen warten mussten und die Bedienung uns dann sagte, dass es keinen Strom in Restaurant gäbe. Also könne man die Speisen nicht dämpfen oder kochen...
Wir sind dann in ein anderes Lokal umgezogen.
02:11, 15.04.2010

Nur etwa 45 Minuten westlich von Peking sieht man sich in eine andere Zeit versetzt: Die Straße führt durch einen großen Industriekomplex. Überall wird gebaut, Häuser tragen das chinesische Schriftzeichen CHAI für ABRISS. Es wirkt trostlos und doch wieder nicht, denn überall sind Arbeiter dabei, das neue China zu bauen. Momentan werden Pfeiler fuer eine Hochstraße vor Ort gegossen.
15:15, 5.04.2010
Es war ein herrlicher Tag. Das Wetter so gar nicht aprilhaft, sondern osterlich warm. Nur ein ganz seichtes Lüftchen wehte. Am Morgen erst das Eierfärben und Plätzchenbacken. Inzwischen gibt es auf dem deutschen Markt sogar eine Packung zum Herstellen goldener Eier (klebrige Goldfarbe aufs Ei auftragen und dann speziell beschichtetes Goldpapier auf das Ei rubbeln)!
Nach dem Osterbrunch waren wir dann in den Westbergen. Als wir gegen 5 ankamen begann schon der Rückreiseverkehr gen Peking, und wir hatten fast die ganzen Berge fuer uns.

00:58, 29.03.2010
Die Menschen hier in China legen einen großen Wert darauf, gesund zu bleiben. Das hat einen ganz einfachen Grund: Krankenhausaufenthalte sind teuer und das Netz der Sozail- und Krankenversicherungen ist sehr lückenhaft.
Mir ist auch aufgefallen, dass die Apotheken in China meist sehr voll sind, während die Regale in deutschen Apotheken manchmal leerstehen.
Menschen früh morgens im Park Tai Qi übend anzutreffen ist keine Seltenheit. Man bewegt sich gern. Auch gehört die Sitte des "Rückwärtslaufens" zur Gesundherhaltung. Menschen laufen in Parks und manchmal auch auf der Straße rückwärts, um die unbenutzten Muskelgruppen zu beanspruchen und damit zu trainieren. Manchmal gibt es in Parks auch babyfaustgroße Steine, die in den Beton eingelassen sind. Auf diese tritt man dann barfuß oder in Strümpfen. Das wirkt dann wie eine Massage.
Und wer ein bisschen Geld übrig hat, der gönnt sich einmal pro Woche eine Massage für ca. 12 Euro pro Stunde. So eine hatte ich heute.
00:50, 29.03.2010
Seit ca. einer Woche ist hier Schluss mit Heizung. Ich weiß nicht, wer den Termin festlegt, aber es ist definitiv zu früh, um mit dem Heizen aufzuhören. Heute war eigentlich der erste warme Tag, an dem es draußen angenehm war. Aber in der Wohnung ist immer noch eine Heizquelle von Nöten, um eine wohnbare Zimmertemperatur zu haben. Aber alles ist schließlich relativ. Außerdem habe ich festgestellt, dass es die Chinesen sowieso nicht so warm mögen.
Damals, als ich noch in Nanjing wohnte, war es ja noch extremer: Da gab es GAR KEINE offizielle Zentralheizung. Weil alle Städte, die südlich des Jangtse liegen das nicht brauchen. So zumindest der offizielle Grund. Natürlich kann man in Nanjing im Sommer schon mal Temperaturen um die 45 Grad erreichen, aber im Winter kann es eben auch bis unter den Gefrierpunkt kalt werden. Die Nanjinger helfen sich mit dem Zwiebelschalenprinzip: Fünf bis sieben Lagen Unterhemden, Hemden und Pullover halten sie warm.
01:54, 26.03.2010
Vom Tag der Bestellung bis zur Ankunft hier in China 12 Tage. Ich finde, dass das eine ganz gute Leistung ist. Für jede Sendung, egal wie viele Bücher man bestellt, bezahlt man 12 Euro. Die Seite heißt www.buch24.de. Ich bestelle schon seit Jahren dort und die Sendungen brauchten bisher nicht länger als 4 Wochen im schlechtesten Falle.
05:34, 22.03.2010
Gibts eigentlich auf deutschen Geldscheinen Erkennungsmerkmale für Blinde? Hier in China haben die Gedscheine rechts unten Erkennungsmarken (also kleine Erhöhungen, wenn man mit dem Finger drüberfährt). Ich weiß allerdings nicht, wie erfolgreich das ist, denn als ich darüberfuhr mit meinem Finger spürte ich nicht viel von einer Erhöhung. Oder der Schein war schon zu abgegriffen, wer weiß.
14:01, 20.03.2010
Heut morgen um sieben, als ich vor die Tür trat, war der Himmel rosa bis gelb. Auf den Straßen fand man Ablagerungen von Wüstensand. Der starke Wind bringt ihn aus der Provinz Gansu rüber. Irgendwie komisches Wetter. So richtig dolle mit Sand zwischen den Zähnen und in den Augen ist es nicht, aber ich werd mir trotzdem lieber a Tippl heesn machen und drheeme bleim.
23:15, 19.03.2010
Wie schön wärs, wenn man nach der Arbeit ein schönes kühles Bier trinken könnte! Ich weiß auch nicht wieso, aber dieser Gedanke ging mir gestern durch den Kopf, als ich eine trockene Kehle hatte und einen Durst, der gelöscht werden wollte.
Eine Bierkultur, so wie wir sie in Deutchland kennen, existiert hier in China nicht. Man kann zwar mittlerweile viele Sorten davon kaufen, aber eben nur im Supermarkt oder in einem normalen Restaurant, wo man zum Essen hingeht, nicht zum Biertrinken.
Mein bevorzugtes Bier in China ist Qingdao, oder wie es auf den Flaschen steht: Tsingtao. Wie der Name schon sagt, befindet sich diese Brauerei in der Provinz Shandon in der Stadt Qingdao.
Das Bier gibt es seit 1910 glaube ich. Damals war Qingdao deutsche Kolonie, und die kaiserlichen Truppen wollten auch was zu trinken haben. Was lag also näher, als eine Brauerei zu gründen?
Hingegen Teehäuser gibt es noch. Am beliebtesten allerdings sind in den großen Städten Kaffehäuser, die auch Tee ausschenken. Im Gegensatz zu Starbucks, das man hier auch an fast jeder Ecke findet, kann man in den meisten chinesischen Kaffeehäusern sehr bequem sitzen und es sich gemütlich machen. Es gibt große wuchtige Sessel, oft auch kleine Separes, wo man diskret seinen Kaffee mit einer Freundin trinken kann.
Noch bevor man den Kaffee oder Tee bestellt, bekommt man ein Glas lauwarmes Wasser serviert. Auch wenn man den Kaffee schon getrunken hat, wird das Wasser immer wieder nachgeschenkt, so dass man hier wirklich Stunden hinbringen kann, ohne immer wieder neuen Kaffee bestellen zu müssen. Man nippt dannn einfach am Wasser.
23:56, 18.03.2010
Viele Chineses essen von einem sehr jungen Alter an Sonnenblumen- oder auch Kürbiskerne. Dazu wird der Kern hochkant zwischen zwei Vorderzähne geschoben und zwei- bis dreimal draufgebissen bis der Kern in den Mundinnenraum fällt. Die Schale wird dann weggeworfen oder ausgespuckt.
Ein richtiger Sonnenblumenkernesser kann es pro Minute auf allerhand gegessene Kernen bringen. Und da er/sie die Kerne meist an derselben Stelle am selben Zahn knackt, entsteht ueber die Jahre hinweg eine kleine V-förmige Vertiefung/Kerbe im Zahn. Das nennt man dann Sonnenblumen-kern-zahn (gua zi ya).
Viel Spaß beim Knacken.
20:45, 17.03.2010
Ein Lob für die Pekinger U-bahn!
Maximalwartezeit selbst zur Nicht-Rush-Hour vier Minuten im Durchschnitt. Verglichen mit München, wo ich im Februar zu einer Schulung war und sogar im Zentrum ewig auf die Bahn warten musste, ist das wirklich schnell!
Die Züge sind sauber, hell und in den meisten Linien gibt es über der Tür eine Karte der Linienführung mit roten und grünen Leuchtdioden, welche anzeigen, wo man sich gerade befindet. Für weitere Strecken, etwa quer durch die Stadt von Ost nach West braucht man ca. 30 Minuten. Es gibt keine Staus und man kann sich genau ausrechnen, wann man ankommt.
Seit letztem Sommer gibt es nun zum Glück auch eine Haltestelle fast genau vor der Tür von Goethe. Die Station heißt Renmin Daxue (Volksuniversität) und gehört zur Linie 4. Wenn man nach Süden fährt, ist man in 30 Minuten am Südbahnhof, von dort nimmt man die superschnelle Bahn nach Tianjin. Mit einer Geschwindigkeit von ca 350 km/h ist man dann wiederum in einer halben Stunde in Tianjin. Aber da will ich gar nich jeden Tag hin.
Ich fahre nach Norden, steige nur einmal um und schon bin ich zu Hause. Ein bisschen voller kanns dann zur Rush-hour zwischen 5 und 7 werden. Aber überleben tut mans alle Male. Außerdem macht es echt Spaß und es ist SICHER! Sowas wie Betrunkene oder gewalttätige Teenager sieht man nicht. Ich weiß auch nicht, wo die sich verstecken.
14:31, 17.03.2010
Nein.
Das hat auch einen ziemlich simplen Grund: Hier in China beschäftigt man sich ausschließlich mit NÜTZLICHEM WISSEN, also Wissen, das praktisch angewendet werden kann, sprich, mit dem man Geld verdienen kann. Es ist also auch nicht verwunderlich, wenn Ratgeber mit dem Titel "Wie werde ich Millionär" ganz vorn auf den Bestsellerlisten Chinas rangieren.
Bildung hatte schon immer einen sehr hohen Stellenwert in der chinesischen Gesellschaft. Ich glaube es war die Mutter von Konfuzius oder Menzius, die, nachdem sie gesehen hatte, dass ihr Sohn mit Schmuddelkindern spielte, daraufhin sofort beschloss, in eine andere Gegend zu ziehen um somit das soziale Umfeld aufzubessern und dem Kind bessere Zukunftschancen zu geben.
Chinesische Eltern sind sehr bemüht, ihr Kind auf die bestmögliche Schule zu schicken, die es in der Umgebung oder vielleicht sogar in der Provinz gibt. Um das zu ermöglichen, nimmt die Familie auch Härten auf sich. So werden die meisten Teenager von ihren Vätern oder Müttern morgens zur Schule gebracht und abends wieder abgeholt.
Die Hauptaufgabe des Kindes ist das Lernen, dazu vielleicht noch Klavier- oder Violinenunterricht oder ein Sportverein. Praktische Fähigkeiten, etwa diese, welche man im Deutschen Schulfach Werkunterricht erwerben würde, fallen total unter den Tisch. Das muss ja auch nicht sein, denn schließlich kann man sich die Handarbeit der Millionen Wanderarbeiter kaufen, wenn man irgendwann mal viel Geld mit seinem Kopf verdient.
Und es gibt noch einen Trend, mit dem chinesische Mütter versuchen, ihrem Kind bessere Karten für die Zukunft zu verschaffen: Im Freundeskreis kenne ich zwei chinesische Mütter, die sich von ihren Firmen ins Ausland (Kanada, UK) versetzen lassen oder dort ihr MBA machen, um dann ihre Söhne nachzuholen, damit sie im jeweiligen Land zur Schule gehen koennen.
20:37, 16.03.2010
Egal wie lange man hier ist, irgendwann kommt der Moment, wo einen ein Freund oder Bekannter fragt "Warum bist du eigentlich nach China gekommen?" Wenn du jetzt beginnst aufzuzählen, dass du eine neue Kultur, eine neue Sprache, neue Menschen kennenlernen willst, dann versteht der chinesische Frager nur Bahnhof.
Warum ist das so? Ins Ausland geht man grundsätzlich nur, wenn man in eigenen Land keine Chance hat. Wenn man also aus irgendwelchen Gruenden vertrieben wird oder du keine Arbeit im eigenen Lande findest, oder wenn diese Arbeit unterbezahlt ist. Dann wagt man den Sprung und geht ins Ausland. Sonst sehr selten bis nie.
Schon der Grund allein, dass du als Auslaender hier bist, mag genuegen, um dich in den Augen der Landsleute hier also loser zu sehen. Gewisse Berufsgruppen aus Wirtschaft und Bankgeschaeft, die hier nur entsandt sind, und in Deutschland weiterhin ihren Lebensmittelpunkt haben, haben dagegen andere, bessere Karten. Denn sie sind ja nur auf Zeit hier, und manchmal auch noch gegen ihren Willen, eben nur des Geldes wegen.
Und das ist nun wieder ehrsam: Viel Geld zu verdienen und Ehre fuer die Familie daheim zu sammeln. Wer hingegen als Lehrer hier in chinesischen Landen arbeitet, der hat es schwer, und dem stroemen die Vorurteile nur so entgegen.
Zum ersten verdienen Lehrer vergleichsweise wenig, mit ihnen kann man keinen Staat machen. Sie moegen gutherzige Tölpel sein, aber so richtig verstehen tut man sie nicht hier im Chinaland. Das mag auch damit zusammenhaengen, dass, vor allem aus dem englischsprachigen Raum, hier sehr viele Sprachlehrer taetig sind, die keine oder nur eine teilweise Ausbildung haben. Und wenn sie eine Ausbildung haben, dann meist nicht als Paedagoge.
Diese vermeintlichen Lehrer sind nun an chinesisichen Schulen und Universitäten tätig. Da sie meist (aus Sicherheitsgruenden :) ) dazu angehalten werden, auf dem Campus zu wohnen und spaetestens abends um 10 im Bett zu liegen, bestehen sehr geringe Chancen fuer sie, ein Maedchen oder eine Frau kennenzulernen. Flirten sie dann mit Schuelern oder ergreifen sie die erstbeste Chance, einer Einheimischen habhaft zu werden? Wer weiß das schon, man kann hier nur vermuten.
Probiers aus: Sag ihr, dass du Lehrer bist und beobachte ganz genau ihr Gesicht während du sprichst. Viel Spaß!
23:08, 15.03.2010
Noch liegt hier Schnee von gestern. Es waren große nasse Flocken gefallen am Sonntagmorgen. Auf dem Weg zum Yoga kam ich an großen Pfützen vorbei, die die Schneeflocken reflektierten. Wenn man in diesen Spiegel sah, war es, also ob aus der unterirdischen Dunkelheit Dinge ans Licht drängten. Für Sekunden war ich versunken in diesen Anblick. Poesie des Alltags, ohne die es hier recht eintönig wäre. Denn Peking ist nicht wirklich schön. Es hat eine Schönheit, die Ausdauer braucht, sie zu erkunden und zu finden. Vielleicht ist daran auch die Jahreszeit Schuld, aber auch im Sommer habe ich hier nicht viele Orte gefunden, wo es mir richtig gut gefällt.
In knapp drei Wochen ist Ostern. Dieses Fest hat es, im Gegensatz zu Weihnachten, noch nicht hierher geschafft. Kein Wunder, denn zu Ostern schenkt man meist nur Eier oder Schokolade. Und rote Eier werden hier schon zu einer anderen Gelegenheit verschenkt: Nämlich zur Geburt eines Sohnes (oder Kindes im allgemeinen). Da braucht man den Osterhasen nicht.