Ist es nicht interessant, dass die Gründe, die uns aufhalten etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun, rein psychologischer Natur sind? Wenn ich mich persönlich frage, Moni, warum tust Du nichts, warum ist Deine Heizung auf vier während Du das Fenster angekippt hast, warum hast Du keine einzige Energiesparlampe, warum duscht Du statt fünf Minuten lieber zehn oder sogar 15 Minuten? Wieso willst Du unbedingt so billig wie möglich so vieles haben? Und Antworten lauten: Ich bin einfach zu bequem, ich allein kann eh nichts ändern, niemand merkt es, wenn ich mein Verhalten ändere, niemand überprüft wie ich lebe, was ich tue…die Wirtschaft soll was ändern, die Konzerne sind die Schuldigen, Indien, China, USA, die sind doch Schuld, nicht wir guten Europäer und schon gar nicht wir Deutschen. Die Hauptgründe warum ich mein eigenes Verhalten nicht ändere sind Ignoranz, Resignation und pure Faulheit. Wie kommt das? Obwohl ich so gut informiert bin, die Auswirkungen kenne, sogar die Ursachen klar benennen kann, ist der Klimawandel bei mir persönlich überhaupt nicht angekommen, bzw. ich fühle mich in keinster Weise verantwortlich.
Es sind wir selbst, die sich im Wege stehen, etwas zu verändern. Wir mögen zwar die Politik verantwortlich machen. Es gibt keine verbindlichen Regeln, Gesetze, Steuererleichterungen etc. Wir geben auch der Wirtschaft die Schuld, den Konzernen, dem Markt, der so was regeln soll. Wir geben sogar den anderen Ländern die Schuld. Der Klimawandel ist abstrakt. Er vollzieht sich langsam. Es gibt kein großes mediales Ereignis, das die Menschheit zusammenschweißt. Kein 9/11. Der Klimawandel erlaubt kein schwarz/weiß-Denken. Die Kausalität zwischen Täter und Opfer gilt nicht mehr. Wir sind alle Täter und Opfer zugleich. Die einen mehr, die anderen weniger. Wir sind alle die Zuschauer, ja sogar Gaffer, die im U-Bahn-Abteil sitzen und zuschauen wie jemand belästigt wird. Wir stehen nicht auf, wir fühlen uns nicht angesprochen. Wir fühlen uns unbehaglich, wir wissen, wir sollten eventuell etwas tun, aber mein Nachbar von der anderen Seite könnte ja auch aufstehen und was tun. Und wozu überhaupt?
Ich finde das einen sehr interessanten Gedanken, denn früher oder später wird etwas getan werden müssen. Und die Frage ist wie werden wir diese psychologischen Blockaden überwinden? Wie bringt man Menschen zusammen, so dass sie zusammen für eine Sache kämpfen? Wir brauchen eine soziale Bewegung, wir benötigen sozialen Druck. Selten, ganz selten, gelingt es uns, etwas Großes zu bewegen. Ganz selten gibt es Menschen, die diese Bewegung entfachen und erhalten können. Menschen wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Sie inspirieren, wecken Emotionen und reißen mit. Dem Klimawandel ist nicht allein durch Aufklärung und Wissen zu begegnen, die globale Erwärmung muss emotional begriffen werden.