Das Phänomen Intersexualität
Ist es ein Junge oder ein Mädchen? Diese Frage stellt sich Eltern und Verwandten zuerst, wenn das Neugeborene auf der Welt ist. Aber was passiert, wenn das Geschlecht nicht so einfach zu bestimmen ist?
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Jedes 2000. Kind kommt mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt. Die Frage, ob es nun ein Mädchen oder Junge sei, ist dann nicht so leicht zu beantworten. Es kommt vor, dass beide Merkmale vorhanden sind, oder der Körper Testosteron nicht erkennen kann, dass das Kind äußerlich zwar wie ein Junge erscheint, innerlich jedoch Eierstöcke und Gebärmutter vorhanden sind. Es kommt sogar vor, wenn auch nur sehr selten, dass die eine Körperhälfte des Menschen männlich ist (mehr Muskelmasse, starke Behaarung, Hoden etc.) und die andere Seite weilblich (Eierstock, Uterus, weibliche Gesichtszüge etc.) In der Medizin ist dieses als Chimärismus bekannt.
Sind das Unfälle? Störungen? Oder einfach nur Besonderheiten? Für uns, die wir meistens mit Körpern geboren wurden, die der Norm entsprechen, scheinen dass Absurditäten zu sein. Wir glauben niemanden zu kennen, der von diesem Phänomen betroffen ist. Rein statistischen gesehen jedoch, kennt jeder von uns mindestens einen intersexuellen Menschen.
Nach der Auffassung, von der modernen Frauenbewegung geprägt, die Geschlechtsidentität sei ein gesellschaftliches Konstrukt - Fußball oder rosa Kleidchen seien allein anerzogen - ging man dazu über sich so schnell wie möglich auf ein Geschlecht festzulegen. Von den beiden vorhandenen Geschlechtsmerkmalen wurde eines entfernt (zumeist der Penis) und eine Hormonbehandlung wurde begonnen. Aus Scham wurden diese Eingriffe dem Kind meistens verschwiegen. Viele fanden erst im Erwachsenenalter heraus, dass sie früher eigentlich zweigeschlechtlich gewesen waren.
John Money, einer der größten Verfechter dieser Behandlung, ging sogar so weit, und operierte einen Jungen, im Alter von 7 Monaten, komplett zu einem Mädchen um, als bei dessen Beschneidung der Penis stark verletzt wurde. Nach medizinischen Aufzeichnungen fügte sich das Kind in sein neues Geschlecht, es galt sogar als Vorzeigepatient. Als er/sie jedoch erfuhr, dass man im Kindesalter das Geschlecht umgewandelt hatte, brach er/sie sämtliche Hormonbehandlungen ab und ließ sein ursprüngliches Geschlecht wiederherstellen. Nach langer Depression nahm er sich Mitte der 90er Jahre das Leben.
Wir mögen das Vorgehen von Dr. John Money als absolut unethisch betrachten, aber wie soll denn nun tatsächlich verfahren werden?
Seit Jahren sind Mediziner, Psychologen, Soziologen, Eltern, Betroffene und Medizinethiker im großen Streit.
Das Kind solle ohne Eingriffe aufwachsen. Intersexualität ist keine Störung sondern vielmehr eine Besonderheit, so argumentieren zumindest die Verbände und Vereine, in denen intersexuelle Menschen organisiert sind. Kinder mit diesen Merkmalen sollten erst operiert werden, wenn sie selbst über ihre Geschlechtsindentität entscheiden können. Juristisch bedeutet dies in Deutschland ab 14 Jahren.
Aber dann seien diese Jugendliche, so die Meinung vieler Ärzte, selbst in der Pubertät. Können sie dann überhaupt eine solche Entscheidung treffen. In manchen Fällen ist es dann auch schon längst zu spät, da die Hormone schon ab 10 oder 11 Jahren einsetzen und das produzierte Testesteron einen Menschen, der sich weiblich fühlt, in einen Jungen verwandeln kann. Ebenso sind Operationen in den frühen Kindesjahren weitaus erfolgreicher, wenn es um die Herstellung funktionstüchtiger Organe geht. Nur wenn man sich früh entscheidet, kann die Fruchtbarkeit und das Lustempfinden gewährleistet werden.
Und was ist mit dem Anderssein? Soll das Kind bis zu seinem 14. Lebensjahr als 'Zwitter', als Drittes Geschlecht existieren? Viele Psychologen befürchten Traumata, wenn das Geschlecht zu spät festgelegt wird. Andere Experten befürchten, dass eine falsche Festlegung gerade schwere Traumata auslösen können. So geschehen im Falle der heute 48-jährigen Christiane Völling.
Der Menschenrechtler und selbst Betroffene Michel Reiter kämpft seit Jahren für die Anerkennung einer dritten Geschlechtskategorie in Deutschland. Mehr als dreimal ist er schon vor den deutschen Gerichten gescheitert.
Was ist überhaupt Geschlecht? Und warum ist es so ungemein wichtig, ob wir nun männlich oder weiblich sind? Warum verlangt der Staat sich innerhalb von drei Wochen eine amtliche Kategorisierung?
Weitere Links:
2. Ein Blog
Und was macht uns wirklich zu Jungs oder Mädchen? Warum spielen Mädchen angeblich lieber mit Puppen und Jungs mit Bauklötzen? In Deutschland wird jeden Tag ein Kind geboren, dessen Geschlecht nicht eindeutig ist. Fachleute schätzen die Zahl intersexueller Menschen in Deutschland auf 100.000.
Was bedeutet das für sie, was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Für viele Mediziner ist das einfach nur eine Erkrankung, die therapiert werden muss. "Wir vollenden, was Gott nicht mehr geschafft hat," ist die Meinung vieler Ärzte.
Aber wer bestimmt, wie ein Mensch auszusehen hat? Wer sagt denn überhaupt, dass der Mensch nur Frau oder Mann sein darf? Und warum entscheiden allein die Ärzte darüber wie ein Mensch auszusehen hat, was ihn oder sie glücklich macht?
Was ist, wenn die Natur viel vielfältiger ist als wir es denken? Was ist, wenn es einfach mehr gibt als nur Mädchen oder Junge, schwarz oder weiß?




