Sunday, August 10, 2008
Akte X - der 2. Film
Gestern war ich mit Freunden im Kino  - und habe wohl eine der größten Enttäuschungen des Jahres miterleben dürfen. Scully und Mulder wieder im Einsatz. Ich frage mich wie sehr man ein so gutes Konzept so kaputt machen kann.



1. Scully und Mulder führen jetzt, 10 Jahre später, so eine Art Beziehung. Offensichtlich hatten sie auch ein Kind zusammen, das dann aber leider gestorben ist. Trotz dieser doch recht innigen Beziehung, die sie wohl miteinander haben, merkt der Zuschauer davon nur sehr wenig. Sie küssen sich, liegen sogar zusammen im Bett aber alle ohne Funken und Leidenschaft. Es macht auch alles gar keinen richtigen Sinn. Er lebt vereinsamt als Eremit in seinem Haus und hat so gut wie keinen Kontakt zur Außenwelt. Diese Liebesbeziehung wirkt so unglaublich gestellt, dabei hätte man es doch bei einer Freundschaft belassen können - es passt einfach gar nicht.
Besonders nervig und einfach unvollständig, sind die pseudo-psychologisch  Dialoge der beiden, die die Handlungen zwischen den beiden aufpeppen oder prickelnder machen sollen. Sie sprechen in Rätseln, deuten an, aber nicht genug, um sie ansatzweise verstehen zu können.

2. Die Story - unglaublich platt. Sicherlich war es ein guter Gedanke. Es geht um einen schwerkranken Mann, der von seinem Lebensgefährten immer wieder neue Körperteile ersetzt bekommt, damit er weiterleben kann. Natürlich sind es Russen, und natürlich sind es arme unschuldige Amerikanerinnen, die als Ersatzteillager verbraucht werden. Warum der Mann sich nicht lieber einen Männerkörper zulegt, anstatt sich lauter Frauenkörperteile (z.B. Arm) annähen zu lassen, wird leider nicht erklärt.
Zum Schluss scheint es sogar der Plan zu sein, ihm einen völlig neuen, weiblichen Körper an seinen Kopf anzunähen. Aber auch das wird nicht erklärt, und wie das alles funktioniert - im schrummrigen Schuppen im Wald (unsteriler geht es nun eigentlich nicht mehr, zumal überall Hunde herumlaufen...) - bleibt natürlich auch im Dunkeln. Schully murmelt zwar was von experiementeller Stammzellenforschung, aber Sinn macht das alles nicht.

3. Dann, der Tabubruch. Als übersinnlichen Helfer hat man sich nun einen pädophilen Priester ausgesucht. Immerhin hat er 37 Jungs/Mädchen missbraucht. Dass gerade er als der Gute, dem Vergeben wird - schlimmer noch - jener, der Scully zurück zum Glauben führt - dargestellt wird, erscheint mir als äußerst gewagt und hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Die Verbindung zwischen ihm und dem Täter ist dann auch jene, dass es sich um ein ehemaliges Opfer von ihm handelt.
Die Pädophiliegeschichte scheint zwar zu Beginn ganz interessant zu werden, immerhin lebt der Täter in einer Einrichtung für Triebtäter und Scully begegnet ihm mit viel unprofessioneller Ablehnung, aber selbst das bringt keine Spannung in den Film.

Vielmehr handelt es sich um eine Verfilmung, die sich um das Innenleben, der beiden Hauptcharaktere drehen soll. Die Szenen, in denen sich beide nahe sein sollen  und im ständigen Gewissenskonflikt stehen (kann Scully es zulassen, dass Mulder wieder die Dunkelheit mit nach Hause bringt?)  werden bis zur Unerträglichkeit ausgewalzt. So wird in fast jeder Hellseher-Szene mindestens zweimal die Fragen gestellt: Du glaubst ihm doch nicht etwa? Auch die weiteren FBI-Agenten nerven mit ihrer Skepsis, die natürlich angebracht ist, aber doch nicht zwei Stunden lang auf solch flachen Niveau.

4. Der Subplot. Und dann ist da auch noch der kleine sterbende Junge. Scully hat ihre Arbeit als FBI-Agentin aufgegeben und arbeitet nun als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus. (Warum? - wird nicht beantwortet.) Glücklich scheint sie dort auch nicht zu sein, denn alle Entscheidungen müssen mit der Kirche abgesprochen werden. Und so kommt es auch hier zu einem Konflikt. Der Junge leidet an einer unheilbaren Krankheit, die Kirche möchte ihn ins Hospiz bringen, Scully möchte ihn einer experimenteller Therapie unterziehen.
Normalerweise ist es ja so, dass solche Nebengeschichten zum Schluss zum Großen Ganzen zusammengefügt werden. Der Junge hat irgendeine Verbindung zum Täter oder zum Hellseher oder könnte eventuell selbst Opfer werden. Nicht aber hier. Hier wird diese Geschichte nur genutzt, um zum x-ten Male Scullys innere Auseinandersetzung mit ihrem Gottesglauben breizutreten. Und so ist es dann auch zum Schluss, dass der Pädophile Hellseher Scully in einem visionären Moment verrät, sie solle nicht aufgeben.

Dieser Rat, den man wohl in jedem Selbsthilferatgeberbuch auf Seite 1 finden kann, zieht sich dann durch den ganzen Film. Was soll sie nicht aufgeben? Den Jungen, Mulder? Die entführten Frauen? Sich selbst? Ihre Beziehung zu Mulder? 

Wind machen, wo keiner ist scheint das Motto dieses Films zu sein.

Die Spannung kommt auf jeden Fall zu kurz. Auf jede aufregende Szene folgen fünf Szenen voller Mulder/Scully-Selbstfindungtrips. In der Serie war das nett, sogar sehr aufregend. Jede Handbewegung, jeder Blick, ja selbst eine Umarmung sagte damals mehr als tausend Worte - 10 Jahre später bleibt davon nicht viel. Weder die Nähe, noch Liebe ist zu spüren. Einzig und allein zwei ehemalige FBI-Agenten, die sich in ihrem jetzigen Leben nicht zurechtfinden und anscheinend nur noch einander haben. Eine Art Zweckbeziehung.

Zu loben jedoch ist, Gillian Anderson, die trotz der Widrigkeiten, eine gute Leistung erbringen konnte.

Hier der, trotz allem der deutsche Trailer:


Geschrieben von Inom um 10:23 AM | in:
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Kommentare:
du hast vergessen...
...zu erwähnen, dass die beiden sich in ihrem "Liebesglück" tatsächlich nach wie vor "Scully" und "Mulder" nennen...wenn man einen Sohn zusammen hat(te) und irgendwie seit Jahren zusammen ist, wenn auch nicht gemeinsam lebt, sollte man sich doch schon einmal beim Vornamen anreden, oder???
strange strange movie, I agree!
Geschrieben von Cathrin um 11:06 AM, Monday, August 11, 2008 | Link | |
Danke Cathin,...
das hatte ich tatsächlich vergessen zu erwähnen...aber sie dutzen sich. Ich freu mich schon auf "Slap Bitch" und "Wanted" - da gibt's keine rätselhaften Dialoge...

Moni
Geschrieben von monikaherold um 10:29 PM, Monday, August 11, 2008 | Link | |


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