Monday, September 15, 2008
Sarah Palin
Sarah Palin

Nun möchte auch ich mich einmal zum amerikanischen Wahlkampf äußern. Sarah Palin, designierte Vizekandidatin von Sen. John McCain. Sie ist zwei Jahre jünger als Barack Obama, ist zurzeit Governeurin von Alaska und wird nun von der amerikanischen Rechte als Heilbringerin gefeiert. Ziel der McCain-Strategie diese junge und auch sehr unerfahrene Frau auf's "Ticket" zu bringen, scheint momentan aufzugehen.

Sie macht ihn jünger (er ist 72 Jahre alt), sie macht ihn unkonventionell und gibt ihm das Image des Unberechenbaren. Ebenso sollen auf diese Art und Weise die enttäuschten Hillary-Anhängerinnen ins Boot der Republikaner geholt werden. Dieses Ziel wird McCain allerdings nicht erreichen. Dafür sind diese Frauen zu klug und emanzipiert. Es zeigt sich, dass besonders konservative Frauen, Palin als repräsentativ empfinden. "Babys, Waffen & Jesus" - das beschreibt Palins Attitüde und politische Richtung wohl am besten. Hillarys Frauen sind damit nicht zu ködern, wohl aber konservative Frauen, die sonst nicht zur Wahl gingen.



Interessant ist, dass es McCain mit dem Palin-Coup geschafft hat, den Spieß umzudrehen. Nun steht er plötzlich für "Change" - "Yes, we can" - "Anti-Washingtoner-Establishment" -  Obama wirkt dagegen regelrecht langweilig mit seinem erfahrenen Haudegen als Vizekandidat.
Obama kann zurzeit eh tun, was er will, er wird schlecht aussehen. Hillary hat sich schon längst geweigert, Palin zu attackieren, das kann sie auch nicht - es würde ihr selbst mehr schaden als nützen. Hillary als starke Vorkämpferin darf nun nicht derjenigen Schaden zufügen, die den Traum einer weiblichen (Vize)Präsidenten lebt.

Angriffe auf Palin, so berechtigt sie auch sind, werden schnell zu Eigentoren. Das zeigte schon die Affäre um das "a pig with lipstick is still a pig" - wo Obama fälschlicherweise als Sexist gezeichnet wurde.
Aber es ist ganz klar, so sehr Sarah Palin als Polit-Frau gefeiert wird, so sehr wird sie instrumentalisiert. Miriam Meckel beschrieb es in Ihrem Blog vor kurzem sehr treffend: "Hillary Clinton ist die Jeanne d’Arc der politischen Emanzipation, Sarah Palin die politische Jungfrau, die von ihrem Gönner in die Manege geführt wird."
Sie ist die Quotenfrau, die Obama schlecht aussehen lassen soll. Es sollen sich alle daran erinnern, wie Obama Hillary ausgekontert hat. Dabei
ist Sarah Palin, meiner Meinung nach, weder bereit noch fähig Vizepräsidentin zu werden. Ein Blick auf das letzte Interview mit ABC bewies dies vortrefflich. Man hat sich regelrecht fremdgeschämt. Das ging nicht nur mir so, sondern auch anderen Bloggern. (Maik Bohne)
Es war mir wirklich richtig peinlich. Das Interview wirkte eher wie eine Prüfungssituation als ein politisches Interview. Palin war alles andere als souverän. Sie war unsicher, ihre Antworten schienen auswendig gelernt (waren sie sicher auch) und schienen wie nach dem Baukastensystem zusammengestückelt zu sein. Auf die Frage nach der Bush-Doktrin, die außenpolitische Strategie der Bush-Regierung, nach der auch Präventivkriege rechtmäßig sind (Irakkrieg), konnte Palin nichts antworten. Sie kannte sie gar nicht. Das ist eigentlich undenkbar.

Auf die Frage, ob sie schon einmal im Ausland gewesen sei, meinte sie Kanada und Mexiko. Und natürlich die Reise vor kurzem nach Kuwait und Deutschland, wo sie die Truppen besucht hatte. (A trip of a lifetime...)
Schlimmer noch, fand ich, waren Ihre Aussagen zum Russland/Georgien-Konflikt. Der Angriff Russlands sei absolut ohne Provokation geschehen und sei in keinem Falle gerechtfertigt gewesen. - Man kann den diesen Konflikt betrachten wie man will, aber tatsächlich zu sagen, der Angriff absolut 'unprovoked' gewesen ist nun einfach sachlich falsch. - Die Frage, welchen Eindruck sie von Russland zurzeit habe, beantwortete Sie mit, man könne Russland von Alaska aus sehen. (!)  Das war wohl sicher mit der peinlichste Moment im Interview.




Aber seht für Euch selbst.

Die republikanische Seite hat dieses Interview allerdings gefeiert. Palin hätte sich gut geschlagen, und
Charlie Gibson sei herablassend gewesen. Das sei mal wieder eine typische Medienattacke gewesen. Dass die Medien Palin und McCain schlecht gesinnt seien und unfair behandelten, ist auch eine momentane Kampagnenstrategie des McCain-Lagers. Jüngstes Opfer dessen war just Oprah Winfrey, die sich geweigert hatte, Palin in ihrer Show auftreten zu lassen. Seitdem rufen republikanische Anhänger regelmäßig zum Boykott der Winfrey Talkshow auf.

Hoffen wir, dass der Wahlkampf endlich wieder sachlich wird und der Hype um Sarah Palin bald abflacht.


Geschrieben von Inom um 11:52 PM | in:
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Kommentare:
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Geschrieben von Anonymous um 07:08 PM, Sunday, November 9, 2008 | Link | |
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Geschrieben von LeaHoover26 um 06:13 AM, Monday, July 5, 2010 | Link | |


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