mydailypowi

Tag 8: Subway life Part 2

22:23, 8.10.2009

0 Kommentar(e)

.. Link

Wie ich gestern schon erzählte, sind Menschen in der U-Bahn nicht menschlich. Sie sind zombiehaft, roboterhaft, statuen-ähnlich... aber immer das Gegenteil von lebendig. Zumindest an der Oberfläche. Unter der schützenden Maske der grantig-unzufriedenen Miene und der abweisenden Körperhaltung stecken nämlich noch immer ganz nette Leute (in den meisten Fällen, zumindest).

Diese hervorzulocken, kann bei langweiligen U-Bahn-Fahrten die Zeit verkürzen. 

Anbei also ein paar U-Bahn-Spiele mit und ohne Einbeziehung der Mitreisenden:

---Der Trick mit der klassischen Musik: Er eignet sich besonders gegenüber anderen Jugendlichen. Man nehme einen handelsüblichen mp3-player bzw. ein Handy mit ebensolcher Funktion (Bedingung ist ein eingebauter Lautsprecher!) und nehme es nach dem Einstieg in die U-Bahn demonstrativ heraus. man drücke deutlich sichtbar auf dem Display herum, als würde man einen Song "einstellen". Dann, nach dem "finden", beginne man heftig mit dem Kopf in einem imaginären takt zu wackeln.... naja... so als würde man sich zu Rockmusik bewegen. Wahlweise kann man dazu auch noch die Hände und Füße leicht bewegen (es soll nicht in tanzen ausarten, aber dennoch die Aufmerksamkeit des jugendlichen Gegenübers wecken). Kurz vor der eigenen Ausstiegsstation nehme man die Kopfhörer ab, ziehe den Stecker aus dem Abspielgerät (die Musik ertöhnt jetzt aus dem Lautsprecher) und lasse das gehörte Musikstück "unabsichtlicherweise" kurz die Bahn beschallen. Es ist natürlich kein Rocksong, sondern ein klassisches Klavierstück. Die Verwirrung darüber, wie man zu solcher Musik derartig enthusiastisch sich bewegen kann, wird beim "Opfer" verbleiben, während man die U-Bahn verlässt.

---Stalking-Simulation (aka Agent spielen): Man suche sich schon in der U-Bahn ein Opfer, welches möglicherweise an der selben Station wie man selbst aussteigen möchte (Jugendliche im Studenten-Look steigen meistens bei der Uni aus ;-) ) und stelle sich schon in der Bahn in die Nähe (aber nicht zu nah) an die Zielperson. Nach dem Aussteigen folge man ihren Schritten so lange, wie die Zielperson auch jene Richtung einschlägt, die man selbst gehen möchte. Trotz des Gedränges auf dem Bahnsteig bemerken die "Opfer" erschreckend oft, dass man ihnen folgt oder haben zumindest "so eine Ahnung".
Umso genialer der verwirrte Blick, wenn man dann plötzlich abbiegt und ganz woanders hingeht.

--Balance-Akt: Dieses Spielchen ist nur in eher leeren U-Bahnen zu empfehlen. Es besteht einfach im Ignorieren der Vorschrift, sich beim Fahren an einem Bügel oder einer Stange fest zu halten. 
Der Balance-Akt, welcher darauf folgt, kann das Gleichgewichtsgefühl durchaus trainieren und ist bei einiger Vorsicht auch nicht dazu geeignet, sich in übermäßige Verletzungsgefahr zu begeben. (Achtung: keine hochhackigen Schuhe!)

--Babel: Hierzu braucht es einen Freund, welcher eine obskure Sprache spricht wie klingonisch, elbisch, chinesisch oder ähnliches. Man beginnt mit ihm ein Gespräch in sehr formalem, perfekten Hochdeutsch und wechselt mitten drin plötzlich auf die andere Sprache. Entgegen allem Anschein hören die Mitfahrenden nämlich sehr wohl mit und sind dann meist sehr verwirrt, wie jemand mit derart perfektem Deutsch plötzlich in so einen unverständlichen Kauderwelsch wechseln kann. Vor allem Wiener fallen hier drauf rein.

Es gibt hier noch viele Beispiele, aber es ist spät und ich möchte für heute Schluss machen.... der Eintrag ist ohnehin schon überdurchschnittlich lang geworden.

Wichtig ist, dass ihr, wenn ihr eines der obrigen Spielchen spielt, immer viel Rücksicht auf euer Umfeld nehmt. Sie sind nicht dazu gedacht, bei jemandem Unbehagen zu erregen oder jemanden zu verärgern (verwirren ja, verärgern nein!). Auch beim Agenten-Spiel sind die meisten Zielpersonen, wie man durch einen Blick über die Schulter gut kontrollieren kann, meist mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurück geblieben. Achja: Wenn jemand denkt: Da macht man sich doch lächerlich..... ja, das tut man. Manchmal, ein bisschen. Aber Wien ist eine Großstadt, niemand wird sich an dich erinnern und nach 10 Minuten haben dich 90% aller Leute vergessen. Nur das Lächeln, das bleibt manchmal länger....

 

 

 


Kommentar schreiben