25.05.2011 20:47
Geschrieben von Natalie
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Die Dekadenz unserer Vormieter lässt uns aktuell büßen. Ökonomisch, politisch, gesellschaftlich. Kali Yuga. Es lohne sich, zu verzichten, heißt es. Auf Fleisch, auf  Papier, auf Atomstrom. Es sei nun an der Zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sagen sie. Philosophieren, reflektieren, meditieren. Es gäbe nur eine Tür die den Weg aus dem Chaos weise. Nicht leicht zu finden sei sie. Verschlossen sei sie. Doch den Schlüssel trügen wir stets bei uns. Ökonomisch, politisch, gesellschaftlich.

 

Die Welt zu einer besseren machen. Dem Zynismus kein Forum bieten (vgl. Cynicism kills). Mehr Sen lesen. Mehr Safran Foer lesen. Ehrlich sein. Echt sein (vgl. Wir brauchen kein Make-up). Die Welt zu einer besseren machen. Uns besser fühlen. Glücklich sein.

 

Verschenken. Bookcrossing. Couchsurfing. Nicht nur an Weihnachten. Den Spiegel vorgehalten bekommen und hineinzusehen. Nicht einfach. Kein Applaus für Scheiße. Nicht einfach. Und dennoch: Klatschen statt Klopfen wenn etwas gefällt. Lächeln statt schmunzeln, wenn etwas zusagt. Fragen statt klagen, wenn Probleme abzusehen sind.

 

Unsere Vormieter haben dieses Haus vielleicht verkommen lassen. Sie mögen auch dessen Inventar lieblos und unachtsam behandelt und selten aufgeräumt haben, doch was spricht dagegen, die Spinnenweben aufzulösen, die Fenster zu öffnen und neuen Wind hineinzulassen? Nach Marx mögen wir Bourgeois-Sozialisten sein, doch nur das kann uns 2011 helfen. Trümmermänner- und frauen. Nicht nur in verstrahlten japanischen Vororten oder Tübinger Hinterhöfen, sondern genau an den Orten, die wir aktuell ‚zu Hause’ nennen.

12.02.2011 22:59
Geschrieben von Natalie
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"M.A.rvellous M.A.niacs. That's who we are. Masters of Arts. Precisely whack. Repping the buildings we grew up in, the streets we loathed at, promoted ourselves, diminished fears and chopped souls. Subculture is the hole to crave you in its cradle forever. Establishing a self is what we try to avoid the most. Nevertheless, knowing that particular self is what we desire the most." - N. Gies

In den Straßen der halben Jugend unterwegs. Die Menschen, ihre Ebenbilder des vergangenen Jahrhunderts, so vertraut. Mottenmenschen. Ein Rhythmus geht von ihnen aus, definiert ihr Sein. Die ihnen immanente Dynamik beeinflusst, was uns umgibt. Eine Wärme ist auszumachen, Licht treibt uns an. Die Straßen mit Erinnerungen gepflastert. Geplatzte Träume reihen sich neben Erfolgserlebnissen, Jugendsünden und Hoffnungen ein. Die Autorität der ersten Person, damals noch unbewusst, ist heute präsent. Soziologische Theorien paraphrasieren die eigenen Gefühle beim Erleben des in-den-Hintergrund-Gerückten. Der Mond scheint hell.

Spannungsfelder haben sich gelöst. Freiheit trat an jene Stelle. Das Gefühl des Lebens als Determinismus​ existiert nun im Imperfekt.

"You have to show them that you're really not scared. They're playing with your life, this ain't no truth or dare." - M. Jackson​

Die neue Welt, als komplexer Lebensraum, hält zum Vergleich her. Die Tatsache, einst sei eine Verschiebung des Trends festzustellen gewesen, wirkt absurd. "Neue" und "alte" Lebenswelt sind lediglich in ihrer Vagheit zu gebrauchen. Die Frage des Lebens stellt sich erneut. Ein gezieltes Erleben von​ Ereignissen linearer Abfolge oder Chaostheorie? Selbstwissen als Dualismus, obsoleter Ansatz oder undefiniertes Phänomen?​

"I am sporadic movement. You are sporadic movement." - CKY​

Sämtliche Erfahrungen begleiten auf dem Weg zum Tod in unbestimmter Zukunft. Sich stets dem Aussagesatz des Lebens stellend, das nun ein Ende erfahren kann, ist auf dem Weg zuträglich, kann diesen sogar erleichtern. Leben als Akkumulation bloßer Ereignisse bestimmter Erfahrungsinhalte, gegliedert in Etappen,​ senkt die Furcht vorm verlorenen Dasein, vorm assimilierten, aufdoktrinierten Charakter.​ Subkulturen helfen, den Weg durch die Nacht zu finden. Vorbei am Mond, in alle Richtungen ausschwärmend. Menschen als Motten, zum Licht auffliegend.

"Wenn all die Motten tanzen gehen,​ im heißen Wind sich wild vergnügen. So dekadent und wunderschön, sich in ihr Eigenbild verlieben, will ich die Leiber brennen sehen, frei von Liebe, frei von Lüge. Denn was brennt wird untergehen, die Dekadenz im Feuermeer verglühen." - Ewigheim​

Und dennoch konfrontiert mit den Mechanismen, die unser Leben als solches ausmachen. Kein Ablassen. Ein zwangloser Zwang. Zur Entscheidung, zur Individualität. Sind wir individuell? Bin ich individuell? Menschen, die am Bahnhof vorbeiziehen. Selten Hierophanie-Erlebnisse gehabt. Im 5 Jahres-Takt. Bahnhofswartehallen, Flughäfen und Postämter fördern Eliades Empfindungen. Dann wieder: Was sich zeigt, konstituiert eine Realität, fernab der bisher Erlebten. Das 'Jetzt' als neo-spirituelle Ereignisparade auf dem Weg zu dem, was wir später 'leben' nennen werden.

"Alle sind betroffen. Problem. Problem." - Zitronen

Es gibt noch viel zu tun. Viele Herausforderungen zu meistern, Probleme als solche zu identifizieren, Wege zu beschreiten, die aus Bequemlichkeit gemieden worden und Fehler zu machen, die sich im Nachhinein als Weisheit herausstellen. Persönlich, gesellschaftlich, politisch. Wir stehen auf. Wir greifen zum Werkzeug, das so lang zu unseren Füßen lag, getreten und belächelt wurde. Ich prognostiziere 2011 als Anbruch des Jahrzehnts der Orthopraxis. Wir glauben, was wir tun. Und wir tun, was wir glauben.

"Ich weiß nicht, ob du willst oder nicht und ich sag dir eins, die Cobra hält, was sie verspricht."- FS

 

 

 

 

 

 

3.01.2011 18:06
Geschrieben von Natalie
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2010.

 

gelacht, geweint, gemacht, gelernt, geschrieben, getanzt.

3 Tage ist es alt, das neue Jahr. Die Straßen liegen voll schwarzem Schnee. Der Himmel leuchtet blau. Wir sprechen nun von 2011.

Der Abschluss von 2010 erfolgt gerade durch Reminiszenz.

Ein anstrengendes Jahr, ein entscheidendes Jahr, ein Jahr, das geprüft hat.

 

Was bewegt hat: Moon. Zweimal gesehen. Stets erinnert. Auf den OST lässt sich nachts tanzen. Haare stellen sich auf beim Gedanken, welchen Dingen wir im Leben nachjagen und wie vergänglich das ist, wofür wir uns halten. Ein Ereignis prägte besonders: man stand im Regen mit einem guten Freund im Zentrum des Wohnorts bei Nacht. Es war der Tag des hinduistischen Neujahrsfestes. Es wurde viel gesprochen und viel geschwiegen. Auf dem Heimweg erschloss sich viel, was man für gewöhnlich verdrängt indem man telefoniert, Emails beantwortet oder Gespräche führt. Dieser Heimweg war still. Er ließ alles revidieren, was war. Die psychische Arbeit im Vorjahr, die physische im Frühjahr, die privaten Differenzen, die Herausforderung des Idealismus im Alltag und die Enttäuschung darüber, wie Andere damit umgehen, das Ende des Weges dessen Verlauf so unklar scheint und warum es dennoch unvermeidbar ist, die Strapazen auf sich zu nehmen.

 

2010 fragte man sich, inwiefern gemeinsame Erfahrungen mit Fremden verbinden, grübelte monatelang über einen Autoren und seine Antwortoptionen, lernte und vertiefte um sich dann doch wieder auf der Suche zu befinden.  Die Suche wird womöglich nie enden. 2011 könnte das Jahr sein, das diese Haltung zulässt. Bis dahin lässt sich weiter nach einer Strategie suchen, zu leben. Es bleibt noch viel Zeit, auch wenn die Gesellschaft, der Staat, die Medien etwas anderes suggerieren.

 

2011.

 

Was bevor steht? Private Herausforderungen, berufliche Herausforderungen, gesellschaftliche Herausforderungen. Jene, auf die man sich freuen kann.

Freizeit & Beruf lassen Grenzen verschwimmen. Deal with it. Die SZ berichtete. Salman Rushdie und Conan O’Brien erfreuen sich an „Angry Birds“. Jeder Dritte ist während der Weihnachtsfeiertage beruflich zu erreichen. Neue Konzepte müssen gefunden werden. Ein guter Plan für’s neue Jahr. Neue Sachbücher zu lesen, neue Romane auf dem Markt. Filme, auf die man sich freut. Neue Lebensqualität durch Originalität. Die Seifenkistenrennbahn des Lebens schickt die Startnummer 20/11 auf den Weg. Auf dass sie den Weg fährt, der ihr vorbestimmt ist und sie weiterbringt und auf das die Seifenkiste wieder ein Stück weit mehr begreift, was es bedeutet eine Seifenkiste zu sein.

 

www.youtube.com/watchwww.youtube.com/watch

 

 

12.12.2010 18:08
Geschrieben von Natalie
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“‘cause it’s my show. You can’t tell me what to do. When life hands me lemons I make beefs, too.” – Andy Milonakis

 

Ost-West – wohin?

Wer nicht zusammenhält braucht sich nicht zu wundern.

Multikulti ist gescheitert? Wer versucht mal, Berliner und Münsteraner bekannt zu machen?

Hamburger und Heidelberger?

 

„Piggybaxstyle“ – Neon Vomit

 

Wenn wir tanzen ist das grenzübergreifend.

Wenn wir diskutieren profitieren wir davon.

Win-win für alle seit 1999..

 

Und so war das damals:

Gammeln in WG-Möbeln. Tanzen, sobald dazu aufgerufen wurde. Ernährung: Tee und was es beim Fachschaftsfrühstück gab. Immer auf der Suche nach der Person, von der man sagen kann „he made my day“. Machen lassen. Nie zufrieden. Stets auf der Suche. Freundeskreis: gefestigt. Beziehungen/Liebschaften: dynamisch. Zahnbürste immer dabei.

Konzertbesuche: 2-wöchentlich. Alternierend. Gern allein. In Reihe 1 bis 3 sammeln sich alle, die allein kommen. Sie gehen gemeinsam. Sie brauchen kein Alibi. Sie wollen feiern.

Schon aufgewacht in fremden WGs. Damals keine Schande. Frühstück mit Philologen. Viel Kaffee, wenig Bio. Bei Biologen und Geographen: Kakao und Cornflakes (Ingenieure essen to go, so auch Physiker). Am besten frühstückt man bei Ethnologen. Klopapier immer dabei.

 

„Ich will zurück nach 1999.“ Saalschutz

 

Einmal quer durch die Stadt, zurück nach Haus. In der Hosentasche Flyer von unbekannten Bands. Ein Zettel mit Nummern. Ein Festnetzanschluss, Hausnummern, Passwort?

Und nun? Freies Schweben im Raum? Uhrzeit, die unbegrenzt Spielraum lässt. Duschen, umziehen, überlegen, wann der Müll mal raus sollte. Dann: Geistesblitz - Pulp Fiction – die spanische Version. Den Lieblingsdialog kann man mitsprechen.

 

- Utilizan el Sistema Métrico, no sabrían qué coño es un cuarto de libra.

- ¿Pues cómo lo llaman?

- Lo llaman una "Royale con queso".

 

« Profitiere von dem Hype » - Saalschutz

 

Und nun ? Den besten Freund anrufen. Man müsse mal was tun, was übersetzen. Ob man vorbeikommen könne. Er stimmt zu. Er müsse auch mal. Ob man schon gegessen hätte, in der Volxküche gäbe es heute gut. Das passe doch. So würde man gemeinsam um’s kochen herumkommen. Gemeinsam essen in der Volxküche. Gammeln in Sperrmüll-Möbeln.

 

„Um über Kunst zu diskutieren.“ Saalschutz

 

Gekleidet wie Schlunz. Haare wie Schlunz. Laufschuhe an. Adidas Superstar. Anno 1999. Stört nicht. Dann sieht man ihn: den Tutor. Ein entscheidender Grund, das Tutorium zu besuchen.

Und auch er gammelt. Auf einem Sperrmüll-Sofa, gar nicht weit von unserem. Das Herz schlägt aufeinmal schneller als sonst. Die Musik aus den Boxen über uns ist plötzlich nichtmehr so unerträglich. Was tut er hier? Wie ist es möglich, dass auch er hier isst?

Das Weltbild wankt. Der beste Freund grüßt ihn über die Köpfe hinweg. Er grinst dabei wie ein 12-Jähriger. Man löffelt weiter im Gemüseeintopf und überlegt sich, wie das nächste Tutorium verlaufen soll, wenn man weiß, dass der Tutor die Volxküche im eigenen Kiez besucht.

Dann steht er plötzlich neben einem. Gibt die Hand. Lächelt und meint „hi“.

„Hi.“ – dass er so was sagt. Hätte man gar nicht so assoziiert. Während man darüber nachzudenken versucht, hat er sich schon gesetzt. Spricht mit dem besten Freund. Die beiden kennen sich um einiges besser, als man geglaubt hätte. Als hätten sie schon die Grundschule gemeinsam besucht. Dabei kommt einer aus West und einer aus Ost. Gar nicht möglich.

Man fühlt sich wie Herr Lehmann, der Zeit braucht. Zeit um vernünftig nachzudenken. Über die Situation und die Sprechakte. Geht alles viel zu schnell. Die Neurose meldet sich. Zu viele Informationen. Zu viele Menschen. Zu viel Leben.

 

Dann versucht der Herr bester Freund, die eigene Person mit in’s Gespräch einzubeziehen.

Es geht um die Forschung des Herrn Tutor und um das, was ihn am fremden Land, dass er auf einen bestimmten Aspekt hin analysiert, fasziniert. Wäre das Gespräch ein Artikel oder Blogpost – man hätte es gespeichert um es immer wieder lesen zu können. Doch so kann man das ja nicht zeigen.

Dann fragt er nach der eigenen Meinung. Nicht nur zum Tutorium. Zur Lehre allgemein. Über Vermittlung von Inhalten, Lehrende und Lehrwerke. „Weshalb“ erfolgt die Rückfrage. Die persönliche Einschätzung interessiere ihn. Nachdem man kurz überlegt hat, äußert man, was der beste Freund schon weiß – man benennt die Pluspunkte und Schattenseiten, führt einige Beispiele an. Als es um verbesserungswürdige Lehre geht, fällt einem ein peinliches Beispiel aus der Praxis ein. Nachdem es erzählt ist, müssen alle lachen, der Situationskomik zum Trotz. Wie das so ist, fällt dann meistens jedem ein weiteres Beispiel ähnlicher Art ein. Die Synapsen arbeiten. Die Atmosphäre ist nicht länger unangenehm.

 

„Wir sollten eine Party feiern, wie wenn’s 1999 wär.“ Saalschutz

 

Nach einiger Zeit, in der man weiter Gemüseeintopf löffelt, fragt der Tutor danach, was der Herr beste Freund und man selbst am Abend noch so vorhätten. Wie peinlich tatsächlich „nichts“ antworten zu müssen. Man habe wirklich „nichts“ vor ist wie zu sagen, man hätte keine Freunde oder Interessen. Zumindest hat man Angst, das könne es implizieren. Doch offensichtlich hat der Tutor selbst „keine Freunde oder Interessen“ da er fragt, ob man nicht gemeinsam was unternehmen wollte. Durch den eigenen Kopf schießt es: „Was denn? Gammeln? Hier in Sperrmüllhausen?“. Dann fällt einem die Lesung ein, die abends läuft. Es lesen zwei noch unbekannte Lyriker und Freunde (Einige Jahre später sollten die beiden als The Fuck Hornisschen Orchestra bekannt werden.).

 

 „Um über Kunst zu diskutieren.“ Saalschutz

 

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9.12.2010 07:37
Geschrieben von Natalie
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Studieren. Heute.

Hausaufgaben.

 

Todestag John Lennon?

Wir haben keine Zeit dafür.

Hausaufgaben. Junggesellensabschiede.

 

2010 schon 2011 verplant. Hausaufgaben. Hausarbeiten. Leistungspunkte. Promotionsfeiern.

„Lies mal.“ verkommt zur Floskel.

 

B.A./M.A. heißt organisiertes Halbwissen. Ein breites Feld. Das Spektrum droht zu platzen.

 

Wer seinen Schwerpunkt überhaupt findet, hat keine Zeit ihn zu vertiefen.Oder auch, wie man früher sagte, zu studieren. Zeit ist, was fehlt.

Die Abarbeitung der Pflichtveranstaltungen (= alle Veranstaltungen) kostet uns unsere gesamte Aufmerksamkeitsspanne. Jeden Tag. Keine Zeit für Politik, Kunst oder Interessen, die keinen effektiven Nutzen zu haben scheinen. Man könne ja später noch.

Wann denn? Wann nur? Wann?

 

Was nicht in den Plan passt, wird wegrationalisiert.

Systematische Informationsanhäufung statt Studium. Es ist zu bedauern.

Ständig unterliegt der Student des neuen Systems dem Spannungsverhältnis von Zeit und Geld. Wer überzieht, dem wird entzogen.

 

Wenn keine Zeit für einen Zahnarztbesuch, die morgendliche Zeitung, eine Beziehung oder abendliche Lektüre bleibt, ist ein Studium in diesem Sinne dann nicht obsolet?

Sollte die Studienzeit nicht allumfassende persönliche Bildung gewährleisten?

 

Und in Hinblick auf die Zukunft:

 

Brauchen wir eine Bildungselite, die Contentmanagement als Lebensinhalt und persönliche Beziehungen als überflüssig klassifiziert? Wollen wir mit Menschen leben, die deutsche Literatur googlen müssen um Aussagen über sie treffen zu können, die Philosophen nur aus Reclam-Einbänden und Schriftsteller lediglich aus der Tagespresse kennen?

 

Es geht nicht darum, subversiv oder über-avantgarde zu sein. Ebenso wenig geht es darum, zum so häufig bemühten running system zurückzukehren. Bildungspolitische Errungenschaften sollen erkannt werden. Es gilt sie zu erhalten. Mit allen Mitteln. Tut es für euch, für eure Kinder und alle, die danach kommen sollen.

 

 

21.11.2010 18:02
Geschrieben von Natalie
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Die SZ schreibt über Make-up. Vom Verdecken, vom Schützen. Von der Ästhetik. Ist das Ästhetik? Sollten wir nicht vielmehr unverdeckt leben?Tugendhaft, authentisch? Make-up ist Abiball. Make-up ist Business-Class. Make-up simuliert.

 Dabei gilt es so viel zu bewältigen, so viele Herausforderungen, denen wir uns stellen sollten.

Accept your challenge.

 

Ich spreche nicht nur von Politik, von sozialen Barrieren und ökonomischen Hürden.

Ich spreche vom Leben als komplexes Konstrukt, das es  zu bestreiten gilt. Vom Leben, das wir in dieser Form nur einmal erleben und dem es sich zu stellen gilt. Make-up im Sinne der kant’schen Phänomenologie, nämlich als trügerische Sinneswahrnehmung, ist hierbei lediglich hinderlich. Leben sollte nicht legitim, sondern vielmehr substantieller Natur sein und in seiner Pracht (der Amerikaner spricht treffender von magnificence) wahrgenommen werden. Innerhalb der marx’ schen Ideologie fungiere ich sicherlich als Vorzeige-Bourgeois-Sozialistin, im Jahr 2010 jedoch und im Hinblick auf eine neu-gewonnene Bürgermündigkeit im den Bereichen Politik, Bildung, Religion und auch Internet, scheint es mir momentan der einzige Weg danach zu streben, „die jetzige Gesellschaft beizubehalten, aber die mit ihr verbundenen Übel zu beseitigen.“ (K. Marx und F. Engels: Manifest der kommunistischen Partei. 1914.). Leben heute muss, um einen lateinischen Präfix zu verwenden, super-politisch, -institutionell, und –religiös gestaltet werden. Bedauernswert wie pseudo-bürgerliche Stimmen besten Gewissens die Errungenschaften der web 2.0-Generation aberkennen, ohne um deren Potenzial und Bedeutung zu wissen.

Doch wir brauchen keine Eigentumswohnung in der Rothenbaumchaussee um uns unseres Status’ sicher zu sein. Auch müssen wir keinen Rotwein trinken und für Tiefgaragenparkplätze zahlen. Wir sind die Bildungselite, mit einem Freundeskreis, der die exotischsten Orte dieser Erde umfasst. Wir editieren Wikipedia, und können dennoch kochen. Wir profitieren von Sokrates und Sloterdijk, haben Lustige Taschenbücher und bedrückende Romane gelesen, kennen Harry Potter und Hitchcock. Wir treiben Sport, studieren mit oder ohne Ziel, sind politisch und bestrebt, unser Umfeld zu einem besseren zumachen. Raubbau an unserem Engagement nehmen wir in Kauf. Wir wissen, dass Praktika nicht vergütet und Idealismus als utopisch polemisiert wird Das sind die Spielregeln. Doch wir spielen mit und jede Runde gelingt uns besser.

Irgendwann werden wir es sein, die die Zukunft nicht erschreckt. Denen die Kultur und Sprachen der neuen Mächte Indien und China keine Angst machen. Die sich nicht vor Individual-Arbeitszeiten und sonntäglichen Einkaufsmöglichkeiten fürchten. Und trotz der Pragmatik-Programme unserer Smartphones werden wir zu schätzen wissen, was es bedeutet, ein gutes Buch zu lesen, Kabarett nicht bei youtube beizuwohnen und Sport außerhalb eines Fitnessstudios zu betreiben.

Wir brauchen kein Make-up. Wir stehen hier und winken. Und wer unsere Zaunpfähle sieht, ist eingeladen, sich zu uns zu stellen.

Wir haben noch viel Holz und viel Zeit.

 

 

7.11.2010 23:09
Geschrieben von Natalie
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Ende Oktober fand in Münster das Neue Wände -Festival statt. Studenten der Universität hatten die Möglichkeit, am Kurzgeschichten-Wettbewerb zum Thema "Neue Wände" teilzunehmen.

Da ich keine Kurzgeschichten sondern Lyrik schreibe, habe ich einen Beitrag der Gattung Moderner Expressionismus eingereicht. Viel Spaß!

 

Neue Wände

 

Wir leben in einem Haus ohne Dachboden oder Keller. Keine Einwände.

2-Raum-Wohnung, 3-Raumwohnung? 16 Wände, 20 Wände? Zeitenwende.

 

 

Eine Besichtigung

 

Haare im Gesicht, bis über die Augen. Neue Wand.

Zeitung vorm Gesicht. Am liebsten liberal. Möglichst aus Hamburg. Neue Wand.

Unsere Sprache. Bei Kommilitonen, Feuilleton und jüngeren Geschwistern abgeguckt. Wandelbar. Neue Wand.

Falsches Lachen, Victory-Zeichen mit den Händen formen. Neue Wand um unseren Kern.

Fitness Studio, Schokolade als Ausgleich. Neue Wand.

Das Kinderzimmer mit Dachschräge. Einrichtung Ikea. Albern. Riecht nach verbranntem Popcorn, schmeckt nach Solero, klingt wie: Privatfernseh-Jingles.

 

 

Die Sonnenbrille die wir tragen, bei jedem Gespräch, in jeder Saison. Neue Wand.

Ipod,-phone,-pad für unterwegs. Neue Wand.

Markenzeichen: Zigarette, selbstgedreht. Fungiert als Wand.                                  

Der Latte Macchiato aus der Szenekneipe zum veganem Büffet. Neue Wand.

Das Jugendzimmer. Mehr Schein als Sein. Austauschbar. Riecht nach H&M. Schmeckt nach Apple. Klingt wie Bands ohne Vertrag. Einrichtung: Sperrmüll.

 

 

Das Bad:

jener Lebenslauf, der uns selbst im Weg steht.

Weiße Wände.

Riecht nach Citrus-WC-Stein, schmeckt nach Überweisungsträger, klingt wie Lounge-Musik.

 

 

Die Küche:

Unsere Leinwand .Tagesthemen. Bunt, Reflektortapete mit Leuchtaufklebern und Urlaubspostkarten. Informationen, Kurzbiografie, Wunschbiografie, Steckbrief, Eigendefinition. Selbstdarstellung, Selbstverherrlichung. Eine Wand. Neue Wand. Verzierte Wände. Viele Bilder. Mit Holzrahmen und Passpartout. Miró-Motive. Gestellte Fotos. Analog und digital.

Riecht nach Lavendel-Duftbaum , schmeckt nach 5-Minuten Terrine, klingt wie Buena Vista Social Club.

 

 

„Noch ein Durchgangszimmer?“ „Ja.“ „Schlafzimmer?“ „Nein.“

„Wer schläft verliert nur...“  „...Zeitenwende!“ Willkommen im Büro:

Vier Wände mit Cocktailpartys, Junggesellenabschied, Raclet-Essen und Neuwagen.

Riecht nach: Staatsexamen. Schmeckt nach: Auslandssemester in Italien. Klingt wie: Feierabendjazz.

 

Eigentlich will ich gar nicht im Haus sein.

Am liebsten bin ich im Garten und atme.

 

 

 

 

 

 

Wettbewerbsbeitrag

Natalie Gies

Seiten: 2

Zeichen: 1820

 

 

 

 

 

 

 

5.11.2010 02:10
Geschrieben von Natalie
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Blaugrau, schwarzweiß, Bachelor, sonderbar.

Schwarzgelb, schwarzweiß, links, rechts, liberal.

Menschen alt und Menschen neu.

Menschen mit und ohne Scheu.

Zukunft Deutschland unmachbar?

Undankbar, undankbar.

Massenkompatibel; Handeln frei Hirn

Die Scheibe umkreist des Himmels Gestirn.

 

Neudeutsch heißt es feiern gehen,

in Ablenkung die Zukunft sehen.

Bildung schwarz; wenig Licht.

So sei es und die Stimme spricht.

Sagt, sie will nach Westerland,

Bildung sei dort unbekannt.

Salinger sei auch schon dort,

die Sansibar ein schöner Ort.

Man lebt fernab und schwärmt vom Trend,

auszuwandern, ungehemmt.

Man träumt, dort sei’s exotisch,

die Menschen hier neurotisch.

Doch Zuzug hier der wär sehr fremd -

„How many miles to wonderland?”.

 

S21, Deutschland bedankt sich.

Bedankt sich für die Ironie,

Mappus und die Hierarchie.

Jahre zuvor kämpfte man hier

gegen Hass und die Pogrome.

Komplexer ist die Absicht heut:

Kampf gilt dem Symptome.

Fastfood, Sex und Internet,

gegen Bahnhof und das Minarett.

Kampf nun auch den Sauerländern,

Katholiken sowie Kinderschändern.

Politischer Fokus liegt nunmehr

im Zauber der Symbole.

Fürchten müssen quasi nur

Bürger und Phantome.

 

Wirklich Denken liegt uns fern,

(vergleiche Titelbild des STERN).

Zu Handeln wäre “nicht so leicht“,

(lies nicht die WELT; Verzicht macht reich).

Wie du mir so ich dir?

Ein Hilferuf für Bildung hier!

Holt die Kinder aus dem `Pott,

lasst den Anderen ihren Gott.

Haltet einen Moment nur inne,

hört ihr sie, die klare Stimme?

Spricht von Buzzwords 20-10

Vom Unrecht und vom Wiedersehen,

Zukunft und Vergangenheit,

von Liebe und Beständigkeit.

Doch 20-10 hat auch Moral,

Gutes tun ist keine Qual.

 

 

Zitat: „How many miles to wonderland?”:

Danny Elfman: “Alice’s Theme”

Alice in Wonderland, 2009.

4.11.2010 14:59
Geschrieben von Natalie
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In Anhang an Schamonis Beitrag zur Gegenwartskultur Deutschlands, eine Frage, die mich schon lange beschäftigt und bisher nicht geklärt werden konnten.

Niklas Luhmann vertritt interessante Ansätze, die meinen Überzeugungen jedoch nicht entsprechen. Ist Liebe tatsächlich nur ein Konstrukt der Epoche der Romantik (R. Precht) und mit Eurozentrik belastet?

 Und in diesem Zusammenhang, was kostet Liebe tatsächlich? Was ist deren Gegenwert in unserer Gesellschaft? Ist es wahr, dass die westliche Gesellschaft sich in hierarchische Strukturen, ausgehend vom Prinzip der Macht (Dumont), unterteilt?

Und ist es eine „kalte Welt“ in der wir leben? Inwiefern ist sie kalt?

Zu starke Individualstrukturen? Wie war es damals? 2000 v.Chr.? War es anders? Sind wir nicht alle mit Sinnsuche und der Interpretation von Geschichte und Gegenwart beschäftigt? Impliziert „leben“ das nicht? Für Rationalisten wie  Deisten. Für Optimisten wie Pessimisten. Für Radikale wie Liberale.

Mit den Gegebenheiten und dem Erfahrungsschatz der heutigen Welt umzugehen, erfordert Kraft und Vertrauen in dieselbe. Worte können hier nur hinreichend beschreiben.

Treffender formulieren es Töne, Synkopen, Melodien, Farben, Formen, Figuren - Kunst.

Auf welche Art sollte eine Kontingenzbewältigung stattfinden?

Vor diesem Problem stehe ich gerade. Und neben mir, viele andere.

Wo findet man Halt? Wie findet man Halt? Bei wem findet man Halt?

Im Glauben? Im Alltag? Im Sport? Im Zynismus? In einzelnen Personen? In Genussmitteln?

Ist eine erfolgreiche Kontingenzbewältigung der Preis den wir zahlen müssen, um lieben zu können? Oder beinhaltet sie vielmehr jemanden zu finden, den man tatsächlich lieben kann?

Schamoni stellt eine Frage, die zu beantworten sich als äußerst komplex erweist.

Ist es eventuell so, dass wir nie universelle Sätze aufstellen können, sondern lediglich anhand von immer neuen alltagsnahen Beispielen unser Leben erklären können?

In der Philosophie gibt es Prinzipien, die nicht in Frage gestellt werden können um Sachverhalte zu erklären. Im Leben sind diese Prinzipien nur rudimentär vorhanden (in Beschreibung lokaler Gesellschaften oder Staaten), so scheint es.

Ergo: Ist das Leben unlogisch?

Darüber gilt es nachzudenken. Ich melde mich wieder.

 

31.10.2010 12:40
Geschrieben von Natalie
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Anlässlich des Herbstes und viel positiver Presse des dt. Feuilleton, hier nun ein Hinweis auf aktuelle Ausstellungen, die es zu besichtigen gilt, bzw. deren Besichtigung sich tatsächlich lohnt:

Im Oktober hatte die Lichtenstein-Austellung im Museum Ludwig Köln oberste Priorität. Davor: Neo Rauch im MdbK Leipzig und der Pinakothek der Moderne München. "Poplife" in Hamburg (August) habe ich leider verpasst. Nun muss ich mich mit den Eindrücken aus Pittsburgh von 2004 zufrieden geben.  Da der September sehr turbulent war, habe ich es auch nicht geschafft,  Ad Reinhardts "Letzte Bilder" (Ruhrgebiet) zu sehen und hoffe, das im November nachholen zu können. Außerdem sind in der Ausstellungshalle Dt. Guggenheim (Berlin) bis Anfang Januar die "Color Field Paintings" der US-amerikanischen Nachkriegsschule zu sehen. Am Allermeisten jedoch freue ich mich auf  "Female Pop Art" (z.Zt. in der Kunsthalle Wien), die 2011 in Hamburg gezeigt werden wird. Darunter Kunst von Evelyn Axell und Kiki Kogelnik.

Natürlich gibt es auch Ausstellungen in anderen Museen, deren Besuch in Erwägung gezogen werden sollte:

Tutanachmun zum Beispiel. Bis vor kurzem noch in Hamburg, nun  zeitgleich in Köln (EXPO XXI), Madrid und Manchester. Bisher wurde mir ein Besuch hier wärmstens empfohlen und die Schilderungen meiner Bekannten, haben mich tatsächlich neugierig gemacht. Noch bis 20. März 2011 ist Zeit, Tutanchamun, zumindest in Köln, zu sehen.

Im Ethnologischen Museum in Dahlem sind zur Zeit Exponante des haiitianischen Voodoo-Kults zu betrachten. Die Wanderausstellung namens "Vodou" (zuvor in Genf) ist ab demnächst auch in Hamburg verortet. Wichtig hierbei: das Potenzial der lebensgroßen Figuren ist nicht zu unterschätzen. Eine Berliner Museumsführerin weigerte sich nach einiger Zeit sogar, weitere Touren anzubieten, da sich (trotz vorheriger "Entzauberung der Exponante") nicht logisch nachvollziehbare Geschehnisse nach den offiziellen Öffnungszeiten ereignet haben sollen. Wer sich jetzt an die "Blechtrommel" erinnert fühlt, dem sei ein Besuch empfohlen. Außerdem allen, die am Brauchtum Halloweens interessiert sind,

Auch im Kino gibt es interessante Neuheiten:

"Chandani und ihr Elefant" ein (auch für Kinder geeigneter) Dokumentarfilm zum Beruf des Mahout (Elefantenführers), den ein sri-lankisches Mädchen erlernen möchte. Die deutsche Synchronisation liebevoll inszenierten Filmes wurde allerdings aufs Ärgste verissen. Sofern möglich, also im Orginal ansehen.

Auch neu: (und lang erwartet) "Guru" - die Geschichte des Bhagwan (auch bekannt als OSHO), erzählt von zwei ehemaligen Anhängern und Gefährten des indischen Kult-Oberhaupts. Als Doku in englischer Sprache mit dt. Untertiteln ist die Geschichte der Sannyasins noch bis Mitte/Ende kommender Woche (1.-7.11.2010)  zu sehen. Zuvor lohnt sich sicher eine Recherche zu Sheela Birnstiel, um sich ein objektives Bild ihrer Aussagen im Film zu machen.

Wenn jemand Interesse hat, eine Ausstellung oder einen Film gemeinsam zu sehen, meldet euch. Vielleicht lässt es sich ja auch mit einem Couchsurfing- oder Twittertreffen verbinden.

In diesem Sinne, auf einen kunstvollen Herbst; Natalie

 

 

 

26.10.2010 20:43
Geschrieben von Natalie
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Täglich sieht man graue Menschen vorüber ziehen. Voller Angst. Angst, vor sich selbst. Vor dem, was kommen wird. Vor dem, was war. Nicht eingeholt werden. Selbst aufholen. Schritt halten. Hinterher laufen - dem Leben. काली

Angst, geprüft zu werden. Furcht, zu versagen. Der Vergleich macht Angst. Versteckt man sich inmitten der Masse, ist die Angst nicht mehr so groß. Und wozu sich selbst verleugnen? Die eigenen Gedanken verbergen? Aus Angst vor Ablehnung? गणेश

Immer wieder aufstehen. Spiel es auf dem Klavier. सरस्वती Es wird sich nichts ändern. Die treibende Kraft ist die Seele. Sie kennt den Weg bereits. Wir müssen Vertrauen haben. दुर्गा 

Helfen kann uns, wer den Weg bereits gegangen ist. Wenige schaffen es. Noch weniger berichten. Der Weg muss aus eigener Kraft beschritten werden. Das Menschsein durch eigene Disziplin und Willen überwunden werden. Die Zeiten lassen es nicht anders zu.  Doch es ist möglich. लक्ष्मी

So viel Leben da draußen. So viel Kunst da draußen. So viel Liebe da draußen.

Erlebt es.

शान्ति
 

 

 

9.10.2010 06:20
Geschrieben von Natalie
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27.9. 2010

 

Ausgangstext zu „Die Moldau“ – Friedrich Smetana

 

Regen tropft, Regen prasselt, Regen schlägt gegen das Fenster.

Schneller. Vehementer.

Ein Blitz segmentiert den Auftritt des Regens in einzelne Kapitel.

Der Donner akzentuiert das Spiel, das wir Gewitter nennen, verleiht ihm Charakter.

 

Sonderbar, wie Natur funktioniert. Ganz ohne menschliches Zutun.

Nur ihren eigenen Regeln gehorchend. 

Alle Akteure fügen sich.

Zwar gibt es hin und wieder Uneinigkeiten bezüglich der Roller des Protagonisten, doch das kontinuierliche Prasseln des Regens, die Präsenz auf die stets Verlass ist, die unterschätzte Nebenrolle, führt den Konflikt zwischen Blitz und Donner immer wieder ad absurdum um gleichzeitig das Spiel fortzutreiben.

 

Diese Beständigkeit wird vom Temperament der Hauptakteure kontrastiert.

Das Publikum, wir Menschen, wissen häufig nicht zu schätzen welch dramaturgische Leistung die Natur uns ab und an offenbart und wie simpel deren Verhältnisse auf unser eigenes Leben übertragbar sind.

 

Texttransformation am Beispiel des Naturalismus-Textes „Jüngst sah ich den Wind“ von Arno Holz

 

Neulich hörte ich den Regen schlagen gegen mein Fenster. Tropfend, prasselnd erschreckte er mich als mir bewusst wurde, wie gleichsam er war. Wie genügsam sein Wesen.

 

Ich setzte mich um dem Gewitter zuzusehen. Ein Blitz zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Die ältere Schwester des Regens. Sich selbst inszenierend durch gleißendes Licht. Stets den richtigen Moment abwartend, bis ihr Auftritt ihr alle mögliche Aufmerksamkeit beschert, die sie haben kann. Die sie braucht.

 

Doch ohne den Donner gelingt ihr Spiel nicht. Der älteste der der Geschwister.

Es fällt ihm schwer sich zu artikulieren. Als Grobian gilt er. Ohne Feingefühl. Mit der Fähigkeit sich durchzusetzen wann immer nötig.

 

Mich schauerte als ich ihn plötzlich vernahm, schließlich hatte ich mich auf den regen eingelassen. Die unvorhersehbaren Launen des Donners störten meine Wahrnehmung des Stückes. Doch bald machte der Regen in seiner Beständigkeit mir bewusst, dass dies das Schauspiel ausmache.

 

Der Regen. Er ist der Jüngste und Vernünftigste. Durch seine Präsenz wurde mir bewusst, wie sehr Blitz und Donner um Beachtung buhlten. Wie sie jeweils versuchen, sich in ihrer Darstellung zu übertrumpfen.

Jeder möchte Hauptakteur des Stückes sein. Ein jeder glaubt, ohne ihn wäre das Spiel belanglos, monoton.

Dabei vergessen beide, dass es ich jüngerer Bruder ist der das Spiel einleitet und ausklingen lässt. Ohne den Regen, den Verlässlichen der drei Geschwister, käme das Temperament der Älteren kaum zur Geltung. Es gäbe kein Spiel. Es gäbe lediglich Auftritte zweier Charaktere. Ein Gewitter wäre das nicht.

Die Akteure müssen gemeinsam auftreten um zu überzeugen. Nur der Regen weiß das. Und aus diesem Grund hält er es so wie jeder Darsteller mit tragender Rolle es tun würde: konsequent, verlässlich und mit Nachsicht.

 

Der Applaus des Publikums, meiner Person, war dem Trio an diesem Abend sicher.

 

 

Textformation an Beispiel Christian Morgensterns „Bundeslied der Galgenbrüder“ aus der Epoche der Moderne

 

Das Spiel liegt brach es streiten sich

wieder einmal die Hauptakteure.

 

Der Blitz zetert, es wäre ihr nicht recht,

dass der Donner so häufig auftritt.

 

Der Donner selbst verflucht den Blitz

und all ihre Sekunden im Rampenlicht.

 

„Sei verflucht!“, schallt es von links.

Es schreit von rechts: „Das seiest du selbst!“.

Es kracht, es blitzt, es poltert.

 

Aushalten muss das nur der Regen.

Doch ihm macht das nichts aus.

Er kennt das Spiel schon.

 

 

 

28.09.2010

 

Nach Recherche an einem beliebigen Grab, die Erzählung einer fiktiven Biografie

 

Wir hören von Bernhard Bunting. Geboren am 19. Oktober 1905, verstorben am 20. Oktober 1968. Die Orte jeweils unbekannt.

 

Bernhard Bunting, mit Alliteration im Namen, hätte Beamter sein können.

Seine Stätte ließe darauf schließen. Ein schmales, geradliniges Grab.

Schlichter, schwarzer Marmor am Kopfende, mit den Daten seines Lebens versehen.

Kaum Blumen. Alles akkurat im rechten Winkel zueinander. Die feuchte Erde sauber geharkt, in eine Richtung, parallel zu den Schrägen des quaderförmigen Grabes.

 

Ob er religiös war? Keine Anzeichen. Christliche Symbolik ist nicht erkennbar.

War er verheiratet? Keine Auskunft. Kein Abschiedsgruß, eine Widmung zu sehen.

 

1905, als Bunting geboren wurde hörten die Menschen Klaviersonaten auf dem Grammophon. Sie wurden regiert vom zweiten Wilhelm und lebten in einem land, das als Kaiserreich bekannt war.

So wuchs Bub Bernhard auf. Behütet womöglich, doch mit viel Disziplin. Der art von Disziplin, die heute als Auslöser kindlicher Traumata bekannt ist, damals jedoch nicht diskutabel war.

 

28 Jahre zählte er, als die Währung Reichsmark hieß, Nachbarn und Verwandte vom großen Weltverbesserer sprachen und man nach und nach sanskritische Glückssymbolik auf Armbinden zu tragen begann.

Bernhard war jetzt nicht mehr nur Bernhard. Er war zu „Herrn Bunting“ geworden.

 

Im Jahr des 40. Geburtstages Herrn Buntings nahm das Idol der Verwandten und Nachbarn sich das Leben. 

Nun trug niemand mehr das einst fremde Zeichen, dass mittlerweile jedem bekannt war. Außerdem waren viele Freunde verstorben.

Das Land, in dem Herrn Bunting nun lebte war kein Reich mehr. All seine Werte und die seiner Bekannten waren nun negativ konnotiert,

 

Im Auslandsurlaub, 10 Jahre später, wurde Herr Bunting geächtet. Ressentiments hingen in der Luft, sobald er mit deutschem Akzent nach dem fragte.

Herr Bunting verließ nie wieder die Grenzen.

 

Zurück aus dem Urlaub, gab es Neuigkeiten: das Land, in dem er aufwuchs nannte sich nun „Republik“. Seine Einkäufe hatte Herr Bunting mit der deutschen Mark zu bezahlen.

 

Mit 65 Jahren glaubte der Beamte Bernhard Bunting sich nun endlich an sein Leben gewöhnt zu haben. Die Ordnung, die im Land fehlte, herrschte an seinem Schreibtisch.

 

Drei Weihnachten später, verstand der Senior Beamte Bunting a.D. die Welt nicht mehr. Nichts war ihm mehr greifbar.

Ein Nixon wurde Präsident in dem Land, das sein Land einst befreit hatte, so hieß es. Die ehrenhaften Rächer, die einst Kaugummis und Kühlschränke einführten, bekriegten jedoch ein hilfloses Land im fernen Südostasien.

Herr Bunting verstand das nicht. Er las die Zeitung jetzt nur noch unregelmäßig.

 

Im Radio liefen nun die Stooges. Ein Iggy Pop brüllte zu ihrer Musik.

Herr Bunting mochte kein Radio mehr hören.

 

Die Kunst drehte sich um amerikanische Suppendosen und leuchtend gelbe Bananen, Retrospektiven und Comic-Drucke.

Pensionär Bunting kümmerte sich fortan nicht mehr um die Kunst.

 

Die Lebensbejahung der jungen Menschen und ihr Unverständnis gegenüber seiner Generation waren es nicht, die ihn in die Stille trieben.

Es war sein innigster Wunsch, in Frieden zu leben. Dort, wo Ordnung herrscht. Wo es sicher ist und die Zustände sich nicht mehr ändern.

Dort ist er heute.

4.09.2010 15:57
Geschrieben von Natalie
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ein lesenswerter August....

Matt Ruff - Bad Monkeys

Kiran Nagarkar - Gottes kleiner Krieger

Marlen Haushofer - Die Wand

Klaus Kordon - Der Weg nach Bandung

Anthony Kiedis - Scar Tissue

Jhumpa Lahiri - Der Namensvetter

12.07.2010 13:08
Geschrieben von Natalie
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        Wasser trocknet auf dem Rücken, alles bewegt sich in Zeitlupe, nur die Blätter der Bäume beugen sich bei jedem kleinen Windstoß als wären sie kichernde Mädchen, die es fürchten, beim Klatschen erwischt zu werden. Das Wasser schimmert blau und man kann glitzernde Ovale ausmachen. Reflexionen der Sonne. Die Wasseroberfläche ist glatt und souverän. Das Element ruht in sich und lädt zum Tragen ein.

 

        Der eigene Körper ruht auf dem weichen Stoff eines Handtuchs, auf warmem Stein. Alles trocknet. Haare, Haut. Mit geschlossenen Augen versucht man zwischen Geräuschen zu differenzieren. Wie hören sich die Pfoten des Hundes an, die den Stein berühren? War das möglicherweise das Umschlagen der Buchseite des Partners?

 

       Ab und an gleitet ein Fuß ins Wasser ab. Um zu prüfen, ob es noch da ist.

        Die Atmung ist lang und tief. Bauchatmung. Wohlbefinden.

         Der Begriff „Sonnenanbeter“ schießt durch den Kopf. Er erschließt sich. „Anbeter“ – kann nicht einzig wahre Macht sein, was uns wärmt und am Leben erhält?

         Surya Namaskar. Einige Wiederholungen. Wohlbefinden.

 

       Gedanken schweifen ab in die zwei Richtungen, die sie als einzige kennen: Vergangenheit und Zukunft. Sanft wird ihnen in jene Richtung geholfen, die ihnen guttut, die sie beruhigt – Gegenwart. Beobachten, ohne zu analysieren. Atmen. Meditieren.

 

             Die Blätter bewegen sich nun nicht mehr. Es ist windstill. Die letzten Wolken ziehen an der Sonne vorüber. Als würden sie einer Königin Platz machen. Die Königin dehnt sich. Sie streckt ihre Arme weit nach vorn, sodass sie Wasser, Gras, Boden, Handtuch und meinen Rücken erreichen. Dem Streicheln darf man sich nicht zu lang aussetzen. So muss man den Moment abwarten, der es erlaubt sich der Sonne zu entziehen und bis dahin die Wirkung ihrer Strahlen geniessen.

 

 

6.06.2010 10:44
Geschrieben von Natalie
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Anlässlich eines aktuellen Leitartikels der Süddeutschen Zeitung mit der etwas populistischen Betitelung „Ich als Ware“ (5./6.6. 2010), hier ein Resümee mit persönlichen Überlegungen.

Grundsätzlich kommt das Thema häufig zur Sprache, soll es um Entwicklung oder Fortschritt gehen. Vermeintliche Experten wissen dann für gewöhnlich zu berichten, wie potentiell gefährlich das web 2.0 sei und welche Konsequenzen allen Nutzern drohen.

In der Süddeutschen Zeitung wurde, wie  bisher im dt. Feuilleton noch nicht geschehen, objektiv, sachlich und vor allem vernünftig berichtet.

Hierbei wurden weder Verschwörungstheorien entsponnen, noch wurde zu Protestaktionen gegen die natürliche Entwicklung der Technik aufgerufen.

Im Gegenteil: Suchmaschinenprozesse und -muster wurden verständlich geschildert und erklärt und in diesem Zusammenhang über Vor- und Nachteile von Google, Facebook und Konsorten berichtet. 

Für mich ergab sich daraus, nach vielem Reflektieren und Revidieren, eine neue Haltung gegenüber den Potenzialen des web 2.0.

  

Unser Rollenverhalten innerhalb der Sozialisationstheorie wurde vor einiger Zeit um eine Rolle bereichert: die virtuelle Realität. Man berichtet, von dem was man tut. Man zeigt Bilder und Videos. Man stellt sämtliche Informationen zur Verfügung. Doch wie im echten Leben, behält man sich offensichtlich dennoch das Recht auf Geheimnisse vor.

 

-         Zum einen fördert die virtuelle Realität unserer selbst unser Schubladendenken. Denn schließlich versucht man sich selbst auf ein prägnantes Bild zu reduzieren, um anderen leichter zugänglich zu sein. Man fördert somit Kategoriedenken. Wer ist Hippie, wer Student, wer besucht hauptsächlich Parties.

-         Der Nachteil, der sich hieraus ergibt: andere Interessengruppen wirken eventuell direkt uninteressant. Außerdem gewinnt man den Eindruck, ein Kennenlernen im Alltag koste mehr Mühe als es online der Fall ist, da man dort nur relevante Informationen bekommt. Die Komplexität wird dem Menschen folglich aberkannt.

-         Virtuelle Realitäten verschleiern weiterhin die tatsächliche Persönlichkeit eines Menschen. Am Beispiel Twitter lässt sich anbringen, dass man die Möglichkeit hat seine timeline (den virtuellen Lebensverlauf) jederzeit zu editieren, was im echten Leben so nicht möglich ist. Dennoch wird das reale Leben suggeriert.

 

Doch wovor hat man konkret Angst? Woher kommt sie und wie begründet sie sich?

Meine These lautet hier: die Urangst des Menschen vor dem Unbekannten als die Wurzel der Angst. Bedingt durch die Tatsache, dass wir keine Vergleichsmöglichkeiten haben oder Hilfestellungen älterer Generationen oder Medien nutzen können sind wir orientierungslos.

Nun gilt es neue Normen und Werte für den Umgang mit der Internetkultur zu erarbeiten, ein Bewusstsein dafür zu schaffen und unsere Medienkompetenz zu festigen.

Das kostet Zeit und Kraft. Wir sind es gewohnt, dass uns Dinge abgenommen werden. Dies ist nun explizit nicht möglich.

Die SZ unterstellt zwar: „Vorbei sind Soziologie und Linguistik...Vergesst ...Ontologie und Psychologie! Wer weiß schon, warum Menschen Dinge tun? Der Punkt ist doch nur, dass sie sie tun...[...].“, dennoch bin ich der Meinung, dass die traditionellen Wissenschaftten immernoch als adäquate Hilfsmittel in der Erforschung eines Neulands fungieren. Insbesondere die Philosophie, welche uns seit Jahrhunderten erfolgreich begleitet.

 

Was genau ist das besondere an der virtuellen Realität im Vergleich zum analogen Leben?

Folgendes:

-         Was die anderen tun, darüber hat man vor Facebook-Zeiten zwar gesprochen oder hatte eine ungefähre Vorstellung davon. Was sie aber „wirklich tun“, das meinen wir erst jetzt zu wissen. Voyeurismus ist tief im Menschen verankert. Ob es jedoch tatsächlich relevant ist, was Menschen alles angeben zu tun, wird nicht beantwortet. Die Brocken werden uns lediglich hingeworden. Ob wir sie fressen, obliegt unserer Entscheidung.

-         Die Möglichkeit zu Filtern, besteht nur im Ansatz. Zusätzlich machen viele Menschen nur geringfügig davon Gebrauch. Bei Twitter beispielsweise ist es besonders einfach und wird sogar vom Anbieter suggeriert, Nutzern bei Desinteresse zu „entfolgen“ oder sie sogar zu „blockieren“.

 

Unterschied: „was machst du?“ zu „wo bist du?“

Grundsätzlich scheinen zwei komplett unterschiedliche Fragen vorzuliegen. Eine nach der aktuellen Beschäftigung, die andere nach dem aktuellen Aufenthaltsort. De facto sind die Antworten auf beide Fragen jedoch gleichermaßen heikel.

Weshalb fällt es uns leichter, über unsere Aktivitäten zu schreiben, als unseren Ort preiszugeben? Möglicherweise hält sich der Einzelne gern einen gewissen „Spielraum“ über die Spannbreite seiner Beschäftigung offen. So würde er beispielsweise seine Facebookfreunde über den Partyabend am Vortag, nicht jedoch über die unschöne Trennung von seiner Lebensgefährtin am selben Vormittag informieren. Diese Information würde seinen Freunden zwar nicht vorenthalten bleiben ( sondern z.B. durch einen Beziehungsvermerk für alle einsichtbar werden), dennoch würden Freunde nicht „direkt“ darüber informiert werden.

Ergo: niemand möchte sich Blöße geben. Wie auch im Alltag, ist die Hemmschwelle zwar variabel, dennoch gilt es, sich in einem möglich positiven Licht erscheinen zu lassen.

Doch all dies führt zu der Frage, die ich für mich selbst bisher nicht beantworten konnte:

 

wozu?

 

Welchen effektiven Nutzen haben wir davon?

Um fehlende Anerkennung im Privatleben zu kompensieren? Aus Spaß? Aber bedeutet ein ständiges Aktualisieren von Profilen, Foren, Bildern etc. nicht auch Anstrengung?

Vor einem halben Jahr besuchte ich einen von einem Bekannten empfohlenen Blog. Nach dem Lesen einiger amüsanter und interessanter Einträge, wurde der aktuellste Eintrag angezeigt. Es war der letzte des Bloggers. Er beschrieb den starken Druck der, bedingt durch die steigende Zahl der Abonennten  seines Blogs, auf ihm lastete und das Gefühl, zu seinem Bloggerleben gar nicht aufholen zu können. Außerdem berichtete er von den Erwartungen (und, in der Philosophie: Erwartungs-Erwartungen) die ihm sein Leben schwer machten.

Letztendlich veranlasste ihn dieses Empfinden dazu, sein Blog einzustellen.

Die virtuelle Realität scheint also, gefühltermaßen, der bisherigen Realität in nichts nachzustehen. Manchen Menschen ist ihr Internetauftritt sogar wichtiger als ihre Wirkung auf Fremde in der Öffentlichkeit. Hieraus ergibt sich die Kontroverse von vermeintlicher Privatsspähre im Netz und der Realität in bisherigen Sinn. Dazu wurde viel veröffentlicht, bisher habe ich mich jedoch nicht eingehend damit beschäftigt, als dass ich an dieser Stelle Schlussfolgerungen ziehen könnte.

Was ich jedoch festgestellt habe: labile Menschen (dazu gehören auch noch nicht vollständig entwickelte Erwachsene), leiden besonders unter dem Druck ihrer virtuellen Realität und den damit verbundenen Erwartungen.

Außerdem wird so vermehrt Neid und Missgunst durch andere Internetlebensläufe geschert.

Auf der anderen Seite kann auch Bewunderung und so Motivation zu eigenen Taten entstehen. Das Internet also lediglich als Informationsquelle zu nutzen, wäre der falsche Ansatz.

 

Wie nun verhalten?

Es ist, wie so oft, das „kann“ das uns beschäftigt. Im hebräischen original „timschal“, kam es durch die Verwendung des Terms sogar schon zu verschiedenen Bibelübersetzungen, die bis heute Rätsel aufgeben.

Denn „können“ stellt frei. Die Anmeldung und Pflege eines Facebookprofils genauso wie der Umgang mit anderen Nutzern geschieht freiwillig.

 

Bilanz

Notwendig ist es, über das was man liest oder schreibt zu reflektieren und verantwortungsbewusst mit seinem virtuellen Ich umzugehen. Denn wie im „echten“ Leben hat man nur dieses eine.

 

 

26.05.2010 08:06
Geschrieben von Natalie
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Diesen Mai gab es einen privaten Jahrestag zu feiern, sowie den Geburtstag der besten Freundin. Der erste Flohmarktbesuch des Jahres stand an. Ich habe einen neuen Freund aus Bangladesch gewonnen und festgestellt, dass Jed McKenna kein Reaktionär  ist, sondern einfach nur Recht hat. Eine langwierige Entscheidung wurde endlich gefällt. In der Politik NRWs hingegen, kam es trotz Aufbegehrens insbesondere studentischer Wähler, zu keiner Entscheidung. Eine Woche lang gab es jeden Tag eine weitere Film-Sequenz dem Film Doug Walkers und Bhargav Dronamraju zu sehen. Der SPIEGEL berichtete, wider aller Währungsreformgerüchten über das Beatles-Jubiläum, was mein Vertrauen in die deutsche Kultur wieder stärkte. Die ZEIT rümpelte das literarische Bücherregal aus und liess sowohl Kafka, als auch Musil und Hesse für den Sommer 2010 bestehen. Aussortiert wurden, zu meinem persönlichen Bedauern, Grass und Frisch. Hier nun meine persönliche Lektüreliste für den Monat Mai. Inspiriert von einer Bekannten aus Solingen, dem Erzählstil Kordons und dem regionalen Bezug der Münsteraner Autorin El Omari.

 

Lektüreliste Mai:

„Wie Spucke im Sand“ – Klaus Kordon

„Jenseits von Eden“ –John Steinbeck

„Die englische Erbin“ – Laila El Omari

 

 

22.05.2010 08:30
Geschrieben von Natalie
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24.04.2010 15:00
Geschrieben von Natalie
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Das war er also wieder. 2/3/4. Der 23. April.

Tatsächliche Beachtung findet er kaum. Die Buchmessen im Frühjahr und Herbst klammern ihn praktisch aus und die Bibliothekare der Republik müssen auch keinen übermäßigen Andrang fürchten.

 

Aus diesem Grund hier ein Tribut an das Buch.

Ältere Generationen schlagen jedes Exemplar in Papier ein. Bücher werden geschätzt.

Claudia Voigt beschreibt es im aktuellen Kultur-SPIEGEL wie folgt: „Ein gelesenes Buch ist ein persönlicher Gegenstand. Deshalb verleiht man es auch nicht. Nicht auszudenken, der nächste Leser ginge damit ähnlich um wie man selbst.“

Dem zustimmend, erinnere ich auch an den Aspekt der Gemeinsamkeit, respektive der Reise, die man innerhalb des Themas durchläuft und welche schließlich im Eigentums-Denken und –Verhalten resultiert. Das Buch fungiert demnach also nicht nur als Gebrauchsgegenstand an sich, sondern als „Reisebegleiter“, als Freund.

 

Lieblingsbücher

Über Lieblingsbücher kann man nicht streiten. Hierbei stehen jene der Musik tatsächlich diametral gegenüber. Musik ist kategorisierbar, divers wahrnehmbar, diskutabel.

Literatur nicht.

Literatur ist ein positiver Verstärker des Lebensgefühls. In meinem Fall darf sie gern neurotisch, sanguinisch oder gern auch richtungsweisend vorgeprägt sein.

Der schönste deutsche Bildungs- (und Entwicklungs)roman ist und bleibt für mich „Die Blechtrommel“. Günter Grass, bei aller Umstrittenheit, versteht es wunderbar präzise, authentisch und geistreich zu erzählen. Doch auch seine Schilderungen bezüglich Verflechtungen historischer Ereignisse sind einmalig.

Seine ambivalente Symbolik wurde vielfach erfolgreich übernommen. Unter anderem von Salman Rushdie, einem Autor, der von größerer Bedeutung für den indischen Subkontinent nicht sein könnte. Neben „The Satanical Verses“ kommt sein intensiver und historisch relevantester Roman „The Midnight’s Children“ häufig nicht zur Erwähnung.

Verheerend, wie ich finde. Schließlich ist Rushdie der Danny Elfman der Musik. Einer, dem alles, selbst massentauglich, gelingt.

„Die bezaubernde Florentinerin“ bildet somit den Komplementärkontrast zu „Alice im Wonderland“ auf dem Spektrum der zeitgenössischen Kunst.

 

 Fazit

Es sollte mehr gelesen werden. Die literarische Entwicklung unserer Zeit ist in besonderem Maße interessant. Das Medium Buch ist hierbei zeitlos.

 

Und im Anschluss direkt die aktuelle Lektüreliste des Monats April

 

-         immer wieder gern: Günter Grass’ „ Die Blechtrommel“

-         ebenso gern: die Bhagavad Gita

-         Jed McKenna – „Verflixte Erleuchtung“

-         Und: inspiriert durch eine fundierte Retrospektive der Coen-Kunst, des geschätzten Judaisten Michael Tillys Ausarbeitung zum „Judentum“

 

 

 

13.04.2010 17:01
Geschrieben von Natalie
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Der Frühling ist da.

Hier einige Impressionen vom Wochenende. Aufgenommen an Orten, an denen die Welt noch in Ordnung ist.

 

7.04.2010 22:59
Geschrieben von Natalie
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...so schreibt es die FAZ am Sonntag.

 

Als Gründe werden „kein Geld“, sowie „keine Zeit für die Wunsch-Ausbildung“ genannt.

Doch gilt es auch weitere Faktoren zur Erschließung der Statistik zu berücksichtigen.

Eine mangelnde Orientierung sowie Risikolust und eine damit einhergehende Resignation der Gesellschaft können zusätzlich Aspekte sein, die den „Traumjob“ unerreichbar scheinen lassen.

 

Meine Kern-Überlegung bezieht sich jedoch auf die Generation zwischen 20 und 30 Jahren, welcher ich weiterhin mangelnden Idealismus konstatiere. Jener, der durch entsprechende Motivation Grenzen überschreiten lässt.

Verständlich die Diagnose. Zählen zu dieser Generation doch die „unpolitisch[en]“, „kritiklos[en]“ Zeitgenossen, welche, indoktriniert durch Medien und beeinflusst durch die Utopie der Elterngeneration, nie das haben werden, von dem sie glauben es haben zu müssen. Das obligatorische Haus. Das zugehörige Automobil. Die Familie. Die Rente.

 

Jener Bevölkerungsanteil ist häufig unmotiviert, da es für Motivation nie einen Anlass gab. Es gab keinen Generationskonflikt, der eine Revolution hätte hervorbringen können. Keine Kriegs-Verwandtschaft. Keine Demos. Fällt die Uni aus, dann aus organisatorischen Gründen.

 

Neu war das Internet. Jener Fortschritt, der eine ganze Generation lehrte, sich zu assimilieren. Das eigene Leben zu filtern. Nach Wortfetzen, Jahreszahlen, StudiVZ-Gruppen, Interessen, dem Beziehungsstatus oder Musikgeschmack.

Während früher die Parteizugehörigkeit oder der Lieblingsautor zählte und man sich suhlte, in der Anonymität und Exklusivität des eigenen Geschmacks, entfaltete sich mit der Nutzung des Webs die Eigenschaft, jedes bestehende Detail zu kategorisieren und Anhänger oder Ablehner dafür zu finden.

Facebook und Youtube, beispielsweise, verzichten gänzlich auf einen individuellen Bewertungshorizont. Die Komplexität der persönlichen Meinung wird verunglimpft in dem man sie zu „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ stilisiert.

Selbstverständlich sind jeweils Kommentare möglich. Jene wiederum werden bevorzugt durch vorgefertigte Elemente, Schlagwörter oder gifs ersetzt.

Schwarz-weiß. Zusätzlich wird, bedingt durch vielerlei Zugriffe und die Ambivalenz zwischen realem und vernetztem Leben, die Anonymität gefördert bis unabdingbar. Diese Tatsache kommt sogar vielen Nutzern entgegen – ist es doch bequemer, virtuell statt leibhaft zu diskutieren und von den Vorteilen zu profitieren ohne unter etwaigen Nachteilen leiden zu müssen. So gestalten sich auch Polls im Netz unproblematischer als die Umfrage unter Bekannten oder gar Fremden.

Ergo: Forum statt Stammtisch.

 

Was also wird gefördert?

Ironie, Zynismus und Sarkasmus innerhalb des Rasters der jeweiligen Plattform. Was schlüssig ist. Schließlich wird nur positiv bewertet, wer übertrumpft und „anders“ ist. Dabei entwickelt sich die Netzidentität diametral dazu: wer angepasst ist, wird als positiv empfunden. Eine Generation also, die ihre größte Chance nicht nutzt und im Gegensatz dazu, kontraproduktiv agiert.

 

Wie nun weiterkommen? Streben? Idealismus proben?

Zunächst: lernen, sich in Bescheidenheit zu üben. Die heutige Zeit verlangt Bescheidenheit. Zu lang wurde über die möglichen Maßstäbe hinausgelebt. Diese Dekadenz kann und darf nun nicht beibehalten werden.

 

Im Anschluss: Sich selbst kennenlernen.

Wie seit Jahrhunderten von Philosophen und Heiligen gepredigt, ist es nötige Voraussetzung das eigene Sein zu erfahren um ausreichend Erfahrungen zu sammeln.

Wer mit den eigenen Fähigkeiten an seine Grenzen stößt, dem wird es aus sich heraus möglich sein jene zu überschreiten.

 

Dann: den „Traum“ definieren

Der Term „Traum“ impliziert eine Utopie, deshalb die Umbenennung in „Ziel“.

Folgende Überlegungen sind erforderlich:

Was will ich erreichen?

Weshalb und in welchem Zeitraum?

Wie will ich konkret wirken?

Ein Plan dient der Orientierung und dem Durchhaltevermögen.

 

Zuletzt: Umbruch im Geiste

Genussgüter und Luxus der Eltern- und Großelterngeneration gilt es einzutauschen, für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben unter Nutzung der Möglichkeiten, die sich aktuell bieten.

Nicht der Zeit verschließen, sondern das Beste aus den Konditionen machen um persönliche Erfolge zu maximieren.

Voraussetzung hierzu: das Lamentieren muss eingestellt werden. Erfolge messen sich nicht an Besorgnis. Optimismus und Disziplin ebnen den Weg zum Traumberuf.

 

Und für Unbeirr- und belehrbare:

Den Idealismus beibehalten. Es lohnt sich.

 

Letztendlich dient der Traumberuf nur jenen, die sich tatsächlich über den Beruf definieren.

Effektiv sind Karriere und Erfolg erstrebenswerte Güter. Qualitäten sind sie jedoch nicht.

Die meisten Menschen leben ihre Interessen im Rahmen ihrer Wertevorstellungen in der ihn verbleibenden Freizeit aus.

Wer sein Hobby zum Beruf macht, wird dementsprechend wohl auch in Zukunft zur Minderheit zählen. Gleichwohl lohnt es sich, ein persönliches Ziel zu definieren und, womöglich, dafür zu kämpfen.