Die Dekadenz unserer Vormieter lässt uns aktuell büßen. Ökonomisch, politisch, gesellschaftlich. Kali Yuga. Es lohne sich, zu verzichten, heißt es. Auf Fleisch, auf Papier, auf Atomstrom. Es sei nun an der Zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sagen sie. Philosophieren, reflektieren, meditieren. Es gäbe nur eine Tür die den Weg aus dem Chaos weise. Nicht leicht zu finden sei sie. Verschlossen sei sie. Doch den Schlüssel trügen wir stets bei uns. Ökonomisch, politisch, gesellschaftlich.
Die Welt zu einer besseren machen. Dem Zynismus kein Forum bieten (vgl. Cynicism kills). Mehr Sen lesen. Mehr Safran Foer lesen. Ehrlich sein. Echt sein (vgl. Wir brauchen kein Make-up). Die Welt zu einer besseren machen. Uns besser fühlen. Glücklich sein.
Verschenken. Bookcrossing. Couchsurfing. Nicht nur an Weihnachten. Den Spiegel vorgehalten bekommen und hineinzusehen. Nicht einfach. Kein Applaus für Scheiße. Nicht einfach. Und dennoch: Klatschen statt Klopfen wenn etwas gefällt. Lächeln statt schmunzeln, wenn etwas zusagt. Fragen statt klagen, wenn Probleme abzusehen sind.
Unsere Vormieter haben dieses Haus vielleicht verkommen lassen. Sie mögen auch dessen Inventar lieblos und unachtsam behandelt und selten aufgeräumt haben, doch was spricht dagegen, die Spinnenweben aufzulösen, die Fenster zu öffnen und neuen Wind hineinzulassen? Nach Marx mögen wir Bourgeois-Sozialisten sein, doch nur das kann uns 2011 helfen. Trümmermänner- und frauen. Nicht nur in verstrahlten japanischen Vororten oder Tübinger Hinterhöfen, sondern genau an den Orten, die wir aktuell ‚zu Hause’ nennen.