7.04.2010

...so schreibt es die FAZ am Sonntag.

 

Als Gründe werden „kein Geld“, sowie „keine Zeit für die Wunsch-Ausbildung“ genannt.

Doch gilt es auch weitere Faktoren zur Erschließung der Statistik zu berücksichtigen.

Eine mangelnde Orientierung sowie Risikolust und eine damit einhergehende Resignation der Gesellschaft können zusätzlich Aspekte sein, die den „Traumjob“ unerreichbar scheinen lassen.

 

Meine Kern-Überlegung bezieht sich jedoch auf die Generation zwischen 20 und 30 Jahren, welcher ich weiterhin mangelnden Idealismus konstatiere. Jener, der durch entsprechende Motivation Grenzen überschreiten lässt.

Verständlich die Diagnose. Zählen zu dieser Generation doch die „unpolitisch[en]“, „kritiklos[en]“ Zeitgenossen, welche, indoktriniert durch Medien und beeinflusst durch die Utopie der Elterngeneration, nie das haben werden, von dem sie glauben es haben zu müssen. Das obligatorische Haus. Das zugehörige Automobil. Die Familie. Die Rente.

 

Jener Bevölkerungsanteil ist häufig unmotiviert, da es für Motivation nie einen Anlass gab. Es gab keinen Generationskonflikt, der eine Revolution hätte hervorbringen können. Keine Kriegs-Verwandtschaft. Keine Demos. Fällt die Uni aus, dann aus organisatorischen Gründen.

 

Neu war das Internet. Jener Fortschritt, der eine ganze Generation lehrte, sich zu assimilieren. Das eigene Leben zu filtern. Nach Wortfetzen, Jahreszahlen, StudiVZ-Gruppen, Interessen, dem Beziehungsstatus oder Musikgeschmack.

Während früher die Parteizugehörigkeit oder der Lieblingsautor zählte und man sich suhlte, in der Anonymität und Exklusivität des eigenen Geschmacks, entfaltete sich mit der Nutzung des Webs die Eigenschaft, jedes bestehende Detail zu kategorisieren und Anhänger oder Ablehner dafür zu finden.

Facebook und Youtube, beispielsweise, verzichten gänzlich auf einen individuellen Bewertungshorizont. Die Komplexität der persönlichen Meinung wird verunglimpft in dem man sie zu „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ stilisiert.

Selbstverständlich sind jeweils Kommentare möglich. Jene wiederum werden bevorzugt durch vorgefertigte Elemente, Schlagwörter oder gifs ersetzt.

Schwarz-weiß. Zusätzlich wird, bedingt durch vielerlei Zugriffe und die Ambivalenz zwischen realem und vernetztem Leben, die Anonymität gefördert bis unabdingbar. Diese Tatsache kommt sogar vielen Nutzern entgegen – ist es doch bequemer, virtuell statt leibhaft zu diskutieren und von den Vorteilen zu profitieren ohne unter etwaigen Nachteilen leiden zu müssen. So gestalten sich auch Polls im Netz unproblematischer als die Umfrage unter Bekannten oder gar Fremden.

Ergo: Forum statt Stammtisch.

 

Was also wird gefördert?

Ironie, Zynismus und Sarkasmus innerhalb des Rasters der jeweiligen Plattform. Was schlüssig ist. Schließlich wird nur positiv bewertet, wer übertrumpft und „anders“ ist. Dabei entwickelt sich die Netzidentität diametral dazu: wer angepasst ist, wird als positiv empfunden. Eine Generation also, die ihre größte Chance nicht nutzt und im Gegensatz dazu, kontraproduktiv agiert.

 

Wie nun weiterkommen? Streben? Idealismus proben?

Zunächst: lernen, sich in Bescheidenheit zu üben. Die heutige Zeit verlangt Bescheidenheit. Zu lang wurde über die möglichen Maßstäbe hinausgelebt. Diese Dekadenz kann und darf nun nicht beibehalten werden.

 

Im Anschluss: Sich selbst kennenlernen.

Wie seit Jahrhunderten von Philosophen und Heiligen gepredigt, ist es nötige Voraussetzung das eigene Sein zu erfahren um ausreichend Erfahrungen zu sammeln.

Wer mit den eigenen Fähigkeiten an seine Grenzen stößt, dem wird es aus sich heraus möglich sein jene zu überschreiten.

 

Dann: den „Traum“ definieren

Der Term „Traum“ impliziert eine Utopie, deshalb die Umbenennung in „Ziel“.

Folgende Überlegungen sind erforderlich:

Was will ich erreichen?

Weshalb und in welchem Zeitraum?

Wie will ich konkret wirken?

Ein Plan dient der Orientierung und dem Durchhaltevermögen.

 

Zuletzt: Umbruch im Geiste

Genussgüter und Luxus der Eltern- und Großelterngeneration gilt es einzutauschen, für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben unter Nutzung der Möglichkeiten, die sich aktuell bieten.

Nicht der Zeit verschließen, sondern das Beste aus den Konditionen machen um persönliche Erfolge zu maximieren.

Voraussetzung hierzu: das Lamentieren muss eingestellt werden. Erfolge messen sich nicht an Besorgnis. Optimismus und Disziplin ebnen den Weg zum Traumberuf.

 

Und für Unbeirr- und belehrbare:

Den Idealismus beibehalten. Es lohnt sich.

 

Letztendlich dient der Traumberuf nur jenen, die sich tatsächlich über den Beruf definieren.

Effektiv sind Karriere und Erfolg erstrebenswerte Güter. Qualitäten sind sie jedoch nicht.

Die meisten Menschen leben ihre Interessen im Rahmen ihrer Wertevorstellungen in der ihn verbleibenden Freizeit aus.

Wer sein Hobby zum Beruf macht, wird dementsprechend wohl auch in Zukunft zur Minderheit zählen. Gleichwohl lohnt es sich, ein persönliches Ziel zu definieren und, womöglich, dafür zu kämpfen.

 

Geschrieben von Natalie um 22:59
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Kommentare:
Unbenannter Kommentar
1. Schöne bilder:)

2. Yay, ich gehöre zu den 8% XD

gruß
Inurias
Geschrieben von Inurias um 18:11, 13.04.2010 | Link | |