Studieren. Heute.
Hausaufgaben.
Todestag John Lennon?
Wir haben keine Zeit dafür.
Hausaufgaben. Junggesellensabschiede.
2010 schon 2011 verplant. Hausaufgaben. Hausarbeiten. Leistungspunkte. Promotionsfeiern.
„Lies mal.“ verkommt zur Floskel.
B.A./M.A. heißt organisiertes Halbwissen. Ein breites Feld. Das Spektrum droht zu platzen.
Wer seinen Schwerpunkt überhaupt findet, hat keine Zeit ihn zu vertiefen.Oder auch, wie man früher sagte, zu studieren. Zeit ist, was fehlt.
Die Abarbeitung der Pflichtveranstaltungen (= alle Veranstaltungen) kostet uns unsere gesamte Aufmerksamkeitsspanne. Jeden Tag. Keine Zeit für Politik, Kunst oder Interessen, die keinen effektiven Nutzen zu haben scheinen. Man könne ja später noch.
Wann denn? Wann nur? Wann?
Was nicht in den Plan passt, wird wegrationalisiert.
Systematische Informationsanhäufung statt Studium. Es ist zu bedauern.
Ständig unterliegt der Student des neuen Systems dem Spannungsverhältnis von Zeit und Geld. Wer überzieht, dem wird entzogen.
Wenn keine Zeit für einen Zahnarztbesuch, die morgendliche Zeitung, eine Beziehung oder abendliche Lektüre bleibt, ist ein Studium in diesem Sinne dann nicht obsolet?
Sollte die Studienzeit nicht allumfassende persönliche Bildung gewährleisten?
Und in Hinblick auf die Zukunft:
Brauchen wir eine Bildungselite, die Contentmanagement als Lebensinhalt und persönliche Beziehungen als überflüssig klassifiziert? Wollen wir mit Menschen leben, die deutsche Literatur googlen müssen um Aussagen über sie treffen zu können, die Philosophen nur aus Reclam-Einbänden und Schriftsteller lediglich aus der Tagespresse kennen?
Es geht nicht darum, subversiv oder über-avantgarde zu sein. Ebenso wenig geht es darum, zum so häufig bemühten running system zurückzukehren. Bildungspolitische Errungenschaften sollen erkannt werden. Es gilt sie zu erhalten. Mit allen Mitteln. Tut es für euch, für eure Kinder und alle, die danach kommen sollen.