12.12.2010

“‘cause it’s my show. You can’t tell me what to do. When life hands me lemons I make beefs, too.” – Andy Milonakis

 

Ost-West – wohin?

Wer nicht zusammenhält braucht sich nicht zu wundern.

Multikulti ist gescheitert? Wer versucht mal, Berliner und Münsteraner bekannt zu machen?

Hamburger und Heidelberger?

 

„Piggybaxstyle“ – Neon Vomit

 

Wenn wir tanzen ist das grenzübergreifend.

Wenn wir diskutieren profitieren wir davon.

Win-win für alle seit 1999..

 

Und so war das damals:

Gammeln in WG-Möbeln. Tanzen, sobald dazu aufgerufen wurde. Ernährung: Tee und was es beim Fachschaftsfrühstück gab. Immer auf der Suche nach der Person, von der man sagen kann „he made my day“. Machen lassen. Nie zufrieden. Stets auf der Suche. Freundeskreis: gefestigt. Beziehungen/Liebschaften: dynamisch. Zahnbürste immer dabei.

Konzertbesuche: 2-wöchentlich. Alternierend. Gern allein. In Reihe 1 bis 3 sammeln sich alle, die allein kommen. Sie gehen gemeinsam. Sie brauchen kein Alibi. Sie wollen feiern.

Schon aufgewacht in fremden WGs. Damals keine Schande. Frühstück mit Philologen. Viel Kaffee, wenig Bio. Bei Biologen und Geographen: Kakao und Cornflakes (Ingenieure essen to go, so auch Physiker). Am besten frühstückt man bei Ethnologen. Klopapier immer dabei.

 

„Ich will zurück nach 1999.“ Saalschutz

 

Einmal quer durch die Stadt, zurück nach Haus. In der Hosentasche Flyer von unbekannten Bands. Ein Zettel mit Nummern. Ein Festnetzanschluss, Hausnummern, Passwort?

Und nun? Freies Schweben im Raum? Uhrzeit, die unbegrenzt Spielraum lässt. Duschen, umziehen, überlegen, wann der Müll mal raus sollte. Dann: Geistesblitz - Pulp Fiction – die spanische Version. Den Lieblingsdialog kann man mitsprechen.

 

- Utilizan el Sistema Métrico, no sabrían qué coño es un cuarto de libra.

- ¿Pues cómo lo llaman?

- Lo llaman una "Royale con queso".

 

« Profitiere von dem Hype » - Saalschutz

 

Und nun ? Den besten Freund anrufen. Man müsse mal was tun, was übersetzen. Ob man vorbeikommen könne. Er stimmt zu. Er müsse auch mal. Ob man schon gegessen hätte, in der Volxküche gäbe es heute gut. Das passe doch. So würde man gemeinsam um’s kochen herumkommen. Gemeinsam essen in der Volxküche. Gammeln in Sperrmüll-Möbeln.

 

„Um über Kunst zu diskutieren.“ Saalschutz

 

Gekleidet wie Schlunz. Haare wie Schlunz. Laufschuhe an. Adidas Superstar. Anno 1999. Stört nicht. Dann sieht man ihn: den Tutor. Ein entscheidender Grund, das Tutorium zu besuchen.

Und auch er gammelt. Auf einem Sperrmüll-Sofa, gar nicht weit von unserem. Das Herz schlägt aufeinmal schneller als sonst. Die Musik aus den Boxen über uns ist plötzlich nichtmehr so unerträglich. Was tut er hier? Wie ist es möglich, dass auch er hier isst?

Das Weltbild wankt. Der beste Freund grüßt ihn über die Köpfe hinweg. Er grinst dabei wie ein 12-Jähriger. Man löffelt weiter im Gemüseeintopf und überlegt sich, wie das nächste Tutorium verlaufen soll, wenn man weiß, dass der Tutor die Volxküche im eigenen Kiez besucht.

Dann steht er plötzlich neben einem. Gibt die Hand. Lächelt und meint „hi“.

„Hi.“ – dass er so was sagt. Hätte man gar nicht so assoziiert. Während man darüber nachzudenken versucht, hat er sich schon gesetzt. Spricht mit dem besten Freund. Die beiden kennen sich um einiges besser, als man geglaubt hätte. Als hätten sie schon die Grundschule gemeinsam besucht. Dabei kommt einer aus West und einer aus Ost. Gar nicht möglich.

Man fühlt sich wie Herr Lehmann, der Zeit braucht. Zeit um vernünftig nachzudenken. Über die Situation und die Sprechakte. Geht alles viel zu schnell. Die Neurose meldet sich. Zu viele Informationen. Zu viele Menschen. Zu viel Leben.

 

Dann versucht der Herr bester Freund, die eigene Person mit in’s Gespräch einzubeziehen.

Es geht um die Forschung des Herrn Tutor und um das, was ihn am fremden Land, dass er auf einen bestimmten Aspekt hin analysiert, fasziniert. Wäre das Gespräch ein Artikel oder Blogpost – man hätte es gespeichert um es immer wieder lesen zu können. Doch so kann man das ja nicht zeigen.

Dann fragt er nach der eigenen Meinung. Nicht nur zum Tutorium. Zur Lehre allgemein. Über Vermittlung von Inhalten, Lehrende und Lehrwerke. „Weshalb“ erfolgt die Rückfrage. Die persönliche Einschätzung interessiere ihn. Nachdem man kurz überlegt hat, äußert man, was der beste Freund schon weiß – man benennt die Pluspunkte und Schattenseiten, führt einige Beispiele an. Als es um verbesserungswürdige Lehre geht, fällt einem ein peinliches Beispiel aus der Praxis ein. Nachdem es erzählt ist, müssen alle lachen, der Situationskomik zum Trotz. Wie das so ist, fällt dann meistens jedem ein weiteres Beispiel ähnlicher Art ein. Die Synapsen arbeiten. Die Atmosphäre ist nicht länger unangenehm.

 

„Wir sollten eine Party feiern, wie wenn’s 1999 wär.“ Saalschutz

 

Nach einiger Zeit, in der man weiter Gemüseeintopf löffelt, fragt der Tutor danach, was der Herr beste Freund und man selbst am Abend noch so vorhätten. Wie peinlich tatsächlich „nichts“ antworten zu müssen. Man habe wirklich „nichts“ vor ist wie zu sagen, man hätte keine Freunde oder Interessen. Zumindest hat man Angst, das könne es implizieren. Doch offensichtlich hat der Tutor selbst „keine Freunde oder Interessen“ da er fragt, ob man nicht gemeinsam was unternehmen wollte. Durch den eigenen Kopf schießt es: „Was denn? Gammeln? Hier in Sperrmüllhausen?“. Dann fällt einem die Lesung ein, die abends läuft. Es lesen zwei noch unbekannte Lyriker und Freunde (Einige Jahre später sollten die beiden als The Fuck Hornisschen Orchestra bekannt werden.).

 

 „Um über Kunst zu diskutieren.“ Saalschutz

 

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Geschrieben von Natalie um 18:08
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