El Seminario
22:04, 19.03.2008
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El seminarioMan kann es kaum glauben, doch es ist soweit, die Halbzeit ist gekommen. Ein halbes Jahr seit ihr mich nun los und in noch mal so viel Zeit werde ich euch wieder nerven kommen;) Jeje……. Ein komisches Gefühl zu wissen, dass man nur noch so lange hier ist wie man nun schon hier war. Weil die Zeit bis zum jetzigen Moment so schnell umging. Man hat man sich an alles gewöhnt, an die Kakerlaken, an die Hitze, an die Monstermücken, einfach an alles und dann….die Zeit die nun noch kommt, wird ja dann noch schneller umgehen…. Ahhhh….Hilfe…..aber naja, ein bisschen gute Aussichten habe ich ja auch. Wenn ich wiederkomme bleibe ich nicht in Essen…jeje….(der Teil war jetzt für die Leute die mich gut kennen und meinen Humor schätzen und mögen - gell Hanni ;-) Naja Spaß beiseite….ich freue mich schon sehr darauf alle wieder zu sehen, andererseits bin ich jedoch auch schon sehr traurig wenn ich daran denke, mein Leben hier hinter mir zu lassen. Ja, das Zwischenseminar habe ich nun auch schon hinter mir und davon möchte ich euch heute ein wenig berichten. Alle Volontäre von der IERP (meine Organisation hier in Buenos Aires) aus Argentinien haben sich Anfang Februar zum Zwischenseminar in El Dorado getroffen. El Dorado liegt in Misiones, im Nord-Osten des Landes. Dort arbeiten zwei Volontäre in einem Altersheim welches auch ein Gästehaus hat in welchem wir alle untergekommen sind. Es war sehr schön mal wieder alle wieder zu sehen. Wir reflektierten die erste Hälfte von unserem Friedensdienst und sprachen über Situationen in welchen wir an unsere Grenzen gestoßen sind. Auch wurden alle Projekte vorgestellt, was ich sehr interessant fand. Mir hat das Seminar sehr viel gebracht. Das gemütliche zusammensitzen und austauschen von Erfahrungen und Erlebnissen die man gemacht hat war einfach spannend. Der Ort war auch perfekt, nahe den Wasserfällen von Iguazu (die ich nun zum 2. Mal besuchen durfte) und mit einem ganz anderen Klima. Nun möchte ich euch einen Bericht zu lesen geben welchen ich in dem Seminar geschrieben habe. Die Aufgabe war es die für einen selbst beeindruckenste Situation oder Geschichte die man bis jetzt erlebt oder mitbekommen hat aufzuschreiben. Auch wenn einige diese Geschichte auch schon kennen, möchte ich sie trotzdem gerne noch einmal an dieser Stelle und auf diese Art hier rein setzen. Die Geschichte eine für mich sehr beeindruckenden Familie Schon anfänglich beeindruckte mich die sehr offene, starke Persönlichkeit meiner Animadora. Im Laufe der Zeit erfuhr ich ihre Geschichte bzw. Ihre Lebenssituation und diese Hintergründe machten es mir noch unfassbarer wie diese Frau eine solche Lebensenergie ausstrahlt. Sie hat fünf Kinder und zusammen mit vieren (die jüngste 10 Jahre alt) lebt sie nahe des Jugendzentrums, in der Villa in einem kleinen Häuschen. Trotz ihres sehr niedrigem Lebensstandart und ihrer Vergangenheit welcher von Alkohol stark geprägt ist, hat sie ein so großes Herz und hat noch fünf Kinder in ihr Leben aufgenommen. Fünf Geschwister im Alter von 13, 13, 10,6, 4 Jahren und einem Säugling mit 6 Monaten lebten zusammen mit ihrer Mutter in einer Holzhütte mit sage und schreibe einem Raum. Da die Mutter aber mit ihrem neuen Freund immer Tagelang verschwand, war es die Aufgabe der Ältesten sich um ihre jüngeren Geschwister zu kümmern. Ohne einen Centavo und im Alter von 13 Jahren ist das natürlich nicht ganz einfach. Oftmals fuhr sie nach Capital um irgendwie Geld aufzutreiben und machte Erfahrungen mit verschiedensten Drogen. Wenn die Mutter zu Hause war, schickte sie ihre Kinder zum betteln nach Essen zu Nachbarhäusern. Von dem Freund der Mutter wurden sie geschlagen. Die Mitarbeiter meines Zentrums wussten, dass die Kinder oftmals Tagelang alleine waren, kannten die Zustände, schalteten Ämter ein jedoch nichts passierte. Eines Tages schafften sie es jedoch die Kinder aus diesem Hause rauszuholen. Die Mutter der Kinder, mit ihrem 6 Monate alten Säugling und erneut schwanger, verschwand mit ihrem neuen Mann. Übergangsweiße nahm meine Animadora die total verwahrlosten Kinder bei sich auf. Da die älteste dieser hübschen und total süßen Kinder gut über die Verhältnisse ihrer „Familie“ bescheid wusste, war es möglich über die Väter der Kinder etwas zu erfahren. Alle verstreut, alles verschiedene Väter jedoch aus einer Familie. Der Großvater der ältesten Tochter ist z.B.: der Vater des Jüngsten, die anderen sind Brüder oder Cousins dieses Mannes. Nach einiger Zeit waren Familien für die Kinder gefunden, diese jedoch eher Schlecht als Recht und die Geschwister wären getrennt worden. Wie hätte man ihnen das letzte was sie hatten, ihren Zusammenhalt, noch nehmen können? Meine Animadora hatte diese Kinder schon so in ihr Herz geschlossen und entschied sich, trotz ihrer schwierigen Lebenssituation und minimalen finanziellen Mitteln sie bei sich aufzunehmen und sie als ihre Kinder zu sehen. Den Kindern geht es dort so gut, diese Herzlichkeit die ihnen entgegengebracht wird lässt sie aufleben und ich habe selber gemerkt wie sich die Kinder zum positiven gewandelt haben. Der anfänglich sehr schüchterne und stille 13 jährige ist viel offener geworden. Am Anfang meiner Zeit war es auch so, dass der Junge seine Mutter vermisst hat und zu ihm wollte. Eine schwierige Sache einem 13jährigem Jungen klar zu machen, das dies nicht möglich ist. Mittlerweile, sie leben jetzt circa 8 Monate dort, habe ich das Gefühl, dass sie diese neue Lebenssituation akzeptiert haben. Sie sehen meine Animadora als Mutter an und als ich diese Tatsache mitbekam, war für mich ein weiterer Punkt gekommen, in dem ich diese starke Persönlichkeit meiner Animadora noch einmal deutlich zu spüren bekam. Oft wenn ich diese Kinder in den Arm nehme oder die kleinen auf meinem Schoß schlafen, denke ich an ihre Geschichte. Immer wieder ist es für mich unfassbar, dass sie eine solche Lebensfreude und Energie ausstrahlen und mich erfreut es sehr mit ihnen zusammen zu sein und zu arbeiten. Meine Animadora, auch meine zweite Mama, ist für mich ein Mensch den ich sehr bewundere. Sie setzt sich sehr für das Zentrum ein und es ist sehr schön, das ich die Möglichkeit habe mit ihr zusammen zu arbeiten und sie als Frau kennen zu lernen. Diese Wahrheit unterstützt sehr meine Einstellung, dass Geld nicht alles ist im Leben und das Liebe und Herzlichkeit eine sehr große Rolle spielen. Leider ist dies eine Geschichte wie es tausende gibt, dazu kommt, dass sie gut ausgegangen ist. Viele Kinder hier leben ihr Leben lang unter erbärmlichen Zuständen und kommen niemals hinaus….. Auch meine Mitbewohnerin und gute Freundin Carina hat einen solchen Bericht geschrieben den ich euch/Ihnen an dieser Stelle präsentieren möchte. Meine Geschichte erzählt von einer 14. jährigen Jugendlichen, die mit ihren sechs Geschwistern und dem Ehemann der ältesten Schwester in der Villa Argentina in Florencio Varela lebt. Ihre Eltern sind fort. Sie haben die Kinder irgendwann zurückgelassen. Nun ist die Älteste mit gerade einmal 18 Jahren für ihre sechs Geschwister verantwortlich. Sie musste die Schule aufgeben und arbeitet seitdem tagtäglich als ama de casa. Das Haus, bestehend aus einem Zimmer, trägt, von außen sichtbar, den Namen House of brothers. Diese drei Wörter sind mir nie wirklich aufgefallen, obwohl wir öfter mit unseren Jugendlichen an diesem Haus vorbeilaufen müssen, wenn wir auf den Campo gehen, um Murga zu spielen. Erst, als ich mit einer Betreuerin Visiten machte, lernte ich die Villa und mit ihr das genaue Umfeld der Jugendlichen kennen. Die meisten unserer 25 Jugendlichen wohnen in nur einem Raum mit mindestens fünf Geschwistern und einem Elternteil. Die Häuser sind aus Stein, z. T. aus Holz. Das Dach wurde aus Materialien wie Alufolie, Holz und Wellblech zusammengeschustert. Wasser gibt es aus dem Brunnen im Garten, sowie die Toilette, die oftmals in einer separaten Holzhütte vorzufinden ist. Müll liegt herum. Es gibt keine gepflasterten Strassen. Die Strasse besteht eigentlich zum größten Teil aus Müllbergen. An den Seiten der Strasse fließt Abwasser in improvisierten Kanälen, die die Einwohner wöchentlich neu ausheben müssen. Müll wird verbrannt. Immer wieder verspüre ich diesen übel riechenden Geruch, wenn ich im Bus zu meinem Projekt fahre. Vieles wird einfach verbrannt und die Umwelt dabei außen vorgelassen. Doch dann wird einem wiederum bewusst, dass die Menschen in den Armenvierteln keinen wirklichen Anspruch auf ein normales Leben haben und sie an erster Stelle stehen müssen, um zu überleben. Die Umwelt ist also zweitrangig. Und so wächst die nächste Generation in diesem Umfeld auf. In einem Loch, aus dem die wenigsten von selber wieder raus kriechen können. Eine führende Hand, die ich zu jeder Zeit kennen lernen durfte, fehlt den Jugendlichen. Sie bekommen keinen Anstoß, da dieser auch bei den Erwachsenen fehlt. Dank des Zentrums gibt es für unsere Jugendlichen einen Ort, an dem ihnen einer zuhört. Zu diesem sie hinkommen können, um die Sorgen des Tages zumindest für einige Stunden zu vergessen. Zu dem auch die Jugendliche eines Tages kam, von der meine Geschichte handelt. Völlig verstört und am weinen, wollte sie die Betreuerin des Zentrums sprechen, noch bevor wir offen hatten. Daraufhin gingen die Beiden fort und ich blieb allein und wartete, bis die Jugendlichen eintrafen. Später erfuhr ich, dass die Schwester der Jugendlichen total ausgetickt war, weil ihr einfach alles zu Kopf stieg. Sie schimpfte auf ihren Ehemann und ihre Schwester ein. Daraufhin rannte unsere Jugendliche zum Zentrum. Hier wusste sie, kann sie jederzeit Hilfe anfordern. Diese Situation stimmte mich glücklich und traurig zugleich. Viele Menschen im Viertel leben unter den erbärmlichsten Verhältnissen, die man sich vorstellen kann, aber es wird einem geringen Teil der Jugendlichen zumindest ein paar Stunden pro Tag damit geholfen, abzuschalten, den Tag sinnvoll zu gestalten und auf einer anderen Ebene zu kommunizieren. Ich lernte die Jugendliche z.B. immer als eine schlagfertige, offene und sehr direkte Persönlichkeit kennen, die eigentlich keine Probleme zu haben schien. Doch an diesem besagten Tag zeigte sich sehr deutlich, dass sie um ihren weichen Kern einfach nur eine harte Schale anbrachte, der ihre Sorgen und Wünsche nicht offenbart. Doch in diesem Zentrum darf sie sie äußern, wenn sie das möchte. Sie kommt nun seit zwei Jahren täglich und hat dort so etwas wie eine zweite Familie gefunden. Sie ist offener und lebenslustiger geworden, seitdem sie dorthin geht, sagte man mir. Sie geht zur Schule und nach dem genannten Vorfall läuft es auch wieder besser mit der Schwester. Und das sind Erfolge, die das Zentrum aufrechterhalten. Probleme gibt es trotz des Aufschwungs im barrio satt und das Zentrum bringt ein bisschen Licht ins Ungewisse… Nun geht es für mich auf in die zweite Halbzeit und ich freue mich noch viele Erfahrungen zu sammeln und die Zeit hier weiterhin zu genießen. Viele liebe Grüße aus der Sonne, Vanessa Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 3 von 14 } { Nächste Seite } |
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