Räumen der Wohnung

10:35, 2008-04-18. Von Keks

An Ausschlafen war heute nicht zu denken, den es war der Tag des Auszugs. Die Möbelpacker der Spedition sind bereits um 07.30 Uhr angerückt und wir waren da so gerade einmal fertig geworden. Es war doch anstrengend die letzten Wochen und dadurch, dass wir gestern bis spät in die Nacht noch die Sachen fertig machen mussten, waren wir echt geschafft.

Zu vier Leuten standen sie jedenfalls bei uns vor der Tür und als erstes mussten wir die Sachen in Sicherheit bringen, die nicht mit in den LKW sollten. Ich muss sagen, die Packer haben echt eine hohe Schlagzahl vorgelegt und uns damit fast etwas in Bedrängnis gebracht. Aber die machen das ja nun täglich und wissen was sie tun. Das sollte man jedenfalls meinen. Die Jungs waren echt kräftig und von der Sorte, denen man Nachts in einem üblen Stadtteil besser nicht begegnet. Nicht vom Charakter, aber von der Statur. Kerle wie Bäume, sagen ich nur. Einer von denen hat sich unseren Sekretär genommen und in den LKW gebracht - alleine. Pflichtprogramm war eine Umzugskarton geschultert und als Kür ein handlicher Teil des Wohnzimmerschrankes. So war es auch nicht verwunderlich, dass die kompletten 63m² mit 90 Kartons und Möblen komplett nach 2,5 Stunden ausgeräumt waren (nein, die Kollegen kamen wirklich nicht aus Polen!!). Das hat natürlich unseren kompletten Zeitplan gesprengt. Ich hatte damit gerechnet, die wären erst gegen Mittag fertig. Aber ich fand es natürlich umso besser.

Der Fahrer hat mich vor der Abfahrt noch gefragt, ob ich denn auch Schneeketten dabei habe. Die seien wohl Pflicht bis Ende April. So richtig bewusst war mir das aber noch nicht. Noch habe ich Winterreifen drauf und später würde es dann auch mal "piggdekk", also Reifen mit Spikes, geben. Ich war also erstmal leicht verwirrt. Egal, das musste ich klären, denn sonst hätte ich mir noch auf die Schnelle ein paar Ketten kaufen müssen. Im Internet habe ich daher die Telefonnummer von Statens Veivesen herausgesucht, um mich aufzuschlauen. Kurzerhand in Norwegen angerufen und erleichtert gewesen, denn mit meinen Winterreifen brauche ich keine Schneeketten. Bei einer Auswanderersendung wäre dies jetzt bestimmt mit "noch lachte er, denn er wusste ja noch nicht, was auf ihn zukommen sollte" kommentiert worden. Aber dies ist ja auch ein Grund, nicht bei so etwas mitzumachen.

Was mich bei der Spedition allerdings nicht so toll fand war, dass die entgegen der Absprache bereits am Sonntag Abend gegen 22.00 Uhr abfahren wollen. Ich hatte mit dem Chef extra vereinbart, der Start sollte erst am Montag morgen sein. Wir brauchen nun mal einen Vorsprung, um eher vor Ort zu sein und die Wohnung abnehmen zu können. Wenn sie meine, sie müssten das tun, ok. Dann sollen hinterher aber auch keine Klagen kommen, wenn die dort oben bereits auf uns warten.

Ach ja, wir liegen gut in der Zeit heute. Also ab in den Baumarkt und noch einige Besorgungen für die Renovierungsarbeiten erledigen. Meine Eltern wollten gegen Mittag kommen und uns helfen, aber wir haben dann halt schon mal eher angefangen. Löcher zuspachteln Fußleisten abschrauben usw. Dank der tatkräftigen Unterstützung meiner Eltern und von einem Kollegen gingen die weiteren Arbeiten dann schnell von der Hand. Damit für morgen auch noch was übrig bleibt, haben wir das Laminat und den Teppichboden zum herausreißen übrig gelassen.

Abends haben wir uns im "Peking" von den Anstrengungen des Tages gestärkt. Es sind nicht mehr viele Stunden, die ich mit meinen erst einmal Eltern habe. Insofern ist das schon schon ungestresst für so etwas noch Zeit zu haben. Aus Deutschland zu gehen, fällt mir nicht so schwer. Schwerer ist es, die Familie zurückzulassen.

Da wir in unserer Alten Wohnung nicht mehr schlafen können, sind wir die beiden nächsten Nächte zusammen mit meinen Eltern in einer Ferienwohnung unserer Wohnungsbaugesellschaft untergebracht. Hier sitze ich nun im Bett und blicke auf einen grünen Klappkorb. Einer von zweien, die im Polo mit nach Norwegen kommen werden. Im übertragenden Sinne befindet sich in diesem Klappkorb derzeit mein ganzes Leben: Akten mit Versicherungsscheinen, diverse Zeugnisse und ein Ornder mit der Beschriftung "Auswanderung". Hierin ist wirklich Alles an Dokumenten für mein neues Leben. Ferner meine Kamera, der Benzinkocher und zwei Dosen Bohnensuppe als Verpflegung für unser Wettrennen mit der Spedition. Wir haben geplant, auf dem Weg nach Norden unsere Übernachtungen im Freien zu verbingen.

 

 

 

 

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