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(waw) Zurück
{ 10:47, 6.07.2008 }
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Was heißt denn das Wort im Hintergrund, dass da, das zerfällt? Kommun... vielleicht Kommune? Oder, nahe liegender, Kommunismus? Für mich und gerade jetzt ist es eher die Kommunikation, die bald abbricht, werter Leser, wertere Leserin. Ich bin zurück und meine Schreiberei ist hier fast getan. Vielleicht ein kleiner Rückblick noch auf die letzten Wochen. Neben der EM oder eher während und im Vordergrund der EM haben mich Prüfungen und Essays am Laufen gehalten. Anstrengend. Kaum Zeit für Anderes vor Ort, kaum digitale Kommunikation. Schließlich schreibt sich eine Arbeit über Opalka, Moldova oder Hochschulbildung nicht von allein. Oder doch? Dann kamen meine Eltern zu Besuch, in der letzten Woche. Neben einem Ausflug nach Krakau und vielen Stadtrundgängen organisierte ich mich, meine Noten und Scheine, lief ins International Office, nachdem ich geschätzte 100 Büros und Sprechstunden besucht hatte. Oder nicht ganz so schlimm, aber eben drei Unteschriften/Stempel für jeden Schein. Und noch ein paar Menschen treffen, von denen viele die Stadt ebenso bald verlassen würden. Im Endeffekt waren meine Füße also mehr als kaputt gelaufen, als ich mit 51 Kilo Gepäck und anderem Handgepäck mit meinen Leuten in Stuttgart landete. Mein Leben in gut zweieinhalb Koffern. 10 Monate kompakt verpackt in Kisten mit Rollen. Und weiter? Ich komme an, immer noch, und es wird wohl noch ein wenig dauern, bis ich ganz da bin. (waw) Schland siegt über Polen mit Polen
{ 11:45, 9.06.2008 }
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Ich bin nicht gut im nationalistisch sein für Länder. Ich seh nur gern ein gutes Spiel und weiß das zu schätzen - Danke, Grundkurs Damenfussball :) Gestern war ich also für niemanden, aber trotzdem unterwegs. Und auch wenn Polen ein paar gute Momente hatte und ich gern miterlebt hätte, wie die Leute hier feiern, Deutschland war spielerisch einfach besser. Die Stimmung gestern war schon ein paar Wochen vorher zu erahnen, die ersten hier hatten da schon ihre Trikots an. Ich habe mich damals noch gefragt, ob sie nicht frieren. Gestern aber sicher nicht - es war den ganzen Tag wirklich heiß. Am Nachmittag die ersten Vorwehen: Jungs fahren mit ihrem Roller gröhlend durch die Gegend, im T-shirt steckt die Polenflagge die im Fahrtwind jault und weder der Schal noch das Trickot fehlen. Die Männer laufen mit Trickots und Pulswärmern in weiß-rot rum, die Frauen eher weniger, dafür aber in rot weiß gepunkteten Kleidern oder zumindest mit weiß-rot auf der Backe. Die Stimmung steigt, den ganzen Nachmittag, die Autos sind schon fleissig beflaggt und irgendwie feiern alle ein bisschen vorab. Wir treffen uns, sprechen überwiegend Englisch und suchen nach einer Möglichkeit, das Spiel zu gucken. Landen irgendwo im Wald, die erste Halbzeit über. Noch während wir in der Bierschlange stehen, fällt das erste Tor für Deutschland. "Curva" wurde da weniger laut, das war eher der Fall, wenn die polnische Mannschaft ziemlich verzweifelt von ziemlich weit weg aufs gegnerische Tor zielte. Es war mehr ein enttäuschtes Heulen, aber die Stimmung war noch ungebrochen. Für die zweite Halbzeit dann: In den Carlsberg-Fanpark. Geschätzte 5000 Menschen und wir, alles weiß-rot, Gegröhle, Sprechchöre. Diverse auch über Podolski und Klose (?) - 14 Polen auf dem Spielfeld, jaja. Die beiden Eigentlich-Polen sollten sich hier erstmal nicht blicken lassen. Dann das Tor für Polen, ein Raunen, ein Gebrüll, die Fackeln werden gezündet, alle liegen sich in den Armen - sekundenlang. Bis klar wird - Leider doch nicht. Aber zumindest haben wir miterlebt, wie es gewesen wäre, wenn. Das zweite Tor für Deutschland, wir verlassen das weiß-rote Meer mit den grünen Bierbuden ein paar Minuten früher. Auf dem Weg zur Tram zwei besoffene hinter uns, die lallen. Sie hören uns sprechen - der eine fragt den andren auf einmal in sehr aufgebrachtem Tonfall, ob das Deutsch war. Nein, es war Englisch, gottseidank, aber auch wenn die Männer Büffel waren und wohl auch Mädels verprügelt hätten solang nur Deutsch - wir wären schneller gewesen, die beiden konnten vor lauter Suff nicht mehr laufen. Noch ein Bier, deutsche Enklave suchen um nicht geschlagen zu werden die Idee. Allerdings, auch in der hiesigen Bierhalle nur Polen. Egal, weil alle wieder lieb. Die Nowy Swiat, wo wir sitzen und unser Bierchen trinken, war eingestellt auf einen etwaigen Sieg. Alles gesperrt, Dixieklos, Kaffees mit Eisentüren verstärkt, mehr Security. Die Security war keine schlechte Idee, manche Gröhler hatten nämlich das Bedürfnis, diverse Schilder, Pflanzen, Bauzäune zu streifen. Nicht weiter wirklich tragisch und auch der Pissgeruch hielt sich im Vergleich zur Leopoldstrasse vor zwei Jahren in Grenzen. Im Nachtbus heim: Das Hupen von draussen und auch drinnen, die Hälfte der Menschen im Trikot, die Stimmung immernoch aufgeheizt aber wieder gut. Und auch wenn Podolski ziemlich viel an Gestänker abbekommen hat und sagen wir, die Sprüche gegen Deutschland nicht nett warn, zumindest eins: "Auf Wiederseeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhhhnnnnnnnnnnn Deutschlaaaaaaaaaaaaaaannnnnnd!" passt doch. Hoffentlich. Und in vier Jahren vielleicht sogar live - hier in Warschau. (waw) Bildung - heute: Schulstreik
{ 20:00, 27.05.2008 }
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Ja, ich mag dieses Thema, und ja, ich könnte auch stundenlang drüber reden. Hab ich erwähnt, dass ich für meinem Essay in nem Kurs die Bildungspolitik in Bayern und Polen vergleiche? Educational Inequality.... Da sind wir in Deutschland vorn dabei, auch wenn wir das mit dem Vorn sein im PISA-Test sonst nicht immer ganz so hinbekommen haben. Irgendwas müssen wir ja auch können. .. Polen und Bildung... Ich hab ja schon mal gesagt, dass ich denke, dass die Allgemeinbildung hier breiter gestreut ist als in Deutschland. Und dass polnische Schüler nicht dumm sind, sagte auch PISA mal, ja Polen sei sogar heimlicher Sieger meinte der wdr damals. Hier der Link dazu: http://www.wdr.de/themen/kultur/bildung_und_erziehung/brennpunkt_schule/praxis_schule/polen_2004/index.jhtml Aber das Problem dabei: Lehrer verdienen beschissen. Das Wort beschissen wird inflationär gebraucht, ich weiß. Es trifft hier aber mal echt zu. Deswegen waren heute viele Eltern mit Kind schon während der Schulzeit auf den Strassen der Stadt unterwegs, deswegen gammelten pubertierende Jugendliche schon am Vormittag bei mir im Park um die Ecke rum und rauchten heimlich. Denn: Die Lehrer streikten. Was bei uns nicht möglich ist, ist es hier gottseidank schon und ich kann nur hoffen, dass es hilft. Hier die Zahlen, die mich bestärken, den Lehrern Polens absolut Recht zu geben: Gehalt für Lehrer: 1200 Zloty brutto - etwa 900 Zloty auf die Hand. Für Lehrer, die lange im Beruf sind: 2000 brutto - ca. 1600 auf die Hand. Klar, die Lebenshaltungskosten sind geringer als in Deutschland, aber trotzdem - hier der direkte Vergleich: Durchschnittliches Gehalt in Polen: 3460 Zloty. Und nun kommt der Moment, wenn ihr noch nicht geschockt seit, dann hoffentlich jetzt - der Wechselkurs heute: Ein Euro ist 3,3991 Zloty! Strajk! (vil) berauschen
{ 20:19, 20.05.2008 }
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„Solidarnosc“ kennen wir alle noch aus dem Geschichtsunterricht – die polnische Gewerkschaftsbewegung, durch die die Sowjetunion erstmals zur Abhaltung teilweise freier Wahlen in Polen gezwungen worden war und damit den Anfang des Endes der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten eingeläutet hatte. Doch fast alle der ehemaligen Sowjetrepubliken haben ihre eigene Widerstandsgeschichte, in Litauen war es die Gewerkschaftsbewegung „Sajudis“, die in Kooperation mit Widerstandsbewegungen in Lettland und Estland am 23. August 1989, dem 50. Jahrestag des Molotov-Ribbentrop-Pakts, eine einmalige Aktion startete, um ein friedliches, aber einstimmiges und deutliches Zeichen in Richtung Moskau zu senden: Die singende Revolution. Eine Menschenkette von Vilnius über Riga bis Tallinn, 596 km lang! Die Menschen trugen ihre Nationalflaggen von Zeiten der ersten Unabhängigkeit Anfang des 20. Jahrhunderts, Kerzen und traditionelle Kleidung und begannen, ihre (zur damaligen Zeit verbotenen) Volkslieder zu singen. Ein unglaublicher Rausch der Gefühle und jedes Mal läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich diese Bilder sehe. Das ist für mich ein ähnliches Gefühl, wie es nur Bilder vom Fall der Berliner Mauer auslösen können. Wer sich selbst berauschen möchte: www.youtube.com/watch?v=cSwfNCyVMLs Wer Lust hat, an einer internationalen Konferenz teilzunehmen, um mehr über die verschiedenen Widerstandsbewegungen in Osteuropa zu erfahren und Lust auf einen Kaffe mit Außenminister a.D. Genscher hat, der sollte sich folgenden Termin notieren: Konferenz des Litauischen Parlaments (Seimas) 05./06. Juni 2008 Thema: “Der Fall der Mauer von Budapest bis Vilnius” Mehr Infos unter www3.lrs.lt/docs2/IWBBZNLU.PDF
Die Konferenz wird dem 20. Jahrestag des litauischen „Sąjūdis”, der estnischen und lettischen Volksfront sowie dem 40. Jahrestag des „Prager Frühlings“ gewidmet. (waw) Lange Nacht - Impressionen
{ 19:40, 18.05.2008 }
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Dass viele polnische Miteuropäerinnen und Miteuropäer mehr an klassischer Bildung mitbekommen als manche Menschen aus meinem Herkunftsland, möchte ich jetzt einfach behaupten. Ich nehme dass an, weil die Allgemeinbildung hier allgemeiner ist als in unsrem sozial selektiven Land - begonnen damit, dass Polen 66,8 Prozent Studienanfänger hat - im Vergleich zu 32,4 Prozent in Deutschland. Dass das nicht unbedingt was aussagt, weiß ich. Ich pauschalisiere :)
Dass Bildung hier aber vielleicht auch anders aufgefasst wird als bei, uns habe ich gestern hautnah erfahren. Und hautnah meine ich wörtlich: Viel Haut an viel Haut bei sommerlichen Temperaturen in überfüllten Trams und Bussen.
Gestern war in Warschau die lange Nacht der Museen. Bei uns wird die wahrgenommen, aber nicht so genutzt. Hier hingegen.... Ein paar Eindrücke:
Treffpunkt mit ein paar netten Menschen war die Siegmundsäule in der Altstadt. Diese ist gleich am Schlossplatz und der wiederum ist momentan auch wenn er leer ist voll. Die Bären der UN wurden aufgestellt, jede Nation ein Bär, und diese gut 150 Stück stehen da rum und halten Händchen.
Ich werd bei Gelegenheit ein Foto machen. Auf alle Fälle war gestern auch um und zwischen den Bären kaum Platz und ich brauchte 10, 15 Minuten um überhaupt alle Menschen die ich treffen wollte zu finden - auch wenn wir nur ein paar Meter auseinander standen, haben wir uns übersehen. So viel los. Auf dem Altstadtmarkt noch mehr, obwohl das angekündigte Jazz-Konzert eher schlecht als recht war stimmlich.
Wir tigerten durch 3 Museen, und in jedem davon war was los, vor allem aber in dem der modernen Kunst. Davor hatten kreative Menschen sogar einen Kaffeestand aufgebaut. Um dorthin zu gelangen mussten wir uns aber erstmal mit all den andren Menschen auf der Krakowskie Przedmiescie drängen. Unglaublich. Dort dann die Treppe voll, die Räume voll. Trotzdem schön :)
Beim Heimgehen, nachdem ich noch in einem Film über Havel beim hiesigen Dok-Filmfest war, dachte ich, es würde jetzt, kurz vor Mitternacht, ruhiger sein. Aber nichts da. Alles noch genauso voll, wenn auch die ersten Jungs (ohne sexistisch sein zu wollen, hab einfach keine Mädels so gesehen) schon noch voller durch die Gegend torkelten. So ungefähr wie auf italienischen Piazzen, alles voller Menschen, auch wenns schon dunkel ist, und die Luft ist noch immer warm und die Stimmung ist unfassbar freundlich.
Auf meine letzte Tram wartend stellte ich fest, dass ich noch mehr verpasst hatte: Die Stadt hatte die alten Öffentlichen aus der Garage geholt und nur für diese Nacht einen Museumstransport eingerichtet. Auch die alten Gurken durften fahren. Die Busse also in Gurkenform. In blau und weiß. Warum die neuen Busse nicht mehr so heißen fragte ich mich, als ich in den Nachtbus einstieg. Essiggurken sind doch im Glas immer nah aneinander. Vielleicht sollten die neuen Heringdosen gennant werden?
Meine erste BeinaheSommernachtimpression hier - Ein Hoch auf die lauen und lauten Nächte die da kommen werden.
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