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(waw) Ablesemänner
{ 13:55, 13.05.2008 }
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Gestern war es wieder soweit, und es war nicht das erste sondern in etwa das vierte Mal seit ich hier wohne: Ich wurde aus dem Bett geklingelt und geklopft und vor der Tür stand ein fremder Mann. Ich wusste nicht, was er wollte, er konnte kein Englisch und mein Polnisch reichte nicht aus. Nach 5 Minuten von Versuchen zeigte er auf die Regalwand bei uns im Flur, genauer auf den Ort, der immerwieder gecheckt wird: Ein Fach mit allem, was es abzulesen gibt. Diesmal habe ich eine neue Taktik entwickelt, um nicht von einem Trickbetrüger übers Ohr gehauen zu werden: Ich lies ihn zum Kasten und blieb in der offnen Wohnungstür stehen. Er war wohl ein echter Ableser und also las er ab und verschwand.
Warum ich stutzig wurde? Weil ich grade erst 8 Monate in dieser Wohnung lebe und dass der vierte Ableser in dieser Zeit war. Und weil die letzten Ableser (die kamen gleich im Doppelpack) erst vor drei Wochen da waren. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit ihnen diskutierte, und erst verstand, was sie wollten, als sie Elektriczne oder etwas in die Richtung sagten. Ich nickte, sie betraten daraufhin zu zweit die Wohnung. Warum nicht eine Person reichte, um die Zahlen aufzuschreiben, die der Zähler zeigte, wurde mir erst da klar: Einer musste Zahlen eintragen, der andre war wohl Elektriker oder Ähnliches - er prüfte, ob der Zähler manipuliert war. War er nicht, alles gut. Die beiden weiteren Besuche waren in etwas genauso, ich liege im Bett, es läutet, ich denke darüber nach aufzumachen oder nicht. Bin Frau, allein daheim, beherrsche die Sprache nicht, ich wäge ab, gehe zur Tü;r. Ich will höfflich und nett sein und hoffe innerlich, dass mein Wortschatz reicht oder sie Englisch oder Deutsch sprechen, die Männer vor der Tür. Immer große und breitschultrige Männer, in schwarzen Anzügen. Mit Plastikkästen um die Schulter, wo sie später die Nummern eintippen werden. Ich öffne, wir verstehen uns nicht, aber nachdem sie nicht aufhören, mir etwas zu erklären, lasse ich sie in die Wohnung, Handy immer griffbereit, ich weiß ja nie... Kein Notfall tritt ein, ich halte mich für zu ängstlich, die Herrn oder auch Singular gehen wieder und das Einzige was klappt an Verständigung ist das polnische "Auf Wiedersehen". Oder bin ich nicht misstrauisch genug? Ich bin ja immer schon einverstanden, wenn mir Menschen lange genug mit genug Enthusiasmus versuchen, etwas zu erklären. Und wenn ich in Türweite stehen bleiben kann.
Vielleicht sind es auch nur meine Vorurteile, die übrigens auch viele Polen über ihre Mitpolen haben. Eigentlich aber ist die Welt wohl gar nicht so schlecht wie sie sich viele schlecht reden.
(waw) 5000+ für Europa
{ 10:50, 13.05.2008 }
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Mit 3 von 4 Kleeblattblättern habe ich am vergangenen Wochenende, fast direkt im Anschluss an den Tallin-Helsinki-Trip, an einer Konferenz teilgenommen. Das Thema der vier Tage war Europa 50+/- und es ging, unschwer zu erkennen, um das Europajubiläum. Organisiert wurde das ganze von der Schumann-Stiftung hier in Warschau in Kooperation mit "dem Feind" ;), der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Konferenz an sich fand ich nicht gänzlich überzeugend, es gab zwar ein paar interessante Aspekte aber mit fehlte die inhaltliche Diskussiion in meinem Workshop zu sehr. Natürlich, ein paar nette Dinge wie im Hotel frühstücken und auch die Menschen kennenlernen und vor allem wiedertreffen haben das ganze gut gemacht. Aber das letztendliche Highlight war ein andres: Der Abschluss des ganzen. Wir mischen uns unters Volk würde ich es nennen. Wir haben teilgenommen in der alljährlichen Schumann-Parade hier. Geschätzte mehr als 5000 Menschen gingen für Europa auf die Strasse. Einfach unfassbar, wie sich da Schulklassen und Gewerkschaftsmenschen und eingeflogene RCDSlerInnen mischten, um gemeinsam für den europäischen Gedanken auf die Strasse zu gehen. Der Zug zog sich vom Plac Bankowy bis hin zur Nowy Swiat, wo dann noch Kundgebungen und Konzerte sich anschlossen. Vor 10 Jahren wäre das doch noch undenkbar gewesen Jetzt bin ich also wirklich angekommen in Warschau, wieder, endlich. Vorher hat mich Europa zu sehr vereinnahmt. Oder vielleicht doch auch hier? (vil&waw) Euroland
{ 06:29, 6.05.2008 }
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Mit Euroland meine ich die kleinen Länderchen die Milena und ich bei einem Kurztrip erkundet haben - oder doch nur ihre Hauptstädte, aber ich finde, das zählt.
Das lange Wochenende wurde also genutzt für einen Trip nach Tallinn und Helsinki.
Tallinn, wunderschön, wirbt mit Mittelalter. Soll heißen, wir waren zweimal mittelalterlich essen, haben mittelalterliche Mandeln getestet - und sind auf einen wohl im Mittelalter gebauten Kirchturm geklettert. Zumindest war er so wenig gesichert wie vor etwa 500 Jahren und trotzdem werden Touristenströme da hoch geschickt - und auf der selben engen Wendeltreppe wieder runter. Pfui sage ich da nur, ich, die mich die Höhen- und Flugangst plagt. Ich war oben und bin nicht raus gegangen, aber ich hoffe, Milena wird ihre Fotos vom Kirchturm hoch laden und verlinken.
Ein überwiegend guter Eindruck also von Tallinn und Estland.
Helsinki - Finnland. Ich muss sagen, ich bin ein bisschen verliebt. Meine erste Skandinavienerfahrung und natürlich hat es mich voll erwischt. Ich will ein Kind von Finnland! (Oder doch eher Kinder dort großziehen? PISA jedenfalls gäbe mir recht.)
Helsinki ist eine schöne Stadt samt nettem repräsentativem Platz und größter orthodoxer Kirche Westeuropas. Und über allem liegt immer die Seeluft, weil alles an Sehenswürdigkeiten sich in Meernähe befindet.
Am bleibendsten aber für mich definitiv: Die Sonne geht unter an einem See an dem unser Hostel lag. Möwen schreien sich die Seele aus dem Leib, überall diese wunderschönen Holzhäuschen in all den Farben (ich will ein rotes oder blaues, mal sehen) und überall die Bäume und das Schilf.
Hach. Vielleicht sind es auch nur die Häuschen? Aber ich glaub nicht. Und die Boote und die Stege und alles. Hach.
Ein absolutes Highlight für mich noch: Einer unsrer Reisekumpanen, ein Portugiese. Dieser hat mich verblüfft. Hatte das meiste Gepäck und wir fragten uns, was wohl in diesem riesigen Koffer verborgen sein mag. Der sich sehr pflegende junge Mann überraschte uns alle, als er schließlich sein Bügeleisen aus dem Koffer holte und seine T-Shirts bügelte. Schließlich, meinte er, könne er keine verknitterten Shirts tragen. Er hatte auch sein Deo vergessen und wollte kurz eines kaufen gehen - zurück kam er mit einer Hugo-Boss-Tüte samt Benötigtem :)
PS: Ich möchte an dieser Stelle noch Eurolines danken, die mich zwar nicht souverän oder sicher, aber zumindest lebend von A nach B befördert haben :) Und jetzt, nach etwa 17 Stunden Fahrt, gehe ich also, zurück in Warschau, etwas müde in meinem Polnischkurs.
(vil) Vilnius - Europäische Kulturhauptstadt 2009
{ 18:09, 29.04.2008 }
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Ich bin frisch getaufte Botschafterin für Vilnius - mit dem Auftrag, euch alle 2009 nach Vilnius zu locken. Vilnius wird nächstes Jahr eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte sein und putzt sich schon heute richtig fein raus. An jeder Ecke der Stadt wird renoviert und poliert. Die Eckpunkte für das Programm stehen bereits und die ersten Vorläufer des langen Kulturjahres stehen schon 2008 an, wie der "street music day" an diesem Wochenende. ...street music day - art in unusual sites - world music days - international light festival - icy baroque - european jazz - opera festival - world gastronomic feast ... Das alles und vieles mehr steht auf dem Programm für 2009. Außerdem werden ganz eigentümliche Erkundungstouren durch Litauen angeboten: Speziell für Skater, Pilzesucher oder Rentner - da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Wer Vilnius und seine verrückt-kreativen Einwohner kennenlernen möchte ist herzlich Willkommen! www.culturelive.lt (waw) Exkurs: (Nacht)züge
{ 16:50, 18.04.2008 }
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Dass Danzig eine schöne Stadt ist, und dass das Meer gleich in der Nähe ist, konntet ihr oben schon lesen. Und Bilder sind auch in der Linkliste (unter Bilder Warschau, aber ist tolerierbar hoff ich). Was weiterhin interessant ist: Polnische Züge. Vielleicht lag es an der Uhrzeit, dass ich sie diesmal anders wahrgenommen habe, aber ich glaube, sie sind einfach anders. Es war 5 Uhr morgens, der Zug hatte schon mal eine Viertelstunde Verspätung. Trotzdem schien ich die einzige zu sein, die unzufrieden war mit einem noch längeren Warten in der Kälte. Ich musste mein Ticket im Zug kaufen und obwohl ich dachte, ich hätte der Schaffnerin begreiflich gemacht, dass ich eine Platzreservierung will, habe ich das wohl nicht. Ich erspähte also einen Platz in einem Abteil, eh eine Seltenheit, weil der Zug sehr voll war. Ich konnte sogar jemanden auf Englisch fragen, ob das die zweite Klasse sei. Das ist hier nämlich toll: Die Sitze sind unglaublich weich und groß. Und 8 davon befinden sich normalerweise in einem Abteil. Großartige Sitze für eine 2. Klasse. Gut zum Schlafen. Ich konnte noch 2 Stunden dösen, bevor ich von meinem Platz verwiesen wurde von der Frau, die meine Sitzplatznummer hatte. Damit hatte ich gerechnet, kannte ich ja schon, deswegen wollte ich auch ne Reservierung. Das brachte mich an den kuriosesten Platz: Den Speisewagen. Sozialistische Gemütlichkeit würde ich das Konzept der Innenraumgestaltung hier einfach mal nennen. Dunkelbraune Stühle, graue Tische. Graue Plastikböden, ein schlechte gelaunter Servicemensch und der erste Wodka stand vor ein paar Halbstarken schon auf dem Tisch. Ich setze mich, trank Kaffe, las Zeitung. Auf den sehr unbequemen Holzstühlen beobachtete ich, wie um 8 Uhr morgens die ersten Suppen verkauft wurden. Frühstück in Polen ist deftiger als bei uns.... Alles in allem war ich geplättet vom Zug, vor allem vom Speisewagen und den Sitten dort. Die letzte Zugfahrt hier, von Krakau heim, war mir schon lieber. Mit 3 Nonnen im Abteil ist alles ruhig und angenehm. Aber Hauptsache ankommen. In der Jugendherberge haben wir eine Deutsche getroffen, die in Danzig mal Erasmus gemacht hat. Und sie hatte Recht, als sie meinte, bezogen auf nen internationalen Vergleich und wie mensch sich in polnischen Zügen verhalten soll: "In polnischen Zügen kann einfach alles passieren." { Vorherige Seite } { Seite 2 of 13 } { Nächste Seite } |
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