Pallas' Showroom

17.08.2007 - Fundsache: Alte Postkarten im Netz

Bei aller Nützlichkeit haben Computer und Internet doch auch ihre Nachteile: In 50 oder 100 Jahren werden wir oder unsere Nachkommen womöglich kaum noch papierne Zeugnisse der Jetzt-Zeit vorfinden. Beispielsweise sind vielfach per Mobiltelefon verschickte flüchtige Grüße – mit oder ohne Foto - an die Stelle von schön-altmodischen Postkarten getreten, die man in Schachteln und Kartons sammeln und sich auch noch Jahrzehnte später ansehen konnte. Aber manchmal hilft das neue Medium dem alten.

Baule sur mer an der französichen Atlantikküste 1932 und in den 70er Jahren

So zeigt die Seite http://www.forum-auto.com/automobiles-mythiques-exception/section5/sujet379076.htm wie viel Spaß alte Postkarten machen können. In dieser Unterseite eines französischen Autoforums gibt es viele, viele Ansichtskarten aus der Zeit von kurz nach 1900 bis in die 70er Jahre hinein zu sehen. Die ganz alten Karten zeigen Sehenswürdigkeiten, Ortschaften und Straßen, die von kaum einem Automobil bevölkert werden. Aber die wenigen Wagen wurden stolz vorgezeigt. In folgenden Jahren wurden die Autos immer mehr – bis in den Nachkriegsjahren gelegentlich Parkplätze selbst in den Vordergrund rücken. Die Masse der gezeigten Autos sollte wohl für die Attraktivität eines Erholungsorts sprechen.  Noch später rückte dann neben die Autos mehr und mehr 60er-Jahre-Architektur in den Blick - manchmal lassen sich die Veränderungen eines Orts vergleichen, wenn zwei Karten dasselbe Motiv zeigen, zwischen den Aufnahmen aber mehrere Jahrzehnte liegen. Selten zeigt dabei das jüngere Foto den schöneren Ort.

 

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11.07.2007 - Weniger ist mehr!

Fritz B. Busch (geb. 1922) ist Urgestein des Automobiljournalismus, in den 50er Jahren schrieb er für „Auto, Motor und Sport“, später für den „Stern“. Immer etwas bissig und gern gegen den gerade herrschenden Zeitgeist.

Dass die Branche inzwischen reichlich heruntergekommen ist („Heute wird mit Rücksicht auf den Anzeigenleiter geschrieben“), zeigt sich auch daran, dass Busch seine Interviews heutzutage zweit- oder drittklassigen Regionalblättern geben muss, damit sie überhaupt noch erscheinen: So am 9. Juni 2007 der „Braunschweiger Zeitung“. Darin verlangt er von den Designern heutiger Autos weniger „Formgeilheit“ und statt dessen „mehr Rundumsicht“. Außerdem jubelten die aktuellen Motorjournalisten, wenn in einem neuen Fahrzeug „400 PS drin sind – das ist doch alles Quatsch.“ Solche Autos seien für einen Straßenverkehr gemacht, den es nicht mehr gebe. Die Hersteller solcher Fahrzeuge hätten „den Markt verdorben, in dem sie nämlich dem Käufer solche Dinge gezeigt haben“.

Für rationale Autos ohne Leistungsexzesse streitet Fritz B. Busch schon seit über vierzig Jahren. Auf der IAA 1965 wurde ein von ihm gemeinsam mit NSU entwickeltes Vernunft-Auto namens „Autonova“ zwar vorgestellt – in Produktion gegangen ist es aber nie.

Braunschweiger Zeitung, 9. Juni: http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/291620/artid/6851674

„Nicht nur Retro-Design:“
http://www.kadett-a.de/grusswort.htm

Zwei Links zum Autonova: http://www.tiho-hannover.de/bmt/bmt/institut/personal/geiling/treffen/S133.htm

http://oldievan.de/html/autonova.html

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20.06.2007 - 100 Prozent mehr GS!

Es ist vollbracht! Mein Citroën GS hat letzte Woche die Vollabnahme bestanden und ist jetzt auch zugelassen. Der TÜV-Ingenieur war sehr nett und hat nur „geringe Mängel“ à la „Innenspiegel wackelt“ aufgeschrieben – mehr gab’s aber auch wirklich nicht zu meckern. Allein an den Abgaswerten hätte das ganze noch scheitern können – ist es aber nicht. Trotzdem müssen demnächst mal Zündung und/oder Vergaser eingestellt werden. Wie dem auch sei: Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts ist in Hamburg genau ein weiterer GS 1220 zugelassen - nun steigt die Quote um 100 Prozent.


Mehr Bilder hier:  http://www.flickr.com/search/?w=38804658%40N00&q=Citroen+GS&m=text                                                                                                               


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2.06.2007 - Jetzt kommt's drauf an!

Rost ist der Feind vor allem aller 70er-Jahre-Autos. Davon habe ich auch schon gehört. Und natürlich habe ich von seinerzeit mangelnder Korrosionsvorsorge der Hersteller ebenso gewusst wie von minderwertigen Blechen, die damals verarbeitet wurden. Trotzdem habe ich im Dezember einen Citroën GS von 1979 gekauft, der zwar am Unterboden einige scheinbar kleine Roststellen zeigte, sich aber sonst für seine 28 Jahre sehr gut gehalten hatte – scheinbar. Aber ich wollte das kleine Auto unbedingt haben, und die Überführung aus der französischen Auvergne nach Hamburg war nicht nur problemlos, sondern hat auch viel Spaß gemacht. In Hamburg allerdings erwiesen sich die kleinen Roststellen als veritable Durchrostungen: die allerdings meine heimische Werkstatt auch erst auf den zweiten Blick erkannte. Jedenfalls mussten an den GS-typischen Stellen rostbefallene Bleche herausgetrennt, Ersatz angefertigt und eingeschweißt werden.


Außerdem waren da ja noch die vorhersehbaren und geplanten Arbeiten wie die Abdichtung des Motors, die Erneuerung der vorderen Bremsscheiben und eines Teils der Auspuffanlage.
Jetzt gehen die Arbeiten in ihre letzte Phase. Aber natürlich hätte der Werkstattaufenthalt nicht über ein halbes Jahr dauern müssen – allerdings war zwischendrin ja auch noch mehr oder weniger Winter: Und wer will in dieser Jahreszeit schon GS fahren? In der kommenden Woche steht jetzt jedenfalls die Vollabnahme beim TÜV und die Zulassung an. Vielleicht geht’s ja gut.

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7.05.2007 - Kulturgut Verein?

Die Deutschen und ihre Vereine sind nach landläufiger Meinung eine fast so klischeehafte Mischung wie die Deutschen und ihre Autos. Wenn beides zusammenkommt, dann potenzieren sich demzufolge die Fetischisierungen. Das Ergebnis kann explosiv sein – oder Fehlanzeige. Schon Kurt Tucholsky hat sich in den zwanziger Jahren über die Zellteilung deutscher Vereine lustig gemacht, weil es immer jemanden gibt, der irgendwie dagegen ist. Nun wäre nicht viel dagegen zu sagen, wenn sich etwa Fahrer von  /-8 Mercedes der seltenen Serie 1 ½  von den gewöhnlichen Daimlerchauffeuren dieser Generation abheben wollten und sich selbst organisierten.

Wenn es aber wie im vorliegenden Fall um für viele Oldtimerfahrer und –besitzer doch einigermaßen existentielle Bedrohungen von Seiten der Politik geht, wäre ein wenig mehr Schlagkraft vielleicht doch überlegenswert: Per Verordnung soll der Dreckanteil in der Luft deutscher Großstädte verringert werden, was zunächst einmal selbstverständlich ein löbliches Vorhaben darstellt – wenn auch vielleicht ein etwas naives. Jedenfalls geht ein Großteil dieser Feinstäube auf das Konto von Industrie und Schwerlastverkehr. Benzinbetriebene Fahrzeuge und damit die allermeisten Oldtimer hingegen sind nach ganz überwiegender wissenschaftlicher Mehrheitsmeinung darin nicht beteiligt. Trotzdem sieht die Verordnung, die das Bundeskabinett bereits verabschiedet hat, der der Bundesrat aber noch zustimmen muss, für die Städte die Ermächtigung zu Fahrverboten auch für solche Autos vor. Das klingt nach einem Schildbürgerstreich, und selbstverständlich regt sich berechtigter Protest dagegen, am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden müssen. Dass die Bundespolitik übers Ziel hinaus geschossen ist, haben mittlerweile auch schon einige Bundesländer erkannt: Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben bereits unterschiedlich definierte Ausnahmeregelungen verkündet.

Ob am Zustandekommen solcher besseren Einsicht allerdings die organisierten Oldtimereigner maßgeblich beteiligt waren, darf bezweifelt werden – durch ihre Atomisierung haben sie ihre mögliche Sichtbarkeit mutwillig preisgegeben. Zunächst spaltete sich vom Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge (Deuvet) eine Gruppe ab, die dem Dachverband mangelndes Engagement gegen Fahrverbote und andere Zumutungen vorwarf. Die so entstandene Initiative Kulturgut Mobilität (IKM) organisierte folglich in verschiedenen Großstädten mehr oder weniger große Protestveranstaltungen mit Oldtimern. Ihren Höhepunkt sollte die Kampagne mit einem großen Korso in Berlin am 12. Mai 2007 finden. Den Korso wird es auch geben – ob er aber auch groß sein wird? Denn inzwischen streiten sich die Organisatoren wie die Kesselflicker: viel zu berlinzentriert sei das ganze, sagen die einen, und überhaupt hätten die Hauptstädter die inhaltliche Konzeption unter Übergehung anderer Stimmen allein auf ihre Interessen zugeschnitten. Die Berliner diskutieren derweil, ob man einen CDU-Abgeordneten, der sich im Parlament für die Belange der Initiative einsetzt, überhaupt reden lassen soll. Oder vielleicht doch besser im Mauseloch verbleibt.

 

Trotzdem der Link zum Korso am 12. Mai: www.fahrverbot-kulturgut-berlin.de

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19.04.2007 - Fundsache „Double Chevron“

Über das Forum des André-Citroën-Clubs bin ich auf eine wirklich sehr interessante Seite gestoßen: http://www.citronpaper.it/ Dort gibt es nicht nur Werbeprospekte für viele alte Citroën-Modelle - die sind zwar immer wieder schön, aber womöglich dem einen oder anderen auch schon bekannt. Auf diesen italienischen Seiten finden sich daneben auch mehrere Jahrgänge von „Double Chevron“, jener Zeitschrift, die Citroën ab 1960 zunächst für Händler und später dann auch für Kunden herausgab – zweisprachig, französisch und englisch.


Auch Deutschland kommt in diesen Texten vor: So berichtet man stolz, dass der Bayerische und der Westdeutsche Rundfunk mehrere DS-Breaks als Kamerawagen eingesetzt hätten. Reporter und Kameraleute würden den großen Komfort dieser Autos sehr schätzen – vor allem aber natürlich die hydropneumatische Federung, die schwierige Einstellungen während der Fahrt ganz einfach machten.

Und dass selbst Pornos in einem D-Modell schon fotografiert worden sind (nein, es gibt es keine pikanten Bilder zu sehen), lernen wir auch auf der Seite, die so ziemlich alles enthält, was jemals von, über oder mit alten Citroëns veröffentlicht worden ist.

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16.04.2007 - Blasphemie

Es gibt eine neue Kampagne, mit der die Firma Citroen den C6 bewirbt. Das Motiv zeigt einen schwarzen C6, der sich in einem See spiegelt: Dort ist eine schwarze DS zu erkennen.


Nicht nur ist dieses Anzeigenmotiv eindeutig blasphemisch, die Botschaft ist auch nicht wirklich neu. Schon häufiger hat Citroen sein jeweiliges Spitzenmodell mit dem Nachruhm der DS aufwerten wollen, das war auch beim XM so. Der war zwar ein tolles Auto – aber doch weit weg von der Legende der Göttin. Und auch der neue C6 mag ein nettes Fahrzeug sein. Die Anzeige kann jedenfalls auch falsch verstanden werden: Die DS wirkt eindeutig schöner. Und der C6 ist vom aktuellen Mitbewerberdesign keineswegs so weit entfernt, wie es die DS 1955 war. Und dass man nur selten einen C6 auf den Straßen zu sehen, könnte ja auch damit zusammenhängen, dass das Auto bei einem flüchtigen Blick mit einem Audi verwechselt wird.

 


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In Pallas' Showroom gibt's Informationen und Bilder zu Autos, die ich in der Vergangenheit besessen habe - hier sind die Kommentare dazu und zu allen Themen mit vier Rädern.

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