Manchmal müssen wir über die Grenzen unserer schönen, streikenden Stadt Passau hinausgehen und all unsere Forderungen und Ideen mit anderen streikenden Universitäten diskutieren. Genau das haben drei Passauer Studierende dieses Wochenende (vom 27. bis 29.11.) getan, indem sie zum International Plenum of better Education nach München gefahren sind. Dort haben sich Studierende von mehr als 40 Universitäten aus ganz Europa eingefunden um sich über ihre Erfahrungen mit dem Bildungsstreik auszutauschen.
Plenum, Fototermin, Arbeitsgruppen, Plenum, Abendprogramm, Abschlussplenum. So stand es auf der Tagesordnung. Die Umsetzung gestaltete sich allerdings ein bisschen komplizierter. Schon in dem Anfangsplenum und den Arbeitsgruppen gab es diverse Konflikte. Völlig normal, könnte man meinen, immerhin sind hier Menschen aus so unterschiedlichen Städten, Struckturen und Umfeldern aufeinander getroffen. Alles schön und gut, also, bis zu dem Abendplenum am Samstag. Eigentlich sollten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt werden. Doch schon bei der Frage, ob es eine Moderation geben soll, eskalierte die Situation. Es wurde geschrien, geflucht, gejammert. Mich würde es nicht wundern, wenn der ein oder andere sogar geweint hat. Irgendwann gaben die ausländischen Teilnehmer, die zum Teil von so weiten Entfernungen wie Barcelona angereist waren, bekannt, dass sie so nicht weiter machen würden. Das Plenum löste sich auf, eine Band fing an zu spielen.
Also alles vorbei? Ein Desaster? Ganz und gar nicht! Denn es bildete sich in einem anderen Hörsaal ein neues Plenum aus all denen die noch Kraft und Lust hatten, zu diskutieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entstand irgendwann tatsächlich eine produktive, offene und angenehme Diskussion. Dabei ging es allerdings nicht um konkrete Forderunen. Es ging um Aktionen, um Basisdemokatie, um den Überwachungsstaat, um Elitenbildung, um Sozialismus, um dies und das. Was dabei am Ende heraus gekommen ist? Eigentlich nicht viel. Zumindest nichts Materielles, kein Papier. Doch für die Menschen die dort waren, die bis um 6 Uhr morgens noch zusammen saßen, ihre Meinung artikulierten und auch andere Meinungen mit Respekt anhörten und diskutierten - diesen Menschen hat diese Nacht sogar sehr viel gebracht. Und zwar neue Einsichten, interessante Anregungen, vielleicht sogar ein paar Ideale.. Denn eines konnte man in dieser Nacht ganz deutlich spüren: Der Bildungsstreik, wie es ihn im Moment in sovielen Universitäten gibt, ist keine einfache Protestkampagne. Es ist eine Bewegung, die für viele auch über die Grenzen der Universität hinausgeht und die gesamte Gesellschaft betrifft. Vielleicht müssen wir uns ab und zu daran erinnern, das große Ganze im Blick zu behalten.
Damit aber wir, die Passauer Studierenden, in diesem großen Ganzen nicht fehlen, damit wir wahrgenommen werden, obwohl unsere Uni nicht mehr besetzt ist, müssen wir laut sein. Man muss uns hören, Deswegen erhebt eure Stimme und nehmt eines der vielen Angebote in der kommenden bundesweiten Aktionswoche wahr.