In der ganzen Welt tut sich einiges unter den Stundierenden. An der Universität Bekeley in Kalifornien wurden gestern, nach geschätzten 11 Stunden Blockade, rund 40 Stundierende unter Anwendung von Gewalt verhalftet. In was für einer Welt leben wir eigentlich? http://bildungstadtschloss.wordpress.com/2009/11/21/gewalt-gegen-studenten-heute-university-of-california-berkeley
Viele unter uns, den Passauer Studierenden, wollen keine Studiengebühren, aber eine bessere Lehre. Da stellt sich die Frage: Wo soll das Geld herkommen. Ein Lösungsansatz liegt eventuell in der Idee des Bildungsstroms: Dabei sollen durch neue Methoden der Energiewandelung Energie und damit Kosten eingespart werden. Das gesparte Geld kann wiederum in Bildung fließen. Wie diese neuen Methoden aussehen? In erster Linie stützen sie sich auf das Prinzip der Raumenergie. Raumenergie ist nach Definition "die nach der Quantenphysik im „leeren Raum“ selbst (von der Physik auch „Vakuum“ genannt) vorhandene Energie" (http://www.dvr-raumenergie.de/energy/definitons.html). http://www.unsereunibrennt.de/node/169
Solche Konzepte sind wichtig, doch was können wir Passauer Studierenden konkret machen? Wir können Druck machen! Zum Beispiel mit weiteren Demos, wie am nächsten Mittwoch in München um 14 Uhr auf dem Geschwister Scholl Platz. http://s6.directupload.net/images/091121/5gkmlvk8.jpg
Wem die Demo zu kurzfristig und/oder zu weit weg ist, möchte vielleicht stattdessen lieber der Uni Regensburg einen Besuch abstatten. Dort findet nämlich vom 11. bis zum 13. Dezember ein Alternativer Bildungsgipfel mit Workshops und Diskussionsrunden statt. http://www.bildungsstreik-bayern.de/bs_start/alternative-bildungsgipfel-in-regensburg/
Wer sich weiter darüber informieren will, was an den anderen Unis so los ist, hat hier eine Liste der Blogs und Homepages anderer streikender bayrischer Unis:
http://www.unsereunibrennt.de
http://www.bildungsstreik-bayern.de/tag/regensburg/
http://bildungsstreikcoburg.blogspot.com
http://uniaugsburgbrennt.blogspot.com
http://bildungsstreiknbg.blogsport.de
Zugegebenermaßen, es hatte schon etwas, wie sich gestern um 18 Uhr eine kleine Gruppe Passauer Studierenden auf dem dunklen Mensa-Vorplatz versammelte. Auch, wie wir im gedämpften Licht über unser weiteres Vorgehen diksutierten, war nicht ganz ohne. Doch das alles ist ja schön und gut. WIchtig ist jetzt: Was wurde dabei tatsächlich beschlossen? Zum einen wurde absgestimmt, dass die Bewegung "Bildungsstreik" keine eigenständige Hochschulgruppe, sondern ein Teil des Astas werden soll. Wieso nicht die bestehenden Gremien nutzen? So die Argumentation. Zum anderen wurden gestern Abend fünf Arbeitskreise (kurz AKs) gebildet, nämlich:
Der AK Forderungen: Hier geht es darum zu kontrollieren, ob unser Uni-Präsident Prof. Dr. Schweitzer seine Versprechen auch wirklich einlöst. All unsere Forderungen müssen außerdem hin und wieder struckturiert, ausgearbeitet oder auch ergänzt werden.
Der AK Öffentlichkeitsarbeit: Eines ist jetzt besonders wichtig: Unsere Bewegung darf nicht ins Vergessen geraten. Deshalb muss mit weiteren Aktionen der Presse, der bayrischen Landesregierung, dem Unipräsidium und auch den skeptischen Passauern ins Gedächtnis gerufen werden, dass wir, die Passauer Studierenden, weiter kämpfen. Solche Aktionen zu planen und durchzuführen, das ist die Aufgabe dieses Arbeitskreises.
Der AK Finanzen: Um unsere Vorhaben umzusetzen, stellt sich natürlich eine Frage: Woher bekommen wir Geld? Darum ist es wichtig, auch hierfür einen Arbeitskreis zu haben.
Der AK Medien: Wir müssen gesehen werden! Jeder, ob Presse, Interessierter oder Komillitone, muss die Möglichkeit haben, nachzuvollziehen, was gerade an der Passauer Uni vor sich geht. Dafür gibt es bereits Quelle: Diesen Blog, eine StudiVZ und Facebook Gruppe oder auch ein Twitter Account. Doch all das muss ausgebaut und miteinander vernetzt werden. Auch eine eigene Bildungsstreik-Plattform ist geplant.
Der AK Vernetzung: Dieser sehr wichtige Arbeitskreis sorgt dafür, dass wir mit anderen streikenden Unis in Kontakt bleiben, uns solidarisieren oder auch gemeinsame Aktionen planen. Eventuell könnten auch ein paar von uns bei der ein oder anderen Uni mal vorbei schauen.
Was es sonst noch Neues gibt? In diesem Moment fahren ein paar Passauer Studierende zu einem Treffen aller bayrischen Asten um ihre Forderungen an die Landesregierung vorzustellen und um sich Ideen und Anreize zu holen, wie es weiter gehen kann.
Wir waren produktiv, gestern Abend im Halbdunkeln. Doch vielleicht war der ein oder andere gestern verhindert und hat jetzt das Gefühl, dass es ohne ihn weiter geht. Kein Grund zur Sorge. Auch wenn in privaten Kreisen schon scherzhaft über Namen, wie die Anonymen Demokraten, oder geheime Erkennungszeichen nachgedacht wurde, sind wir noch immer eine offiene Gruppe. Diese Bewegung ist unser gutes Recht! Wer sich interessiert und mitmachen will, ist herzlich eingeladen.
Was uns der Präsident tatsächlich versprochen hat
geschrieben am
21.11.2009 um
13:43 in der Kategorie
Kommentare:
[0]
|
Schreib einen Kommentar
Stellungnahme des Präsidenten zu den Forderungen des Passauer Bildungsstreikbündnisses
2009
1. Regelstudienzeiten
Der Präsident steht einer Verlängerung der Regelstudienzeiten bei Bachelorstudiengängen offen
gegenüber und wird in den Fakultäten im Laufe des Wintersemesters 2009/2010 eine studiengangsbezogene
Überprüfung in Gang setzen. Falls Änderungen erfolgen sollen, müssen die Studiengänge
neu konzipiert werden; dieser Prozess wird mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.
2. Studienbeiträge
Der Präsident wird sich in einem Schreiben an den Wissenschaftsminister mit Abdruck an die universität
Bayern e.V. und die HRK mit Auslauf 27. November 2009 für die Erhöhung der BAföG-Sätze
und für eine Ausweitung des Stipendienwesens einsetzen. Er wird dabei darauf hinweisen, dass aus
Universitätssicht eine Abschaffung der Studienbeiträge nur möglich ist, falls diese dann durch zusätzliche
staatliche Finanzmittel in gleicher Höhe ersetzt werden.
3. Studentische Mitbestimmung
Der Präsident wird bis Ende des Wintersemesters 2009/2010 den Entwurf der Änderung der
Grundordnung erstellen lassen, mit der zwei stimmberechtigte studentische Vertreter im Senat und
Universitätsrat eingeführt werden sollen.
4. Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen
Der Präsident wird die Prüfungsausschüsse auffordern, ab sofort den Beschluss der KMK vom 15.
Oktober 2009 zur Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses der Anrechnung von Studien- und Prüfungsleistungen
zugrunde zu legen.
5. ETC5-Punkte und Workload
Der Präsident erkennt an, dass die Vergabe von ECTS-Punkten dem tatsächlichen Workload entsprechen
muss. Die Überprüfung erfolgt bereits in den laufenden Akkreditierungsverfahren, deren
Ergebnisse bei Vorliegen zügig umgesetzt werden müssen. Zusätzlich werden im Laufe des Wintersemester
2009/2010 die Studiengangsverantwortlichen aufgefordert, für die übrigen Studiengänge
den Workload zu überprüfen. Dieser Prozess wird allerdings 2 Jahre in Anspruch nehmen.
6. Anwesenheitspflicht
Der Präsident erkennt an, dass bei der Anwesenheitspflicht eine Überprüfung der gängigen Praxis
und der geltenden Regelungen erforderlich ist. Was den Vollzug betrifft, wird der Präsident die Beachtung
der geltenden Rechtslage durchsetzen, dass ohne ausdrückliche Regelung in den Prüfungs-
und Studienordnungen oder Modulkatalogen keine Anwesenheitspflicht gefordert werden
kann. Dazu wird noch im November 2009 ein Schreiben an alle Lehrpersonen ergehen. Soweit Regelungen
bestehen, werden diese von den Prüfungsausschüssen am Kriterium der Sicherung des
Studienerfolges überprüft; dieses Verfahren wird jedoch 2 Jahre in Anspruch nehmen.
7. Studentenwerk
Der Präsident tritt nachdrücklich in seinem Brief an den Wissenschaftsminister für die Sicherung der
finanziellen Leistungsfähigkeit des Studentenwerks Niederbayern-Oberpfalz ein. Das betrifft insbesondere
den staatlichen Mensazuschuss, den Wohnheimbau und die Sanierung von bestehenden
Wohnanlagen.
8. Prüfungsbelastung
Der Präsident anerkennt die Problematik der Kleinteiligkeit bei Modulprüfungen. Dazu müssen in
allen Studiengängen die entsprechenden Regelungen überprüft und dem KMK-Beschluss vom 15.
Oktober 2009 angepasst werden. Der Präsident wird darauf drängen, dass der durch das Hochschulgesetz
gewährte weite Spielraum bei der freiwilligen Wiederholbarkeit von Prüfungen ausgeschÖpft
wird. Dieser Prozess wird allerdings mindestens 2 Jahre in Anspruch nehmen, weil damit
eine Änderung der Studien- und Prüfungsordnungen verbunden ist.
Für die anstehenden Überprüfungen und Änderungen der Studien- und Prüfungsordnungen wird für
2 Jahre zusätzlich ein Jurist/eine Juristin eingestellt.
Die Studierendenvertretung erhält eine Abschrift des Briefes an den Wissenschaftsminister und Abdrucke
der Schreiben, die innerhalb der Universität an die Verantwortlichen ergehen. Der Brief an
den Wissenschaftsminister kann öffentlich gemacht werden. Der Präsident wird Ende Januar 2010
eine Sitzung mit der Universitätsleitung, den Dekanen, den Studiendekanen, den Studiengangsverantwortlichen
und der Studierendenvertretung ansetzen, bei der der Stand und die weitere Umsetzung
der aufgeführten Maßnahmen im Einzelnen behandelt wird.
Passau, den 18. November 2009
Prof. Dr. Walter Schweitzer
Präsident der Universität Passau
Wie geht es jetzt weiter? Das ist im Moment wohl die am häufigsten gestellte Frage in der Passauer Universität. Von Studenten, von Professoren, von Interessierten, sogar von der Presse.
Wie geht es jetzt weiter? Das ist die Frage, mit der wir uns heute um 18 Uhr vor der Mensa beschäftigen wollen. Denn eines ist klar: Es muss weiter gehen!
Auf den großen Dankes-Plakaten, die über Nacht überall in der Uni aufgetaucht sind, steht es schwarz auf gelb geschrieben: Erfolg auf ganzer Linie. Klar wir haben eine Menge Forderungen an die Uni-Leitung durchgesetzt, aber einige der Kommentatoren dieses Blogs, haben es auf den Punkt gebracht: Es gibt noch immer Studiengebühren. Das Bologna Modell ist noch immer auf 5 Jahre beschränkt. Es ist noch immer schwer sich an einer anderen Uni erbrachte Leistungen anerkennen zu lassen. Und vieles mehr. All das liegt noch vor uns.
Doch der ein oder andere hat es vielleicht am Dienstag im Audimax bemerkt. Klar, antwortete der Universitäts-Präsident zu manchen unseren Forderungen, findet er auch gut. Liegt nur leider nicht in seiner Macht. Deshalb müssen wir uns an höhere Stellen richten, wie zum Beispiel die Landesregierung. Wie das genau aussehen wird, werden wir heute Abend besprechen. Wer bereit ist sich weiter zu engagieren, ist herzlich eingeladen vorbei zu schauen. Ideen scheint es ja genug zu geben: Vernetzungen mit anderen Unis, Delegationen nach Regensburg oder München, eine Konterparty in Leipzig, Demos, Aktionen, Diskussionen, Presse…
Es gibt viele Möglichkeiten. Wichtig ist jetzt diese auch zu nutzten. Deshalb hoffen wir auf eine erfolgreiche Planung heute Abend. Denn eines steht fest: Wir, die Passauer Studierenden, haben noch immer genug Motivation und Kraft um weiter zu kämpfen! Ich halte euch auf dem Laufenden.
Kaum einem wird wohl entgangen sein, dass hier in Passau (und wohl auch in sehr vielen andere Universitätsstädten) noch immer von morgens bis abends über (Hochschul-) Politik diskutiert wird. Bologna, BAföG, Studiengebühren, Reformen, Leistungsdruck - das alles sind Wörter die im Moment sehr oft genannt werden.
Doch wir, die Passauer Studierenden, mussten auch das ein oder andere Mal merken, wo wir an unsere Grenzen stoßen. Es drehte es sich gestern im Audimax lange um die BAföG Regelungen. Dabei kamen einige Fragen auf: Was genau sind denn die Kriterien um ein möglichst hohes BAföG zu bekommen? Dürfen die eigenen Eltern sich weigern, ihrem Kind Geld zu geben? Und hat man in dem Fall ein Recht auf BAföG? All solche Fragen häufen sich. Wen es jetzt reizt, herauszufinden, was es denn nun mit diesem BAföG auf sich hat, kann sich unter www.das-neue-bafoeg.de schlauer machen.
Nicht nur hier in Passau, in ganz Europa, fordern die Studierenden unter anderem eines: Die Reform der Reform! Die Rede ist hier nicht von Hartz IV (auch wenn es sicher ein paar Studierende gibt, die den Bildungsstreik nutzen um ein paar allgemeinen Forderungen Luft zu machen), sondern von der Bologna Reform. Auch da gibt es viele offene Fragen. Allen voran: Was genau schreibt diese Reform eigentlich vor? Alle die sich für dieses Thema interessieren, haben heute hier, an der Passauer Universität, die Möglichkeit mehr zu erfahren. Um 19 Uhr gibt es im Audimax eine Vorlesung zum Thema Bologna-Prozess. Also wenn ihr Interesse habt, kommt vorbei. Denn wir können nur über etwas diskutieren, von dem wir auch wirklich Ahnung haben. Und dikutieren weden wir noch genug.
Hochschulpolitik? Wie funktioniert das eigentlich?
geschrieben am
18.11.2009 um
19:31 in der Kategorie
Kommentare:
[8]
|
Schreib einen Kommentar
Unser vorläufiger Sieg ist jetzt schon ein paar Stunden her. Doch die Diskussionen laufen immer noch. Und das ist auch gut so. Raum für Diskussionen, Aktionen und alles was den Bildungsstreik voran bringt, gibt es weiterhin in den Arbeitsgruppen. Ihr wollt wissen wann, wie und wo sich diese Arbeitsgruppen treffen? Ihr habt noch immer Ideen, Motivation und Begeisterung? Ihr wollt, dass der Bildungsstreik weiter geht? Dann seid ihr alle herzlich eingeladen, euch am Samstag um 18 Uhr vor der Mensa an der weiteren Planung zu beteiligen. Denn eines ist klar: Für uns, die Passauer Studierenden ist der Streik noch lange nicht vorbei! Jetzt, da wir einige Zusagen von der Universitätsleitung haben, muss überprüft werden, ob unser Universitäts-Präsident wirklich hält was er versprochen hat. Und vor allem: Jetzt liegt es an uns bayrischen Studenten die Landesregierung dazu aufzufordern, ihren Teil zu einer besseren Bildung beizutragen.
Klar, auch der Konvent und der Asta werden an unseren Forderungen arbeiten. Doch was ist das eigentlich? Der Konvent und der Asta? Der Konvent ist das Studierendenparlament. Den Asta nennt man auch Sprecher/Innen-Rat. Ganz schön verwirrend, oder? Höchste Zeit also ein wenig nach zu forschen. Wie Hochschulpolitik funktioniert, was es für Gremien an der Uni gibt und wie viel Mitsprache wir wirklich haben – all das findet ihr auf den Seiten des Konvents (http://www.students.uni-passau.de/95.html), des Astas (http://www.students.uni-passau.de/asta.html) und des Studentischen Senators (http://www.students.uni-passau.de/197.html), der ja hoffentlich bald einen 2.Senator zur Seite hat. Es lohnt sich vorbei zu schauen.
Das so viele Passauer Studierende in den letzten Tagen aktiv mitgestreikt und mitdiskutiert haben, zeigt Interesse. Ein Grund zur Freude! Und ein Grund endlich eine Möglichkeit zu schaffen, sich möglichst unkompliziert auf dem neuesten Stand zu bringen, was in der Hochschulpolitik gerade so los ist. Auch dafür soll dieser Blog dienen. Denn wie wir es alle in den letzten zwei Tagen hautnah erleben konnten: Hochschulpolitik kann wirklich ziemlich spannend sein.
Hier an der Passauer Universität hat sich gerade einiges getan. Gerade noch in eine hitzige Diskussion über unsere Forderungen an die bayrische Landesregierung vertieft, traf, wie vereinbart, der Universitäts-Präsident ein. Tatsächlich wurden unsere Erwartungen sogar übertroffen. Der Präsident lieferte uns einen konkreten Zeitplan und versprach auf all unsere Forderungen einzugehen. Klar, das ein oder andere wird ein wenig dauern (vor allem zwei Jahre scheint eine beliebte Frist des Präsidenten zu sein). Doch sehen wir es mal so: Gestern erst sind wir aufgestanden und haben in einem atemberaubenden Akt das Audimax besetzt. Gestern erst haben wir den Forderungskatalog vorgelegt. Heute, 24 Stunden später, haben wir, schwarz auf weiß, konkrete Versprechungen vor uns liegen. Damit haben wir unser vorläufiges Ziel erreicht und werden bis 15 Uhr das Audimax räumen.
Das war's dann also? Das Ganze soll hier und jetzt zu ende sein? Ganz und gar nicht! Wir, die Passauer Studierenden, haben etwas Unglaubliches geleistet! Wir haben einen Prozess ins Rollen gebracht, den hier in Passau kaum einer für möglich gehalten hat. Deshalb wird es weiter gehen! Einmal motiviert, werden wir weiter kämpfen. Deshalb werden die Arbeitskreise weiter bestehen. Deshalb wird überprüft werden, ob und wo unsere Forderungen umgesetzt werden. Deshalb kann sich weiterhin jeder einbringen. Wir können stolz auf uns sein. Denn wir haben etwas bewegt! Wer hätte das gedacht?
Hier sitzen wir nun, nach langen nächtlichen Diskussionen, ein paar wenigen Stunden Schlaf und einem morgendlichen Kaffee. Unsere Kraft reicht noch!
Immerhin konnten wir einen Prof überreden seine Vorlesung ausfallen zu lassen, so dass wir produktiv weiter arbeiten können. Und das tun wir. In Arbeitskreisen besprechen wir in diesem Moment das weitere Vorgehen. Das Programm steht (mit einigen vagen Punkten). Die Leute kommen auch alle wieder.
Kurz: Es gibt Hoffnung, dass wir, die Passauer Studierenden, wirklich etwas verändern können! (Auch wenn vereinzelte andere schon versuchten unsere Plakate abzureißen.) Wir hoffen auf einen erfolgreichen Tag.
8:00 Frühstück und Open Mic
10:00 Zusammenfassung von gestern / Was haben wir erreicht
10:30 Infobeitrag/ Vortrag : Entscheidungsfindung an unserer Uni
11:00 Diskussion über Forderungen an den bayrischen Landtag
12:00 Mittagspause
13:00 Liveschaltung München / Wien
Und wir streiken immernoch! Eine kleine Szene aus dem besetzen Audimax: Die Studierenden-Menge wird gefragt, ob wir die Besetzung hier und jetzt beenden wollen. Ein, zwei Leute heben zögerlich die Hand. Dann kommt die Gegenprobe: Wollen wir die Besetzung weiterlaufen lassen? Die Menge johlt. Das Ergebnis der Abstimmung ist eindeutig: Die Besetzung geht weiter!
Nachdem zwei Bands, die heute im Proli spielen, sich bereit erklärt haben, das Audimax mit rockiger Live-Musik kräftig einzuheizen, ist hier noch immer viel los. Der harte Kern wird hier übernachten. Morgen wird dann hoffentlich wieder die ganze Menge auf der Matte stehen. Mit so etwas hat keiner gerechtet. Die Medien bezeichnen es als einmalig in Passau. Und das stimmt!
Aber hey! Wir, die Passauer Studierenden, sind sogar produktiv. Nach einer hitzigen Diskussion über eine Umstellung des Bachelor/Master - System, entstehen gerade Arbeitskreise. Nicht, dass so ein bisschen Chaos nicht auch ganz lustig sein kann. Doch langsam beginnt das alles eine Form anzunehmen.
Was auch immer morgen hier beschlossen wird.. Ob überhaupt etwas beschlossen wird.. Wie auch immer. Die Motivation ist da! Wir sind da! Und das ist doch das Wichtigste, oder? Passau brennt! Und seien wir mal ehrlich. Passau rockt auch ganz schön!
Passau brennt! Ihr glaubt, das sei grenzenlos übertrieben? Klar ist es das. Aber immerhin: Hier ist wirklich was los (leider klingt "in Passau ist was los" nicht so gut). Denn morgen um 12 Uhr startet eine Demo von uns, den Passauer Studierenden.
In den Hörsälen kann man es jetzt schon seit einiger Zeit murren hören. Was ist bloß aus der Idee der Uni als Ort zum selbstständigem Lernen geworden? So fragen die einen. Wieso hat man denn trotz Bachelor Probleme sich Leistungen, die an einer anderen Uni erbracht wurden, anerkennen zu lassen? So die anderen. Manchen fehlt dank Studiengebühren das Geld. Anderen dank Bologna die Zeit. Fakt ist, dass immer mehr Studierende merken, dass an deutschen Hochschulen gerade nicht alles paletti ist.
Und jetzt ist es soweit. Endlich stehen wir (wieder) auf. Endlich gehen wir auf die Stasse. Gegen Studiengebühren! Für mehr Demokratie an der Hochschule! Für ein freiheitlicheres Studium! Für soziale Gerechtigkeit! Überhaupt für die Gerechtigkeit! Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde. Vielleicht werden es 100 sein, vielleicht 500, vielleicht auch 1000. Im Moment kursieren viele unterschiedliche Prophezeiungen. In ein paar Stunden werden wir es mit eigenen Augen sehen. Mehr noch wir werden mitmachen. Vielleicht dreht die Gruppe eine kleine Runde und trennt sich dann wieder. Vielleicht entstehen endlose Diskussionen. Vielleicht kommt es zu einer Besetzung. Vielleicht erreichen wir etwas. Vielleicht wird es ein Desaster. Morgen kann alles passieren - oder eben nichts. Es liegt an uns, an den Passauer Studierenden! Es liegt daran, ob wir die Kraft und die Motivation dazu haben, wirklich etwas zu ändern. Ich kann sie schon hören, all die Passauer SkeptikerInnen: Hast du vergessen, wo wir leben? Nein, liebe SkeptikerInnen, ich weiß, dass es sich in Passau als sehr schwer erweisen kann, etwas zu bewegen. Doch morgen ist alles möglich. Sogar in Passau!
Wir haben die Erwartungen nicht nur erfüllt - wir haben sie übertroffen! Entgegen aller skeptischen Stimmen haben sich mehr als 1000 Studierende an der heutigen Bildungsstreik-Demo beteiligt. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!" oder "Bildung für alle - und zwar sofort!" So konnte man es durch die Passauer Straßen schallen hören. Die Stimmung war hervorragend und so überraschte es kaum einen, dass die ganze Sache nicht mit der Demo zu Ende war. Im Gegenteil! Sie läuft immer noch. Ein Forderungskatalog wurde bereits der Uni Leitung übergeben. Denn ja, wir haben konkrete Forderungen: Verlängerung der Bachelor-Studienzeit, sozialere Ausgestaltung der Studiengebühren (auch wenn eine komplette Abschaffung natürlich das eigentliche Ziel ist), mehr studentische Mitbestimmung, Abschaffung der Anwesenheitspflicht usw ... um nur einige zu nennen.
Auch der Präsident Prof. Dr. Walter Schweitzer hat sich schon blicken lassen. Er bezeichnete sich selbst als "Alt-68er" und verkündetet sein Verständnis für die Proteste. Diese seien unser gutes Recht. Da hat er Recht! Auch versprach er einige Forderungen zumindest einmal zur Sprache zu bringen. Das ist immerhin ein Anfang. Ob das uns Studierenden reicht? Darüber gibt es geteilte Meinungen. Manche fordern einen Vertrag zur Versicherung, dass sich tatsächlich etwas ändert. Andere wollen einen genauen Zeitplan. Wieder andere Vertrauen auf ein altes Sprichwort: Ein Mann ein Wort. Fakt ist, dass hier einiges in Bewegung ist im Passauer Audimax. 20 Uhr ist der vorläufige Endpunkt der Besetzung, doch es ist nicht auszuschließen, dass es danach noch weiter geht. Passau brennt! Einige haben im Vornherein nicht daran geglaubt - jetzt machen sie große Augen! Verpflegung, Musik - alles ist hier. Bald gibt es sogar eine Liveband. Heute ist alles möglich! Wir halten euch auf dem Laufenden.
Twittert uns @streik_passau
ENTWURF: Forderungen der Passauer Studierenden an die Universitätsleitung anlässlich des bundesweiten Bildungsstreiks im Herbst 2009.
1. Berufsqualifizierung des Bachelors verbessern – Regelstudienzeit anpassen
Die Universitätsleitung wird aufgefordert, auf die Verantwortlichen der jeweiligen Studiengänge einzuwirken, die Regelstudienzeit der Bachelorstudiengänge auf 8 Semester zu verlängern. Der Modellversuch beim B.A. European Studies ist hierbei bereits ein Schritt in die richtige Richtung.
Durch die Einbindung von Praktika und Auslandssemestern als eigenständiges Semester in die Regelstudienzeit kann die derzeit mangelhafte Berufsqualifizierung des Bachelors verbessert werden. Damit einhergehend würde die Masterstudienzeit von vier auf zwei Semester reduziert und somit der Zulauf zu Masterstudiengängen reduziert, da viele Studierende nach vier Jahren Studium eher befähigt sind eine ihrer Qualifizierung entsprechende Arbeit aufzunehmen und nicht erst nach dem Masterabschluss.
Dadurch könnte ein grundlegendes Ziel der Bologna-Reformen, die Berufsqualifizierung mit Einführung des Bachelors zu verbessern, erreicht werden.
2. Studiengebühren sozialer ausgestalten – finanzielle Belastungen berücksichtigen
Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert bei der Erhebung der Studiengebühren soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Dazu müssen sozial bedürftige Studierende von der Zahlungspflicht befreit oder zumindest teilweise befreit werden. Hierbei muss ein BaföG-Bescheid als Befreiungs- bzw. Senkungstatbestand gelten. Nur so kann für die wirklich finanziell Benachteiligten an der Universität eine erhebliche Entlastung erreicht und ein sozial gerechteres Bildungssystem gestaltet werden.
3. Studentische Mitbestimmung ausbauen – Universitäre Demokratie stärken
Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert sich mit Nachdruck im Universitätsrat dafür einzusetzen einen zweiten stimmberechtigten Studentischen Senator in der Grundordnung der Universität einzuführen. Nur durch eine auch personell stärkere Einbindung der Studierenden in universitäre Entscheidungsprozesse kann der Wille der größten Gruppe an der Universität auch angemessener repräsentiert und artikuliert werden.
4. Mobilität erleichtern – Anerkennung von Studienleistungen verbessern
Die Universitätsleitung wird nachdrücklich dazu aufgefordert sich bei den jeweils Verantwortlichen der Studiengänge für die deutlich erleichterte Anerkennung von bereits an anderen Hochschulen erbrachten Leistungen und Leistungsnachweise aus Auslandssemestern einzusetzen. Diese Maßnahmen würden einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Mobilität der Studierenden leisten – ein zentrales Ziel der Bologna-Reformen könnte so durch entschiedenes Handeln der Universitätsleitung erreicht werden.
5. Arbeitsbelastung der angebotenen Veranstaltungen realistischer einschätzen – ECTS-Punkte-Vergabe entsprechend anpassen
Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert auf die jeweils Verantwortlichen der Studiengänge einzuwirken mit dem Ziel den „Workload“ der entsprechenden Veranstaltungen realistischer einzuschätzen. Derzeit spiegelt die Vergabe von ECTS-Punkten für Veranstaltungen viel zu selten den tatsächlichen Arbeitsaufwand einer Veranstaltung wider. Für eine Vorlesung mit 2 SWS und sehr begrenztem Arbeits- und Lernaufwand werden meist genauso viel ECTS-Punkte vergeben wie für eine Vorlesung mit 6 SWS (inkl. Übung und Tutorium) und deutlich höherem Arbeits- und Lernaufwand. Entsprechendes gilt für Proseminare, die in der Regel mit deutlich höherem Arbeitsaufwand im Selbststudium verbunden sind als eine typische Vorlesung. Dadurch wird die Vergleichbarkeit der einzelnen Leistungen nahezu unmöglich gemacht und ein gerechtes Leistungsbewertungssystem verhindert.
Daher fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, die Vergabe von ECTS-Punkten dem tatsächlichen Lern- und Arbeitsaufwand anzupassen.
6. Selbststudium fördern – Anwesenheitspflichten abschaffen
Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert, auf die entsprechenden Verantwortlichen der Lehrveranstaltungen dahingehend einzuwirken, dass Anwesenheitspflichten abgeschafft werden. Eine Anwesenheitspflicht steht der Idee eines selbstbestimmten Studiums und Lernens fundamental entgegen, da mündigen Menschen vorgeschrieben wird, was sie für die Erreichung ihres Lernziels zu tun haben. Eine Verbesserung der Lehrqualität ist nicht durch Anwesenheitspflicht zu erreichen, da ein durch Zwangsmaßnahmen gefüllter Hörsaal nicht für eine gute Lehre spricht. Wenn das Bestehen einer Prüfung von der Anwesenheit in der Lehrveranstaltung abhängig gemacht wird, kann nicht mehr von einem selbstbestimmten Lernen gesprochen werden, zu dem selbstverständlich auch die freie Entscheidung über die gewählten Lernmethoden gehören muss.
7. Soziale Hilfen für Studierende ermöglichen – Studentenwerke endlich besser stellen – staatliche Zuschüsse erhöhen
Die Universitätsleitung wird aufgefordert, sich mit Nachdruck bei der bayerischen Staatsregierung gegen den fortgesetzten Rückzug des Freistaates aus der Finanzierung der Studentenwerke einzusetzen!
Die Studentenwerke schaffen durch ihr Angebot in den Bereichen preisgünstiges Wohnen, Mensabetrieb und Kulturelles elementare Voraussetzungen für ein sozialverträgliches und vielfältiges Studium. Nichtsdestotrotz sind die Staatszuschüsse für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz zwischen 1996 und 2008 um rund 62 % (2,5 Mio. €) zurückgegangen, sodass die Studierenden durch ihren eigenen Studentenbeitrag mittlerweile einen fast doppelt so hohen Beitrag zur Finanzierung des Studentenwerks leisten wie der Freistaat! Nur bei einer deutlichen finanziellen Trendwende kann das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz gerade finanzschwächeren jungen Menschen weiterhin existenzielle Leistungen für ein erfolgreiches Studium zu vertretbaren Preisen anbieten.
Dieser Forderungskatalog wird durch die Unterzeichnung von folgenden Studierenden und Gruppierungen der Universität unterstützt:
-
Prüfungsdruck senken- praktikable Lösungen erarbeiten
An der Universität Passau existieren momentan 11 Bachelorstudiengänge Bei derzeit drei dieser Studiengänge gehen alle Noten in die Bachelorendnote ein, bei mehr als der Hälfte der Studiengänge sind es über 80%. Dies bedeutet für die Studierenden zweierlei: zum einen wird die Studieneingangsphase kaum oder gar nicht berücksichtigt – gerade in dieser Zeit jedoch tendieren die meisten Studierenden zu schlechteren Noten, da sie sich erst an die Arbeits – und Lernweise des Studiums gewöhnen müssen. Zum Anderen wird die Einstufung der ersten Noten zu Studienleistungen – Leistungen, die nicht in die Bachelornote eingehen – dazu, dass alle anderen Leistungen stärker gewichtet werden und somit auch einen größeren Einfluss auf die Endnote haben. Hier stehen wir somit vor einem Teufelskreis: Versucht man den Studierenden entgegen zu kommen und den Anfang des Studiums zu erleichtern, erschwert man die spätere Studienphase.
Dieses Problem wird nun dadurch verschärft, dass neun dieser elf Studiengänge eine freiwillige Prüfungswiederholung explizit ausschließen. Das bedeutet für die Studierenden, dass schlechte Noten nicht verbessert werden können, ein Problem, das virulent wird, wenn man bedenkt dass Studierende teilweise sechs bis sieben Klausuren in den letzten drei Wochen des Semesters absolvieren müssen. Bei einer derartigen Dichte von Klausuren können schlechte Noten jedoch nicht vermieden werden, da die Studierenden beim Lernen Mut zur Lücke beweisen müssen. Somit ergibt sich für Studierende, die während der Klausur bemerken, dass sie keine gute Note erreichen können, nur eine Möglichkeit: Freiwilliges Durchfallen. Jedoch ist es Studierenden meist nur zweimal möglich, eine Prüfungsleistung zu wiederholen, wobei beim zweiten Versuch eine Sonderregelung vorliegt und gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Das Problem liegt also wie folgt vor: Bemerkt der Student während der Prüfung, dass er keine gute Note erreichen kann, findet er sich entweder mit einer vier oder drei ab – die anschließend jedoch unveränderlich im Diploma Supplement erscheinen und die Bachelornote beeinflussen - oder aber er entscheidet sich zu einem freiwilligen Durchfallen, was jedoch im Extremfall – einem zweiten Durchfallen im darauf folgenden Semester – zur Exmatrikulation führen kann.
Diese Probleme ließen sich einfach lösen: Eine freiwillige Prüfungswiederholung muss gestattet werden, so dass der Studierende seine Leistungen selbst bestimmt verbessern kann. Hierbei muss jedoch auch die Seite der Dozierenden berücksichtigt werden, denn durch die Einführung des Bachelor und Master hat sich der Korrekturaufwand der wissenschaftlichen Angestellten erhöht, die Anzahl der Dozierenden jedoch kaum. Ein Problem, das ganz klar gegen eine freiwillige Prüfungswiederholung spricht. Es muss also eine Lösung gefunden werden, die sowohl den Interessen der Dozierenden als auch denen der Studierenden entspricht. Mehrere Möglichkeiten bieten sich an, die in einer Diskussion abzuwägen sind, um allen Beteiligten gerecht zu werden.
Wir fordern daher die Universitätsleitung dazu auf, in einer gemeinsamen Diskussion mit den Studierenden Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.
{ Vorherige Seite
} { Seite 2 von 2 } { Nächste Seite
}