Nur noch einmal schlafen...
geschrieben am 17.11.2009 um 17:31 in der Kategorie
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Passau brennt! Ihr glaubt, das sei grenzenlos übertrieben? Klar ist es das. Aber immerhin: Hier ist wirklich was los (leider klingt "in Passau ist was los" nicht so gut). Denn morgen um 12 Uhr startet eine Demo von uns, den Passauer Studierenden.

In den Hörsälen kann man es jetzt schon seit einiger Zeit murren hören. Was ist bloß aus der Idee der Uni als Ort zum selbstständigem Lernen geworden? So fragen die einen. Wieso hat man denn trotz Bachelor Probleme sich Leistungen, die an einer anderen Uni erbracht wurden, anerkennen zu lassen? So die anderen. Manchen fehlt dank Studiengebühren das Geld. Anderen dank Bologna die Zeit. Fakt ist, dass immer mehr Studierende merken, dass an deutschen Hochschulen gerade nicht alles paletti ist.

Und jetzt ist es soweit. Endlich stehen wir (wieder) auf. Endlich gehen wir auf die Stasse. Gegen Studiengebühren! Für mehr Demokratie an der Hochschule! Für ein freiheitlicheres Studium! Für soziale Gerechtigkeit! Überhaupt für die Gerechtigkeit! Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde. Vielleicht werden es 100 sein, vielleicht 500, vielleicht auch 1000. Im Moment kursieren viele unterschiedliche Prophezeiungen. In ein paar Stunden werden wir es mit eigenen Augen sehen. Mehr noch wir werden mitmachen. Vielleicht dreht die Gruppe eine kleine Runde und trennt sich dann wieder. Vielleicht entstehen endlose Diskussionen. Vielleicht kommt es zu einer Besetzung. Vielleicht erreichen wir etwas. Vielleicht wird es ein Desaster. Morgen kann alles passieren - oder eben nichts. Es liegt an uns, an den Passauer Studierenden! Es liegt daran, ob wir die Kraft und die Motivation dazu haben, wirklich etwas zu ändern. Ich kann sie schon hören, all die Passauer SkeptikerInnen: Hast du vergessen, wo wir leben? Nein, liebe SkeptikerInnen, ich weiß, dass es sich in Passau als sehr schwer erweisen kann, etwas zu bewegen. Doch morgen ist alles möglich. Sogar in Passau!



Audimax Passau besetzt!
geschrieben am 17.11.2009 um 17:16 in der Kategorie
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 Wir haben die Erwartungen nicht nur erfüllt - wir haben sie übertroffen! Entgegen aller skeptischen Stimmen haben sich mehr als 1000 Studierende an der heutigen Bildungsstreik-Demo beteiligt. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!" oder "Bildung für alle - und zwar sofort!" So konnte man es durch die Passauer Straßen schallen hören. Die Stimmung war hervorragend und so überraschte es kaum einen, dass die ganze Sache nicht mit der Demo zu Ende war. Im Gegenteil! Sie läuft immer noch. Ein Forderungskatalog wurde bereits der Uni Leitung übergeben. Denn ja, wir haben konkrete Forderungen: Verlängerung der Bachelor-Studienzeit, sozialere Ausgestaltung der Studiengebühren (auch wenn eine komplette Abschaffung natürlich das eigentliche Ziel ist), mehr studentische Mitbestimmung, Abschaffung der Anwesenheitspflicht usw ... um nur einige zu nennen.

Auch der Präsident Prof. Dr. Walter Schweitzer hat sich schon blicken lassen. Er bezeichnete sich selbst als "Alt-68er"  und verkündetet sein Verständnis für die Proteste. Diese seien unser gutes Recht. Da hat er Recht! Auch versprach er einige Forderungen zumindest einmal zur Sprache zu bringen. Das ist immerhin ein Anfang. Ob das uns Studierenden reicht? Darüber gibt es geteilte Meinungen. Manche fordern einen Vertrag zur Versicherung, dass sich tatsächlich etwas ändert. Andere wollen einen genauen Zeitplan. Wieder andere Vertrauen auf ein altes Sprichwort: Ein Mann ein Wort. Fakt ist, dass hier einiges in Bewegung ist im Passauer Audimax. 20 Uhr ist der vorläufige Endpunkt der Besetzung, doch es ist nicht auszuschließen, dass es danach noch weiter geht. Passau brennt! Einige haben im Vornherein nicht daran geglaubt - jetzt machen sie große Augen! Verpflegung, Musik - alles ist hier. Bald gibt es sogar eine Liveband. Heute ist alles möglich! Wir halten euch auf dem Laufenden. 

Twittert uns @streik_passau



Forderungskatalog
geschrieben am 17.11.2009 um 17:14 in der Kategorie
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ENTWURF: Forderungen der Passauer Studierenden an die Universitätsleitung anlässlich des bundesweiten Bildungsstreiks im Herbst 2009.

 

1. Berufsqualifizierung des Bachelors verbessern – Regelstudienzeit anpassen

Die Universitätsleitung wird aufgefordert, auf die Verantwortlichen der jeweiligen Studiengänge einzuwirken, die Regelstudienzeit der Bachelorstudiengänge auf 8 Semester zu verlängern. Der Modellversuch beim B.A. European Studies ist hierbei bereits ein Schritt in die richtige Richtung.

Durch die Einbindung von Praktika und Auslandssemestern als eigenständiges Semester in die Regelstudienzeit kann die derzeit mangelhafte Berufsqualifizierung des Bachelors verbessert werden. Damit einhergehend würde die Masterstudienzeit von vier auf zwei Semester reduziert und somit der Zulauf zu Masterstudiengängen reduziert, da viele Studierende nach vier Jahren Studium eher befähigt sind eine ihrer Qualifizierung entsprechende Arbeit aufzunehmen und nicht erst nach dem Masterabschluss.

Dadurch könnte ein grundlegendes Ziel der Bologna-Reformen, die Berufsqualifizierung mit Einführung des Bachelors zu verbessern, erreicht werden.

 

2. Studiengebühren sozialer ausgestalten – finanzielle Belastungen berücksichtigen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert bei der Erhebung der Studiengebühren soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Dazu müssen sozial bedürftige Studierende von der Zahlungspflicht befreit oder zumindest teilweise befreit werden. Hierbei muss ein BaföG-Bescheid als Befreiungs- bzw. Senkungstatbestand gelten. Nur so kann für die wirklich finanziell Benachteiligten an der Universität eine erhebliche Entlastung erreicht und ein sozial gerechteres Bildungssystem gestaltet werden.

 

3. Studentische Mitbestimmung ausbauen – Universitäre Demokratie stärken

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert sich mit Nachdruck im Universitätsrat dafür einzusetzen einen zweiten stimmberechtigten Studentischen Senator in der Grundordnung der Universität einzuführen. Nur durch eine auch personell stärkere Einbindung der Studierenden in universitäre Entscheidungsprozesse kann der Wille der größten Gruppe an der Universität auch angemessener repräsentiert und artikuliert werden.

 

4. Mobilität erleichtern – Anerkennung von Studienleistungen verbessern

Die Universitätsleitung wird nachdrücklich dazu aufgefordert sich bei den jeweils Verantwortlichen der Studiengänge für die deutlich erleichterte Anerkennung von bereits an anderen Hochschulen erbrachten Leistungen und Leistungsnachweise aus Auslandssemestern einzusetzen. Diese Maßnahmen würden einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Mobilität der Studierenden leisten – ein zentrales Ziel der Bologna-Reformen könnte so durch entschiedenes Handeln der Universitätsleitung erreicht werden.

 

5. Arbeitsbelastung der angebotenen Veranstaltungen realistischer einschätzen – ECTS-Punkte-Vergabe entsprechend anpassen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert auf die jeweils Verantwortlichen der Studiengänge einzuwirken mit dem Ziel den „Workload“ der entsprechenden Veranstaltungen realistischer einzuschätzen. Derzeit spiegelt die Vergabe von ECTS-Punkten für Veranstaltungen viel zu selten den tatsächlichen Arbeitsaufwand einer Veranstaltung wider. Für eine Vorlesung mit 2 SWS und sehr begrenztem Arbeits- und Lernaufwand werden meist genauso viel ECTS-Punkte vergeben wie für eine Vorlesung mit 6 SWS (inkl. Übung und Tutorium) und deutlich höherem Arbeits- und Lernaufwand. Entsprechendes gilt für Proseminare, die in der Regel mit deutlich höherem Arbeitsaufwand im Selbststudium verbunden sind als eine typische Vorlesung. Dadurch wird die Vergleichbarkeit der einzelnen Leistungen nahezu unmöglich gemacht und ein gerechtes Leistungsbewertungssystem verhindert.

Daher fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, die Vergabe von ECTS-Punkten dem tatsächlichen Lern- und Arbeitsaufwand anzupassen.

 

6. Selbststudium fördern – Anwesenheitspflichten abschaffen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert, auf die entsprechenden Verantwortlichen der Lehrveranstaltungen dahingehend einzuwirken, dass Anwesenheitspflichten abgeschafft werden. Eine Anwesenheitspflicht steht der Idee eines selbstbestimmten Studiums und Lernens fundamental entgegen, da mündigen Menschen vorgeschrieben wird, was sie für die Erreichung ihres Lernziels zu tun haben. Eine Verbesserung der Lehrqualität ist nicht durch Anwesenheitspflicht zu erreichen, da ein durch Zwangsmaßnahmen gefüllter Hörsaal nicht für eine gute Lehre spricht. Wenn das Bestehen einer Prüfung von der Anwesenheit in der Lehrveranstaltung abhängig gemacht wird, kann nicht mehr von einem selbstbestimmten Lernen gesprochen werden, zu dem selbstverständlich auch die freie Entscheidung über die gewählten Lernmethoden gehören muss.

 

7. Soziale Hilfen für Studierende ermöglichen – Studentenwerke endlich besser stellen – staatliche Zuschüsse erhöhen

Die Universitätsleitung wird aufgefordert, sich mit Nachdruck bei der bayerischen Staatsregierung gegen den fortgesetzten Rückzug des Freistaates aus der Finanzierung der Studentenwerke einzusetzen!

Die Studentenwerke schaffen durch ihr Angebot in den Bereichen preisgünstiges Wohnen, Mensabetrieb und Kulturelles elementare Voraussetzungen für ein sozialverträgliches und vielfältiges Studium. Nichtsdestotrotz sind die Staatszuschüsse für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz zwischen 1996 und 2008 um rund 62 % (2,5 Mio. €) zurückgegangen, sodass die Studierenden durch ihren eigenen Studentenbeitrag mittlerweile einen fast doppelt so hohen Beitrag zur Finanzierung des Studentenwerks leisten wie der Freistaat! Nur bei einer deutlichen finanziellen Trendwende kann das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz gerade finanzschwächeren jungen Menschen weiterhin existenzielle Leistungen für ein erfolgreiches Studium zu vertretbaren Preisen anbieten.

 

Dieser Forderungskatalog wird durch die Unterzeichnung von folgenden Studierenden und Gruppierungen der Universität unterstützt:

  1. Prüfungsdruck senken- praktikable Lösungen erarbeiten

An der Universität Passau existieren momentan 11 Bachelorstudiengänge1 Bei derzeit drei dieser Studiengänge gehen alle Noten in die Bachelorendnote ein, bei mehr als der Hälfte der Studiengänge sind es über 80%.2 Dies bedeutet für die Studierenden zweierlei: zum einen wird die Studieneingangsphase kaum oder gar nicht berücksichtigt – gerade in dieser Zeit jedoch tendieren die meisten Studierenden zu schlechteren Noten, da sie sich erst an die Arbeits – und Lernweise des Studiums gewöhnen müssen. Zum Anderen wird die Einstufung der ersten Noten zu Studienleistungen – Leistungen, die nicht in die Bachelornote eingehen – dazu, dass alle anderen Leistungen stärker gewichtet werden und somit auch einen größeren Einfluss auf die Endnote haben. Hier stehen wir somit vor einem Teufelskreis: Versucht man den Studierenden entgegen zu kommen und den Anfang des Studiums zu erleichtern, erschwert man die spätere Studienphase.

Dieses Problem wird nun dadurch verschärft, dass neun dieser elf Studiengänge eine freiwillige Prüfungswiederholung explizit ausschließen. Das bedeutet für die Studierenden, dass schlechte Noten nicht verbessert werden können, ein Problem, das virulent wird, wenn man bedenkt dass Studierende teilweise sechs bis sieben Klausuren in den letzten drei Wochen des Semesters absolvieren müssen. Bei einer derartigen Dichte von Klausuren können schlechte Noten jedoch nicht vermieden werden, da die Studierenden beim Lernen Mut zur Lücke beweisen müssen. Somit ergibt sich für Studierende, die während der Klausur bemerken, dass sie keine gute Note erreichen können, nur eine Möglichkeit: Freiwilliges Durchfallen. Jedoch ist es Studierenden meist nur zweimal möglich, eine Prüfungsleistung zu wiederholen, wobei beim zweiten Versuch eine Sonderregelung vorliegt und gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Das Problem liegt also wie folgt vor: Bemerkt der Student während der Prüfung, dass er keine gute Note erreichen kann, findet er sich entweder mit einer vier oder drei ab – die anschließend jedoch unveränderlich im Diploma Supplement erscheinen und die Bachelornote beeinflussen - oder aber er entscheidet sich zu einem freiwilligen Durchfallen, was jedoch im Extremfall – einem zweiten Durchfallen im darauf folgenden Semester – zur Exmatrikulation führen kann.

Diese Probleme ließen sich einfach lösen: Eine freiwillige Prüfungswiederholung muss gestattet werden, so dass der Studierende seine Leistungen selbst bestimmt verbessern kann. Hierbei muss jedoch auch die Seite der Dozierenden berücksichtigt werden, denn durch die Einführung des Bachelor und Master hat sich der Korrekturaufwand der wissenschaftlichen Angestellten erhöht, die Anzahl der Dozierenden jedoch kaum. Ein Problem, das ganz klar gegen eine freiwillige Prüfungswiederholung spricht. Es muss also eine Lösung gefunden werden, die sowohl den Interessen der Dozierenden als auch denen der Studierenden entspricht. Mehrere Möglichkeiten bieten sich an, die in einer Diskussion abzuwägen sind, um allen Beteiligten gerecht zu werden.

Wir fordern daher die Universitätsleitung dazu auf, in einer gemeinsamen Diskussion mit den Studierenden Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

1Bachelor Wirtschaftsinformatik, Bachelor Business Administration, Bachelor of Education Realschule

2Bachelor Wirtschaftsinformatik, Bachelor Business Administration, Bachelor of Education Realschule, Bachelor Informatik, Bachelor Internet Computing, Bachelor Governance & Public Policy









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