... ohne ein Lebenszeichen.
"Lass uns später oder die Tage reden."
"Klingel mich an. Ich ruf dich auch zurück."
Es hat nicht geklingelt. Nicht einmal.
Es kam kein Danke und kein Bitte.
Kein "Leb wohl." Kein "Du bist Schuld."
Doch die Tage dauern an...
Woran liegt es?
Hat die Technik entgültig versagt?
Können die Menschen im ganzen Land telefonieren - nur wir beide nicht?
Können sie alle eMails verschicken - nur dir steht kein PC zur Verfügung?
Können sie alle Briefe schreiben - nur du hast weder Stift noch Papier?
Du hast meine Adresse und meine Telefonnummer.
Ich gab beides deinem Mann.
Es war der Tag, an dem ich ihn fragte, ob auch alles angekommen sei. Es sei alles da, sagte er - doch kein Danke, nicht ein Wort mehr.
Als wir Leon zum Geburtstag besuchten, stellten wir fest; ich sehe den Sohn meiner Freunde öfter als meine eigenen Nichten.
Welch Schock. Wie traurig. Welch Unverständnis.
Nicht bei mir, denn mir war es längst bewusst.
Ich zwinge mich jeden Tag, nicht an sie zu denken - um nicht jeden Tag diesen Stich zu spüren.
Doch ich fiebere dem Tag entgegen, an dem ich endlich ihre Bilder aufhängen kann - nur um sie in meiner Nähe zu haben.
Voll Stolz erzähle ich von ihnen, wann immer Gelegenheit ist - dabei weiß ich gar nichts Neues.
Es ist alt. Es war mal.
Bald kann ich von dem Sohn meiner Freunde erzählen, denn ich weiß von ihm. Und es ist sicher nicht das selbe.
Ich hoffe, es geht ihnen gut. Gut genug, um mich nicht zu vermissen.
Ich denke, es geht dir gut. Gut genug, um eine Freundin nicht zu brauchen.
