"Laut schluchzend und völlig hilflos ließ ich mich schließlich in einen schmalen, fensterlosen, von einer Neonröhre grell erleuchteten Raum zerren und an einen Haken in der Wand anketten. Ich war absolut sicher, dass ich meinem Mörder in die Hände gefallen war und das Verließ nicht mehr lebend verlassen würde."
Ein bewegendes Buch, das man auch leicht an einem Tag durchlesen kann.
Silvia wächst bei ihren Großeltern auf, denn der Mutter ist die Karriere wichtiger als das ungeplante Kind ohne Vater. Schnell gilt sie überall als Problemkind. Sie ist gerade 9 Jahre alt, als sie vergewaltigt wird. Mit 10 Jahren kommt sie das erste Mal in ein Heim, denn die Großeltern wie auch die Lehrer sind mit dem wilden Mädchen gänzlich überfordert. Doch Silvia arbeitet an sich und es kommt der Tag, an dem sie wieder nach Hause darf. Die guten Vorsätze halten nicht lange. Viel ältere und vor allem die falschen Freunde sind bald wichtiger als die Schule. Ein neuer Heimaufenthalt ist die Folge.
Mit 16 will Silvia alles anders machen. Sie hat einen zehn Jahre älteren Freund der mitten im Leben steht und in ihr den Wunsch nach einer Arbeit weckt. Das Mädchen hat Pläne, möchte den Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung machen. Doch als sie eine Stelle als Kindermädchen bei einem sehr wohlhabenden Paar annimmt, verändert das ihr Leben. Silvia begleitet die Familie in den Winterurlaub, wo das Paar sie zu sexuellen Handlungen zwingen will. Silvia weigert sich und fährt zurück nach Hause. Das Paar hat die Ablehnung jedoch nicht vergessen. Silvia wird entführt und verbringt 15 Monate eingesperrt in einem fensterlosen Keller. Von dem Paar wird sie aufs Schlimmste gefoltert und misshandelt. Als es ihr endlich gelingt freizukommen, ist ihr schwerer Lebensweg jedoch noch nicht beendet.
"...doch helfen musste ich mir selbst" ist keine erfundene Geschichte, sondern eine Biographie. Für Silvia war dies Buch sicherlich ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Ihre schwerste Zeit schildert sie so detailgenau, dass der Leser sich unweigerlich fragen muss: "Wie kann ein ganz normales Ehepaar so etwas einem Menschen antun?" Das Bewegenste für mich war auch der Ort des Geschehens. Krefeld, Moers und Kamp-Lintfort sind die Städte meiner Kindheit, Jugend und auch meines jetzigen Lebens. Der kleine Hinweis, dass Namen von Personen und Orten geändert wurde, ändert nichts an dem Gefühl "Sowas kann passieren, nicht irgendwo, sondern hier." Ein Buch das sich zu lesen lohnt.
Titel: "...doch helfen musste ich mir selbst"
Autorin: Silvia K.
Buch-Nr.: 088528
Erschienen: Bertelsmann Club
