10.02.2007
...doch helfen musste ich mir selbst

"Laut schluchzend und völlig hilflos ließ ich mich schließlich in einen schmalen, fensterlosen, von einer Neonröhre grell erleuchteten Raum zerren und an einen Haken in der Wand anketten. Ich war absolut sicher, dass ich meinem Mörder in die Hände gefallen war und das Verließ nicht mehr lebend verlassen würde."

Ein bewegendes Buch, das man auch leicht an einem Tag durchlesen kann.
Silvia wächst bei ihren Großeltern auf, denn der Mutter ist die Karriere wichtiger als das ungeplante Kind ohne Vater.  Schnell gilt sie überall als Problemkind. Sie ist gerade 9 Jahre alt, als sie vergewaltigt wird. Mit 10 Jahren kommt sie das erste Mal in ein Heim, denn die Großeltern wie auch die Lehrer sind mit dem wilden Mädchen gänzlich überfordert.  Doch Silvia arbeitet an sich und es kommt der Tag, an dem sie wieder nach Hause darf. Die guten Vorsätze halten nicht lange. Viel ältere und vor allem die falschen  Freunde sind bald wichtiger als die Schule. Ein neuer Heimaufenthalt ist die Folge.
Mit 16 will Silvia alles anders machen. Sie hat einen zehn Jahre älteren Freund der mitten im Leben steht und in ihr den Wunsch nach einer Arbeit weckt. Das Mädchen hat Pläne, möchte den Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung machen. Doch als sie eine Stelle als Kindermädchen bei einem sehr wohlhabenden Paar annimmt, verändert das ihr Leben. Silvia begleitet die Familie in den Winterurlaub, wo das Paar sie zu sexuellen Handlungen zwingen will. Silvia weigert sich und fährt zurück nach Hause. Das Paar hat die Ablehnung jedoch nicht vergessen. Silvia wird entführt und verbringt 15 Monate eingesperrt in einem fensterlosen Keller. Von dem Paar wird sie aufs Schlimmste gefoltert und misshandelt. Als es ihr endlich gelingt freizukommen, ist ihr schwerer Lebensweg jedoch noch nicht beendet.

"...doch helfen musste ich mir selbst" ist keine erfundene Geschichte, sondern eine Biographie. Für Silvia war dies Buch sicherlich ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Ihre schwerste Zeit schildert sie so detailgenau, dass der Leser sich unweigerlich fragen muss: "Wie kann ein ganz normales Ehepaar so etwas einem Menschen antun?" Das Bewegenste für mich war auch der Ort des Geschehens. Krefeld, Moers und Kamp-Lintfort sind die Städte meiner Kindheit, Jugend und auch meines jetzigen Lebens. Der kleine Hinweis, dass Namen von Personen und Orten geändert wurde, ändert nichts an dem Gefühl "Sowas kann passieren, nicht irgendwo, sondern hier." Ein Buch das sich zu lesen lohnt.

Titel: "...doch helfen musste ich mir selbst"
Autorin: Silvia K.
Buch-Nr.: 088528
Erschienen: Bertelsmann Club

Geschrieben von Sunnypluesch um 12:05 AM | in: Das Buch
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17.10.2006
Sklavin!

Wenn unser einer an Slaven denkt, denken wir dabei nicht an längst vergangene Jahrhunderte, an Amerika und europäische Kolonien?

Das Buch "Sklavin" ist keine Fantasigeschichte. Es spielt weder mit finsteren Mittelalter, noch im 17. Jahrhundert. "Sklavin" beschreibt die Geschichte einer jungen Frau, so alt wie wir, die heute in England lebt. Mende Nazer wurde in einem Dorf in den Sudanbergen geboren. Ihre Kindheit klingt für mich wie ein Märchen. Nackte Eingeborene mit Ritualen, die wir uns nicht erklären können. Eine behütete Kindheit voller Herzlichkeit und Wärme in einer liebenden Familie. Menschen in ihrer eigenen, einfachen Welt, die nicht einmal eine Straßenlaterne oder einen Spiegel kennen, geschweige denn Autos, technische Geräte oder gar das Internet. Glückliche Menschen - eine glückliche Kindheit für Mende.

Bis ihr Dorf von Arabern überfallen wurde. Mende war zwölf Jahre alt, als sie mit ansah, wie ihre Freunde in ihrem Dorf abgeschlachtet wurden wie Vieh. Sie selbst und viele andere Kinder aus ihrem Dorf wurden verschleppt, misshandelt und vergewaltigt. Mende wurde als Sklavin verkauft und sollte als Hausmädchen in einer arabischen Familie leben. Sie wurde eingesperrt, gedehmütigt, misshandelt. Sie durfte ihre Muttersprache nicht sprechen, bekam keinerlei Zärtlichkeiten und Zuwendungen, kaum ein nettes Wort. Sie durfte nicht spielen, nicht lachen, nicht einmal beten. Das alles geschah weit weg im Sudan, aber ende des letzten Jahrhunderts. Während die Amerikaner angebliche Waffenfabriken von bin Laden bombadierten, war Mende eingesperrt in einem Schuppen und hörte die Einschläge.

Schließlich wurde sie von ihrer 'Herrin', einer Frau, die selbst vierfache Mutter ist und dieses Mädchen schlimmer behandelte als ein Haustier, an ihre Schwester verschenkt - nach London. Und auch hier lebte Mende eingesperrt in einer Villa eines sudanesischen Diplomaten als Sklavin. Und als ihr endlich die Flucht gelang - als sie Freunde fand, welche ihr halfen und sie aufnahmen, einflussreiche Freunde in der Presse, welche ihre Geschichte international bekannt machten - lehnte die britische Regierung Mendes Asylantrag ab und wollte sie in den Sudan abschieben. In das Land, wo sie erneute Sklaverei und mit Sicherheit der Tod erwartet hätte. In das Land, wo ihre Familie (durch glückliche Umstände haben sie das Massaker im Dorf überlebt) verhaftet und belogen wurden, um Mende unter Druck zu setzen.

Mende Nazer erzählt ihre Geschichte spannend und mitfühlend. Für uns liest sie sich wie eine Fantasy-Geschichte, ein Märchen, das es nicht geben kann. Das die Geschichte wahr ist, ist umso erschreckender.

Sklavin - Mende Nazer / Damien Lewis - ISBN-13: 978-3-426-77910-1 - ISBN-10: 3-426-77910-2


Dat Bildet: Sklavin
Dat sacht Wiki: Mende Nazer
Dat Zitat: "Manchmal fühle ich mich entwurzelt und durcheinander, als wäre ich noch auf der Suche" - Mende Nazer
Dat Bibeltext: Du sollst den Knecht nicht seinem Herrn aufliefern, der von ihm zu dir geflüchtet ist. - 5. Mose 23,26
Dat Song: Freedom


Geschrieben von Sunnypluesch um 12:19 AM | in: Das Buch
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