rubys wollwahnblog

Die Farbe aus dem Paralleluniversum

{ 12:58, 27.06.2008 } { Geschrieben in Färben mit Pflanzen DYEING WITH PLANTS } { 0 Kommentare } { Link }
Dieser Bericht über mein neuestes Beutelchen steht heute mal in der Rubrik Färben. Habe die leuchtend grüne Ahornfärbung, mit der mich die Hassliebe des Selbstgemachten verbindet, zu einem Beutelchen verarbeitet. Die Farbe, die ich hier gefärbt habe, ist wirklich sehr aufdringlich, sobald die Sonne scheint. Ich habe bereits festgestellt, dass sich das quietschbunte Beutelchen am Abend, genauer, bei künstlichem Licht, in ein ziemlich schlichtes beiges Ding verwandelt.
OK, netter Effekt, dachte ich, wie interessant.
Heute dann eine Erkenntnis, die mir schon vor einigen Tagen hätte dämmern sollen: Diese Farbe ist nicht fotografierbar.
Die Vorgeschichte: An dem Tag, als ich mit roten Ahornblättern dieses scheußlich-schöne Grün gefärbt habe, hatte ich schon Probleme, die Farbe mit meinem Fotohandy darzustellen. Da mir an dem Tag jemand sein Handy zum Fotografieren zur Verfügung gestellt hat, konnte ich die Farbe annähernd wiedergeben, siehe Ahorneintrag
Heute: Ich will mein Beutelchen fotografieren. Keine Chance. Was immer ich probiere, egal welches Licht, egal welcher Weißausgleich, die Farbe ist immer Beige, ohne eine Spur von Grün. Das Beutelchen sieht für die Kamera immer so aus wie für mich in künstlichem Licht. Nicht einmal wenn ich das Beutelchen einem grünen oder einem gelben Licht aussetze, ändert sich daran was. Wie ist das möglich? Wie kommt das? Was kann man da machen? Welcher Teil des Spektrums fehlt denn da?
Bilde ich mir nur ein, dass die Wolle grün ist? Oder findet der grüne Teil in einem Paralleluniversum statt, das ich sehen kann, aber nicht mein Handy? Oder umgekehrt?

Um zu illustrieren, was ich meine, hier mal ein Foto:
Die Tennisbälle sind eigentlich neongelb, der Spiralbeutel ebenfalls sehr intensiv gelb, das Beutelchen sehr intensiv grün. Die Farbe der blauen Decke ist richtig wiedergegeben.

Hier mal ein Vergleich mit grünen Textilien:
Beide chemisch gefärbten Grüntöne sind deutlich gedämpfter wiedergegeben als wie ich sie sehe (vergleichbar mit den neongelben Tennisbällen, die hier blassgelb sind), aber sie sind immerhin eindeutig grün. Das Brennesselgelb vom Spiraltäschchen ist ein bisschen gelber geworden, aber nicht annähernd wie das Original. Das grüne Beutelchen darf sein Beige immerhin mal in langweilig-Oliv spielen lassen.
Also das lässt mir noch keine Ruhe. Was ist los mit den Naturfarben? Ich werde der Sache nachgehen!


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