rubys wollwahnblog

Anleitung für den Korgenstich in Freihandtechnik

{ 09:52, 15.05.2008 } { Geschrieben in Nadelbinden NALBINDING } { 0 Kommentare } { Link }
Anmerkung: Ich bezeichne diesen Stich als Korgen-Stich, weil die U-O-Reihenfolge "Korgen" ist. Ob es mit dem Verbindungsstich noch als Korgen durchgeht, bin ich mir nicht so sicher. Der Korgenstich als Schemazeichnung (von www.flinkhand.de)


Notation nach Hansen: UOO/UUOO F1

Man sieht, der Korgenstich ist ein Stich über drei Schlingen.
Da ich die Daumenfesselmethode nie kapiert habe, arbeite ich alle Stiche beim Nadelbinden nach solchen Schemazeichnungen. Ich lege dabei die Arbeit so vor mich, dass sie genau wie die Schemazeichnung aussieht.

In Bildern gesprochen sieht das ungefähr so aus (Bildqualität wie gewohnt nicht so toll, ich stelle bessere Bilder ein, sobald ich welche habe):


Man beachte die drei Schlingen. Dies ist die Ausgangsposition für einen neuen Korgenstich.


Ich wickle mir den Faden um den Zeigefinger und steche mit der Nadel durch die nächste Masche der darunterliegenden Reihe. Ich steche hier von hintern nach vorne, ob das korrekt "Korgen" ist, lass ich mal noch offen. Vielleicht geht ihr auf Nummer Sicher, wenn ihr von vorne nach hinten stecht.
Das mit dem Zeigefinger mache ich übrigens immer, auch wenn die Schlinge kleiner werden soll als mein Zeigefinger, es verhindert ein Verheddern der Wolle. Die Schlingengröße legt man erst im übernächsten Arbeitsschritt fest.


Nun arbeitet man die drei Schlingen nach dem Schema UOO/UUOO ab, das heißt, man geht mit der Nadel unten-oben-oben in die drei Schlingen hinein, und unten-unten-oben-oben wieder hinaus (der Arbeitsfaden ist der letzen Oben-Faden).


Jetzt den Faden ganz durchziehen. Der letzte Arbeitsschritt ist: Festziehen.
Dieser Arbeitsschritt unterscheidet die Daumenfesselmethode von der Freihandmethode, den in der Freihandtechnik habe ich hier die volle Kontrolle darüber, wie groß meine Schlinge werden soll.
Man sieht auf dem Bild, dass ich meinen Finger als Maß für die Schlingengröße genommen habe. Das ist aber kein Muss. Ich habe auch schon Nadelbreite als Maß verwendet, oder zwei Fingerbreit. Man kann auch beeinflussen, ob die obere und die untere Hälfte gleich hoch werden sollen oder nicht.
Man kann allerhand Effekte herausholen in diesem Arbeitsschritt, und von fest bis filigran und netzartig verschiedene Gewebestrukturen erzeugen.

Als Fazit, nachdem ich mehrere Mützen und Beutel im Freihand-Korgen-Stich gemacht habe:
Der Korgenstich ernöglich ein schnelles Vorankommen, er verbraucht viel Wolle und ergibt, wenn man ihn fest nadelt, ein sehr dichtes, stabiles Gewebe, das für Beutel und wasserdichte Mützen geeignet ist.
Lose gearbeitet ist er ideal, wenn es mal sehr schnell gehen muss.
Am Korgenstich ist besonders raffiniert, dass man ganz unkompliziert zwei Fäden auf einmal auf die Nadel nimmt, und trotzdem hinterher jede Schlinge mit jeder verflochten ist. Am Anfang ist das ein sehr verblüffender Effekt, und auch ein Grund für die Geschwindigkeit, mit der man arbeitet. Etwas gebremst hat mich meine Wolle, die nicht gut gegeneinander gleitet, sondern sich am liebsten sofort dahin filzt, wo man sie nicht haben will, was vor jedem Stich ein gewisses Schlingensortieren nötig gemacht hat. Und damit war ich immer noch schnell.
Mein Lieblingsstich ist der Korgenstich nicht, weil ich das Ergebnis durch die Komplexität der Verflechtungen als unruhig empfinde. Im Moment bevorzuge ich einfachere Stiche. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich meine Vorlieben da mit der Zeit noch ändere, es gibt bestimmt am Korgenstich noch einiges zu entdecken.

Wie kommt ihr mit dieser Anleitung klar?
Habt ihr Fragen, Wünsche, Korrekturen, Tips für mich? Her damit, her damit!

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