rubys rezis

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Krabat

Geschrieben am 29.10.2008 um 01:35 - 1 Kommentare - Kommentar hinterlassen - Link

Heute war ich in Krabat. Auf diesen Film habe ich mich wirklich gefreut. Ich liebe das Buch, ich glaube ich habe noch kein Buch öfter gelesen als den Krabat.
Ich war so erwartungsvoll, dass ich mir im Vorfeld auch die Trailer reingezogen habe und auf der Seite zum Film virtuelle Spaziergänge gemacht habe.
Ich hatte mich schon daran gewöhnt, dass das Setdesign sehr eigenwillig und skurril ist, aber eine eigene Bildersprache darf so ein Film ja durchaus haben, es geht hier ja nicht um historische Genauigkeit. Wenn wir glauben sollen, dass Zimmermänner früherer Zeiten zu blöd waren, um einen einzigen geraden Balken herzustellen, aber eine grobschlächtige Bruchbude andererseits wiederum mit neckischen Erkern und Balkönchen verziert haben sollen, von denen der Meister finster herunterstieren kann, na meinetwegen. Ich fands lustig. Ich mochte auf der Filmseite auch die Musik.
Ich hatte mich also auf den Film eingestimmt, so gut ich nur konnte. Ich hab ihn gesehen. Oh je.
Ich kann mich nicht erinnern, schonmal im Kino gesessen und solche starken Aggressionen gehabt zu haben. Ab der Hälfte sass ich praktisch mit zusammengebissenen Zähnen da und dachte "Wenn ich jetzt noch einmal..."
Dabei ist der Film nicht völlig schlecht. Gute Schauspieler, schöne Bilder. Starke Szenen mit den Müllerburschen, ein gut ambivalenter Meister. Und, äh, das wars glaube ich. Die Verwandlungssequenzen, und der Wetterzauber, die sind auch gut.
Aber wenn ich noch einmal eine ruhige oder dramatische Szene mit kitschiger Musik vollgedröhnt kriege - wenn ich noch einmal den Off-Erzähler hören muss, der mir erklärt, was ich da gerade sehe - wenn ich noch einmal von hanebüchenen Storywendungen malträtiert werde... wenn ich noch einmal eine stroboskopierte Kampfszene erleben muss... aaaahhh...
Das ist das Problem, man wird einfach nicht in Ruhe gucken gelassen. Zum einen sieht man einen Film. Das möchte man ja eigentlich auch. Der hat schöne Bilder, irgendwo wäre da auch eine starke Geschichte (wenn man sie rauslassen würde), und es gibt einige Änderungen im Vergleich zum Buch, mit denen ich sehr einverstanden bin, zum Beispiel, dass die Tonda-Worschula-Geschichte zu Krabats Zeiten stattfindet.
Nur hat man sich anscheinend nicht getraut, den Film für sich alleine seine Wirkung entfalten zu lassen. Nein, jede Szene muss mit Effekten verkleistert  und mit bombastischer Streichermusik vollgekitscht werden, die klingt wie eine Sparversion vom Herr der Ringe.
Hätte es zB in der Osternacht denn nicht eine einzige Kerze pro Person getan, und eine einzige Stimme pro Person, statt einem Lichtermeer in Zeiten bitterster Not, und einer grausam vollgedröhnten Modernisierung eines sehr, sehr alten Osterlieds?
Und für alle, die dann immer noch nicht mitgekriegt haben, was sie gerade auf der Leinwand sehen, redet der Off-Erzähler schlimmes Zeug. Wirklich schlimmes Zeug. So schlimm, dass man es nicht ertragen kann. Nicht nur, dass er einem nacherzählt, was sich gerade auf der Leinwand abspielt, sondern auch weil völlig überflüssige Dinge in die Szene hineinerklärt werden, die dort überhaupt nicht zu sehen sind, und die für die Geschichte auch nicht nötig sind.
Ich mag nicht vollgeonkelt werden, ich bin alt genug, um mir meinen Film selber anzusehen. Man muss mir nicht erklären, dass der Meister soeben dabei ist, rapide zu altern. Ich wäre auch alleine darauf gekommen, dass die weißen Haare und die zusätzlichen zwei Pfund Spachtelmasse und Make-up im Gesicht auf einen gewissen Verfall hindeuten. Danke.
Das Hinterhererzählen ungesehener und auch nicht sehen gewollter Dinge zieht sich ohnehin durch den ganzen Film, und das muss ich auch nicht haben. Ein Beispiel: Krabat fragt die Kantorka, wer ihr denn den Ring gebracht hätte. Sie sagt es ihm (vertretbar), und derjenige hat eine sehr schöne kleine Szene, wo er seine Fönfrisur schwingen und preisgeben kann, dass er die ganze Zeit über mehr wusste (beides klasse, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen). Damit wäre es doch gut gewesen. Aber nein, es muss noch erzält werden, was derjenige zuvor gesagt habe. Obwohl es vom Timing her keinen Sinn ergibt, und auch eine absolut überflüssige Information ist, die noch dazu nur wiederholt, was wir gerade eben gesehen haben. Und so geht das die ganze Zeit.
Und nachdem man den ganzen Film über mit einer bombastischen Effekte-, Süßstoff- und Übertreibungsflut doppelt und dreifach zugeschüttet wurde, passiert zum Schluss noch folgendes: Langsam und mit vielen Einstellungen sieht man, wie eine große Menge Mehlstaub durch die Mühle verteilt wird, die bereits brennt. Klasse, denkt man, und wartet auf den bombastischen Feuerball, der den halben Talkessel plätten wird, obwohl man schon ahnt, dass die Müllerburschen wohl nicht geröstet werden. Die Explosion wird also verzögert, und verzögert, und die Müllergesellen brauchen gefühlte hundert Jahre, bis sie auf die Idee kommen, das brennende Haus zu verlassen, und als sie sich dann endlich mal entschließen, macht es nur kurz fupp, und fünf Minuten später, als sie dann draußen sind, es aber nicht eilig haben, weiterzugehen, nochmal flapp. Das soll eine Mehlstaubexplosion sein?  Und das ist die Mühle des Bösen? Eine Nummer kleiner wäre der Untergang schwer vorstellbar.
Sogar die Bretter der Mühle scheinen durchnummeriert zu sein und schön der Reihe nach zu Boden zu fallen. Das ist hübsch und putzig und sehr wenig beeindruckend.
Noch ein kurzer Jungs-Check zum Schluss: Passt. Alle Jungs, auch die hässlichen, haben mindestens einen großartigen Moment, wo sie klasse sind und auch so aussehen. Über Lyschkos Frisur und Krabats Wanderbärtchen muss man wohl einfach weglachen.
Ich hätte mir gewünscht, den ganzen Jungs einfach viel öfter zuzusehen, was sie so machen, miteinander oder mit ihrer Arbeit. Der Film gönnt einem das immer nur in winzigen Häppchen, und die sind dann gleich wieder entsetzlich zugelabert. Man traut ihnen scheinbar nichts zu. Dabei hätten die zwölf Jungs den Film auch alleine tragen können. Das sieht man immer dann, wenn sie das mal für fünf Minuten dürfen.
Fazit: Und jetzt den ganzen Film bitte nochmal, und zwar ohne Musik und Off-Kommentar. Und von den guten Stellen bitte mehr, und zusammenhängend.

Cube

Geschrieben am 30.09.2008 um 21:34 - 0 Kommentare - Kommentar hinterlassen - Link

Gestern kam mal wieder Cube. Cube nervt. Ich gebe zu, ich habs nicht komplett gesehen, und auch nur, weil ich die Zeit bis Angel überbrücken wollte. Ich hatte schonmal erfolglos reingesehen und es damals schon nicht gemocht. Dieses Mal bin ich drangeblieben, und das sogar, als Angel schon angefangen hatte. So blöd es ja nachher umgesetzt wird, aber die komplett unwirkliche Umgebung, und die Cube-Innenräume sind tatsächlich eine faszinierende Idee. In ihrer konseqenten Lebensfeindlichkeit kommt die vage Hoffnung, jemand hätte da einen Ausweg für besonders schlaue Benutzer gelassen, ja eher als ein grausamer Scherz rüber. Und ein Film mit einem Autisten als Hauptfigur hat schonmal einen Sympathiepunkt, wenns nicht gar zu schlimm vergeigt wird, und da kann ich hier nicht meckern.
Also, wieso nervt Cube dann doch? Da gibt es viele Gründe, die ganzen an den Haaren heribeigezogenen und mit dem Holzhammer ausgetragenen Konflikte (Leute, wenn ihr auf Zuschauer mit Bedarf an echter Story abzielt, dann liefert auch eine und tut nicht nur so), die doofen Schablonencharaktere, mit denen man einfach kein Mitleid haben will, die vielen verschenkten Chancen, die vielen Andeutungen, die nie aufgelöst werden... aber am nervigtsten ist doch der Schluss.
Da nimmt sich jemand einen ganzen Film lang Zeit, um langsam und sorgfältig herauszuarbeiten, dass aus dem Kubus niemand alleine herauskommen kann und nur Teamwork der höher entwickelten Sorte (niemanden zurücklassen, auch die Schwächsten schützen, zwischendurch auch einfach mal das Maul halten) den Hauch einer Chance bringt. Nachdem dieses Prinzip uns sehr konsequent und reichlich platt ins Hirn gestanzt wurde (und ich weiß die Ironie, dass der am wenigsten teamfähige Kerl übrig bleibt, durchaus zu schätzen), was sehen wir da zum Schluss? Ätsch, verarscht, ihr Teamworker seid vielleicht mühsam zum Ausgang gekrabbelt, aber der geisteskranke Serienmörder teleportiert sich mal eben auch ohne den ganzen Stress dahin. Ja, danke, das kann ich leiden. Für einen Effekt, den man auch anders hingekriegt hätte, zum Schluss mal eben den ganzen Film in den Boden stampfen. Was soll das, die Leute, die bis zum Schluss das ganze Gequatsche durchgehalten haben, nochmal anzupissen? "Du hast dir meinen Film angeschaut? Ha, reingelegt, du musst schon sehr blöd sein."
Keine Sorge. Wird nicht wieder vorkommen.