Vom 26. Juli bis zum 22. September 2008 begibt sich eine Gruppe von aberteuerhungrigen Sowis wagemutig in Äquatornähe. Hier könnt ihr beinahe live und in Farbe miterleben, wie wir uns durch den Dschungel kämpfen, uns gegen Insekten zur Wehr setzen, uns mit den Einwohnern anfreunden, Vulkane hochkraxeln und uns durch das Großstadtgewirr schlagen...
Am Samstagabend war es nun so weit, Zeit um nach Deutschland zurückzukehren. So verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Iris, Isabel, Sebastian und den Jungs, nachdem wir schon am Tag zuvor den anderen, Frauke, Jen und Till eine angenehme Weiterreise wünschten.
Wir hoben pünktlich in Quito ab. Im Flieger ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, mir den Sex and the City Film anzugucken, übrigens mit hebräischen Untertiteln. In Atlanta hatten wir einen 10stündigen Zwischenaufenthalt, den wir nutzten, um uns kurz Downtown anzusehen. Das erste Mal in einer amerikanische Großstadt, doch kam mir schon alles aus dem Fernsehen irgendwie bekannt vor.
Am Nachmittag setzten wir unseren Flug um weitere 10 Stunden fort, um rechtzeitig in Deutschland anzukommen. In Frankfurt stiegen und ein wenig geschafft aber glücklich aus dem Flieger. Unsere Ankunft verlief ohne Komplikationen.
Da wir hier staendig von allen Leuten bequatscht werden, gut auf unsere Sachen aufzupassen, kamen wir auf die Idee das Sicherheitsgefuehl der Leute hier mit dem der Leute in Deutschland zu vergleichen. Das klingt gar nicht so aufregend...doch als wir es gestern endlich einmal anpackten, hat sich der Aufwand doch gelohnt. Es spielten sich erstaunliche Dinge ab. Wir teilten uns in zwei Grueppchen fuer zwei verschiedene Vorhaben auf. Die Maedels setzten sich ein Stuendchen in einen Park mitten in der Stadt. Genauso, dass wir die vorbeigehenden Menschen eine halbe Stunde vor und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang beobachten konnten, um zu sehen, ob die Quiteños in der Dunkelheit den Park meiden oder sich beim Passieren immer wieder besorgt umgucken. Der Park ist von allen Seiten einsehbar, nicht so wie bei uns voll mit Gruenzeug und grenzt an vielbefahrene Hauptverkehrsschlagadern. Zu unserer Zufriedenheit fiel die Beobachtung klar aus. Die erste Zeitspanne von 18 Uhr bis 18.30 verlief total normal, ein paar Leute liefen unsere Teststrecke entlang, total laessig, Frauen wie Maenner, sogar die Paerchen liessen sich eine Weile auf Baenken nieder. Die Leute guckten sich hoechsten nach uns um, den unbekannten Gringomaedels. Doch dann wie auf Knopfdruck, als die Dunkelheit nach und nach einbrach, traute sich nur noch eine Handvoll obskurer Gestalten in den Park und diese waren allesamt maennlich. Zum Hoehepunkt kam einer dieser Unheimlichen auf uns zu und fing an uns zu belabern...was wir hier so machen würden... wo unser freund sei...ob wir was rauchen wollten...Das war der Moment, wo es uns dann doch unheimlich wurde und wir ueberlegten einfach abzuhauen. Aber der Kerl verzog sich dann doch wieder zu seiner Gangsterclique. Spaeter in der Nacht zogen die Jungs los, um ihre Idee in die Tat umzusetzen. Sie verfolgten ahnungslose Menschen auf der Strasse, um zu gucken, ob diese einen Schritt zulegten oder schleunigst um die naechste Ecke bogen. Zu guter Letzt wollten sie die Leute nach dem Weg fragen. Schon nach nicht mal einer Stunde kehrten sie wieder in unser trautes Heim zurueck - mit genug Material fuer die Hausarbeit...Die Leute zeigten sich eigentlich fast immer verunsichert, ein Business-Man legte sogar einen Schlussspurt hin, als Fabian und Till zwei Schritte auf ihn zugingen. Irgendwann bekamen aber auch sie es mit der Angst zu tun, als sie ein Pick-Up voller duesterer Kerle verfolgte. Auch an dieser Stelle gab es einen Hoehepunkt, nachdem Till dann eine Pistole auf der Brust spuerte, schnappten sie sich schnell ein Taxi in Richtung rettendes Hostel. Die Pistole stammte von einem Polizisten, der wissen wollte, was die zwei eigentlich so spaet in dunklen Gassen treiben. Sie schafften es, sich trotz der fehlenden Papiere aus der Sache herauszureden, ohne gestern auswaerts uebernachten zu muessen.
Heute musste es noch einmal sein. Ein letztes Mal. Und so machten wir uns auf zum grossen Markt in der Mariscal, schliesslich kann ich die einmal getauschten Dollar nicht wieder nach Hause tragen... Hier wurde wieder auf 's Letzte gefeilscht, nun ist auch mein grosser Mitbringsel-fuer-alle-Sack gut gefuellt. Zwischen den einzelnen Staenden verstecken sich immer wieder kleine Kinder, die man fast uebersieht - ein Markt ist auch fast wie ein grosser Kinderspielplatz. Dabei begegnete uns ein kleines Maedchen in einer Kiste, ein Kistenkind. Natuerlich durfte heute auch kein Abschieds-Abstecher zu unserem persoenlichen Converse-Store gegenueber der Sprachschule fehlen. Das Personal kennt uns schon, denn gestern rasteten die Maedels wieder richtig aus und deckten sich wieder mit Schuhwerk ein. Unser Schuhturm ist im Fotoalbum zu bewundern, vielleicht sollten wir uns fuer den Titel eines Weltwunders der Moderne bewerben... *zur Beruhigung meiner Eltern, nur zwei Paar dieses Haufens gehoeren mir...
Nach zwoelf Stunden Busfahrt ueber Nacht kamen wir endlich in Cuyabeno an und wurden sogleich von allerhand aufgeregten, schoen schimmernden Schmetterlingen empfangen. Gleich nach dem Fruehstueck erklaerte uns Diego auf einem kurzen Rundgang durch einen Teil des Waldes, wie das Leben im Urwald so vor sich geht – und nahm uns so gleich ein wenig der Hoffnung, moeglichst wie im Zoo alle Tiere erspaehen zu koennen. Schliesslich macht die Evolution eine Dschungeltour zum einzigen Versteckspiel. Hier sollte man sich auf mehr als nur auf seine Augen verlassen. Und die muss man schon ueberall haben, wenn man nicht ueber die unzaehligen Wurzeln stolpern, sich nicht in einem riesigen Spinnennetz verfangen oder von den natuerlichen Bruecken, den Baumstaemmen, herunterfallen moechte. Das ist schon so ein bisschen wie in einem wahr gewordenen Computerspiel. Wegen der knallenden Sonne und der unerbittlichen Luftfeuchtigkeit legten wir uns erstmal eine zum Dschungel dazugehoerende Liquidschicht zu. Zwischendurch genehmigten sich die Mutigen einen kleinen eiweisshaltigen Ameisensnack. Voellig geschafft legten wir nach unserer Gummistiefeltour eine Verschnaufpause ein. Wir lieben einfach Ecuadors Haengemattenkultur: Da wo du dich leicht ermuedet fuehlst, steht schon laengst eine Haengematte bereit. Am Abend gingen wir auf Piranha-Jagd, doch man sollte im Wald immer auf alles gefasst sein: Hier hat noch die Natur das Sagen – und so mussten wir mit dem Boot eine Kehrtwende machen, als uns einfach ein Baum quer ueber dem Fluss im Weg lag. An einer anderen Bissstelle versuchten wir erneut unser Glueck. Was man fuer den Fang des Abends braucht, ist wie immer Geduld und eine ausgefeilte Technik. Da ruehrt man schon mal das Flusswasser durch und zieht den Fisch beim Anknabbern mit Zickzackbewegungen aus dem Wasser. Dies gelang allerdings nur dem geuebten Guide und mir, dem Glueckspilz des Abends. Spaeter liessen sich im Flussbett nur kleine Kaimane blicken. Die kann man sich sogar mit der Hand schnappen und durchs Boot reichen, bevor man sie wieder von der unsinnigen Aufregung befreit. In der Nacht mussten wir ein wenig unsere Sinne schulen, denn hier leuchteten uns nur das Kerzen- und das Mondlicht den Weg. Dabei war uns die Leuchtkraft des Vollmondes noch gar nicht so recht bewusst. (> Vollmondbild) Die kleinen Gluehwuermchen am Wegesrand machten das aus dem Wald hallende Insektenkonzert zu einer richtigen Freitagabendunterhaltung. Am naechsten Morgen gesellten sich zu uns noch andere Wegbegleiter. Diesmal waren wir auf unserer Monstertour mit einer Kettensaege besser vorbereitet. Bei einer Laufzeit von sieben Stunden bekommt man von der vielen Natur schon einen Gruenstich im Auge, da faellt es schwer, sich zu orientieren. Unsere Ortskundigen orientierten sich allein am Licht und an der Ausrichtung der Baeume. Mehr ist hier im Dschungel nicht moeglich, weil der Wald durch den Extremwuchs jeden Tag sein Gesicht veraendert. Das ist wie, wenn wir jeden Tag zum Frisoer gehen wuerden. Das groesste Highlight war der Fund einer Waldschildkroete, die wahrscheinlich einfach nicht schnell genug vor uns fluechten konnte. Den Sonntag lang konnten wir in unserem Boot einfach mal die Fuesse hochlegen und uns zur grossen Lagune fahren lassen. Auf dem Weg dorthin waren manchmal, nur fuer ein oder zwei Sekunden, rosa Flussdelfine zu sehen. Irgendwann konnten wir auch ein paar kletternde Affen in den Baeumen beobachten. Wie gesagt: Das ist nicht wie im Zoo mit Glotzgarantie, hier muss man schon mal Glueck haben. Das hatten wir „leider“ nicht auf der Anaconda-Suche zwischen den Baeumen der Lagune, die mitten im Wasser vor sich hin wachsen. Diese ganzen Raubtierchen konnten uns trotzdem nicht von einer kurzen Erfrischung in der Lagune abhalten. Vor unserer kleinen naechtlichen Erkundungstour warteten wir noch geduldig auf den Sonnenuntergang. Diese Nacht verbrachten wir in einem anderen Quartier mit denselben gewohnten Standards: Kein Strom, kein Spiegel, dafuer aber ein schuetzendes Mosquitonetz, damit sich unsere tagsueber eingefangenen Stiche nicht noch vermehrten. Natuerlich kommt man im Amazonas-Gebiet nicht ohne Regen aus. Den gab es dann am Abschiedstag reichlich. Zum Schluss besuchten wir noch eine comunidad des Waldes. Dort liessen wir uns zeigen, wie man Yuca-Wurzeln aus der Erde holt, zerreibt, zu Mehl macht und daraus ein Brot entsteht. Wiederum kaempften wir uns mit dem Bus durch die Nacht und erreichten Quito um 6:30 Uhr in der Fruehe.
...denn am vergangenen Donnerstag stellte der weibliche Part unserer kleinen Gruppe mal wieder seine Spontanitaet unter Beweis. Vom strahlenden Sonnenschein gelockt, liessen wir die Jungs zur Arbeit gehen, schnappten uns das naechstbeste Taxi hinauf zum Teleferiqo, der uns noch schneller in die Hoehe tragen sollte. Die noetige Spontanitaet zahlte sich aus, so konnten wir den laestigen Touri-Warteschlangen aus dem Weg gehen. Hoch oben am Fusse des Guagua Pichinchas genossen wir die Aussicht auf Quito, dessen Ende wir noch immer nicht erblicken konnten, da sich die Stadt einfach an die vielen Berge schmiegt und immer wieder entlang der Taeler ausufert. Ein paar langsame, bloss nicht zu schnelle Schritte weiter fanden wir uns inmitten eines Bergpanoramas wieder. Nicht nur wegen des schoenen Ausblicks sollte man sich genuegend Zeit nehmen, denn als nicht fuer die Hoehe austrainierter Flachlaender kann man in ueber 4000 Meter Hoehe ganz schoen aus der Puste kommen. Zum Glueck weisen einem genuegend Warnschilder darauf hin, sich bloss nicht zu schnell zu bewegen. Wir wagten noch ein paar Schritte, um die sonnenfreundlichste Position fuer ein wenig Bergesbraeune zu finden. Wir ruhten uns wie empfohlen einige Minuten inklusive Traumausblick aus, um, wie es sich fuer Maedels gehoert, stundenlang ueber alles Moegliche zu plaudern. Irgendwann jedoch spannten uns die Wolken immer wieder die Sonne aus, so dass wir uns nach unserer Bergtour erstmal in eines unserer Lieblingscafés zurueckzogen.

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