Vom 26. Juli bis zum 22. September 2008 begibt sich eine Gruppe von aberteuerhungrigen Sowis wagemutig in Äquatornähe. Hier könnt ihr beinahe live und in Farbe miterleben, wie wir uns durch den Dschungel kämpfen, uns gegen Insekten zur Wehr setzen, uns mit den Einwohnern anfreunden, Vulkane hochkraxeln und uns durch das Großstadtgewirr schlagen...

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Unser kleines Dschungelabenteuer

Geschrieben von Dagny am 17.09.2008 um 15:12 . 1 Kommentare. Link.

Nach zwoelf Stunden Busfahrt ueber Nacht kamen wir endlich in Cuyabeno an und wurden sogleich von allerhand aufgeregten, schoen schimmernden Schmetterlingen empfangen. Gleich nach dem Fruehstueck erklaerte uns Diego auf einem kurzen Rundgang durch einen Teil des Waldes, wie das Leben im Urwald so vor sich geht – und nahm uns so gleich ein wenig der Hoffnung, moeglichst wie im Zoo alle Tiere erspaehen zu koennen. Schliesslich macht die Evolution eine Dschungeltour zum einzigen Versteckspiel. Hier sollte man sich auf mehr als nur auf seine Augen verlassen. 

Und die muss man schon ueberall haben, wenn man nicht ueber die unzaehligen Wurzeln stolpern, sich nicht in einem riesigen Spinnennetz verfangen oder von den natuerlichen Bruecken, den Baumstaemmen, herunterfallen moechte. Das ist schon so ein bisschen wie in einem wahr gewordenen Computerspiel.

Wegen der knallenden Sonne und der unerbittlichen Luftfeuchtigkeit legten wir uns erstmal eine zum Dschungel dazugehoerende Liquidschicht zu. Zwischendurch genehmigten sich die Mutigen einen kleinen eiweisshaltigen Ameisensnack.

Voellig geschafft legten wir nach unserer Gummistiefeltour eine Verschnaufpause ein. Wir lieben einfach Ecuadors Haengemattenkultur: Da wo du dich leicht ermuedet fuehlst, steht schon laengst eine Haengematte bereit.

Am Abend gingen wir auf Piranha-Jagd, doch man sollte im Wald immer auf alles gefasst sein: Hier hat noch die Natur das Sagen – und so mussten wir mit dem Boot eine Kehrtwende machen, als uns einfach ein Baum quer ueber dem Fluss im Weg lag. An einer anderen Bissstelle versuchten wir erneut unser Glueck. Was man fuer den Fang des Abends braucht, ist wie immer Geduld und eine ausgefeilte Technik. Da ruehrt man schon mal das Flusswasser durch und zieht den Fisch beim Anknabbern mit Zickzackbewegungen aus dem Wasser. Dies gelang allerdings nur dem geuebten Guide und mir, dem Glueckspilz des Abends.

Spaeter liessen sich im Flussbett nur kleine Kaimane blicken. Die kann man sich sogar mit der Hand schnappen und durchs Boot reichen, bevor man sie wieder von der unsinnigen Aufregung befreit. In der Nacht mussten wir ein wenig unsere Sinne schulen, denn hier leuchteten uns nur das Kerzen- und das Mondlicht den Weg. Dabei war uns die Leuchtkraft des Vollmondes noch gar nicht so recht bewusst. (> Vollmondbild) Die kleinen Gluehwuermchen am Wegesrand machten das aus dem Wald hallende Insektenkonzert zu einer richtigen Freitagabendunterhaltung.

Am naechsten Morgen gesellten sich zu uns noch andere Wegbegleiter. Diesmal waren wir auf unserer Monstertour mit einer Kettensaege besser vorbereitet. Bei einer Laufzeit von sieben Stunden bekommt man von der vielen Natur schon einen Gruenstich im Auge, da faellt es schwer, sich zu orientieren. Unsere Ortskundigen orientierten sich allein am Licht und an der Ausrichtung der Baeume. Mehr ist hier im Dschungel nicht moeglich, weil der Wald durch den Extremwuchs jeden Tag sein Gesicht veraendert. Das ist wie, wenn wir jeden Tag zum Frisoer gehen wuerden. Das groesste Highlight war der Fund einer Waldschildkroete, die wahrscheinlich einfach nicht schnell genug vor uns fluechten konnte.

Den Sonntag lang konnten wir in unserem Boot einfach mal die Fuesse hochlegen und uns zur grossen Lagune fahren lassen. Auf dem Weg dorthin waren manchmal, nur fuer ein oder zwei Sekunden, rosa Flussdelfine zu sehen. Irgendwann konnten wir auch ein paar kletternde Affen in den Baeumen beobachten. Wie gesagt: Das ist nicht wie im Zoo mit Glotzgarantie, hier muss man schon mal Glueck haben. Das hatten wir „leider“ nicht auf der Anaconda-Suche zwischen den Baeumen der Lagune, die mitten im Wasser vor sich hin wachsen.

Diese ganzen Raubtierchen konnten uns trotzdem nicht von einer kurzen Erfrischung in der Lagune abhalten. Vor unserer kleinen naechtlichen Erkundungstour warteten wir noch geduldig auf den Sonnenuntergang. Diese Nacht verbrachten wir in einem anderen Quartier mit denselben gewohnten Standards: Kein Strom, kein Spiegel, dafuer aber ein schuetzendes Mosquitonetz, damit sich unsere tagsueber eingefangenen Stiche nicht noch vermehrten.

Natuerlich kommt man im Amazonas-Gebiet nicht ohne Regen aus. Den gab es dann am Abschiedstag reichlich. Zum Schluss besuchten wir noch eine comunidad des Waldes. Dort liessen wir uns zeigen, wie man Yuca-Wurzeln aus der Erde holt, zerreibt, zu Mehl macht und daraus ein Brot entsteht.

Wiederum kaempften wir uns mit dem Bus durch die Nacht und erreichten Quito um 6:30 Uhr in der Fruehe.

Kommentare

Piranha
06:12, 17.09.2008. Geschrieben von Björn
Glückwunsch zu dem Fang! ;)

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