Vom 26. Juli bis zum 22. September 2008 begibt sich eine Gruppe von aberteuerhungrigen Sowis wagemutig in Äquatornähe. Hier könnt ihr beinahe live und in Farbe miterleben, wie wir uns durch den Dschungel kämpfen, uns gegen Insekten zur Wehr setzen, uns mit den Einwohnern anfreunden, Vulkane hochkraxeln und uns durch das Großstadtgewirr schlagen...

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Baños - ein grosser Abenteuerspielplatz

Geschrieben von Dagny am 9.09.2008 um 14:01
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Baños bietet die besten Voraussetzungen fuer ein abwechslungsreiches Wochenende, um sich nach dem stressigen Alltag eines Voluntarios austoben zu koennen. Denn zu sehen gibt es hier einiges - traumhafte Berge sind fuer uns ja hier schon Standard, dazu noch der ein oder andere Wasserfall, gespickt mit der ein oder anderen Haengebruecke ueber tiefen Abgruenden und einer Ortskirche wie im Disneyland.

Nach vier Stunden Busfahrt haben wir uns noch direkt am Busbahnhof das erstbeste Hotel aufschwatzen lassen, schliesslich stimmte der Preis mit unserer Motivation stundenlang nach einem Schlafplatz zu suchen ueberein . Fuenf Minuten spaeter haben wir gleich noch eine Tour zu den Wasserfaellen und eine Nachtfahrt zum naheliegenden aktiven Vulkan Tungurahua gebucht. Alles in allem, standen die Sachen sowieso auf unserer to-do-list.

Die Wasserfaelle waren echt der Wahnsinn, einer schoener als der andere. Gleich beim sich naechstbietenden Zwischenstopp stuerzten wir uns von einer 40m hohen Bruecke, gesichert mit einer uerbergrossen Windel. Nachdem ich die Sicherheitsvorrichtung noch mal genau unter die Lupe nahm, ob auch kein Schraeubchen locker sitzt, zaehlten die Veranstalter einen auch schon an. 1-2-3 - Noch einmal tief durchatmen - und sich dann einfach nach vorne fallen lassen...2-3 Sekunden spaeter kam der erloesende Ruck, aus der Anspannung wurde langsam Entspannung - nun konnte man sich einfach im Postkarten-Panorama hin und her baumeln lassen. Das war schon echt verrueckt. Natuerlich nicht ganz ohne Muffensausen, das Kribbeln im Bauch hielt dann auch noch 'ne Weile vor. Doch nicht lang genug, wollten wir uns doch gleich fuer den naechsten Tag eine 180m hohe Bruecke vornehmen. Bei der naechsten kleinen Pause schwangen wir uns in eine Seilbahn und ueberquerten eine tiefe, tiefe Schlucht.

Zu guter Letzt durchquerten wir die Botanik, um zum Fusse des hoechsten Wasserfalls zu gelangen. Wenn wir aus Ecuador heimkehren, kommen wir mit Wahnsinns-Wanderwaden wieder. Unten angekommen stuerzten sich die verrueckten Huehner (Jen und ich) ins eisige Nass, um den Wasserfall naeher zu betrachten. Aber die Kroenung kam erst noch, total geschafft und noch nicht ganz trocken, setzten wir uns in ein vegetarisches Restaurant. Dort konnte ich die beste Spinatpizza meines Lebens geniessen.

Nur eines haette den Tag noch perfekt gemacht...das gute naechtliche Wetter, um den Tungurahua mal richtig ausrasten zu sehen, jedoch versteckte er sich hinter dichtem Nebel, so dass uns alleinig die Feuerspucker hoch ueber Baños unzureichend unterhielten.

Am naechsten Morgen checkten wir noch mal die Marktlage und entdeckten dabei einen der beruechtigten Cuy-Staende, da wurden Jen und ich doch gleich mal mit zum Vegetarier...

Nach der kleinen Enttaeuschung, dass uns doch keiner mehr ein Bungeeseil fuer die Riesenbruecke bringen wollte, konnte ich die anderen mit einiger Ueberredungskunst noch zum 'Pailon del Diablo' bewegen, zu einem weiteren Wasserfall. Im Unterschied zu den seichten Wasserfaellen des Vortags, peitscht dieser das Wasser mit einer enormen Wucht die Felsen hinunter. Hier mochte dann doch keiner mehr planschen gehen. Doch nass wurde ich trotzdem...ich nahm mir eine zwei Sekunden-Turbodusche, aber das genuegte, um mal wieder alle Klamotten zu traenken...

Nur die Therme mit ihrer Schwefelbruehe entging uns, da diese ausgerechnet in der uns noch einzigen verbleibeden Stunden geschlossen hatte... 

Eine Woche mal der Spielverderber sein

Geschrieben von Dagny am 6.09.2008 um 00:57
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Nun haben wir auch die Woche mit den Kleinen ueberstanden. Gegen Ende wurden die Kleinen immer lieber. Komischerweise waren sie heute, am Freitag, als es keine Hausaufgaben gab, am umgaenglichsten...oder haben sie geahnt, dass sie den letzten Tag mit uns verbringen?

DIe vergangen Tage hat das Wetter uns immer wieder einen Streich gespielt. Puenktlich zu unserem Dienstschluss begann es vom Himmel zu tropfen. So kamen wir am Mittwoch mit Wasser getraenkten Klamotten nach Hause, die wir hier zum Glueck gleich eine Runde in den Trockner werfen konnten. Dann am Donnerstag ging gleiche Spielchen von Vorne los, wobei wir gleich im Anschluss an die Arbeit noch einmal unser toelpeliges Tanzwissen verbessern wolten. Doch diesmal platschte der Regen gnadenlos auf uns ein, fast so ruecksichtslos wie die Autofahrer hier, die das unschuldige Fussvolk mit Pfuetzenwasser ueberschwappten.

Mit vollgesogenen Hosen trabten wir zu unserem Salsaunterricht. Diesmal war mein Tanzlehrer sogar richtig gespraechig und wollte sich ein paar essentielle Worte Deutsch von mir beibrigen lassen. In der Erwartung ihm jetzt anruechige Redewendungen uebersetzen zu muessen, zweideutige Wortspielereien zu suchen und zu finden, ueberraschte er mich, indem er sich nur nach  "Ich hasse dich" erkundigte. Freudig wiederholte er immer wieder sein neu erworbenes Wortgut...Vielleicht macht er ja gerade eine schwierige Phase durch, da koennen Einem diese deutschen Woerter schon weiterhelfen.

Unsere Jungs haben noch nicht genug von ihren heissen Tanzlehrerinnen und verlaengerten ihre Tanzstunden prompt.

Heute musste ich mal sputen, denn an unserem letzten Tag mit den Kindern, bekam ich erstmal ne Nachhilfestunde in Sachen Spanisch. In einer Seelenruhe ging ein kleines Maedchen zigmal alle Holzkarten mit mir durch. Mit aller Muehe versuchte sie ein rollendes "rr" aus mir heraus zu bekommen, leider vergebens. Da machen mir die Kleinen noch was vor. Aus einem gewuenschten Abschiedsfoto ist doch nicht so viel geworden, da sich zwei Lausbuben nicht zurueckhalten konnten uns staendig ins Bild zu springen und somit die halbe Mannschaft zu verdecken. Wir werden sie alle vermissen, die lauten wie die leisen, die lieben wie die boesen.

Mal sehen, ob uns die aelteren Herrschaften naechste Woche auch so auf Trapp halten...

Kein Tag ist wie dieser - Unser Pflichtbesuch am Aequator

Geschrieben von Dagny am 31.08.2008 um 13:56
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Ein Ausflug zum Mittelpunkt der Erde gehoert einfach zum obligatorischen Programm einer jeden Ecuador-Reise dazu. So sollte heute unsere grosse Foto-Session am Aequator starten, um das Ecuador-Erinnerungsfoto schlechthin  zu liefern. Wir haben uns auch reichlich Muehe gegeben, wie man im Fotoalbum sehen kann. Bis zur kleinen Stadt "Mitad del Mundo" ist es von Quito auch gar nicht weit, nur eine Linienbusfahrt, 1-2 mal Umsteigen inbegriffen.

Allerdings haben wir noch hier noch keinen anderen Ort gesehen, der derart von Touristen uebersaet war, obwohl es relativ wenig zu sehen gab. Eben nur ein Monument und eine aufgemalte Linie, die noch nicht mal den exakten Aequator aufweist. Denn die grossen Geowissenschaftler vor unserer Zeit haben sich schlicht weg um ein paar hundert Meter verrechnet. Da muss man sich die Show schon selber machen, indem man die verruecktesten Posen ausprobiert. Oder man kommt einfach wie wir am Sonntag und laesst sich noch von schoen anzusehenden traditionellen Taenzen unterhalten.

Nun wollten wir es aber wirklich wissen und nahmen ungefaehr einen weiteren halben Kilometer Wegstrecke auf uns, um den "einzig wahren" Aequator sehen zu koennen. Um die geheimnisvolle Stelle herum, die auch mit G.P.S. ueberpruefbar ist, baute man ein liebevoll hergerichtetes Areal, um den Touris auch wirklich zu beweisen, wo man sich gerade befindet, einerseits geschichtlich, andererseits biologisch und letztendlich auch geografisch. Auf einem kleinen Rundgang wurden uns alle Kniffe gezeigt, um uns die Magie des Ortes vorzufuehren.

Denn an dieser Stelle war Fabian gar nicht so stark und liess sich seinen "Stahlarm" ganz einfach von einer Frau wegdruecken. Ein  Wasserstrudel laeuft hier von Meter zu Meter in eine andere Richtung. Es ist auch gar nicht so einfach, selbst im nuechternen Zustand, die beruehmte Linie gerade entlang zu laufen. Ploetzlich gelingt es im Nu ein Ei auf einen Nagel zu drapieren. - Was geht hier nur vor sich?!

In den umliegenden Huetten wurde uns gezeigt, wie die Menschen hier frueher bauten, lebten und mit ihren Feinden umgingen... Auf dem Rundgang war es dann so weit, es kam der Moment, auf den ich so lange zusammen mit meiner Kamera gewartet habe... Es flog ein Kolibri vorbei, irre bunt, irre schnell und irre wendig. Gut, dass selbst Kolibris zwischendurch mal Luft holen muessen und sich kurz auf einen Baum setzen. Das war die Gelegenheit. Schoen war aber auch das Lama mit den blauen Augen, klingt komisch, ist aber so.

Durch und durch ein ganz verrueckter Tag.

 

Ein erfolgreicher Shoppingtag und die Sache mit dem Falschgeld...

Geschrieben von Dagny am 31.08.2008 um 13:11
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Nach einer kurzen, dafuer aber sehr intensiven Partynacht verschoben wir einen Teil unseres Schlafbedarfs auf die Busfahrt nach Otavalo. Otavalo ist bekannt fuer den groessten Indígenamarkt Suedamerikas - hier konnten wir uns auf unserer Schnaeppchenjagd mit allen Ecuador-Standardandenkenklamotten eindecken. So ein Indígenamarkt ist etwas Besonderes, denn in welchem Kaufhaus strahlen einen schon so viele bunte Farben gleichzeitig an, wo hat man schon so viel Auswahl zwischen den einzelnen Modellen und wo kann man noch selbst ein Woertchen beim Preis mitreden. Wer hier nicht runterhandelt, ist selber schuld...

Hier habe ich mich erstmal ordentlich mit Mitbringseln ausgestattet, damit ich fuer ein Wiedersehen mit meinen Lieben gewappnet bin. Am Ende trug ich alles in einem grossen Sack davon, obwohl noch nicht mal Weihnachten vor der Tuer steht. Jen hat fuer noch groessere Shoppingtouren aufgeruestet und sich eine riesige, quietschbunte Tasche zugelegt. Auch Frauke hat jetzt noch mehr Taschen...

Und dann das... Nachdem ich mal wieder an einem Stand kraeftig zugeschlagen hatte, sprach mich drei Verkaufsstaende weiter die Verkaeuferin von vorher an - und hielt meinen 20 Dollarschein in der Hand, mit dem ich gerade bei ihr bezahlte - der sei wohl nicht echt. Huiuiui, ich hatte bis jetzt noch nie Falschgeld in der Hand. An das Gute im Menschen glaubend - vom Eindruck geleitet, die will mir doch nichts Boeses, tauschte ich den Schein nochmal um und gab ihr meinen Echten...Nun mussten wir nur noch einen Dummen finden, dem wir den falschen Schein wieder andrehen konnten. Ein paar Minuten spaeter sah ich aber auch ein, dass  meine Menschenkenntnis doch etwas Nachholbedarf hat. Denn mein Schein habe ich selbststaendig am Geldautomaten gezogen. Und das waere ja ein Unding, wenn die Bank hier Falschgeld ausspucken wuerde.

Drei Strassen weiter versuchten wir einfach den Schein wieder an den Mann zu bringen, im ersten Moment sah das auch echt gut aus. Zwar beaeugte der Verkaeufer den Schein wie immer gruendlich (das macht man hier selbst bei fuenf Dollarnoten), liess uns aber ein paar Meter weiterziehen. Dummerweise war ein Teil von uns immernoch am Gucken und Anprobieren, so dass wir einfach zu langsam waren und ploetzlich eine ganze Horde, Gross und Klein vor uns stand. Jen verteidigte sich und diskutierte tapfer. Bis wir uns einfach aus dem Staub machten und den naechsten Bus nahmen, nicht die feine englische Art, aber als Tourist hat man hier beim Diskutieren einfach noch die besseren Chancen. Wer weiss, welche ahnungslose Person den Schein nun bei sich traegt.

Nach unserem heutigen kleinen Nervenkitzel nahmen wir den mit Menschen vollgestopften Bus zu einem im Eukalyptus-Wald gelegenen Wasserfall. Durch unseren verfruehten Einkaufs-Hieper konnten wir bis zur ausgiebigen Schnaeppchenjagd keinen Zwischenstopp mehr aushalten und so mussten wir alles Neu-Erworbene mit uns herumschleppen.  Ein Gang durch den Eukalyptus-Wald war ganz schoen. Vor allen Dingen roch es dort ganz gut, nur Koalabaeren haben wir nicht finden koennen ;) Dafuer hoert man hier selbst in den hintersten und dunkelsten Hoehlen deutsche Stimmen. Sie sind ueberall. 

Uiuiui, so ein aufregender Tag heute...

Geschrieben von Dagny am 29.08.2008 um 13:06
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Heute fing der Tag mal wieder mit schoenem Wetter an, nur leider ohne Linienbusse, da sich die Busfahrer kurzerhand lieber noch einmal in ihrem Bett umdrehten und einfach laenger zu Hause blieben... Dafuer zeigte sich der Cotopaxi nochmals von seiner schoensten Seite, wenn auch nur wieder eine halbe Stunde lang.

Nachdem sich heute in unserem Unterricht alles nur um den Imperativ drehte, goennten wir uns verdienterweise eine Auszeit im Kaufhaus gegenueber. Nicht ganz ohne Folgen... Jen und ich rasteten wieder richtig aus und trugen je vier neue T-Shirts fuer wenig Geld davon.

Unser neues Wandgemaelde wird von Tag zu Tag schoener, morgen soll es vollendet werden. Denn kein Bild kommt ohne eine ordentlich strahlende Sonne aus. Die Computer vor Ort werden liebevoll von Till und Fabian aufgepaeppelt, damit die Kleinen auch wissen, wer eigentlich "Karl die Klammer" ist.

Und weil es so schoen war, legten wir nach der Arbeit noch mal einen drauf und guckten uns nochmal im naechstbesten Kaufhaus um... Nach den Huttagen und den Schuhtagen folgte heute der T-Shirttag, auch aus diesem Laden sollten wir nicht mit leeren Haenden gehen. Absoluter Rekord: ich habe mir noch nie sechs! T-Shirts an einem Tag gekauft...In die Unterwaescheabteilung haben wir es aber noch nicht geschafft, die haben wir uns fuer morgen vorgenommen :P

Noch voll in Extase stiegen wir in unseren Kleinbus, der uns in der Dunkelheit durch Quito kutschieren sollte. Leider fing es sofort zu Beginn unserer Tour zu regnen an : / Wir mussten aber nicht weinen, nur abwarten - denn waehrend wir uns mit Abendessen die Zeit vertrieben - hoerte es wieder brav auf zu regnen. So konnten wir doch noch den Blick ueber das schier unendliche Lichtermeer Quitos geniessen. Da faellt anderen Staedten das Mithalten schwer. Im Fotoalbum sind ein paar Puzzleteile des grossen Ganzen zu finden...

Wo liegt überhaupt Ecuador?!


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