Vom 26. Juli bis zum 22. September 2008 begibt sich eine Gruppe von aberteuerhungrigen Sowis wagemutig in Äquatornähe. Hier könnt ihr beinahe live und in Farbe miterleben, wie wir uns durch den Dschungel kämpfen, uns gegen Insekten zur Wehr setzen, uns mit den Einwohnern anfreunden, Vulkane hochkraxeln und uns durch das Großstadtgewirr schlagen...

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Da koennen uns die Ecuadorianer noch was vormachen...

Geschrieben von Dagny am 11.09.2008 um 14:34 . 0 Kommentare. Link.

Da dachten wir in Sachen Fussballbegeisterung koennte uns spaetestens seit der WM 2006 keiner mehr so schnell was vormachen...aber wenn hier Ecuador "nur" mal gegen Uruguay auflaeuft, geht hier absolut gar nichts mehr. Public Viewing ist hier bei jedem noch so unbedeutenden Spiel Standard. In der Mariscal waren alle Lokalitaeten proppevoll. Das gelbleuchtende Mannschaftstrikot obligatorisch. Florian musste sogar auf seine geliebten Salsastunden verzichten, da er in der Tanzsschule nur auf eine fussballguckende Meute traf, weit und breit keine Tanzlehrerin. Man sollte sich also merken, dass Termine an Fussballspieltagen hinfaellig werden koennten. Die Partie selbst war ein sang- und klangloses Hin- und Hergebolze. Sie endete mit dem dazu passenden Ergebnis von 0:0, aber auf das kleine Volksfest im Anschluss konnte trotzdem nicht verzichtet werden. Schliesslich ist Uruguay zur Zeit Gruppenerster und somit der haerteste Brocken. Da wird man es hier wohl noch oefter mal gelb leuchten sehen.

Inmitten eines Lichtermeeres in Dunkelheit gefangen...

Geschrieben von Dagny am 9.09.2008 um 14:31 . 0 Kommentare. Link.

Der Montag ging eigentlich genau so aufregend weiter wie das Wochenende. Denn in der Mittagspause erklommen wir die Turmspitze der Basilika in Quito, um den wohl thrilligsten Blick ueber Quito geniessen zu koennen. Der Nervenkitzel beim Hinaufklettern hat sich gelohnt...siehe Fotoalbum. Europaeische Sicherheits-Standards sind schon anders...

Am Abend wollte uns Iris gar nicht mehr ins Haus lassen, das lag aber nur daran, dass sie die Klingel nicht hoeren konnte, da die Elektrizitaet ausblieb. Da hat wohl jemand vergessen den Strom zu bezahlen... So tasteten wir uns den restlichen Abend im Kerzenschein durch 's Haus und fluechteten kurzerhand zum Inder.

Abschliessend noch ein paar Worte zu der Arbeit mit den aelteren Herrschaften...wie bisher  macht uns die Arbeit in der Fundacion viel Spass. Noch immer koennen wir unsere unentdeckten Talente ausprobieren. Gestern tauschten wir in einer Bastelstunde mit den abuelitos Ideen aus. Und heute animiertern wir sie ein wenig bei der Tanzstunde. Von einem Bein auf das andere zu taenzeln kann ja so anstrengend sein...Nun habe ich jedefalls keine grosse Angst mehr vor den hohen Tagen, die koennen dann nochmal mal ganz heiter werden.

Baños - ein grosser Abenteuerspielplatz

Geschrieben von Dagny am 9.09.2008 um 14:01
in Quito. 0 Kommentare. Link.

Baños bietet die besten Voraussetzungen fuer ein abwechslungsreiches Wochenende, um sich nach dem stressigen Alltag eines Voluntarios austoben zu koennen. Denn zu sehen gibt es hier einiges - traumhafte Berge sind fuer uns ja hier schon Standard, dazu noch der ein oder andere Wasserfall, gespickt mit der ein oder anderen Haengebruecke ueber tiefen Abgruenden und einer Ortskirche wie im Disneyland.

Nach vier Stunden Busfahrt haben wir uns noch direkt am Busbahnhof das erstbeste Hotel aufschwatzen lassen, schliesslich stimmte der Preis mit unserer Motivation stundenlang nach einem Schlafplatz zu suchen ueberein . Fuenf Minuten spaeter haben wir gleich noch eine Tour zu den Wasserfaellen und eine Nachtfahrt zum naheliegenden aktiven Vulkan Tungurahua gebucht. Alles in allem, standen die Sachen sowieso auf unserer to-do-list.

Die Wasserfaelle waren echt der Wahnsinn, einer schoener als der andere. Gleich beim sich naechstbietenden Zwischenstopp stuerzten wir uns von einer 40m hohen Bruecke, gesichert mit einer uerbergrossen Windel. Nachdem ich die Sicherheitsvorrichtung noch mal genau unter die Lupe nahm, ob auch kein Schraeubchen locker sitzt, zaehlten die Veranstalter einen auch schon an. 1-2-3 - Noch einmal tief durchatmen - und sich dann einfach nach vorne fallen lassen...2-3 Sekunden spaeter kam der erloesende Ruck, aus der Anspannung wurde langsam Entspannung - nun konnte man sich einfach im Postkarten-Panorama hin und her baumeln lassen. Das war schon echt verrueckt. Natuerlich nicht ganz ohne Muffensausen, das Kribbeln im Bauch hielt dann auch noch 'ne Weile vor. Doch nicht lang genug, wollten wir uns doch gleich fuer den naechsten Tag eine 180m hohe Bruecke vornehmen. Bei der naechsten kleinen Pause schwangen wir uns in eine Seilbahn und ueberquerten eine tiefe, tiefe Schlucht.

Zu guter Letzt durchquerten wir die Botanik, um zum Fusse des hoechsten Wasserfalls zu gelangen. Wenn wir aus Ecuador heimkehren, kommen wir mit Wahnsinns-Wanderwaden wieder. Unten angekommen stuerzten sich die verrueckten Huehner (Jen und ich) ins eisige Nass, um den Wasserfall naeher zu betrachten. Aber die Kroenung kam erst noch, total geschafft und noch nicht ganz trocken, setzten wir uns in ein vegetarisches Restaurant. Dort konnte ich die beste Spinatpizza meines Lebens geniessen.

Nur eines haette den Tag noch perfekt gemacht...das gute naechtliche Wetter, um den Tungurahua mal richtig ausrasten zu sehen, jedoch versteckte er sich hinter dichtem Nebel, so dass uns alleinig die Feuerspucker hoch ueber Baños unzureichend unterhielten.

Am naechsten Morgen checkten wir noch mal die Marktlage und entdeckten dabei einen der beruechtigten Cuy-Staende, da wurden Jen und ich doch gleich mal mit zum Vegetarier...

Nach der kleinen Enttaeuschung, dass uns doch keiner mehr ein Bungeeseil fuer die Riesenbruecke bringen wollte, konnte ich die anderen mit einiger Ueberredungskunst noch zum 'Pailon del Diablo' bewegen, zu einem weiteren Wasserfall. Im Unterschied zu den seichten Wasserfaellen des Vortags, peitscht dieser das Wasser mit einer enormen Wucht die Felsen hinunter. Hier mochte dann doch keiner mehr planschen gehen. Doch nass wurde ich trotzdem...ich nahm mir eine zwei Sekunden-Turbodusche, aber das genuegte, um mal wieder alle Klamotten zu traenken...

Nur die Therme mit ihrer Schwefelbruehe entging uns, da diese ausgerechnet in der uns noch einzigen verbleibeden Stunden geschlossen hatte... 

Eine Woche mal der Spielverderber sein

Geschrieben von Dagny am 6.09.2008 um 00:57
in Quito. 0 Kommentare. Link.

Nun haben wir auch die Woche mit den Kleinen ueberstanden. Gegen Ende wurden die Kleinen immer lieber. Komischerweise waren sie heute, am Freitag, als es keine Hausaufgaben gab, am umgaenglichsten...oder haben sie geahnt, dass sie den letzten Tag mit uns verbringen?

DIe vergangen Tage hat das Wetter uns immer wieder einen Streich gespielt. Puenktlich zu unserem Dienstschluss begann es vom Himmel zu tropfen. So kamen wir am Mittwoch mit Wasser getraenkten Klamotten nach Hause, die wir hier zum Glueck gleich eine Runde in den Trockner werfen konnten. Dann am Donnerstag ging gleiche Spielchen von Vorne los, wobei wir gleich im Anschluss an die Arbeit noch einmal unser toelpeliges Tanzwissen verbessern wolten. Doch diesmal platschte der Regen gnadenlos auf uns ein, fast so ruecksichtslos wie die Autofahrer hier, die das unschuldige Fussvolk mit Pfuetzenwasser ueberschwappten.

Mit vollgesogenen Hosen trabten wir zu unserem Salsaunterricht. Diesmal war mein Tanzlehrer sogar richtig gespraechig und wollte sich ein paar essentielle Worte Deutsch von mir beibrigen lassen. In der Erwartung ihm jetzt anruechige Redewendungen uebersetzen zu muessen, zweideutige Wortspielereien zu suchen und zu finden, ueberraschte er mich, indem er sich nur nach  "Ich hasse dich" erkundigte. Freudig wiederholte er immer wieder sein neu erworbenes Wortgut...Vielleicht macht er ja gerade eine schwierige Phase durch, da koennen Einem diese deutschen Woerter schon weiterhelfen.

Unsere Jungs haben noch nicht genug von ihren heissen Tanzlehrerinnen und verlaengerten ihre Tanzstunden prompt.

Heute musste ich mal sputen, denn an unserem letzten Tag mit den Kindern, bekam ich erstmal ne Nachhilfestunde in Sachen Spanisch. In einer Seelenruhe ging ein kleines Maedchen zigmal alle Holzkarten mit mir durch. Mit aller Muehe versuchte sie ein rollendes "rr" aus mir heraus zu bekommen, leider vergebens. Da machen mir die Kleinen noch was vor. Aus einem gewuenschten Abschiedsfoto ist doch nicht so viel geworden, da sich zwei Lausbuben nicht zurueckhalten konnten uns staendig ins Bild zu springen und somit die halbe Mannschaft zu verdecken. Wir werden sie alle vermissen, die lauten wie die leisen, die lieben wie die boesen.

Mal sehen, ob uns die aelteren Herrschaften naechste Woche auch so auf Trapp halten...

Die kleinen Satansbraten

Geschrieben von Dagny am 2.09.2008 um 14:10 . 0 Kommentare. Link.

Gestern waren die Kleinen endlich aus ihren Ferien zurueck. Zeit sich wieder auf den Ernst des Lebens zu konzentrieren...auf die Hausaufgaben. Wir helfen ja auch dabei, keine Frage, aber wenn in der Zeit Spielzeuge die Kleinen locken, gehen einem nach einigen Minuten schon die Argumente aus. Aber wir werden unsere Mission als Spielverderber in Zukunft noch ernster nehmen.

Das Lieblingsspiel der Kleinen ist: Wir verkriechen uns in unserer Hoehle (kleine Kammer), schreien laut rum und schicken ein Kind zum Lichtausschalten. Und ich dachte immer, Kinder haetten Angst im Dunkeln...diese nicht, anscheinend war ich doch ein verweichlichtes Kind.

Beruehrungsaengste haben die Kleinen keine, man soll umarmen oder wird umarmt, man wird als Sitzflaeche umfunktioniert, manchmal sogar als Kletterbaum missbraucht , man soll sie permanent durch die Luft zotteln und wehe man versteckt sich nicht ordentlich. Man sollte auch aufpassen, was man den Kleinen eigentlich erzaehlt. Als ich gestern irgendwas Falsches sagte, wurde ich prompt in einen Nebenraum abgefuehrt, es wurden Zeugen geladen, ein kleiner Gerichtshof simuliert. Sie bauten sich alle einen Hochstuhl, um mir tief in meine Augen gucken zu koennen und dann fing auch schon die Anhoerung an. Sie haben sogar die Tuer abgeschlossen, um die Oeffentlichkeit aus der Sache raus zu halten. Nach allerlei Rechtfertigungen und Rumgestotter wurde ich von der anderen erloest, denn es war Dienstschluss.

Zum Feierabend liessen wir lieber uns im Raum rumwirbeln und gingen zu unserer Salsastunde. Danach waren alle muede und geschafft, die Maedels hatten natuerlich alle einen Drehrumbum.

So nun muss ich mir fuer morgen noch mal die Imperative angucken, um die Kleinen besser herumzukommandieren - denn sonst wird man nur von den Kleinen von A nach B gescheucht...

 

 

 

Wo liegt überhaupt Ecuador?!


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