Vom 26. Juli bis zum 22. September 2008 begibt sich eine Gruppe von aberteuerhungrigen Sowis wagemutig in Äquatornähe. Hier könnt ihr beinahe live und in Farbe miterleben, wie wir uns durch den Dschungel kämpfen, uns gegen Insekten zur Wehr setzen, uns mit den Einwohnern anfreunden, Vulkane hochkraxeln und uns durch das Großstadtgewirr schlagen...
Ein Ausflug zum Mittelpunkt der Erde gehoert einfach zum obligatorischen Programm einer jeden Ecuador-Reise dazu. So sollte heute unsere grosse Foto-Session am Aequator starten, um das Ecuador-Erinnerungsfoto schlechthin zu liefern. Wir haben uns auch reichlich Muehe gegeben, wie man im Fotoalbum sehen kann. Bis zur kleinen Stadt "Mitad del Mundo" ist es von Quito auch gar nicht weit, nur eine Linienbusfahrt, 1-2 mal Umsteigen inbegriffen. Allerdings haben wir noch hier noch keinen anderen Ort gesehen, der derart von Touristen uebersaet war, obwohl es relativ wenig zu sehen gab. Eben nur ein Monument und eine aufgemalte Linie, die noch nicht mal den exakten Aequator aufweist. Denn die grossen Geowissenschaftler vor unserer Zeit haben sich schlicht weg um ein paar hundert Meter verrechnet. Da muss man sich die Show schon selber machen, indem man die verruecktesten Posen ausprobiert. Oder man kommt einfach wie wir am Sonntag und laesst sich noch von schoen anzusehenden traditionellen Taenzen unterhalten. Nun wollten wir es aber wirklich wissen und nahmen ungefaehr einen weiteren halben Kilometer Wegstrecke auf uns, um den "einzig wahren" Aequator sehen zu koennen. Um die geheimnisvolle Stelle herum, die auch mit G.P.S. ueberpruefbar ist, baute man ein liebevoll hergerichtetes Areal, um den Touris auch wirklich zu beweisen, wo man sich gerade befindet, einerseits geschichtlich, andererseits biologisch und letztendlich auch geografisch. Auf einem kleinen Rundgang wurden uns alle Kniffe gezeigt, um uns die Magie des Ortes vorzufuehren. Denn an dieser Stelle war Fabian gar nicht so stark und liess sich seinen "Stahlarm" ganz einfach von einer Frau wegdruecken. Ein Wasserstrudel laeuft hier von Meter zu Meter in eine andere Richtung. Es ist auch gar nicht so einfach, selbst im nuechternen Zustand, die beruehmte Linie gerade entlang zu laufen. Ploetzlich gelingt es im Nu ein Ei auf einen Nagel zu drapieren. - Was geht hier nur vor sich?! In den umliegenden Huetten wurde uns gezeigt, wie die Menschen hier frueher bauten, lebten und mit ihren Feinden umgingen... Auf dem Rundgang war es dann so weit, es kam der Moment, auf den ich so lange zusammen mit meiner Kamera gewartet habe... Es flog ein Kolibri vorbei, irre bunt, irre schnell und irre wendig. Gut, dass selbst Kolibris zwischendurch mal Luft holen muessen und sich kurz auf einen Baum setzen. Das war die Gelegenheit. Schoen war aber auch das Lama mit den blauen Augen, klingt komisch, ist aber so. Durch und durch ein ganz verrueckter Tag.
Nach einer kurzen, dafuer aber sehr intensiven Partynacht verschoben wir einen Teil unseres Schlafbedarfs auf die Busfahrt nach Otavalo. Otavalo ist bekannt fuer den groessten Indígenamarkt Suedamerikas - hier konnten wir uns auf unserer Schnaeppchenjagd mit allen Ecuador-Standardandenkenklamotten eindecken. So ein Indígenamarkt ist etwas Besonderes, denn in welchem Kaufhaus strahlen einen schon so viele bunte Farben gleichzeitig an, wo hat man schon so viel Auswahl zwischen den einzelnen Modellen und wo kann man noch selbst ein Woertchen beim Preis mitreden. Wer hier nicht runterhandelt, ist selber schuld... Hier habe ich mich erstmal ordentlich mit Mitbringseln ausgestattet, damit ich fuer ein Wiedersehen mit meinen Lieben gewappnet bin. Am Ende trug ich alles in einem grossen Sack davon, obwohl noch nicht mal Weihnachten vor der Tuer steht. Jen hat fuer noch groessere Shoppingtouren aufgeruestet und sich eine riesige, quietschbunte Tasche zugelegt. Auch Frauke hat jetzt noch mehr Taschen... Und dann das... Nachdem ich mal wieder an einem Stand kraeftig zugeschlagen hatte, sprach mich drei Verkaufsstaende weiter die Verkaeuferin von vorher an - und hielt meinen 20 Dollarschein in der Hand, mit dem ich gerade bei ihr bezahlte - der sei wohl nicht echt. Huiuiui, ich hatte bis jetzt noch nie Falschgeld in der Hand. An das Gute im Menschen glaubend - vom Eindruck geleitet, die will mir doch nichts Boeses, tauschte ich den Schein nochmal um und gab ihr meinen Echten...Nun mussten wir nur noch einen Dummen finden, dem wir den falschen Schein wieder andrehen konnten. Ein paar Minuten spaeter sah ich aber auch ein, dass meine Menschenkenntnis doch etwas Nachholbedarf hat. Denn mein Schein habe ich selbststaendig am Geldautomaten gezogen. Und das waere ja ein Unding, wenn die Bank hier Falschgeld ausspucken wuerde. Drei Strassen weiter versuchten wir einfach den Schein wieder an den Mann zu bringen, im ersten Moment sah das auch echt gut aus. Zwar beaeugte der Verkaeufer den Schein wie immer gruendlich (das macht man hier selbst bei fuenf Dollarnoten), liess uns aber ein paar Meter weiterziehen. Dummerweise war ein Teil von uns immernoch am Gucken und Anprobieren, so dass wir einfach zu langsam waren und ploetzlich eine ganze Horde, Gross und Klein vor uns stand. Jen verteidigte sich und diskutierte tapfer. Bis wir uns einfach aus dem Staub machten und den naechsten Bus nahmen, nicht die feine englische Art, aber als Tourist hat man hier beim Diskutieren einfach noch die besseren Chancen. Wer weiss, welche ahnungslose Person den Schein nun bei sich traegt. Nach unserem heutigen kleinen Nervenkitzel nahmen wir den mit Menschen vollgestopften Bus zu einem im Eukalyptus-Wald gelegenen Wasserfall. Durch unseren verfruehten Einkaufs-Hieper konnten wir bis zur ausgiebigen Schnaeppchenjagd keinen Zwischenstopp mehr aushalten und so mussten wir alles Neu-Erworbene mit uns herumschleppen. Ein Gang durch den Eukalyptus-Wald war ganz schoen. Vor allen Dingen roch es dort ganz gut, nur Koalabaeren haben wir nicht finden koennen ;) Dafuer hoert man hier selbst in den hintersten und dunkelsten Hoehlen deutsche Stimmen. Sie sind ueberall.
Heute fing der Tag mal wieder mit schoenem Wetter an, nur leider ohne Linienbusse, da sich die Busfahrer kurzerhand lieber noch einmal in ihrem Bett umdrehten und einfach laenger zu Hause blieben... Dafuer zeigte sich der Cotopaxi nochmals von seiner schoensten Seite, wenn auch nur wieder eine halbe Stunde lang. Nachdem sich heute in unserem Unterricht alles nur um den Imperativ drehte, goennten wir uns verdienterweise eine Auszeit im Kaufhaus gegenueber. Nicht ganz ohne Folgen... Jen und ich rasteten wieder richtig aus und trugen je vier neue T-Shirts fuer wenig Geld davon. Unser neues Wandgemaelde wird von Tag zu Tag schoener, morgen soll es vollendet werden. Denn kein Bild kommt ohne eine ordentlich strahlende Sonne aus. Die Computer vor Ort werden liebevoll von Till und Fabian aufgepaeppelt, damit die Kleinen auch wissen, wer eigentlich "Karl die Klammer" ist. Und weil es so schoen war, legten wir nach der Arbeit noch mal einen drauf und guckten uns nochmal im naechstbesten Kaufhaus um... Nach den Huttagen und den Schuhtagen folgte heute der T-Shirttag, auch aus diesem Laden sollten wir nicht mit leeren Haenden gehen. Absoluter Rekord: ich habe mir noch nie sechs! T-Shirts an einem Tag gekauft...In die Unterwaescheabteilung haben wir es aber noch nicht geschafft, die haben wir uns fuer morgen vorgenommen :P Noch voll in Extase stiegen wir in unseren Kleinbus, der uns in der Dunkelheit durch Quito kutschieren sollte. Leider fing es sofort zu Beginn unserer Tour zu regnen an : / Wir mussten aber nicht weinen, nur abwarten - denn waehrend wir uns mit Abendessen die Zeit vertrieben - hoerte es wieder brav auf zu regnen. So konnten wir doch noch den Blick ueber das schier unendliche Lichtermeer Quitos geniessen. Da faellt anderen Staedten das Mithalten schwer. Im Fotoalbum sind ein paar Puzzleteile des grossen Ganzen zu finden...
Am Montag wurde uns von den La Lengua Leuten die Sprachschule und die Begegnungststaette, in der wir arbeiten gezeigt. Die Sprachschule, an einem guten Tag mit Blick auf den Cotopaxi, liegt in einem Geschaeftsviertel, ganz in der Naehe von unserer Unterkunft . Gleich gegenueber gibt es einen Converseladen, den Frauke und Jen gleich am ersten Tag erfolgreich inspizierten - Resultat: beide kauften je zwei Paar Chucks. Fraukes schlechte Laune vom 'manic monday' verflog im Nu. Nun sind beide gluecklich und zufrieden. Noch am gleichen Tag musste ich in einem kleinen Szeneviertel aufschliessen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Ergebnis: ein Paar schwarze Schuhe im Chucksstyle mit leuchtend blauer Schrift fuer nur 10! Dollar, das Gluecksgefuehl war unbeschreiblich. Gleich am Dienstag checkten wir noch die in Quitos Luxusviertel gelegenen Malls aus. In der letzten waren die Maedels wieder erfolgreich, Tagesendstand: ein Paar knalliggruene Weggehschuhe fuer Jen und ein Paar lockerlaessige Sneakers fuer mich. Wie im Himmel. Zu Hause tuermen sich nun langsam die Schuhkartons, denn auch Florian konnte nicht ohne Schuhkauf heimkehren. Bis jetzt sind wir alle also bei: einem Paar Weggehschuhen, zwei Paaren Sneakers, drei Paaren Flip Flops und fuenf! Paaren Chucks und wir sind ja schliesslich noch 'ne Weile hier...und bisher waren wir noch nicht mal auf dem grossen Indígenamarkt in Otavalo... Wenn wir gerade mal nicht unseren Kaufrausch ausleben, koennen wir wieder unsere kuenstlerische Ader an den Waenden der Begegnungsstaette ausbluten lassen, noch ohne die Hilfe der Kleinen, da gerade noch alle Ferien haben : S Heute haben wir noch einen Salsa-Schnupperkurs besucht, denn eigentlich sind Salsastunden bei jedem Aufenthalt in Suedamerika obligatorisch. Naechste Woche werden sich hoffentlich unsere Tanzkuenste im Einzelunterricht nach und nach verbessern. Vielleicht werden die Jungs ja doch noch zu richtigen Latino Lovern...
Dafuer, dass wir gestern gemeinerweise mit Regen empfangen wurden, zeigte sich Quito heute zu Beginn des Tages von seiner strahlenden Seite. Die Stadt ist einfach wunderschoen. Das leuchtende Blau des Himmels, das satte Gruen der Berge und das reine Weiss der zahlreichen Kirchen im historischen Teil Quitos, alles zusammen: die perfekte Komposition zum Fotoknippsen. So tollte ich mich heute durch die Altstadt, nicht zu trennen von meiner Kamera. Nur manchmal wurde ich mitten auf der Kreuzung von dem Trolebus aus dem Weg gehupt. Jetzt weiss ich auch wieder, was mir bei den Orten entlang der Kueste gefehlt hat: das schoene, alte Gewachsene. Denn dort baut man mehr oder weniger zwangslaeufig etwas fuer die Gegenwart. In der Naehe von Kreuzungen ertoente immer wieder das gleiche Vogelgezwitscher, das mich an das Lautsprecher-Vogelgepiepe im Disneyland erinnerte. Es haetten ja diesmal sogar echte Voegel sein koennen, aber nein, hier ist es das alternative Ampelsignal - schon ein wenig kitschig. Ich, als Kind aus den neuen Laendern, halte unsere kleinen Ampelmaennchen immernoch fuer die Helden meiner Jugend, allerdings haben sie nun krasse Konkurrenz bekommen. Denn die Ampelmaennchen hier in Quito sehen nicht nur trollig aus, sondern koennen auch noch unheimlich tolle Sachen. Die koennen naemlich laufen, die Gruenen jedenfalls und wenn sich die Gruenphase gen Ende neigt, werden sie immer schneller und fangen richtig an zu rennen. An manchen Ampeln ist sogar eine Sekundenanzeige montiert, von wo man ablesen kann, wieviel Zeit einem noch bleibt, bis wieder die Motoren das Sagen haben. Man muss hier die schoene Himmelszeit nutzen, denn schon am Nachmittag ziehen sich die Wolken am Himmel zusammen, das ist hier immer so. Dann wird es kalt und regnerisch, dann gibt es nichts Besseres als sich in einen grossen Supermarkt zu verziehen, was wir auch taten. Hier kriegt man die Zeit spielend einfach rum, wenn man nur die Auswahl der Tiendas in Puerto Lopez gewoehnt ist...

| Mon | Tue | Wed | Thu | Fri | Sat | Sun |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | ||||