Satyresque - searching for the blue chamber

Die Nachtfrage

{ 02:47, Tuesday, January 9, 2007 } { Geschrieben in Das Leben bestehen } { 1 Kommentare } { Link }
Ich versuche seit zwei Stunden einzuschlafen. Ich hab es mit lesen versucht - ergebnislos. Nun bin ich wieder aufgestanden und habe den Rechner angeworfen.
War auch ganz gut so, denn kaum saß ich hier und drehte mir eine Zigarette, da klingelten meine Nachbarn, um mir zu zeigen, was sich noch in den Umzugkisten befand: eine dieser schmierigen, glänzenden Turnhosen, die Boxer tragen. Aber sie wurde mir nicht nur gezeigt, sondern auch gleich vorgeführt. Nun stehe ich also da, nachts um halb zwei, mit meinem halbnackten Nachbarn in Boxershorts vor mir. Ich stehe da und merke wieder wie mir Dinge entgleiten: Grade noch im Bett liegend habe ich mittelfristige Zeitpläne entworfen, aber kaum stehe ich auf, entgleitet alles.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Bett ein Thinktank sei, den zu verlassen es gefährlich ist.

Ich wollte früh ins Bett gehen, damit ich morgen etwas schaffe. Aber was soll ich eigentlich schaffen? Ich studiere, aber habe morgen nichts vor, seitdem ich meinen unterbezahlten 400 € Job gekündigt habe. Ich habe zu viel Zeit, dabei erscheint es mir immer so, als hätte ich zu wenig davon.
Also: ich wollte etwas schaffen. morgen. und was? wenn ich mir diese Fragen stelle, dann beginnen, die Antworten immer mit "vielleicht": vielleicht hole ich mein Zwischenprüfungszeugnis endlich ab. Vielleicht kümmer ich mich um ein neues Nebenfach. Vielleicht fahre ich zu einer meiner drei Unis, an denen ich studiere um endlich, endlich meine Unterlagen abzuholen.
Der Eindruck zwängt sich auf, dass ich mehr mit der Verwaltung und Organisation des Studiums beschäftigt bin, als mit dem Studieren selber. Denn das Studieren ist ja eigentlich eine feine Sache und ich habe Spass daran... naja zumindest wenn ich etwas konkretes zu tun habe, wenn ich eine Aufgabe habe. Da ich aber die "Freiheit" habe mir meine Aufgaben selber auszusuchen, endet es meist damit, dass ich garnichts tue. Das ist eine Frage der Disziplin. Aber wann immer ich feststelle, dass mir eben jene schmerzhaft fehlt, frage ich auch immer stumm warum keiner einem einen roten Faden gibt. Jemand, der einem sagt was er machen soll.
Nehmen wir ein Beispiel: ich besuche in der Germanistik ein Seminar über den literaturhistorischen Aspekt des Vampirismus. Das hört sich ziemlich abgedreht an, ist es auch.. aber es ist auch genauso interessant. Leider darf ich mir mein Hausarbeitsthema selber aussuchen und schon habe ich mein Problem: worüber soll ich denn schreiben? Bram Stoker? Die Preussische Sozietät der Wissenschafften? Ja, hört sich nett an.. aber worüber denn genau?

Und was tue ich nun morgen? Ich weiss, dass ich wieder irgendwann aufstehen werde, je nachdem, wann ich endlich einschlafe. wenn ich den Absprung schaffe, werde ich nicht vor dem Rechner sitzenbleiben (nicht, dass es nicht interessant wäre und mittlerweile sogar wieder konstruktiv), sondern den Weg zur Uni auf mich nehmen um dort irgendwas zu tun.. Unterlagen abholen oder in der Bibliothek rumstöbern.

Man merkt, dass ein Plan fehlt, ein Entwurf. Es muss nur ein kleiner sein, für eine stinknormalen Tag, aber ich entwerfe dennoch nichts. Ich versuch es mal kurz:

-8h Aufstehen: ich würde morgens gerne Yoga machen, aber ist es besser gleich aus dem Bett auf die Yogamatte zu fallen oder doch eher erst im Bad zu verschwinden?

Ich fang nochmal an:
8 uhr: Aufstehen, auf dem Weg ins Bad den Wasserkocher anschmeissen, Zähneputzen, duschen. Auf dem Rückweg vom Bad Tee machen und dann Yoga betreiben.
9 uhr: Ich sollte nun fit für den Tag sein, zum Tee habe ich mir die erste Zigarette gegönnt und bin soweit, dass ich mir nur noch die Schuhe anziehen muss, um vor die Tür zu treten.
9 - 10 uhr: Egal was ich nun vorhabe, diese Stunde verbringe ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln, am besten mit einer guten Zeitung und Musik.
10 uhr: ein Seminar oder eine Vorlesung in der Universität besuchen, die Bibliothek betreten, den Arzt aufsuchen, vor irgendwelchen dämlichen Ämtern sitzen um den deutschen Beamtenapparat zu beschäftigen.

So weit so gut, mir gehen die Ideen aus. Ich könnte jetzt einfach sagen, dass ich nun 6 bis 8 Stunden tue, was eben zu tun ist; dazwischen werde ich eine warme Mahlzeit einnehmen.
Am Abend, also so gegen 18 uhr, komme ich nach hause und koche etwas, vorzugsweise in Gesellschaft ausgewählter Menschen.
Das Abendprogramm kann beginnen. Mittlerweile kann ich diesem ganzen Partygerenne nichts mehr abgewinnen, also verbringe ich meine Abende mit DVDs, Brettspielen und dem Computer.
Das vermutlich wichtigste ist wahrscheinlich, dass ich den richtigen Zeitpunkt erwische, um schlafen zu gehen. Ich bin jemand, der nicht mit 6 oder 7 Stunden auskommt, zumindest nicht auf Dauer, daher muss ich wohl um 0 uhr schlafen.

Für den ersten Versuch war dieser Plan bestimmt nicht schlecht, aber ich habe irgendwie ein Problem damit alles zu benennen. Gut, ich habe es gerade getan, aber in dem Moment des Schreibens erscheint das auf einmal so leer, so klein.
Und da ist auch schon wieder die Frage, die Frage nach dem Bestehen des Lebens: Ist das schon alles?
Schlafen, Essen, Reden, ab und an auch Lieben, dann Lachen, Sehen, Bewegen...

Nun was auch immer, morgen werde ich diese Fragen gewiss nicht beantworten können, denn es ist schon wieder fast 3 uhr in der Nacht.
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Leben bestehen

{ 19:41, Thursday, January 11, 2007 } { Geschrieben von Janus }
...wenn ich hier lese, kommt mir in den Sinn, was ich nur noch ungefähr erinnere, aber das doch eindringlich: Vor langer Zeit las mir meine Mutter Momo vor. Der Straßenkehrer Beppo spielte eine kleine aber wichtige Rolle: Er erklärte Momo mal, dass es unmöglich sei eine Straße zu kehren, wenn man bis zu ihrem Ende schaue; wenn man aber nur vor seine Füße und immer nur an die nächste Bewegung, an den Platz direkt vor den Füßen, den man fege, denke, dann gehe es wie von selbst.

Okay, ein einfache Wahrheit und auch noch von jemanden ausgesprochen, der stets selbst gefangen in Rastlosigkeit ist und wohl eher das Credo gern mag: Wer nicht nach den Sternen greift, wird die Baumwipfel nicht erreichen.....
Und dann beginnen die vielen Pläne.

Andererseits sagte ich vor langer Zeit mal in einem bebenden Raum voll von Klängen zu Dir: Wir alle werden, was wir sind.

Ich weiß das...... und damit bin ich nicht mehr weit von meiner Vorrednerin entfernt. ;-)

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