Shaddar Rim

Was für ein Leben hatte er bisher geführt? Das eines Meuchelmörders, ein Leben im Verborgenen, ein Leben voller Tod. Dennoch war es ein gutes Leben, auch wenn es anfangs alles andere als gut war.


Der Frühling hielt Einzug und Shaddar war sichtlich Glück darüber, den es war Nachts nicht mehr so kalt. Wie jeden Morgen schlenderte der  Junge über den markt von Rabenfurth, auf der suche nach unachtsamen Adligen und Händlern, doch heute war etwas anders, etwas störte Shaddar doch er wusste nicht was. Immer wieder schaute er sich um doch er sah nur die übliche Betriebsamkeit des Marktes. Sichtlich über seine eigene Nervosität verärgert schüttelte Shaddar den Kopf.
"Verdammt, was ist nur los mit mir? Ich bin doch sonst nicht so schrecklich Nervös." dachte er.

Langsam schlenderte  er hinüber zum Stand des Bäckers, den heute wollte er eine der kleinen Kuchen um seinen 10. Geburtstag zu feiern. Doch wieder schreckte er zurück, wieder war dieses mulmige Gefühl da. Shaddar drehte sich um und sah sie, die vermummte Gestallt, die ihn unverblümt anschaute. Doch als der Beobachter merkte das Shaddar ihn sah, drehte er sich schnell um und verschwand in der Menge. Das sah der kleine Junge als seine Chance, schnell ging er wieder zum Stand des Bäckers und wartete bis sich der dicke Bäcker umdrehte, dann griff er zu und weil niemand etwas bemerkte schnappte sich Shaddar gleich noch ein schönes großes Brot.

"Haltet den Dieb!" hörte Shaddar es hinter sich laut rufen und wieder einmal lief Shaddar und die ersten Stadtgardisten kamen angerannt. Laut lachte  er als die schwer gerüsteten Gardisten vergeblich versuchten den Jungen einzuholen. Laut keuchten sie und verzweifelt riefen sie immer wieder das der stehenbleiben sollte, im namen des Gesetzes.
Schnell lief Shaddar zwischen der Menschenmenge hindurch und krallte sich noch die
Geldbörse die locker an einem Gürtel eines unachtsamen Adligen hing. Der Tag schien gut zu laufen. Shaddar freute sich schon auf Kuchen , frisches Brot und am Abend würde er sich ein Gläschen Bier genehmigen, wenn er den einen Wirt fand der es ihm verkaufte.
Nochmals blickte er hinter sich,wieder stand der vermummte Mann an der Ecke
und als die Gardisten schnaufend und keuchend um die Ecke kamen, lief dieser mitten in die Gardisten hinein. Shaddar versteckte sich hinter einigen Kisten und wartete ab.

"Holla, so passt doch auf wo ihr hinlauft, ihr Tölpel" fuhr der Gardist den Mann an,
doch als dieser die Kapuze runter nahm entschuldigte sich  der Gardist schnell bei ihm, griff nach seinem immer noch keuchenden Kollegen und verschwand. Shaddar fand dies sehr merkwürdig, aber es wurde Zeit das er verschwand, sein Versteck war nicht mehr weit und sein Hunger wie immer groß. Es dauert nicht lange und er saß auf einer kleinen Kiste die er als Stuhl benutze
und vor ihm lag auf einer großen Kiste, die als Tisch diente, der Kuchen und das frische immer noch warme Brot. Laut knurrte Shaddars Magen.

Der Kuchen war trocken, kein Wunder das er soweit vorne stand, Ware von gestern.
Doch das war dem10 jährigen egal, schnell verschlang er den ganzen Kuchen und kaum
das er den letzten bissen Kuchen hinter schluckte griff er nach dem Brot, doch mitten in der bewegung erstarrte er. Vor ihm stand der mysteriöse Mann vom Markt, der Mann der ihm die Gardisten vom Hals hielt. Shaddars Augen wurden groß und der Angstschweiß stand ihm auf der Stirn. Nach dem kurzen Schock, griff das Geburtstagskind nach dem Messer das er stehts bei sich trug.

"Ko..kommt mir nicht zu nah, ich werde euch töten wenn ich kann" sagte Shaddar zögerlich und sehr unsicher. Der Mann lächelte nur und machte einen weiteren Schritt auf den Jungen zu.
"Bleit stehen, in Akbeths Namen, was wollt ihr von mir? Ihr seid doch keiner dieser Adligen die
nur ins Armenviertel kamen um zu töten oder habt ihr gar schlimmeres vor? Ich töte euch, das ist mein ernst, ihr wärt nicht der erste der durch meine Hand stirbt. Ich hab schon viele getötet."
Mit zittriger Hand fuchtelte Shaddar sehr unsicher mit dem Messer herum und der vermummte Mann begann schallend zu Lachen an.

"Ja, ich sehe es, du bist ein wahrhaft grimmiger Gegner." sprach der Mann im weiten Cape.
"Seht nur, mir schlottern schon die Knie." Der Mann lachte und lachte, vor Schreck und vor Angst fiel Shaddar nach hinten um. Dan hörte der Mann plötzlich auf zu lachen und schaute  sehr ernst drin. Nach einem weiteren Schritt, bückte er sich und schnappte mit einer Hand nach dem Kragen des jungen und mit der anderen Hand schlug er ihm mit Leichtigkeit das Messer aus der Hand.
Dann Zog er Shaddar zu sich, so das sein Kopf neben dem Shaddars war. Der Junge hatte Angst, Todesangst und begann leise zu weinen.

"Ich weiß wer du bist, Shaddar. Ich weiß warum du hier lebst und ich weiß woher dein geschick mit dem Messer kommt. Ich bin gekommen um dich vor dir selbst zu retten. Komm mit mir und ich werde dir zeigen wie du ein besseres Leben führen kannst, ein leben von dem du immer geträumt hast."

Er lies den Jungen los und Shaddar fiel zu Boden und schaute durch einen Tränenschleier zu dem Mann auf. "Woher kennt ihr meinen Namen? Wer seid ihr, das ihr meine Träume kennt."

"Komm mit mir und ich werde dir alles erzählen." erwiderte der Mann nur. " Ich gebe dir einen tag Zeit um darüber nachzudenken. Wenn du gewillt bist mit mir zu kommen, dann warte am großen Brunnen auf den Marktplatz auf mich." Schon drehte sich der Mann um un war im begriff zu gehen.
"NEIN, WARTET, ich komme mit euch. Nichts kann schlimmer sein als das Leben das ich schon
so lange führe." rief Shaddar ganz aufgeregt, alle Argwohn war verschwunden. Schnell schnappte er sich sein Messer und einen kleinen schäbigen Beutel, in dem er seine Kleidung aufbewahrte.

"Kann losgehen!" und schon stand Shaddar an der Tür. "Lass den Beutel da, du wirst ihn nicht mehr brauchen. Wenn wir erst in meinem haus sid, wirst du neue Kleidung bekommen und auch ein neus Messer, wenn du willst." Dann ging der Mann und Shaddar versuchte mit dem schnellen Schritt des Mannes mitzuhalten.



Wie stellt man sich das Haus eines Gauklers vor? Bei dem Gedanken an Gaukler fällt einem sofort der Zirkus und freudestrahlende und erstaunte Kindergesichter. Nun das Haus von Shaddar Rim war vollkommen anders, es war ein herrschaftliches Haus, früher mag es vielleicht einem Adligen gehört haben, doch heute lebte darin ein Gaukler.  Shaddar Rim, der Herr des Hauses lebte zurückgezogen und nahm nur selten an den  Bällen der Adligen teil, auch wenn er ein immer gern gesehener Gast war.

Dennoch hatte seine Anwesenheit auch immer einen schalen Beigeschmack, den wer konnte
schon sagen wieso der Gaukler hier war. Wurde er vom Hausherren aus Höflichkeit  eingeladen oder war er hier um einen Auftrag entgegen zu nehmen oder gar auszuführen? Jeder wusste
das Shaddar kein Possenreißer war, den sein Vermögen das er zweifellos besaß, hatte er auf
andere Art gemacht. Shaddar Rim war ein bekannter, aber auch gefürchteter Assassine,
ein Kind der Nacht, wie er sich selbst bezeichnete.

Doch heute stand ihm nicht der Sinn nach höfischen Gepflogenheiten oder gar einem neuen Auftrag. Seit Tagen wanderten die Gedanken des Gauklers zurück in die Vergangenheit, zurück zu den weniger angenehmen Tagen seines Lebens.  Nur zu gut konnte er sich an die ersten Jahre seines Lebens erinnern.  Ein stetiger Kampf ums überleben, Tag für Tag.

Shaddar wanderte zum Kamin und starrte gedankenverloren in die Flammen, das Weinglas in seiner Hand schien er vergessen zu haben. Die Flammen schienen sich zu verändern , langsam zeichneten sich klare Formen heraus, Gesichter, Marktstände. Dann, wurde das Bild klarer und vor Shaddars Augen stand der Markt von Rabenfurth.

Der Gaukler wurde von einem klirren aus seinen Gedanken gerissen, blitzschnell zog er seine
Dolche. War jemand im Haus? Vorsichtig bewegte er sich in Richtung der Fenster, um
nachzusehen wer versuchte in das haus einzudringen. Nach dem ersten Schritt und dem eindeutigen knirschen unter seinen Schuhen war klar was passierte, der sonst so
aufmerksame Assassine hatte das Weinglas fallen gelassen und war auf dem
Marmorboden zerborsten. Kopfschüttelnd ging der Dinturan in die Küche um einen
Handfeger und eine Schaufel zu holen.
Immer noch konnte er es nicht fassen, dass er, der sonst so geschickte Gaukler ein
Weinglas hat fallen lassen. Schnell waren die Spuren seiner Nachlässigkeit
verschwunden und Shaddar  ging wieder zum Kamin um sich in den gemütlichen
Ohrensessel zu setzten.

Kaum das er saß kamen die Bilder zurück oder waren es Visionen aus der Vergangenheit?
Wieder sah Shaddar den Markt von Rabenfurth und sich selbst als kleiner Junge, von gerademal
5 Jahren und er rannte. Nun zu dieser Zeit rannte er eigentlich immer.
Er lief meistens vor jemandem davon, die Stadtgardisten, wütende Adlige die er um die
Geldbörse erleichtert hatte, Händler die er bestohlen hatte, meistens war es der Bäcker
oder er lief vor anderen Jungen die ihm sein Diebesgut streitig machen wollten davon.