SHOTGUN JUSTICE metal archives
part one: 2003 - 2009

8.03.2011 um 15:05 in band history | Kommentare: [ 0 ] | Kommentieren

 

 

 

 

 Die (so ziemlich) ganze Story über SHOTGUN JUSTICE...Teil 1

Autor : Erik D.

 

 

2003 bis 2005

 

 Im September 2003 befand ich mich kurz vor meinem 38. Geburtstag und satt und zufrieden auf meinem vermeintlichen musikalischen Altenteil. Nach dem Grunge- und Radiocharts-Diktat-bedingten Niedergang des Metals in den 90ern – sogar das Ende von Iron Maiden war für mich mit dem Ausstieg von Bruce Dickinson nur noch eine Frage der Zeit – hatte ich den Draht zu MEINER Musik schon beinahe verloren. Das Aufkommen neuer aufstrebender junger Bands wie etwa der finnischen Band Nightwish war für mich damals der seichte Hoffnungssschimmer an einem düster gewordenen Musik-Horizont.

Eines Tages erhielt ich einen Telefonanruf von Ingolf, einem guten Freund und langjährigen musikalischen Weggefährten (Breathless, Glory Anthem), ob ich denn nicht daran interessiert sei, wieder in einer Band zu spielen. Meine bis dahin letzte Band, in der ich aktiv mitgewirkt hatte (Beau Geste), war 1995 auseinander gegangen – dazwischen lagen 8 intensive und erfahrungsreiche Jahre, in denen ich mich allerdings musikalisch überhaupt nicht betätigt hatte. Daher war ich zunächst ein wenig überrascht und auch skeptisch, ob ich denn überhaupt wieder meine Finger auf einem Griffbrett würde bewegen können, sagte aber dennoch für ein erstes Treffen mit Jamsession zu.

Ich checkte mein Equipment durch – aus den 90ern hatte ich noch zwei 4 x 12“er Boxen und ein Rack, bestehend aus einem JMP1 von Marshall und einem 50/50 von Mesa Boogie. Als Gitarre hatte ich seinerzeit noch zwei Modelle meiner bevorzugte Marke Ibanez (RG irgendwas), die relativ gut in Schuss waren.

Die Jamsession sollte in einem Stadtteil von Peine stattfinden. Von den Mitstreitern war mir namentlich lediglich der designierte Drummer Tobias Gross bekannt. Außer ihm waren noch Alex Nicolai (Gitarre), in dessen Keller das Treffen stattfand, Ingolf Schimpf (Gitarre) und Frank Hänsel (Bass) mit von der Partie. Die Jamsession verlief erfolgreich, wir merkten alle sofort, dass wir einen Draht zueinander hatten, musikalisch wie menschlich, und entschieden uns noch an diesem Abend, die Treffen regelmäßig zu veranstalten. Ob das Projekt jedoch in eine reguläre Band münden würde – und ob Metal im neuen Jahrtausend überhaupt noch zeitgemäß war - , sollte sich erst später noch herausstellen.


Start-Formation (2003):

ALEX NICOLAI – rhythm guitar

INGOLF SCHIMPF – lead & rhythm guitar

ERIK DEMBKE – lead & rhythm guitar

FRANK HÄNSEL – bass guitar

TOBIAS GROSS - drums


Die Treffen verliefen harmonisch, lustig, mit der Zeit aber zeigten sich musikalische Beschränkungen auf, da wir immer nur ins Blaue hinein jammten, ohne feste Song-Strukturen heraus zu arbeiten. Noch bis Ende des Jahres stellte sich bei mir erster Frust ein, verbunden mit der Frage, ob sich der ganze Aufwand denn überhaupt lohne. Allmählich entstanden aber doch erste Songs, zumeist noch aus der Feder von Rhythmusgitarrist Alex. Ich hatte wieder Blut geleckt und war Feuer und Flamme für das Projekt, das sich immer mehr als echte Band heraus zu kristallisieren begann, und übte wie ein Besessener zu Hause Soloparts für die Songs ein. Jedoch konnten nicht alle Musiker diesen neu entstandenen Verpflichtungen nachkommen, und so gab es nach wenigen Monaten bereits die ersten personellen Veränderungen, Frank und Ingolf sprangen von dem Projekt ab. Alex war dann derjenige, der an einem Übungsabend mit einer schier endlos langen Liste an Namensvorschlägen im Proberaum stand. Nach und nach strichen wir nach eingehender Diskussion alle Namen, bis letztlich nur noch SHOTGUN JUSTICE über blieb – ein Albumtitel der kanadischen Band RAZOR. Nun hatte das Kind endlich seinen langgesuchten Namen.

Als die Sängerfrage immer akuter wurde, traf ich zufällig Christian Völkening, den ich als Background-Sänger der Peiner Band R.A.W. kannte. Ich fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, in einem weiteren Bandprojekt nebenbei als Leadsänger einzusteigen. Christian hatte dies später mal so dargestellt, das ich ihn getroffen hätte und lapidar meinte: „Du singst bei uns!“ Tja, welche dieser beiden Versionen glaubhafter ist, hängt wohl davon ab, wer an jenem Abend weniger Biere getrunken hatte – jedenfalls konnte ich mir Christian gut als Frontsau vorstellen, und dies bestätigte sich in der Folgezeit auch. SHOTGUN JUSTICE war endlich komplett, mit Ausnahme eines zunächst noch fehlenden Bassisten, den wir kurz darauf im damals noch 17jährigen Nachwuchstalent Patrick Wiesner fanden. Patrick kannte ich bereits, als er noch ein kleiner Knirps war und ich mit seinem Onkel – Dirk Breymann – in einer Band spielte, wo dieser ebenfalls als Bassist tätig war (GLORY ANTHEM). Patrick hatte sich immer ängstlich hinter seiner Mutter versteckt, wenn ich Dirk zum Üben abgeholt hatte – eine Eigenschaft, die er sich bei SHOTGUN JUSTICE zum Glück abgewöhnt hatte.

SHOTGUN JUSTICE war in den Folgemonaten damit beschäftigt, ein komplettes live-taugliches Set auf die Beine zu stellen. Während die Songideen entweder von Alex oder mir stammten, wurden die Texte noch zumeist von mir geschrieben, Christian stellte ebenfalls einige Lyrics bei. Als es allmählich auf den ersten Gig zuging, entschied sich Alex Anfang 2005 leider, die Band zu verlassen, und neben dem immensen musikalischen und persönlichen Verlust, den dies für SHOTGUN JUSTICE bedeutete, mussten wir uns auch einen neuen Proberaum suchen. Diesen fanden wir bald in einem Objekt im Gewerbepark in Stedum (Kreis Peine).


Formation II (2004-2005):

CHRISTIAN VÖLKENING – vocals

ALEX NICOLAI – rhythm guitar

ERIK DEMBKE – lead guitar

PATRICK WIESNER – bass guitar

TOBIAS GROSS – drums

 

2005 bis 2007


Dieser neue Übungsraum war ein weiterer wichtiger Schritt in der Band-Historie, denn dort waren wir unabhängiger und hatten freieren Zutritt. Wir konnten also jederzeit üben, und auch so lange, wie es uns in den Sinn kam. Im Sommer 2005 entschlossen wir uns, eine erste Demo-CD aufzunehmen. Toby spielte an zwei Tagen sämtliche Schlagzeug-Spuren für alle 10 Songs ein, die wir auf die CD bringen wollten. Tom Schubert – unser damaliger Bassist – nahm die Tracks mit seinem 10-Spur-Gerät auf.

Wir wussten damals mehrere Sachen nicht: wie lange wir mit den Aufnahmen beschäftigt sein würden, und dass wir aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände dabei waren, einen entscheidenden und irreversiblen Aufnahmefehler über die gesamte Zeit der CD-Produktion vor uns hin zu schieben. Letztlich hatte dieser zur Folge, dass die Schlagzeug-Spuren auf sämtlichen Aufnahmen anfangs viel zu dünn klingen, die Drums im Gesamtsound gegen die anderen Instrumente beinahe untergehen – ein Effekt, der sich erst durch Zuhilfenahme aller möglichen technischen Tricks und Raffinessen beheben ließ. Passenderweise war dies im Oldschool Metal der 80er Jahre, von dem wir alle doch sehr gepräft waren, gang und gäbe, dass die Schlagzeugspuren bei den Aufnahmen immer ein wenig weiter hinten abgemischt waren.


Formation III (2005-2007):

CHRISTIAN VÖLKENING – vocals

ERIK DEMBKE – guitar

TOM SCHUBERT – bass

TOBIAS GROSS – drums

 

Das erste Resultat der Aufnahmen war die Demo-CD „SHOTGUN JUSTICE“ mit den 3 Songs „Age of Decay“, „Tumourhead“ und der fast 9minütigen Halbballade „Unreal (Pt. I & II)“. Die Aufnahmen wurden von Tom gemixt und gemastert und im November 2005 fertig gestellt. Etwa gleichzeitig spielte SHOTGUN JUSTICE zwei erste Gigs in kleinen Pubs in Peine, u.a. auf der JUDGEMENT NIGHT mit den aufstrebenden Hannoveraner Thrash-Metallern von Cripper.

Allerdings traten anschließend bereits länger schwelende Konflikte innerhalb der Band zu Tage, die ihren Ursprung auch in musikalischen Differenzen hatten. So wollte Leadsänger Christian der Band durch zeitweise sogar zwei Background-Sängerinnen einen etwas zeitmoderischen Touch geben, was jedoch nicht von allen Musikern so gesehen wurde. Auch die stilistische Ausrichtung war nicht klar: so gab es zwar gute Songs, die sich nach bestimmten musikalischen Vorbildern ausrichteten, ein eigener Stil war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar zu erkennen.

Eine musikalische Weiterentwicklung mit Christian schien nicht möglich, ohne all zu viele Kompromisse eingehen zu müssen, da er sich auch gegen Vorschläge und Meinungen der anderen Bandmember sperrte. Wir entschlossen uns letztlich dazu, Christian aus der Band zu feuern, was jedoch eine Kettenreaktion auslöste: weitere Bandmitglieder traten wie umkippende Dominosteine nacheinander aus. Es verblieben nur Drummer Toby und ich, was für eine reguläre Metalband natürlich ein wenig mickrig ist. Es blieb jedoch zunächst bei regelmäßigen Bandproben, wenn auch nur zu zweit, und trotz aller Widrigkeiten entschlossen wir uns dazu, die Aufnahmen mit Tom Schubert (Produktion und bass) weiter fortzuführen, um wenigstens die CD fertigstellen und veröffentlichen zu können – quasi eine Art musikalischer Existenz-Nachweis: die Band als solche schien für uns ad acta gelegt, das Kapitel SHOTGUN JUSTICE zu Ende geschrieben. Oder um es mit den Worten von Monty Python zu sagen: diese manische Beharrlichkeit und Uneinsichtigkeit war durchaus symbolisch für unser Ringen gegen die Realität!


2007 bis 2009

 

 Toby und ich entschieden uns, Gastsänger für die einzelnen Songs anzuheuern. Tom erklärte sich bereit, für die Aufnahmen neben dem Job am Mischpult auch den am Viersaiter zu übernehmen, und meine Herausforderung bestand darin, sämtliche Gitarrenspuren auf der CD allein einzuspielen.

Als erster Gastsänger konnte im Sommer 2007 Bernhard Jagielki (regulär Sänger der Band R.A.W., aus der auch unser ex-Shouter Christian und spätere Bandmitglieder stammen sollten) gewonnen werden. Noch während der Aufnahmen zu „DAMN SIGHT BETTER“ war Berny jedoch derart von der Band und ihrer Musik begeistert, dass er sich bald dazu entschied, ganz bei SHOTGUN JUSTICE einzusteigen. Nachdem noch im gleichen Jahr ein neuer Basser (Bernd Schrader) und ein zweiter Saitenfrickler (Marco Kräft) – beides ehemalige Mitglieder von R.A.W. – dazu stießen, war die Band wieder komplett und auftrittsfähig – eine Entwicklung, von der noch Monate vorher niemand zu träumen gewagt hatte.

Endlich konnten wir uns auch live wieder zeigen und hören lassen: SHOTGUN JUSTICE spielte auf diversen regionalen Festivals, so etwa dem HELLTER SKELTER in Peine, dem MUSIKUM in Braunschweig oder der AUTUMN DEVASTATION in Salzgitter.

Und auch mit den Aufnahmen an der CD ging es zu dieser Zeit beständig weiter, bis 2009 konnten sämtliche Songs fertiggestellt und veröffentlicht werden. Das Ergebnis steht mit der CD „GREATEST KILLS Vol. 1: 2007 – 2009“ aktuell vor einem re-release.

 

Formation IV (2007-2009):

BERNHARD JAGIELKI – vocals

MARCO KRÄFT – guitar & vocals

ERIK DEMBKE – guitar

BERND SCHRADER – bass & vocals

TOBIAS GROSS – drums


seit 2009


Auch mit dem neuen, musikalisch und songwriterisch sehr ambitionierten Bassisten sollte es bald größer werdende zwischenmenschliche Spannungen geben, möglicherweise war aber auch der Altersunterschied von 15 Jahren zu den restlichen Bandmitgliedern einfach zu groß. Im Frühjahr 2009 stieg Bernd aus der Band aus und wurde einige Zeit später durch Heiko Wessel (ex-Gitarrist von Givehead) aus Bad Oeynhausen ersetzt. Bereits einige Wochen später hatte Heiko seine Feuertaufe auf einem erfolgreichen Gig auf dem mehrtägigen METTLA-Festival in der Meier Music Hall in Braunschweig.


Formation V (seit 2009):

BERNHARD JAGIELKI – vocals

MARCO KRÄFT – guitar & vocals

ERIK DEMBKE – guitar

HEIKO WESSEL – bass

TOBIAS GROSS – drums

 
In der Folgezeit traten SHOTGUN JUSTICE sporadisch auf kleinen Gigs im regionalen Umkreis auf. Die Musiker nutzten die Zeit vielmehr zu ausgiebigen Proben, da sie mit Heiko am Bass endlich einen eigenen Stil gefunden hatten und so auch in der Lage waren, diesen weiter zu entwickeln. Merh als die Hälfte des aktuellen Live-Sets von SHOTGUN JUSTICE entstand seit dem Einstieg des neuen Bassisten. Auch menschlich erwies sich Heiko als echter Glücksgriff, die Chemie innerhalb der Band und zwischen den Musikern war endlich passend.

Herausragender Gig in der bisherigen Bandgeschichte war dabei der Auftritt als Opener für Blaze Bayley (ex-Iron Maiden) in Peine.









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