Beim Stammtisch im „Ersten Siedler“ waren heute Anlieger der Karl-Marx-Straße zugegen. Der geplante Bau eines Fuß- und Radweges in der östlichen Karl-Marx-Straße stand im Mittelpunkt. Die Anlieger beschweren sich über zunehmenden Verkehr und damit verbundenen Lärm. Kaum ein Fahrzeug halte die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von maximal 30 km/h ein, ab morgens halb 5 donnern Lkw durch die Karl-Marx-Straße und ältere Fußgänger oder Radfahrer lebten ganztags sehr gefährlich. Alles wichtige Argumente, endlich einen Fußweg und einen Radweg zu bauen. Dem stimmen wir zu!

Die Anlieger sagten uns, sie wollen eine Entflechtung und eine Entbündelung des Verkehrs. Ihr Vorschlag ist, die Karl-Marx-Straße in eine Einbahnstraße umzuwidmen und die Fahrbahn aufzuteilen, damit auf einer Fahrspur Radfahrer und Fußgänger sicher die Straße nutzen könnten. Außerdem würde ein Teil des Verkehrs durch die Bahnstraße und die Straße Am Wald laufen, wovon sich Anlieger eine Lärmsenkung versprechen.
Ein Bürger, der auch schon den Beratungen im Juni im Ausschuss für Gemeindeentwicklung beiwohnte, kritisierte, dass der Vorschlag der Einbahnstraße im Ausschuss nicht gewürdigt wurde. Dem widersprachen Ralf Kothe, der bis 2008 den Ausschuss für Gemeindeentwicklung geleitet hatte, und Michael Koch, der dieses Mandat 2008 antrat. Nach Kothes Worten sei diese Frage seit 2004 immer wieder besprochen und verworfen worden. Michael Koch zeigte die aktuellen Planungsunterlagen, die eine Einbahnstraße als die schlechteste aller Varianten darstellten. Bereits im März 2009 hatte der aktuelle Ausschuss für Gemeindeentwicklung die Einbahnstraße ausführlich erörtert. Weil schon damals verworfen, wurde diese Alternative im Juni nicht nochmals besprochen.
Der gemeindliche Planer hatte im Ausschuss im März dargestellt, dass für Einbahnstraßenverkehr in der Karl-Marx-Straße zunächst
- ein Fußweg in der Straße am Wald gebaut werden müsste,
- dass der Heideweg und der Zetkinweg zu befestigen wären,
- dass die Straße am Wald und die Bahnstraße für die neue Funktion als Hauptbündelungsstraße eine andere Oberschicht brauchten,
- dass die Ein- und Ausfahrt für die Bahnstraße am Kreisverkehr erweitert werden müsste (was Umbaumaßnahmen am Kreisverkehr und am Netto-Parkplatz zur Folge hätte) und
- dass zur Ableitung des Verkehrs nach Norden auch der Parkweg auszubauen wäre.
Die Folge: hohe Kosten für die zahlreichen Baumaßnahmen (die Brieselangs Haushalt nicht stemmen kann), zunehmender Verkehr in weiteren Straßen und Mehrverkehr von rund 700 Kilometern je Tag allein durch die Anlieger, die künftig längere Wege fahren müssen. Unser Vorsitzender Peter Deblon sieht darin nur Nachteile ohne einen Vorteil. Niemand könne deshalb von den Gemeindevertretern verlangen, die Einbahnstraße zu beschließen.
Bürgermeister Wilhelm Garn, der bis März selbst auf die Einbahnstraßenlösung gehofft hatte, erklärte seine Meinungsänderung. Ein kombinierter Rad- und Fußweg wäre normgerecht 2,20 Meter breit. Dann verblieben für die Eine-Richtungs-Fahrbahn auf der Karl-Marx-Straße etwa 3,50 Meter. Dies wäre zu schmal für eine Hauptstraße, sodass die kreisliche Straßenverkehrsbehörde eine Einbahnstraße nicht befürworten dürfe. Denn müsste die Feuerwehr halten oder ein Anlieger würde mittels Lkw Heizöl angeliefert bekommen, wäre die Straße blockiert. Wo sollte ein Möbelwagen halten, fragte Garn die Anlieger. Die Argumente sind gewägt. Es müsse jetzt eine Entscheidung in der Gemeindevertretung getroffen werden, fordert der Bürgermeister.
Welche Lösung ist realistisch? Michael Koch fasste die Varianten im Ausschlussverfahren zusammen: Die Einbahnstraße scheide aus, ebenso der Ankauf von privaten Gartenland der Anlieger. Weil also Platz fehlt, müsste wohl eine Baumreihe weichen, damit auf einer Straßenseite der Fuß- und Radweg entstehen könne. Deshalb drehen sich in der Gemeindevertretung und im Ausschuss die Debatten um die Frage, ob auf der Nord- oder der Südseite weniger Bäume zu fällen wären. Dabei wird immer betrachtet, wie alt die Bäume sind, ob sie noch sicher stehen, ob ihre Wurzeln bei dem Wegebau beschädigt würden, wie eine Entwässerung zu realisieren wäre und wo der neue Rad- und Fußweg mit Neuanpflanzungen von kleinwüchsigeren Bäumen mehr Erfolg verspricht.
Die (Teil-) Rodung einer Baumreihe und der Rad- und Fußweg würden das Problem des Lärms noch nicht lösen, meinten Anwohner. Richtig. Dafür will die Gemeinde ab 2010 aber eine nördliche Ausfahrt über Fichtestraße, Kollwitzstraße und Wiesenweg nach Alt-Brieselang mit Fördermitteln des Landes realisieren. Dies würde eine Entlastung der Karl-Marx-Straße bedeuten, weil Kraftfahrer ab westlich der Lange Straße nicht mehr über die östliche sondern die neue nördliche Ausfahrt Brieselang verlassen würden.
Wie geht’s weiter? Am Dienstag wird der Ausschuss für Gemeindeentwicklung eine Vor-Ort-Begehung mit dem Planer machen. Interessierte sind für 18 Uhr an den Netto-Märkten willkommen. Eine Entscheidung sollte dann in greifbare Nähe rücken.