Mein Auslandsjahr in Malaysia

Nach 2 Monaten

22:13, 29.03.2009 .. 1 Kommentar(e) .. Link

Hey ho hia ha, da sind die ersten 2 Monate von dem Auslandsjahr schon rum. Manche von euch werden sich bestimmt gesagt haben:“2 Monate weniger, die ich noch auf den Simon warten muss“ Ich bin, ehrlich es gab auch Momente, in denen ich ähnlich gedacht habe, also dass ich „nur“ noch 10 Monate hier aushalten muss. Doch es überwiegt schon immer öfter der Gedanke: „ Schei*e 2 Monate weniger, die ich hier verbringe. Und diesen Gedanken, hatte ich echt oft letzte Woche. Die letzte Woche, war mit Abstand die beste Woche, seit dem ich hier bin. Ich habe nichts Großartiges erlebt oder sonst was gemacht, aber ich hatte die ganze Woche kein einziges Tief und war immer glücklich. Was ich ganz besonders gut finde, ist dass ich mich sogar langsam in der Schule wohl fühle. Ich habe dort jetzt schon gute Freunde gefunden, die mir bei allem helfen, mit denen ich echt Spaß haben kann und bei denen ich auch weiß, dass sie meine Freunde sein wollen und das nicht nur weil ich Austauschschüler bin. Und all das hat dazu geführt, dass wenn ich jetzt zurück denke an die letzte Woche die dahin gerast ist wie sonst was. Und auch mit meiner Familie verstehe ich mich blendend und ich habe langsam auch schon das Gefühl ein Mitglied der Familien Gemeinschaft zu sein. Nur eine einzige Sache hätte ich negativ anzumerken zu letzter Woche. Ich war super müde. Und ich sag es nicht gerne, weil es ohne Witz das erste Mal in meinem ganzen Leben ist, aber ich war so müde in der Schule, dass ich auf meinen Heften eingeschlafen bin. Aber nicht für lange, nur für 10 oder 15 Minuten. Aber ich war so müde, dass ich keine Kraft mehr hatte meine Augen offen zu halten. Am Montag ging das noch einigermaßen, obwohl ich da auch nur 5 Stunden geschlafen hatte, aber am Dienstag ging gar nichts mehr, nach nur 4 Stunden Schlaf. Aber der Schlafentzug hat sich gelohnt, da ich dafür die Feier zum neuen Studienjahr der Universität hier besuchen durfte.  Und die war echt gut. Tja man muss halt auch in einem Jahr wie diesem körperliche Entbehrungen hinnehmen! ;)

Was ein wenig, naja, komisch ist, ist dass es mir hier immer besser geht und mehr oder weniger alle anderen AFS-Studenten richtige Probleme bekommen. Also ich weiß von 6 der 12 Deutschen, dass diese gewechselt haben und von 2 weiteren, dass diese einen Wechsel planen. Und zu de andern habe ich keinen Kontakt. Und es gibt auch schon welche, die aufgegeben haben. Das heißt, die nach Hause gefahren sind, weil sie mit dem allen hier nicht klar gekommen sind. Eine der Australierinnen und 2 oder 3 Japaner sind nicht mehr dabei. Naja, aber auch die haben eine Erfahrung gemacht, die sie nie vergessen werden.

Aber nun wieder zu mir, also wie schon gesagt, ist die Woche über nichts wirklich Spannendes bei mir passiert. Bis zum Donnerstag. An diesem Tag ist die andere Austauschschülerin aus Deutschland (Franzi) zu einer AFS Freiwilligen gegangen und hat da übernachtet. Und dort hat sie das Angebot bekommen für eine Woche nach Kuala Lumpur zu gehen. Netterweise, hat die Franzi das dann so organisiert, dass ich auch mit kann und so bin ich von morgen(Montag) bis eine Wiche später (Montag oder Dienstag) in Kuala Lumpur. Ich hätte auch schon am Freitag nach KL gehen können, doch dann hätte ich heute nicht sehen können, wie meine Familie für ihre toten betet. Und da dieses Ereignis nur einmal im Jahr ist und ich dazu eingeladen wurde, habe ich mich dazu entschieden jetzt gleich um 10.30 den Bus zu nehmen. In der nächsten Woche, werde ich mein bestes geben, mich mit den andern AFS-Leuten aus KL zu treffen und für die Formel 1 interessierten, ich bin am Wochenende beim „Grand Prix“ dabei. Wenn ihr mich sehen wollt, müsst ihr mal schauen wann das bei euch übertragen wird. Mein Platz ist „c2“ das ist eine der letzten Kurven vor der Zielgerade, „Hillstanding“, überdacht mit „Giant-Screen“. Vielleicht bin ich ja zu sehen.

So nun zu meinem Sonntag hier. Also wie schon gesagt, bei den Chinesen ist es Brauch einmal im Jahr für ihre Toten zu beten. Und da meine Familie sehr groß ist, waren wir zum einen um die 15 Leute und zum andern mussten wir an 3 verschiedene Plätze fahren um für die toten zu beten. Angefangen hat das alles Morgens um 8. Um diese Zeit mussten ich und mein Bruder heute aufstehen. Wir haben dann das Frühstück runter geschlungen, da wir schon ein wenig zu spät waren, haben geduscht und uns fertig gemacht und sind dann zusammen mit den Opfergaben im Auto zum ersten Friedhof gefahren. Was ich sehr, wie sagt man, befremdlich fand, war das man auf den Gräbern rumlaufen durfte und die zum Teil mit dem Motorrad auf den Friedhof gefahren sind. Wir mussten dann zuerst ein etwa 6x6 Meter großes Grab mit 10x10 cm großen bunten Papierfetzen bedecken. Und da es windig war, musste jedes Papier mit einem Stein beschwert werden. Nicht nur, dass mir jeder sein Papier gegeben hat, weil die da selber keine Lust drauf hatte, nein es hat auch noch voll die Sonne geknallt. Das war SO warm, das könnt ihr euch in dem kalten Deutschland glaube ich gar nicht vorstellen. … Okay ich kann nicht so viel und ausführlich schreiben, da ich noch nicht fertig gepackt habe und noch essen muss und mein Bus in 2 Stunden kommt… Nach dem Schmücken wurden dann die Opfergaben vor das Grab gestellt und dem toten wurde Zeit gegeben diese zu sich zu nehmen. Wie genau festgestellt wurde, dass dieser fertig war, weiß ich nicht, doch irgendwann durfte dann jeder der Anwesenden für den Toten beten und ihm seine Wünsche Mitteilen. Sogar ich durfte das und habe das natürlich auch gemacht. Ich fand das super nett, dass die mich da so eingebunden haben. Die ganze Stimmung war auch komischerweise richtig fröhlich und alle waren gut drauf. Also nichts von wegen stiller Andacht oder so. Als jeder fertig gebetet hatte wurden die Opfergaben vor dem Grab verbrannt. Und zum Teil wurde dann dazu auch noch Feuerwerk angezündet, aber nicht bei uns. Diese  Prozedur mussten wir auf diesem Friedhof noch 3-mal durchlaufen. Mit allem drum und dran. Dann sind wir weiter gefahren, zu einem Tempel in welchem die Gebeine des toten Bruders meines Vaters aufbewahrt werden. Das Innere des Tempel ist am besten zu vergleichen mit einer Holocaust Gedenkstätte, ich weiß der Vergleich ist vielleicht nicht sehr passend gewählt, das tut mir leid, doch ich finde das trifft es am besten. Der Tempel war aufgebaut wie eine Bücherei, nur anstatt der Regale waren Wände in die vom Boden bis zu Decke 15x15 cm Marmor Quadrate eingelassen waren. Auf jedem dieser Quadrate war ein Bild und der Name des Toten. Und alles in schwarz und weiß. Ich habe mich nicht wirklich wohl darin gefühlt. Umgeben von so vielen Toten. Aber ich habe trotzdem für den Bruder gebetet. Von dort sind wir dann weiter gefahren zum letzten Friedhof, auf dem wir das gleiche gemacht haben, wie auf dem ersten. Und dann auf dem Rückweg habe ich das erste Mal erlebt, wofür Asien bekannt ist bei der Regenzeit. Der Highway ist oder war einem Fluss gewichen, der jetzt die Fahrbahn quert. Ich bin mal gespannt wie das nachher der Bus macht. Als wir dann weitergefahren sind, sind wir auf einen Stau gestoßen und da hatte meine Mutter eine echt coole Lösung, um nicht im Stau zu stehen. Es wurde einfach auf der Autobahn gewendet und wir sind zurück bis zur nächsten Abfahrt gefahren. Aber wie schon gesagt, das Autofahren ist hier was ganz anderes als in Deutschland. Ich habe es auch schon erlebt, dass mein Vater hier mit 120 telefonierend, un-angeschnallt über die Bundesstraße geheizt ist. Naja macht euch keine Sorgen, ;) ich wird’s überleben. Und wenn ihr euch zu viele Sorgen macht gibt’s nur eine Lösung-ich erzähls einfach nicht mehr!^^ Hmm das klingt irgendwie hart… Wie auch immer, es tut mir leid, aber ich muss jetzt aufhören hier, da ich echt noch einiges zu tun habe. Ich habe euch alle sehr lieb. Und denke ganz oft an euch. Und da darf sich jeder Angesprochen fühlen, bis dann mal.

PS: ich freue mich immer über Briefe die vertreiben mir die Langeweile in der Schule ;) Und wenn ich einen kriege gibt’s auch versprochen ne Antwort! :D


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Unbenannter Kommentar

09:28, 4.04.2009 .. Geschrieben von Anonymous
Lieber Simon,

ich wollte mich einmal als Leser outen und dich grüßen. Ich habe einen deiner Einträge ganz und einige quer gelesen. Schön schreibst du.

Grüße aus Hamburg,
Philip

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