Von Spitzbergen zur Polkappe

Sommertörn Lofoten 2006

16:01, Mittwoch 11 Juni 2008 .. Geschrieben in * Bericht 2006: Lofoten .. 0 Kommentare .. Link

Der Segelsommer 2006 und die „Pagan“

Vor zwei Jahren waren wir zum ersten mal auf Spitzbergen – das ist die Inselgruppe im Nordatlantik, die mit ihrer kühlen Schönheit die Handvoll Segler der Yachtschule Harkortsee gepackt hat. So gepackt, dass sie es in diesem Jahr wieder versuchen wollen, diesen letzten Halt auf dem Weg zum Nordpol zu besuchen..

Startort sollte Bodö sein, ein kleines Hafenstädtchen auf einer Lofoteninsel. Die Lofoten wiederum sind eine Inselgruppe im Nordwesten von Norwegen, die von zerklüfteten Bergen und einsamen Fjorden und Sunden geprägt ist.

 

So, und jetzt wäre es an der Zeit, die Crew vorzustellen:

Skipper ist Wolfgang Szyska, 50 Jahre, er segelt seit 32 Jahren. Liebt die nördlichen Gewässer: Nord-, Ostsee und Nordatlantik. Beruf: Techniker.

Manfred Bachtler, 58 Jahre alt, segelt seit 30 Jahren. Er hat Segelerfahrung gesammelt im westlichen Mittelmeer, Ostsee und Nordatlantik. Von Beruf ist er Transportunternehmer.

Klaus Wode, ist 54 Jahre alt und segelt seit 28 Jahren. Seine Reviere sind die Ostsee, das Mittelmeer, die Karibik und der Nordatlantik. Beruflich verchartert er Segelyachten.

Dorothea Schäfer, 51 Jahre alt, segelt seit 20 Jahren in Ostsee, Nordsee, Nordatlantik, Mittelmeer, Karibik. Sie hat Schwerwetterausbildung auf der Nordsee und im Bereich Balearen im Winter hinter sich. Verchartert Segelyachten.

Wolf-Dietrich Klinter, wurde am 6.2.49 in Berlin geboren. Sein Studium an der TU Berlin hat er als Dipl. Ing. abgeschlossen. Seit 1983 ist er verheiratet, hat zwei Söhne (20 und 19) und wohnt seit 1985 in Dortmund.

 Ralf Schaepe, 42 Jahre alt, hat tatsächlich noch eine Gruppe gefunden, in der er das Nesthäkchen ist. Er segelt seit zehn Jahren. Beruf: Redakteur beim Radio und außerdem Bordchronist.

 

 Reisetagebuch:

28.7.2006 Rumhängen im Flughafen Oslo. Der Hinflug ging über Kopenhagen. Der Flieger startet um 23:30 nach Bodö. Gegen 24:00 wollen wir dort ankommen – zur „Pagan“ geht es dann in einer viertel Stunde Fußweg.

 

Sonntag, 30.7.06

Die „Pagan“ ist ein Schoner mit Kuttertakelung. Baujahr 1982 in Frankreich. Das Schiff ist aus Stahl und hat eine Länge von 47 Fuß. Das ist die übliche Maßeinheit für Segelboote und entspricht etwa 15 Metern. Sie hat eine Pinne zum Steuern – das ist für ein Schiff dieser Größe sehr ungewöhnlich.

Gestern haben wir Proviant gebunkert und verstaut, und eine kleine Probefahrt gemacht.

Eigner Reinhard hat uns in das Schiff eingewiesen.

„Pagan“ ist eine kompromisslos funktionale Konstruktion. Kein Schnickschnack, keine Messinghäkchen oder polierte Schmuckbarometer.

Stattdessen ein schlichter Holzofen im Salon, zur Wärmereflexion ist dahinter eine Edelstahlplatte geschraubt.

Rechts am Niedergang ist das „Herrenklo“. Neben dem Vakuumklo drängen sich ein Schraubstock, Werkzeug, und Werkbank; der Außenbordmotor für das Schlauchboot sorgt für einen dezenten Benzinduft.

Weiter hinten im sich verjüngenden Herrenklo ist ein Sammelsurium von Gasflasche (Reserve), Trichtern, Öl- und Benzinkanistern.

Alles an diesem Schiff ist robust. Handläufe aus starken Edelstahlrohren sind im Salon jederzeit in Griffweite. Kräftige Wanten halten die beiden Masten.

Die Navigation ist zweckmäßig: Radar, GPS, Barograph, Navtexgerät, Fishfinder, Ladekontrollgerät.

 

11:25 Uhr

Auslaufen in Richtung Longyaerbyen bei Wind 0-1 aus SE und bei schönem Wetter: 22 Grad C.

 

30.7.2006 Klaus:

20:45 leider müssen wir einen Hafen in den Lofoten anlaufen, um zu tanken. Der Dieselverbrauch liegt bei diesem Schiff bei sechs Litern pro Stunde. Mit diesem Verbrauch haben wir nicht gerechnet (normal ist 3-3,5 l). Das kostet uns Zeit und bringt uns unserem Ziel später näher als gedacht.

Montag 31.7.2006

Unter Motor in Melbu angekommen, das liegt auf Hadselöy. 270 Liter Diesel gebunkert. Ankunft: 02:30 Uhr, Abfahrt: 11:00 Uhr.

 Wolf:

Seit unserem Start in Dortmund sind nunmehr bereits drei Tage vergangen. Ich meine, wir haben uns aneinander gewöhnt, und ich bin akzeptiert. Entgegen der ursprünglichen Absicht von Wolfgang fahren wir noch immer in den Lofoten. Es ist Wahnsinn, und ich bin dankbar dafür, diese Landschaft sehen zu können. Natürlich weiß ich noch nicht, was mir (uns) dafür in Svalbard entgehen wird.

Das notwendige Nachtanken hat uns acht Stunden gekostet, aber dafür einige Stunden ruhigen Schlaf gebracht.

Mal sehen, welche Überraschungen der Reinhard noch für uns hat.

Für ein technisches Wunder halte ich die Netzabdeckung auf den Lofoten. Deshalb jetzt Schluss, ich muss noch meine Frau anrufen.

 

14:16 Uhr

Wetterbericht über Navtex für morgen ist weiter Hochdruckwetter vorhergesagt – mit Wind aus Südost. Stärke zwei bis vier. Das war richtiges Kaffeesegeln. Noch motoren wir gegen einen 3er aus Nord.

...

Verflixt, vertan. Wolfgang fragt nach: Unser Vorhersagegebiet ist D4, nicht B4 – und das bedeutet: Nordost, 5-6 Bft.

 

 

Dienstag, 1.8.

Unsere generelle Richtung: NE. Der Wind weht aus – NE. Also motoren wir weiter gegenan.

Position: 69 Grad, 22 min. Nord, 15 Grad 22 min Ost. Es ist gar nicht so viel Wind, aber ein übler Seegang: „Unruhig“, „chaotisch“ schreiben die Wachen ins Logbuch.

Wir haben zwei Leichen – Wolfgang und Wolf. Üblicherweise reden Seekranke von irgendwelchem verdorbenem Essen, das ihnen auf den Magen geschlagen ist

Also: Wir motoren gegenan mit nur 2/3 der Besatzung.

Morgens um 10:45 haben wir das erste mal Segel gesetzt.

Die Segelführung beim Schoner: Ganz vorne ist der Klüver, dann kommt die Fock. Dahinter die Stagfock, über diesem Dreieck kann man noch den Fisherman setzen. Am zweiten Mast steht das Großsegel.

Klüver und Fock können auch noch durch die Genua ersetzt werden.

 

Irgendwann gegen Abend sind wir des Gegenanbolzens müde. Nachdem wir ausgerechnet haben, dass der Sprit knapp wird entscheiden wir: Spitzbergen ist als Ziel gestorben.

Rasmus ist gegen uns. Warum? Weil Wolfgang für den Schluck an Rasmus „Captain Morgan“ Rum genommen hat. Rasmus spuckt uns das Zeug wieder entgegen.

 

 

Mittwoch 2.8.

Früher Abend: Ankunft in Andenes auf Andöy. Ausruhen, schlafen, essen, abends: quatschen. Unsere Seekranken Wolfgang und Wolf berappeln sich wieder.

Die Ansteuerung war schwierig – es gab eine starke Strömung und dazu Untiefen vor dem und im Hafen.

Donnerstag, 3.8.2006

Abfahrt. Die Wetteraussichten: Leichter Wind aus NE.

E-Mailbericht an die Yachtschule ist im Internetcafe gescheitert.

14:00 Uhr: Ablegen. Ziel: Eine kleine Bucht in ca. 30-35 sm Entfernung: Kasfjorden auf der Insel Hinöy.

 ...



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