Von Spitzbergen zur Polkappe

...unsere persönliche Ausrüstung

14:34, Samstag 21 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 0 Kommentare .. Link
Viertel nach elf am Vormittag gehen wir ankerauf und verlassen den Magdalenenfjord. Über Nacht hat sich jede Menge Brucheis aus dem benachbarten Gletscher im Fjord gesammelt. Wir rempeln uns durch tausende von Eisklumpen zum Ausgang durch und sind froh, dass wir ein Stahlschiff haben.

Ansonsten passiert bei herrlichem Sonnenschein erst einmal nichts aufregendes.


Somit kann ich einen Ausflug in ein anderes Themengebiet unternehmen: wir haben alle sechs unterschiedliches Ölzeug, Unterzeug und sonstiges an Ausrüstung für die Reise mitgenommen.


Die Arktis dürfte als Testgebiet hinreichend akzeptabel sein. Beim Lesen von Ausrüstungstests in diversen Yachtzeitschriften komme ich mir gelegentlich verarscht vor: da werden Ferngläser getestet - und zwar im Testlabor der Firma Steiner. Die gewinnt natürlich. Ein paar Seiten später steht prompt die Anzeige der Firma im Blatt.

Bei Tests von Segelzeug schneidet regelmäßig das Zeug im oberen Bereich der mittleren Preiskategorie gut ab. Das mag gerechtfertigt sein, oder auch nicht.


Also, hier ganz subjektiv unsere eigenen Erfahrungen mit unserer eigenen Ausrüstung im Testlabor des Nordatlantik: Ich habe bunt kombinierte Funktionsunterwäsche. Sowohl von C&A, als auch das deutlich teurere aber auch dickere Faserpelzzeug aus dem Fachhandel. Beides hält leidlich warm und ist ok.

Mein Ölzeug ist vom Compass: Offshore Professional 5000. Es schützt gut, ich habe keine Klagen außer einer: Der Kragen ist an den Rändern nicht gefüttert. Zieht man ihn eng um, scheuert er unangenehm – vor allem, wenn man den dritten Tag unrasiert ist.

Handschuhe habe ich zwei verschiedene Paar: ein paar aus Neopren für rund 12,- Euro aus dem Anglerbedarf. Die haben sich nicht bewährt: ich habe auf der Ruderwache darin ständig kalte Finger bekommen.

Das andere Paar ist ein Paar Schihandschuhe von Tschibo, Handelsname: „Snow Gear“. Die sind zufriedenstellend, könnten aber gerne noch etwas wärmer sein.

Da es Schihandschuhe sind, sind sie nicht für Arbeiten mit Tauwerk gemacht – sie halten aber trotzdem ganz gut. Sie sind vier Jahre alt, und zeigen jetzt einen ersten kleinen Riss im Daumenbereich. Allerdings habe ich sie auch nur auf drei Fahrten benutzt (Spitzbergen 2004, Lofoten 2006 und jetzt). Für das nächste mal werde ich mich hier nach etwas besserem umsehen.

Schuhe: einmal die Lederstiefel, die von verschiedenen Anbietern für etwa 130,- Euro angeboten werden (mit doppelten Socken ok, aber nicht 100% dicht). Dazu Wanderschuhe von „Meindl“ für ca. 120,- Euro (sehr gut).

Wolfgang: trägt lange Unterhosen aus Baumwolle von der Bundeswehr – und will das auch weiter tun, weil das Zeug seinen Zweck erfüllt.

Als Socken empfiehlt Wolfgang ganz normale Socken, und darüber dicke Wollsocken - „das reicht voll und ganz“.

Darüber trägt eine Jeans, und dann eine „uralte Thermohose, die bestimmt schon 20 Jahre alt ist“ - und die bleibt auch weiter im Sesack. Die Jacke: Jeantex T 3000 TCS, etwa drei bis vier Jahre alt. Fazit: Das Zeug wärmt, hält dicht und muss nicht durch neueste Segelmode ersetzt werden.


Thomas: Unterwäsche: normale Schiunterwäsche von Bionics (Funktionsunterwäsche): „Bin damit sehr zufrieden.“ Auch die Socken sind Schisocken von Bionics, auch die sind sehr gut.

Darüber trägt er Bionicsunterzieher. Dazu kommt ein Faserpelzoverall von Polartech - „ebenfalls sehr zufrieden“. Die Segelhose ist von Magic Marine „Triple M - „sehr gut – wichtig: sie hat seitliche Einschubtaschen zum Wärmen der Hände.“

Als Österreicher ist Thomas bei der Bergrettung – und hat einen Teil seines Equipments aus diesem Bestand mitgebracht. Dazu gehören ein dünner Windstopper aus Fleece von „Mountain Equipment“ plus Windjacke von der selben Firma.

Außerdem: eine Bergrettungshose von „Mammut“: „Sehr gut“.

Für alle Fälle: Eine Daunenjacke von „Northsails“ (knielang) – die ist in Deutschland aber nicht erhältlich. Auch hier positiv: die seitlichen Einschubtaschen plus weitere Taschen für Segelequipment.

Schuhe: „Lowa“ Winterbergstiefel und neoprengefütterte Gummistiefel von „Aigle“ Dazu Motarradhandschuhe von „Held“ mit Fleeceinnenhandschuh und Gummiüberhandschuh.

„Was mir fehlt ist eine Schimütze mit Gesichtsmaske – ansonsten bin ich zufrieden.“


Manfred:

Unterwäsche: Funktionszeug verschiedener Hersteller, teils namenlos, teils Markenware. „Kein gravierender Unterschied festzustellen.“

Socken: normale Socken, in eher dicker Ausführung.


Diverse Fleecehemden, keine Markenware.

Sein Thermooverall ist etwa 16 Jahre alt, hat kaum Veschleißspuren und funktioniert gut. Als zweite Bordhose hat er die winddichte Segelhose von „Compass“ mit gepolsterten Knien und vielen Taschen für alles Mögliche. Erwähnenswert bei der Hose: eine Extraklettlasche für Handschuhe im Kniebereich – so sind sie immer griffbereit.

Ölzeughose: Offshore von Compass mit seitlichen, fleecegefütterten Einschubtaschen für die Hände: „sehr funktionell.“

Die Jacke: „Musto MPX“ für ca. 300,- Euro – die hat einen sehr guten Abschluss am Kragen, im Gegensatz zur Offshorejacke von Ralf; nichts scheuert, die Jacke ist für Manfred empfehlenswert.

Stiefel: Gummistiefel von „Niemeyer“ mit Neoprenschaft „wärmen gut, sind dicht: ich bin sehr zufrieden. Die kosten ungefähr 80,- Euro.“

Schuhe: Bergschuhe (Manfred ist Bergwanderer) für Ausflüge der Marke „Lowa Alpin“. Die sind wasserdicht und warm.

Dazu Berghandschuhe aus dem Fachhandel. Außerdem hat er Neoprenhandschuhe aus dem Surferbedarf: „sehr griffig. So lange man sich bewegt, sind sie sehr warm. Wenn Du nur am Ruder stehst, wird es kalt an den Fingern. Sie sind halt dafür gemacht, dass man in Bewegung ist, während man sie trägt.“


Wolf: Zu seiner ersten Fahrt in den Lofoten (2006) musste er sich sehr kurzfristig bei 30 Grad Hitze im Sommer ausrüsten. Es fehlte also jede Möglichkeit, das Zeug auch nur bei einem Spaziergang vorher auf seine Tauglichkeit zu prüfen – Wolf hat entsprechend den Ratschlägen seiner Mitsegler vertraut.

Das führte zu folgenden Einkäufen: zwei paar lange Funktionsunterhosen und -hemden Marke „Anzoni“, markenlose Fleecepullis, ein Paar Fleecehandschuhe und ein Paar Handschuhe aus dem Motorradbedarf.

Insgesamt haben sich die Ratschläge als tauglich erwiesen.


Über der normalen Unterwäsche kommt die Funktionsunterwäsche, ein Fleecepulli und bei Bedarf weitere Pullover.

Bordhose: Skipperhose von „Compass“, Jacke: Offshore von „Bermuda“, Ölhose: „Marinepool“. Bewertung: die Offshoresachen sind winddicht, aber man schwitzt darunter, das Schwitzwasser kommt nicht heraus. „Wäre ich Dauerbesucher auf Spitzbergen, müsste ich mir andere Sache kaufen.“

Schuhe: „Da habe ich 20,-Euroschuhe von Decathlon, die ich normalerweise zum Laufen im Schnee benutze – und die sind ok.“


Jürgen: Als Jäger ist es Jürgen gewohnt, Stunden im Kalten bei der Elchjagd in Schweden auf dem Ansitz zu verbringen. Seine Ausrüstung hat er unter anderem mit dieser Erfahrung zusammen gestellt.

Unterwäsche: Thermounterwäsche von „Helly Hansen“ („sehr gut“).

Socken: Normale Socken und dickere Funktionssocken oder schwedische Wollsocken darüber.

Fleecehemden von „Morten Oxlund“ aus Dänemark.

Dazu eine faserpelzgefütterte Arbeitsjacke von „Engelbert Strauss“.

Segeloverall und Jacke: von „BMS“. Die Wertung: „Wenn man gearbeitet hat, wird der Schweiß nicht richtig abgeleitet. Die sind nicht atmungsakiv und auch nicht zu empfehlen.“ Allerdings ist das Zeug schon mindestens zehn Jahre alt – da gibt es sicher jetzt besseres Material.

Handschuhe: Fleecehandschuhe und darüber Lederfäustlinge der schwedischen Armee für drei Euro. „Bis jetzt habe ich noch nicht einmal an den Fingern gefroren.“

Schuhe: Arbeitsgummistiefel – die haben sich nicht bewährt. „In den ersten drei Tagen hatte ich nur Eisfüße. Besser sind ein Paar Lederarbeitsschuhe von Engelbert Strauss. Man bekommt aber ein Problem, wenn sie nass werden.“

Insgesamt: „Ich habe mich auf die Empfehlungen des Eigners Reinhard verlassen. Der hatte gesagt: Kleide Dich so, als wolltest Du im Spätherbst eine Outdoortour unternehmen.“ Insgesamt ist diese Empfehlung gut.



So, das waren die gesammelten Erfahrungen. Auch wenn sie nicht systematisiert sind. Für einen echten Vergleich hätten wir die Sachen schließlich gegenseitig tauschen müssen.

Nichtsegler, die sich durch die Aufzählung gequält haben, bitte ich um Entschuldigung: aber vielleicht kommt so ja das ein oder andere passende Weihnachtsgeschenk zusammen.

Selbstverständlich ist keiner von uns gesponsert oder hat sonstige Vorteile davon, dass hier Markennamen genannt wurden.


Ach ja, noch zum Thema Marken: wir haben zwei Ferngläser an Bord. Ein „Steiner Marine“, der Mercedes unter den Ferngläsern. Alter: wissen wir nicht, es hat aber schon deutliche Gebrauchsspuren. Es gehört zum Inventar der „Pagan“. Der eingebaute Kompasse darin tut es nicht mehr, er ist verklemmt.


Das zweite Glas gehört Thomas: ein deutlich günstigeres „Fujinon“ für etwa 150,- Euro. Im direkten Vergleich konnte keiner von uns einen Unterschied erkennen, der die Preisdifferenz erklären kann. Angeblich hat das „Steiner“ wegen seiner aufwendigeren Optik eine bessere Leistung bei Dämmerung. Dazu können wir nichts sagen, weil im arktischen Sommer die Sonne nicht untergeht, und hier deswegen auch nichts dämmert.

Und natürlich sind alle geschilderten Eindrücke subjektiv.


So. Neue Meldungen von der „Pagan“ sobald es geht – dann wieder ein anderes Thema.

Gruß:

Ralf


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