Von Spitzbergen zur Polkappe

Die Trapper von Farmhamna

11:38, Montag 23 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Die Trapper von Farmhamna


In der Bucht von Farmhamna soll eine Trapperfamile leben“, kündigt Wolfgang an.

Bis wir in dieser Buch ankommen müssen wir aber eine unangenehme Motorfahrt bei teilweise recht ruppiger Schaukelei hinter uns bringen. Die „Pagan“ stampft sich mühevoll durch den Forlandsund. Der Wind und mit ihm jede größere Welle werfen das Schiff gleich um 20 Grad aus dem Ruder. Auf dem Kartenplotter am Laptop kann man verfolgen, wie der jeweilige Rudergänger versucht, das Schiff mit der schweren Pinne auf seinem Kurs zu halten.

Nach rund 14 Stunden Fahrt sehen wir von weitem die Funkmasten; der Trapper hat sich anscheinend ein wenig Infrastruktur gebaut. Er lebt dort mit Frau und zwei Töchtern, soviel weiß Wolfgang.

Als wir in der Bucht von Farmhamna (übersetzt: Farmhafen) vor Anker liegen, machen wir das Schlauchboot klar.

Am Strand erwarten uns Ilka und Ida; die zwei sieben und elf Jahre alten Töchter. Sie sind in Begleitung ihres Schäferhundes. (Der Hund auf dem Bild ist natürlich nicht der Schäferhund: Insgesamt haben wir so etwa acht Hunde dort gesehen). Auf einem Hochgestell trocknen geschlachtete Robben, nebanan liegen Holzschlitten, in der Bucht dümpelt ein Aluminiumboot mit Außenborder.


Der Trapper ist nicht zuhause – er ist unterwegs. Dafür ist seine Frau Marianne da.

Marianne hat ihr eigenes kleines Modelabel. Aus den Fellen, die ihr Mann heranholt macht sie Lederhosen, Taschen, Schuhe und was man sonst so herstellen kann.

1991 haben die beiden angefangen, das hier aufzubauen. „Das hier“, das ist ein respektables Holzhaus, ein Schuppen, Masten für Funk und Telefon. Sogar Internet haben die beiden. Marianne hat ihre eigene Homepage, auf der sie ihre selbst hergestellten Sachen vorstellt und vertreibt. Die Adresse: http://www.farmhamna.no .


Für den Fall, dass jetzt selbsternannte Naturschützer aufschreien: na klar, der Trapper jagt. Aber er lebt dort auf dem kargen Felsen mit der Natur. Ich persönlich glaube, dass er dem Ökosystem dort weniger schadet als das Touristenheer von Kreuzfahrern (welche Begriffsverwandschaft besteht eigentlich zu den Kreuzrittern?), das durch die Botanik trampelt.

Also, Marianne führt uns in ihr urgemütlliches Haus und zeigt uns ihre Nähstube, die gleichzeitig Ausstellungsraum ist. Jedes Stück ist handgearbeitet und bekommt noch das eigene Label aufgenäht.

Die Kinder, erzählt sie, vermissen hier nichts. Nicht einmal Schulunterricht – den bekommen sie von der Mama. Die Welt draußen ist ein einziger Abenteuerspielplatz. Was sie den ganzen Tag so machen, frage ich die Ältere. „Oh, wir spielen viel“, sagt sie.

Gut für die Familie: hier liegt sehr viel angeschwemmtes Holz am Strand; das taugt alle mal für den Kamin.

Auf die Frage, warum sie hier leben, antwortet Linda schlicht: uns gefällt das Leben hier.

Wir unternehmen noch einen Spaziergang, dann lassen wir die Trapperfamilie wieder alleine auf ihrem kargen aber schönen Felsen.

Ralf



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