Von Spitzbergen zur Polkappe

25. und 26.6. Bei den Walrössern

16:54, Donnerstag 26 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 2 Kommentare .. Link

Praktisch gegenüber von Barentsburg, etwa 16 sm entfernt liegt Trygghamna, eine Bucht, die sich als eisiger Ankerplatz entpuppt. In regelmäßigen Abständen pfeifen eisige Fallwinde durch, und schicken die Mannschaft unter Deck, wo der Dieselofen und der Holzkamin mollige Wärme verbreiten.

Dass unsere Sechsergrupe dann doch zeitweise mit klammen Fingern draußen ausharrt und die Kameras in Anschlag hält, hat mit unserer Nachbarschaft zu tun.

Eine kleine Gruppe von Walrossen beäugt unsere „Pagan“. Trotz ihres bulligen Aussehens sind sie meist friedliche Muschelfresser. Ihre gefährlich aussehenden Eckzähne nutzen vor allem die Bullen bei Paarungskämpfen.

Die Truppe aus vier bis fünf Tieren, die uns jetzt umkreist wirkt wie eine Clique unternehmungslustiger Teenager. Zunächst halten sie Sicherheitsabstand und bleiben eng zusammen. Dann werden sie etwas mutiger, tauchen auf die „Pagan“ zu, und kommen prustend und schnaubend an die Oberfläche.

Was sie treibt: Neugier? Langeweile? Halten sie uns für Eindringlinge in ihr Revier, denen man mal auf Verdacht die Zähne zeigt? Jedenfalls schießen wir Fotos bis der Arzt kommt.

Später werden aus den vier Walrössern sieben; die Gruppe scheint mutig zu machen. Ein kecker Riese schiebt seinen mächtigen Leib bis auf drei Meter an unser Schiff heran. Wir sind begeistert.

Schön zu sehen, wie sie manchmal exakt synchron ab- und wieder auftauchen. In den kleinen Äuglein, mit denen sie nach uns schielen suche ich nach so etwas wie Persönlichkeit.

Walrosse sind sehr soziale Tiere. Einige wenige von ihnen schlagen praktisch aus der Art und fressen Robben. Die meisten aber weiden ganz friedlich den Grund nach ihren bevorzugten Muscheln ab. Wer mehr dazu lesen möchte (wie überhaupt zu Spitzbergen und seiner Flora und Fauna) kann dies in dem Buch „Spitzbergen – Svalbard“ von Rolf Stange tun. ISBN: (10) 3-937903-06-2.

Wolfgang erzählt von einer früheren Begegnung mit Walrossen, und berichtet von einem atemberaubenden Gestank, den die Viecher verströmen können. Im Moment riechen sie aber ganz manierlich, oder besser gesagt: ich nehme keinen besonderen Geruch wahr.


Wir gewöhnen uns an die Nachbarschaft der Tiere, die uns fast die ganze helle Nacht lang immer mal wieder umkreisen. In der Nacht kann ich nicht besonders gut schlafen. Ist es die taghelle Umgebung, oder sind es die Fallböen, die den Gletscher hinunterjagen und unsere beiden Kaminrohre wie Orgelpfeifen zu einem an- und dann wieder abschwellenden Klingen bringen – keine Ahnung. Auf jeden Fall schlüpfe ich aus meinem Schlafsack in ein paar Klamotten und meine Stiefel, um ein paar Minuten an Deck zu verbringen. In der Ruhe zwischen den Böen hört man es plätschern: unsere Walrösser sind noch auf Patroullie. Ihre Gesichter tauchen aus dem Wasser auf, und sie scheinen zu kontrollieren, ob da auf diesem Stahldingens alles in Ordnung ist.
Es ist.

Nur Einsamkeit, Walrösser und wir: der Gedanke, dass es unsere Mitgeschöpfe sind, die uns da umkreisen, wird so selbstverständlich wie jeder andere Sinneseindruck in dieser Nacht.

Ich gucke auf die Berge um die Bucht herum: die Worte „unnahbar und schön“ sind die einzig passenden für ihren Anblick.

Auf diesem Flecken Erde können wir nur kurzzeitig Gäste sein. Wir brauchen zu viel Wärme und Hilfsmittel, um hier länger leben zu können. Svalbard gehört anderen: den Walrössern und Seehunden. Den ewigen Eissturmvögeln, die ihr sechzig Jahre dauerndes Leben lang zentimeterknapp über die Wellen gleiten, und die dieses Gleiten nur kurz für Pausen im Wasser oder zum Brüten unterbrechen. Vielleicht gehört dieser Lebensraum auch ein wenig Leuten wie der Trapperfamilie. Auf jeden Fall aber den Robben und Eisbären. Den zornigen Seeschwalben, die Jeden im Sturzflug attackieren, der ihren Brutplätzen zu nahe kommt. Und natürlich den spitzen, schneebdeckten Bergen, die mal grauschwarz, mal blau schimmern. Die gelegentlich von Flechten koloriert werden, und die als Wächter über der Zeit stehen und Svalbard immer und immer Svalbard sein lassen.


Es wird Zeit. Vorletzter Törntag. Bald geht es zurück nach Longyearbyen.

Ralf


 


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Lesbarkeit

11:56, Freitag 27 Juni 2008 .. Geschrieben von Anonymous
Liebe Männer
schöne Bilder - aber leider kann man das nicht lesen, die Schrift muss in "weiß" eingefügt werden.
Lieber Jürgen
heute kommt therese und ich fahre nach berlin. Axel ist glücklich nachhause gekommen und alle waren zufrieden. Paul genießt seinen neuen PC und Eika gewöhnt sich langsam daran, "nur" mit mir Gassi zu gehen. Ich wünsche Dir noch eine schöne Zeit
Kuß Andrea

Anmerkung: Hallo Andrea, habe das mit der Farbe korrigiert. Die Software macht zwischendurch, was sie will. Es hängt vermutlich bei mehreren Korrekturen damit zusammen, dass da ein gewisses Durcheinander bei den Formatbefehlen herrscht... wie dem auch sei: jetzt ist die Schrift gelb, und der Hintergrund blau.
Gruß: Ralf

Bearbeitet von segras am Thursday 3 July 2008 um 16:32

Lesbarkeit

14:04, Freitag 27 Juni 2008 .. Geschrieben von Anonymous
So kenn' ich den Ralf. Bei uns zuhause beklebt er die Vereinsboote auch mit schwarzen Rubbelbuchstaben auf tiefblauem Grund .....
Grüße Ingo

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