Von Spitzbergen zur Polkappe | |
25. und 26.6. Bei den WalrössernPraktisch gegenüber von Barentsburg, etwa 16 sm entfernt liegt Trygghamna, eine Bucht, die sich als eisiger Ankerplatz entpuppt. In regelmäßigen Abständen pfeifen eisige Fallwinde durch, und schicken die Mannschaft unter Deck, wo der Dieselofen und der Holzkamin mollige Wärme verbreiten. Dass unsere Sechsergrupe dann doch zeitweise mit klammen Fingern draußen ausharrt und die Kameras in Anschlag hält, hat mit unserer Nachbarschaft zu tun. Eine kleine Gruppe von Walrossen beäugt unsere „Pagan“. Trotz ihres bulligen Aussehens sind sie meist friedliche Muschelfresser. Ihre gefährlich aussehenden Eckzähne nutzen vor allem die Bullen bei Paarungskämpfen. Die Truppe aus vier bis fünf Tieren, die uns jetzt umkreist wirkt wie eine Clique unternehmungslustiger Teenager. Zunächst halten sie Sicherheitsabstand und bleiben eng zusammen. Dann werden sie etwas mutiger, tauchen auf die „Pagan“ zu, und kommen prustend und schnaubend an die Oberfläche. Was sie treibt: Neugier? Langeweile? Halten sie uns für Eindringlinge in ihr Revier, denen man mal auf Verdacht die Zähne zeigt? Jedenfalls schießen wir Fotos bis der Arzt kommt.
Später werden aus den vier Walrössern sieben; die Gruppe scheint mutig zu machen. Ein kecker Riese schiebt seinen mächtigen Leib bis auf drei Meter an unser Schiff heran. Wir sind begeistert. Auf diesem Flecken Erde können wir nur kurzzeitig Gäste sein. Wir brauchen zu viel Wärme und Hilfsmittel, um hier länger leben zu können. Svalbard gehört anderen: den Walrössern und Seehunden. Den ewigen Eissturmvögeln, die ihr sechzig Jahre dauerndes Leben lang zentimeterknapp über die Wellen gleiten, und die dieses Gleiten nur kurz für Pausen im Wasser oder zum Brüten unterbrechen. Vielleicht gehört dieser Lebensraum auch ein wenig Leuten wie der Trapperfamilie. Auf jeden Fall aber den Robben und Eisbären. Den zornigen Seeschwalben, die Jeden im Sturzflug attackieren, der ihren Brutplätzen zu nahe kommt. Und natürlich den spitzen, schneebdeckten Bergen, die mal grauschwarz, mal blau schimmern. Die gelegentlich von Flechten koloriert werden, und die als Wächter über der Zeit stehen und Svalbard immer und immer Svalbard sein lassen.
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