Von Spitzbergen zur Polkappe

Eindrücke von Jürgen

10:36, Sonntag 22 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 1 Kommentare .. Link

Eindrücke von Jürgen: Wir ankern im Krossfjord. Gegen 2 Uhr in der Frühe machen wir uns zu einer kleinen Expedition auf. Mit dem Dinghi setzen wir über. Angeln und Geschichte steht auf dem Programm. In der Nähe unseres Ankerplatzes sollen die Überreste einer deutschen Wetterstation aus dem 2. Weltkrieg erhalten sein. Auf dem Marsch dahin versinken wir immer wieder bis zum Bauch im Schnee. Auf einem kleinen vom Schnee befreiten Hügel liegen die Überreste jener Wetterstation zwischen dem Geröll. Verrostete Zeltgestänge und die wie abgebrannte Silvesterböller aussehenden Packungen erkennt Ralf zielsicher als Kohle/ Zink - Batterien. Auf den Ölfässern lese ich „ KRIEGSMARINE“. Vor Jahren habe ich zufällig gelesen, das die Spitzbergener Wetterstation der nördlichste Punkt eines die halbe Welt umspannenden Informationsnetzes der deutschen Heeresleitung gewesen sein soll. Jene Informtionen bestimmten u.a. die Kriegsführung und Einsatzpläne der Wehrmacht mit. Zwischen den Steinen findet Ralf einen verrosteten Henkel einer Tasse, ich halte die Überreste einer Konservendose in der Hand, Schrottgewordene Zeugnisse der Geschichte. Das von Thomas und Ralf mitgeschleppte Angelzeug geht ungebraucht wieder zurück. Der Süßwassersee ist noch zugefroren. Zu früh gefreut. Auch das Dümpeln in der Bucht brachte nichts. Gegen 6 Uhr morgens schieben wir uns in die Kojen ein.






...unsere persönliche Ausrüstung

14:34, Samstag 21 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 0 Kommentare .. Link
Viertel nach elf am Vormittag gehen wir ankerauf und verlassen den Magdalenenfjord. Über Nacht hat sich jede Menge Brucheis aus dem benachbarten Gletscher im Fjord gesammelt. Wir rempeln uns durch tausende von Eisklumpen zum Ausgang durch und sind froh, dass wir ein Stahlschiff haben.

Ansonsten passiert bei herrlichem Sonnenschein erst einmal nichts aufregendes.


Somit kann ich einen Ausflug in ein anderes Themengebiet unternehmen: wir haben alle sechs unterschiedliches Ölzeug, Unterzeug und sonstiges an Ausrüstung für die Reise mitgenommen.


Die Arktis dürfte als Testgebiet hinreichend akzeptabel sein. Beim Lesen von Ausrüstungstests in diversen Yachtzeitschriften komme ich mir gelegentlich verarscht vor: da werden Ferngläser getestet - und zwar im Testlabor der Firma Steiner. Die gewinnt natürlich. Ein paar Seiten später steht prompt die Anzeige der Firma im Blatt.

Bei Tests von Segelzeug schneidet regelmäßig das Zeug im oberen Bereich der mittleren Preiskategorie gut ab. Das mag gerechtfertigt sein, oder auch nicht.


Also, hier ganz subjektiv unsere eigenen Erfahrungen mit unserer eigenen Ausrüstung im Testlabor des Nordatlantik: Ich habe bunt kombinierte Funktionsunterwäsche. Sowohl von C&A, als auch das deutlich teurere aber auch dickere Faserpelzzeug aus dem Fachhandel. Beides hält leidlich warm und ist ok.

Mein Ölzeug ist vom Compass: Offshore Professional 5000. Es schützt gut, ich habe keine Klagen außer einer: Der Kragen ist an den Rändern nicht gefüttert. Zieht man ihn eng um, scheuert er unangenehm – vor allem, wenn man den dritten Tag unrasiert ist.

Handschuhe habe ich zwei verschiedene Paar: ein paar aus Neopren für rund 12,- Euro aus dem Anglerbedarf. Die haben sich nicht bewährt: ich habe auf der Ruderwache darin ständig kalte Finger bekommen.

Das andere Paar ist ein Paar Schihandschuhe von Tschibo, Handelsname: „Snow Gear“. Die sind zufriedenstellend, könnten aber gerne noch etwas wärmer sein.

Da es Schihandschuhe sind, sind sie nicht für Arbeiten mit Tauwerk gemacht – sie halten aber trotzdem ganz gut. Sie sind vier Jahre alt, und zeigen jetzt einen ersten kleinen Riss im Daumenbereich. Allerdings habe ich sie auch nur auf drei Fahrten benutzt (Spitzbergen 2004, Lofoten 2006 und jetzt). Für das nächste mal werde ich mich hier nach etwas besserem umsehen.

Schuhe: einmal die Lederstiefel, die von verschiedenen Anbietern für etwa 130,- Euro angeboten werden (mit doppelten Socken ok, aber nicht 100% dicht). Dazu Wanderschuhe von „Meindl“ für ca. 120,- Euro (sehr gut).

Wolfgang: trägt lange Unterhosen aus Baumwolle von der Bundeswehr – und will das auch weiter tun, weil das Zeug seinen Zweck erfüllt.

Als Socken empfiehlt Wolfgang ganz normale Socken, und darüber dicke Wollsocken - „das reicht voll und ganz“.

Darüber trägt eine Jeans, und dann eine „uralte Thermohose, die bestimmt schon 20 Jahre alt ist“ - und die bleibt auch weiter im Sesack. Die Jacke: Jeantex T 3000 TCS, etwa drei bis vier Jahre alt. Fazit: Das Zeug wärmt, hält dicht und muss nicht durch neueste Segelmode ersetzt werden.


Thomas: Unterwäsche: normale Schiunterwäsche von Bionics (Funktionsunterwäsche): „Bin damit sehr zufrieden.“ Auch die Socken sind Schisocken von Bionics, auch die sind sehr gut.

Darüber trägt er Bionicsunterzieher. Dazu kommt ein Faserpelzoverall von Polartech - „ebenfalls sehr zufrieden“. Die Segelhose ist von Magic Marine „Triple M - „sehr gut – wichtig: sie hat seitliche Einschubtaschen zum Wärmen der Hände.“

Als Österreicher ist Thomas bei der Bergrettung – und hat einen Teil seines Equipments aus diesem Bestand mitgebracht. Dazu gehören ein dünner Windstopper aus Fleece von „Mountain Equipment“ plus Windjacke von der selben Firma.

Außerdem: eine Bergrettungshose von „Mammut“: „Sehr gut“.

Für alle Fälle: Eine Daunenjacke von „Northsails“ (knielang) – die ist in Deutschland aber nicht erhältlich. Auch hier positiv: die seitlichen Einschubtaschen plus weitere Taschen für Segelequipment.

Schuhe: „Lowa“ Winterbergstiefel und neoprengefütterte Gummistiefel von „Aigle“ Dazu Motarradhandschuhe von „Held“ mit Fleeceinnenhandschuh und Gummiüberhandschuh.

„Was mir fehlt ist eine Schimütze mit Gesichtsmaske – ansonsten bin ich zufrieden.“


Manfred:

Unterwäsche: Funktionszeug verschiedener Hersteller, teils namenlos, teils Markenware. „Kein gravierender Unterschied festzustellen.“

Socken: normale Socken, in eher dicker Ausführung.


Diverse Fleecehemden, keine Markenware.

Sein Thermooverall ist etwa 16 Jahre alt, hat kaum Veschleißspuren und funktioniert gut. Als zweite Bordhose hat er die winddichte Segelhose von „Compass“ mit gepolsterten Knien und vielen Taschen für alles Mögliche. Erwähnenswert bei der Hose: eine Extraklettlasche für Handschuhe im Kniebereich – so sind sie immer griffbereit.

Ölzeughose: Offshore von Compass mit seitlichen, fleecegefütterten Einschubtaschen für die Hände: „sehr funktionell.“

Die Jacke: „Musto MPX“ für ca. 300,- Euro – die hat einen sehr guten Abschluss am Kragen, im Gegensatz zur Offshorejacke von Ralf; nichts scheuert, die Jacke ist für Manfred empfehlenswert.

Stiefel: Gummistiefel von „Niemeyer“ mit Neoprenschaft „wärmen gut, sind dicht: ich bin sehr zufrieden. Die kosten ungefähr 80,- Euro.“

Schuhe: Bergschuhe (Manfred ist Bergwanderer) für Ausflüge der Marke „Lowa Alpin“. Die sind wasserdicht und warm.

Dazu Berghandschuhe aus dem Fachhandel. Außerdem hat er Neoprenhandschuhe aus dem Surferbedarf: „sehr griffig. So lange man sich bewegt, sind sie sehr warm. Wenn Du nur am Ruder stehst, wird es kalt an den Fingern. Sie sind halt dafür gemacht, dass man in Bewegung ist, während man sie trägt.“


Wolf: Zu seiner ersten Fahrt in den Lofoten (2006) musste er sich sehr kurzfristig bei 30 Grad Hitze im Sommer ausrüsten. Es fehlte also jede Möglichkeit, das Zeug auch nur bei einem Spaziergang vorher auf seine Tauglichkeit zu prüfen – Wolf hat entsprechend den Ratschlägen seiner Mitsegler vertraut.

Das führte zu folgenden Einkäufen: zwei paar lange Funktionsunterhosen und -hemden Marke „Anzoni“, markenlose Fleecepullis, ein Paar Fleecehandschuhe und ein Paar Handschuhe aus dem Motorradbedarf.

Insgesamt haben sich die Ratschläge als tauglich erwiesen.


Über der normalen Unterwäsche kommt die Funktionsunterwäsche, ein Fleecepulli und bei Bedarf weitere Pullover.

Bordhose: Skipperhose von „Compass“, Jacke: Offshore von „Bermuda“, Ölhose: „Marinepool“. Bewertung: die Offshoresachen sind winddicht, aber man schwitzt darunter, das Schwitzwasser kommt nicht heraus. „Wäre ich Dauerbesucher auf Spitzbergen, müsste ich mir andere Sache kaufen.“

Schuhe: „Da habe ich 20,-Euroschuhe von Decathlon, die ich normalerweise zum Laufen im Schnee benutze – und die sind ok.“


Jürgen: Als Jäger ist es Jürgen gewohnt, Stunden im Kalten bei der Elchjagd in Schweden auf dem Ansitz zu verbringen. Seine Ausrüstung hat er unter anderem mit dieser Erfahrung zusammen gestellt.

Unterwäsche: Thermounterwäsche von „Helly Hansen“ („sehr gut“).

Socken: Normale Socken und dickere Funktionssocken oder schwedische Wollsocken darüber.

Fleecehemden von „Morten Oxlund“ aus Dänemark.

Dazu eine faserpelzgefütterte Arbeitsjacke von „Engelbert Strauss“.

Segeloverall und Jacke: von „BMS“. Die Wertung: „Wenn man gearbeitet hat, wird der Schweiß nicht richtig abgeleitet. Die sind nicht atmungsakiv und auch nicht zu empfehlen.“ Allerdings ist das Zeug schon mindestens zehn Jahre alt – da gibt es sicher jetzt besseres Material.

Handschuhe: Fleecehandschuhe und darüber Lederfäustlinge der schwedischen Armee für drei Euro. „Bis jetzt habe ich noch nicht einmal an den Fingern gefroren.“

Schuhe: Arbeitsgummistiefel – die haben sich nicht bewährt. „In den ersten drei Tagen hatte ich nur Eisfüße. Besser sind ein Paar Lederarbeitsschuhe von Engelbert Strauss. Man bekommt aber ein Problem, wenn sie nass werden.“

Insgesamt: „Ich habe mich auf die Empfehlungen des Eigners Reinhard verlassen. Der hatte gesagt: Kleide Dich so, als wolltest Du im Spätherbst eine Outdoortour unternehmen.“ Insgesamt ist diese Empfehlung gut.



So, das waren die gesammelten Erfahrungen. Auch wenn sie nicht systematisiert sind. Für einen echten Vergleich hätten wir die Sachen schließlich gegenseitig tauschen müssen.

Nichtsegler, die sich durch die Aufzählung gequält haben, bitte ich um Entschuldigung: aber vielleicht kommt so ja das ein oder andere passende Weihnachtsgeschenk zusammen.

Selbstverständlich ist keiner von uns gesponsert oder hat sonstige Vorteile davon, dass hier Markennamen genannt wurden.


Ach ja, noch zum Thema Marken: wir haben zwei Ferngläser an Bord. Ein „Steiner Marine“, der Mercedes unter den Ferngläsern. Alter: wissen wir nicht, es hat aber schon deutliche Gebrauchsspuren. Es gehört zum Inventar der „Pagan“. Der eingebaute Kompasse darin tut es nicht mehr, er ist verklemmt.


Das zweite Glas gehört Thomas: ein deutlich günstigeres „Fujinon“ für etwa 150,- Euro. Im direkten Vergleich konnte keiner von uns einen Unterschied erkennen, der die Preisdifferenz erklären kann. Angeblich hat das „Steiner“ wegen seiner aufwendigeren Optik eine bessere Leistung bei Dämmerung. Dazu können wir nichts sagen, weil im arktischen Sommer die Sonne nicht untergeht, und hier deswegen auch nichts dämmert.

Und natürlich sind alle geschilderten Eindrücke subjektiv.


So. Neue Meldungen von der „Pagan“ sobald es geht – dann wieder ein anderes Thema.

Gruß:

Ralf



Unterwegs nach Norden

10:17, Freitag 20 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Teil 1 Unterwegs nach Norden

So, etwas später als gedacht fahren wir los. Markus Schumacher, der Leiter des Alfred-Wegener-Instituts in Ny Alesund spendierte uns Kaffee, einen Rundgang durch das Institut und wertvolle Zeit am Internetrechner. Noch tanken, und dann können wir los.

Unsere Informationen vom Hafenmeister: das Eis ist weiter südlich, als wir erhofft haben.

Die nördlichen Inseln Spitzbergens sind praktisch schon vom Eis eingerahmt.

Das heißt: unserer Fahrt nach Norden sind eindeutige Grenzen gesetzt.

Gegen 21:00 Uhr am 19.6. fahren wir los. Ein schwacher Wind aus Südsüdwest dreht später auf Nord, so dass wir unter Motor die rund 70 bis 80 Meilen angehen.

Am frühen Morgen gegen 2:00 Uhr ist es ungemütlich; diesig, neblig, zwischendurch fallen ein paar Schneeflocken. Ein Teil der Crew schläft, die Wache wacht und sichtet gegen 9:00 Uhr am Morgen einen Wal. Es ist der Auftakt zu mehreren spektakulären Erlebnissen für das Auge. An die Robben haben wir uns schon gewöhnt; mal links, mal rechts tauchen ihre Köpfchen aus dem Wasser auf, sie schauen sich einmal um, dann verschwinden sie wieder.

Später liegt ein Walross faul auf einer Eisscholle.


 


Die Schollen werden immer mehr. Sie wachsen von einzelnen Stückchen zu fußballgroßen Feldern, die aber unregelmäßig geformt sind. Dazwischen kleine Berge aus Eis, die bläulich schimmern und eine eigenartige Skulpturenlandschaft bilden.

Schließlich ist sie da, die Packeisgrenze: hier können wir nicht weiter.


Wolfgang dirigiert das Schiff vorsichtig bis an das Eis heran. Mit einer Leine gesichert tappen wir vorsichtig auf den Rand der Eislandschaft, die sich bis zum Horizont erstreckt. „Ab hier kann man zu Fuß zum Nordpol laufen“, bemerkt einer mit einem Staunen in der Stimme.

Wir kommen wegen der Sicherheitsleine – man könnte ja einbrechen – nicht weiter als 15 m landeinwärts. Aber mir reicht das schon für eine Gänsehaut.

Die Gedanken und Gefühle in dem Moment kamen schnell und ungeordnet: Hier kommst Du so schnell nicht wieder hin – der nördlichste Punkt meines Menschenlebens ist genau unter meinen Füßen - grandiose Eislandschaft – ein feierliches Gefühl grummelt durch den Körper.

(Foto 08620Ralfnord)



 

Der Reihe nach gehen wir einzeln auf das Eis. Thomas kann es kaum glauben hier zu sein, Manfred freut sich wie ein kleiner Junge, Wolf reißt die Arme hoch: Hurra, wir sind da angekommen, wo wir hin wollten. Am nördlichsten für uns möglichen Punkt. Für Segler und Geographen: 79 Grad, 42,318 Minuten Nord, 010 Grad 06,594 Minuten Ost.

Es ist fast windstill, die Sicht ist klar und weit. Die Temperatur liegt bei knapp über Null. Das Eis blendet auf die Dauer. Thomas muss sich die Schibrille aufsetzen, die er in kluger Voraussicht mitgebracht hat.

Wolfgang veranstaltet eine kleine Zeremonie, verbunden mit einem Dank an Rasmus. Wir flachsen gerade noch über die fehlenden Eisbären und überlegen, wie wir sie anlocken können, da öffnet die Arktis noch einmal ihre Wundertüte. In der Ferne trottet ein beigeweißer Fleck in unsere Richtung: es ist ein Eisbär. Wolfgang sieht zu, dass er auf das Schiff kommt, und dann lauern wir mit der Kamera im Anschlag darauf, dass der Bär näher kommt. Mir gelingt nur ein unscharfes Bild mit einem Bären in weiter Ferne.

(Foto 08620Eisbaer)


Thomas hat eine sehr gute Kamera und zoomt den Bären heran, bevor er hinter einem Schneehügel verschwindet – dort wartet er, soviel können wir noch ausmachen, an einem Robbenloch auf Beute.

Ganz in unserer Nähe geht eine Gruppe Robben stiften: sie hat sich vielleicht unter dem Eis davon gemacht, um dem Räuber zu entgehen.

Wir verlassen unseren persönlichen Nordpol – in Richtung Magdalenenfjord. Dort wollen wir in der Nacht ankern.


20.8.2008 Teil 2: Und noch ein paar Wunder der Natur...


Die Fahrt zum Magadalenenfjord geht wieder in Richtung Süden – wenn auch nur ein paar Meilen.

Der Fjord liegt still und majestätisch da, es geht kein Wind. Leise tuckert der Diesel zu unserer Ankerbucht. Dort liegt schon ein anderes Schiff vor Anker: Der Kreuzfahrer „Maxim Gorkiy“. Er spuckt hunderte von Menschen aus, die auf umzäunten Wegen an Land stehen. Zu ihnen kommt noch – wie bescheuert ist das denn? – ein Animateur in einem Eisbärkostüm, um sich der Reihe nach mit den Landgängern abfotografieren zu lassen.

Wir sind froh, als die weg sind – die „Maxim Gorkiy“ spuckt noch lange sichtbar schwarze Rauchschwaden in den Himmel.

Wolfgang, Thomas, Manfred und Jürgen schnappen sich Flinte und Signalpistole, um eine Exkursion an Land zu machen.

Wolf und ich bleiben an Bord: für mich eine willkommene Gelegenheit, alle Eindrücke zu verdauen. (Foto: 08620Magdafj)


In dieser Nebelwelt wie aus einer nordischen Sage kann endlich alle zur Ruhe kommen.


Im Fjord tippe ich die letzten Ereignisse in den Laptop. Das Foto vom Magdalenenfjord: Ich schwöre, dass ich kein Fotoprogramm zum Bearbeiten genommen habe – es sieht da genauso aus, wie auf dem Bild.

Es gibt nicht viele Worte all das zu beschreiben, was so durch den Kopf geht. Der Grund ist einfach: Es sind keine Worte oder Sätze, die da im Schädel rumoren; es sind Gefühle oder einfach Assoziationen. Die „Pagan“ liegt still vor Anker. In ein oder zwei Stunden wollen unsere Landausflügler wieder kommen.

(Foto 08620Paganmagda)


Auf dem Bild steht Manfred am Heck – auch er blickt gedankenverloren über den magischen Fjord.

So schön solche Fotos sein können: Sie sind niemals schöner als das Bild, dass sich einem ins Gedächtnis einbrennt.

So. Jetzt werfe ich mal einen Blick nach draußen – nicht dass unsere Landurlauber schon seit einer halben Stunde auf ihr Schlauchboottaxi warten...
Ralf


Der Landausflug von Manfred, Thomas, Jürgen und mir (Wolfgang) war anstrengend und beeindruckend zugleich. Wir sind durch endlose Schneefelder und über große Felsbrocken am Strand, fast bis zum Gletscherabbruch gewandert.

Auf den Schneefeldern fanden wir zahlreiche Bärenspuren die in die unterschiedlichsten Richtungen führten. Also immer ein wachsames Auge für die Umgebung, um nicht plötzlich von einen Eisbären überrascht zu werden. Eine siebenköpfige Rentierherde kreuzte so ganz nebenbei auch noch unseren Weg.


Die bisherigen Eindrücke der letzten Tage sind einfach überwältigend und ganz besonders der heutige Tag mit Packeis, Walrösser, Robben, Wal, Rentieren (das Spitzbergenren bildet eine eigene Gattung und kommt in dieser Art nur hier vor) und Eisbär. Was auch besonders beeindruckt sind die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und -spiegelungen. Das alles lässt sich einfach nicht in Worte fassen, man kann das alles nur begreifen wenn man es selber erlebt und gesehen hat.

Das wir so etwas großartigen in so kurzer Zeit erleben ist einfach atemberaubend und schön. Davon träumt ein mancher sein Leben lang und erreicht es doch nicht. Eigentlich schade.

Wolfgang S.


 




Ankunft in Ny Alesund

15:54, Donnerstag 19 Juni 2008 .. Geschrieben in * Reisetagebuch Sommer 2008 .. 0 Kommentare .. Link

19.6.2008

Hafen von Ny Alesund. Gestern gab es Bratkartoffeln mit Herinstipp. Anschließend herrliche sieben Stunden durchgeschlafen – heute steht ein Besuch in Ny Alesund an. Hier wohnen im Normalfall 200 bis 300 Wissenschaftler aus aller Herren Länder. Darunter auch deutsche. Vor vier Jahren haben wir die Station des Alfred-Wegener-Instituts besucht. Eine Besichtigung heute ist natürlich Pflicht.

Ny Alesund ist ein sehr begrenzter Vorposten der Zivilisation: hier gibt es ein paar Holzhütten, ein paar Straßen und ein Denkmal, das an den norwegischen Polarforscher und Nationalheiligen Roald Amundsen erinnert. Dazu ein kleines Museum und das nördlichste Postamt der Welt.

 

Den Tag über haben wir frei, um Ny Alesund anzusehen, Postkarten zu verschicken und ein paar Sachen einzukaufen. (Der Laden hat von 15:30 bis 16:30 geöffnet).

Heute abend gegen 18:00 wollen wir weiter. Bisher wissen wir, dass das Eis viel südlicher gekommen ist, als wir gehofft haben. Bis zur Eiskante sind es noch rund 60 Meilen nach Norden.

Wir hoffen, bei den deutschen Wissenschaftlern Zugang zum Internet zu bekommen. Dann können wir die neueste Eiskarte herunterladen, und ich kann meinen Blog aktualisieren.


Die Wissenschaftler vom Alfred-Wegener Institut stellen uns ihre Rechner zur Verfügung - und Ihr Internet. Bei Interesse schaut doch mal bei ihnen herein: www.awi-bremerhaven.de

Bis dann, die Crew der „Pagan“.

 



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