Home of the Lame: "Da ist mit Gitarrenmusik nicht so wirklich viel zu holen heutzutage."
Home of the Lame-Sänger und -Gitarrist Felix Gebhard im Gespräch über das neue Album "Sing What You Know", Selbstzweifel und Besetzungswechsel.
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Wenn du dich selbst interviewen könntest, was würdest du dich fragen?
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(überlegt lange) Wenn ich Musiker wäre oder irgendwas anderes?
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Wenn du Musiker wärst.
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Ich habe auch noch nie ein Interview gemacht mit jemandem, deswegen weiß ich das nicht genau. Ich würde vielleicht fragen, was mich inspiriert, wenn ich Musik schreibe. Gesetzt den Fall, dass ich Musik schreiben würde.
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Und die Antwort darauf?
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Das ist ja jetzt beides gleichzeitig. Weiß ich nicht. Da fällt mir jetzt so spontan nichts drauf ein.
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Na gut. Ich bin etwas aufgeregt wegen des Interviews, seid ihr schon aufgeregt wegen des Rockpalast-Auftritts?
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Nö.
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Kameraerfahrung hast du ja schon.
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Joa. Ich weiß nicht, also ich mein, das wird sich halt zeigen. Ist ja nicht so richtig unser Publikum, was da ist. Die Leute kommen ja wegen der Hauptband wahrscheinlich und ob die das dann mögen oder nicht, wird sich zeigen. Vorher aufgeregt zu sein, bringt einem ja auch nicht so viel.
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Ich meine nur, wegen den Kameras.
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Ach so. Nö, deswegen nicht. Ich hoffe natürlich, dass ich an dem Tag bei Stimme bin oder dass keine technischen Schwierigkeiten auftreten. Das ist ja dann in dem Fall vielleicht ein bisschen blöd. Aber sonst mache ich mir da nicht so einen Kopf eigentlich.
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In "The Radio" singst du "What touches me is not what they show on TV" und "Most of these magazines – they just do not talk to me." Letzten Monat hattet ihr einen halbseitigen Artikel in der Visions, nächste Woche der Rockpalast-Auftritt. Inwiefern öffnest du dich jetzt doch für diese Plattformen?
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Ich verschließe mich der Plattform ja nicht. In dem Song geht es ja eher darum, dass die Sachen, die überwiegend – na so Musik, die halt im Fernsehen läuft, nicht die Musik ist, die mich groß berührt. Beim Heft geht’s auch nicht so sehr darum – das ist vielleicht auch im Nachhinein ein bisschen komisch formuliert – dass die Hefte nicht mit mir reden, sondern dass die nicht zu mir sprechen. Das hatte ich mehr damit gemeint.
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Hattest du denn den Anspruch, das Video zu "Old Songs" irgendwann mal im Fernsehen zu sehen? In irgendeiner Szene-Sendung oder so?
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Nö, also den Anspruch – ich mein, es wär natürlich schön, wenn das passiert, aber es gibt ja auch immer wieder im Lokalsenderbereich Plattformen, wo das rein passen würde oder gespielt werden würde. Aber in dem Moment, als wir das gedreht haben, war es schon klar, dass das überwiegend so ein Internet-Ding sein wird. Was natürlich schade ist, weil man sich einerseits lange dran setzt und irgendwie ja auch filmemacherisch dann so einen Qualitätsanspruch hat. Das ist ja jetzt nicht so, dass das trashig sein soll. Und dann sieht es halt vollkommen pixelig und bekloppt aus, wenn man es vorher auf einem richtigen Bildschirm gesehen hat. Das ist schade, aber das Medium ist halt einer anderen Gruppe Bands oder Musikern vorbehalten. Da ist mit Gitarrenmusik nicht so wirklich viel zu holen auf dem Sektor heutzutage. Es sei denn, du bist – ja, es sei denn, du hast halt Glück.
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Ich fand auch die Idee gut, dass die neue Band da quasi eingeführt wird durch das Video. Dass man gleich so einen optischen Effekt hat für alle, die die Band noch nicht live gesehen haben – dass sie zumindest schon mal die beiden neuen Musiker gesehen haben.
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Genau. Die Neuen gegen die Alten – oder zusammen mit den Alten dann, genau.
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Hatte denn die Entscheidung, das Album mit Band aufzunehmen damit zu tun, dass Kai (ehemals Schlagzeug) und Kai (ehemals Gitarre) dann gesagt haben: "Home of the Lame adé!"?
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Nee, das wäre ja eher umgekehrt gewesen. Ich hatte schon Lust, in so einer Bandkonstellation das neue Album aufzunehmen, beziehungsweise habe ich gedacht, dass das ja auch dem Prozess der Entwicklung der Songs zuträglich sein könnte. In dem Moment, wo Kai und Kai gesagt haben, dass sie nicht mehr dabei sind, haben wir noch nicht angefangen, an neuen Songs zu arbeiten. Es war dann eher so ein bisschen, dass ich darauf gehofft hatte, dass das unser nächster gemeinsamer Schritt sein könnte und dann die beiden aber gesagt haben, dass sie nicht mehr dabei sein können. Aber dann waren eigentlich auch, glaube ich, anderthalb Monate später Christian und Ingo dabei und dann haben wir eigentlich angefangen, die ersten Songs zusammen auszuprobieren.
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Inwiefern hatten die anderen dann Einfluss auf das Album, auf die Entstehung?
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Na ja, also die grundsätzlichen Songs, das quasi Nackte oder die Songskelette, wenn man so will, also Rhythmusgitarre und Gesang, kam von mir, aber natürlich hat jeder seinen Kram dazu beigesteuert. Einem Gitarristen wie Ingo kann ich vielleicht vor summen bei einer bestimmten Stelle, was ich da irgendwie für eine Vorstellung habe, aber der meiste Impuls kommt auch von ihm selber, weil er einfach so versiert ist, dass ihm da dann Sachen einfallen. Ali hat sich seine Bässe ausgedacht, Christian hat sich das Schlagzeug dazu ausgedacht und Ingo hat sich die Gitarren dazu ausgedacht. So hat halt jeder seinen Teil dazu beigetragen. Mats (Bengtsson, war bereits an der Entstehung des ersten Albums beteiligt) hat die Klaviere und Orgeln gespielt, also frei improvisiert. Das ist das angenehme mit solchen Leuten, denen solche Sachen auch ein bisschen leichter fallen als mir persönlich als Musiker.
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Also du hast dann quasi das Gerüst vorgegeben und bei den Instrumenten, wo du keine Ahnung hattest, haben die anderen das dann fertig gemacht?
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Ja. Es gibt vielleicht hier und da dann irgendwie so eine Sache, die mir vorschwebt – eine wichtige Melodie oder eine Melodie, die mir wichtig ist in dem Moment, aber überwiegend ist das dann doch intuitiv von der einzelnen Person selber.
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Siehst du denn die Band jetzt als austauschbare Gastmusiker oder willst du auf lange Sicht ein Bandgefüge aufbauen, dass dann so weiter agiert?
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Ich würde mich freuen, wenn das so weiter gehen könnte. Das ist ja auch nicht so, dass ich nach freiem Gutdünken Leute durch tausche. In diesem Fall war es ja jetzt, dass Kai und Kai keine Zeit mehr hatten und dann die beiden neuen dabei waren. Also ich finde schon, dass auch gerade mit Markus, der jetzt neu dabei ist, das schon eine Qualität erreicht hat, die einfach dadurch zustande gekommen ist, dass wir jetzt lange zusammen spielen. Das ist halt mit so einer Selbstverständlichkeit am gemeinsamen Musizieren und es stellt sich natürlich nicht automatisch mit jedem sofort ein, sondern da steckt ja auch Arbeit drin oder so eine gemeinsame Erfahrung und ich hoffe, dass wir so weiter machen können.
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Wenn du zur Zeit von Home of the Lame sprichst, sprichst du dann von "ich" oder von "wir"?
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Nö, das ist eine Band.
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Also "Wir Home of the Lame"?
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Ja, definitiv.
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Hast du jemals darüber nach gedacht, auf deutsch zu singen?
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Ja. Ich habe auch in der Vergangenheit durchaus deutsche Songs gemacht, aber Home of the Lame war zum Beispiel immer eine Sache, die auf englisch war und deswegen habe ich da in dem Fall nie darüber nachgedacht, auf deutsch zu singen. Ich habe auch in Bands gespielt, wo deutsch gesungen wurde. Die Frage hat sich bei Home of the Lame nie gestellt. Home of the Lame war immer englischsprachig. Ganz früher habe ich sowieso nicht darüber nachgedacht. Das war halt so. Komischerweise, weil ich halt super viel deutschsprachige Musik als Jugendlicher und als Kind auch gehört habe, aber Popmusik selber machen war dann nur auf englisch. Später habe ich dann eine Weile deutsch getextet. Das habe ich sehr lange nicht mehr gemacht. Ich habe, glaube ich, seit sechs Jahren keinen deutschsprachigen Song mehr geschrieben.
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Was denkst du, wie weit deine Musik außerhalb von Deutschland wahrgenommen wird?
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Das kann ich relativ genau abstecken, weil ich weiß, wo die Platte erhältlich ist. Ich kann mir vorstellen, dass man über MySpace irgendwo hier und da jemanden erreicht, der irgendwo anders wohnt als man selber, aber die Vertriebsmöglichkeiten, die jetzt in unserem Fall vorliegen, beschränken sich auf Deutschland, Österreich, Schweiz. Ich habe selber jetzt auf einer grassroots-mäßigen Ebene mich mal nach Italien bewegt und da Kontakte geknüpft und da gibt es so einen Do it yourself-Vertrieb, der, gänzlich ohne Gewinn damit machen zu wollen, mir hilft, meine Platten da zu verkaufen, aber keine Ahnung, wie viele Leute mich auf der kleinen Tour, die ich da letzten Herbst alleine gemacht habe, gesehen haben. Das ist relativ überschaubar.
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Ich habe letztens einen amerikanischen Home of the Lame-Hörer kennen gelernt.
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Das gibt's doch gar nicht!
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In Amerika kann man das Album bei Amazon bestellen. 99 Cent pro Song oder für fünf Pepsi-Gutscheine.
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Aha, interessant. Und wie war der darauf gekommen?
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Der hat das Album von einem Freund bekommen.
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Siehste. Na ja, man wundert sich.
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In deinen Texte schimmern immer wieder eine Menge Selbstzweifel durch bezüglich dem, was du machst. Würdest du gerne musikalisch was anderes machen, traust dich aber nicht, oder hast du eher Angst davor, etwas zu wiederholen, was es bereits gab?
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Ja, also in dem Fall, wenn es um Selbstzweifel geht, dann hat das eher mit einem Qualitätsanspruch zu tun, den ich halt selber habe an das, was ich mache. Das ist die eine Ebene und die andere Ebene ist, dass ich mich mit einer Sache beschäftige, wie viele andere in meiner Situation auch, dass ich halt ziemlich viel Energie, Zeit und Geld auch in eine Sache stecke, die mir diese Sachen nicht gleichwertig zurück gibt – vor allem kein Geld. Ich glaube, so über den Daumen verbringe ich zusammen gerechnet die Hälfte meines Jahres mit Home of the Lame. Also nicht im Übungsraum oder an der Gitarre oder so, sondern auch mit dem ganzen Kram drumherum, den ich da am Organisieren bin. Also wenn man das jetzt auf Arbeitszeit gerechnet sieht. Und die übrigen sechs Monate muss ich die Zeit, die ich da sitze, finanzieren sozusagen. Wie war die Frage nochmal?
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Die Frage war: Kommen die Zweifel daher, dass du gerne etwas anderes machen würdest oder...
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Richtig. Das ist der Punkt, der mir durch den Kopf geht. Also ich habe keine Angst davor, mich zu wiederholen.
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Nee, nicht dich zu wiederholen, sondern andere zu wiederholen.
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Nö, das auch nicht. Also das ist mehr so eine elementare Geschichte. Das sind jetzt nicht so kreative Selbstzweifel oder so. Also ich meine, natürlich komme ich ja auch in die Situation, wo ich denke: das ist scheiße, was ich da mache. Das bleibt ja nicht aus.
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Ich habe jetzt aber noch niemanden kennen gelernt, der gesagt hat, Home of the Lame ist scheiße. Alle, die ich kenne, die Home of the Lame kennen, haben gesagt, dass das gute Musik ist, dass das keinesfalls scheiße ist.
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Ja, also als Hörer geht es mir ja auch anders, wenn ich anderer Leute Musik höre, da gehe ich ja mit einer anderen kritischen Haltung ran, als wenn es um meine eigenen Sachen geht. Ich glaube, egal ob man Songs schreibt oder Bücher oder Gedichte oder Bilder malt oder Fotos macht oder so, das ist ja der Moment, wenn man sehr viel Energie in eine Sache steckt, von der man selber natürlich überzeugt sein will. Dann gibt es natürlich ganz oft Situationen, wo man genau das halt nicht ist. Wo einem das völlig bekloppt vorkommt. Die Momente gibt es halt natürlich. Wenn ich beispielsweise an einem Song sitze und denke, das ist Quatsch. Oder ich merke tatsächlich – die Situation gibt es ja auch – dass man irgend eine Sache voll geil findet, die man da seit drei Tagen spielt und irgendwann rafft man, dass das eigentlich eine Melodie von einem Song ist, den es schon gibt. Das ist dann natürlich auch irgendwie... kann man ja auch nicht bringen, dass man dann, wenn man wahrscheinlich unterbewusst das irgendwie aufgenommen hat und dann denkt man, dass das ein eigener Song wäre und dann ist das gar kein eigener Song. Aber insgesamt sind es halt mehr diese - also in einem Song wie "Engine" oder so - diese elementaren Zweifel. Also ich meine: Ist das jetzt wirklich das? Ist das wirklich das, was ich machen soll? Irgendwie Mittwoch Abend vor dreißig Leuten zu spielen oder so. Solche Gedanken kommen einem natürlich, wenn man Mittwoch abends vor dreißig Leuten irgendwo spielt und im Kopf durch rechnet, ob die Tour sich überhaupt trägt.
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Ihr spielt viele alte Stücke nicht mehr. Ist das so eine Art "neuer Lebensabschnitt"? Neue Liebe, neues Leben, neue Songs?
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Na ja, die neue Platte bockt natürlich viel mehr. Ich denke mal, dass das irgendwie – ohne jetzt hochtrabend klingen zu wollen – also das ist so: diese Platte, diese elf Songs sind das, was mich bisher am meisten selbst überzeugt von dem, was ich in dieser Richtung Musik bisher gemacht habe. Also es gab noch nicht irgendwie jemals den Punkt, wo ich die Sachen, die ich gemacht habe, total scheiße fand hinterher, aber natürlich: das ist neu und das ist spannender und die Songs sind noch nicht so tausend Mal gespielt und so. Von daher ist natürlich der eigene Fokus ein bisschen mehr auf den Songs und dann ist es aber auch so, dass das halt die Songs sind, die wir zusammen entwickelt haben und die zusammen so einen Sinn ergeben, wie wir die spielen und auf dem alten Album Sachen drauf sind, die jetzt vielleicht nicht so für eine Rockband angelegt sind und die dann aber auch im Vergleich zu anderen Songs nicht richtig standhalten. Deswegen. Das kommt wahrscheinlich daher. Das Problem ist halt, dass man ja auch nicht dreieinhalb Stunden spielen will, weil das ja dann auch vielleicht die Leute langweilt. Deswegen fallen dann, wenn man sich eine Auswahl von fünfzehn möglichen Songs zusammen stellt, natürlich einige durch. Und das sind dann meistens die älteren. Oder die schlechteren.
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Mir ist aufgefallen, dass die vorangegangen Veröffentlichungen sehr naturbetont waren. Das heißt, Landschaftsfotografie und Digipack statt Plastikhülle. Das ist jetzt gar nicht mehr der Fall.
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Digipack ist zu teuer! Das zu dem Punkt. Ja, also ich meine, da habe ich dann halt zwei Platten lang mit so einer Ästhetik und Romantik gespielt, die dann vielleicht auch irgendwann mal durch war. Außerdem wollte ich irgendwas mit Buchstaben machen. Und so wie Nina das Cover gemacht hat, fand ich das ziemlich super, wie das jetzt geworden ist. Das hat ja auch diese erdigen, grünlichen, bräunlichen Tönen überwiegend und die Struktur sind alte Buchumschläge, die man da so durch sieht, was dann wiederum zu diesem "Sing What You Know"-Überthema passt. Da gibt es keinen großartigen Plan dahinter, warum das jetzt anders geworden ist außer dem, dass es von der Thematik her zu der neuen Platte passt.
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Stimmt, jetzt wo du das sagst mit der Romantik, macht das Sinn.
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Ja. Und das Cover von "Here, of all Places" sind halt Bilder aus der Region, wo die Platte aufgenommen wurde und wo ich gewohnt habe, als ich die Platte oder einige der Songs geschrieben habe. Das hat dann eigentlich eher so einen persönlichen Querverweis noch mal, der jetzt nicht unbedingt total plausibel sein muss.
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Wo siehst du Home of the Lame in fünf bis sechs Jahren oder meinetwegen auch noch weiter?
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Keine Ahnung, weiß ich nicht genau. Also Home of the Lame hat ja mich zumindest – dieser Name mit all seinen verschiedenen Zusammenstellungen – hat mich das ja jetzt schon... Das erste Tape habe ich mit Jochen (Gutsch, Bandfreund aus Hannoveraner Tagen, Felix spielt z. Zt. auch in seinem Projekt Hinterlandt) damals 1994 gemacht. Das ist halt nicht so eine Frage. Das ist eine Sache, die gibt es immer eigentlich.
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Also du könntest dir auch vorstellen, dass du jetzt fünf Jahre gar nichts machst und das dann, wenn du Bock drauf hast, wieder raus kramst?
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Ja, wobei man rein marktwirtschaftlich natürlich so schnell wie möglich wieder dran anknüpfen will. Außerdem finde ich, dass wir jetzt in dieser menschlichen Zusammenstellung so ein kreativer Topf sind, wo ich es halt spannend finde. Und ich hab irgendwie Bock, jetzt eigentlich ziemlich schnell neue Songs zu schreiben mit den Jungs zusammen und auch vielleicht anders als bisher. Vielleicht kann man auch Sachen anders sich entwickeln lassen.
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Kannst du dir auch vorstellen, Songs, also Songtexte, an die anderen abzugeben, wenn die irgendwie mit einer Idee kommen?
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Weiß ich auch nicht. Alles ist möglich. Alles kann, nichts muss. Also ich weiß nicht, ob der Drang bei den anderen so besteht. Aber bestimmt. Alles geht.
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Letzte Frage: Mit wem würdest du gerne mal zusammen spielen, arbeiten, auftreten?
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Na ja, da gibt es einige Geheimwünsche. (überlegt lange)
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Gibt es auch öffentliche?
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Ja, ich überlege gerade. Also ich hab Lust – Mats Bengtsson hat eine Western-Swing-Band, die spielen so 40er-, 50er-Jahre Country-Musik, mit denen möchte ich mal gerne Musik machen. Das ist vielleicht sogar möglich. Das liegt ein bisschen an mir, ich muss da eigentlich nur hin fahren. Das wäre so die Geschichte, die am greifbarsten wäre.
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Wenn du es dir frei aussuchen könntest?
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Ach, da gibt es einige. Ich habe jetzt nicht den Traum, mit jemandem, der mir nicht persönlich bekannt ist, aufzutreten.
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Das Band ist voll, die letzten Worte von Felix verhallen unaufgenommen im Raum, aber das wichtigste ist bereits gesagt. Home of the Lame spielen an diesem Abend tatsächlich vor gerade mal etwas mehr als 30 Besuchern. |