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16.07.08 Editors, R.E.M. - Berlin, Walbühne
Eintritt: ca. 60 EUR
Besucher: ca. 20.000

Editors und R.E.M. in der Berliner Waldbühne, einer der unsympathischsten Open Air-Locations dieser Größenordnung: Minimal groß gebauter Innenraum und eine Tribüne, die eine Fußballfeldbreite nach hinten bis fast in den Himmel reicht. Immerhin kann man wenigstens von so gut wie überall ohne Sichtbehinderung sehen - auch wenn man spätestens ab der Mitte des zweiten Ranges ein Fernglas braucht. Egal, vorne spielt die Musik.

Wir waren ca. 1 1/2 Stunden vor Einlass da und es wurden alle meine Erwartungen unterboten: wir waren tatsächlich die aller-, allerersten am Nebeneingang. Am Haupteingang war nicht viel mehr, aber immerhin schon ein bißchen was los und am Fanclubeingang sowieso. Die Leute von dort waren es dann wahrscheinlich auch, die sofort die ersten drei Reihen fülllten, während sich der Rest einschließlich uns erstmal auf die Tribünen verteilte und der Innenraum vorerst relativ leer bleiben sollte - vielleicht auch nicht zuletzt wegen des mittlerweile recht starken Regens.

Die Editors kannte ich nach meinem Ermessen eigentlich nicht, jedoch klangen gleich die ersten drei Songs ziemlich vertraut. Da hatte ich mich mit den mir bekannten Songs ("Ich kenne nur ein Lied von denen.") wohl ein wenig verschätzt. Die anfängliche Antipathie, die ich der Band zugeschrieben hatte, löste sich fix auf. Sehr schöne Band. Also musikalisch. Optisch ist bei diesen ganzen Britpop-Bands ja kein Blumentopf zu gewinnen.

Während einer halben Stunde Umbaupause wurde der Editors-Kram von der Bühne geräumt, das R.E.M.-Equipment stand größtenteils bereits die ganze Zeit auf der Bühne rum, weshalb es während der Editors dort teilweise ziemlich nach Sperrmüllhaufen aussah. Es war irgendwie seltsam, das so zu beobachten. Ich bin schon zu sehr an Umbauten hinter Vorhängen gewöhnt.

R.E.M. kamen auf die Bühne, aber der Wow-Effekt und das Gänsehaut-Gefühl, das ich angesichts der persönlichen Bedeutsamkeit der Band und der Zeit, die ich darauf gewartet hatte, diese Band mal live zu sehen, erwartet hatte, hielten sich ziemlich in Grenzen. Die erste halbe Stunde fand ich relativ öde, der Funke wollte trotz einem gut aufgelegten Michael Stipe, der sich darüber beschwerte, daß man ihm fälschlicherweise sagte, die Bühne sei nass und der deswegen jetzt peinlicherweise seine alten Turnschuhe anhatte, die er wenig später aufwändig gegen neue Socken & Schuhe tauschte, nicht so recht überspringen, was vielleicht auch daran lag, daß ich von den ersten acht Songs keinen einzigen kannte, aber daran war ich ja selbst schuld.
Zu "Imitation of Life" stellten sich meine Körperhaare dann das erste Mal richtig auf und feuchte Augen gab's auch noch dazu. Geht doch. Danach folgten wieder ein paar unbekannte Lieder - insgesamt sollten an diesem Abend nur 6 1/2 mir bekannte Songs gespielt werden -, aber das störte mich nicht mehr so sehr, da sie mir besser gefielen als die zu Anfang, ich mittlerweile mehr und mehr in das Konzert fand und mich mit dem ungewohnt alten Publikum vertraut gemacht hatte (wir waren schätzungsweise die Jüngsten in mindestens unserem Block). Irgendwie hatte ich mehr Stimmung erwartet, aber so richtig wollte keine aufkommen. Keine Ahnung, ob die alle nur wegen dem Namen da waren.

Mein persönlicher Höhepunkt waren die letzten 5 Songs des Hauptsets ("Let Me In", "Horse To Water", "Bad Day", "I'm Gonna DJ", "Orange Crush"), die allgemein eher dem entsprachen, was ich von R.E.M. erwartet hatte als der mittlerweile schon oft verschmähte Beginn.
Ich hatte als letzten Song dann eigentlich "It's the End of the World" erwartet, aber "Man on the Moon" war angesichts der Open Air-Location ein durchaus würdiger Ersatz, in dem das Konzert einen doch sehr versöhnlichen Ausklang fand.

Insgesamt 27 Songs sind für eine solche Band sicherlich ein stattliches Endresultat, die meisten in dieser Preiskategorie spielen ja an guten Tagen gerade mal etwas mehr als die Hälfte davon.



Kategorie: Konzerte und Festivals.
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