Musikjournalismus
(nach VÖ sortiert)
Albencover kommen bald wieder!
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16.07.08 Editors, R.E.M. - Berlin, Walbühne
Eintritt: ca. 60 EUR
Besucher: ca. 20.000
Editors und R.E.M. in der Berliner Waldbühne, einer der unsympathischsten Open Air-Locations dieser Größenordnung: Minimal groß gebauter Innenraum und eine Tribüne, die eine Fußballfeldbreite nach hinten bis fast in den Himmel reicht. Immerhin kann man wenigstens von so gut wie überall ohne Sichtbehinderung sehen - auch wenn man spätestens ab der Mitte des zweiten Ranges ein Fernglas braucht. Egal, vorne spielt die Musik.
Wir waren ca. 1 1/2 Stunden vor Einlass da und es wurden alle meine Erwartungen unterboten: wir waren tatsächlich die aller-, allerersten am Nebeneingang. Am Haupteingang war nicht viel mehr, aber immerhin schon ein bißchen was los und am Fanclubeingang sowieso. Die Leute von dort waren es dann wahrscheinlich auch, die sofort die ersten drei Reihen fülllten, während sich der Rest einschließlich uns erstmal auf die Tribünen verteilte und der Innenraum vorerst relativ leer bleiben sollte - vielleicht auch nicht zuletzt wegen des mittlerweile recht starken Regens.
Die Editors kannte ich nach meinem Ermessen eigentlich nicht, jedoch klangen gleich die ersten drei Songs ziemlich vertraut. Da hatte ich mich mit den mir bekannten Songs ("Ich kenne nur ein Lied von denen.") wohl ein wenig verschätzt. Die anfängliche Antipathie, die ich der Band zugeschrieben hatte, löste sich fix auf. Sehr schöne Band. Also musikalisch. Optisch ist bei diesen ganzen Britpop-Bands ja kein Blumentopf zu gewinnen.
Während einer halben Stunde Umbaupause wurde der Editors-Kram von der Bühne geräumt, das R.E.M.-Equipment stand größtenteils bereits die ganze Zeit auf der Bühne rum, weshalb es während der Editors dort teilweise ziemlich nach Sperrmüllhaufen aussah. Es war irgendwie seltsam, das so zu beobachten. Ich bin schon zu sehr an Umbauten hinter Vorhängen gewöhnt.
R.E.M. kamen auf die Bühne, aber der Wow-Effekt und das Gänsehaut-Gefühl, das ich angesichts der persönlichen Bedeutsamkeit der Band und der Zeit, die ich darauf gewartet hatte, diese Band mal live zu sehen, erwartet hatte, hielten sich ziemlich in Grenzen. Die erste halbe Stunde fand ich relativ öde, der Funke wollte trotz einem gut aufgelegten Michael Stipe, der sich darüber beschwerte, daß man ihm fälschlicherweise sagte, die Bühne sei nass und der deswegen jetzt peinlicherweise seine alten Turnschuhe anhatte, die er wenig später aufwändig gegen neue Socken & Schuhe tauschte, nicht so recht überspringen, was vielleicht auch daran lag, daß ich von den ersten acht Songs keinen einzigen kannte, aber daran war ich ja selbst schuld.
Zu "Imitation of Life" stellten sich meine Körperhaare dann das erste Mal richtig auf und feuchte Augen gab's auch noch dazu. Geht doch. Danach folgten wieder ein paar unbekannte Lieder - insgesamt sollten an diesem Abend nur 6 1/2 mir bekannte Songs gespielt werden -, aber das störte mich nicht mehr so sehr, da sie mir besser gefielen als die zu Anfang, ich mittlerweile mehr und mehr in das Konzert fand und mich mit dem ungewohnt alten Publikum vertraut gemacht hatte (wir waren schätzungsweise die Jüngsten in mindestens unserem Block). Irgendwie hatte ich mehr Stimmung erwartet, aber so richtig wollte keine aufkommen. Keine Ahnung, ob die alle nur wegen dem Namen da waren.
Mein persönlicher Höhepunkt waren die letzten 5 Songs des Hauptsets ("Let Me In", "Horse To Water", "Bad Day", "I'm Gonna DJ", "Orange Crush"), die allgemein eher dem entsprachen, was ich von R.E.M. erwartet hatte als der mittlerweile schon oft verschmähte Beginn.
Ich hatte als letzten Song dann eigentlich "It's the End of the World" erwartet, aber "Man on the Moon" war angesichts der Open Air-Location ein durchaus würdiger Ersatz, in dem das Konzert einen doch sehr versöhnlichen Ausklang fand.
Insgesamt 27 Songs sind für eine solche Band sicherlich ein stattliches Endresultat, die meisten in dieser Preiskategorie spielen ja an guten Tagen gerade mal etwas mehr als die Hälfte davon.
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Kategorie: Konzerte und Festivals. |
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The Amber Light: Play
The Amber Light haben sich für ihr zweites Album "Play" nicht lumpen lassen und namhafte Studio-Unterstützung ins Boot geholt. Neben Patrik Majer, der schon Tele und Nick Cave gemischt hat, produzierte auch Jean-Michel Tourette, seines Zeichens Gitarrist und Keyboarder bei Wir sind Helden, das Album mit.
Diese Hochkaräter hört man "Play" auf den ersten Blick jedoch nicht an. Das mag vor allem daran liegen, dass es beim diesem Album nicht so viel gibt, wodurch sich das Produzententeam hätte bemerkbar machen können. "Play" ist ein straightes Prog-Pop-Album, welches sich jedoch nicht durch besondere musikalische Affinitäten auszeichnet.
Die Songs sind konstant und stabil, jedoch nicht sehr durchsetzungsfähig. Die zwölf Stücke dudeln mal mehr im Slow- und mal weniger im Mid-Tempo vor sich hin, die große Offenbarung bleibt dabei komplett auf der Strecke. Die beschämende Wand zwischen unsicherer Zurückhaltung einerseits und überwältigter Euphorie andererseits seitens des Hörers wird nur ganz selten überschritten. Dabei ist "Play" in keinster Weise ein schlechtes Album. Es ist zu scheu, zu verschlossen. Viel zu selten sind die Momente, in denen sich Melodien öffnen und in andere Sphären wandern.
Meist ist es so: Kennst du den Anfang, kennst du das Ende. Sonderlich ausgefallen sind die Ideen nicht, die The Amber Light auf "Play" verarbeiten. Es ist anhörbar, ja. Es ist schön, ja. Es ist auch mit vielen Geschmäckern kompatibel, ja. Was lediglich fehlt, ist der Funke, der überspringt. Das Feuer glüht, aber der entscheidende Luftstoß, der es in ein loderndes Inferno verwandelt, bleibt aus. Der Wiedererkennungswert der Songs ist sehr gering.
Schon wenige Minuten nach dem Durchhören hat man vieles bereits schon wieder verdrängt. Was ist hängen geblieben? Vielleicht, dass Louis Gabbiani in guten Momenten ein wenig so singt wie Roman Fischer, der wiederum gerne mal wie Brian Molko klingt. Ein großer Vergleich, aber tatsächlich klingen The Amber Light das ein oder andere Mal gar nicht so weit weg von den frühen Placebo, deren Frühwerke mitunter auch nicht von sonderlichem Talent gezeichnet sind. Und wer weiß, vielleicht drehen The Amber Light den Spieß ja bald um und in ein Paar Jahren sind es dann Wir sind Helden, die in ihrem Vorprogramm spielen.
Anspieltipps: Waste, Fire Walk With Me, Still Going Nowhere, No Love Lost
Tracklist:
01. Moody
02. All over soon
03. Waste
04. Drake
05. Never Fade Out
06. The Deep Twist
07. Fire Walk With Me
08. Still Going Nowhere
09. Does it ever get better
10. Play
11. No Love Lost
12. ...and then it stopped raining
Spielzeit: 49:54 Minuten
Bewertung: 5.5 von 10 Punkten
Label: Superball Music
Release: 25.04.2008
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Kategorie: Alben. |
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Sir Simon: Battle
Im folgenden wird ein Album besprochen, das so nie betitelt werden sollte. Sir Simon ist lediglich die Kurzform vom vormaligen Bandnamen Sir Simon Battle. Einleitend sollte man der Klärung der Umstände wegen vorweg erwähnen, dass Sir Simon Rattle etwas dagegen hatte, dass sein Name von Simon Frontzek und Begleitband so offensichtlich abgeleitet wurde und aufgrund dessen auf einer Namensänderung bestand. Sir Simon war da freilich die nahe liegendste, wenngleich auch nicht unabdingbar schöpferischste Option. Um Rattle seinen Willen zu gönnen und trotzdem mit einer vertrauten Wortkette zu erscheinen, wurde das Album rasch "Battle" betitelt. Auf dem Cover steht nun also trotz aller Unannehmlichkeiten immer noch "Sir Simon Battle" – der Meister ist übermannt.
Um zum Hauptteil – der Musik – über zu leiten, fehlt es an Anknüpfungsmöglichkeiten, weshalb dies nun ohne jegliche verfolgbare Zusammenhänge geschieht. Das, welches hier als "Battle" publiziert wird, hat mit einem Gefecht nur spärlich gemein. "Battle" ist ein behagliches, durchwärmtes Album. Wäre es ein Klima, wäre es mutmaßlich mediterran. Schwebende Melodien umgarnen filigrane Gitarrentöne, die Simon Frontzeks lieblichen Gesang punktgenau akzentuieren. Ein Feuerwerk der Befindlichkeiten entlädt sich, sobald jener seine Stimme erhebt. Warme und kalte Schauer durchzucken das Rückenmark. Einer fühlt sich, als wolle er heulen und lachen zu simultanem Moment. Und doch, es legt sich dieser warme Schleier auf des Hörers kalten Schoß und präzisiert eine Wärme, wie sie nur in nordischen Gefilden auszumachen ist.
Sir Simon weiß sicher, wie man ein Publikum zu erreichen vermag, welches nicht unbedingt zu dem seinen gehört. Er ist jedoch gleichermaßen im Stande, zu erkennen, dass es schwierig ist, den schmalen Grat zwischen Eintönigkeit und übereifriger Vielfältigkeit zu beschreiten, doch er wandert ihn vortrefflich straight.
Es bleibt konkludierend die Quintessenz zu äußern, dass unter Androhung von Strafe nicht anzufechten ist, welche Energie in den milden Gesängen dieses Endproduktes zu stecken vermag. "Battle" ist ein Musikwerk oberster Güte, fern ab von den verwegenen Gefilden der Gesamtheit, hin zu einer unschätzbaren Klasse exquisiter Alben, wie sie gottlob nicht im Buche stehen, zugleich ferner in dieser Art bisher nur von wenigen Bands wie den fabulösen Weakerthans oder den großartigen Home of the Lame zu hören waren.
Anspieltipps: Credit Cards and Trains, Drive Me Home, Nine to Five, I Turn the Key, Safety First, 16° C
Tracklist:
01. Credit Cards and Trains
02. The Band Stopped Playing
03. Drive Me Home
04. Lines
05. Nine to Five
06. I Turn the Key
07. The Last Year
08. Drink and Drive
09. Tapes Tunes Microphones & Lies
10. Safety First
11. 16° C
Spielzeit: 46:51 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Strange Ways
Release: 04.04.2008
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Kategorie: Alben. |
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Widow's Peak: Why Should I
"Why Should I" ist das dritte Album der Bayern von Widow's Peak rund um die Gründungsmitglieder Oliver Klement und Andy Lorenz. Die mittlerweile fünf Männer ziehen ihr Ding mit wenig Schnick-Schnack und klaren Linien durch. Widow's Peak wissen, wie ihre Musik klingen soll und verfolgen ein klar erkennbares Ziel. Das hat heutzutage vor allem im Underground-Bereich Seltenheitswert. Die erste Hürde ist also gemeistert.
"Why Should I" ist klar strukturiert, die Songs kommen durchweg ohne besondere Umschweife oder wahnsinnig ausgefallene Dauer-Soli direkt zum Punkt. Für Schnörkeleien ist hier kein Platz, Widow's Peak besinnen sich auf das Wesentliche. Und das ist auch gut so.
Die Songs sind klassisch angelegt, kommen mit Gitarre, Bass und Schlagzeug aus. Gesang gibt es auch, logischerweise. Selbiger ist klar und deutlich eingesungen und produziert, die grundsätzlichen Aussagen der englischen Texte kommen bereits beim ersten Hören an. Lediglich "Right in Your Face" ist durch seine Megafon-Verzerrung zu Anfang unverständlich, aber sowas machen ja auch die H-Blockx gerne mal und da beschwert sich auch keiner. Im weiteren Verlauf entwickelt sich der Song – nicht zuletzt wegen des dann doch ganz angenehmen Gitarren-Solos – zu einem Höhepunkt auf "Why Should I".
Die Hintergrundgesänge erinnern – vor allem in "Day by Day" – oftmals sehr an 70er-Jahre Backgroundgesänge. Der Vergleich mit den Beatles ist wahrscheinlich etwas zu hoch angesetzt, kommt aber spontan am ehesten in den Sinn. Auch Anleihen der Rolling Stones und ähnlichen Zeitgenossen sind hier und da nicht von der Hand zu weisen. Widow's Peak klingen in ihrem Gesamtbild sehr harmonisch, sehr klassisch, aber irgendwie ist das alles nichts Neues, man hat das meiste schon mindestens ein- oder zweimal woanders gehört.
Mit "Why Should I" setzt das Quintett zum Ende hin noch einmal einen klaren Akzent in Richtung Großartigkeit. Das Stück, das gekonnt mit Einflüssen aus Country und Offbeat spielt, erzeugt mit sofortiger Wirkung einen astreinen Ohrwurm.
Widow's Peak schaffen mit "Why Should I" keinen Meilenstein, aber darum wird es der Band wohl auch kaum gehen. Das Album ist bodenständig und gut, sicherlich aber nichts für die Dauerschleife oder ähnliche Spielchen.
Anspieltipps: Liberty, Day by Day, Right in Your Face, Why Should I
Tracklist:
01. Liberty
02. Day By Day
03. She's So Fine
04. Walking In The Rain
05. Wrong Uniform
06. The Way You Smile At Me
07. Do You Remember
08. Game Over
09. Right In Your Face
10. Undying Angel
11. Why Should I
12. Danger
Spielzeit: 48:26 Minuten
Bewertung: 6.5 von 10 Punkten
Label: Eigenproduktion
Release: 28.03.2008
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Kategorie: Alben. |
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The Reason: Things Couldn't Be Better
"Things Couldn't Be Better" – nach diesem Titel klingen zumindest die ersten Zeilen des dritten Albums von The Reason absolut nicht. "The world before me / and the wall behind me / I don't know which side I'm on." Auf den ersten Blick scheint es, als habe es sich die Band auf die Fahnen geschrieben, in ihren Texten das genaue Gegenteil des Albumtitels zu propagieren. Offeriert wird das jedoch nur durch die ersten drei Zeilen. "But it's the right one for me" heißt es nämlich weiter. Dazu begleitet ein komplett akustisches Stück, das schon so verspielt klingt, dass man bereits jetzt genau weiß, dass diese Band bei den Aufnahmen des Albums auf jeden Fall eins hatte: Spaß. Das überträgt sich natürlich umgehend.
So schnell und überraschend wie "My Broken Legs" das Album einleitet, so schnell und überraschend verschwindet es nach knapp über einer Minute Spielzeit auch wieder und macht Platz für das vom Titel her sicher passendere "This Is Just The Beginning." "Things Couldn't Be Better" ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal eineinhalb Lieder alt, aber prompt ist klar: The Reason reihen sich ein in die Liste der vielen, vielen großartigen kanadischen Bands, von denen man in Deutschland viel zu wenig weiß, wenngleich man eigentlich sollte.
Und das, obwohl – einige mögen an dieser Stelle sicher sagen: gerade weil – sie vor allem stimmlich oftmals sehr nah in die Gegend von Quakfrosch Benjamin Kowalewicz und ähnlichen Exemplaren heran reichen. Bis auf den Produzenten und einige stimmliche Affinitäten hat die Musik von The Reason allerdings eher wenig mit Billy Talent zu tun.
Der wohl offenkundigste Widerspruch zu eben genannten: The Reason kann man sich länger als zehn Minuten am Stück anhören. Ein ganzes Album lang sogar und das gar mehrmals hintereinander. Immer wieder fragt man sich dabei stutzig, warum – ja verdammt, warum nur – diese Band in deutschen Landen bisher so unbekannt ist. Spätestens seit dem Duett "We're so beyond this" mit Sara von den in Deutschland durchaus wohl bekannten Zwillingsschwestern Tegan & Sara hätte man doch mit etwas Resonanz rechnen dürfen. Vielleicht liegt es daran, dass "We're so beyond this" bisher lediglich Radiopräsenz genießt und erst mit "Things Couldn't Be Better" offiziell hier veröffentlicht wird. So oder so, gehört werden sollte es ohne Frage.
Fazit: The Reason nicht vor der Unbekanntheit zu bewahren, wäre eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen, denn – so albern diese Phrase auch klingt – sie haben es drauf. Es ist durchaus wünschenswert, dass eine möglichst große Menge an Menschen diesen charmanten Mix aus lautem Hardcore-Geschrei und soften Pop-Synthies zu Ohren bekommt. Vielleicht sollte man tatsächlich nach Kanada auswandern.
Anspieltipps: My Broken Legs, This Is Just The Beginning, All I Ever Wanted, Unquestionable, We're so beyond this, This Is Taking Forever, Sleepyhead
Tracklist:
01. My Broken Legs
02. This Is Just The Beginning
03. All I Ever Wanted
04. Unquestionable
05. Is It Just Me?
06. This Is Where We Go It Alone
07. If My Tongue Could Talk
08. We're So Beyond This
09. This Is Taking Forever
10. I Felt A Song Inside Me
11. Sleepyhead
12. Reset The Breaker
Spielzeit: 40:30 Minuten
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Label: Smallman Records
Release: 28.03.2008
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Kategorie: Alben. |
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Home of the Lame: "Da ist mit Gitarrenmusik nicht so wirklich viel zu holen heutzutage."
Home of the Lame-Sänger und -Gitarrist Felix Gebhard im Gespräch über das neue Album "Sing What You Know", Selbstzweifel und Besetzungswechsel.
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Wenn du dich selbst interviewen könntest, was würdest du dich fragen?
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(überlegt lange) Wenn ich Musiker wäre oder irgendwas anderes?
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Wenn du Musiker wärst.
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Ich habe auch noch nie ein Interview gemacht mit jemandem, deswegen weiß ich das nicht genau. Ich würde vielleicht fragen, was mich inspiriert, wenn ich Musik schreibe. Gesetzt den Fall, dass ich Musik schreiben würde.
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Und die Antwort darauf?
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Das ist ja jetzt beides gleichzeitig. Weiß ich nicht. Da fällt mir jetzt so spontan nichts drauf ein.
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Na gut. Ich bin etwas aufgeregt wegen des Interviews, seid ihr schon aufgeregt wegen des Rockpalast-Auftritts?
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Nö.
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Kameraerfahrung hast du ja schon.
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Joa. Ich weiß nicht, also ich mein, das wird sich halt zeigen. Ist ja nicht so richtig unser Publikum, was da ist. Die Leute kommen ja wegen der Hauptband wahrscheinlich und ob die das dann mögen oder nicht, wird sich zeigen. Vorher aufgeregt zu sein, bringt einem ja auch nicht so viel.
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Ich meine nur, wegen den Kameras.
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Ach so. Nö, deswegen nicht. Ich hoffe natürlich, dass ich an dem Tag bei Stimme bin oder dass keine technischen Schwierigkeiten auftreten. Das ist ja dann in dem Fall vielleicht ein bisschen blöd. Aber sonst mache ich mir da nicht so einen Kopf eigentlich.
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In "The Radio" singst du "What touches me is not what they show on TV" und "Most of these magazines – they just do not talk to me." Letzten Monat hattet ihr einen halbseitigen Artikel in der Visions, nächste Woche der Rockpalast-Auftritt. Inwiefern öffnest du dich jetzt doch für diese Plattformen?
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Ich verschließe mich der Plattform ja nicht. In dem Song geht es ja eher darum, dass die Sachen, die überwiegend – na so Musik, die halt im Fernsehen läuft, nicht die Musik ist, die mich groß berührt. Beim Heft geht’s auch nicht so sehr darum – das ist vielleicht auch im Nachhinein ein bisschen komisch formuliert – dass die Hefte nicht mit mir reden, sondern dass die nicht zu mir sprechen. Das hatte ich mehr damit gemeint.
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Hattest du denn den Anspruch, das Video zu "Old Songs" irgendwann mal im Fernsehen zu sehen? In irgendeiner Szene-Sendung oder so?
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Nö, also den Anspruch – ich mein, es wär natürlich schön, wenn das passiert, aber es gibt ja auch immer wieder im Lokalsenderbereich Plattformen, wo das rein passen würde oder gespielt werden würde. Aber in dem Moment, als wir das gedreht haben, war es schon klar, dass das überwiegend so ein Internet-Ding sein wird. Was natürlich schade ist, weil man sich einerseits lange dran setzt und irgendwie ja auch filmemacherisch dann so einen Qualitätsanspruch hat. Das ist ja jetzt nicht so, dass das trashig sein soll. Und dann sieht es halt vollkommen pixelig und bekloppt aus, wenn man es vorher auf einem richtigen Bildschirm gesehen hat. Das ist schade, aber das Medium ist halt einer anderen Gruppe Bands oder Musikern vorbehalten. Da ist mit Gitarrenmusik nicht so wirklich viel zu holen auf dem Sektor heutzutage. Es sei denn, du bist – ja, es sei denn, du hast halt Glück.
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Ich fand auch die Idee gut, dass die neue Band da quasi eingeführt wird durch das Video. Dass man gleich so einen optischen Effekt hat für alle, die die Band noch nicht live gesehen haben – dass sie zumindest schon mal die beiden neuen Musiker gesehen haben.
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Genau. Die Neuen gegen die Alten – oder zusammen mit den Alten dann, genau.
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Hatte denn die Entscheidung, das Album mit Band aufzunehmen damit zu tun, dass Kai (ehemals Schlagzeug) und Kai (ehemals Gitarre) dann gesagt haben: "Home of the Lame adé!"?
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Nee, das wäre ja eher umgekehrt gewesen. Ich hatte schon Lust, in so einer Bandkonstellation das neue Album aufzunehmen, beziehungsweise habe ich gedacht, dass das ja auch dem Prozess der Entwicklung der Songs zuträglich sein könnte. In dem Moment, wo Kai und Kai gesagt haben, dass sie nicht mehr dabei sind, haben wir noch nicht angefangen, an neuen Songs zu arbeiten. Es war dann eher so ein bisschen, dass ich darauf gehofft hatte, dass das unser nächster gemeinsamer Schritt sein könnte und dann die beiden aber gesagt haben, dass sie nicht mehr dabei sein können. Aber dann waren eigentlich auch, glaube ich, anderthalb Monate später Christian und Ingo dabei und dann haben wir eigentlich angefangen, die ersten Songs zusammen auszuprobieren.
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Inwiefern hatten die anderen dann Einfluss auf das Album, auf die Entstehung?
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Na ja, also die grundsätzlichen Songs, das quasi Nackte oder die Songskelette, wenn man so will, also Rhythmusgitarre und Gesang, kam von mir, aber natürlich hat jeder seinen Kram dazu beigesteuert. Einem Gitarristen wie Ingo kann ich vielleicht vor summen bei einer bestimmten Stelle, was ich da irgendwie für eine Vorstellung habe, aber der meiste Impuls kommt auch von ihm selber, weil er einfach so versiert ist, dass ihm da dann Sachen einfallen. Ali hat sich seine Bässe ausgedacht, Christian hat sich das Schlagzeug dazu ausgedacht und Ingo hat sich die Gitarren dazu ausgedacht. So hat halt jeder seinen Teil dazu beigetragen. Mats (Bengtsson, war bereits an der Entstehung des ersten Albums beteiligt) hat die Klaviere und Orgeln gespielt, also frei improvisiert. Das ist das angenehme mit solchen Leuten, denen solche Sachen auch ein bisschen leichter fallen als mir persönlich als Musiker.
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Also du hast dann quasi das Gerüst vorgegeben und bei den Instrumenten, wo du keine Ahnung hattest, haben die anderen das dann fertig gemacht?
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Ja. Es gibt vielleicht hier und da dann irgendwie so eine Sache, die mir vorschwebt – eine wichtige Melodie oder eine Melodie, die mir wichtig ist in dem Moment, aber überwiegend ist das dann doch intuitiv von der einzelnen Person selber.
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Siehst du denn die Band jetzt als austauschbare Gastmusiker oder willst du auf lange Sicht ein Bandgefüge aufbauen, dass dann so weiter agiert?
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Ich würde mich freuen, wenn das so weiter gehen könnte. Das ist ja auch nicht so, dass ich nach freiem Gutdünken Leute durch tausche. In diesem Fall war es ja jetzt, dass Kai und Kai keine Zeit mehr hatten und dann die beiden neuen dabei waren. Also ich finde schon, dass auch gerade mit Markus, der jetzt neu dabei ist, das schon eine Qualität erreicht hat, die einfach dadurch zustande gekommen ist, dass wir jetzt lange zusammen spielen. Das ist halt mit so einer Selbstverständlichkeit am gemeinsamen Musizieren und es stellt sich natürlich nicht automatisch mit jedem sofort ein, sondern da steckt ja auch Arbeit drin oder so eine gemeinsame Erfahrung und ich hoffe, dass wir so weiter machen können.
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Wenn du zur Zeit von Home of the Lame sprichst, sprichst du dann von "ich" oder von "wir"?
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Nö, das ist eine Band.
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Also "Wir Home of the Lame"?
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Ja, definitiv.
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Hast du jemals darüber nach gedacht, auf deutsch zu singen?
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Ja. Ich habe auch in der Vergangenheit durchaus deutsche Songs gemacht, aber Home of the Lame war zum Beispiel immer eine Sache, die auf englisch war und deswegen habe ich da in dem Fall nie darüber nachgedacht, auf deutsch zu singen. Ich habe auch in Bands gespielt, wo deutsch gesungen wurde. Die Frage hat sich bei Home of the Lame nie gestellt. Home of the Lame war immer englischsprachig. Ganz früher habe ich sowieso nicht darüber nachgedacht. Das war halt so. Komischerweise, weil ich halt super viel deutschsprachige Musik als Jugendlicher und als Kind auch gehört habe, aber Popmusik selber machen war dann nur auf englisch. Später habe ich dann eine Weile deutsch getextet. Das habe ich sehr lange nicht mehr gemacht. Ich habe, glaube ich, seit sechs Jahren keinen deutschsprachigen Song mehr geschrieben.
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Was denkst du, wie weit deine Musik außerhalb von Deutschland wahrgenommen wird?
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Das kann ich relativ genau abstecken, weil ich weiß, wo die Platte erhältlich ist. Ich kann mir vorstellen, dass man über MySpace irgendwo hier und da jemanden erreicht, der irgendwo anders wohnt als man selber, aber die Vertriebsmöglichkeiten, die jetzt in unserem Fall vorliegen, beschränken sich auf Deutschland, Österreich, Schweiz. Ich habe selber jetzt auf einer grassroots-mäßigen Ebene mich mal nach Italien bewegt und da Kontakte geknüpft und da gibt es so einen Do it yourself-Vertrieb, der, gänzlich ohne Gewinn damit machen zu wollen, mir hilft, meine Platten da zu verkaufen, aber keine Ahnung, wie viele Leute mich auf der kleinen Tour, die ich da letzten Herbst alleine gemacht habe, gesehen haben. Das ist relativ überschaubar.
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Ich habe letztens einen amerikanischen Home of the Lame-Hörer kennen gelernt.
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Das gibt's doch gar nicht!
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In Amerika kann man das Album bei Amazon bestellen. 99 Cent pro Song oder für fünf Pepsi-Gutscheine.
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Aha, interessant. Und wie war der darauf gekommen?
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Der hat das Album von einem Freund bekommen.
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Siehste. Na ja, man wundert sich.
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In deinen Texte schimmern immer wieder eine Menge Selbstzweifel durch bezüglich dem, was du machst. Würdest du gerne musikalisch was anderes machen, traust dich aber nicht, oder hast du eher Angst davor, etwas zu wiederholen, was es bereits gab?
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Ja, also in dem Fall, wenn es um Selbstzweifel geht, dann hat das eher mit einem Qualitätsanspruch zu tun, den ich halt selber habe an das, was ich mache. Das ist die eine Ebene und die andere Ebene ist, dass ich mich mit einer Sache beschäftige, wie viele andere in meiner Situation auch, dass ich halt ziemlich viel Energie, Zeit und Geld auch in eine Sache stecke, die mir diese Sachen nicht gleichwertig zurück gibt – vor allem kein Geld. Ich glaube, so über den Daumen verbringe ich zusammen gerechnet die Hälfte meines Jahres mit Home of the Lame. Also nicht im Übungsraum oder an der Gitarre oder so, sondern auch mit dem ganzen Kram drumherum, den ich da am Organisieren bin. Also wenn man das jetzt auf Arbeitszeit gerechnet sieht. Und die übrigen sechs Monate muss ich die Zeit, die ich da sitze, finanzieren sozusagen. Wie war die Frage nochmal?
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Die Frage war: Kommen die Zweifel daher, dass du gerne etwas anderes machen würdest oder...
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Richtig. Das ist der Punkt, der mir durch den Kopf geht. Also ich habe keine Angst davor, mich zu wiederholen.
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Nee, nicht dich zu wiederholen, sondern andere zu wiederholen.
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Nö, das auch nicht. Also das ist mehr so eine elementare Geschichte. Das sind jetzt nicht so kreative Selbstzweifel oder so. Also ich meine, natürlich komme ich ja auch in die Situation, wo ich denke: das ist scheiße, was ich da mache. Das bleibt ja nicht aus.
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Ich habe jetzt aber noch niemanden kennen gelernt, der gesagt hat, Home of the Lame ist scheiße. Alle, die ich kenne, die Home of the Lame kennen, haben gesagt, dass das gute Musik ist, dass das keinesfalls scheiße ist.
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Ja, also als Hörer geht es mir ja auch anders, wenn ich anderer Leute Musik höre, da gehe ich ja mit einer anderen kritischen Haltung ran, als wenn es um meine eigenen Sachen geht. Ich glaube, egal ob man Songs schreibt oder Bücher oder Gedichte oder Bilder malt oder Fotos macht oder so, das ist ja der Moment, wenn man sehr viel Energie in eine Sache steckt, von der man selber natürlich überzeugt sein will. Dann gibt es natürlich ganz oft Situationen, wo man genau das halt nicht ist. Wo einem das völlig bekloppt vorkommt. Die Momente gibt es halt natürlich. Wenn ich beispielsweise an einem Song sitze und denke, das ist Quatsch. Oder ich merke tatsächlich – die Situation gibt es ja auch – dass man irgend eine Sache voll geil findet, die man da seit drei Tagen spielt und irgendwann rafft man, dass das eigentlich eine Melodie von einem Song ist, den es schon gibt. Das ist dann natürlich auch irgendwie... kann man ja auch nicht bringen, dass man dann, wenn man wahrscheinlich unterbewusst das irgendwie aufgenommen hat und dann denkt man, dass das ein eigener Song wäre und dann ist das gar kein eigener Song. Aber insgesamt sind es halt mehr diese - also in einem Song wie "Engine" oder so - diese elementaren Zweifel. Also ich meine: Ist das jetzt wirklich das? Ist das wirklich das, was ich machen soll? Irgendwie Mittwoch Abend vor dreißig Leuten zu spielen oder so. Solche Gedanken kommen einem natürlich, wenn man Mittwoch abends vor dreißig Leuten irgendwo spielt und im Kopf durch rechnet, ob die Tour sich überhaupt trägt.
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Ihr spielt viele alte Stücke nicht mehr. Ist das so eine Art "neuer Lebensabschnitt"? Neue Liebe, neues Leben, neue Songs?
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Na ja, die neue Platte bockt natürlich viel mehr. Ich denke mal, dass das irgendwie – ohne jetzt hochtrabend klingen zu wollen – also das ist so: diese Platte, diese elf Songs sind das, was mich bisher am meisten selbst überzeugt von dem, was ich in dieser Richtung Musik bisher gemacht habe. Also es gab noch nicht irgendwie jemals den Punkt, wo ich die Sachen, die ich gemacht habe, total scheiße fand hinterher, aber natürlich: das ist neu und das ist spannender und die Songs sind noch nicht so tausend Mal gespielt und so. Von daher ist natürlich der eigene Fokus ein bisschen mehr auf den Songs und dann ist es aber auch so, dass das halt die Songs sind, die wir zusammen entwickelt haben und die zusammen so einen Sinn ergeben, wie wir die spielen und auf dem alten Album Sachen drauf sind, die jetzt vielleicht nicht so für eine Rockband angelegt sind und die dann aber auch im Vergleich zu anderen Songs nicht richtig standhalten. Deswegen. Das kommt wahrscheinlich daher. Das Problem ist halt, dass man ja auch nicht dreieinhalb Stunden spielen will, weil das ja dann auch vielleicht die Leute langweilt. Deswegen fallen dann, wenn man sich eine Auswahl von fünfzehn möglichen Songs zusammen stellt, natürlich einige durch. Und das sind dann meistens die älteren. Oder die schlechteren.
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Mir ist aufgefallen, dass die vorangegangen Veröffentlichungen sehr naturbetont waren. Das heißt, Landschaftsfotografie und Digipack statt Plastikhülle. Das ist jetzt gar nicht mehr der Fall.
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Digipack ist zu teuer! Das zu dem Punkt. Ja, also ich meine, da habe ich dann halt zwei Platten lang mit so einer Ästhetik und Romantik gespielt, die dann vielleicht auch irgendwann mal durch war. Außerdem wollte ich irgendwas mit Buchstaben machen. Und so wie Nina das Cover gemacht hat, fand ich das ziemlich super, wie das jetzt geworden ist. Das hat ja auch diese erdigen, grünlichen, bräunlichen Tönen überwiegend und die Struktur sind alte Buchumschläge, die man da so durch sieht, was dann wiederum zu diesem "Sing What You Know"-Überthema passt. Da gibt es keinen großartigen Plan dahinter, warum das jetzt anders geworden ist außer dem, dass es von der Thematik her zu der neuen Platte passt.
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Stimmt, jetzt wo du das sagst mit der Romantik, macht das Sinn.
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Ja. Und das Cover von "Here, of all Places" sind halt Bilder aus der Region, wo die Platte aufgenommen wurde und wo ich gewohnt habe, als ich die Platte oder einige der Songs geschrieben habe. Das hat dann eigentlich eher so einen persönlichen Querverweis noch mal, der jetzt nicht unbedingt total plausibel sein muss.
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Wo siehst du Home of the Lame in fünf bis sechs Jahren oder meinetwegen auch noch weiter?
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Keine Ahnung, weiß ich nicht genau. Also Home of the Lame hat ja mich zumindest – dieser Name mit all seinen verschiedenen Zusammenstellungen – hat mich das ja jetzt schon... Das erste Tape habe ich mit Jochen (Gutsch, Bandfreund aus Hannoveraner Tagen, Felix spielt z. Zt. auch in seinem Projekt Hinterlandt) damals 1994 gemacht. Das ist halt nicht so eine Frage. Das ist eine Sache, die gibt es immer eigentlich.
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Also du könntest dir auch vorstellen, dass du jetzt fünf Jahre gar nichts machst und das dann, wenn du Bock drauf hast, wieder raus kramst?
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Ja, wobei man rein marktwirtschaftlich natürlich so schnell wie möglich wieder dran anknüpfen will. Außerdem finde ich, dass wir jetzt in dieser menschlichen Zusammenstellung so ein kreativer Topf sind, wo ich es halt spannend finde. Und ich hab irgendwie Bock, jetzt eigentlich ziemlich schnell neue Songs zu schreiben mit den Jungs zusammen und auch vielleicht anders als bisher. Vielleicht kann man auch Sachen anders sich entwickeln lassen.
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Kannst du dir auch vorstellen, Songs, also Songtexte, an die anderen abzugeben, wenn die irgendwie mit einer Idee kommen?
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Weiß ich auch nicht. Alles ist möglich. Alles kann, nichts muss. Also ich weiß nicht, ob der Drang bei den anderen so besteht. Aber bestimmt. Alles geht.
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Letzte Frage: Mit wem würdest du gerne mal zusammen spielen, arbeiten, auftreten?
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Na ja, da gibt es einige Geheimwünsche. (überlegt lange)
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Gibt es auch öffentliche?
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Ja, ich überlege gerade. Also ich hab Lust – Mats Bengtsson hat eine Western-Swing-Band, die spielen so 40er-, 50er-Jahre Country-Musik, mit denen möchte ich mal gerne Musik machen. Das ist vielleicht sogar möglich. Das liegt ein bisschen an mir, ich muss da eigentlich nur hin fahren. Das wäre so die Geschichte, die am greifbarsten wäre.
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Wenn du es dir frei aussuchen könntest?
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Ach, da gibt es einige. Ich habe jetzt nicht den Traum, mit jemandem, der mir nicht persönlich bekannt ist, aufzutreten.
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Das Band ist voll, die letzten Worte von Felix verhallen unaufgenommen im Raum, aber das wichtigste ist bereits gesagt. Home of the Lame spielen an diesem Abend tatsächlich vor gerade mal etwas mehr als 30 Besuchern. |
Kategorie: Interviews. |
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Mass Hysteria: Une Somme De Détails
Mass Hysteria starten ihr Album mit einem Batzen ohrenzerstörender und nahezu unaushaltbarer elektronisch unterlegter Songs, die an Melodie und Taktgefühl vermissen lassen, aber durch ihren teils orientalisch angehauchten Gesang doch irgendwie interessant klingen.
Im Vordergrund steht jedoch stets das negativ verwirrende Geleier, das Kopfschmerzen bereitet. In den Texten geht es wohl um Revolution und andere typische, stumpfsinnige Punk-Themen oder so, so richtig versteht man das ja nicht, wenn man kein französisch spricht.
"Une Somme de Détails" ist ein einziges, undurchdachtes Geknüppel. Ohne Pause geht es die ganze Zeit voran. Bum, bum, bum – Hauptsache laut. Dazwischen ab und zu ein Haufen Geschrei, irgendwem wird das schon gefallen. Dazwischen gibt es keinerlei Breaks, keine leiseren oder langsameren Lieder. In einzelnen Songs ist das durchaus reizvoll, auf die Dauer jedoch nicht akzeptabel.
Vielleicht gibt es in Frankreich Abnehmer für sowas, in Deutschland wird diese Band allerdings nicht zuletzt wegen ihrer Gesangssprache wohl schon kurz hinter dem Start liegen bleiben. Überraschend wäre das jedenfalls nicht, denn allein musikalisch ist hier absolut nichts zu holen. Kaum eine Sekunde vergeht ohne Double-Bass- und/oder Zigfach-Becken-Einsatz.
Dazu immer und immer und niemals endend dieses ätzende Elektro-Gedudel, das in Tonlagen ertönt, die kein Mensch ertragen kann. Wer auch immer sich das ausgedacht hat, scheint ein Sadist höchster Güte zu sein.
Von den vielen Veröffentlichungen, die in letzter Zeit nach und nach aus dem benachbarten Frankreich in das schöne Deutschland rüber schwappen, ist Mass Hysteria's "Une Somme de Détails" der vermeintlich schlechteste Ableger. Bloß gut, dass man zur Zeit genug andere Alternativen hat, wenn man sich in Deutschland nach französischen Bands umschauen will. Mass Hysteria sorgt hierzulande maximal für eben jene Massenpanik, allenfalls dazu noch für ein müdes Schulterzucken angesichts solch desolater Leistung.
Tracklist:
01. Des Nouvelles Du Ciel
02. Babylone
03. Une Somme De Détails
04. Killing The Hype (Ruff Style!)
05. Echec
06. L'espoir Fou
07. Nous Sommes Bien
08. Je Ressens
09. Regarde Le Monde
10. Se Lover Dans Les Flammes
11. Mon Horizon
12. Une Joie Kamikaze
13. Briller Pour Toi
Spielzeit: 42:41 Minuten
Bewertung: 1 von 10 Punkten
Label: At(H)Ome
Release: 20.03.2008
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Kategorie: Alben. |
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Fettes Brot: Strom und Drang
Fettes Brot sind ganz schön clever. Mit "Bettina (zieh dir bitte etwas an)" haben sie den diskussionsbedürftigsten und meinungsspaltendsten Song des Albums bereits voraus geschickt und somit einen klugen Schachzug getan.
Warum das so clever ist?
Weil somit bereits am Tag der Longplayer-Veröffentlichung die Fronten geklärt sind und man sich voll und ganz auf die anderen zehn Songs konzentrieren kann. "Ausverkauf!" hieß es von vielen Seiten, als mit "Bettina" eine Single auf den Markt geschmissen wurde, die nach "Emanuela" erneut mit einem Mädchennamen kokettiert und erneut in die Party-Richtung geht. "Klingt wie Deichkind", hörte man viele sagen. "Klingt ganz anders!", kann man heute sagen. Der Song wächst mit jedem Hören. Das restliche Album kickt – salopp gesagt – bereits beim ersten Hören gewaltig Ärsche.
Der neue Sound der Brote ist dabei allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig. Dass dieser eine ähnliche Entwicklung wie bei Deichkind angenommen hat, ist zugegebenermaßen nicht von der Hand zu weisen. Der Titel "Strom und Drang" spricht dabei für sich. Fettes Brot klingen elektrisch wie nie und vermitteln mit jedem Song eine ungeheure Dringlichkeit, die es jetzt und wirklich genau jetzt auszusprechen gibt.
Die Hamburger verzichten fast komplett auf lange Instrumental-Parts, die Songs haben meist gerade nur die Länge, die unbedingt nötig ist, um den Text darin zu verpacken. Refrains werden so oft wie eben nötig wiederholt. Auch das ist ungewohnt, spielten die drei Mitdreißiger bislang doch gerne mal mit musikalischen Unnötigkeiten und Facetten.
Dafür gibt es jede Menge Gastmusiker. "Das traurigste Mädchen der Stadt" wird von Mieze von Mia. dargestellt, die – auch hier wieder einmal eine Ungewohntheit – in diesem Song erstmals rappt. Mieze macht ihre Sache aber überraschend gut, ihr Part darf durchaus als Highlight des Songs angesehen werden. Weiter geht es mit dem ultra-tanzbaren "Erdbeben", das nicht nur den weitläufig verbreiteten Schlankheitswahn in ironischster Weise an die Wand spielt, sondern mit der Zeile "Im Sommer gibt er Schatten und im Winter hält er warm" auch noch die ärzte zitiert.
Einen weiteren weiblichen Gast gibt es in "Das allererste Mal" zu hören. Bernadette La Hengst turtelt hier heftigst mit Dokter Renz, während im Hintergrund nach einem etwas holprigen Beginn ein schöner, aber musikalisch nicht sehr ausgefeilter Rocksong begleitet. Ein Sommerhit für Verliebte könnte der Song aufgrund seiner Simplizität allerdings durchaus werden. An Sommerhits mangelt es "Strom und Drang" nach "Bettina", "Erdbeben" und "Das allererste Mal" schon nach etwas mehr als der Hälfte des Albums nicht mehr.
Dem gegenüber stehen aber auch einige sehr erdrückende Songs wie "Ich lass dich nicht los", in der Björn Beton die Position eines aggressiven Internet-Stalkers annimmt, der seiner virtuellen Liebe auflauert und es zum schlimmsten kommen lässt. Sprachlosigkeit ist ein nicht selten gesehenes Phänomen während und nach dem Hören dieses Songs, dessen Text so realitätsfremd klingt, aber jeden Tag genau so passieren könnte.
Fast ebenso erdrückend ist der Schlusspunkt des Albums, "Hörst du mich?", das in drei Strophen drei mehr oder weniger bedeutenden Menschen einen Nachruf widmet: Marvin Gaye, Sophie Scholl und Herbert, ein verschollener Obdachloser aus Hamburg. Vor allem die Strophe über Sophie Scholl erzeugt jedes Mal aufs neue eine markdurchdringende Gänsehaut.
Natürlich bietet "Strom und Drang" aber auch den typischen Brote-Quatsch. "Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich" mit seinem provokativen Wink an andere Eidgenossen und "Schieb es auf die Brote" sollte man, wenn überhaupt, nur partiell ernst nehmen. Letzteres klingt sehr nach alten Aufnahmen der Band und wird vom langjährigen Wegbegleiter Knauf Kinski von Skunk Funk jäh beendet.
"Strom und Drang" ist das kürzeste Album der Bandgeschichte, aber wieder einmal eines mit großer Hitdichte – wenn nicht sogar das mit der größten Dichte jemals. 2008 jedenfalls ist "Strom und Drang" von der Konkurrenz bislang kaum schlagbar.
Anspieltipps: Lieber verbrennen als erfrieren, Das traurigste Mädchen der Stadt, Erdbeben, Ich lass dich nicht los, Das allererste Mal, Hörst du mich?
Tracklist:
01. Lieber verbrennen als erfrieren
02. Bettina, zieh dir bitte etwas an
03. Das traurigste Mädchen der Stadt
04. Erdbeben
05. Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich
06. Ich lass dich nicht los
07. Das allererste Mal
08. Schieb es auf die Brote
09. Automatikpistole
10. 1€ Blues
11. Hörst du mich?
Spielzeit: 37:40 Minuten
Bewertung: 9.5 von 10 Punkten
Label: Fettes Brot Schallplatten GmbH
Release: 14.03.2008
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Kategorie: Alben. |
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Neume: Weltuntergangsmaschine
Duos, die aus einem überwiegend stummen Schlagzeuger und einem singenden Gitarristen bestehen, gibt es zur Genüge. Johnossi und die White Stripes zählen wohl zu den prominentesten Vertretern dieser Gattung. Nun machen sich Neume aus dem verträumten Berliner Underground daran, ihnen nach zu eifern. Im Gegensatz zu ihren bekannten Vorreitern setzen sie dabei allerdings nicht auf möglichst kurze, eingängige Killer-Indie-Dancefloor-Kracher, sondern auf epische Prog-Rock-Nummern, zu denen man eher nicht so gut tanzen kann.
Eine gute Dreiviertelstunde füllen sie somit mit gerade mal sechs Songs. Das meiste davon ist das, was man guten Gewissens als Geschrammel bezeichnen kann. Laut und krachig. Es ist nicht einfach, es klingt unsauber, es eckt an – es ist eben progressiv. Musik zum Träumen, die einen unsanft aus seinen Träumen reißt. Dazu gibt es verwirrende Songtitel, die auf ungewohnte Sprachen vermuten lassen. Das gesamte Album ist jedoch mit englischen Texten durchzogen.
Der Gesang steht dabei allerdings viel zu oft zu sehr im Hintergrund. In den meisten Passagen fällt erst gar nicht auf, dass es ihn überhaupt gibt. Dazu kommt, dass Tim Bathelt´s Englisch nicht das sauberste zu sein scheint. Deutscher Gesang hätte auch allein deshalb gut getan, um sich von der internationalen Konkurrenz der vielen Gitarre-Schlagzeug-Duos abzusetzen. Seine Stimme jedenfalls ist auf dem gesamten Album viel zu leise abgemischt, die Texte daher nicht zu entziffern.
Die Songs jedoch sind jeweils recht abwechslungs-, jedoch wegen der minimalen Instrumentalisierung nicht sehr facettenreich. "Weltuntergangsmaschine" kommt eher wie eine Aufnahme eines spontanen Jams, nicht aber wie ein typisches durchüberlegtes Progressive-Album daher. Das verleiht dem Album zwar Frische und sorgt für viele Überraschungen, oft fehlt jedoch der rote Faden und die Songs scheinen sich in etwas zu verrennen.
Vor allem das alberne "Pussycat" lässt an der Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit der "Weltuntergangsmaschine" zweifeln, macht jedoch auch einigen Spaß. Passt halt nur nicht zum Rest. Man hört das Album gerne am Stück, aber es besticht nicht mit Einzelleistungen der Songs oder bietet besondere musikalische Highlights.
Fazit: "Weltuntergangsmaschine" ist interessant und spannend – aber auch mindestens genauso verbesserungswürdig.
Anspieltipps: Soho Wasps, Chiaroscuro
Tracklist:
1. Weltuntergangsmaschine
2. Soho Wasps
3. Bemme L'Attaque
4. Chiaroscuro
5. Puls
6. Pussycat
Spielzeit: 45:49 Minuten
Bewertung: 4 von 10 Punkten
Label: Eigenproduktion
Release: 01.03.2008
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Kategorie: Alben. |
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The Tangent: Not As Good As The Book
Man sollte viel Geduld mitbringen, wenn man sich "Not as Good as the Book" die ersten Male anhört. Es ist gewissermaßen ein Progressive-Album und als solches wartet es mit unglaublich langen, ungemein verschlüsselten Songs auf seinen Hörer. Es wartet, um in ungewöhnliche Klangsphären zu entführen, um alle Sinne einzuspannen und vor allem auch, um die volle Konzentration auf sich zu ziehen. Dass dies bei Stücken mit einer gefühlten durchschnittlichen Länge von selten unter sechs Minuten nicht immer ausnahmslos der Fall sein kann, ist offensichtlich.
Doch dafür gibt es die Geduld. Die Geduld, das Album wieder und wieder zu hören, sodass vielleicht bald zumindest einmal die Songs untereinander unterschieden werden können. Das ist schon schwer genug, da wird es noch schwerer, die Songs im nächsten Schritt an einzelnen Stellen oder Hooks wieder zu erkennen. So sehr Progressive Bands auch immer wieder in der Lage sind, in ihren Bann zu ziehen und mit ihren Alben als Gesamtkunstwerke zu begeistern, so ist es doch immer wieder beachtlich, wie die meisten von ihnen es genau so gut vollbringen, auf einem Album nur wenig bis gar keine wieder erkennbaren Stücke zu fixieren. Das ist im Genre vielleicht nicht unüblich, aber für eine Band wie The Tangent, die sich explizit als Song-Band versteht, ist das zu wenig. Vor diesem Hintergrund ist "Not as Good as the Book" nicht gelungen – zumindest nicht so, wie die Band es gerne darstellt.
Diese Band ist nun mal – sicherlich auch genretypisch, klar – keine, die komplett intensive Songs schreibt, aber es ist eine Band, die vollkommen intensive Momente in ihre Songs zaubern kann. Wenn ein Gitarrensolo einsetzt, wenn das Piano in höchste Höhen aufsteigt oder wenn Sänger Andy Tillison singt, schreit oder flüstert. Seine Stimme ist dabei einerseits sanft und beruhigend, andererseits aber auch pulsierend, aufwühlend.
The Tangent sind irgendwo zwischen Science Fiction- oder Videospiel-Soundtrack und Musical. Manchmal erscheinen die verschiedenen Gesangsparts von Tillison und Gastsängerin Julie King wie Dialoge, als ob sie eine Geschichte in mehreren Akten erzählen wollten. Dabei winden sich im Hintergrund progressive, unaufdringliche Töne durch die episch langen Stücke. Weil zwei davon gar die Grenze von zwanzig Minuten sprengen, ist dieses Album der Einfachheit halber ein Doppelalbum geworden.
Fazit: "Not as Good as the Book" ist ein Soundtrack. Ein Soundtrack ohne bildliche Vorlage zwar, aber vielleicht hilft ja der beigelegte Comic beim Hören des Albums. Ohne Bild jedenfalls ein Album für verspielte, lange Abende voller Konzentrationslust oder aber im Gegensatz dazu als sanfte, unauffällige Berieselung zur Entspannung.
Tracklist:
CD I:
1. A Crisis In Midlife
2. Lost In London Twenty Five Years Later
3. The Ethernet
4. Celebrity Puree
5. Not As Good As The Book
6. A Sale Of Two Souls
7. Bat Out Of Basildon
CD II:
1. Four Egos One War
2. The Full Gamut
Spielzeit: 94:51 Minuten
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Label: SPV
Release: 29.02.2008
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Kategorie: Alben. |
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Motorcity Brags: Ten Arrogant Tales
Wenn man an italienische Rockmusiker denkt, fallen einem auf Anhieb nicht viele Namen ein. Eros Ramazzotti vielleicht, aber was genau hat der nochmal mit Rockmusik zu tun? Das Land mit dem Stiefel ist bisher im Wesentlichen mit Tenören und Schmusemusik, jedoch kaum mit ordentlichem Rock, in Erscheinung getreten. Die Motorcity Brags machen sich auf, das zu ändern. "Ten Arrogant Tales" ist dabei bereits ihr zweiter Versuch, Italien als internationale Rocklandschaft zu etablieren.
Mit "Dull & Tedious" wird einer von insgesamt elf Songs bereits nach 22 Sekunden verbraten. Im Grunde handelt es sich dabei um einen einzigen Gitarreneffekt, den man besser mit an das eigentlich erste Lied "Bouncin' Betty" hätte heften können, zumal man – bei direkter Anwahl – am Anfang dieses Songs durch ein schlechtes Abmischen genug davon hört, was den Genuss dieses doch recht klassischen Rocksongs etwas schmälert. Unaufhaltsam hämmern sich Bass und Schlagzeug durch das verspielte Gitarrenspiel, wobei vor allem die Snare recht dumpf klingt, was dem Sound jedoch insgesamt sehr gut steht.
Musikalisch ist "Ten Arrogant Tales" größtenteils recht ausgefeilt und relativ abwechslungsreich, lediglich der überschwängliche südliche Gesangsakzent, der schon manch anderen Bands aus Italien und Spanien hinderlich im Weg stand, scheint manchmal etwas fehl am Platze. Das klingt schmutzig, das klingt aggressiv, aber es klingt zum Teil eben auch sehr unverständlich. Viele Zeilen sind leider auch mit guten Englischkenntnissen absolut nicht zu entziffern.
Anspruchsvolle Texte sollte man jedoch angesichts solcher Titel wie "I Kick U Out of the Band", "Shoot You in the Face" und "Stone Cold Motherfucker" sowieso nicht erwarten. Die Motorcity Brags erfüllen textlich alle Klischees einer Rock'n'Roll-Band. Dies bestätigen sei selbst in "We are a Dirty Rock n Roll Band" dann nebenbei auch nochmal ganz eingängig.
Nicht ganz koscher ist mitunter auch der Titel "I Need an Ugly and Stupid Girlfriend so I can Feel so Cute and Clever", welcher ohne Frage schon allein beim Titel zum Schumzeln anregt und sich trotz des holprigen Titels als Glanzlicht des Albums erweist. Wieder einmal fällt die wummernde Bass/Schlagzeug-Walze auf.
Ein absoluter Fehltritt ist das Hazlewood/Sinatra-Cover "These Boots are Made for Walking", welches in einer nahezu unanhörbaren Trash-Punk-Version vorgetragen wird. Bis auf diesen Totalausfall ist "Ten Arrogant Tales" ein durchaus ernst zu nehmendes Donnerwetter aus dem sonnigen Süden, dass sich vor seinen nordischen Konkurrenten nicht verstecken braucht, jedoch auch nicht vollkommen zu überzeugen vermag.
Anspieltipps: Bouncin' Betty, We Are a Dirty Rock n Roll Band, I Need an Ugly and Stupid Girlfriend so I can Feel so Cute and Clever, The Riot of the Rats, TWBITW
Tracklist:
01. Dull & Tedious
02. Bouncin' Betty
03. I Kick U Out of the Band
04. Shoot You in the Face (se t'encontro te spaccio)
05. We Are a Dirty Rock n Roll Band
06. Tex Willer
07. I Need an Ugly and Stupid Girlfriend so I can Feel so Cute and Clever
08. Stone Cold Motherfucker
09. The Riot of the Rats
10. TWBITW
11. These Boots are Made for Walking
Spielzeit: 28:40 Minuten
Bewertung: 4.5 von 10 Punkten
Label: Cumshot Records
Release: 15.02.2008
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Kategorie: Alben. |
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Lunatic Age: August (The Month Of Misfortune)
Wenn man das Cover von "August (The Month of Misfortune)" betrachtet, weiß man nicht so recht, was man erwarten soll von diesem Album. Knallharte Metal-Klischees kommen einem da eigentlich als erstes in den Sinn. Aber dann ist das "Intro" doch so sanft und leise, dass man sich schon sehr wundert. Doch kein Metal? Anscheinend nicht. Man wartet auf den großen Knall, aber der kommt noch nicht. Auch im "Prologue" lässt er auf sich warten. Eine melodische Leadgitarre führt zu den ersten Gesangszeilen und irgendwie klingt das dann doch sehr nach angenehmem Rock. Erleichterung macht sich breit – immerhin kein Hardcore-Metal. Das klingt zum Teil schon fast nach Punk-Melodien, die Lunatic Age da an den Tag legen. Kategorisieren kann man das jedenfalls so schnell nicht.
Abwechslungsreich ist der spielerische, stets ungezwungen wirkende Wechsel aus harten Gitarrenriffs und Stakkato-mäßigen Akkorden oder verzerrtem Sprechgesang und sanften Chören in jedem Fall. Könnte man französisch, dann könnte man auch die Texte verstehen und dann könnte man auch etwas dazu sagen. Man kann aber kein französisch, also liegt der reine Fokus auf der Musik. Anders als bei ihren mediterranen Vertretern aus Italien oder Spanien klingt der Gesang dieser Franzosen dabei sogar sehr hörbar und unaufdringlich. Es ist halt bloß schade, dass man die Sprache nicht spricht, aber das lässt sich leider so schnell nicht ändern.
Angenehm fällt auf, dass "August" eine – im Vergleich zu Produktionen anderer Künstler aus der letzten Zeit – sehr lange Spielzeit von 53 Minuten aufweist. Dieses Album ist also mal wieder eines von denen, durch die man sich mitunter kämpfen muss. Ein Album, dass nicht allein durch seine Kürze einfach als "schrecklich, aber wenigstens schnell vorüber" abgespeist werden könnte. Dieses Attribut muss man bei "August" zum Glück gar nicht erst anwenden. Es ist jedoch ebenso wenig leicht verdaulich. Es ist einfach so, dass man sich mit einem fünfzig Minuten-Album viel länger und intensiver beschäftigen kann und muss als mit einer Platte, die in einer halben Stunde abgehandelt ist. Von der Halbwertszeit mal ganz zu schweigen. In "August (The Month of Misfortune)" wird man auch in nicht absehbarer Zeit noch Freude finden und hier und da Feinheiten entdecken, die in den ersten Durchgängen durch die Fülle an Material nicht auffällt. Im Gegenzug fällt es allerdings auch schwer, bereits nach ein paar Durchgängen eine allzu gute Note zu vergeben, da vergleichsweise lange Alben proportional viel Zeit benötigen, um sich voll zu entfalten und ihre wahren Stärken zu offenbaren.
Bereits zu Beginn des Hörens sticht jedoch schon das epische "August (The Month of Misfortune)" heraus, das mit seiner melancholischen Stimmung – unterstrichen durch reichlich Streicher-Einsätze – und den nicht ganz unbedeutenden Sound-Samples – auf englisch! – einen sehr emotional bewegenden Abschluss schafft, der mit ordentlich viel Gitarren-Gefrickel und pompösem Schlagzeug- und Synthie-Einsatz zum letztendlichen Höhepunkt des gesamten Albums aufsteigt.
"August (The Month of Misfortune)" ist ein strebsames Album, welches sicherlich nicht zu den besten des Jahres, aber sicherlich auf lange Sicht nach mehrmaligem Hören zu einem sehr, sehr guten Album aufsteigen wird, welches sich im oberen Mittelfeld etablieren könnte. Potential hat es zumindest.
Anspieltipps: Prologue, Tout Pour Rien, Sous L'Orage, August (The Month of Misfortune)
Tracklist:
01. Intro
02. Prologue
03. A Quoi Bon
04. Tout Pour Rien
05. King Kong
06. Comme tu Sais
07. Sous L'Orage
08. Les Mains Dans Les Poches
09. Seul
10. La Marche
11. Le Type de L'Appartement
12. Le Grand Sommeil
13. August (The Month of Misfortune)
Spielzeit: 52:54 Minuten
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Label: Universal
Release: 05.02.2008
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Kategorie: Alben. |
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Home of the Lame: Sing What You Know
Home of the Lame ist nicht mehr nur allein Felix Gebhard. Home of the Lame ist eine komplette Band geworden. Der einsame Wolf hat sich ein Rudel gesucht und geht nun auf die Pirsch. Felix Gebhard kann seine eigenen Lieder selbst nicht mehr hören und beschreitet einen neuen Weg. Die Reise geht dabei klar nach vorne. Viel weiter nach hinten hätte es sowieso nicht mehr gehen können, denn stumme Lieder will und vor allem kann sich ja keiner anhören. "Raise you volume" ist der (nicht auf diesem Album vorkommende!) Leitspruch, mit dem sich der Wandel vom Debütalbum "Here, of all Places" zum Nachfolger "Sing What You Know" vermutlich am besten beschreiben lässt.
Vorbei ist es vorerst mit Liedern, zu denen man sich ein Glas Rotwein gönnt und dabei wahlweise in Herzschmerz oder Selbstmitleid verfließt. "Sing What You Know" bietet Biermusik, obgleich diese Bezeichnung nach wenig Niveau klingt, aber davon hat dieses Album mindestens genauso viel wie der Vorgänger. Musik jedenfalls, die offensiv ist, zu der man wild in der Gegend rumhüpfen und die ganze Welt umarmen will. "Here, of all Places" hatte diese Lieder bereits auch schon, aber umgeben von Depression und Schwermut traute man sich nicht so recht, sich von seinem Stuhl zu erheben.
"Sing What You Know" provoziert das förmlich, wenn "Maria" vom einen zum anderen Moment in eine Happy-Mood-Up-Tempo-Nummer mutiert oder "The Radio" mit einem spontanen Break überrascht und diesen mit einem unglaublichen Schlagzeuggroove füllt. "And I know you never hear this on the radio." Felix Gebhard – Verzeihung: Home of the Lame – geht nicht mit dem Zahn der Zeit und folgt erst recht keinem Trend. Er macht, was er macht und das macht er gut. "Sing What You Know" klingt erwachsener, offener als "Here, of all Places". Es gibt Background-Gesänge und viele verspielte, facettenreiche Instrumentierungen. Thomas Burhorn zum Beispiel steuert ein paar Trompeten bei und Mats Bengtsson, mit dem Gebhard im Herbst 2007 als Duo auf Tour war, spielt das Akkordeon in "Said and Sung." "Sing What You Know" hat viele Einflüsse genossen, die ihm in keinster Weise geschadet haben. Wie jede andere Home of the Lame-Produktion ist "Sing What You Know" unglaublich perfektionistisch produziert. Man hat das Gefühl, jeder Ton wurde einzeln stundenlang genauestens überlegt, um ins Gesamtbild zu passen.
"Engine" beschäftigt sich mit dem Gegenteil von eben angesprochener überlegter Perfektion, mahnt vor überhasteten Aktionen, vor zu viel Aktionismus. Dinge, die im Moment des Tuns in sich völlig Sinn ergeben, aber im Nachhinein einfach nicht hätten sein müssen, im Prozess des Geschehens beobachten und im richtigen Moment aufhören. Selektion statt Reizüberflutung. Worte, die man sich zu Herzen nehmen sollte.
Plötzlich ist er doch wieder da, dieser Schwermut. "Food for Song" und "What You Were About" spiegeln sie wider, diese "Old Songs", die Gebhard im ersten Song anspricht. Und es ist gut, dass sie da sind, denn ohne sie hätte man Mühe zu glauben, dass der "Sing What You Know"-Gebhard der Gleiche ist, der etwas mehr als zwei Jahre zuvor "Here, of all Places" geschaffen hat. Zu Felix Gebhard gehört gewissermaßen eine sympathische Verschlossenheit, eine Undurchdringlichkeit.
Undurchdringlich ist wohl auch die Frage, wie man dazu kommen kann, in einem Song über Herzensangelegenheiten auf einmal auf Ackerwirtschaft zu verweisen. Felix Gebhard jedenfalls hat uns durchschaut und lange schon überholt – auf seiner eigens gebauten Überholspur. Es ist ein "Narrow Path", aber er ist ohne Frage "on the right way, I know." "A Narrow Path" überrascht mit Peta Devlin als weiblicher Duettstimme in der letzten Strophe, die sich ausgezeichnet mit Felix Gebhards tiefer Bass-Stimme versteht.
Melancholisch wird es noch einmal im abschließenden "Said and Sung", in dem Gebhard ein letztes Mal mit der Vergangenheit abschließt und vor Übermut und zu hohen Erwartungen warnt. Der Bogen zu "Old Songs" wird gespannt, erneut hebt er den Zeigefinger und warnt davor, zu hassen, was man einst geliebt hat. Nach zweieinviertel Minuten bricht der Song aus sich heraus, ein letztes musikalisches Aufbäumen gegen das nahende Ende des Albums. Jeglichen Selbstzweifeln zum Trotz, Felix Gebhard kann man nur seine eigenen Worte mit auf den Weg geben: "Said and sung. I think you should loved what you have done." Gut finden, aufstehen, mittanzen.
Anspieltipps: The Radio, After Travelling, Maria, Engine, Big Machines, Said and Sung
Tracklist:
01. Old Songs
02. The Radio
03. For The Most Part
04. After Traveling
05. Maria
06. Engine
07. Food For Song
08. What You Were About
09. Big Machines
10. A Narrow Path
11. Said And Sung
Spielzeit: 45:19 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 01.02.2008
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Kategorie: Alben. |
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Ted Leonard: Way Home
Ted Leonards Stimme hat das, was man gemeinhin als Weichspüler bezeichnet. Kein Zweifel, dieser Mann könnte ohne jegliche Diskussion sofort in eine beliebige Boyband einsteigen und müsste sich dafür nicht einmal verändern. Allerdings ist er dafür geschätzte zwanzig Jahre zu alt. Noch dazu fehlt ihm der passende Hintergrund.
Leonard kommt aus den christianisierten Staaten von Amerika, was man seinen Texten mehr als deutlich anhört. Kein Song, in dem Leonard den Namen Gottes nicht mindestens ein Mal erwähnt. Er legt ein Glaubensbekenntnis ab, preist den Allmächtigen bis zum Erbrechen und verurteilt den, der in Gottes Namen unrecht tut. Unerwähnt bleibt dabei die zu Recht oft gestellte Frage, wieso Gott so viel Leid und Schmerz zulässt, wenn er doch allwissend ist und alles bereits im Voraus verhindern könnte.
Ein Amerikaner beschäftigt sich damit nicht. Ted Leonard beschäftigt sich damit nicht. Stattdessen "Oh Lord..." und "Thank you for..." – immer wieder. Prinzipiell alles gar kein Problem, fehlte da nicht jegliche objektive Distanz. "Way Home" könnte wunderbar als Beschallung in einer Kirche verwendet werden, der Pfarrer könnte beruhigt nach Hause gehen. "God made..." und "Jesus is..." – man kann es spätestens beim zweiten Durchlauf einfach nicht mehr hören.
Das ist sehr schade, denn musikalisch ist "Way Home" mitunter sehr interessant gestaltet. Gezielt eingesetzte Steel Guitar hier, Dub-Verzerrer dort. Es klingt nach Westcoast-Blues und Südstaaten-Country zugleich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ausgeklügelte Gitarrensoli, die denen bekannter Gitarrengrößen der 60er- und 70er-Jahre in keinster Weise nach stehen. Doch das alles vermag nicht darüber hinweg täuschen, dass hier ein verbohrter Amerikaner am Werk ist, der wenig von der Welt, aber eine Menge von Gott zu verstehen scheint.
Fazit: "Way Home" ist Easy Listening at it's best, leider aber auch nicht mehr. In Ted Leonards Stimme steckt so viel Potenzial, dass er zumindest auf diesem Album bedauernswerter Weise ungenutzt verpuffen lässt. Leonard könnte mit ein wenig Training die Klasse eines Brandon Boyd erreichen, wenn er wollte, einige kräftige Stimmlagen klingen schon sehr ähnlich. Doch dann bricht er schon wieder mitten im Ton ein und kehrt zurück zum soften Klang. Und dann singt er wieder von Gott dem Allmächtigen. Langsam reicht es wirklich.
Anspieltipps: Submerged, Once a Week, Broken Tools, Resolve, Ghost Pains
Tracklist:
01. Way Home
02. Submerged
03. Once a Week
04. Thank You
05. Hold the Wind
06. Just for Me
07. Who do you say He is?
08. Not me
09. Broken Tools
10. See no Evil
11. Take This Cup
12 Resolve
13 The Name of God
14 Ghost Pains
Spielzeit: 64:51 Minuten
Bewertung: 4 von 10 Punkten
Label: Eigenproduktion
Release: 14.11.2007
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Kategorie: Alben. |
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Veagaz: New Surburban White Trash Soul Music
Der Name Veagaz lässt allerlei Assoziationen aufkommen. Am ehesten wohl die zu der großen, bunten Stadt in Nevada. Wer nun allerdings Glamrock oder andere hochklassige Popproduktionen erwartet, der liegt hier falsch. Was hier geboten wird, ist allenfalls Las Vegas bei Nacht, ohne Strom. Nicht unplugged, sondern dunkel.
In der Bandinfo werden mit Nick Cave und Madrugada zwar schon große Namen genannt, eine der – gewollt oder ungewollt – jedoch wohl am meisten durchscheinenden Bands hat man schlichtweg verschwiegen: Interpol. Kein Zweifel, diese Platte könnte auch von Tom Banks eingesungen worden sein. Der Vorname stimmt, jedoch ist es Tom Schindler, der stimmlich über Interpol und Pearl Jam bis hin zu Soundgarden Ähnlichkeiten zu allen Beispielen für gute und großartige Sänger erreicht. Lediglich der Abschluss "Life Is Just Along Time To Get Weary" ist stimmlich ein wenig abzuheben, wirkt im Vergleich zu den anderen Songs ein wenig zu aufdringlich. Für sich stehend jedoch auch eine klasse Gesangsleistung.
Im Hintergrund steht dabei eine Band, die diesen Eindruck unterstützt und die Lieder wahrlich über die Rille trägt. Melancholie prägt das Bild und man verliert sich augenblicklich in den wohlwollenden Klängen dieses Albums mit dem sperrigen Namen "New Suburban White Trash Soul Music". Das klingt nach Brit Pop und auch das, was man hört, lässt zum Teil auf eine Band von der Insel vermuten. Dahinter verbirgt sich aber ein Trio aus Deutschland, das sein zweites Album zur Präsentation stellt und dabei nicht um seinen Ruf zu bangen braucht. "Trash" ist es bei weitem nicht, was dieses Langspielwerk auszeichnet.
Vielmehr ist es die melancholisch-depressive Gesamtstimmung, die dieses Album auszeichnet. Es ist nicht vorstädtisch, es ist allerhöchstens provinziell, viel mehr aber großstädtisch. Wenn Schindler fast schon verzweifelt klagt "Lord I Cannot Hear You Singing", denkt man wahrlich eher an eine kleine, verlorene Seele in einer großen Stadt als an einen Arbeiter, der nachts in seinem Vorstadthäuschen sitzt und über das Sein sinniert.
Fazit: Es wäre den anderen Songs gegenüber unfair, Einzelbeispiele für die Genialität des Albums heraus zu picken, weshalb es beim allgemeinen Gesamtüberblick bleibt. "New Surburban White Trash Soul Music" ist ein überraschend gutes Album für eine bei dieser Qualität überraschend unbekannte Band.
Anspieltipps: Lord I Cannot Hear You Singing, Lay Some Water Down, Black Coffin, My Crusade
Tracklist:
01. Black Poison
02. Deep In The Middle Of Nowhere
03. Lord I Cannot Hear You Singing
04. Space Girl
05. Funeral Sunrise
06. Chrome Gene
07. Lay Some Water Down
08. Eversince
09. Black Coffin
10. Nobody Knows This Nowhere
11. My Crusade
12. Life Is Just Along Time To Get Weary
Spielzeit: 46:47 Minuten
Bewertung: 7.5 von 10 Punkten
Label: Schallplattenmanufaktur Hameln
Release: 12.11.2007
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Kategorie: Alben. |
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die ärzte: Jazz ist anders
die ärzte entdecken sich neu und irgendwie bleibt doch alles beim Alten. Mit "Jazz ist anders" folgt nach "Debil", dem Debüt der Band, das vor mittlerweile gut 25 Jahren erschienen ist, erst das zweite selbst produzierte Album der drei Musiker, die diesmal ohne den Hausproduzenten Uwe Hoffmann ihr Glück versuchen. Farin Urlaub produzierte bereits sein letztes Soloalbum selbst, Rodrigo Gonzalez ist ebenfalls seit geraumer Zeit als Producer tätig und hat im Zuge dessen schon mit einigen namhaften Künstlern zusammen gearbeitet. Dies ist also der perfekte Vorlauf, um nun zurück zu den Wurzeln zu gehen und die Band - wieder einmal - neu zu erfinden.
Neu erfunden werden musste für dieses Album vor allem der Spirit der Band, die sich in den letzten Jahren mehr und mehr weg vom Band-Zusammenhalt und immer mehr hin zum Geschäftsunternehmen entwickelte. Persönliche Kontakte waren da auch im Studio selten, das meiste wurde auf Hoffmanns Rücken ausgetragen. Dieser Mittelsmann fehlt nun, die Kommunikation zwischen den Musikern ist wieder intensiver und direkter, die Band - wieder einmal - vorerst vor der Auslösung gerettet.
"Jazz ist anders" ist mitunter eines der intensivsten, ehrlichsten und vor allem humorlosesten Alben, die die ärzte je hervor gebracht haben. Stücke wie "Lied vom Scheitern" ("Ich dachte, ich könnte es erzwingen / Der Selbstbetrug kann mir nichts bringen.") oder das nicht ganz ernst gemeinte "Living Hell" ("Ich hasse diesen Überfluss / Ich brauch' nur etwas Ruhe.") stellen zur Schau, wie sehr sich die Band in den letzten Jahren unter Druck gesetzt fühlte, keinen Spaß mehr an der Musik fand. Dieser Spaß ist hörbar zurück gekommen, die Band wirkt sehr eingespielt, es gibt wieder mehr Kollaborationen.
Eine davon ist "Breit". Farin Urlaub, der - man kann es in diesem Zusammenhang nicht oft genug erwähnen - Zeit seines Lebens vollkommen abstinent lebt, schreibt nach dem Drogen-Song "Lieber Tee" von 1993 nun zusammen mit Rodrigo Gonzalez erneut einen Song zu diesem Thema, der in den Augen vieler Kritiker sicher als verherrlichend wahrgenommen wird, vermutlich aber das Gegenteil intentioniert. Instrumental bietet sich im Refrain eine breite Gitarrenwand, ein wahres Brett.
"Aus dem Weg, denn jetzt muss ich tanzen" fordert Farin Urlaub in "Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)" und sorgt anschließend mit einem Funk-Feuerwerk dafür, dass ihm sogar der größte Tanzmuffel auf die Tanzfläche folgt. Ein Genre, das die ärzte bisher eher selten bedienten. Zu bemängeln ist hier lediglich die bis zur beinahen Unverständlichkeit verzerrte Gesangsspur gegen Ende.
Auch das Genre des Anti-Gruftsongs wird auf "Jazz ist anders" erstmals von Bela B. bedient, der in "Licht am Ende des Sarges" mit dem ihm nachhängenden Gruft-Image aufräumt und klar macht, dass er doch gar kein so dunkler Typ ist. Musikalisch klingt das durch die leiernde Gitarre sehr nach einem Song aus der "Debil"-Zeit, wohl ein Ergebnis der Eigenproduktion.
Bela B. glänzt - bedingt durch ausgiebiges Gesangstraining im Zuge seines Soloalbums - mit einer außergewöhnlich guten Gesangsleistung. Vor allem ist dies in "Tu das nicht" zu hören, das in seiner Struktur etwas an das wohl bekannte "Ist das alles?" erinnert, gesanglich aber eine der besten, wenn nicht sogar die beste Leistung ist, die Bela B. jemals auf einer die ärzte-Platte abgeleistet hat. Textlich orientiert sich der Song an der aktuellen Musikindustriepanik vor illegalen Raubkopien. Die typisch tocotronische, sehr lange Hinführung zur Strophe umrahmt den aggressiven Haupttext, in dem der vermeintliche Raubkopierer auf seine Schandtat hingewiesen wird und ihm eröffnet wird, dass die Musiker auf sein Geld angewiesen sind. Darauf folgt erneut ein tocotronisch angehauchtes Outro, in dem die bereits zu Anfang oft genutzte "Tu das nicht"-Phrase so lange wiederholt wird, bis auch der letzte verstanden hat, worum es geht. Die Band hat beim Einspielen untereinander die Instrumente getauscht und große Teile des Liedes improvisiert. Eine charmante Inkompetenz im Beherrschen des jeweiligen Instruments ist dabei manchmal nicht zu überhören.
In puncto Vergangenheitserinnerungen steht auch "Heulerei" in nichts nach, dessen überfallartiger Anfang an das ebenfalls seit längerer Zeit bekannte "Alleine in der Nacht" erinnert, dann aber mit wahnsinniger textlicher Gemeinheit seinen ganz eigenen Weg findet und zu einem der besten Stücke des Albums mutiert. Neben dieser Up-Tempo-Nummer bietet "Jazz ist anders" wie gewohnt auch einige Mid- bis Low-Tempo-Songs. Unter anderem den Schmusesong "Nur einen Kuss".
Balladen sind wir ja aus der Feder des Farin Urlaub zur Genüge gewohnt, so eine - im wahrsten Sinne des Wortes - herzzerreißende Ode an die Liebe wie "Nur einen Kuss" hat man von ihm jedoch noch nicht gehört. "Und ich glaubte nicht mehr an die Liebe." Farin Urlaub spricht das aus, was jeder früher oder später einmal so oder so ähnlich erlebt hat oder noch erleben wird. Typisch für die Urlaub'schen Ergüsse findet auch dieses Liebesdrama ein unschönes, brutales Ende.
Dramatisch, aber immerhin nur psychisch brutal ist "Die ewige Maitresse", eine gesangliche Koproduktion von Bela B. und Farin Urlaub und damit mittlerweile leider eine Seltenheit. Dieser Umstand macht das Lied - natürlich neben musikalischer und textlicher Brillianz - zu einem der Highlights.
Ein Höhepunkt ist ohne Frage auch die aufwändige Gestaltung des Albums. Wie das Cover vermuten lässt, handelt es sich bei der Verpackung tatsächlich um eine Pizzaschachtel. Dieser Schachtel liegt in der Erstauflage als Extra eine 3"-Bonus-EP bei, die drei Lieder enthält, in denen BelaFarinRod die Band auf humorvolle Art und Weise reflektieren.
"Wir waren die Besten" betrachtet die Bandhistorie aus der Sicht eines alternden Bela B., der im Altersheim über die Erfolge der Band sinniert, während Farin Urlaub in "Wir sind die Besten" das Jetzt und Hier beschreibt. In beiden Fällen kriegen auch andere Musiker ihr Fett weg, im Konkreten der im Song versterbende Phil Collins sowie der arrogant geltende Indie-Musiker Phillip Boa.
Ein weiterer bekannter Musiker wird im Hiddentrack - wie immer: zurück spulen - wieder belebt. "Nimm es wie ein Mann" beschäftigt sich mit der Erscheinung Kurt Cobains in Form eines Kackehaufens. Musikalisch wird das von einem astreinen Metallriff unterlegt. Trash as Trash can be.
Den Abschluss der EP bildet Rodrigo Gonzalez' "Wir sind die Lustigsten". Man sollte meinen, der Titel erklärt sich von selbst, aber man sollte nicht darauf vertrauen, was einem der Titel suggeriert.
Das Album findet mit diesem Klaviersong einen schönen Ausklang. "Jazz ist anders" ist vorbei, die ärzte sind ohne Zweifel wieder da. So viel Ernsthaftigkeit muss man - wie eine gute Pizza - nun erstmal sacken lassen. Es braucht ein paar Durchläufe, bis man sich damit angefreundet hat, dass dieses Album keine Gagkanone parat hält.
Fazit: Die Ehrlichkeit des Albums und die dazugehörigen Interviews erschrecken, werten "Jazz ist anders" aber deutlich auf. Man darf gespannt sein, ob und was diese Band in Zukunft noch auf die Welt los lässt. Denn merke: die ärzte sind die ärzte sind die ärzte.
Anspieltipps: Himmelblau, Lasse redn, Die ewige Maitresse, Junge, Nur einen Kuss, Heulerei, Niedliches Liebeslied, Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend), Tu das nicht, Living Hell, Wir sind die Besten, Wir waren die Besten
Tracklist:
01. Himmelblau
02. Lied vom Scheitern
03. Breit
04. Lasse redn
05. Die ewige Maitresse
06. Junge
07. Nur einen Kuss
08. Perfekt
09. Heulerei
10. Licht am Ende des Sarges
11. Niedliches Liebeslied
12. Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)
13. Allein
14. Tu das nicht
15. Living Hell
16. Vorbei ist vorbei
Bonus-EP:
01. Wir sind die Besten
02. Wir waren die Besten
03. Wir sind die Lustigsten
Spielzeit: 61:56 Minuten
Bewertung: 9.5 von 10 Punkten
Label: Hot Action Records
Release: 02.11.2007
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Kategorie: Alben. |
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The Bosshoss: Stallion Battalion
The Bosshoss haben zwischen Werbesongs und Kanada-Tour ihr drittes Album "Stallion Batallion" fertig gestellt. Wieder einmal kommen Boss und Hoss dabei nicht darum herum, ihre eigenen Lieder mit einigen interessanten Interpretationen bekannter Titel zu umgeben. Aber was wäre ein Bosshoss-Album denn auch ohne Cover-Songs?
Die eigenen Titel allerdings halten die Oberhand und das ist auch gut so, denn eine etablierte Band sollte nicht darauf vertrauen, mit Coversongs dauerhaften Erfolg zu verbuchen. Das kann auch leicht in die falsche Richtung - nämlich in die Ballermann-Richtung – abdriften.
Davon sind The Bosshoss zum Glück noch weit entfernt, wohl auch, weil ihre Songs zwar melodisch und Ohrwurm gefährdet, jedoch nicht zu berechenbar sind. Hier und da sorgen die sieben Berliner immer wieder für Überraschungen, man kann sich nie sicher sein, ob während eines Songs nicht sogar einmal das gesamte Genre gewechselt wird.
Neben dem typischen Countrysound, für den die Band bekannt ist, wagt man sich öfters mal raus aus den Cowboystiefeln und begeht neue Wege. So zu hören in "Shake & Shout", einem klassischen Rocksong, oder dem Titelsong "Stallion Battalion", der durch seine relative Härte überrascht.
Eintönigkeit ist sicherlich das letzte, was man The Bosshoss vorwerfen kann. Auch wenn das Album es nicht schafft, durchweg zu überzeugen, so hat es doch für jeden etwas dabei. Im Zweifel eben doch wieder eine der Coverversionen, die ohne Zweifel nicht immer ganz ernst genommen werden können.
Die Snoop Dogg'schen "Izzle"-Wörter in "Drop It Like It's Hot" zum Beispiel klingen im Bosshoss-Kosmos so, als wären sie das normalste auf der Welt, was angesichts der offensichtliche Sinnlosigkeit der Wörter absolut absurd erscheint.
Eine Cover-Version ist auch "Everything Counts" von Depeche Mode. Die Grundmelodie ist stark an das Original angelehnt, was im aktuellen Fall eher unangebracht ist, da es kaum Überraschungen bietet. "Stallion Battalion" enthält neben diesem bereits veröffentlichten Song das ebenfalls schon bekannte "Truck'n'Roll Rules", welches bereits werbewirksam von Mercedes Benz verwendet wurde. Dabei kommt es jedoch recht massenkompatibel und lasch rüber.
Fazit: Alles in allem ist dieses Album leider nicht viel mehr als ein netter Zeitvertreib für laue Sommernächte und alle, die gern Cowboy spielen. Das Album kann lange nicht die Power und Energie beibehalten, die die Single "Monkey Business" vorlegt. Hier und da mischt sich ein eher öder Song dazwischen, den man auch hätte weglassen können - oder vielleicht hätte man dann doch lieber ein oder zwei mehr Coversongs eingebracht.
Anspieltipps: Stallion Battalion, Monkey Business, Drop It Like It's Hot
Tracklist:
01. Stallion Battalion
02. Monkey Business
03. Shake And Shout
04. Josè And Myling
05. Free Love On A Free Love Free Way
06. Polk Salad Annie
07. Omniscient Lover
08. Everything Counts
09. Goodbye Mary
10. Gay Bar
11. Truck'n'Roll Rules
12. High
13. Drop It Like It's Hot
14. Jumpin' Around
Spielzeit: 47:02 Minuten
Bewertung: 6.5 von 10 Punkten
Label: Island / Universal
Release: 26.10.2007
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Kategorie: Alben. |
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Ween: La Cucaracha
Das Böse ist zurück. Ween melden sich mit "La Cucaracha" erneut zu Wort und verstreuen dabei wieder ihre bitterbösen, fiesen Texte in wunderschön verpackten Songs in der Welt.
Ein bunter Genre-Mix verstreut sich über das gesamte Album. Das elektrisch veranlagte "Friends" versteht sich dabei ebenso gut mit dem Country-mit-Blasorchester-Song "Learnin' to Love" oder dem Dub-Reggae-Stück "The Fruit Man". Es macht Spaß, sich durch die verschiedenen musikalischen Bandbreiten der Band zu hören, ist aber zugegebenermaßen im ersten Moment ein wenig anstrengend, wenn man nicht weiß, wie man das zu deuten hat. Etwas anstrengend ist auch das progressiv-elektrische "Spirit Walker", das stimmlich streckenweise etwas an Daft Punk erinnert, was nicht zu der gegen Ende einsetzenden Akustikgitarre passt.
Mit einem typisch mexikanischen Bläser-Instrumental startet "Fiesta" das Genre-Feuerwerk "La Cucaracha" und bleibt dabei mitunter der einzige Song, den man sich unter dem mexikanisch wirkenden Konzept des Albums erwartet hätte. Der Rest ist Ween-typisch sehr überraschend und alles andere als konventionell.
"With My Own Bare Hands" zeigt, daß die Band sich auch im Hardrock-Genre beheimatet fühlt und mit harten Klängen nicht zu geizen vermag. Textlich geht es bei dieser Band ja sowieso schonmal etwas härter zur Sache, in diesem Song zeigen Ween, daß sie sowas zweifelsohne auch musikalisch können, auch wenn sie dabei nicht sehr abwechslungsreich vorgehen und eine einzige, aber prägnante Hook verfolgen.
Gelassener nimmt es der "Fruit Man", der sich lässig durch die Welt groovt und vergessen lässt, was da wenige Momente zuvor die Wände zum Beben gebracht hat. Das ist es, was Ween ausmacht. Ein Unterschied von einem Lied zum anderen, der größer nicht sein könnte: Hartes Metal-Geschrammel und direkt hinterher gelassene Reggae-Klänge. Das würde nicht gehen, wenn Ween eine vollkommen ernst zu nehmende Band wäre. Der bunte Mix funktioniert nur, weil sich die Band selbst nicht zu schade ist, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten, ohne dabei Angst haben zu müssen, sich der Lächerlichkeit auszusetzen.
Etwas deplatziert scheint "Lullaby", das seinem Namen alle Ehre macht, aufgrund seiner schläfrigen Stimmung jedoch eher als letztes Lied aufgehoben wäre, wenn es Intention der Band ist, daß der Zuhörer auch bei den letzten beiden Stücken noch wach ist. Nur von einer Klavierbegleitung getragen, singen Ween hier so brav, wie man es sich nur wünschen kann. Man wartet trotzdem oder gerade deshalb allerdings immer auf die eine Zeile, die die trügerische Stille und Wärme stört, jedoch lässt sich diese bis zum Harfen-Abklang nicht blicken.
Ungewöhnliche Instrumente haben auf diesem Album die Oberhand, so ist in "Woman and Man" neben Schellenkränzen und Congas auch eine Panflöte zu hören. Da das Lied gestandene elf Minuten Spiellänge erreicht, ist es damit freilich noch lange nicht getan. Mittendrin entwickelt es sich - auf diesem Album kann man das ruhig als überraschend bezeichnen - zu einem "ganz normalen" Rocksong inklusive ordentlichem, vierminütigem Gitarrensolo, das dann prompt in ein Bongo-Orchester übergeht und sich mit einer Gitarrenwand und Brandungsgeräuschen in das letzte Lied verabschiedet.
"Your Party" erinnert mit seinem Saxophon-Solo, gekoppelt mit einem klassischen, einfachen Gitarren-Riff, an 60er- bis 80er-Jahre Schmuserock - oder auch schmutzige Liebesfilme. Zum Abschluss kann man sich also noch einmal richtig fallen lassen, der Text wird durch die Musik perfekt ergänzt.
Ween schaffen es, auf "La Cucaracha" jeden Geschmack zu treffen und somit für jeden etwas zu bieten. Viele mag der Stilmix überfordern, allerdings ist es gerade das, was dieses Album so herausragend und interessant macht. Und wem gelingt es schon, allein mit dem Albumtitel einen Ohrwurm zu garantieren?
Anspieltipps: Fiesta, Friends, Learnin' to Love, The Fruit Man, Lullaby, Woman and Man, Your Party
Tracklist:
01. Fiesta
02. Blue Balloon
03. Friends
04. Object
05. Learnin' to Love
06. With My Own Bare Hands
07. The Fruit Man
08. Spirit Walker
09. Shamemaker
10. Sweetheart
11. Lullaby
12. Woman and Man
13. Your Party
Spielzeit: 50:02 Minuten
Bewertung: 8 von 10 Punkten
Label: Schnitzel Records
Release: 19.10.2007
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Kategorie: Alben. |
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Schrottgrenze: Schrottism
Schrottgrenze haben sich nicht viel Zeit gelassen, um ihrem letztjährigen Album "Château Schrottgrenze" ein kleines Brüderchen zu schenken. Bereits nach knapp 19 Monaten melden sich die vier Niedersachsen mit zwölf brandneuen Songs wieder. Dass man sich in der Bandinfo allerdings auch nur anmaßt, die Band mit R.E.M., Sonic Youth oder The Cure in einem Atemzug zu erwähnen, grenzt an Blasphemie, zumal diese Bands nun mal tatsächlich alles richtig gemacht haben, was man von Schrottgrenze nicht im Geringsten behaupten kann.
"Erwachen / Aufstehen / Raus gehen / Alles wieder aufnehmen." Das klingt alles sehr nach 08/15-Deutschpop a lá Fotos und irgendwie hat man das bei eben jenen ja auch schon mal so ähnlich gehört. Wenn es die Band nicht schon seit geschlagenen dreizehn Jahren gäbe, könnte man meinen, Schrottgrenze wollten auf den Deutschpop-Zug aufspringen.
Textlich ist dieses Album jenseits von gut und böse. Es ist nicht klar zu erkennen, was uns Sänger Alex Tsitsigias mit seinen Texten sagen will oder was genau sie beschreiben sollen. Wenn er in "Künstler muss schön sein" davon singt, dass Kunst und Text schön sein müssen, dann fragt man sich, ob der gute Mann wohl einen musikalischen Spiegel zu Hause hat. "Erstaunlich, was man uns hier bietet. Ja, ist denn das die Möglichkeit? Wo haben sie denn das gemietet? Das ist ja eine Schweinerei!" Immerhin vermag er es, die Gedanken des Hörers wenigstens für einen kurzen Moment in Worte zu fassen. Ein sehr fragwürdiges Stück, das aber im Gesamtkontext gut in das zuweilen ebenfalls zweifelhafte Konzept des Album passt.
Fazit: Es ist ein schmaler Grat zwischen guter und schlechter deutscher Popmusik. Schrottgrenze erwischen partiell den Absprung zur guten Seite, schaffen es aber nicht, länger dort zu verweilen. "Schrottism" ist bei dieser Gratwanderung gänzlich abgerutscht. Im Vergleich zum Vorgänger "Château Schrottgrenze" ist "Schrottism" ein Abgrund. Zwar war auch "Château" kein Meisterwerk, dafür immerhin hör- und vorzeigbar mit ein paar sehr guten Songs, die definitiv auf der guten Seite stehen.
Das progressive Schrammel-Ende in "Kanari" ist zumindest ein kleines Trostpflaster, das neben dem englischsprachigen "Schuldizm" und dem erträglichen "Die ewigen Patienten" ein wenig Hoffnung aufkeimen lässt, daß in dieser Band noch ein Restfunke Talent steckt.
Anspieltipps: Die ewigen Patienten, Schuldizm
Tracklist:
01. Judas Maxi Priest
02. Achtundzwanzig
03. Künstler muss schön sein
04. Zhenzheng de Shuigou
05. Die ewigen Patienten
06. In Verhältnissen dieser Art
07. Diese Schmerzen
08. Jesus allein zuhaus
09. Hinterland
10. Schuldizm
11. In den Zentren
12. Kanari
Spielzeit: 32:24 Minuten
Bewertung: 3.5 von 10 Punkten
Label: Motor Music
Release: 19.10.2007
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Kategorie: Alben. |
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The Bosshoss: Monkey Business
Texas Lightning war gestern, jetzt sind wieder The Bosshoss dran. Auf dem Vorläufer zu ihrem dritten Album "Stallion Batallion" kommen die sogar ausnahmsweise mal ganz ohne die Coverversionen aus, die sie unter anderem durch die Verwendung in der Langnese-Werbung so berühmt gemacht haben.
Wie immer grooven sich Boss und Hoss zusammen mit ihrer Band locker-flockig durch ihre Country-Crossover-Songs, zumindest musikalisch anscheinend völlig unberührt von allem Leid auf dieser Welt. Wem das nicht gefällt, der hat gefälligst die Klappe zu halten. Das stellt das - mittlerweile nicht mehr ganz so waschechte - Duo in "Monkey Business" klar. Mit dem Titel ist hier eindeutig das Musikgeschäft betitelt.
"We know what we want / we know what we do / ... / Don't matter what those creatures say / and I know you agree." Eine klare Mittelfinger-Ansage an alle Kritiker. Frech wird gefragt, wer denn eigentlich die Regeln des guten Geschmacks aufstellt und plötzlich traut man sich gar nicht mehr so recht, ein schlechtes Haar an der Band zu lassen. Es wird klar gestellt, dass es verschiedene Geschmäcker gibt und es okay ist, dass auch The Bosshoss nicht jedem in den Kram passen - solange man sich trotzdem damit arrangiert, dass sie existieren. Klarer kann sich eine Band nicht vor den Kritikern drücken, denen sie damit geschickt jeglichen Wind aus den Segeln nimmt. Touché.
Das zweite und letzte Lied auf der Single ist der Titelgeber zum folgenden Album "Stallion Battalion", demzufolge später auch auf dieser Scheibe wieder anzutreffen. Nichts ist also mit exklusiven Single-B-Seiten oder ähnlichem. Das enttäuscht und liefert nicht unbedingt den Anreiz zum Single-Kauf.
"Stallion Battalion" erinnert zwar lautmalerisch an "Stadium Arcadium" von den Red Hot Chili Peppers, letzteres jedoch eiert als Lückenfüller über die Rille, während The Bosshoss mit ihrem Song einen wahren Ohrwurmgaranten erschaffen haben, der auch so manchen Hardcore-Rocker vom Hocker reißen dürfte. Etwas verhalten startet der Song mit einer gedämpften E-Gitarre, klingt zunächst etwas langweilig, steigert sich in der Strophe aber immer mehr, um pünktlich zum Refrain die Katze aus dem Sack zu lassen. Bis zum Ende reißt die Begeisterung dieses Stückes nicht mehr ab, der Hörer wird schlussendlich mit einem Country-typischen "Wohoo!" und einer Rock-typischen Klimax in die erhabene Stille fallen gelassen.
Fazit: The Bosshoss sind definitiv Geschmackssache, zeigen aber allein auf dieser sechseinhalb Minuten-Single, dass sie a) nicht nur covern und b) nicht nur Country-Musik drauf haben. Allerdings trübt das ungenügende Preis-Leistungs-Verhältnis die Stimmung. Zwei Songs – beide noch dazu auch auf dem dazugehörigen Album vertreten - sind definitiv zu wenig für eine Single, die im Laden vier oder fünf Euro kostet. Man darf trotzdem gespannt sein, ob sie es schaffen, das hohe Niveau dieser Vorab-Veröffentlichung auch auf dem kommenden Langspieler "Stallion Battalion" zu halten.
Anspieltipps: Stallion Battalion
Tracklist:
01. Monkey Business
02. Stallion Battalion
Spielzeit: 6:40 Minuten
Bewertung: 6.5 von 10 Punkten
Label: Island / Universal
Release: 12.10.2007
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Kategorie: Singles. |
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Lofofora: Memoires de Singes
Wenn man das Cover von Lofofora's "Memoire de Singes" betrachtet, glaubt man nicht unbedingt, dass sich dahinter ein vernünftiges Album verstecken mag. Das sieht alles sehr nach Verherrlichung von Chaos und Gewalt aus. Vor allem lässt es vermuten, dass hier reines Punk-Geknüppel zu hören sein könnte.
Dem ist jedoch zum Glück nicht so. Für eine Punkband relativ ungewöhnlich, bieten Lofofora auf "Memoire de Singes" sogar mehrere Stücke mit einer Spielzeit von zum Teil weit über vier Minuten und probieren sich und ihren Stil dabei immer wieder neu aus.
Das zeigt, dass sich die Franzosen nicht als reine Punk-Knüppler verstehen, sondern gerne auch Crossover-Elemente a lá Rage Against The Machine in ihre Songs einbauen. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Gebilde aus schnellen Punk-Nummern, harten Metal-Riffs und melodischen Rock-Elementen.
Zwar wiederholt sich auf "Memoire de Singes" vieles früher oder später, aber im Großen und Ganzen macht es doch Spaß, diesem Album zu lauschen, es ist angenehm anzuhören. Besonders hervor zu heben ist das abschließende "Trop", das mit einem sehr schönen Gitarrensolo zu gefallen weiß und sich damit vom Rest des Albums stark absetzt.
Ein bisschen klischeebehaftet ist das Cover ja leider schon, um noch einmal darauf zurück zu kommen. Der abgebildete Polizist wird als Schwein stilisiert, es fliegt ein brennender Streifenwagen durch die Luft und die beiden Hauptakteure sind gerade dabei, einen Molotow-Cocktail zu werfen respektive auf die Staatsgewalt einzuprügeln. Ein bisschen primitiv ist das schon irgendwie. Vielleicht soll es eine Anspielung auf die Vorstadt-Kämpfe rund um Paris sein, dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist es eher daneben.
Es kann sein, dass es an mir vorbei gegangen ist, dass es nicht so ist, aber ich glaube, die Tage der aggressiven, politischen Punkbands sind mittlerweile gezählt. Lofofora kämpfen hier also auf verlorenem Posten. "Memoire de Singes" ist deshalb zwar ein gutes Crossover-Album, aber lediglich ein mittelmäßiges Gesamtwerk, das vor allem durch Artwork und Aussagen gehörig Punkte einbüßt.
Anspieltipps: Trop
Tracklist:
01. Mémoire de singes
02. Nous autres
03. Dernier jugement
04. Tous les mêmes
05. Tricolore
06. Comme des bêtes
07. La belle vie
08. Torture
09. Nobody's perfect
10. Employé du mois
11. Nuit blanche
12. 5h43
13. Trop
Spielzeit: 50:32 Minuten
Bewertung: 4.5 von 10 Punkten
Label: At(H)Ome
Release: 08.10.2007
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Kategorie: Alben. |
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Kilians: Kill The Kilians
The Strokes? Arctic Monkeys? Weder noch. Wer zur Hölle ist das? Das sind die Kilians. Eine Band, die vielen im ersten Moment als unglaublich arrogant erscheint, viele bereits nach dem ersten Kontakt erwischt und einige erst nach einer gewissen Zeit packt. Früher oder später hat jeder schon einmal von dieser Band gehört, spätestens seit sie auch in der Visions und im Musikexpress Erwähnung fanden. Diese oft erwähnte Band veröffentlicht nun mit "Kill the Kilians" ihren ersten Longplayer.
Bereits zu Beginn des Albums werden mit "Fight the Start" und "Enforce Yourself" zwar die beiden bisherigen Single-Hits verballert, aber nur, um für den Rest der Zeit die volle Konzentration auf die anderen, unbekannteren Stücke zu lenken. Und was das für welche sind! Unverständlich, aber zielstrebig nuschelt man sich durch die Songs und lässt dabei zwar viele Verständnisfragen offen, dafür aber ausgiebig Platz für Lyric-Interpretationen. Simon den Hartog hat in seinem zarten Alter von gerade mal 19 Jahren schon eine Stimme wie Julian Casablancas sie wahrscheinlich nicht einmal im absoluten Vollrausch zustande bekommen würde.
Auch wenn die Band ihre Einflüsse mehr als deutlich durchblicken lässt, klingt die Platte sehr eigen. Für ihr junges Alter ist die musikalische Leistung der fünf Akteure sehr ausgeprägt, jeder Musiker hat bereits seinen eigenen - mal mehr und mal weniger unverwechselbaren - Stil gefunden, den es nun kontinuierlich zu verbessern gilt. Und wer hat bei den Strokes oder den Arctic Monkeys denn schon mal eine Mundharmonika gesehen?
Neben der vollen Portion Rock'n'Roll-Retro bietet "Kill the Kilians" mit "Fool to Fool" auch ein komplettes Akustikstück, welches die nötige Ruhe in das aufgebrachte, aber keinesfalls wütende Erstlingswerk der Dinslakener bringt und die stille, nachdenkliche Seite der Band erweckt.
Fazit: Obwohl die Band zu drei Fünfteln nicht mal das zwanzigste Lebensjahr erreicht hat, klingt die Platte weder forsch, noch unerfahren. Für ihr Debüt müssen sich die meisten jungen Bands Jahre später rechtfertigen - nicht selten werden da alte Leichen aus dem Keller geholt. Die Kilians dagegen brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass ihr Erstling in ein paar Jahren belächelt wird. Das wird er ja auch heute schon nicht. Die Kilians sind eine der am meisten ernstzunehmenden, aufstrebenden Bands, die dieses Land derzeit zu bieten hat.
Anspieltipps: Enforce Yourself, Something to Arrive, Fool to Fool, Jealus Lover, Inside Outside
Tracklist:
01. Short Life of Margott
02. Fight the Start
03. Enforce Yourself
04. Little Billie, Little Brother
05. Cant't Get Along
06. When Will I Ever Get Home
07. Sunday
08. Fool to Fool
09. Jealous Lover
10. Something to Arrive
11. Inside Outside
12. Dizzy
13. P.L.E.A.S.U.R.E.
Spielzeit: 43:07 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Vertigo Records
Release: 07.09.2007
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Kategorie: Alben. |
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Pearl Jam: Live At The Gorge
Daß Pearl Jam gerne mal ein Live-Album raus bringen, ist ja nichts neues. Mittlerweile gibt es zu jedem (!) Konzert ein offizielles (!!) Bootleg. Für diejenigen, die das jeweilige Konzert besucht haben, sicher ein tolles Erinnerungsstück. Für diejenigen unter uns, die lieber einen allgemeinen Überblick über das Spektrum der Band haben wollen oder gerne mal das ein oder andere selten gespielte Lied hören möchten, ohne dutzende – mitunter sehr lohnenswerte – Pearl Jam-Konzerte zu besuchen, ist "Live at the Gorge" mit seinen sieben (!!!) CDs, auf denen fast 100 (!!!!!) Songs zu finden sind, unverzichtbar. Aber nicht nur für die bietet dieses Grunge-Feuerwerk alles, was man sich wünschen kann.
Die schick gestaltete Box beinhaltet drei komplette Konzerte aus den Jahren 2005 und 2006, welche im Gorge Amphitheater in den USA stattfanden. Die Setlists variieren, für Pearl Jam typisch, bei jedem Gig extrem, so daß man mit den Mitschnitten dieser drei Konzerte so gut wie jedes Herz zum leuchten bringen wird. Es ist ohne Frage eine Tagesaufgabe, sich dieses Album mit seinen acht Stunden Laufzeit anzuhören, aber wenn man einmal angefangen hat, will man auch nicht mehr aufhören.
Ergriffen hört man zu, wenn Eddie Vedder in "Alive" davon singt, wie er vom Tod seines leiblichen Vaters erfährt, in "Love Boat Captain" versucht, die Ereignisse um das Roskilde-Festival 2000 zu verarbeiten oder in "World Wide Suicide" den Irak-Krieg anklagt. Pearl Jam sind die letzte übrig gebliebene Größe aus dem Grunge-Mekka Seattle. Ein Dinosaurier, der lange noch nicht dem Aussterben nahe ist, immer noch in der Lage ist, über sich selbst hinaus zu wachsen und der eine der eindrucksvollsten Livebands dieses Planeten darstellt. "Live at the Gorge" lässt daran keinen Zweifel.
Pearl Jam-Konzerte zählen nicht umsonst zu denen, die man so schnell nicht vergisst. Es ist beachtlich, wie sehr sich Publikum und Band im gegenseitigen Wechsel und auch jeweils untereinander achten und schätzen, selten hat man so eine extrem geschlossene Einheit gesehen. Diese beeindruckende Nähe spürt man auch auf diesem Opus mehr als deutlich.
"Live at the Gorge" ist nicht nur ein Album für fortgeschrittene Hardcore-Fans. Es ist ein Album für jeden. Es spricht jeden an und es reißt jeden mit. Genau so, wie es ein reales Pearl Jam-Konzert auch tut. Wer daran jetzt zweifelt, höre sich bitte dieses Meisterwerk an und gehe danach gefälligst auf ein Pearl Jam-Konzert seiner Wahl. Bitte.
Anspieltipps: CD I bis VII
Tracklist:
Sept 1st 2005:
CD I:
01. I Believe in Miracles
02. Small Town
03. Off He Goes
04. Low Light
05. Man of the Hour
06. I Am Mine
07. Crazy Mary
08. Black
09. Hard to Imagine
CD II:
01. Given to Fly
02. Last Exit
03. Save You
04. Do the Evolution
05. Alone
06. Sad
07. Even Flow
08. Not for You
09. Corduroy
CD III:
01. Encore Break
02. Love Boat Captain
03. Insignificance
04. Better Man
05. Rearviewmirror
06. I Won't Back Down
07. Last Kiss
08. Crown of Thorns
09. Blood
10. Yellow Ledbetter
11. Baba O'Riley
July 22nd 2006:
CD IV:
01. Wash
02. Corduroy
03. Hail Hail
04. World Wide Suicide
05. Severed Hand
06. Given to Fly
07. Small Town
08. Even Flow
09. Down
CD V:
01. Encore Break
02. Footsteps
03. Once
04. Alive
05. State of Love and Trust
06. Crown of Thorns
07. Leash
08. Porch
09. Last Kiss
10. Inside Job
11. Go
12. Baba O'Riley
13. Dirty Frank
14. Rockin' in the Free World
15. Yellow Ledbetter
July 23rd 2006:
CD VI:
01. Severed Hand
02. Corduroy
03. World Wide Suicide
04. God's Dice
05. Animal
06. Do the Evolution
07. In Hiding
08. Green Disease
09. Even Flow
CD VII:
01. Encore Break
02. I Won't Back Down
03. Life Wasted
04. Big Wave
05. Satan's Bed
06. Spin the Black Circle
07. Alive
08. Given to Fly
09. Little Wing
10. Crazy Mary
11. Comatose
12. Fuckin' Up
13. Yellow Ledbetter
Spielzeit: 480:00 Minuten
Bewertung: 10 von 10 Punkten
Label: Warner
Release: 22.06.2007
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Kategorie: Alben. |
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Wir sind Helden: Soundso
Wir sind Helden veröffentlichen mit "Soundso" ihr mittlerweile drittes Album. Dass dies in der Musikwelt ach so kritisch beäugt wird, scheint das sympathische Quartett dabei wenig zu beeindrucken. Locker flockig und völlig unbekümmert von kritischen Stimmen entwickelt sich die Band immer fleißig weiter und liefert wieder ein absolutes Schmuckstück ab.
"Soundso" klingt dabei mehr nach "Die Reklamation" als nach "Von hier an blind" und ist somit wieder fröhlicher und unbeschwerter, die Melancholie ist verschwunden – oder sie versteckt sich zumindest sehr gut. Fast jedes Lied zaubert ein Lächeln auf die Lippen, man ist immer wieder bemüht, Judith Holofernes' Wortwirrungen so schnell wie möglich zu folgen, um sie möglichst bald lauthals mitsingen zu können.
Das beginnt bereits mit der anfangs seltsam anmutenden "(Ode) An die Arbeit", in deren Strophen sich Holofernes mit Gitarrist und Keyboarder Jean-Michel Tourette einen wilden Dialog über die Bedeutung und Wirkung verschiedener Dinge und Lebewesen im Arbeitsleben erspinnt, um dann wenig später einen bezaubernden Refrain aufzutischen.
Ohrwurmtauglich geht es gleich im Anschluss mit "Die Konkurrenz" weiter, zu dem man kaum ruhig sitzen bleiben kann oder will. Bereits hier zeigt sich, dass Judith Holofernes ihre Stimme merklich weiter verbessern konnte, es ist noch einmal eine deutliche Steigerung zu "Von hier an blind" zu hören. Thematisch geht es hier um private Kleinkriege und elitäres Denken, das doch eigentlich meist völlig unnötig ist.
Ob Jean-Michel Tourette mit seinem wuchtigen Gitarren-Intro in "Soundso" den Scorpions, die wie er aus Hannover stammen, huldigen wollte, weiß man nicht. Gewiss ist dies jedoch der endgültige Wachrüttler für alle, die nach den beiden ersten Songs noch nicht so recht überzeugt waren. Judith Holofernes singt hier von denen, die sich in dieser Welt nicht verstanden fühlen und wieder einmal sorgen ihre liebliche Stimme und die fröhliche Musik dafür, dass jegliche graue Wolke vom Himmel zu verschwinden scheint. Um unverstandene Menschen geht es auch in "The Geek (shall inherit)", welches wegen musikalischer Unbeschwertheit und textlicher Leichtigkeit sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick der vermeintlich stärkste Song des Albums ist.
Selbst die ruhigen Stücke wie "Kaputt" oder "Labyrinth" kommen spätestens im Refrain mit einer überwältigenden Hookline angebraust und fegen damit jegliche aufkommende Melancholie bereits im Ansatz hinfort. "Soundso" ist trotz der teils sehr ernsten Texte sicherlich das bisher fröhlichste Album der Helden.
Mit Francesco Wilking von Tele ist auf "Soundso" das erste Mal ein Gastsänger vertreten. "Für nichts garantieren" ist – wenn man die "(Ode) an die Arbeit" aufgrund seiner besonderen Struktur einmal ausklammert – sogar der erste Duett-Song überhaupt in der Bandgeschichte. Damit revanchiert sich Judith Holofernes dafür, auf dem Tele-Album "Wovon sollen wir leben" zwei Songs mitgesungen haben zu dürfen.
Etwas schwer verdaulich ist das experimentell laute "Endlich ein Grund zur Panik", das so sehr nach "Die Reklamation" klingt wie kein anderer Song des Albums und gerade deshalb im ersten Moment ziemlich verwirrt. Verstörend ist auch das folgende "Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst", in dem Holofernes mit zum Teil verzweifelter Stimme auf die drohende Gefahr eines jederzeit möglichen Kriegsausbruches auch in unserem Land verweist.
Zum Schluss gibt es mit "Hände hoch", "Stiller" und "Lass uns verschwinden" doch noch drei balladeske Songs, die auf "Von hier an blind" aufgrund der vorherrschenden Melancholie-Fülle gestört hätten, hier auf "Soundso" jedoch einen schönen, harmonischen Abschluss darstellen. "Lass uns verschwinden" hätte als letzter Song eines Albums bei manch anderer Band wahrscheinlich hanebüchene Auflösungsgerüchte zur Folge gehabt, bei Wir sind Helden kann man sich jedoch sicher sein, dass da noch einiges kommt. Gerne wieder so fröhlich wie dieses Mal.
Anspieltipps: (Ode) an die Arbeit, Die Konkurrenz, Soundso, The Geek (shall inherit), Endlich ein Grund zur Panik, Hände hoch
Tracklist:
01. (Ode) An die Arbeit
02. Die Konkurrenz
03. Soundso
04. Für nichts garantieren
05. Kaputt
06. Labyrinth
07. The Geek (shall inherit)
08. Endlich ein Grund zur Panik
09. Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
10. Hände hoch
11. Stiller
12. Lass uns verschwinden
Spielzeit: 47:08 Minuten
Bewertung: 8 von 10 Punkten
Label: Labels Germany
Release: 25.05.2007
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Kategorie: Alben. |
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muff potter.: Steady Fremdkörper
"Are you ready? Steady Fremdkörper go!" – Zeilen aus dem letzten Song des Albums. Die Platte endet so, wie sie eigentlich beginnen sollte. Kraftvoll, aufputschend, aggressiv. Stattdessen gibt es einen recht verschlafener Auftakt. Passend zum Thema, denn eine Autofahrt – wie sie in "Ich bin doch kein Idiot" beschrieben wird – beginnt im vernünftigsten Falle ja auch nicht bei Tempo 150. Dort führt sie allerdings hin. Frust ablassen, ablenken, runter kommen. Musikalisch bleibt das Ganze jedoch unter der Richtgeschwindigkeit, Fahrt wird erst im weiteren Verlauf des Albums aufgenommen.
Richtig mitreißend ist erst der dritte Song, "Das seh' ich erst, wenn ich's glaube." Ein Rundumschlag gegen die Religion, ein Aufruf zu Toleranz. Eine Aufforderung, sich nicht überall einzumischen – getreu dem Motto "Leben und Leben lassen". Dazwischen immer wieder kleine Nickligkeiten gegen gesellschaftliche Fehlleitungen. Ein durchweg gelungener Song, der vor allem durch den Wechselgesang der Sänger Dennis Scheider und Nagel besonderen Reiz bekommt.
Kurz darauf folgt die oft schon zitierte Erkenntnis, dass es auf dieser Welt nichts Neues mehr zu entdecken gibt. Mit diesem Thema beschäftigt sich "Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus." Dort heißt es: "Die besten Lieder sind gesungen, die besten Bücher sind geschrieben und so sehr wie Romeo und Julia wird sich niemand je mehr lieben." Und doch gibt es immer wieder Momente, die es lohnt, einzufangen, denn das, was war, kann unter Umständen von dem, was ist oder kommt, doch noch übertrumpft werden – wenn auch nur im privaten, sehr kleinen Rahmen.
Weitere Erkenntnisse werden in "Fotoautomat" gesammelt. Realistisch werden, Augen öffnen, auf die Straße gehen. Die eigene Wahrnehmung ist schön und gut, aber wenn man in die reale Welt schaut, gibt es vieles, das man so nicht sehen will. Betäubung – mal wieder – durch Ablenkung, das Leben neu ordnen. Musikalisch definitiv eines der Highlights des Albums.
Das "Wunschkonzert" beschäftigt sich im Grunde mit einer ähnlichen Thematik. Wie ein roter Faden zieht sich die Figur des Fremdkörpers durch das Album. Eine Sache, die man "Steady Fremdkörper" hoch anrechnen muss. Ohne in die Sparte des Konzeptalbums abzurutschen, findet man in allen Songs Parallelen zu den anderen. Leider setzt sich das allerdings ab und zu auch in der Instrumentalisierung fort, sodass sich einige Songs ziemlich ähneln, was bei Muff Potter aber keineswegs eine neue Erfahrung ist.
So oder so ähnlich kann man auch "Plötzlich tatsächlich" deuten, dessen Text sich um einen ideenlosen Autoren dreht, der nach vergeblichen Anstrengungen, seine kreative Krise in einen Text zu verpacken, letztendlich feststellt, dass gerade das alles noch viel schlimmer machte.
Nicht von seiner eigenen Ideenlosigkeit, sondern vom gesamten Umfeld angewidert ist der Protagonist in "Gestern an der Front", thematisch ein typischer Nagel-Text. Es geht um die Einöde, die kleine Stadt, die anwidert und der man am liebsten gestern vor morgen den Rücken zuwenden möchte, es aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht so einfach schafft.
Muff Potter stoßen übel auf. Ein stetiger Fremdkörper, wie bereits erwähnt. "Wie die Axt im Walde, wie ein Brocken im Fluss." "Steady Fremdkörper" findet in "Steady Fremdkörper" einen würdigen Abschluss. Das Album endet versöhnlich und fast schon massentauglich mit einem orchestralen Outro. Vorher eckt der Fremdkörper jedoch noch einmal an allen Ecken an. Mit fremdartigen Reimen und verwirrenden Phrasen ist er der Masse immer einen Schritt voraus und trickst sein Umfeld geschickt aus. Er ist immer noch unzufrieden mit sich und der Welt, aber er weiß, was er tun muss, denn: "Nur die Flucht nach vorn kann ihn jetzt noch retten."
Anspieltipps: Das seh' ich erst wenn ich's glaube, Fotoautomat, Wunschkonzert, Die Guten, Steady Fremdkörper
Tracklist:
01. Ich bin doch kein Idiot
02. Das Finkelmann'sche Lachen
03. Das seh' ich erst wenn ich's glaube
04. Sie tippen irre auf deinen Möbeln
05. Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus
06. Fotoautomat
07. Wunschkonzert
08. Gestern an der Front
09. Die Guten
10. Plötzlich tatsächlich
11. Steady Fremdkörper
Spielzeit: 43:21 Minuten
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Label: Huck's Plattenkiste
Release: 18.05.2007
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Kategorie: Alben. |
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Gods Of Blitz: Reporting A Mirage
Mit "The Rising" hatten Gods of Blitz im Frühjahr 2006 einen kleinen Insiderhit. Daß dies keine Eintagsfliege war, bewies das darauf folgende Album "Stolen Horse". Nun geht der Nachfolger an den Start und setzt gleich zum Überholen an.
Die erste Single-Auskopplung "New Wave Wipeout" eröffnet mit einem wummernden Bass und einem fulminant eingängigen Refrain die Platte, die es schwer hat, mit dem sehr guten Debüt mitzuhalten. Daß dies aber zu gelingen scheint, deutet sich schon beim anschließenden "Reporting a Mirage" an, das ebensolche Ohrwurmqualitäten hat wie der Opener.
Der Stil des Albums lässt sich überall und nirgends einordnen. Hier ein wenig Stoner Rock, dort ein wenig Brit Pop und optisch ein wenig Hives und Rolling Stones. Und dann wieder doch ganz anders. Gods of Blitz klingen wie etwas, das man schon jahrelang kennt, aber hören sich dabei doch völlig eigen an. Keinesfalls ist es aber ein Replikat einer Band, um wieder zurück zu den Songs zu gelangen.
Die vierköpfige Band groovt sich durch weitere erstklassige Ohrwurmsongs wie "I Know That You Know That I Know" oder "Ennuie" und verliert dabei nicht in einer einzigen Sekunde Druck oder Kraft.
Man wundert sich, daß eine Band es schafft, so kraftvoll zu bleiben, ohne sich dabei auch nur einmal zu wiederholen. Zwar gibt es einige wenige Songs, die keine Giganten sind, aber ein perfektes Album sollte man von einer Band, die gerade mal ihre zweite Platte gemacht hat, auch gar nicht erwarten, denn mit anderen Bands können Gods of Blitz locker mithalten und überholen die meisten dabei sogar schon. Das erste Album zu toppen, ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Man darf gespannt sein, was diese Band in Zukunft alles abwerfen wird und ob das vermeintlich schwerste, dritte Album die Qualität halten kann.
Anspieltipps: New Wave Wipeout, Reporting a Mirage, I Know That You Know That I Know, Security, Ennuie, Now
Tracklist:
01. New Wave Wipeout
02. Reporting A Mirage
03. A Life Replica
04. I Know That You Know That I Know
05. Security
06. Modern Creation
07. Think About The Missing Link
08. Just A Hero
09. Ennuie
10. Times Of Paranoia
11. Now
12. The Human Race
Spielzeit: 38:01 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: BPX 1992
Release: 30.03.2007
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Kategorie: Alben. |
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Tocotronic: Best Of Tocotronic
Seit nunmehr 13 Jahren gibt es Tocotronic nun schon und dass sich während dieser dreizehn Jahre mit insgesamt sieben Alben ein großes Repertoire an Songs aufgestaut hat, erscheint nur logisch. "The Best of Tocotronic" enthält nun also eine Zusammenstellung der bekanntesten und besten Songs der Band. Unter den insgesamt 22 Songs befinden sich diverse Singles und Klassiker.
Die Stücke sind größtenteils chronologisch geordnet. Das heißt, das Album beginnt mit Altem und hört mit neuen Songs auf. Auf dem Weg vom ersten zum letzten Song bekommt man so also einen guten Eindruck von der Geschichte und der Entwicklung der Band. Deutlich zu erkennen ist der Schnitt zwischen den Songs des Albums "Es ist egal, aber" ("Sie wollen uns erzählen", "Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen") und "K.O.O.K." ("Jackpot", "Die Grenzen des guten Geschmacks 2"). Zwischen diesen Alben hat sich die Band bewusst verändert, wurde textlich introvertierter und musikalisch ausgefeilter.
"The Best of Tocotronic" - und somit auch die Karriere der Band - beginnt mit punkig angehauchten Songs wie "Freiburg", "Drüben auf dem Hügel" oder "Die Welt kann nicht mehr verstehen" und führt dann langsam über immer melodiöser werdende Songs zum jetzigen Stil der Band. Dieses Best of-Album zeigt zudem die Experimentierfreudigkeit der Band auf, was man an Stücken wie "This Boy is Tocotronic" sieht, welches sehr elektronisch und verzerrt ist, was für Tocotronic eher unüblich ist.
Durch den bunten Stilmix und den Wandel, den die Band in ihrer langjährigen Karriere durchgemacht hat, lassen sich auch andere, zum Teil sehr große, stilistische Unterschiede zwischen den ersten und den letzten Songs des Albums erkennen. Wer die alten Stücke mag, muss nicht zwangsläufig auch etwas mit den neuen Liedern anfangen können und umgekehrt.
Dadurch, dass die Band sich aber eher langsam und subtil verändert hat, gewöhnt man sich während des Hörens schnell an den Wechsel, wenn er denn überhaupt großartig auffällt. Kommentare dazu und zu vielem mehr gibt es im Booklet nachzulesen, das von Tocotronic verfasste Linernotes zu allen Songs enthält.
"The Best of Tocotronic" ist eine durchweg gelungene Zusammenstellung der besten Songs der eigenwilligen Hamburger, die sowohl bekannte wie auch unbekannte Songs beinhaltet und eine sehr gute Übersicht über die Entwicklung der Band gibt, die sicher noch längst nicht abeschlossen ist.
Anspieltipps: Meine Freundin und ihr Freund, Freiburg, Digital ist besser, Die Welt kann mich nicht mehr verstehen, Jackpot, Die Grenzen des guten geschmacks 2, Hi Freaks
Tracklist:
01. Meine Freundin und ihr Freund
02. Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein
03. Freiburg
04. Drüben auf dem Hügel
05. Digital ist besser
06. Du bist ganz schön bedient
07. Die Welt kann mich nicht mehr verstehen
08. So jung kommen wir nicht mehr zusammen
09. Bitte, gebt mir meinen Verstand zurück
10. Sie wollen uns erzählen
11. Dieses Jahr
12. Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen
14. Jackpot
15. Die Grenzen des guten Geschmacks 2
16. This Boy is Tocotronic
17. Hi Freaks
18. Free Hospital
19. Aber hier Leben, nein danke
20. Gegen den Strich
21. Pure Vernunft darf niemals siegen
22. Pure Vernunft darf niemals siegen (Lawrence Remix)
Spielzeit: 79:20 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: L'age D'or
Release: 18.11.2006
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Kategorie: Alben. |
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die ärzte: Bäst of
Wenn die ärzte ein Best of-Album in den Laden stellen, dann muss das auch ganz besonders aussehen. In einer schicken Stahlbox und mit sechs verschiedenen Covermöglichkeiten, die durch unterschiedliche Lagerung des Boxinhaltes varrieren, macht das Ding schon einiges her. Außen: Top! Und innen? Zwei CDs, bis zum Rand gefüllt.
25 Singles von 1993 bis 2005 und eben so viele erlesene Bonustracks von den jeweiligen Single-Veröffentlichungen, zwei schlichte Steckhüllen und ein dickes 36 Seiten-Booklet mit allerlei witzigen und nicht ganz so witzigen Linernotes zu den Singles erwarten den Käufer. Das kommt bekannt vor. Bereits zum Best of-Album aus dem Jahre 1994, "Das Beste von kurz nach früher bis jetze", gab es kurze Kommentare zu jedem Song. Und da liegt der Unterschied: zu jedem Song. Beim heuer erschienen "Bäst of" müssen die Kommentare zu den Singles reichen, die viel interessanteren B-Seiten der zweiten CD werden völlig außer Acht gelassen.
Die zweite CD ist generell etwas stiefmütterlich behandelt worden. Die Tracklist umfasst längst nicht alle B-Seiten, einige Schätzchen schlummern weiterhin nur auf schwer erhältlichen Singles herum. "Bäst of" hat durch seine B-Seiten-CD die Option auf ein reines B-Seiten-Album verpfändet, welches sich zahlreiche Fans schon seit langem wünschen. So bleibt dann doch nichts anderes übrig, als weiterhin die Augen offen zu halten, um zum Teil sehr rare Singles - vor allem der Bonustracks wegen - zu hohen Preisen zu erstehen.
Zu Singles wie "Yoko Ono" oder "Rock'n'Roll Übermensch" lassen sich gar keinerlei B-Seiten entdecken. Das mag daran liegen, daß diese B-Seiten größtenteils Remixe sind, jedoch sollte eine B-Seiten-CD eigentlich alles umfassen. Wenn schon, denn schon.
Die B-Seiten, die vorhanden sind, sind jedoch größtenteils Kracher, zumeist sogar besser als die eigentliche Single-Veröffentlichung. Die Bonustracks der Singles zum aktuellen Studioalbum "Geräusch" verblassen im direkten Vergleich zu denen aus den "Planet Punk"- oder "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!"-Aufnahmen jedoch regelrecht.
An der Single-CD gibt es nahezu nichts auszusetzen, der Sold ist größtenteils erfüllt. Dennoch stören auch hier einige Makel: "Quark" wird nicht in der politischen Singleversion geliefert, sondern als normale Albumversion mit folglich anderem Text und anderer Musik als auf der Single. Außerdem fehlt "Rod Loves You", was zwar zugegebenermaßen nur eine Promo-Single für die Presse war, der Vollständigkeit halber jedoch trotzdem hier auftauchen sollte.
Fazit: "Bäst of" gibt einen guter Überblick über die Singles der Band und liefert für noch nicht allzu eingesessene Fans mit den B-Seiten genug "neues", jedoch ist das Angebot der Bonussongs für Jäger und Sammler geradezu katastrophal. Allerdings gäbe es auch nichts mehr zu jagen, wenn alle B-Seiten hier vereint wären. Auf jeden Fall spielt der Bequemlichkeitsfaktor wohl eine große Rolle. Statt eines "Bäst of" hätte ein B-Seiten-Album in jedem Fall mehr Anklang gefunden und würde nicht allzu schnell in Vergessenheit geraten, wie es mit dem "Bäst of" vermutlich der Fall sein wird.
Anspieltipps: CD I: Kopfüber in die Hölle/Revolution, Hurra, Mein Baby war beim Frisör, Rebell, Wie es geht, Yoko Ono, Rock'n'Roll Übermensch, Komm zurück, Unrockbar, Nichts in der Welt, Deine Schuld, CD II: Stick it out/What's the ugliest Part of your Body, Regierung, Sex me, Baby, Warrumska, Wunderbare Welt des Farin U., Ein Lied über Zensur, Schlimm, Die Instrumente des Orchesters, Rettet die Wale, Die Welt ist schlecht
Tracklist:
CD I:
01. Schrei nach Liebe
02. Mach die Augen zu
03. Friedenspanzer
04. Quark
05. Kopfüber in die Hölle/Revolution
06. Schunder-Song
07. Hurra
08. 3-Tage-Bart
09. Mein Baby war beim Frisör
10. Männer sind Schweine
11. Goldenes Handwerk
12. 1/2 Lovesong
13. Rebell
14. Elke (live)
15. Wie es geht
16. Manchmal haben Frauen...
17. Yoko Ono
18. Rock'n'Roll-Übermensch
19. Komm zurück (unplugged)
20. Die Banane (unplugged)
21. Unrockbar
22. Dinge von denen
23. Nichts in der Welt
24. Deine Schuld
25. Die klügsten Männer der Welt
CD II:
01. Wahre Liebe
02. Punkrockgirl (Originalversion)
03. Stick it out/What's the ugliest Part of your Body
04. Regierung
05. Sex me, Baby
06. Warrumska
07. Saufen
08. Ein Lächeln (für jeden Tag deines Lebens)
09. Wunderbare Welt des Farin U.
10. Rod Army
11. Ein Lied über Zensur
12. Schlimm
13. Danke für jeden guten Morgen
14. Punk ist... (Götz Alsmann feat. die ärzte)
15. Backpfeifengesicht
16. Alles für dich
17. Die Instrumente des Orchesters
18. Kpt. Blaubär (extended version)
19. Rettet die Wale
20. Die Welt ist schlecht
21. Kontovollmacht ...
22. Aus dem Tagebuch eines Amokläufers
23. Biergourmet (unplugged)
24. Frank'n'stein (Syllable-Jive-Version)
25. Zusamm'fassung (extended 1-13)
Spielzeit: 179:51 Minuten
Bewertung: 7.5 von 10 Punkten
Label: Hot Action Records
Release: 06.10.2006
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Kategorie: Alben. |
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(der hund marie): hooligans & tiny hands
Max Schröder offenbart sich mit seinem ersten Soloalbum der Welt und bleibt dennoch ein scheinbar unlösbares Rätsel. Zehn Songs zwischen Aha-Erlebnis und vollkommener Weltfremde sind das Ergebnis seiner Arbeit. Ein halbstündiges Meisterwerk, das beweist, daß Max Schröder nicht im Schatten anderer zu stehen braucht, sondern auch sein eigenes Ding sehr gut durchbringen kann.
Es ist allerdings oft schwierig, seine Texte überhaupt richtig zu deuten, da man nicht selten überlegen muss, ob Max Schröder tatsächlich so kindlich-naiv ist, wie es scheint, wenn er sein Album mit einem Gruß an einen Fruchtsalat beginnt, oder ob er die Welt doch hinters Licht führt, indem er geschickt Metaphern verwendet, die der Hörer nicht zu verstehen vermag - vermutlich ist es eine gute Mischung aus beidem.
Bemerkenswert ist jedoch, daß Max Schröder seine Songs überhaupt der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, nachdem er sie lange Zeit unter Verschluss hielt. Nun weiß man auch, warum. Vielleicht ohne es explizit zu wollen, bestätigt Max Schröder mit seinen Texten das Bild des introvertierten, weltfremden Menschen, das man - eventuell zu Unrecht - von ihm hat. Eine wahre Preisgabe seines Wesens bietet auch "Hooligans & Tiny Hands" vermutlich nicht.
"Ist das, wie man Leben macht?" fragt er verunsichert in "Moby Dick" und man möchte ihn einfach nur an die Hand nehmen und ihm zeigen, was die Welt zu bieten hat. Das scheint er jedoch bereits sehr wohl zu wissen, wie sich an anderer Stelle beweist. Ein weiterer Teil seines Verwirrspiels.
Worte werden den Songs dieses Album nicht gerecht, weshalb es bei diesem kurzen Überblick bleiben soll. Ein falscher Eindruck der Songs durch unqualifzierte Fehldeutungen soll nicht entstehen und wie so oft ist es auch hier umso wichtiger, daß jeder sich sein eigenes Bild von "Hooligans & Tiny Hands" macht und eigene Interpretationen entwickelt.
Zu berichten bleibt, daß "Hooligans & Tiny Hands" ein Spätzünder ist, der erst nach wiederholtem Hören richtig loslegt. Die musikalische Einfältigkeit, die man auf den ersten Blick erspähen zu denkt, verschwindet auf den zweiten und dritten Blick. Gut gewählte Synthesizer- und Keyboard-Einsätze gelangen ans Tageslicht. Auch das Tempo der Songs wirkt bei genauerer Betrachtung unterschiedlicher als zunächst befürchtet, Mid- und Up-Tempo-Songs sind keine Seltenheit.
Anspieltipps: Jeder Ton dieses Albums hat es verdient, gehört zu werden.
Tracklist:
01. Hooligans & Tiny Hands
02. Stellt mich auf die Beine
03. Boot
04. Ein falscher Teil der Welt hat sich abgesprochen
05. Wwennn
06. Sie singen "Tears are Cool"
07. Die Stimmung ist verwirrend
08. Moby Dick
09. Am vermaledeiten Pol
10. Honig für mein Handicap
Spielzeit: 30:55 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 29.09.2006
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Kategorie: Alben. |
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Pale: Brother. Sister. Bores!
Pale wollen es mit neuem Album und neuem Label noch einmal wissen. Nach vierjähriger Pause zwischen dem letzten Album "How to Survive Chance" und dem Neuling "Brother. Sister. Bores!" versucht man nun mittlerweile zu fünft, an die Erfolge des Vorgängers anzuknüpfen.
Dabei beginnt man erstmal ganz klar und sachlich. Mit "Take me out, Bouncers!" fängt "Brother. Sister. Bores!" mit einer Ballade an, die zum Schluss lauter und kräftiger wird und somit den Weg frei macht für den Rest des Album. Dicht gefolgt wird dieser ungewöhnliche Anfang vom Überhit des Albums, "You wanna be so good". Mit einem Refrain, der sich ins Hirn brennt und einem Beat, der mitreißt, verspricht dieses Album bereits nach gut acht Minuten, auch im weiteren Verlauf ein ganz großes Werk zu sein.
Dieser Eindruck reißt nicht ab. Kraftvoll, aber dabei doch stets unglaublich melodisch und eindringlich, geht es durch die nächsten Songs, die ausnahmslos durch glanzvolle Strophen und markante Refrains überzeugen. Etwas ruhiger wird es erst wieder mit "Sister. You are about to freak out", das ein wenig Ruhe in das Album bringt, die man nach den ersten Krachern vielleicht auch braucht. Entschuldigen müssen sich Pale dafür jedenfalls nicht.
Pale müssen sich auch nicht dafür entschuldigen, dass die ersten Sekunden von "I am sorry (you are not)" an einen Song von Moneybrother erinnern. Mit Streichern verfeinert wirkt auch dieser Song, als ginge er der Band leicht von der Hand.
"Gal. Why don't you adore me?" wirft zum ersten und letzten Mal den Gedanken auf, etwas schon einmal gehört zu haben. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund erinnert der Song - vor allem der Teil, der zum Refrain überleitet - an eine Mischung aus "You wanna be so good" und "Keep on. Bad bird". Und doch hat dieser Song etwas ganz eigenes, das die anscheinende Ähnlichkeit schnell wieder verschwinden lässt.
Zum Ende des Albums wird mit "What has happened?" noch eine weitere Ballade eingeschoben, die gut und gerne an "Take me out, bouncers!" heran reicht, jedoch keine so markante Melodie vorweisen kann.
Wachgerüttelt wird man ein letztes Mal vom vor allem durch seinen mehrstimmigen Refrain auffallenden "(Look they call you) Believer", das einen schönen Abschluss zu diesem durchweg gelungen Album bietet, jedoch vielleicht etwas zu abrupt endet.
Anspieltipps: Take me out, bouncers!, You wanna be so good, Keep on. Bad bird, (Look they call you) Believer
Tracklist:
01. Take me out, bouncers!
02. You wanna be so good
03. A clash at the nightclub
04. Keep on. Bad bird
05. Sister. You are about to freak out
06. I am sorry (you are not)
07. Gal. Why don't you adore me?
08. I am a ghost
09. What has happened?
10. (Look they call you) Believer
Spielzeit: 39:09 Minuten
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 01.09.2006
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Kategorie: Alben. |
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Bosse: Guten Morgen Spinner
Es gibt Alben, für die sollte man sich Zeit nehmen. Das zweite Album eines Künstlers gehört in den meisten Fällen definitv dazu, vor allem wenn das Debüt so gut war wie im Fall von Axel Bosse. Herr Bosse hielt sich allerdings nicht an diese Regel und landete damit einen astreinen Fehlgriff.
"Guten Morgen Spinner" ist ein Album, daß der Qualität seines Vorgängers ganz und gar nicht gerecht wird. Schon allein der Opener "Wenn wir schlafen" macht seinem Namen alle Ehre. Langweilig und lustlos schleppt sich dieser Song über seine zweieinhalb Minuten. Von besonders ausgefeilter Lyrik kann auch hier schon nicht die Rede sein.
Vielversprechend geht es dann allerdings weiter. "Die Irritierten" - die Singleauskopplung - reicht ohne Probleme an die Klasse des ersten Albums heran. Mit eingängiger Melodie und schönem Background schafft Axel Bosse hier das Highlight des Albums. Weitere Höhepunkte sind rar gesäht. Das darauffolgende "Plötzlich" zählt dazu, ebenso wie der Titeltrack. Das ist der Block der guten drei. Diese Songs versprühen erst- und auch letztmals den Spirit und den Sound des ersten Albums "Kamikazeherz", der im weiteren Verlauf jedoch nicht einmal in Ansätzen erreicht wird.
Was folgt, ist nicht mehr als der lausige Rest. All filler, no killer. Lückenfüller ist da eigentlich schon sehr nett ausgedrückt. Hier und da taucht zwar zwischendurch noch die ein oder andere schöne Melodie auf, jedoch sind diese eindeutig in der Unterzahl. Balladen wie "Niemand vermisst uns" oder Zusammenarbeiten, die auf dem Erstling reichlich vorhanden waren, werden schmerzlich vermisst. Zu schnell sollte "Guten Morgen Spinner" wohl auf den Markt geschmissen werden - solange die alte Scheibe noch halbwegs heiß ist.
"Mit Kartoffelschnaps und Bockwurst zwischen Gartenzwergen." Während Bosse auf dem Debüt noch mit gesellschaftskritischen Texten überzeugen konnte, kommt es nun so vor, als sei ihm jegliches Gespür für vernünftige Lyrik abhanden gekommen.
Mit "Februarsterne" kommt zum Ende der Platte zwar zumindest noch ein wenig Hoffnung auf, daß nicht alles verloren zu sein scheint, wenn Bosse mit seinem dritten Album jedoch an "Guten Morgen Spinner" anknüpft, wird er sich weiterhin auf dem sinkenden Ast bewegen und sein Debüt auf ewig als seine beste Veröffentlichung gelten.
Anspieltipps: Die Irritierten, Plötzlich, Guten Morgen Spinner, Februarsterne
Tracklist:
01. Wenn wir schlafen
02. Die Irritierten
03. Plötzlich
04. Guten Morgen Spinner
05. Eigentlich, eigentlich
06. Bei Costas
07. Irgendwo unterm Staub
08. Frankfurt/Oder
09. Ade Euphorie
10. Dein Takt
11. Februarsterne
12. Seemannsblau
Spielzeit: 38:25 Minuten
Bewertung: 3.5 von 10 Punkten
Label: Capitol Music
Release: 28.07.2006
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Kategorie: Alben. |
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Zebrahead: Broadcast to the World
Zebrahead ist eine Punkband. Und das hört man auch. Mit "Broadcast to the World" veröffentlichen die fünf Kalifornier ihr fünftes und sicherlich kraftvollstes Album. Über die gesamte Spiellänge erstreckt sich ein einziger Energiebalken, der nicht zu sinken scheint. Einzig "Back To Normal" und "Your New Girlfriend Wears Piunk Pants" sorgen für eine kleine Verschnaufpause - zumindest in Relation zu den anderen Songs dieses Albums. Die anderen elf Songs weisen von vorne bis hinten eine sagenhafte Geschwindigkeit auf, von der sich viele Bands eine Scheibe abschneiden können.
Unter den zwölf Songs lassen sich rhythmische Meisterwerke wie auch brutales Geknüppel finden, was das Album recht abwechslungsreich klingen lässt. In "Anthem" sind zudem leichte Off Beat-Einflüsse zu entdecken, die zumindest dieses Lied tanzbar machen. Das soll nicht heißen, dass der Rest der Platte nicht zum Tanzen einlädt, jedoch steht zum Großteil wohl eher der Pogotanz im Vordergrund.
Zebrahead schaffen es mit "Broadcast to the World" und einem neu entstandenen "Wir-Gefühl" ausgezeichnet, ihre bekannten Livequalitäten zumindest ansatzweise auch auf einer CD anklingen zu lassen. Das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Bandmitgliedern ist bei diesem Stück Musik laut Bassist Ben Osmundson so gut wie noch nie gewesen. Und das hört man.
Das gesamte Album klingt sehr harmonisch, Aussetzer sind im ersten Moment nicht zu erkennen. Zu erkennen ist einzig und allein die Tatsache, daß manche Songs besser sind als andere, aber das ist ja ganz normal.
Daß Zebrahead in Amerika noch nicht den Durchbruch geschafft haben, wie sie ihn beispielsweise seit Jahren in Japan feiern dürfen, mag daran liegen, daß die Band sich nicht wesentlich von den vielen amerikanischen Punkbands abgrenzt. Zwar wirkt die Band wesentlich eingespielter und geschlossener als so manch andere amerikanische Punkband, allerdings ist die Nachfrage nach solchen Bands auf vielen Märkten bereits gesättigt.
Wenn die Band mit dem Nachfolger von "Broadcast to the World" jedoch wieder so einen Hammer raushaut, kann man sich gewiss sein, daß dieses Album nicht das letzte Mal gewesen ist, daß man von Zebrahead gehört hat.
Anspieltipps: Rated "U" For Ugly, Anthem, Here's To You, Lobotomy For Dummies
Tracklist:
01. Broadcast To The World
02. Rated "U" For Ugly
03. Anthem
04. Enemy
05. Back To Normal
06. Postcards From Hell
07. Karma Flavored Whisky
08. Here's To You
09. Wake Me Up
10. Lobotomy For Dummies
11. The Waking End
12. Your New Boyfriend Wears Girl Pants
Spielzeit: 40:34 Minuten
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Label: Steamhammer
Release: 30.06.2006
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Kategorie: Alben. |
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Muse: Black Holes And Revelations
An Muse scheiden sich nach wie vor die Geister. Es gibt die eine Seite, die Muse verachtet und hasst und es gibt die andere Seite, die Muse für eine der genialsten Bands der heutigen Zeit hält. Letztere ist wohl ohne Zweifel die Spaßseite. Mit "Black Holes And Revelations" stellen die drei Briten einmal mehr ihre Genialität unter Beweis.
Das fängt bereits beim Opener, "Take a Bow", an, der sehr psychedelisch beginnt und dem Hörer über die gesamte Strecke des Songs das Gefühl gibt, jeden Moment von einem großen, lauten Knall aus der Trance, die das Lied hervorruft, gerissen zu werden. Entgegen aller Erwartungen erfüllt sich diese Tatsache nicht. Zwar bäumt sich das Lied gegen Ende dann doch ein wenig auf, jedoch nicht mit dem erwartetende Knall, sondern langsam und ineinander übergehend. Verglichen mit dem Anfang des Songs kann das Ende trotzdem als großer Knall bezeichnet werden, der mit einem scharfen Schnitt direkt in "Starsailor" übergeht.
Matthew Bellamy trägt hier mit seiner unverwechselbar klagenden Stimme und zur wohl schönsten Melodie des Albums die namensgebende Zeile "Our hopes and expectations – black holes and revelations" vor. Gefolgt wird dieser Song vom Überhit dieses Albums, "Supermassive Black Hole", der vor allem durch Bellamys Einsatz seiner extremen Kopfstimme und dem eingängigen Gitarrenriff im Gedächtnis haften bleibt.
Nach diesen drei überragenden Songs, die kaum eine Atempause zulassen, muss man sich erst einmal orienterien, wie denn der Rest des Albums so verläuft. Das sehr elektronisch angehauchte "Map of the Problematique" zum Beispiel erinnert streckenweise ein wenig an Faithless, was auf den ersten Blick leicht irritiert und nicht unbedingt auf Anhieb jedem gefällt.
Auf diesen verwirrenden Song folgen mit "Soldier's Poem" und "Invincible" zwei sehr ruhige Balladen. "Soldier's Poem" fällt hier durch seinen mehrstimmigen, choralen Gesang sehr positiv auf, während "Invincible" sich vor allem durch seine Länge und seinen trotz minimalistischer Instrumentalisierung stetig vorhandenen Flow auszeichnet, der sich im Laufe des Songs durch immer weitreichendere und komplexere Begleitung noch verbessert.
Das darauf folgende "Assassin" kann durchaus als knallhartes Metal-Brett bezeichnet werden, das alles relativiert, was die vorherigen Songs an Ruhe in die Platte gebracht haben. Trotz seiner rauhen Instrumentalisierung zieht der Gesang keineswegs mit in diese Schiene, sondern bleibt melodisch und im Bereich der Muse-typischen Falsett-Stimmlage.
"Exo-Politics" erscheint nach diesem Wachrüttler anfänglich als einfacher Rocksong ohne jegliche Schnörkel und Extras, entwickelt sich aber spätestens zum Refrain hin auch als waschechter Spitzensong, der den anderen des Albums in keinster Weise nachsteht. Auch "City of Delusion" startet schwächelnd als Akkustiknummer, mausert sich jedoch ebenfalls im Laufe seiner knapp fünf Minuten zu einem erwachsenen Song, der bei genauerer Betrachtung nahezu wie eine Oper in mehreren Akten anmutet.
Die letzten beiden Songs von "Black Holes And Revelations", "Hoodoo" und "Knights of Cydonia" sind sich insgesamt sehr ähnlich, da sie beide an alte Spaghetti-Western erinnern, wobei "Hoodoo" eher der Soundtrack für frisch Verstorbene und "Knights of Cydonia" eher der Soundtrack für den Showdown zu sein scheint. Sollte man im Zuge dieses albumtechnischen Meisterwerks gezwungen werden, einen "schlechtesten" Song herauszupicken, so fiele die Wahl wohl am ehesten auf "Hoodoo", denn dieser Song erscheint durch die bereits vorangegangen Balladen und das darauf folgende, musikalisch recht ähnliche "Knights of Cydonia" ein wenig überflüssig, wobei es auch als eine Art Ouvertüre zu eben jenem verstanden werden könnte.
Zu "Knights of Cydonia" an sich muss man nicht viele Worte verschwenden, es ist einfach der perfekte Ausklang zu einem nahezu perfekten Album. Muse haben es mit "Black Holes And Revelations" geschafft, sich selbst und alle Erwartungen zu übertreffen. Dieses Album steht zusammen mit "Stadium Arcadium" von den Red Hot Chili Peppers definitv ganz weit oben auf der Liste der Anwärter für das Album des Jahres.
Anspieltipps: Take a Bow, Starlight, Supermasive Black Hole, Soldier's Poem, Knights of Cydonia
Tracklist:
01. Take a Bow
02. Starlight
03. Supermassive Black Hole
04. Map of the Problematique
05. Soldier's Poem
06. Invincible
07. Assassin
08. Exo-Politics
09. City of Delusion
10. Hoodoo
11. Knights of Cydonia
Spielzeit: 45:38 Minuten
Bewertung: 10 von 10 Punkten
Label: Warner
Release: 30.06.2006
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Kategorie: Alben. |
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Dorfdisko: Kurz vor Malmö
Dorfdisko ist nach wie vor trotz eines Motor-Major-Plattenvertrages eine eher unbekannte Band geblieben. Und wie das bei vielen unbekannten Bands meist so ist, werden sie nach wie vor auch dementsprechend unterbewertet. Mit "Kurz vor Malmö" legen Dorfdisko jetzt also innerhalb von elf Monaten bereits ihr zweites Album vor. Auch ihr Erstlingswerk "Viel zu stürmisch, viel zu laut" schaffte es kaum einmal in die Charts, ist allerdings keinesfalls zu verachten.
Auch "Kurz vor Malmö" hat es nicht zu einer wirklich nennenswerten Chartposition gebracht, ist aber wie das Debüt ebenfalls nicht zu verachten. Die insgesamt zwölf Stücke wandern wild umher zwischen Deutschrock, Hamburger Schule und peppigen Popsongs. Gepaart mit Texten über den Alltag und allerlei anderen Dingen entsteht so ein Album, das von vorne bis hinten gut zusammen passt.
Die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken sind überwiegend gut gelöst, extreme Brüche zwischen einzelnen Songs sind eigentlich nicht zu erkennen, was "Kurz vor Malmö" eine gewisse Konstanz verleiht, die dem Album nur positiv anzurechnen ist. Auch die Länge der Songs fällt überaus positiv auf. Fünf Songs sind unter drei Minuten lang. Das führt zwar zu einer geringen Gesamtlänge des Albums, gibt der CD aber erneut eine große Dynamik.
Obwohl "Kurz vor Malmö" nicht ganz an seinen Vorgänger heran kommt, ist es ein solides Album, das mit guten und starken Songs daher kommt. Unter den zwölf Songs gibt es gute und weniger gute Songs, jedoch keine wirklich schlechten Lieder. Die Kölner Band weiß es, ein geschicktes Zusammenspiel zu schaffen, was das Album sehr harmonisch klingen lässt.
Zu den Perlen des Album gehören zweifelsohne die Songs "Wir kommen um uns auszuleben", "Diese Lieder" und "Hey Hey", die schon beim ersten Hören besonders hervorstechen. "Kurz vor Malmö" ist ein Album, das man gerne nebenbei hört, zum Dauerhören ist es jedoch eher ungeeignet, wobei man den Grund dafür nicht genau definieren kann.
Anspieltipps: Wir kommen um uns auszuleben, Millionen Fragen, diese Lieder, Hey Hey, Raus hier
Tracklist:
01. Wir kommen um uns auszuleben
02. Die Anderen
03. Fest zusammen
04. Millionen Fragen
05. Kurz vor Malmø
06. Diese Lieder
07. Gewollt war's nicht
08. Hey Hey
09. Damit ihr besser funktioniert
10. Raus hier
11. Hilferuf
12. Nach all den Jahren
Spielzeit: 42:10 Minuten
Bewertung: 5.5 von 10 Punkten
Label: Motor Music
Release: 30.06.2006
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Kategorie: Alben. |
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Bela B.: Bingo
die ärzte gehören wohl zweifelsohne zu den drei besten Bands Deutschlands. Da kann man es sich durchaus auch mal erlauben, nach 20 Jahren Bandkarriere ein Soloalbum aufzunehmen. Farin Urlaub hat es bereits zwei mal vorgemacht, Rod Gonzalez hat immerhin eine Single zustande gebracht und auch Bela B. war bislang eigentlich nicht untätig, immerhin gab es auch von ihm schon eine ganze Reihe von einzelnen Soloauskopplungen und Duetten ("Leave" mit Lula, "Candy" mit den Killer Barbies oder "You'll never walk alone" als Stadionhymne für den FC St. Pauli). Mit "Bingo" folgt Bela B. nun also seinem Kollegen und wagt sich mit anderem Management und neuer Plattenfirma auf den steinigen Weg der Solokarriere.
Dabei verzichtet Bela B. auch diesmal nicht auf Duette. Neben der schon bekannten Lula schafften es auch Charlotte Roche ("1.2.3. ...") und Lee Hazlewood ("Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages"), seinerseits Countrylegende ("These Boots Are Made For Walking") und immerhin bald stolze 77 Lenzen alt, auf dieses Werk. Anders als Kollege Urlaub verließ sich Bela B. jedoch nicht allein auf seine eigenen Fähigkeiten, sondern holte sich für die Aufnahmen mit Olsen Involtini und Wayne Jackson zwei hochkarätige Mitstreiter ins Boot.
Neben aufnahmetechnischen Kenntnissen brachten Involtini und Jackson (sowie Lula) auch musikalische und textliche Einflüsse ein. Dies führt dazu, daß sich Bela B.'s Soloalbum deutlich mehr vom typischen die ärzte-Sound abgrenzt als Farin Urlaub's Solo-Eskapaden, denen man allzu oft zutraut, auch auf ein die ärzte-Album zu passen. "Bingo" enthält viele ehrliche Texte, viel Experimentierfreudigkeit und einen leichten Schuss Ironie. Musikalisch geht das Album von Punkrock bis hin zu Country und Glamrock.
Nach einem opulenten Intro startet Deutschlands bekanntester Schlagzeuger mit "Gitarre runter" gleich mal einen direkten Rundumschlag gegen die "kleinen feuchten Griffbrettgucker", Gitarristen also, die ihrer Gitarre höher als hoch schnallen. Da Bela B. jüngst in einem Interview verlauten ließ, die Arctic Monkeys zu hören - bekanntermaßen eine offensichtliche "Griffbrettgucker-Band" - verliert dieser Song ein wenig an Authenzität, auch wenn Herr Felsenheimer es auf der Bühne durchaus versteht, den Text dieses Liedes auch optisch zu unterstreichen. Musikalisch fühlt man sich zu Beginn des Liedes ein wenig an die Ramones erinnert.
Erinnerungen kommen auch bei anderen Songs hoch. "Der Vampir mit dem Colt" erinnert anfänglich ein wenig an die Geschichte des Erlkönigs. Musikalisch erinnert es an "El Cattivo" von Bela's Stammband, textlich und auch melodiös streckenweise sehr an Farin Urlaub's "Dermitder" ("Man weiß nicht, wer er ist" gegen "Man weiß nicht, wo er her kommt"). Auch die Düsseldorfer Kollegen von den Toten Hosen lassen sich mit etwas Fantasie erkennen. Der Beginn von "Versuchs doch mal mit mir" erinnert ziemlich an "Auswärtsspiel" eben jener Band. Ferner geht es dann unterschwellig in der Melodie von Johnny Cash's "Ring of Fire" weiter.
"Hab keine Angst" mündet dann schließlich in die offensichtlichste, aber von Bela B. am vehmentesten geleugnete Ähnlichkeit: Melodie und Gesang erinnern stark an "Where The Wild Roses Grow" von Kylie Minogue und Nick Cave. Der Autor sagt, die einzige Gemeinsamkeit seien die Mandolinen und der Duettstil. Ohne Bela B. & Lula ein Plagiat vorwerfen zu wollen, sind dort schon weit mehr als nur diese beiden Aspekte zu entdecken. Vom Künstler ausdrücklich erwähnt wird jedoch das "Da Da Da"-Sample zu Beginn vom "ZappingsonG". Zusammenfassend kann man an dieser Stelle wohl ein Zitat aus "Traumfrau" anbringen: "Ich stehe auf der Bühne und die Menge jubelt laut / Und während ich so singe, merk ich: Hey, das ist geklaut."
Neben diesen vielen "Inspirationen" fließen in die "Bingo"-Texte, wie bereits erwähnt, auch viele persönliche Umstände ein. Als auf persönlicher Ebene textlich besonders herausstechend sind hier die Songs "Irgendetwas bleibt", "Letzter Tag" und "Sie hat was vermisst" (allerdings mit der plattesten Zeile des gesamten Albums: "So hat sie sich entfernt, sie wurde kastig wie Bernd") zu nennen. "Wiehr thind sssuper" und "ZappingsonG" richten sich gegen die gegenwärtige Fernseh- und Lebensmentalität der Deutschen. Speziell wird hier die Kommerzialisierung des TV-Programms und die "Du bist Deutschland"-Kampagne beklagt.
Bela B. versteht es, mit diesem Album sowohl die typische die ärzte-Hörerschaft wie auch völlig neue Zielgruppen anzusprechen. Mit einem überwiegend völlig neuen Sound und überraschend ehrlichen und persönlichen Texten, gepaart mit einem klar zu erkennenden Las Vegas-Touch, erschafft sich Bela B. mit "Bingo" eine Solokarriere, der man - im Gegensatz zu der Farin Urlaub's - nicht vorwerfen kann, einem die ärzte-Album die Songs zu stehlen. Der Sound ist natürlich gewöhnungsbedürftig und eigentlich hat man auch ein wesentlich dunkleres Album erwartet, aber alles in allem ist dieses Album durchaus akzeptabel, trifft aber mit seinem bunten Stilmix bei weitem nicht mit jedem Song den Geschmack des geneigten Hörers.
Anspieltipps: Gitarre runter, Traumfrau, 1.2.3. ..., Sie hat was vermisst, Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages, Wiehr thind sssuper
Tracklist:
01. B-Vertüre
02. Gitarre runter
03. Tag mit Schutzumschlag
04. Irgendetwas bleibt
05. Traumfrau
06. Letzter Tag
07. Was ist nur los ...?
08. 1. 2. 3. ...
09. Sie hat was vermisst
10. Der Vampir mit dem Colt
11. Versuchs doch mal mit mir
12. Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages
13. Hab keine Angst
14. ZappingsonG
15. Wiehr thind sssuper
16. Baby läuft fort
17. Traumfrau again
Spielzeit: 55:02 Minuten
Bewertung: 6.5 von 10 Punkten
Label: BPX 1992
Release: 12.05.2006 |
Kategorie: Alben. |
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Beatsteaks: Limbo Messiah
Wer die Beatsteaks sind, dürfte mittlerweile jeder mitgekriegt haben. Daß die Beatsteaks vor allem live einiges können, ist ebenfalls bekannt. Daß sie sich aber auch mit "Limbo Messiah" nicht neu erfinden, sollte man bei der allgemeinen Lobhudelei nicht unerwähnt lassen.
Das fünfte Album der Berliner überzeugt auf den ersten Blick nicht. Es hat mit etwas mehr als einer halben Stunde ganz offensichtlich nicht die nötige Spielzeit, um ein ganz großes Werk zu sein. Wenn man die Dauer ausblendet und die Songs für sich betrachtet, ist "Limbo Messiah" auf den zweiten Blick allerdings ohne Frage ein klasse Album. Die Platte kämpft sich durch alle Epochen der Band, angefangen beim Hardcore-Kracher "Sharp, Cool & Collected" bis hin zu Mainstream-Hits wie "Meantime" oder "Cut Off The Top". Daß man dabei vergessen hat, eine klare stilistische Linie zu verfolgen, stört erstmal nicht weiter. Auf den immer noch präsenten zweiten Blick ist das Album eines der besten des Jahres - so wie man es von Anfang an erwartet hatte. Die Single "Jane Became Insane" hat man sich trotz oder wegen Thomas Götz-Refraingesang zwar schon vor Album-Veröffentlichung überhört, aber das kann man ja weiterskippen.
Daß bei einer Spiellänge von knapp über dreißig Minuten aber auch die anderen Songs in der Dauerrotation schnell nerven, klingt plausibel. Das Album überholt sich selbst.
Beschäftigt man sich intensiver mit der Aufnahme, so wird es auf den endgültigen dritten Blick wegen seiner Länge zu einem eher kurzweiligen Spaß, zumal die Beatsteaks mit fortschreitendem Bandalter scheinbar nicht davor zurückschrecken, auch mittelmäßige bis schlechte Songs wie "Bad Brain" oder "Hail to the Freaks" auf ein Album zu pressen. Auch ein genrefremder Song wie "She was great" gehört eher auf eine B-Seite als auf ein Album, selbst wenn es langfristig zu einem der besten Lieder der Platte avanciert. Alles in allem ist dieses Album ziemlich unrund, die Lieder passen teilweise kaum zueinander. Und wenn sie zusammen passen, dann klingen sie sehr äquivalent.
Versöhnlich ist das Ende der CD mit dem Peter Baumann-Song "E-G-O", der sowohl musikalisch als auch wegen des Baumann-Teutoburg-Weiß-Wechselgesangs eine Menge Spaß macht. Kurzfristig fühlt man sich wieder so, als ob man gerade das beste Album der Bandgeschichte gehört hat - bis die Repeat-Funktion einmal mehr ihren Dienst erfüllt und den Hörer zurück in die Realität befördert.
Anspieltipps: Sharp, Cool & Collected, Cut Off The Top, She was Great, Soljanka, E-G-O
Tracklist:
01. As I Please
02. Jane Became Insane
03. Sharp, Cool & Collected
04. Meantime
05. Demons Galore
06. Cut Off The Top
07. Bad Brain
08. She Was Great
09. Soljanka
10. Hail To The Freaks
11. E-G-O
Spielzeit: 31:29 Minuten
Bewertung: 5.5 von 10 Punkten
Label: Warner
Release: 30.03.2007
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Kategorie: Alben. |
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Tomte: Buchstaben Über der Stadt
„Buchstaben über der Stadt“ ist ein typisches Tomte-Album. Beim ersten Hören ist man komplett überfordert, behält trotzdem aus jedem Lied mindestens eine Zeile im Kopf. Beim erneuten Hören wird es dann von mal zu mal immer besser, man gewöhnt sich mit der Zeit an die Texte und erschließt die komplexen Satzstrukturen und entdeckt Wörter, die man erst mal im Fremdwörterbuch nachschlagen muss. Doch halt! Was ist das? Positiv gestimmte Texte?
Was Thees Uhlmann bisher nur bei Texten über Alkohol oder seinen Hund gelang, zieht sich hier über das gesamte Album fort: Glückseeligkeit. Dieses Album ist eine fast dreiviertelstündige Ode an die Liebe. Auch das Booklet scheint wie eine Ode. Eine Ode an eine Frau. In den Linernotes, die mehr wie eine kleine Zusammenfassung der Lebens- und Bandgeschichte aus Thees Uhlmanns Augen anmuten, spricht Thees mehrmals direkt seine Freundin an. Es ist wundervoll irgendwie. Es ist das Leben.
Das mittlerweile vierte Album der Band ist allein textlich ganz und gar nicht mit dem Vorgänger "Hinter all diesen Fenstern" zu vergleichen. "Hinter all diesen Fenstern" war ein Album, das aus allem negativen auch etwas Positives hat ziehen lassen. Vielen Menschen hat es in oft sehr schweren Situationen geholfen. Es war sozusagen eine Lebenshilfe. "Buchstaben über der Stadt" hingegen ist eine Lebensbeschreibung für glückliche Menschen. Es kam pünktlich zu einer Zeit, in der die "Lebenshilfe" gerade neue Kraft gegeben hat und der positive Zenith erreicht war.
Das fängt schon beim ersten Lied an. "Ich sang die ganze Zeit von dir" ist ein Liebeslied besonderer Güte. Es handelt genau genommen nämlich nicht von Liebe, sondern eben von "dir". Nicht zu Unrecht trug dieses Lied den Arbeitstitel "QUOTSA", denn musikalisch erinnert die Akkordfolge schon ein wenig an Queens of the Stone Age. Mit "So soll es sein" und "Was den Himmel erhellt" folgen zwei eher mäßige Songs, wobei letzterer spätestens nach 2 Minuten und genau 46 Sekunden immer größer wird.
Getoppt wird dies nur durch das anschließende "New York". Noch nie hat jemand so ehrwürdig die Worte "Reservoir" und "Refrain" gesungen. Thees Uhlmann erzählt hier völlig unbeschwert von der "Stadt mit Loch" - ganz einfach, weil ihm keine andere Phrase eingefallen ist, die den Zustand dieser Stadt besser hätte beschreiben können. Dieses Lied ist so persönlich, dass sich niemand anmaßen sollte, diesen Text für sich zu beanspruchen.
"Man fühlt sich, als habe man die Liebe erfunden."
Diese Zeile ist so wahnsinnig treffend. Dieses wundervolle Lied beschreibt soviel Wahres. Zu sagen, die Liebe erfunden zu haben, ist zwar schon sehr gewagt, immerhin gab es Liebe ja schon vor dem jeweiligen "uns". Allerdings hat jeder Mensch logischerweise eine andere Auffassung von Liebe, was die Aussage andererseits wieder legitimiert. Nach hinten heraus wächst auch dieses Stück immer mehr über sich hinaus. Die Tomte-typischen langen Vokale sind hier in ihrer vollen Pracht zu genießen. Sincerely Thees Uhlmann eben.
Typisch Thees Uhlmann ist übrigens auch, dass man seine Wörter ab und zu nicht versteht. Da wird zum Beispiel aus "dir" schnell mal "Liebe". Irritiert vielleicht, stört aber nicht. Wenn sich jedoch "als" plötzlich so anhört wie "hat", dann kann das bei manchen Menschen schon mal zu schwerwiegenden Verständnisproblemen führen. So zu beobachten in "Walter & Gail". Dort heißt es dann augenscheinlich nämlich fälschlicherweise "hat die kanadische Band ihre traurigen Lieder sang." Fehler erkannt? Trotz alledem wird auch dieses Lied - welch Überraschung - nach schleppendem Beginn nach hinten raus ganz, ganz stark.
Anders ist das bei den nächsten Titeln. "Norden der Welt" und "Warum ich hier stehe" legen genau wie "Sie lachen zu Recht und wir lachen auch" von Anfang an eine gewisse Grundschnelligkeit zu Tage, die mit der thematischen Situation der Rastlosigkeit vollkommen harmonieren. Das vorletzte Stück, "Auf meinen Schultern", lässt sich weder musikalisch noch thematisch in den Zusammenhang des Albums einordnen, was aber nicht heißen soll, dass es nicht hörenswert ist. Im Gegenteil: Das kleinste Stück der Platte - nur mit einer Akustikgitarre begleitet - bietet viele Interpretationsmöglichkeiten, die hier vollkommen offen gelassen werden sollen.
"Buchstaben über der Stadt" ist ein Album für glückliche Menschen. Ich glaube kaum, dass Menschen, die unglücklich und alleine sind, die wahre Erfüllung in diesem Album finden werden. Dafür ist es einfach zu sehr auf das Thema der Liebe fixiert. Es ist kein Alltagsalbum und es ist erst recht nichts, was man zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jedem beliebigen Gemütszustand hören kann. Die ideale Situation zum Hören bietet sich wohl an einem ruhigen Spätnachmittag bei gutem Wetter und passender Begleitung. Diese CD benötigt viel, viel Zeit, um sich in ihrer vollen Breite zu entfalten. Es verhält sich wie mit einem guten Wein. Je länger er steht, desto intensiver entfaltet er sich. Und mal im Ernst: Wer trinkt schon gerne alleine Wein?
Abschluss dieses vollkommen befindlichkeitsfixierten Albums ist das ruhige "Geigen bei Wonderful World". Über dieses Lied lässt sich eigentlich nicht viel sagen. Die letzten beiden Zeilen fassen im Grunde das Lied, das Album und das gesamte Leben perfekt zusammen:
"Durch das schönste aller Leben mit den schönsten Songs der Welt."
Anspieltipps: Ich sang die ganze Zeit von dir, Was den Himmel erhellt, New York, Walter & Gail, Auf meinen Schultern, Geigen bei Wonderful World
Tracklist:
01. Ich sang die ganze Zeit von dir
02. So soll es sein
03. Was den Himmel erhellt
04. New York
05. Walter & Gail
06. Norden der Welt
07. Warum ich hier stehe
08. Auf meinen Schultern
09. Sich lachen zu Recht und wir lachen auch
10. Geigen bei Wonderful World
Spielzeit: 42:45 Minuten
Bewertung: 7.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 03.02.2006
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Kategorie: Alben. |
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Farin Urlaub Racing Team: Livealbum of Death
Farin Urlaub erweist momentan seinem Namen alle Ehre: Seit Oktober 2005 streift der Weltenbummler mittlerweile schon durch die Länder dieser Welt, um einem einjährigen Urlaub zu fröhnen. Wer erwartet hat, dass in dieser Zeit nichts Neues zu hören sein würde, den straft das "Livealbum of Death" Lügen.
Obwohl erst zwei Soloalben veröffentlicht, will Farin Urlaub sich und wohl vor allem auch sein Racing Team bereits auf einer Live-CD verewigen. Dieses Racing Team, das im Jahre 2002 ursprünglich nur für zwei Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park ins Leben gerufen wurde, ist mittlerweile von einer Unterstützung für einen sonst überforderten Solokünstler zu einer richtigen Band herangewachsen. Farin Urlaub bezeichnet sein Racing Team in der Pressemitteilung zum Album als "die Zukunft", will sein nächstes Studioalbum schon gar nicht mehr im Alleingang aufnehmen, sondern das Racing Team voll einbinden.
Dass das funktionieren kann, zeigt das "Livealbum of Death" eindrucksvoll. Mit einem guten Mix aus alten und neuen Stücken spiegelt dieses Album die bisherigen Veröffentlichungen des großen Blonden gut wider. Angefangen bei "Mehr", dem ebenfalls-Opener auf dem zweiten Soloalbum "Am Ende der Sonne", der hier leider ohne Tour-Intro startet, bis hin zum "Abschiedslied" bietet dieses Album einen guten Querschnitt durch mittlerweile 4 1/2 Jahre Solokarriere. Verfeinert wird das ganze durch B-Seiten ("Petze", "Wo ist das Problem?") und Raritäten ("Der ziemlich okaye Popsong"). Viele hörten auf Konzerten zum ersten Mal "Noch einmal", den gut versteckten Hiddentrack auf "Am Ende der Sonne". Auch musikalisch bietet diese CD ein breites Spektrum. Von Punkrock ("Petze") über Ska ("Wunderbar") und balladeske Songs ("Phänomenal Egal") bis hin zur Mitspringhymne schlechthin - "Zehn". Die Single zum Album ist der Song, nach dem viele schon seit Jahren schreien. Bereits seit 2003 begeistert "Zehn" - neben dem ebenfalls bereits 2003 gespielten "Unsichtbar" übrigens - die Massen jedes Mal auf's Neue. Wer daran zweifelt, dass dieses Lied auch auf CD begeistert, wird nicht bestätigt. Als kleiner Kritikpunkt ist der anfängliche Soundbrei während der ersten anderthalb Songs anzuführen, wobei der vermutlich dadurch zustande kommt, dass es eben ein Live-Album ist.
Besonders gelungen ist "Immer noch", das Farin akustisch beginnt und es scheinbar auch so zu Ende spielen will. Zur Mitte stößt dann jedoch auch das Racing Team hinzu, Mr. Urlaub tauscht die Akustik- gegen seine Stromgitarre und es geht laut weiter. Insgesamt kommt das umarrangierte Stück so auf fast sechs Minuten Spielzeit. Ein weiteres Highlight ist "Dermitder" mit dem obligatorischen Posaunen-Gitarren-Battle zwischen Farin Urlaub und Posaunist Rob Solomon sowie dem Beweis, dass auch Posaunen für Stadionrock geeignet wären. "Wo ist das Problem?" wird auf die dreifache Länge der Studioversion gestreckt, was daran liegt, dass Farin Urlaub - auch hier obligatorisch und mittlerweile unverzichtbar - jedes seiner elf Racing Team-Mitglieder persönlich vorstellt. Alles in allem bietet dieses Album mit einer Gesamtlänge von knapp unter 88 Minuten mehr als jede andere mir bekannte CD, jedoch fehlen trotzdem einige Live-Perlen, namentlich also: "Sumisu", "Jeden Tag Sonntag", "Klasse", "Alle dasselbe", "Unsichtbar" (besonders schade, ist es doch eigentlich live immer noch besser als auf CD) und "Alle Fragen dieser Welt". Es bleibt also nur auf eine zweite Single zum Album zu hoffen, um eventuell auch ein paar dieser Songs - wenn auch nur zu Hause auf dem Sofa - live erleben zu dürfen.
Farin Urlaub fragte im März 2005 im Gästebuch seiner Seite: "Könnt ihr euch DIE Stücke in LAUT und SCHMUTZIG und LIVE vorstellen???!!" - Ja, wir konnten - eigentlich. Allerdings wurde zumindest ich bei der Live-Umsetzung einiger der neuen Stücke bitter enttäuscht, womit ich jedoch nach eigenen Erfahrungen ziemlich alleine dastehe und spätestens wenn mir "Sonne" entgegendonnert, ist es auch um mich geschehen. Insgesamt ist das "Livealbum of Death", dessen Namensgebung übrigens unerwarteterweise in den Händen eines Fans lag, ein mitreißendes Livealbum, das vor allem von der Energie des Farin Urlaub Racing Teams und nicht zuletzt auch von der der Fans lebt.
Anspieltipps: Am Strand, Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor, Petze, Dermitder, Wunderbar, Sonne, Zehn, Immer noch, Dusche, Wo ist das Problem?, Abschiedslied
Tracklist:
01. Mehr
02. Augenblick
03. Am Strand
04. Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor
05. Glücklich
06. Petze
07. Noch einmal
08. Dermitder
09. Wunderbar
10. Phänomenal egal
11. Sonne
12. Apocalypse wann anders
13. Lieber Staat
14. Porzellan
15. Zehn
16. Der ziemlich okaye Popsong
17. OK / Kein Zurück
18. Unter Wasser
19. Immer noch
20. Dusche
21. Wo ist das Problem?
22. Abschiedslied
Spielzeit: 87:45 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Völker hört die Tonträger
Release: 03.02.2006
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Kategorie: Alben. |
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Farin Urlaub Racing Team: Zehn
Seit 2003 spielt das Farin Urlaub Racing Team "Zehn" nun schon regelmäßig auf Konzerten. Ob es regnet, die Sonne brennt, tonnenweise Staub aufgewirbelt wird oder Balkone drohen, einzubrechen. Ob mit gebrochenem Bein, übermäßiger Erschöpfung, Faulheit oder Unsportlichkeit. Wenn der Meister spricht "Ich zähl bis zehn und dann will ich euch springen sehen", gehorcht ausnahmslos jeder. Wer in der Masse steht, hat sowieso keine andere Wahl.
Bis jetzt hat es dieses Lied trotz übermäßig vieler Nachfragen jedoch noch nicht auf einen offiziellen Tonträger geschafft. Das ist jetzt anders. "Zehn" traut man zugegebenermaßen auf den ersten Blick keine Homesoundqualitäten zu. Auch ich war skeptisch, ob das auf Platte funktionieren würde. Doch es wirkt. Auf dieser Single wirkt es sogar fast noch mehr als auf dem Album, wo es aufgrund der hohen Songanzahl doch nur eines von vielen ist und leicht untergeht, was es auf Konzerten allerdings ganz und gar nicht tut. Neben "Zehn" enthält diese Single auch drei B-Seiten. Zwei davon sind ebenfalls Live-Songs, "Schon wieder ein Tourintro" ist, wie der Name schon sagt, das Tourintro der "Sonnenblumen of Death"-Tour.
B-Seite Nummero Uno schimpft sich "Ich gehöre nicht dazu" und steht für alles, was nicht tanzen kann. Im Chachacha-Beat beginnend, bahnt es sich seinen Weg durch das tanzwütige, jedoch nicht tanztalentierte Publikum. In einem leichten Anfall von Espaniologie darf man sich dann auch Gedanken darüber machen, was die Ansagen am Anfang und im Mittelteil wohl so zu bedeuten haben könnten.
Liebglingsstelle auf der ganzen CD:
Farin: Ich spiel' Gitarre in zwei Bands, aber mit dem Tanzen hapert's, habe ich das schon ewähnt?
Backgroundsängerinnen: Sir, Yes, Sir!
Anschließend ein textunsicherer, weil lachender Farin Urlaub.
B-Seite Nummer zwei, "1000 Jahre schlechten Sex", ist, wie B-Seite Nummer eins auch, auf Urlaubs Debüt "Endlich Urlaub" zu finden. Textlich wohl eines der besten Solo-Stücke überhaupt, schleicht es eineinhalb Minuten im Off-Beat dahin, bis es dann schließlich pünktlich zum Höhepunkt der textlichen Gemeinheiten laut und schnell wird. Erwähnenswert ist auch das schöne Bläseroutro, das jedes Mal auf ein Neues begeistert.
Nach jedem der drei Songs wird der Sound aus- und beim darauffolgenden Song wieder eingefadet, was dazu führt, dass die Lieder - anders als beim ganzen Album - nicht unbedingt perfekt ineinander abgestimmt werden müssen. Dadurch entsteht ein ehrlicher Sound, der insgesamt wesentlich besser abgemischt zu sein scheint als auf dem "Livealbum of Death".
Letztes Lied auf dieser CD ist "Schon wieder ein Tourintro", eine abgewandelte und verlängerte Version von "Schon wieder", das auf Farin Urlaubs zweitem Soloausritt "Am Ende der Sonne" zu finden ist. In der vorliegenden Version werden die Baumaschinen deutlicher betont, auch die Instrumentalisierung wirkt streckenweise wesentlich pompöser. Zum Teil wirkt es aber auch überzogen und zu lang. Als Tourintro eigentlich eher ungeeignet, weil es einfach zu traurig macht, schafft es nach hinten raus trotzdem immer wieder, durch das japanische "Mehr"-Intro Lust auf eben jenes Lied zu machen.
Als Mediatrack ist der Single das Video zu "Zehn" angehängt. Dieses Video besteht hauptsächlich aus Aufnahmen vom Konzert in Leipzig vom 30.05.05, das im Zuge der "Sonnenblumen of Death"-Tour stattfand, sowie speziellen Aufnahmen aus dem Postbahnhof in Berlin vom 10.08.05, zu dem Fanclubmitglieder eingeladen waren, aktiv mitzumachen. Während dieser Aufnahmen in Berlin, bei denen Farin Urlaub übrigens nicht persönlich anwesend war, sondern durch einen auf der Bühne stehenden Fernseher vertreten wurde, sind unter anderem die zu sehenden Nahaufnahmen und Special Effects (Kamera zwischen den Beinen, Kamera von unten, Kamera um den Kopf schwebend, Muppet-Hommage nach dem "Endspurt!" etc.) gedreht worden. Gekoppelt mit den Aufnahmen vom "echten" Konzert ergibt sich so also alles in allem ein sehr gelungenes Video, das stellvertretend für die gesamte Single gesehen werden darf.
Anspieltipps: Zehn, Ich gehöre nicht dazu, 1000 Jahre schlechten Sex
Tracklist:
1. Zehn
2. Ich gehöre nicht dazu
3. 1000 Jahre schlechten Sex
4. Schon wieder ein Tourintro
5. Zehn (Video)
Spielzeit: 14:42 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Völker hört die Tonträger
Release: 13.01.2006
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Kategorie: Singles. |
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Madsen: Madsen (Tour Edition)
"Du bist perfekt, makellos, ich wär' so gern wie du."
Diese Zeile schallte einem im Frühjahr 2005 von so ziemlich jeder Seite entgegen. Madsen haben mit "Die Perfektion" ihrem selbstbetitelten Album bereits im März eine Single vorgeschickt, die zu überzeugen schien, denn sie wurden, ohne ein Album vorzulegen, zu Rock am Ring - in den Augen vieler nach wie vor die Mutter aller Festivals - eingeladen. Auch sonst bespielten Madsen so ziemlich jedes Festival, was ihnen angeboten wurde.
Das Album schlug ein wie eine Bombe und stieg prompt in die Charts ein. Böse Zungen sollten meinen, Madsen wären auf der "Neuen Deutschen Welle" mitgeschwommen, jedoch hält sie in meinen Augen ein wichtiger Aspekt von dieser Vermutung fern: Sie haben keine Sängerin.
Thematisch beschäftigt sich das Album schwerpunktmäßig mit dem wohl bisher am öftesten besungenen Thema: der Liebe. Die 11 teils melancholisch angehauchten Songs beschäftigen sich mit dem Verlassenwerden, Ignoranz der Angebeteten, Beziehungskrisen und Lügen. Es werden jedoch auch so banale Themen wie zum Beispiel die Antipathie gegen Kinder angeschnitten. Alles in allem kann man sagen, dass das Gesamtpaket der Texte eher für Verlassene und Frustrierte als für frisch Verliebte zu empfehlen ist. Trotzdem sind mit "Panik" und dem Off Beat-Stück "Mein Therapeut und ich" auch ein paar Stücke vertreten, die durchaus für gute Laune sorgen können. Wo wir gerade beim Off Beat sind, kommen wir vielleicht gleich mal zum Musikalischen:
Zwar ist das Album mit nicht einmal 38 Minuten ziemlich kurz gehalten, doch gerade das macht es so prägnant. Es ist kurz, knackig und direkt gehalten - "voll auf die zwölf" würden einige dazu wohl sagen. Sebastian Madsens Stimme gleitet zwar überwiegend ins Schreien über, allerdings sind auch viele rhythmische Gesangsparts zu entdecken, die jedoch teilweise etwas unbeholfen und schief klingen, was aber nicht weiter stört.
Wer etwas Ausgefallenes erwartet, wird bei diesem Album wohl eher enttäuscht werden. Die typische Rockbesetzung von Gitarre, Schlagzeug und Bass wird lediglich durch ein vorrangig subtil eingesetztes Keyboard unterstützt. Etwas vollkommen Neues stellen Madsen eigentlich auch nicht dar. Von vielen wurden sie als die "ruhige Variante der Sportfreunde Stiller" bezeichnet, manche erinnern sie an die frühen Jahre von Tocotronic.
Für ein Erstlingswerk kann "Madsen" als durchaus gelungen bezeichnet werden. Es ist eigentlich kein Ausrutscher zu benennen, da alle Songs durchweg überzeugen. Thees Uhlmann (Tomte) ging in einer früheren Rezension gar soweit, das Album als "die beste Debüt-LP seitdem ich über Musik schreibe" zu bezeichnen.
Pünktlich zur Weihnachtszeit bringen Madsen nun eine Touredition ihres Albums heraus, der für einen geringen Mehrbetrag eine DVD beiliegt. Diese enthält neben sechs Live-Songs von der MTV Campus Invasion und allen bisher veröffentlichten Videos eine Dokumentation über die Aufnahmen des Albums sowie ein "Dummy Werk für provisorisches Tracklisting". Diese DVD bringt zwar nicht im Geringsten die Kraft und Energie rüber, die Madsen auf ihren Konzerten vermitteln, jedoch ist sie eine schöne Ergänzung zum Album, das in jener (limitierten!) Neuauflage nicht mehr im üblichen Jewelcase, sondern im umweltfreundlicheren Pappschuber daherkommt - Madsen, eine Band mehr, die sich Gedanken über ihre Umwelt macht!
Anspieltipps: Immer mehr, Panik, Lüg mich an, Mein Therapeut und ich
Tracklist:
Tracklist CD:
01. Vielleicht
02. Immer mehr
03. Die Perfektion
04. Unsichtbar
05. Diese Kinder
06. Immer wieder
07. Panik
08. Im Dunkeln
09. Lüg mich an
10. Mein Therapeut und ich
11. Wohin
Tracklist DVD:
01. Diese Kinder
02. Vielleicht
03. Mein Therapeut und ich
04. Immer mehr
05. Die Perfektion
06. Die Perfektion
07. Immer mehr
08. Vielleicht
09. Panik
10. Immer wieder
11. Studiofilm "Studio Gaga"
12. Dummy Werk für provisorisches Tracklisting
Spielzeit: 37:38 Minuten
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Label: Vertigo (Universal)
Release: 09.12.2005
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Kategorie: Alben. |
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Beatsteaks: B-Seite
Zack! Es hat lange gedauert, doch nach nunmehr zehnjährigem Bandbestehen ist sie nun endlich "ready to rock": Die erste Beatsteaks-Doppel-DVD. Und die hat es in sich.
Auf der ersten DVD erfährt man in der ca. einstündigen Dokumentation "B-Seite – Der Film" alles, was man bisher nicht über die Band wusste. Alles, aber auch wirklich alles vom ersten Album "48/49" bis zur aktuellen CD "Smack Smash" wird dokumentiert. So erfährt man zum Beispiel, dass die ehemaligen Bandmitglieder Ali und Steffi die Band verließen, weil sie verrückt geworden sind und wie und warum es dazu kam, dass die Beatsteaks Vorband der legendären Sex Pistols wurden. Neben speziell für die DVD geführten Interviews mit den einzelnen Bandmitgliedern verweisen auch witzige Animationen und Aufnahmen aus der jeweiligen Zeit auf die Geschehnisse in der Bandgeschichte.
Neben dem Film befindet sich auf der ersten DVD zudem ein "Making of Smack Smash", das schon der Erstauflage von "Smack Smash" als Extra-DVD beilag. In diesem Making of wird eindrucksvoll erklärt, wie aus anfänglich 2365 Songideen erst 16 und später dann 12 Songs für das Album entstanden. Die Dokumentation ist knapp 25 Minuten lang und weiht auch in die teils obskuren Aufnahmemethoden und Studiorituale der Beatsteaks ein – MC Hammer lässt grüßen.
Zusätzlich zu diesen beiden Filmen sind auf der ersten DVD alle bisher erschienenen Musikvideos der Beatsteaks sowie ein Making of zu "Hello Joe" zu finden. Wie auch die beiden Filme, werden auf Wunsch alle Videos von den Beatsteaks persönlich kommentiert.
Als Sahnehäubchen dieser DVD gibt es dann noch die Rubrik "beat tv", die verschiedene Fernsehauftritte der Beatsteaks zeigt. Besonders sehenswert sind hier die onyx.tv-Outtakes, bei denen sich Peter und Torsten nicht dazu aufraffen können, einen Beitrag vernünftig anzusagen.
Die zweite DVD darf durchaus als Live-DVD angesehen werden. Der Hauptteil besteht aus 19 Livesongs, die von drei verschiedenen Konzerten aus dem Jahre 2004 aufgenommen und zusammengeschnitten wurden (11x Berlin – Deutschlandhalle, 5x Hannover – Capitol, 3x Taubertal-Festival). Anders als bei vielen anderen Live-DVDs fällt dieser Umstand hier aber nicht negativ aus, da die Ausschnitte nicht einfach nur plump und lieblos zusammengeschnitten sind, sondern es zum Teil richtig gute Übergänge zwischen den einzelnen Locations gibt, sodass man es nicht als aus dem Zusammenhang gerissen empfindet. Die Taubertal-Songs dienen als Zugabenblock nach dem eigentlichen Konzert. Das Konzert wird von vorne bis hinten komplett von Sänger Arnim und Schlagzeuger Thomas kommentiert, die sich auch nicht davor scheuen, explizit auf Textfehler und Verspieler anderer Bandmitglieder und auch der eigenen Person hinzuweisen.
Als besonderes Highlight des Konzertteils ist hier wohl das stimmungsvolle "Hey Du" zu nennen, das zu Beginn und zu Ende einzig und allein von Gitarrist Peter vorgetragen wird, lediglich im Mittelteil geht das Licht auch für die anderen vier Bandmitglieder an, ansonsten ist es komplett dunkel in der Halle, nur ein einziger Scheinwerfer ist auf Peter gerichtet. Weitere Highlights sind "Frieda und die Bomben" mit Jan von Turbostaat, "To be Strong" mit Flo und Rüde von den Sportfreunden Stiller, "Hello Joe" und "Monster" mit den ehemaligen Bläsern der Butlers und "Loyal to None" mit erstmals auf einem Beatsteaks-Konzert eingesetzten Pyroeffekten.
Besonderes Schmankerl sind auf dieser DVD die vier zusätzlichen Live-Versionen von "Schlecht" aus vergangenen Zeiten. Zudem gibt es als weiteres Special mit dem die ärzte-Klassiker "Zu spät" noch einen deutschen Evergreen zu bewundern, den die Beatsteaks in der Deutschlandhalle zusammen mit Fettes Brot vorgetragen haben.
Zusätzlich enthält diese DVD noch vier Songs vom Hurricane-Festival 2005, während denen man erfährt, was es damit auf sich hat, dass Angus Young, Dee Dee Ramone, Ringo Starr, Farin Urlaub und Prince gleichzeitig auf der Bühne stehen und wie man ein komplettes Festival-Publikum dazu bringt, sich während eines Songs auf den Boden zu setzen.
Außerdem sind im "Bonus"-Bereich weitere kurze Konzertausschnitte aus vergangenen Jahren zu sehen – unter anderem auch Teile des legendären LKW-Gigs im Berliner Mauerpark mit einem nicht unbekannten deutschen Gitarristen als Gastsänger und einem ebenfalls nicht unbekannten Schlagzeuger der gleichen Band im Publikum.
Alles in allem bietet diese Doppel-DVD auch bei genauerem Hinsehen keinerlei Kritikpunkte. Meine wirklich hohen Ansprüche wurden durchweg befriedigt, der Sound ist überwiegend klar und laut - einfach grandios (wobei ein Special-Feature zugegebenermaßen alles andere als ohrenfreundlich ist, was aber zum Glück nicht an der Band liegt). Die Kameraführung ist nicht zu hektisch, aber immer noch schnell genug, um die Power eines Beatsteaks-Konzerts glaubwürdig wiederzugeben. Es wird deutlich, dass die Beatsteaks nicht zu Unrecht als die beste deutsche Liveband bezeichnet werden.
Der Umfang dieser DVDs ist überwältigend. Man merkt deutlich, dass die Band viel Zeit und Liebe in dieses Werk gesteckt hat. Allein die Gastauftritte lassen sich sehen: Thumb, Köfte von Mad Sin, Turbostaat, Jan Delay, Fettes Brot, Fünf Sterne Deluxe, Sportfreunde Stiller, die ärzte, die ehemaligen Bläser der Butlers, Jürgen Vogel und – last but not least – die Teenagers. Verzeiht mir, wenn ich jemanden vergessen habe, aber die Liste ist wirklich lang.
Wer sich beeilt, bekommt noch die Limited Edition im Pappschuber mit wirklich schickem, doppelseitigem Poster. Und ihr solltet euch wirklich beeilen. Kaufen, einlegen und genießen. Bamm!
Anspieltipps: DVD I: B-Seite - Der Film, Summer, I don't care as long as you sing, Hello Joe-Making of, onyx-Outtakes, DVD II: Frieda und die Bomben, Badfish, Monster, Schlecht, Hey Du, Loyal to None, Let me in, Torsten in Treptow, Teenagers Columbiahalle
Tracklist:
DVD I:
· B-Seite - Der Film:
01. Intro
02. 48/49
03. Die Steffi-Story
04. Jetzt gehts weiter mit Thomas
05. Launched
06. Ein neuer Mann am Bass
07. Living Targets
08. Let me in
10. Moses
11. Hand in hand
12. Abspann
· Videos:
01. Panic
02. Shiny Shoes
03. Summer
04. Let me in
05. Hand in Hand
06. I don't care as long as you sing
08. Hello Joe (+ Making of)
09. Frieda und die Bomben
· beat-tv:
01. VIVA-Featuring
02. onyx-Outtakes
03. MTV Award
04. Polen singt (Woodstock 2005=
· Making of Smack Smash
DVD II:
· Live Berlin / Hannover / Taubertal:
01. Summer
02. Ain't Complaining
03. Atomic Love
04. Unminded
05. Frieda und die Bomben
06. Not Ready to Rock
07. Badfish
08. I don't care as long as you sing
09. Schlecht:
· im SO 36
· in Kassel
· auf MTV Campus
· im Lindenpark
10. To be Strong
11. Indifferent
12. Hello Joe
13. Monster
14. Hey Du
15. Shiny Shoes
16. Loyal to None
17. Hand in Hand
18. Kings of Metal
19. Let me in
· Hurricane-Festival 2005:
01. What's coming over you
02. Panic
03. Hand in Hand
04. Let me in
· Bonus:
01. LKW-Gig im Mauerpark
02. Big Attack bei MTV Select
03. 1. Konzert
04. Trompetensolo Locke 19.12.1996
05. Torsten in Treptow
06. Uncle Sallys Party im BKA Zelt 13.12.1996
07. Shut up Stand up im Knaack
08. Teenagers Columbiahalle
Spielzeit: 265 Minuten
Bewertung: 10 von 10 Punkten
Label: Epitaph (Warner)
Release: 25.11.2005
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Kategorie: DVDs. |
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Green Day: Bullet in a Bible
Von Green Day erwartet mittlerweile vermutlich jeder eine hochklassige - nein, eine erstklassige - Produktion. Erst recht, wenn es um eine Live-DVD geht. Vorweg: Diese erstklassige Produktion ist mit "Bullet in a Bible" nicht gegeben.
Aber von Anfang an: Glücklich über eine Live-DVD, legt man diese ein und erfreut sich der ersten Töne von "American Idiot" und des beeindruckenden Anblicks von Milton Keynes (England), wo das Konzert aufgenommen wurde. Kraftvoll und vielversprechend legt die Band los, doch spätestens nach dem fünften "England!" und dem dritten "Allright!", die sich bereits im ersten Song andeuten, erreicht auch der geduligste Mensch irgendwann sein Maximum. Man ist versucht, die Skip-Taste zu betätigen, aber das ist bei einer DVD immer etwas schlecht. Also schaut man notgedrungen weiter.
Irgendwann kommt der Gedanke: Hey, sind Green Day live nicht eigentlich immer zu viert? Ja, das sind sie. Auf dieser DVD augenscheinlich nicht. Tré Cool, Mike Dirnt und vor allem der bis zum Erbrechen immer wieder angezoomte Billy Joe Armstrong nehmen fast die gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch. Jason White, der zweite Gitarrist, von dem man nach wie vor nicht so richtig weiß, was er eigentlich genau mit der Band zu tun hat, taucht höchstens mal am Bildschirmrand auf, wenn Armstrong ausnahmsweise mal nicht achtfach vergrößert erscheint.
So kommt es dann auch, dass schon "American Idiot" die Fronten klar klärt: Billy Joe Armstrong stellt sich mit seiner Gitarre - die er für den Moment übrigens nicht braucht, weil White für ihn die Drecksarbeit übernimmt und das markante Riff bis zum Zerbersten spielt - auf den riesigen, ins Publikum ragenden Steg und lässt sich feiern, als hätte er gerade das beste und längste Gitarrensolo der Welt gespielt. Davon träumt er vermutlich nachts.
Nachdem man die ersten viereinhalb Minuten mit Müh und Not überstanden hat, hofft man beim zweiten Track auf Besserung. Doch daraus wird nichts, denn erstmal kommt ein komischer Interview-Einspieler, dessen Inhalt ganz offensichtlich nicht wirklich relevant ist, wenn man das Konzert gucken möchte. Zu dem Zeitpunkt, wenn man alle Knöpfe der DVD-Fernbedienung erst nacheinander und dann gleichzeitig gedrückt hat, ist klar: der Mist lässt sich nicht ausschalten. An dieser Stelle wurde "Bullet in a Bible" ohne Wenn und Aber aus meinem DVD-Player entfernt.
Nach einer mehrtägigen absoluten Verweigerung wurde der zweite Versuch gestartet, um wenigstens mal alles vom Konzert gesehen zu haben. Durch das ständige Betätigen der Skip-Taste bei Einsetzen der Zwischenfilmchen gerät das Konzert jedoch jedes Mal wieder aus dem Fluss. Dazu kommt, dass es noch einen weiteren nervigen und dauerhaften Nebeneffekt gibt: das Bild wechselt unaufhörlich und in unerkennbarem Rhythmus und Zusammenhang zwischen Schwarzweiß- und Farbbildern.
"Boulevard of Broken Dreams", der Hit zu Erscheinen der DVD, fängt gar nicht erst mit Live-Bildern an, sondern zeigt die Band - konkret also drei Viertel der Band - in einem dem Videoclip ähnlichen Umfeld, bis dann nach einigen Sekunden erst wieder auf die Livebilder umgeschaltet wird. Auch dieses "Feature" lässt sich - welch Überraschung - nicht unterdrücken.
Zu erwähnen ist vielleicht noch, daß das Konzert - sofern es denn das gesamte Konzert ist, denn im Booklet ist ein als Hase kostümierter Mensch zu sehen, der auf der DVD mysteriöserweise nicht einmal im Ansatz auftaucht - mit 14 Songs und knapp über 60 Minuten Spielzeit äußerst kurz.
Durch diese extremen Einschränkungen hat man dann auch keine Lust mehr, die weiteren Aspekte dieser DVD zu entdecken. Einzig die beiliegende CD, die zum Glück nur das Konzert und keine nervigen "Zusatzfeatures" beinhaltet, bietet einen kleinen Lichtblick. Insgesamt ist diese DVD ein klarer Fehlschuss.
Anspieltipps: American Idiot, Jesus of Suburbia, Basket Case
Tracklist:
01. American Idiot
02. Jesus Of Suburbia
03. Holiday
04. Are We The Waiting
05. St. Jimmy
06. Longview
07. Hitchin' A Ride
08. Brain Stew
09. Basket Case
10. King For A Day / Shout
11. Wake Me Up When September Ends
12. Minority
13. Boulevard Of Broken Dreams
14. Good Riddance (Time Of Your Life)
Spielzeit: 65:12 Minuten
Bewertung: 3.5 von 10 Punkten
Label: Warner
Release: 11.11.2005
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Kategorie: DVDs. |
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Harlekin: In Disguise
"In Disguise" ist das Debütalbum von Harlekin. Eigentlich soll man ja mit Debütanten umsichtig umgehen, aber was man hier zu hören kriegt, ist - gelinde formuliert - unter aller Sau.
Was bei anderen Bands wie System of a Down oder Rammstein akzeptabel wäre, läutet hier ein eher unterdurchschnittliches Album ein: Eine Gitarrenwand mit anschließender Schlagzeugunterstützung. Es folgt mit "My Realms" ein Song, der irgendwie nicht so wirklich weiß, was er will. Das Lied holpert ohne Ziel einfach so vor sich hin. Dieser Status zieht sich von vorne bis hinten durch das gesamte Album und eigentlich klingt es wie jede andere Dilettanten-Produktion auch: Unfertig, unüberlegt, einfach mal drauf los. Manchmal ist das sympathisch, hier aber nicht. Das Album - obwohl man bei acht Songs vielleicht wohl eher von einer EP sprechen sollte - ist schlecht abgemischt, erscheint größtenteils dumpf und sowieso klingen alle Songs irgendwie gleich. Die ganze CD erscheint wie ein zusammengewürfelter Brei, der nicht schmeckt. Die Instrumente harmonieren nicht miteinander, die Musiker scheinen unkoordiniert ihre Line durchzuziehen, ohne auf eine Stimmigkeit untereinander zu achten. Lediglich einige Gitarrensoli, die auf eine bestimmte Art und Weise an Guns'n'Roses-Gitarrist Slash erinnern, und ein paar gelungene Keyboard-Einsätze lassen für einen Moment in der Tiefe der Songs schwelgen - jedoch nur, bis dann wieder eine undurchdringliche Gitarrenwand erscheint. Die Gitarre ist sowieso das überragende Instrument dieser Platte. Viel zu kurz kommt hierbei jedoch der Bass: Viel zu leise und mit viel zu wenig Druck gespielt. So fragt man sich beim Hören einiger Songs, ob da überhaupt ein Bass vorhanden ist.
Ein weiteres Manko von Harklekin ist der Gesang. Sänger Fizzy versucht anscheinend, irgendjemanden zu imitieren, denn seine natürliche Stimme würde sicher besser passen als dieses teilweise nervtötende Gekreische, das man hier zu Ohren bekommt. Als Gesang kann man das in großen Teilen zumindest nicht bezeichnen.
Einziger Lichtblick dieser CD ist das sechsminütige "Behind the Mask", das genügend Abwechslung bietet und ausnahmsweise auch mal stimmlich überzeugt. Erwähnenswert ist vielleicht noch "Rainy Day", das erinnert mich nämlich am Anfang ein wenig an Robbie Williams' "Advertising Space" - ob das jetzt gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt.
Alles in allem ist diese CD als ein Erstlingswerk, das man unter Freunden auf dem Schulhof vertickt, vielleicht geeignet, nicht jedoch als konkurrenzfähige CD, die ernsthaft Ansprüche auf die große Karriere erwarten lassen soll. In ein Genre könnte ich die CD nicht einordnen, aber da in der Promotioninformation was von "Punk Rock" steht, wollen wir das mal glauben, auch wenn Punkrock für mich etwas anderes ist...
Anspieltipps: Behind the Mask
Tracklist:
01. My Realms
02. Lonely in the Night
03. Wonderland
04. Rainy Day
05. Killer
06. Behind the Mask
07. Chess
08. Once Again
Spielzeit: 31:10 Minuten
Bewertung: 2.5 von 10 Punkten
Label: Firebird
Release: 21.10.2005
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Kategorie: Alben. |
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Hansen Band: Keine Lieder über Liebe
Jürgen Vogel: "Wir haben uns ja für die Recherche des Films hunderte von tausenden CDs angehört. Und da sind dann nur zwei CDs übrig geblieben, und das waren halt Tomte und Kettcar."
In diesen zwei Sätzen lässt sich die Konstellation der Hansen Band wohl am einfachsten erklären. Hansen, das ist eine Band, die eigens für den Film "Keine Lieder über Liebe" gegründet wurde. Dementsprechend war also auch die Hauptthematik des Album vorgelegt: die Liebe.
Die Hansen Band darf durchaus als die Ellenbogenelite der deutschen Independent-Szene bezeichnet werden. Neben Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch von den schon genannten Bands Tomte und Kettcar verstärken zudem Felix Gebhardt (Home of the Lame) und Max Martin Schröder (Olli Schulz & der Hund Marie) die Band.
"Keine Lieder über Liebe" ist ein Album, das auf Anhieb überzeugt. Es war seit langem mal wieder eine CD, die es auf Anhieb ohne jegliche Alternativen in die Dauerrotation geschafft hat. Zehn wunderbare Stücke über dies und das und jenes, namentlich also unter anderem über die Liebe, Jugendzeiten, Hydranten und - passend zum Film: Menschen, die ungefragt die Kamera draufhalten.
Das Album überzeugt zwar durchweg durch qualitativ hochwertige Songs, jedoch wirkt das Preis-Leistungs-Verhältnis bei einer Gesamtlänge von knapp 35 Minuten anfangs eher unfair. Dieser Eindruck verflüchtigt sich aber rasch, sobald man sich erst einmal in die Songs reingefunden hat. Wer typische Uhlmann- bzw. Wiebusch-Texte erwartet, wird nicht enttäuscht.
Allein anhand der textlichen Umsetzung und der musikalischen Darbietung lässt sich oft leicht erkennen, wer von den beiden für welchen Text verantwortlich zeichnet. Marcus Wiebusch steuerte dabei vier Songs bei, Max Martin Schröder schrieb drei Lieder, Thees Uhlmann zwei und Reimer Bustorff (Kettcar) verfasste den Text zu "Alles teilen".
Musikalisch ist das gesamte Album deutlich als typische Grand Hotel van Cleef-Produktion zu erkennen. Wer schrille Gitarrenriffs, wummernde Bässe und kräftige Schlagzeugsoli erwartet, wird ohne Zweifel enttäuscht. Stattdessen gibt es das typische van Cleef-Programm mit seichten Gitarren, überwiegend akustisch, selten auch mal leicht verzerrt. Jürgen Vogel versucht sich stimmlich an Tomte und Kettcar zu orientieren, was ihm zumeist auch in akzeptabler Weise gelingt. Einzig "Strand", das bereits 1994 als "Was hätten wir denn tun sollen" auf Wiebuschs Demotape "Hippiekacke" erschien, wirkt obgleich der grandiosen Vorlage doch eher schwach.
Alles in allem darf "Keine Lieder über Liebe" durchaus als gelungenes Erstlingswerk bezeichnet werden, wobei Jürgen Vogels Stimme natürlich immer noch verbesserungsfähig ist. Aus diesem Grund und auch wegen der kurzen Spielzeit gibt es hier nicht die volle Punktzahl. Ich sehe bei der Hansen Band jedoch durchaus das Potenzial, "Keine Lieder über Liebe" mit einem Nachfolgealbum steigern zu können.
Anspieltipps: Baby Melancholie, Junger Hund, Frankreich, Alles Teilen, Keine Lieder, Strand, 18. Stock, Sinkflug, Kreisen, Kamera
Tracklist:
01. Baby Melancholie
02. Junger Hund
03. Frankreich
04. Alles Teilen
05. Keine Lieder
06. Strand
07. 18. Stock
08. Sinkflug
09. Kreisen
10. Kamera
Spielzeit: 34:30 Minuten
Bewertung: 8.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 21.10.2005
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Kategorie: Alben. |
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muff potter.: Von wegen
Von wegen, Muff Potter wären in der Versenkung verschwunden. Nach zwei Jahren Pause meldeten sich die vier Münsteraner im Jahr 2005 eindrucksvoll zurück. "Von wegen" strotzt nur so vor Energie. Wenn man Sänger Nagel so sieht, kann man sich ja eigentlich auch gar nichts anderes vorstellen. Dementsprechend direkt drängt sich auch gleich eine Zeile aus dem ersten Song "Allesnurgeklaut" auf: "Wir können auch ohne Spaß Alkohol haben."
Ohne Atempause geht es weiter mit Lebensweisheiten, Alltagsgeschichten und einigen sinnlosen Phrasen. Die Texte fallen zum Teil zugegebenermaßen recht plump und nicht wirklich tiefgängig aus. Dafür hätte man sich vielleicht mal etwas mehr Zeit nehmen sollen. Die Musik gleicht das zu weiten Teilen aber wieder aus.
Ruhigere Stücke wie "Alles was ich brauch" passen jedoch nicht so recht in das Bild der Band. Nagel hat hörbare Probleme, seine kratzige Stimme zu verstecken oder zumindest angemessen unterzubringen. Sinnvoller wäre vermutlich gewesen, diese Parts Dennis Scheider zu überlassen, der auf dieser Platte zwar auch singt, neben Nagels markanter Stimme jedoch ganz und gar nicht auffällt.
Ganz allgemein klingt Nagels Stimme nur in wenigen Songs richtig gut. Melodische Gesangsparts wirken wie gewollt und nicht gekonnt, was sie wohl auch sind. "Von wegen" sollte jedoch nicht auf Nagels Stimme reduziert werden, denn darauf kommt es bei einem Muff Potter-Album nunmal nicht wirklich an.
Worauf es bei einem Album dieser Band ankommt bzw. was man erwarten sollte, kann gar nicht so recht konkretisiert werden. "Von wegen" ist einfach typisch Muff Potter. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist ein solides Stück Rock, das streckenweise überzeugt, auf der anderen Seite aber auch ziemlich enttäuschend sein kann. Ein Album für zwischendurch also. Ein paar Songs, die Hitqualitäten haben und ein paar Dekorationslieder für das Drumherum.
"Von wegen" ist keinesfalls ein schlechtes Album, aber es ist eben auch nicht umwerfend. Es ist durchschnittlich und wenn man mal keine Lust hat, skippt man viele der Songs einfach weiter. Das ist dann eben so. Trotzdem muss man sich "Von wegen" nicht schön saufen. Wir können auch ohne Alkohol Muff Potter haben.
Anspieltipps: Allesnurgeklaut, Wenn dann das hier, Von wegen (aus Gründen), Bring dich doch selbst nach Haus
Tracklist:
01. allesnurgeklaut
02. Wecker? Tickt.
03. Alles was ich brauch
04. Punkt 9
05. Antifamilia
06. Von wegen (aus Gründen)
07. Wenn dann das hier
08. Feuerficker
09. 22 Gleise später
10. Bring dich doch selbst nach Haus
11. Born blöd
12. Den Haag
Spielzeit: 43:20 Minuten
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Label: Universal
Release: 07.10.2005
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Kategorie: Alben. |
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Olli Schulz & der Hund Marie: Das beige Album
Liedermacher gibt es nur wenige in Deutschland. Und die, die es gibt, die sind meistens auch nicht wirklich gut. Olli Schulz ist eindeutig einer von den guten. Verpackt in ein witziges Gewand, fällt erst bei genauerem Betrachten auf, wie tiefsinnig und persönlich seine Texte eigentlich sind. Zusammen mit Max Schröder alias der Hund Marie und Produzent Swen Meyer produzierte Olli Schulz 2005 sein traurig schönes, zweites Album.
Und auch da schafft er es wieder, ernste Themen in witzige Melodien zu verpacken. "Die Ankunft der Marsianer" beispielsweise kommt in einem schnellen Countrysound aus den Boxen, der schnell über die Gesellschaftskritik in den Lyrics hinwegtäuscht. Olli Schulz schafft es vor allem durch seine aberwitzigen Liveauftritte immer wieder, die Menschen von seinen traurigen Liedern abzulenken. Hört man "Das beige Album", ohne die Person Olli Schulz zu kennen, könnte man meinen, da säße irgendwo in einer dunklen Kammer ein depressiver, kleiner Wicht, der mit sich selbst und der Welt nicht zurecht kommt.
Und genau das ist, was die Musik von Olli Schulz auszeichnet. Diese Fähigkeit, jeden anzusprechen. Jeden, der Songs zum Mitsingen sucht, jeden, der Songs als Erklärung bestimmter Situationen sucht, jeden, der gute Musik mag.
Natürlich ist nicht jeder Songtext von Olli Schulz ein kleines Stück Weltverbesserung. "Bettmensch" (im Intro zum Song ("Das allerletzte Date") wird der weibliche Part von Farin Urlaub gesprochen) und "Human of the Week" sind zum Beispiel klare Fälle von typischen Olli Schulz-Spaßsongs, in denen es weniger um Inhalte, als viel mehr um erzählenswerte Erlebnisse in seinem Leben geht. Geschichten aus dem Leben sind sowieso so eine Grand Hotel van Cleef-eigene Angewohnheit, die hoch anzurechnen ist. Besonders beliebt scheinen da Storys über Hunde zu sein, denn nachdem Thees Uhlmann bereits 2003 auf dem Tomte-Album "Hinter all diesen Fenstern" eine Ode an seinen mittlerweile verstorbenen Hund darbietet, besingt nun auch Olli Schulz mit "Affenbär" seinen vierbeinigen Gefährten.
Und dann kommt da so ein Song wie "Keine Zeit zu bluten" dazwischen, der die Menschen dieser Welt verflucht und wieder an die dunkle Kammer erinnert. Olli Schulz jedoch hebt sich von den typischen Weltkritikern ab. Olli Schulz lebt an der Sonnenseite des Lebens. "Denn mit dem Schmerz in ihrer Seele haben sich zu viele profiliert" sang er schon auf seinem ersten Album. Gute Liedermacher gibt es nach wie vor wenige in Deutschland. Olli Schulz ist einer von ihnen.
Anspieltipps: Spooky Girlfiend, Dann schlägt dein Herz, Die Ankunft der Marsianer, Keine Zeit zu bluten
Tracklist:
01. Der Film beginnt
02. Jetzt gerade bist du gut
03. Spooky Girlfriend
04. Dann schlägt dein Herz
05. Die Ankunft der Marsianer
06. Das allerletzte Date
07. Bettmensch
08. Schon lange was defekt
09. Affenbär
10. Keine Zeit zu bluten
11. The Message
12. Human of the Week
13. Klappskalli
Spielzeit: 43:59 Minuten
Bewertung: 6.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 27.06.2005
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Kategorie: Alben. |
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Bosse: Kamikazeherz
Manche werden vielleicht schonmal etwas von der Gruppe Hyperchild gehört haben. Hyperchild standen immer für Balladen aller Art. Lange, kurze, schnelle, langsame, gute, schlechte, fröhliche, traurige, nervige...
Hinter der Stimme von Hyperchild verbarg sich seit jeher Bosse, Axel Bosse. Bosse ist sozusagen ein Soloprojekt - na ja, eigentlich ein Hauptprojekt, denn Hyperchild gibt es mittlerweile nicht mehr. Die Frage "Wer sind denn die Bosse?" durfte ich allzu oft beantworten mit "Bosse, das ist Axel Bosse, sonst niemand." - "Aha, und was machen die so?"
Eigentlich hatte ich ja gesagt, es ist nur einer, aber wer das nicht versteht, der fragt halt nochmal nach, was "die" denn so für Musik machen.
Tja, die Axels machen auch Balladen, nur nicht ganz so viele. Neben den Balladen gibt es aber auch einiges Anderes zu hören. Eigentlich ist von Rock bis Elektropop alles dabei, was man sich so vorstellen kann, aber fangen wir mal von vorne an.
Das Album beginnt mit "Keine Panik" schonmal sehr gesellschaftskritisch: "Ich glaub die größten Silikonlippen und alle eure Liftings sind Gedenkstätten der Zeit / In der Welt, die ich besuche, stimmt alles auf den ersten Blick / Auf den zweiten bricht alles ein, doch das Styling sitzt perfekt". Musikalisch ist das Ganze in ein offensives, doch niemals aufdringliches Gewand gehüllt.
Textlich setzt sich der Widerstand gegen die heutige Gesellschaft in fast allen Songs fest, wobei in den Balladen "Niemand vermisst uns", "Diese Tage sind verloren", "Skizziert" und "Winterzeit" hauptsächlich Liebe und Verlust thematisiert werden. Vor allem "Niemand vermisst uns" geht sehr ans Herz, da es das Leben in einer Großstadt doch sehr emotional darstellt - und ja, es ist mir egal, ob es da wirklich um eine Beziehung in der Großstadt geht, ich bin so frei, es einfach mal so zu deuten.
Als besonders erwähnenswerte Ballade ist zudem "Das kleinste Glück" zu nennen, das mit einer Spiellänge von nicht weniger als sieben Minuten so manche Metal-Band übertrifft. Bei diesem Stück lässt sich Herr Bosse dann auch nicht lumpen, noch einmal ein paar Streicher ins Studio kommen zu lassen, um das Stück stimmungsvoll zu begleiten.
Apropos Begleitung: Fast jedes der 15 Stücke wird mal mehr und mal weniger subtil von elektronischen Melodien umgarnt, die dem Album insgesamt ein ganz besonderes Flair geben. Als gesangliche Begleitung gibt es bei "Novemberregen" Elke Brauweiler von der Berliner Band Paula - aufmerksamen Radiohörern vielleicht durch den Song "Als es passierte" bekannt - zu hören, die mit Axel ein wunderbares Duett singt. Der Song hat entgegen etwaigen Vermutungen übrigens nichts mit "November Rain" von Guns'n'Roses zu tun.
Als Fehltritt kann eigentlich kein Song bezeichnet werden. Was mir beim ersten Hören jedoch gleich negativ aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass "Highspeed" leider alles andere als Highspeed ist, was aber mehr eine Formsache als ein ernstzunehmender Kritikpunkt ist.
Das sechzehnseitige Booklet ist schön bunt gehalten, alle Texte sind vorhanden, was aber sowieso als Standard anzusehen ist. Leider ist das Artwork doch etwas unübersichtlich, was das Mitlesen der Texte in Echtzeit teilweise ziemlich erschwert.
Es bleibt zu sagen, dass "Kamikazeherz" ein ernstzunehmendes Album ist, das mit kraftvollen Songs wie der ersten Single "Kraft" genauso zu überzeugen vermag wie mit Elektropop ("Stadtastronauten") oder den doch etwas überrepräsentierten, schon erwähnten Balladen.
Anspieltipps: Keine Panik, Kraft, Niemand vermisst uns, Skizziert, Kilometerweit, Novemberregen, Explodiert, Das kleinst Glück
Tracklist:
01. Keine Panik
02. Inspiration
03. Kraft
04. Niemand vermisst uns
05. Stadtastronauten
06. Diese Tage sind verloren
07. Skizziert
08. Kamikazeherz
09. Kilometerweit
10. Highspeed
11. Novemberregen
12. Winterzeit
13. Reprise
14. Explodiert
15. Das kleinste Glück
Spielzeit: 61:19 Minuten
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Label: Capitol Music
Release: 25.04.2005
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Kategorie: Alben. |
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Wir sind Helden: Von hier an blind
Wir sind Helden gehören für viele zum typischen Klischee der wieder aufkeimenden "Neuen Deutschen Welle": Frontfrau, deutsche Texte, allgegenwärtig. So gesehen gehören die Helden allerdings nicht einfach nur dazu, sondern sie sind viel mehr die Begründer dieses Trends. Juli, Silbermond und Konsorten kamen allesamt erst nach Wir sind Helden. Nachdem "Die Reklamation", das Debütalbum der vier Berliner, erfolgreich gechartet ist, erhoffte man sich nun also einen ähnlichen Erfolg vom bekanntlich entscheidenden zweiten Album. Der Charterfolg stellte sich schnell ein, aber bietet "Von hier an blind" auch das, was die Charttabelle vermuten lässt?
Beim ersten Hören des Albums stellt sich ein gewisses "Jetzt bitte nicht noch eine Ballade!"-Gefühl ein, weil "Von hier an blind" wesentlich ruhiger und mit weniger Elektronik auskommt als der Vorgänger und dementsprechend auch ein paar mehr gefühlsbetonte Lieder zu bieten hat. Sobald man sich in das Album hereingehört hat, schwindet dieser Eindruck jedoch schnell und man versinkt regelrecht in den tiefgründigen Texten. "Wenn es passiert", Opener und gleichzeitig Singleauskopplung Nummer vier, erzählt von dem Moment, in dem man eine Bühne betritt oder zumindest davorsteht. Diesem einzigartigen Moment, den man eigentlich gar nicht so recht in Worte fassen kann. Weiter geht es in "Echolot" mit einer kleinen Psychoanalyse, in der Sängerin Judith Holofernes ihre Angst vor Haifischen umschreibt und zu verarbeiten versucht. Näheres dazu erfährt man auf der Bonus-DVD, die der Erstauflage beiliegt.
Das Titelstück des Albums, "Von hier an blind" also, ist definitiv der Aufreißer des Albums. Ab hier geht das Album so richtig los. Ohne die beiden Songs davor schlecht reden zu wollen, fehlt der CD bis dahin ein wenig Schwung, der hier durchaus zu finden ist.
Weiter geht es textlich mit Gesellschaftskritik ("Zuhälter"), Beziehungsproblemen ("Geht auseinander") und dem ersten Diss in der Bandgeschichte: "Zieh dir was an" richtet sich speziell gegen bestimmte Personen des öffentlichen Lebens, die sich des Geldes wegen quasi verprostituieren und halbnackt über die Mattscheibe laufen.
Durchaus tanzbar ist die Platte ebenfalls, denn spätestens bei "Gekommen um zu bleiben" hält es den geneigten Hörer nicht mehr still auf seinem Stuhl. Das Arrangement, das ein wenig an die Musik des frühen 20. Jahrhunderts erinnert, lässt den Blick allerdings allzu schnell von dem Text abgleiten, in dem die Helden sich gekonnt mit One-Hit-Wondern auseinandersetzen, die schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.
Alles in allem bietet dieses Album alles, was man nach "Die Reklamation" von einer Wir sind Helden-Platte erwartet hatte - nur eben ganz anders. Die CD ist wesentlich direkter, die Instrumentalisierung vergleichsweise abgespeckt und Judith Holofernes hat ihr nerviges laut-zwischen-den-Zeilen-Atmen glücklicherweise abgestellt. Gesellschaftskritisch und liebesbejahend ist dieses Album rundum gelungen, auch wenn es im Dauertest wohl nicht um eine längere Pause herumkommt, da - vor allem durch die letzten beiden Stücke bedingt - schneller als gedacht der "Jetzt bitte nicht noch eine Ballade!"-Effekt wiederkehrt, der ja eigentlich schon widerlegt schien.
Anspieltipps: Wenn es passiert, Von hier an blind, Zuhälter, Wütend genug, Geht auseinander, Zieh dir was an, Gekommen um zu bleiben, Nur ein Wort
Tracklist:
01. Wenn es passiert
02. Echolot
03. Von hier an blind
04. Zuhälter
05. Ein Elefant für dich
06. Darf ich das behalten
07. Wütend genug
08. Geht auseinander
09. Zieh dir was an
10. Gekommen um zu bleiben
11. Nur ein Wort
12. Ich werde mein Leben lang üben, dich so zu lieben, wie ich dich lieben will, wenn du gehst
13. Bist du nicht müde
Spielzeit: 48:13 Minuten
Bewertung: 7.5 von 10 Punkten
Label: Reklamation Records
Release: 04.04.2005
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Kategorie: Alben. |
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Kettcar: Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen
"Du betratst den Raum und wir wussten bescheid. / Ich und mein Stolz wussten: gleich ist es vorbei."
So oder so ähnlich erging es Kettcar wohl, als sie auf der Suche nach einem Plattenvertrag für ihr erstes Album "Du und wieviel von deinen Freunden" waren. Kein Label war bereit, die zugegebenermaßen etwas eigenwillige Band unter Vertrag zu nehmen. Als Alternative blieb schließlich nur, sich selbstständig zu machen und eine eigene Plattenfirma zu gründen. Heraus kam schließlich das "Grand Hotel van Cleef". Das Debüt wurde veröffentlicht und die großen Firmen rissen sich plötzlich um die Band - vergeblich. Kettcar sind nach wie vor dem Grand Hotel treu, "Du und wieviel von deinen Freunden" verkaufte sich mittlerweile 30.000 Mal.
2005 warfen Kettcar mit "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" ihr zweites Werk auf den Markt, dass von Anfang an von Erfolg gekrönt sein sollte. Wie das Debüt zwitschern uns auch die Spatzen allerlei Geschichten aus dem Alltag vom Dach. Dabei wird an verwirrenden und zweideutigen Phrasen keinesfalls gespart, allerdings ist jeder Text klar nachzuvollziehen.
Nehmen wir zum Beispiel das anfangs zitierte "48 Stunden", eindeutig das Herzblut dieses Albums. In seiner unverwechselbaren Art und Weise brummt uns Marcus Wiebusch von einem wunderbar traurigen Abschied vor, den sicher jeder von uns früher oder später einmal erleben wird.
"Eine grenzenlose Liebe gegen die paar hundert Kilometer / und wenn das hier mal ein Traum war, ist er böse, denn hier geht er. / ... / Wir sind nicht dafür geschaffen, uns zu belügen / und 48 Stunden können allen, aber nicht uns genügen. / Mach immer, was dein Herz dir sagt."
Selten wurden die Tatsachen so klar auf den Tisch gelegt, selten fühlte man sich selbst so gut verstanden. "Mit einfachen und klaren Sätzen, die einmal kurz klarstellen." Mehr muss dazu nicht gesagt werden.
Ganz so ernst geht es jedoch nicht immer zu. "Stockhausen, Bill Gates und ich" beispielsweise wird zwar in den auf der Bonus-DVD enthaltenen Linernotes - nur in der limitierten Erstauflage dabei - als wahr verkauft, versteht sich aber als gelungene Fantasieanekdote über das Event einer Schlägerei zwischen Karlheinz Stockhausen - einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts - und Bill Gates.
"Es ist besser, für das was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden."
Trotz aller Herumalberei trägt auch dieses Lied eine ernste Botschaft in die Welt.
Sätze, die die Welt erklären. In dieser Kategorie ist "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" die erste Adresse.
Musikalisch darf man allerdings keine Höchstleistungen erwarten - es handelt sich hier schließlich immer noch um eine Band, die die Welt ein Stück besser machen will. Dass dieses Vorhaben aufgrund mangelnder Angebote von Seiten der Plattenfirmen beinahe gescheitert wäre, wird in "Handyfeuerzeug gratis dazu" schonungslos gerächt.
"Dein Glaube ist gut, dein Herz ist richtig / ganz egal, ich höre den Hit nicht. / Und nur keine Angst, das sind nur Bands. / Nein, die tun nichts, die wollen nur spielen."
Neben Handyfeuerzeugen und Klingeltönen werden auch in "Einer" Trends miteinander verknüpft und bieten so Zündstoff für neue Verschwörungstheorien.
"Immer auf der Suche nach / der Suche nach den Schuldigen. / Einer muss es immer sein. / Einer muss, ganz allein."
Anstoß zu diesem Song war wohl das Schulmassaker in Erfurt und dessen Suche nach dem wahren Grund dafür. War es nun "Counter-Strike, Markus Merk, MP3s, Courtney Love"? "Die Entscheidung lag dann nicht mehr in unserer Hand."
Mitten rein in dieses wunderschöne Album sticht mit Balu eine herzerweichende Ballade, deren Inhalt sich um die Schwierigkeit dreht, einen überlegenen Menschen an seiner Seite zu haben. Will heißen, eine wunderbare Ode an die vermutlich wundervollste Frau der Welt. Die Metropole, neben der man wie ein kleines, verlorenes Dorf erscheint.
"Manche sagen es wär einfach, ich sage es ist heikel. / Du bist New York City, und ich bin Wanne-Eickel."
Vergessen ist dieser Zustand jedoch erst, wenn "du vergisst, was du weißt / in dem Gefühl wir wären eins." Oberflächlich betrachtet und fernab von jedem Zusammenhang zum Rest des Liedes kann man es auch anders ausdrücken: "Frieden ist, wenn alle gleich sind."
Kettcar sind vielleicht nicht elegant und cool, aber wenn man da hingeht, wohin die Songs von Kettcar gehen, ist elegant und cool eh unglaublich weit weg. "Deiche brechen richtig - oder eben nicht."
Kettcar beherrschen das, was immer weniger beherrschen oder beherrschen wollen: Kümmernde Songs, die aus sich selbst die Welt beschreiben.
"Und schwarz wird zu grau wird zu rot wird zu Licht / und benommen, verschwommen erkennen, was man will. / Meine Welt aufgehoben, meine Welt in 3 Wörtern erklärt."
Anspieltipps: Deiche, 48 Stunden, Einer, Balu, Stockhausen, Bill Gates und ich, Handyfeuerzeug gratis dazu
Tracklist:
01. Deiche
02. Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern
03. 48 Stunden
04. Einer
05. Tränengas im High-End-Leben
06. Balu
07. Stockhausen, Bill Gates und ich
08. Anders als gedacht
09. Die Wahrheit ist, man hat uns nichts getan
10. Handyfeuerzeug gratis dazu
11. Nacht
Spielzeit: 41:20 Minuten
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 07.03.2005
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Kategorie: Alben. |
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Tocotronic: Pure Vernunft darf niemals siegen
Tocotronic haben sich verändert. Sie sind anders geworden. Im Vergleich zu früher klingen ihre Songs jetzt erwachsener. Alles wirkt überlegter, man hat dazu gelernt. Auch äußerlich haben sich die Hamburger verändert. Statt Trainingsjacken und Jeans gibt es jetzt auch mal schicke Hemden im einheitlichen schwarz - um den Fans entgegenzuwirken, die sich zunehmend nach Tocotronic-Art kleideten. Was hat sich noch geändert? Achso, Tocotronic sind jetzt offiziell zu viert. Seit 2004 verstärkt Rick McPhail nach langjähriger Zusammenarbeit auf Konzerten nun auch offiziell mit Keyboard und Gitarre die Band.
Ein deutlich erkennbarer Unterschied zu "damals" ist auch die "Zielgruppe" der Songs. Zu früheren Zeiten waren die Texte wesentlich persönlicher und offener, man konnte teilweise allein aus den Songtiteln deren Hauptaussage erschließen ("Ich verachte euch wegen eurer Kleinkunst zutiefst", "Ich möchte Teil einer Jugenbewegung sein" oder "Alles was ich will ist, nichts mehr mit euch zu tun haben"). In den letzten Jahren rutschten die Texte bewusst immer mehr in die Anonymität ab. Vom Hörer wird augenscheinlich nichts mehr gefordert. Und dennoch wird genauso viel wachgerüttelt wie früher. Nur wird diesmal aus "Ach, der meint mich bestimmt nicht, wenn er 'du' singt" ein "Hey, der meint uns alle, wenn er 'ihr' und 'wir' singt". Die Texte sind verschlüsselter. Man muss sich damit auseinandersetzen, um sie zu verstehen, was mal mehr und mal weniger schwer bzw. leicht fällt.
Wer ganz genau hinschaut oder besser gesagt hinhört, dem fällt auf, dass die CD teilweise symmetrisch aufgebaut ist. "Pure Vernunft darf niemals siegen" - also quasi der Titelsong - stellt den Mittelpunkt der CD dar. Direkt drumherum befinden sich mit "Angel" und "Cheers for Fears" zwei Songs, die englische Parts enthalten. Wenn man so will, haben "Der achte Ozean" und "Tag der Toten" auch eine ähnliche Melodie. Nicht zu leugnen ist jedenfalls der Zusammenhang zwischen "In höchsten Höhen" ("In höchsten Höhen, wo wir schwindeln in tiefste Tiefen und zurück") und "In tiefsten Tiefen" ("Von hier aus gehen wir weiter"). Letzteres scheint in gewisser Weise ein zweiminütiges Reprise zum ersten zu sein. Was eigentlich als gutes Konzept zu verstehen ist, führt leider ab und an dazu, dass man sich fragt, ob man diese oder jene Stelle nicht ein paar Songs vorher schon einmal gehört hat.
Wer Glück hat, findet hier und da noch die limitierte Erstauflage im Digipack inkl. 3" Bonus-CD mit der "Mystery Symphony", die ihren Namen nicht zu Unrecht trägt. Das Instrumentalopus erstreckt sich über ganze 9 1/2 Minuten, während denen man schnell mal vergisst, dass man da gerade Tocotronic hört. Dass man auch bei den melancholisch angehauchten Stücken "Keine Angst für Niemand", "Angel", "Cheers for Fears" und "Ich habe Stimmen gehört" schnell mal vergisst, dass man da gerade eine eigentlich gute CD hört und trotzdem oder gerade deshalb den Ort des Geschehens verlässt, um kurz mal Erledigungen zu machen, spricht allerdings nicht unbedingt für die gerade erwähnten Songs. Ganz allgemein mindert die überschwängliche Melancholie den Genuss des Albums in voller Länge doch in den meisten Situationen maßgebend und man ist allzu oft versucht, spätestens zur Hälfte weiter zu skippen, aber da ist es meistens zu spät, weil der Song einen doch noch gepackt hat - obwohl man das ja eigentlich gar nicht mehr will.
"Pure Vernunft darf niemals siegen" enthält kein zweites "Hi Freaks" und auch kein zweites "This Boy is Tocotronic". Es hat weder aus der Masse heraus stechende Songs, noch hat es elektrische Parts. Dafür ist es als Gesamtkunstwerk gut aufeinander abgestimmt und viele der Songs funktionieren auch für sich stehend sehr gut.
"Pure Vernunft darf niemals siegen" war mein erster bewusster Kontakt mit Tocotronic und für mehrere Wochen dann auch mein letzter. Tocotronic ist nichts für Menschen, die locker flockige Gute Laune-Musik erwarten. Tocotronic ist ein Aufstand, eine Rebellion gegen die Otto-Normal-Gesellschaft. Es bedarf einiger Zeit, sich mit der Band anzufreunden. Bei mir hat es sogar einige Jahre gedauert, bis ich meine Abneigung gegenüber der sogenannten Hamburger Schule überwunden habe, aber es hat sich gelohnt.
Anspieltipps: Aber hier leben, nein danke, Der achte Ozean, Gegen den Strich, Pure Vernunft darf niemals siegen
Tracklist:
01. Aber hier leben, nein danke
02. In höchsten Höhen
03. Der achte Ozean
04. Keine Angst für Niemand
05. Gegen den Strich
06. Angel
07. Pure Vernunft darf niemals siegen
08. Cheers for Fears
09. Alles in allem
10. Mein Prinz
11. Tag der Toten
12. In tiefsten Tiefen
13. Ich habe Stimmen gehört
3" Bonus-CD:
01. Mystery Symphony
Spielzeit: 57:49 Minuten
Bewertung: 6 von 10 Punkten
Label: L'age D'or
Release: 17.01.2005
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Kategorie: Alben. |
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Kasabian: Kasabian
Kasabian haben mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum eine Platte vorgelegt, deren Stil schwer fortzuführen sein dürfte. Kraftvoll und energiegeladen machte sich die Band Ende 2004 auf, die Lieblingsband der Gallagher-Brüder zu werden. Fast schon pompös wirken Kasabian dabei auf ihrem Erstling.
Mit vollen Klängen und einer nie enden wollenden Synthesizer-Unterlegung groovt sich "Kasabian" bereits nach dem ersten Song eindrucksvoll ein. Tanzbar bleibt es auch weiterhin, wenn "Processed Beats" mit einer markdurchdringenden Bassline und choralen Refrains das Augenmerk auf sich lenkt.
Immer wieder verfeinern elektrische Einschübe die Songs des Albums. Verantwortlich hierfür zeichnet vor allem Mastermind Chris Karloff, der dem Album mit seinen elektronischen Beats den letzten Schliff gibt und damit nicht zuletzt für den typischen Kasabian-Sound sorgt. Dieser Stil wird zu großen Teilen jedoch auch vom Sprechgesang Tom Meighan's geprägt. Die charismatische Stimme des Sängers wird allzu oft verzerrt und mit allerlei Effekten verändert, bleibt aber immer wieder zu erkennen.
Bezeichnend für "Kasabian" ist, daß es eigentlich nur vier wirkliche Hits enthält, die jedoch das gesamte Album in ein sehr positives Licht rücken. Die restlichen Songs des Albums wirken - jeder für sich betrachtet - sehr monoton und schleppend. Die Tracks verstreichen sehr langsam. Das fällt jedoch im Gesamtverlauf des Albums nicht unbedingt auf. Die vier hervorstechenden Songs - die zufälligerweise auch alle vier als Single veröffentlicht wurden - sind wohl die einzigen Lieder, die man separat vom Album hören kann. Der Rest des Albums erscheint viel mehr als das, was ein Album sein sollte - nämlich als Gesamtkunstwerk. Das Herausschneiden einzelner Songs aus dem Zusammenhang wird "Kasabian" nicht gerecht und verschafft einen unverdient schlechten Eindruck, den das Album nun wahrlich nicht verdient hat.
"Kasabian" ist keine Ansammlung von Hits, sondern ein kleiner Haufen sehr guter Lieder, die von durschnittlichen bis guten Songs umspült werden, wobei speziell die zweite Hälfte - wohl bedingt durch den hohen Hitanteil in den ersten 5 Songs - mit zunehmender Spielzeit deutlich abfällt. Das Debüt ist experimentell, aber grundsolide. Das Potenzial für eine große Platte a lá Oasis ist bei dieser Band durchaus vorhanden, jedoch fehlt noch die Kontinuität in der Qualität der Songs.
Anspieltipps: Club Foot, Processed Beats, Reason is Treason, L.S.F., Cutt Off
Tracklist:
01. Club Foot
02. Processed Beats
03. Reason is Treason
04. I.D.
05. L.S.F. (Lost Souls Forever)
06. Running Battle
07. Test Transmission
08. Cutt Off
09. Butcher Blues
10. U Boat
Spielzeit: 53:30 Minuten
Bewertung: 5.5 von 10 Punkten
Label: Sony BMG
Release: 15.11.2004
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Kategorie: Alben. |
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Marr: Express And Take Shape
Alben, die die Welt nicht braucht. Gäbe es eine solche Liste offiziell, wäre sie wohl unendlich lang und "Express And Take Shape" würde definitiv auch darauf zu finden sein. Marr haben mit diesem Album nämlich ein so bizarr und unwirklich schlecht wirkendes Werk geschaffen, das vieles in den Schatten stellt.
Kein einziges "Lied" lässt auch nur den Ansatz einer Melodie erkennen, das Album besteht zu 99% aus schrecklichem, unrhythmischem Geschrei zu zum Teil annehmbaren Arrangements. Ein Review zu "Express And Take Shape" scheint wie ein Polizeibericht über einen Schwerverbrecher: Es kann einfach nicht positiv ausfallen. Dieses Album unterbietet fast alles, was man sich auch nur vorstellen kann.
Kaum ist ein Song vom Arrangement her einigermaßen okay, so wird er sofort und ohne Rücksicht auf Verluste von Sänger Jan Elbeshauen gnadenlos zerschmettert. Elbeshausen versteht es nämlich offenbar besser als jeder andere, ein Album allein mit seinem Gesang komplett zu zerstören. In den meisten Metal-Bands nennt man sowas "Shouter", bei Marr würde der Begriff "Destroyer" wohl besser passen.
Olli Koch, Dennis Becker und Andre Frahms bringen musikalisch durchaus vernünftige Songs zustande, jedoch gehen diese im Geschrei Elbeshausens komplett unter, was leider auch ein schlechtes Licht auf die auf diesem Album eigentlich ganz anständigen Musiker wirft, die schwer unter der Unfähigkeit ihres Sängers zu leiden haben.
Ein kleines, flackerndes Lichtchen dieser CD ist einzig und allein die Singleauskopplung "JD Mac Kaye", die auf unerklärliche Weise zumindest für kurze Zeit ein wenig Melodie und Rhythmus versprüht, jedoch im Gesamtbild dieses missratenen Albums auch nicht viel Hoffnung auf Besserung birgt.
Würde man nicht wissen, dass drei der vier Bandmitglieder der zum Glück inzwischen quasi aufgelösten Band auch imstande sind, gute Musik zu machen, könnte man meinen, hier hätten sich vier dilettantische Kammerjäger getroffen, die ein gutes Rezept zur Vetreibung von Ungeziefer suchten und dieses auch erfolgreich entwickelt und ausgefeilt haben.
Anspieltipps: JD Mac Kaye
Tracklist:
01. Are You There?
02. Express And Take Shape
03. Shaved Patrols
04. What A Good Way
05. A Crack In The Sky
06. It's True Metal
07. Aim And Missing
08. Drive Away Ghosts
09. JD Mac Kaye
10. Our Fashion Is Our Fashion
11. Confusion And Alphabet
Spielzeit: 46:45 Minuten
Bewertung: 1.5 von 10 Punkten
Label: Grand Hotel van Cleef
Release: 02.02.2004
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Kategorie: Alben. |
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