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Warum die Amis nicht aus dem Irak abrücken

19:17, 20.02.2007 .. 0 Kommentare .. Link
Stell dir vor:
- du lebst in einem Land, in dem seit Jahrzehnten ein Diktator herrscht, der sich nicht scheut, Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung einzusetzen.
- dein Land wird weltweit boykottiert, weil deine Obersten nicht dem entsprechen, was die wirtschaftlich Mächtigen dieser Welt wollen.
- die "Guten", die dein Land zuvor boykottiert haben, tun sich zusammen - naja, nicht alle, aber doch einige - und jagen deinen Diktator zum Teufel, erobern dein Land und bringen dir den Samen der Demokratie
- der kurze Eroberungskrieg ist inzwischen lange vorbei, es hat demokratische Wahlen gegeben und trotzdem herrscht noch immer kein Frieden in deinem Land
- in deinem Land leben 3 Volksgruppen, die sich in Religion und ethnischer Zugehörigkeit unterscheiden und die Untaten in der Vergangenheit machen es auch nicht leichter.
- die Eroberer, die ja eigentlich deine Befreier sind, haben sich in deiner Heimat festgesetzt, denken nicht daran, wieder heimzugehen, egal wie viele Bomben du und deine Landsleute ihnen auf den Kopf werfen

Und stell dir vor, der zivilisierte Westen sieht einfach zu, und tut nichts dagegen. Warum auch, ist doch alles in Ordnung, die Amis räumen ja nur auf, nach dem Chaos, dass sie angerichtet haben.

Was wissen wir Europäer nicht oder wollen wir nicht wissen: Nach dem Sturz von Saddam Hussein hatte der Irak 120 Milliarden Dollar Auslandsschulden. 39 Milliarden davon bei den Industriestaaten, hauptsächlich bei Russland, Frankreich, Japan und Deutschland, bei den USA hatte der Irak "nur" 2,2 Milliarden Schulden. 2004 nötigten die USA ihre OECD-Verbündeten, die meisten Auslandschulden des Iraks abzuschreiben, weil in den nächsten Jahren die Aufbauarbeit im Irak nicht gefährdet werden durfte und die Einbringlichkeit der Schulden äußerst fragwürdig war.
* 30% der Summe /11,6 Mia.) waren damals "jüngere" Zinsen, die annulliert wurden, der Rest wurde bis zu einer Zustimmung zu einem IWF-Standardprogramm ausgesetzt.
* Nach Genehmigung des IWF-Standardprogramms werden weitere 30% annulliert.
* Weitere 20% lassen die Gläubiger nach dam Abschlussbericht des IWF über die Durchführung des Standardprogramms nach drei Jahren nach.

Was würdest du als Irak machen? - Na, dich an das Standardprogramm des IWF halten, so wie es auch Indonesien, Polen, Kroatien, Serbien und Rußland diktiert bekamen. Der Irak musste seine wirtschaftliche Souveränität an die IWF-Technokraten in Washington abtreten. Die "abscheulichen (rechtwidrigen - weil vom Volk nicht gewollten) Schulden" der Hussein-Ära helfen dem Westen, im Irak eine "freie Marktwirtschaft" zu installieren.

Wie viele anderen Ländern musste der Irak als erstes seine Staatsunternehmen an ausländische Heuschrecken verkaufen. So steht der Irak heute also da: schlanker Staat, flexible Arbeitskräfte, offene Grenzen, minimale Steuern, keine(!) Kontrolle des Kapitalexports, keine(!) Zölle, keine(!) Auflagen für Eigentümer.

Folgen davon - für jeden Teenager sofort verständlich:
Verlust von Millionen Arbeitsplätzen
Erzeugnisse aus dem Ausland verdrängen heimische Güter vom Markt
Lebensmittel werden zum Haupterzeugnis
Geschäfte vor Ort und Familienbetriebe sperren zu wg. Wettbewerber aus dem Ausland

Eine solche Wirtschaft wird gezwungen für den Export zu produzieren, da ja noch ein Teil der Schulden bedient werden muss - in Dollar natürlich.

Nach der Wahl im Jänner 2005 wurden die 100 Bremer-Verordnungen umgesetzt. Lt. UNO-Resolution 1483 hatte Bremer das Mandat, den bestzten Irak im Rahmen des Völkerrechts zu verwalten. Wie weit seine 100 Verordnungen sich noch in diesem Rahmen befinden darf angezweifelt werden. So wird z.B. in Verordnung 39, Artikel 26 festgelegt, dass die irakische Übergangsregierung die 100 Bremer Verordnungen nicht ändern darf. Nach 2003 wurden 132.000 US-Soldaten in 14 Stützpunkten im ganzen Land stationiert, US-ergebene Bürokraten in jedes Ministerium eingeschleußt, die sich ggf. über Entscheidungen nachfolgender Regierungen hinwegsetzen würden. Ausländische Banken kaufen Minderheitsanteile privater irakischer Banken.

Den leidgeprüften irakischen Bauern wurde Saatgut nahezu kostenlos zur Verfügung gestellt. Aus den 10.000 jährigen Zucht- und Kreuzungsbemühungen der irakischen Bauern, die perfekt an die Bedingungen des Zwischenstromlandes angepasste Weizensorten hervorgebracht hatte, machte die neue Verwaltung 6 genmanipulierte Weizensorten, 3 für die Produktion von Teigwaren (Export -da die Iraker keine Teigwaren kennen) und 3 Sorten für die Produktion von Brot.

Und was passiert mit dem angebauten und reproduzierten Gen-Saatgut: Sollte die Ernte wieder angebaut (also kein neues Saatgut gekauft) werden, dann ist Lizenzgebühr für die patentierten Körner fällig, zu dem besonderen Dünger und Pestiziden, die diese Körner benötigen. (Die "Samenbank", in der die heimischen Sorten staatlich aufbewahrt wurden, wurde im Krieg zerstört, die Backup-Samenbank in Syrien wurde von der Ami-Verwaltung nicht berücksichtigt.) Das Patent auf das Saatgut läuft 20 Jahre. Wie lange werden wohl die Amis im Irak bleiben - Schätzungen werden angenommen?

Verbesserungsvorschläge:
ich habe ehrlich gesagt keine, ich weiß nicht, wie man gegen eine solche Übermacht antreten könnte und mit friedlichen Mitteln die Mießere beenden könnte. Vorschläge werden gern angenommen.

Die Infos stammen aus:
*Schmied, Jeremy, "Iraq: Order 81" in "The Ecologist", Jg 35, Nr. 1
*Wortlaut der 100 CPA (Bremer)-Verodnungen unter http://www.iraqcoalition.org/regulations/index.html#Regulations
*IRIN, "Irak: Interview mit dem LAndwirtschaftsminister" http://www.irinnews.org 16.12.2006
*Paris-Club "Irak", 21.11.2004, http://www.clubdeparis.org
*Cook, Christopher, "Plowing Iraq for Profits" in "These Times", 14.3.2005
*Engdahl, F. William, "Saat der Zerstörung", Rottenburg 2006
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