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Freiheit und Menschenrechte am Altar des Kapitalismus opfern

14:07, 27.09.2007 .. 0 Kommentare .. Link
Mit dem gestrigen Vollmond hat der friedliche Protest der burmesischen Mönche eine blutige Seite bekommen. Man möchte doch meinen, das buddhistische Mönche sich mit dem Vollmond und seinen Auswirkungen auf die Aggression und Gewaltbereitschaft der Menschen auskennen...

Tatsache ist, dass jetzt nach fast 20 Jahren, seit dem letzten Blutbad unter der Opposition in Burma wieder die Schwelle zum Blutvergießen überschritten wurde - und die Welt sieht zu!

Eine Resolution des Sicherheitsrats gegen diese Vorgehensweise der burmesischen Junta konnten wegen Chinas Veto nicht verabschiedet werden. Natürlich, was haben wir erwartet? China war angesichts der Austragung der Olympischen Spiele nicht bereit, seine Vergangenheit und die Gewaltakte am Platz des Himmlischen Friedens aufzuarbeiten, auch nicht die tägliche Missachtung der Menschenrechte beginnend von Meinungseinschränkung bis zum Organhandel von Deliquenten.

Was kann der Rest der Welt tun? Schweigen, weil uns China den Mund verbietet. Ein einziges Land nimmt alle Nationen der Welt in Geiselhaft? Ist das möglich, weil die Spielregeln der Uno das erlauben? Eine Resolution des Sicherheitsrates kann nur verabschiedet werden, wenn keines der Mitglieder ein Veto einlegt, und was ist schon eine Resolution?

Wo bleibt denn jetzt der wildgewordene Texanische Cowboy, der auf die Uno pfeift und sich als Weltpolizist aufspielt. Was ist mit einer Befreiung Burmas nach dem Vorbild der irakischen Befreiung? - Oder besser doch nicht, man könnte den chinesischen Geschäftspartner, der über solch riesige Dollarreserven verfügt, dass allen Börsianern bei dem Gedanken daran schlecht wird, verärgern. Burma liegt viel näher an Vietnam als der Irak....

Warum verabschieden die anderen Mitglieder des Sicherheitsrates nicht eine Erklärung mit dem Zusatz - China war zwar dagegen, aber was geschehen ist, ist trotzdem Unrecht! Warum werden olympische Spiele in Peking nicht boykottiert wie anno dazumals in Moskau? Südafrika durfte wegen der Apartheidspolitik nicht an olympischen Spielen teilnehmen, und was ist mit China, die dürfen schon? Die dürfen die Spiele sogar austragen!

China ist ein Wirtschaftsfaktor. Kein größeres heimisches Unternehmen, das nicht in irgendeiner Weise von den chinesischen Billiglöhnen und fehlenden Umweltauflagen profitiert. Wir bauen unseren Wohlstand nicht nur auf den Schäden, die wir allerorts der Umwelt zufügen, sondern nun auch auf dem Blut buddhistischer Mönche.

Natürlich kann ich versuchen, keine Produkte aus China mehr zu kaufen, überlege ich hier während ich auf einem Lenovo-Laptop schreibe und auch mein T-Shirt ist sicher aus China, wahrscheinlich auch meine Jeans und die Schuhe. Als Konsument kann ich mich fast nicht verweigern, was eine amerikanische Journalistin in einem Buch bewiesen hat.

Also kann ich auch schlecht von Unternehmen verlangen, ihre Kontakte mit chinesischen Unternehmen abzubrechen und von Regierungen, die olympischen Spiele zu boykottieren. Was bleibt uns zu tun? Stricknadeln raus und Pullover aus heimischer Wolle stricken, am besten in der Farbe "Ochsenblut", in der die buddhistischen Mönche gewandet sind?

Doch weniger Chinaprodukte? Olympia verweigern, indem ich nicht fernsehen werde? Heimische teuere Schuhe kaufen, die jahrelang halten und keinen so großen CO2-Rucksack mitschleppen?

Boykottiert man eine Atommacht wie China, kann das gefährlich für den Weltfrieden werden. Wildgewordene Chinesen, wäre das letzte, was unser Planet brauchen könnte. Aber was haben die Menschen in Burma, die Menschen im Irak, die Menschen in Darfur vom Weltfrieden? Kein totgeprügelter Mönch, kein geschändetes Mädchen, kein Selbstmord-Attentäter (aus aussichtsloser Verzweiflung und fehlgeleiteter Religiosität) hat etwas davon, dass wir in Frieden und Wohlstand leben. Aber wir sorgen uns um Renditen und den Erhalt der Arbeitsplätze, wo wir doch genau wissen, dass nie genug Arbeit für alle Menschen der Welt vorhanden sein wird.

Frieden um jeden Preis! Wenn man Frieden mit "nicht  Krieg" im Sinne von Soldaten und Angriffen mit Fliegern, Bomben, Panzern etc. definiert!

Und der soziale Friede, wo bleibt der? Wo bleiben, Friede und Gerechtigekeit für die Burmesen? Wo bleibt die gerechte Umverteilung der Ressourcen unserer Welt? Warum sehen viele den Ausweg nur darin, sich vor Panzer oder Knüppel in den verlängerten Armen der Machthaber zu werfen, und wieder andere darin, sich selbst zu ermorden und möglichst viele vermeintliche Feinde dabei mitzunehmen?

Wenn ich nichts mehr zu verlieren habe, meine Familie, meine Kinder aber möglicherweise durch meine Tat gewinnen können, bleibe ich dann noch immer ein Pazifist?  Schaffe ich es dann noch passiv Widerstand zu leisten, oder nehme ich auch den Pflasterstein auf? Würde ich mich in der roten Robe niederprügeln lassen, oder würde ich mich wehren? Ist Pazifismus nicht oft auch eine angenehme Ausrede eines satten Bauches?

Und prügeln nicht täglich 20 % der Weltbevölkerung die restlichen 80 % im übertragenen Sinn nieder? Ja, es ist tragisch und verurteilenswert, was in Burma passiert, ob China das nun auch so sieht oder nicht! Und was ist mit unserem alltäglichen Wohlstand, der auf den Mängeln der restlichen Welt gebaut wird? Der immaginäre Knüppel in meiner Hand, wenn ich zum Glas Orangensaft greife, während KInder in den Orangen-Anbauländern verhungern. Der immaginäre Knüppel in meiner Hand, wenn ich das 2-Euro Baumwoll-T-Shirt, das rund um die Welt zu mir gereist ist, anziehe, während jährlich 10.000 Menschen von den 1,5 Millionnen Vergifteten aus dem Baumwollanbau sterben? Für 2 Euro!

Wir haben's gut, sind auf die Butterseite gefallen. Wir hatten das Glück des Tüchtigen, sagen wir gern. Ist es das wirklich? Ist es nicht einfach nur das Recht des Stärkeren? Aber auch wir werden schwächer - und die tüchtigen Chinesen stärker. Und wir gestehen ihnen das zu, keine Resolution, was hätte sie auch schon geändert an den Zuständen in Burma?

Wir sehen zu, denn das sind wir: eine Gesellschaft von Konsumenten, die die Eigenverantwortung bereits abgegeben hat. Der es so gut geht, dass die Bilder der verzweifelten Burmesen bestenfalls ein Schulterzucken hervorrufen, neben dem Kopfschütteln ob Bush's letzter Erklärung, das Klimaschutz nur freiwillig erfolgen kann. Dann blättern wir in der Zeitung weiter oder zappen zu einem anderen Kanal. Uns geht's gut und wir können ohnehin nichts tun ....

Oder doch?
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